The Tough Ones


  • Deutscher Titel: Die Viper
  • Original-Titel: Roma a mano armata
  • Alternative Titel: Assault with a Deadly Weapon Brutal Justice Rome Armed to the Teeth Brigade Spéciale
  • Regie: Umberto Lenzi
  • Land: Italien
  • Jahr: 1976
  • Darsteller:

    Maurizio Merli (Inspector Leonardo Tanzi), Tomas Milian (Vincenzo Moretto, „Der Bucklige“), Arthur Kennedy (Superintendent Ruini), Giampiero Albertini (Commissioner Francesco Caputo), Maria Rosaria Omaggio (Anna), Ivan Rassimov (Tony Parenzo), Aldo Barberito (Detective Poliani), Stefano Patrizi (Stefano), Luciano Catenacci (Ferdinando Gerace)


Vorwort:

Inspector Tanzi ist ein Ermittler, mit dem gemeinhin nicht gut Kirschen essen ist. Die Fesseln seiner beruflichen Vorschriften und die in seinen Augen viel zu lasche, auf Resozialisation statt Bestrafung ausgerichtete Rechtssprechung sind ihm ein Gräuel. In ihm kocht es, wenn er den Hintermännern des Verbrechens in Rom nach einer Razzia in einem illegalen Spielcasino nur auf die manikürten Fingerchen klopfen darf. Als er kurz darauf zwei Taschendiebe in flagranti erwischt und sie nach einer kurzen Verfolgung stellt, würde er sie am liebsten windelweich prügeln, kann sich aber noch beherrschen. Die beiden eher juvenilen Delinquenten landen darauf ausgerechnet bei Tanzis Freundin Anna, einer Sozialarbeiterin, und nach einem eingehenden Gespräch statt hinter den einschüchternen Mauern der Justizvollzugsanstalt wieder auf den Straßen Roms, wo wieder allerlei Handtaschen und Geldbörsen (und später der Tod im Straßenverkehr) auf sie warten.

Nach einem brutalen Banküberfall regt unser aufbrausender Held an, ein wenig auf den Busch zu klopfen und paar der bekannten Pappenheimer zur intensiven Befragung aufs Revier zu zerren, wird aber auch hier wieder unsanft ausgebremst. Denn während sein Vorgesetzter Commissioner Caputo Sympathie für den verhindeten Derwisch hegt, geht Superintendent Ruini Tanzis ungestüme Art mächtig auf den Zeiger, seine Kritik an der Rechtssprechung und der Versuche der Sozilisation der kriminellen Subjekte hält er für überholt und unzeitgemäß.

Auch die postkoitalen Gespräche mit Anna erregen mehr Tanzis Gemüt denn sein Gemächt. Mit mächtig schlechter Laune stattet er mit Kollege Poliani nach höchst eigenmächtiger Entscheidung dem Kriminellen Vincenzo Moretto einen Besuch auf seiner Arbeitsstätte, einem Schlachthof, ab. Er dreht den buckligen Gangster durch die Mangel und durchsucht sein Auto, wo tatsächlich eine Tüte mit Kokain zum Vorschein kommt, von dem Moretto behauptet, dass es ihm untergeschoben worden sei. Doch alles Beteuern und Beklagen hilft nichts, der Bucklige wird einkassiert und zur weiteren Bearbeitung aufs Revier mitgenommen. Der verschlagene Moretto ist allerdings mit allen Wassern gewaschen und schlitzt sich in der Zelle die Pulsadern an. Und statt wegen Selbstmordversuchs in die psychiatrische Abteilung eingewiesen zu werden, steht der schlimme Finger schon bald wieder auf freiem Fuß, während Tanzi seinerseits nun endgültig den Arschtritt bekommt und in den Innendienst, in die Abteilung zur Bearbeitung gewerblicher Lizenzen, versetzt wird.

Der fiese Moretto hält derweil nichts vom seligen Vergeben und Vergessen, und seine Männer schnappen sich die arme Anna, um sie auf einem Schrottplatz erst einmal gehörig einzuschüchtern, in dem sie sie, festgezurrt in einem Auto, in eine Schrottpresse werfen und diese kurz mal anschmeißen. Nach dieser Aktion ist das Schnuckelchen verständlicherweise ein wenig fertig und verstört, in einem Gespräch mit Freund Tanzi lügt sie ihn an, sagt, dass die Täter Skimasken getragen hätten. Doch unser schnauzbebarteter Held hat jetzt endgültig genug. Trotz seines eher passiven Postens hinter dem Schreibtisch startet er nebenher seine eigenen Ermittlungen, um den Verbrechen im Rom den Kampf anzusagen und den Buckligen zur Strecke zu bringen…

Inhalt:

Umberto Lenzi, Maurizio Merli und Tomas Milian – diese drei Namen waren Mitte der 70er Fixpunkte am Firmament des italienischen Kinos. In den „Bleiernen Jahren“ (ca. 1969-82) löste der Action-Krimi, der sogenannte Poliziesco (oder Poliziottesco), die Thriller des Giallo in der Gunst der Kinozuschauer ab. Nach halbwegs überwundener Nachkriegs-Depression tobten in den 50er- und 60er-Jahren einige mehrjährige Mafia-Kriege, die aber, dem Einfluss des organisierten Verbrechens geschuldet, zumeist medial stiefmütterlich behandelt wurden. Den politischen Terror der 70er hatten die Menschen dank Zeitung und Fernsehen immer vor Augen, die explodierenden Verbrechensraten in den Städten taten ihr übriges dazu, dass die Menschen auf der Straße sich danach sehnten, dass dagegen mal mit harter Hand vorgegangen würde. Da kamen dann die Kinohelden des Poliziesco gerade recht; Polizisten, die sich schließlich über ihre Vorschriften hinwegsetzten, um der Gerechtigkeit genüge zu tun, aber auch kleine Gangster, gute Menschen auf falschen Bahnen, die unter der unbarmherzigen Hierarchien und den Ränkespielen der Unterwelt zu leiden hatten und zurückschlugen.

THE TOUGH ONES oder DIE VIPER, so der deutsche Titel, erschien 1976 auf dem Höhepunkt der Welle dieser Filme und zählt zu den Klassikern des Genre. Dabei konzentriert sich der Film weniger auf normale Polizei-Arbeit und eine gut konstruierte Krimi-Handlung, sondern zeichnet uns, ganz dem Exploitation-Kino verpflichtet, ein wenig anheimelndes Bild der Straßen Roms. Das Vorgehen Tanzis gegen Moretto, den Buckligen, entspricht nicht der spröden Ermittlungsroutine, die schließlich dazu führt, den Übeltäter per Haftbefehl festzunehmen und ihn in die Hände der Staatsanwaltschaft zu übergeben, die dann eine Anklage gegen ihn vorbereitet. Die Konfrontation von Tanzi und Moretto wird letztlich heruntergebrochen als nicht weniger als der Kampf Gut gegen Böse, auch wenn Regisseur und Drehbuchautor Lenzi durchaus noch einige Nuancen anzubringen weiß.

Den größten Teil des Films verbringen wir Popcorn mampfend damit, dem angepissten Inspektor dabei zuzusehen, wie seine Frustration angesichts seiner (professionellen) Impotenz in schwindelerregende Höhen aufschnellt – Tanzi bei der Feststellung der Identität gut betuchter Geschäftsleute, Industrieller und einflussreicher Gangster im Casino; Tanzi bei der Verhaftung zweier junger Taschendiebe, die seiner Meinung nach, und sei es nur zur Abschreckung, erst einmal hinter schwedische Gardinen gehören; Tanzi, der von Superintendant Ruini gerügt wird, nicht, weil er wirklich etwas falsch gemacht hat, sondern nur weil er seinem Unmut Luft macht. Er ist kein klassischer Held und seine Methoden und Ansichten werden auch mal, eben durch Ruini und Anna, zur Diskussion gestellt, aber am Ende bekommt er dann doch die Gelegenheit, die Sache mit Moretto auf seine Art zu regeln (wo ihm dann tatsächlich selbst Bedenken kommen, den Schritt aus der Rechtsstaatlichkeit heraus zu wagen).

Der Film ist nun auch keine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Kultur des Verbrechens und Polizeigewalt, sondern ein (überaus erfolgreicher) Unterhaltungsfilm und natürlich auch ein Kind seiner Zeit. Im Original heißt er nicht umsonst ROMA A MANO ARMATA, zu Deutsch „Rom mit vorgehaltener Waffe“ (so ein geiler Titel, newa). Er spiegelt, teils äußerst verdichtet, das wieder, was der normale Bürger tagtäglich teils im Alltag, aber auch in den Nachrichten in Zeitungen und im Fernsehen zu Gesicht bekam. Und es ist nicht zu bestreiten, dass Gewalt damals allgegenwärtig war. Das schlachtet THE TOUGH ONES gerne aus. Wir sehen einen dreisten Handtaschendieb auf dem Motorrad, der die bestohlene Dame hinter sich herschleift – ein beliebtes Motiv in den italienischen Genre-Filmen dieses Jahrgangs, so auch u.a. zu sehen in BLUTIGER SCHWEISS und EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN – oder wohnen einer brutalen Vergewaltigung einer Gang gut situierter, juveniler Delinquenten unter der Führung von Stefano, einem Anwaltssohn, den Tanzi ein paar Szenen vorher noch laufen lassen musste, bei. Beide Situationen lösen sich dadurch auf, dass Tanzi rein zufällig in der Nähe ist und die Sache in die Hand nehmen kann. Erstaunlicherweise glänzt unser Held dabei nicht einmal mit übermäßiger Härte, sondern entweder der reinen Anwesenheit, weil der Motorrad-Typ ihm vors Auto fährt, oder seiner Beharrlichkeit, denn Stefano kommt durch den Schuss eines anderen Polizisten in einer Straßensperre, die Tanzi bei der von ihm initiierten Verfolgungsjagd angefordert hatte, um. Umberto Lenzi umschifft eine sich anbahnende moralische Verwerflichkeit immer sehr geschickt, denn Tanzi verübt, bis zum Finale, nie auch nur ansatzweise Selbstjustiz.

Augenscheinlich handelt THE TOUGH ONES ja von der Feindschaft zwischen Merlis Tanzi und Millians buckligen Moretto, doch dafür, dass dies der zentrale Plot sein soll, taucht Moretto ziemlich häufig ab. Der Bucklige wird auch erst nach gut zwanzig Minuten ins Spiel gebracht, seine Männer, die Anna bedrohen, geben dann die Richtung vor, wie sich der Konflikt zu entwickeln hat, danach besucht Tanzi den Widersacher noch einmal, doch bis zum letzten Akt macht sich Moretto wieder rar. Das liegt wohl auch in der Art, wie Lenzi das Skript grob konzipierte, welches er wahrscheinlich um mehrere Einzelszenen, die ihm im Kopf schwirrten, herum konstruiert hat. In ähnlicher Weise wird auch der folgende Lenzi-Merli-Kracher CAMORRA – EIN BULLE RÄUMT AUF erzählt. Dadurch ist zwar immer etwas los, langweilig wird es nie, aber während der rote Faden halt nur in den Hintergrund rückt, hängen diese ganzen kleinen Nebenhandlungen nur lose damit zusammen. In einer davon wird Tanzi bspw. von einer alten Bekannten aufgesucht, deren Sohn er einst unter seine Fittiche genommen hatte (er ist wohl trotzdem als Krimineller gestorben). Ihre Tochter sei an den fiesen Drogenhändler Tony, gespielt von Ivan Rassimov, gekommen, der sie süchtig gemacht habe und nun wie eine Sklavin gefangen halte. Tanzi kann Tony zwar aufspüren, doch die Kleine stirbt an einer Überdosis, während der Fiesling nach einer (wirklich sehr ansehnlichen) Verfolgungsjagd über die Dächer Roms entkommen kann. Er läuft Tanzi dann aber nochmal über den Weg, und wie es der Zufall eben will, erweist er sich als Bindeglied zu einem Gangster namens Ferdinando Gerace (Luciano Catenacci), der sich mit Tanzi schon im Büro für die Gewerbelizenzen angefeindet hat, der wiederum ein Kompagnon vom Buckligen ist. Und so holpert sich das Drehbuch ein wenig durch die verschiedenen kleinen Geschichten. Aber man muss zumindest anerkennen, dass Dardano Sacchetti, der nach Lenzis Story das Drehbuch verfasste, sich überhaupt die Mühe gemacht hat, das alles halbwegs plausibel zu verketten.

Gemessen an der Konkurrenz muss man aber durchaus konstatieren, dass Lenzi und Sacchetti schon ziemlich gute Arbeit leisten. Das Skript verkneift sich großartige Dämlichkeiten, lässt aber, wie schon erwähnt, eine gewisse Stringenz missen. Bei der Regie kann man Lenzi nichts ankreiden, er erlaubt sich keine Schlampereien, und wenn man bedenkt, welche Grausamkeiten das Skript bereit hält, dann gibt er sich in deren Visualisierung noch ziemlich zurückhaltend. Der Score von Franco Micalizzi kommt stellenweise etwas sehr repitiv rüber, das Haupt-Thema wird sehr oft bemüht, ein bekanntes Problem des Genre. Die Optik von THE TOUGH ONES, Lenzi arbeitete hier wieder mit Federico Zanni (FLASH SOLO, DER BERSERKER, DIE GEWALT BIN ICH) zusammen, ist vorwiegend bieder, doch nie statisch oder langweilig. Auch die ansonsten etwas lächerlich beschleunigten Verfolgungsjagden fallen nicht großartig negativ ins Auge. Es hat schon seinen Grund, warum Umberto Lenzi als einer der besten Regisseure des Poliziesco galt, denn alle seine Filme in diesem Bereich garantieren für Exploitation- und Italo-Action-Fans beste Unterhaltung. Neben den Filmen mit den beiden Stars Maurizio Merli und Tomas Milian drehte er auch noch mit Antonio Sabato (GANG WAR IN MILAN) und Henry Silva (MANHUNT IN THE CITY) in den Hauptrollen Polizieschi. Dass er auch noch einige formidable Gialli (etwa PARANOIA und OASIS OF FEAR) und dann noch das Kannibalen-Genre mit MONDO CANNIBALE (1972) aus der Taufe hob und mit den krass gewalttätigen LEBENDIG GEFRESSEN (1979) und DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) noch „bereicherte“, braucht man wohl kaum extra erwähnen. Auch sein GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (1980) hat heute noch allerlei Fans. In den 80ern fräste er sich durch Barbaren- (ER – STÄRKER ALS FEUER UND EISEN), Söldner- (HUNGRIGE SKORPIONE) und anspruchslose Horror-Filme (GHOSTHOUSE, GATES OF HELL, BLACK ZOMBIES), bis er innerhalb der 90er in der Versenkung verschwand. Oftmals arbeitete er mit seiner Ehefrau Olga Pehar an den Drehbüchern zu seinen Filmen. Er verstarb 2017 mit 86 Jahren in Rom.

Ein Großteil seiner nicht zu verleugnenden Klasse (in Bezug auf das Genre) bezieht THE TOUGH ONES natürlich auch aus der Wahl der Hauptdarsteller. Und in dem Duo Maurizio Merli und Tomas Milian lag wohl auch jenseits des Drehs Sprengkraft. Wie Umberto Lenzi in einem Interview berichtete, gerieten die beiden immer wieder in Streit, was in der politischen Ausrichtungen der beiden Stars begründet lag; der sehr links verortete Milian und der weiter rechts angesiedelte Merli konnten einfach nicht miteinander (wohl ein ähnliches Ding wie damals mit Tim Roth und Charlton Heston bei PLANET DER AFFEN). Das ging jedenfalls sogar so weit, dass Lenzi die Dreharbeiten für DIE GEWALT BIN ICH so legte, dass die wiederum als Stars verpflichteten Merli und Milian sich hier nicht begegneten, sogar die einzige gemeinsame Szene wurde an zwei verschiedenen Tagen gedreht und ihr Aufeinandertreffen per Schnitt/Gegenschnitt realisiert. Und tatsächlich bemerkt man diese Abneigung auch im Film, was ihren gemeinsamen Szenen ein wenig Feuer verleiht und scheinbar gerade Milian dazu trieb, als Buckliger ordentlich aufzudrehen.

Tomas Milian hat zwar die weit kleinere Rolle, füllt sie aber mit Gusto aus. Der Kubaner mit italienischer Staatsbürgerschaft (ab 1969; eine amerikanische hatte der Lee-Strasberg-Schüler schon und starb 2017 mit 84 Jahren in Miami) avancierte in den 60er-Jahren zum Star einiger Italo-Western, u.a. DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE (1966), VON ANGESICHT ZU ANGESICHT (1967) und LAUF UM DEIN LEBEN (1968) von Sergio Sollima, etablierte sich im Anschluss als wandlungsfähiger Mime im Genre-Kino. Mit Umberto Lenzi drehte er vorher schon als Titelheld FLASH SOLO (1975) und spielte einen Soziopathen in DER BERSERKER (1974). In einem Spin-off zu THE TOUGH ONES nahm er in DIE KRÖTE (1978) noch einmal die Rolle des Buckligen auf. Dazu kamen DIE GEWALT BIN ICH (1977), wie erwähnt, wiederum mit Merli (und John Saxon), und DER BULLE UND DAS SCHLITZOHR (1976), ein Cop-Buddy-Movie, in dem er eigentlich auch an der Seite von Merli spielen sollte, der aber auf eine erneute Zusammenarbeit mit Milian verzichtete, weswegen Claudio Cassinelli übernahm. In diesem Film entwickelte Tomas Milian die Figur des Kriminellen „Monezza“. Dieser Charakter verhalft ihm, neben der Rolle des Schnoddercops „Nico Giraldi“, zu einer folgenden Karriere als Comedy-Star. Mitte der 80er zog es ihn dann in die USA, wo er in Nebenrollen in einigen Blockbustern wie JFK (1991), AMISTAD (1997) und TRAFFIC – DIE MACHT DES KARTELL (2000) zu sehen war.

Maurizio Merli hatte bekanntlich das Glück, eine gewisse Ähnlichkeit mit Franco Nero zu besitzen, was ihm zuerst die Hauptrolle im Western WOLFSBLUT GREIFT EIN (1974) und dann die des Commissario Betti in GEWALT RAST DURCH DIE STADT (1975) von Marino Girolami einbrachte. Als der Film zum Hit wurde, baute man Merli zum nächsten Action-Star auf, und der Typus des eisenharten Kommissars schien ihm wie auf den Leib geschneidert. Es folgten noch zwei weitere Betti-Filme, zuerst CAMORRA – EIN BULLE RÄUMT AUF (1976) von Umberto Lenzi und COP HUNTER (1976), wiederum von Girolami. Mit Lenzi drehte er dann noch, wie bekannt, DIE GEWALT BIN ICH (1977) und später noch VON CORLEONE NACH BROOKLYN (1980). Ein freundschaftliches Verhältnis pflegte er zum ehemaligen Kameramann Stelvio Massi, der in den 70ern auf den Regiestuhl gewechselt war. Mit ihm drehte er sechs Filme, die ein wenig vom kurzfristig aufgebautem Image Merlis abzuweichen oder es zumindest zu variieren versuchten: HIGHWAY RACER (1977), DIE ZUHÄLTERIN (1978, mit Joan Collins), CONVOY BUSTERS (1978), KOMMISSAR MARIANI – ZUM TODE VERURTEILT (1978), HUNTED CITY (1979) und ZWEI KNALLHARTE PROFIS (1980). Mit Guiseppe Rosati drehte er STADT IN PANIK (1976), mit Sergio Martino den Western MANNAJA – DAS BEIL DES TODES (1977) und mit Giorgio Christallini den Thriller KILLER STERBEN EINSAM (1978). Ab 1980 begann sein Stern zu sinken, seine letzte Rolle spielte er in TANGO BLU (1987), bevor er 1989 mit nur 49 Jahren an einem Herzinfarkt beim Tennis verstarb.

Aber auch neben den beiden Stars gibt es eine Menge für Italo-Fans bekannte Gesichter zu sehen. Als Merli-Liebchen und soziales Gewissen Anna ist Maria Rosaria Omaggio zu sehen, die hier ihr Debüt gab. Sie spielte danach in Sergio Corbuccis DIE BULLEN AUF DEN HEISSEN FEUERSTÜHLEN (1976) mit Tomas Milian und Jack Palance, war Francisco Rabals junge Ehefrau in GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (1980, wieder unter der Regie von Lenzi) und war als Hera in DIE ABENTEUER DES HERKULES 2 (1985) von unserem liebsten Trash-Schlawiner Luigi Cozzi. Der umtriebige Arthur Kennedy (zwischen 1950-59 fünffach Oscar-nominiert) mimt den Superintendant Ruini, als Commissioner ist Giampiero Albertini (GANGSTER STERBEN ZWEIMAL, SIEBEN STUNDEN DER GEWALT) zu sehen. Den schmierigen Drogendealer Tony gibt Ivan Rassimov (DER KILLER VON WIEN, MONDO CANNIBALE), auch Luciano Catenacci (DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA, DER CLAN DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT) darf als Gangsterboss Gerace ein paar Mal seine markante Visage in die Kamera halten. Einen erinnerungswürdigen Auftritt als krimineller Anwaltssohn und Psychopath Stefano legt Stefano Patrizi hin, der in DIE BLUTIGEN SPIELE DER REICHEN (1976) und BEWAFFNET UND GEFÄHRLICH (1976) quasi die selbe Rolle nochmal wiederholen durfte, nur dann in etwas größer angelegtem Rahmen.

In die deutschen Kinos schaffte es THE TOUGH ONES aka DIE VIPER seinerzeit nicht, sondern erschien erst 1985 bei VPS, leicht gekürzt (oder mit zwei Masterfehlern) auf VHS. Die deutsche DVD von New Entertainment World kam 2006, war ungekürzt und anamorph, aber eventuell nicht lizenziert. Die wohl definitive Edition dieses Films, die mir hier auch vorliegt, erschien letztes Jahr bei Grindhouse Releasing in den USA. Die großzügig ausgestattete 3-Disc Edition enthält eine wunderschöne 4K-Restauration des Films, einer englischen und einer italienischen Tonspur, dem Soundtrack auf CD und einem solchen Umfang an Extras, dass ich mir wohl extra einen ganzen Tag dafür Zeit nehmen muss, um die ca. 9 Stunden Bonusmaterial zu durchforsten. Wer den Film in der Sammlung haben will und keine deutsche Tonspur braucht, sollte hier zugreifen, solange noch erhältlich. Denn eine deutsche Entsprechung dieser Luxus-Edition (Kostenpunkt ca. 25 €) ist nicht in Sicht.

THE TOUGH ONES ist sicherlich kein hochklassiger Krimi und auch kein tiefgründiges Polizisten-Drama, sondern großartiges Exploitation-Kino, wie es der Italo-Fan sehen will. Während das Skript ein wenig episodenhaft daherkommt, gestaltet sich Lenzis Regie als sorgfältig genug, um den Film im grünen Bereich zu halten und die dünne Dramaturgie immer im richtigen Moment wieder voranzutreiben. Doch es sind die Stars Merli und Milian, die hier den Ton angeben und dem Action-Krimi die Extraportion Pfiff verleihen, die THE TOUGH ONES eben unter die Topkandidaten kurzweiliger 70s-Action-Kost vom Stiefel katapultiert. Laufen lassen und genießen.

4/5


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