Kampf um die 5. Galaxis


  • Deutscher Titel: Kampf um die 5. Galaxis
  • Original-Titel: L'umanoide
  • Alternative Titel: Cosmic King The Humanoid Robotkriget Robot mennesket Uzay Kartalları Ta anthropoeidi saronoun ti Gi
  • Regie: Aldo Lado
  • Land: Italien
  • Jahr: 1979
  • Darsteller:

    Richard Kiel (Golob)
    Corinne Cléry (Barbara Gibson)
    Leonard Mann (Nick)
    Barbara Bach (Lady Agatha)
    Arthur Kennedy (Dr. Kraspin)
    Ivan Rassimov (Lord Graal)
    Marco Yeh (Tom Tom)
    Massimo Serato (Great Brother)

Kino-Plakat von Kampf um die 5. Galaxis

Vorwort:

„Metropolis, vor unendlich langer Zeit als Erde bekannt, steht vor seiner schwersten Stunde…“

Die Galaxis, oder zumindest die Erde, ähm, Metropolis, erzittert! Denn Lord Graal (Ivan Rassimov) ist es gelungen, vom Gefängnissatelliten, wo der Herrscher der friedlichen galaktischen Demokratie (hm, sollte er dann nicht der gewählte Vorsitzende oder der Präsident sein? Herrscher klingt so autokratisch, diktatorisch oder feudal), „der große Bruder“ (Massimo Serato), seinen kleinen, bösen Bruder einquartiert hatte. Und der, vorzugsweise in einen schwarzen Anzug mit Sado/Maso-Maske gekleidete, Bösewicht hat nunmehr nur noch Rache im Sinn. An seiner Seite befindet sich seine Verbündete und Gefährtin Lady Agatha (Barbara Bach), zusammen befehligen sie ein großes Schlachtenraumschiff. Zusätzlich haben sie sich noch die Dienste von Dr. Kraspin (Arthur Kennedy) gesichert. Der soll ihnen eine Armess willfähriger Sklaven erschaffen, wofür er aber das von ihm erfundene Element Kappatron benötigt, das bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Grovan Institut auf Metropolis, verwahrt wird.

Graal schickt also zwei seiner Soldaten dorthin (wie Lord Graal nach seinem Ausbruch schon feststellte, sind die Soldaten der Metropolitaner schon ziemliche Luschen, die Soldaten stoßen auf keinerlei nennenswerte Probleme; das spricht auch nicht gerade für die Sicherheitssysteme der Forschungsanlage), das Kappatron zu stehlen und die Wissenschaftlerin Dr. Barbara Gibson (Corinne Cléry) zu töten. Jene erhält jedoch eine telepathische Botschaft von ihrem Schüler Tom Tom (Marco Yeh), was sie dazu veranlasst, das Institut zu verlassen. Also metzeln Graals Mörder alles nieder, können das Kappatron in ihre Gewalt bringen, doch müssen in Bezug auf Barbara vermelden, den gewaltsamen Lebensabbruch an ihr nicht vollzogen zu haben. Lord Graal selbst ist das recht schnuppe, war das Ableben der Forscherin ja alleinig der Wunsch von Koalitionspartner Dr. Kraspin, der einen großen Groll gegen sie hegt, weil er wegen ihr einst verstoßen wurde, weil sie seine Forschungsarbeit, eben das genannte Kappatron, als böse an den Pranger stellte. Dennoch ist es ihm wichtig, den Doktor sich gewogen zu halten, denn in zweiter Funktion efüllt er Lady Agathas Wunsch nach ewiger Jugend.

Das eitle Frolein mit Adlerschwingen-Frisur (bitte jetzt einfach an das entsprechende Nic-Cage-Meme denken) bekommt nämlich schon einen mittleren Herzkasper, wenn sie glaubt, nur einen Tag gealtert zu sein. Das dazu benötigte Serum gewinnt er aus der Essenz von jungen Frauen, wozu man bemitleidenswerte, attraktive Sklavinnen in eine an ein gläsernes Folterinstrument erinnernde Vorrichtung mit Nadelwand steckt. Graal hat zwar großes Interesse daran, seine Gefährtin glücklich zu machen, aber sein vordringliches Ziel ist natürlich die Eroberung von Metropolis und der Tod seines großen Bruders. Und tatsächlich ist ihnen das Glück hold: Golob (Richard Kiel), ein riesenhafter, aber eigentlich friedlicher Humanoid, muss mit seinem Roboterhund Kip (der sich seiner Altöl-Absonderungen entledigt, indem er sein Beinchen hebt und sie rauspisst, und später natürlich sogleich Freundschaft mit Tom Tom schließt) auf Noxon, wo sich das Versteck des Schurken befindet, notlanden. Er fällt den Häschern des rachsüchtigen Rüpels in die Hände, und Dr. Kraspin unterzieht ihm darauf eine Behandlung mit dem Kappatron. Um ihn quasi im Einsatz zu testen, sendet Graal ihn aus, um den großen Bruder zu töten.

Auf Metropolis kämpft sich Golob auch mühelos durch die Truppen des Palastes (die sind irgendwie wirklich zu nichts zu gebrauchen) und dringt zum großen Bruder vor. Nur der tapfere Nick (Leonard Mann) steht noch zwischen dem Ungetüm und den Herrscher der galaktischen Demokratie, im Angesicht des Kräfteverhältnisses aber wohl auf eher verlorenen Posten. Doch in letzter Sekunde befiehlt Kraspin Golob, erst Barbara Gibson zu töten (ein ziemlicher Eigenbrötler, der Doc). Zwar kann Tom Tom den Hünen bändigen, dennoch fällt seine Lehrerin Barbara den Handlangern des Bösen in die Hände. Da der friedfertige große Bruder sich weigert, einen großen Angriff auf Noxon zu starten, aus Angst, dass die dortige Bevölkerung Schaden nimmt (vermutlich wohl eher, weil seine Soldaten, bis auf Nick freilich, einfach zu unfähig sind und dem Tod geweiht wären), schickt er nun eben Nick, um Barbara Gibson aus der Gewalt des Feindes zu befreien. Selbstverfreilicht wird er dabei von Tom Tom und dem inzwischen zurück zum Guten bekehrten Golob nebst Blechtöle begleitet. Schaffen sie es, die süße Lehrerin zu befreien? Können sie die Pläne des Feindes durchkreuzen? Dürfen wir noch irgendwann einen Blick ins Schlafzimmer von S/M-Lord Graal und Bathory Agatha erhaschen? Stirbt der nervige Tom Tom einen befriedigenden, qualvollen Tod? Fragen über Fragen…

Inhalt:

Schon im Jahr zuvor hatten die Italiener mit STAR CRASH – STERNE IM DUELL eine Space Opera im Fahrwasser von KRIEG DER STERNE vom Stapel gelassen. Doch während sich der Film von Luigi Cozzi (hervorragend besetzt mit Marjoe Gortner, dem Göttlichen, Hottie Caroline Muro, Hollywood-Star Christopher Plummer, der nur mal wieder Urlaub am Mittelmeer machen wollte, dem fiesen Joe „Maniac“ Spinell, der noch nicht der Muro nach dem Leben trachtete, und, last but not least, einem jungen David Hasselhoff) eher an dem uramerikanischen FLASH GORDON orientierte und damit den kurz darauf folgenden Film von Mike Hodges teilweise vorwegnahm, ging man bei KAMPF UM DIE 5. GALAXIS in die Vollen und räuberte alles aus dem Lucas’schen Original, was nicht bei drei auf dem Baum war. Nur halt in billig. Es gibt hierbei Raumschiffmodellen, eintönige Studiosets und Matte Paintings unterschiedlichster Qualität zu bestaunen. Und da Science-Fiction resp. Weltraumoper kein Genre war, dass man in Italien mit irgendeiner Art von Ernsthaftigkeit betrachtete, wollten die Produzenten den Kampf von Gut gegen Böse als ein Kinoerlebnis für die ganze Familie: Für den Papa gibt es da das tiefe Dekoleté von Lady Agatha, für Mama die starke Frauenfigur der Doktorin Barbara Gibson und für die Kleinen den nervigen Tom Tom und den vermeintlich niedlichen Robo-Wauwau (und für den komischen Onkel, der nie zu Familienfeiern eingeladen wird, die zahlreichen S/M-Anleihen, wie mir deucht).

Natürlich gibt sich die Produktion alle Mühe, möglichst viel einzubauen, das an den Blockbuster aus den USA erinnert, angefangen bei den handelnden Personen. Lord Graal, dem wir dankenswerterweise (die Bösen sind doch immer interessanter) einen Großteil der Handlung folgen, ist natürlich das billige Gegenstück von Darth Vader. Allerdings erinnert sein Kostüm und vor allem sein Helm eher an Lord Helmchen aus MEL BROOKS‘ SPACEBALLS. Dass er aber nicht vollkommen zur Witzfigur wird, verdankt der adelige Unhold nicht nur der Tatsache, dass Ivan Rassimov sicherlich größer und weniger zappelig als Rick Moranis rüberkommt, sondern sein Gesicht auch eine aus Lederriemen gefertigte Maske ziert, nach der man wohl am ehesten im S/M-Bereich eines Sexshops suchen würde. Da die Italiener ihren Antagonisten auf keinen Fall so impotent wirken sollte wie Lord Vader im Original, stellte man ihm hier mit Lady Agatha eine ebenso gut aussehende wie boshafte und egozentrische Gespielin zur Seite, die immer mal wieder eine sadistische Ader aufblitzen lässt. Die Tatsache, dass sich die Nadelwand der zur Gewinnung ihres Serums benötigten Apparatur quälend langsam auf die Essenz-Spenderin zubewegt, macht im Endeffekt technisch kaum einen Sinn, wird also nur dem mutmaßlichen Lustgewinn der Lady zuträglich sein. Oder der gute Dr. Kraspin befand dies für eine gute Idee, zumal der auch kaum alle Lichter mehr im Oberstübchen zu brennen hat (sein wahnhafter Hass auf Barbara Gibson erinnert ein wenig an den schnuffeligen Richard Lynch in INVASION USA, der nachts von seiner Nemesis Matt Hunter träumt und des Tages keine Gelegenheit ungenutzt lässt, wie wichtig es ihm ist, dass Hunter endlich das Zeitliche segnen möge). Genau wie bei den Massakern der bösen Schergen im Grovan Institut und beim Überfall auf den großen Bruder, darf hier doch schon mal die Tauglichkeit zur kindgerechten Unterhaltung in Zweifel gezogen werden.

Auf der anderen Seite haben wir dann den kleinen Kinderhelden Tom Tom, der das Äquivalent zu Luke Skywalker aus der gerippten Weltraum-Saga darstellt. Und der macht nun mal das, was Kinder so tun – er nervt, und zwar gewaltig. Statt der martialischen Macht der Jedi besitzt er telepathische Fähigkeiten, mit welcher er nicht nur seine Lehrerin Dr. Gibson vor dem Angriff auf das Institut, und damit ihr Leben, rettet, sondern auch später den fremdgesteuert freidrehenden Golob beruhigt und wieder zu sich selbst führt. Er ist immer die Ruhe selbst und hat zu allem einen esoterisch klingenden, neunmalklugen Spruch auf Lager. Zusammen mit dem Robohund Kip bildet er die Zweifaltigkeit aus Pest und Cholera. Man kann froh sein, dass deren Screentime in der ersten Hälfte arg begrenzt und in der zweiten im Dauerfeuer der Kampfhandlungen weniger störend ausgefallen ist. Barbara Gibson soll wohl eine starke, unabhängige Frau mit einer führenden Position in der Forschung darstellen (wahrscheinlich besetzt sie nun den Posten, den eigentlich Dr. Kraspin mal inne hatte), doch schlafwandelt die Gute scheinbar durch weite Teile des Films, und muss, wie die kämpferisch veranlagte Prinzessin Leia in der ersten Hälfte von KRIEG DER STERNE, dann noch als damsel in distress herhalten und sich retten lassen. Der Ersatz für Han Solo heißt hier Nick, der ist kein krimineller Abenteurer und Glücksritter, sondern ein besonders tapferer Soldat mit Schlagkraft und Selbstvertrauen (wohl der einzige in seiner Truppe). Der als Herrscher einer galaktischen Demokratie (was für unseren zeitgemäßes Demokratieverständnis sicherlich etwas komisch klingt) auftretende große Bruder (ja, er hat nicht einmal einen Namen) besitzt nur die Funktion, das behauptete Gegenteil seines jüngeren Bruders Graal zu sein (und da dieser sich Lord nennt, müsste er ja auch adelig sein; jessas, soll da einer schlau draus werden), und damit die Projektion all dessen, was Graal nicht mag und aus dem Weg haben will.

Und was ist mit Golob? Dem Vernehmen nach wurde die Rolle extra für ihn geschrieben, als den Produzenten es gelang, den als Beißer aus dem Bond-Abenteuer DER SPION, DER MICH LIEBTE (in dem zufällig Barbara Bach das Bond-Girl gab) bekannten Richard Kiel zu verpflichten. Aldo Lado, der zusammen mit Adriano Bolzoni (DER MÖRDER DES CLANS, IM DUTZEND ZUR HÖLLE) das Skrip verfasste, war jedenfalls wohl nicht zu beneiden. Für die Action-Szenen hatte man Enzo G. Castellari (RACKET, EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE) angeheuert, während als hauptverantwortlicher Regisseur Lado die internationalen Darsteller dirigierte (ihm wurde zum Kinostart das Pseudonym George B. Lewis aufoktoiert, dass gewiss die Assoziation zu George Lucas und STAR WARS/KRIEG DER STERNE erleichtern und die Zuschauer zu KAMPF UM DIE 5. GALAXIS in die Lichtspielhäuser locken sollte). In Anbetracht des mutmaßlich eng gesteckten Drehplans im Juni 1978 und der vielen nötigen F/X-Shots dürfte es ein ziemliches Tohuwabohu gewesen sein. Und Aldo Lado, so sehr ich ihn für seine zuvor entstandenen Gialli verehre (MALASTRANA, THE CHILD, MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN), gelingt es schlicht überhaupt nicht, seine Stars untereinander auf Augenhöhe zu bringen. Dazu gesellen sich so einige Probleme im Skript, die dem Pacing ein Bein stellen, da viele Szenen (vornehmlich die mit Lord und Lady, aber auch einige, in denen unsere Freunde dem Freunde sein frönen), so schmuck sie teils dann auch ausschauen (eben gerade erstere), einfach viel zu lang oder gar überflüssig geraten sind. Kameraführung und Schnitt machen dann auch keine Anstalten, von sich aus ein wenig Dynamik, zumindest auf optischer Ebene, ins Spiel zu bringen. Die Musik von Altmeister Ennio Morricone († 2020) glänzt zwar mit einem schwungvollen Titelstück, düdelt zwischenzeitlich aber auch mal arg uninspiriert vor sich hin. Trotzdem gelingt es Lado, hin und wieder eine memorable Szene aus dem Ärmel zu schütteln, wie bereits erwähnt meist unter Mitwirkung der Fraktion des Bösen. Und wenn es mal doof wird, ist es schon so hilarious, dass man nicht nur schmunzelt, sondern in ein hysterisches Gegacker verfällt, als eine Mischung ungläubiger Belustigung und beginnenden Wahnsinns, diesen Schkmarrn ernsthaft auf dem Bildschirm zu verfolgen.

Der illustre Cast meistert seine Aufgaben mit unterschiedlichem Engagement. Richard Kiel wurde auf den Plakaten immer ganz oben genannt, aber als etatmäßiger Star des Streifens hat er erstaunlich wenig zu tun. Man kann nur spekulieren, ob es daran lag, dass er darstellerisch eher begrenzt war, Lado einfach nicht der richtige Regisseur für ihn, oder sich einfach sein Elan in Grenzen hielt, nachdem er unterschrieben und das erste Mal das Drehbuch in der Hand gehalten hatte. Er drischt böse guckend auf die Guten ein, später dann (halbwegs) enthusiastisch auf die Bösen. Dazwischen grinst er immer mal wieder debil in die Gegend, das hat er ja bei Bond schon ausführlich geprobt. Er funktioniert halt größtenteils über seine Physis und sein kantiges Gesicht (das hier allerdings durch die lächerliche Kapuze seines Dresses gar nicht so kantig wirkt). Im gleichen Jahr ging es für ihn dann, wieder als Beißer im nächsten Bond und auch zum Guten bekehrt, in MOONRAKER abermals ins Weltall. Barbara Bach, die, wie erwähnt, mit Kiel in DER SPION, DER MICH LIEBTE zu sehen war und auch acht Jahre zuvor schon mit Regisseur Lado MALASTRANA drehte, hat sich den markanten Abschluss in der Aufzählung der Darsteller, inklusive Nennung des Rollennamens, sichern lassen. Sie hinterlässt als gefühlskalte Lady Agatha einen soliden Eindruck, hat aber aufgrund der beinahe schon apathischen Züge ihrer Figur nicht sehr viel zu tun. Einzig, wenn sie sich besorgt an den Doktor wendet, da sie von Minute zu Minute zu altern fürchtet, vermitteln erstaunlich zurückgenommen und subtil etwas vom emotionalen Innenleben der eisigen Lady. Arthur Kennedy, in den 50ern fünfmal für einen Oscar nominiert, war ja Anfang der 70er nach Italien gekommen und hatte zu Lebzeiten nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Filmen, in denen er da spielte, nicht besonders zugetan war. Dennoch war er Profi genug, um selbst als böser Wissenschaftler in einem billigen Rip-off-Kintopp in Würde und vor allem überzeugend zu überstehen. KAMPF UM DIE 5. GALAXIS war, nach Rollen u.a. als Polizei-Vorgesetzter in einigen Polizieschi (DER CLAN DER KILLER, KILLER COP, DIE VIPER) oder dem grandiosen Zombie-Schocker DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN, der letzte Auftritt am Stiefel. Bleiben wir bei den Bösen und kommen wir zu Ivan Rassimov, dessen Lord Graal nun nicht unerheblich dazu beiträgt, dass der Film in dessen Szenen durchaus genießbar ist. So wirklich viel dazu beitragen muss er schauspielerisch nun nicht. Durch sein schwarzes Kostüm, das sogar einen großen Teil seines Gesichtes verdeckt ist es eh schon schwer, ihn zu erkennen, geschweige denn, irgendeine Art von Mimik auszumachen. Aber er ist präsent, und das ist gut so. Dass er durchaus kein schlechter war, konnte er ja schon als etwa Alptraum-Exfreund in DER KILLER VON WIEN, als unfreiwilliger Völkerverständiger in Umberto Lenzis Startschuss für das Kannibalen-Subgenre MONDO CANNIBALE oder als fieser Dealer in DIE VIPER unter Beweis stellen.

In der Heldenrolle präsentiert sich Leonard Mann, der ein wenig die Arschkarte gezogen hat, da seine Figur erst ungefähr ab der Halbzeitmarke so richtig mitmischen darf. So wirklich will der Funke bei ihm nicht überspringen, was jetzt nicht unbedingt ihm anzulasten wäre. Es ist halt die Mischung in unserer Heldenrunde, die irgendwie nicht richtig mundet. Italophile kennen ihn natürlich aus DIE LINKE HAND DES GESETZES, DIE KILLER-MEUTE und COPKILLER, er trieb sich aber auch zeitweise in den Staaten rum, wie Auftritte in einer Gastrolle bei DREI ENGEL FÜR CHARLIE, im Slasher TERROR EYES oder SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT 3: BETER WATCH OUT! beweisen. Corinne Cléry ist, trotz ungünstig zum glatten Pferdeschwanz zusammengebundener Haare, natürlich ein Hingucker. Allerdings verbindet sie mit Mann jetzt keine großartige Chemie, was insofern zu verschmerzen ist, da, hingegen zu Han Solo und Leia in KRIEG DER STERNE, keine sexuellen Spannungen zwischen den beiden etabliert werden (jedenfalls nicht bis zum Ende, wo man aber vorher noch gerade denken konnte, dass sie eher Golob zugetan wäre; irgendwie ist sich der Film da uneins, deucht mir). Das Drehbuch versucht uns vorzugaukeln, dass sie eine starke, unabhängige Frau sei, doch sie muss zuerst vom kleinen Tom Tom und später von Nick gerettet werden, sie soll zwar als ehemalige Mitarbeiterin unter Kraspin wichtig bei der Entwicklung des Kappatron gewesen sein, für die Handlung bleibt sie dennoch nur ein Objekt, der Kampf wird im Groben ohne sie ausgefochten. Cléry hatte vorher schon Co-Starrings neben Michele Placido in MAGNUM 45 sowie neben Franco Nero und David Hess in DER TODES-TRIP, konnte sich dort beweisen. Und kurz nach KAMPF UM DIE 5. GALAXIS war auch sie, wie Richard Kiel, im neuesten Bond-Abenteuer MOONRAKER zu sehen. Über Marco Yeh als Tom Tom breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens. Er wurde sicherlich u.a. wegen seiner asiatischen, damit exotischen Züge gecastet, seine Rolle ist eine typische Kinderrolle, die ohne erkennbare Charakterzüge auskommt, sondern siche eben nur durch seine unerklärlichen Fähigkeiten auszeichnet. Er ist davor oder später nicht als Schauspieler im Film in Erscheinung getreten, soll, der IMDb zufolge, aber 2008 noch in einem Kurzfilm mitgewirkt haben. Die Rolle von Massimo Serrato als großer Bruder ist nicht von großer Bedeutung. Doch Serrato ist ein verlässlicher Nebendarsteller, dessen Routine auch nicht in solch einem Film in irgendeiner Weise zu wackeln beginnt. Er tritt auf und wieder ab, in Würde.

Die deutsche Fassung des Billo-Spektakels schaffte es, trotz der genannten Sadismen unbeschadet mit einer Freigabe ab 12 Jahren durch die FSK. Die deutsche Synchro ist mit routinierten Sprechern wie Helmut Krauss, Rita Engelmann oder Helmut Lukschy mehr als solide, die Dialogregie haut auch mal schönen Techno-Bubble wie „Retro-Raketen“ o.ä. raus. KAMPF UM DIE 5. GALAXIS lief im Sommer 1979 in den bundesdeutschen Kinos, mit angeblich 250.000 Zuschauern nicht übermäßig erfolgreich, aber immerhin. In den 80er-Jahren erschienen mehrere Auflagen als Leih- und Kaufvideo, was davon zeugt, dass er zumindest in den deutschen Videotheken sein Publikum gefunden hat. Die mir vorliegende VHS von RCA/Columbia aus dem Jahre 1987 bietet ein etwas blasses, aber doch sehr brauchbares, da scharfes Bild. Den Sprung ins digitale Zeitalter hat er hierzulande bisher noch nicht geschafft, lief aber einige Male im Free- und Pay-TV.

Was soll man also am Ende resümieren? KAMPF UM DIE 5. GALAXIS gehört sicherlich schon der Reihe von Kinofilmen an, in denen sich die Italiener damit begnügten, vorwiegend amerikanische Trends zu kopieren, um über deren Popularität die Leute ins Kino zu locken und, unter Zuhilfenahme von international bekannten Namen, eventuell auch noch ein paar Lira im Ausland zu machen. Insgesamt bietet er nur eine relativ uninspirierte Kopie des immens erfolgreichen und natürlich qualitativ um Welten besseren KRIEG DER STERNE. Die eigenen Ideen (abseits von Variationen), die Lado und Bolzoni einbrachten, kann man fast an einer Hand abzählen; und diese tragen zum großen Teil dazu bei, dass KAMPF UM DIE 5. GALAXIS mal eben nicht sehr rund wirkt. Nur der sichtliche Zwiespalt, ob der Film nun ein eher erwachsener SF-Actionfilm mit Folter und Mord sein will oder doch eine kinder- und familienfreundliche Angelegenheit, heben ihn unterhaltungstechnisch in den für gerade Trashfans akzeptablem Bereich. Wer keinen ernsthaften Nachzügler zum Lucas’schen Sternen-Opus erwartet und auch kein kongeniales Trashgeschoss wie STAR CRASH, aber auf putzige, tonal entgleiste SF-Märchen in billigem Ambiente steht, der wird hier gewiss auch seinen Spaß dran haben können. Ich selbst sehe den, in gewissen, nicht zu kurzen Abständen immer wieder mal gerne. Das war halt das italienische Kino dieser Zeit, und KAMPF UM DIE 5. GALAXIS ist geradezu prototypisch für die damalige Entwicklung der italienischen Filmindustrie. Aber dessen späte Auswüchse muss man halt zu würdigen wissen, der durchschnittliche SF-Fan wird sicherlich ungläunbig auf den Bildschirm starren und alsbald ausschalten.


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 6


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