- Original-Titel: Attack of the Puppet People
- Alternative Titel: The Fantastic Puppet People | Six Inches Tall |
- Regie: Bert I. Gordon
- Land: USA
- Jahr: 1958
- Darsteller:
John Agar (Bob Westley), John Hoyt (Mr. Franz), June Kenney (Sally Reynolds), Michael Mark (Emil), Jack Kosslyn (Sergeant Paterson), Marlene Willis (Laurie), Ken Miller (Stan), Laurie Mitchell (Georgia Lane), Scott Peters (Mac), Susan Gordon (Agnes), June Jocelyn (Brownie Leader), Jean Moorhead (Janet Hall), Jamie Forster (Ernie Larson), Bill Giorgio (Hausmeister)
Vorwort
Abt. Puppenmenschen aus der Galerie
Bert I. Gordon, gerne auch Mister BIG genannt, ist ja so etwas wie ein Dauergast in der Galerie des Grauens. So sind schon seine Filme Gigant des Grauens und Die Rache der schwarzen Spinne im Rahmen der Reihe erschienen. Mit In den Fängen des Puppenmachers – dem hier und da nachgesagt wird, Charles Band zu seinen Puppetmaster, Demonic Dolls oder Dollman inspiriert zu haben – sind dann nun seine drei Filme aus dem Jahr 1958 hier vereint.
Inhalt
Die junge Sally wird auf der Suche nach einer Anstellung beim Puppenmacher Mr. Franz vorstellig, der sie prompt als neue Sekretärin einstellt, auch wenn sie selbst weniger von ihrer Eignung dazu überzeugt ist und sich auch von Franz‘ forscher Art überrumpelt fühlt. Sie lernt hier kurz darauf den Handlungsreisenden Bob, einen gutaussehenden Charmeur, kennen, mit dem sie eine romantische Beziehung eingeht. Schon nach kurzer Zeit macht dieser Sally einen Heiratsantrag, den sie begeistert annimmt. Als sie am nächsten Tag Mr. Franz mitteilen will, dass sie kündigen wird, um mit Bob wegzuziehen, eröffnet ihr dieser, dass Bob bereits bei ihm war und darauf prompt die Stadt verlassen habe, wohl aus beruflichen Gründen. Er deutet sogar an , dass Sally dem Vertreter wohl mehr ein Klotz am Bein schien. Die mag aber nicht glauben, dass ihr Frischverlobter sie so mir nichts, Dir nichts sitzen lassen hat. Als sie dann in der Werkstatt eine Puppe findet, die Bob wie aus dem Gesicht geschnitten sieht, beschleicht sie der Verdacht, dass Mr. Franz ihren Geliebten irgendwie in eben eine solche verwandelt haben könnte und trägt diese Hypothese zu Sgt. Paterson, auch auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen. Wie zu erwarten war, glaubt der Polizist nicht an derlei Hokuspokus, sucht aber zusammen mit der jungen Frau ihren Arbeitgeber auf, um dem mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Denn es sind in der Vergangenheit schon weitere Menschen aus dessen Umkreis plötzlich wie vom Erdboden verschwunden…
Besprechung:
Nach einem riesenhaften Mann (The Amazing Colossal Man & Gigant des Grauens aka War of the Colossal Beast) und erschreckend großen Insekten (Beginning of the End) widmete sich Mr. BIG hier nun dem Gegenteil, nämlich auf Puppengröße geschrumpfte Menschen. Der Erfolg von Frank Arnolds SF-Klassiker Die unglaubliche Geschichte des Mr. C aus dem Vorjahr dürfte daran nicht unschuldig gewesen sein, da American International Pictures sich schon immer gerne an derartige Trends ranhängte. Gordon und George Worthington Yates dachten beim Verfassen des Drehbuch bestimmt nicht nur an den aktuellen Hit aus dem Hause Universal, sondern auch an deren Klassiker Dr. Zyklop von 1940. Mit dem Film von King Kong – Macher Ernest B. Schoedsack teilt sich In den Fängen des Puppenmachers die Mad Scientist – Thematik, wenn auch in etwas weniger ausgearbeiter und dementsprechend nicht wirklich nachvollziehbarer Form. Woher Mr. Franz nun das Wissen bezog, um seine Schrumpfungsmaschine zu bauen, bleibt ungeklärt. But who cares?
Abseits unbeantworteter Fragen wiegt anfangs etwas schwerer, dass es eine ganze halbe Stunde dauert, bis auch Sally die Welt aus der Zwergenperspektive bestaunen darf. Zwar versuchen die Autoren auf dem Weg dorthin ein paar Hinweise auf andere verschwundene Personen zu streuen, um vielleicht eine etwas unwohlige, mysteriöse Atmosphäre heraufzubeschwören, doch gelingt dies eben nur bedingt. Deswegen zieht sich die Angelegenheit in dieser Anfangsphase, ohne etwas entsprechend Interessantes oder gar Unterhaltsames aufzubieten, was uns Zuschauer gut bei Laune halten würde. Aber eine halbe Stunde sind nun auch keine Ewigkeit, bei der man in Apathie oder Tiefschlaf verfallen könnte. Eher schade ist nur, dass Sallys Verdacht, der ihrem Verlobten Bob so ähnlichen Puppe könnte es sich tatsächlich um eben jenigen handeln, kein großer Aha-Effekt anhaftet, da dafür einfach zu wenig Spannung in der Luft liegt. Der Funke springt da nicht wirklich über.
Wichtig sind ja umso mehr die Abenteuer unserer geschrumpften Schicksalsgemeinschaft (sechs sind es an der Zahl), wenn sie anschließend versuchen, den Fängen des Mr. Franz zu entkommen. Um die Interaktion dieser mit ihrer im Vergleich nun enorm großen Umgebung umzusetzen, nutzte Gordon neben überdimensionierten Requisiten (schön ist das riesige Telefon, wo Sally mit piepsiger Stimme vergeblich versucht, von Sgt. Paterson erhört zu werden) auch einfache Splitscreens, bei denen die Miniatur-Menschen dann Mr. Franz gegenüberstehen oder sich hinter herumstehenden Kartons vor einem bellenden Hund verstecken. Das war sicherlich anno 1958 schon technisch überholt, aber einen gewissen Charme kann man Set-Design und tricktechnisch nicht absprechen. Tatsächlich kam die Effekt-Arbeit bei der zeitgenössischen Presse noch gut an, obwohl man schon damals von größeren Studio-Produktionen (etwa von Universal oder Fox) weit Besseres gewohnt war.
Die Spannung in diesem Teil des Films hält sich allerdings stark in Grenzen, da Gordon, wohl um ein wenig Laufzeit zu schinden, wieder einmal Musik spielen und seine Puppen(menschen) dazu tanzen lässt – wie schon in Die Rache der schwarzen Spinne und später auch Village of the Giants. Lustig ist auch, dass Mr. Franz seine Gefangenen dabei mit Alkohol bei Laune hält. Das hierzu gebrauchte Glas kann man wohl mit einer mehrere Liter fassende Schüssel für Bowle gleichsetzen. Dementsprechend ausgelassen gestaltet sich dann auch erst einmal die Stimmung der Gruppe. Es wird hier auch deutlich, dass ihr Kerkermeister sie vor allem aufgrund seiner Verlassensängste bei sich behält. Denn als die Stimmung kippt und Bob zu einer Tirade gegen sein Verhalten ausholt, gerät Mr. Franz äußerst schnell in Rage, weil er so etwas natürlich keinesfalls hören will. Später schleppt er die ganze Baggage, die er nach Belieben auch mal ruhigzustellen vermag, mit zu einem Auftritt als Puppenspieler, seiner Leidenschaft und früheren Berufung, zu dem ihn ein alter Freund verholfen hat.
Mr. Franz ist also weniger ein böses Genie, sondern mehr ein mitleidserregener einsamer, alter Mann, der nach dem Tod seiner Frau nicht mehr mit Zurückweisungen und Verabschiedungen zurecht kommt. Das ist dann auch der wohl gelungenste Aspekt des Skripts und wird oftmals – mal mehr, mal weniger plakativ – nachvollziehbar illustriert. Etwas creepy mutet es nur an, wenn er etwa Sally nach ihrer Verkleinerung erzählt, dass er sie gerade bekleidet hätte, damit sie ihrem Verlobten nicht nackt gegenübertreten müsse oder mit einem kleinen Mädchen (das zufällig gesehen hat, dass sich eine davon kurz bewegt) über die Puppen spricht. Das dürfte wohl weniger Intention gewesen sein, sondern vielmehr den Holprigkeiten des Drehbuchs und der Dialoge allgemein geschuldet. Alle anderen Charaktere sind da auch weit simpler gestrickt, angefangen bei den Verlobten Bob und Sally, die einfach nur in gemeinsamer Zukunft die Zeit zu zweit genießen wollen. Ihre Leidensgenossen scheinen dagegen schon beinahe ihren freien Willen verloren zu haben, denken zuerst gar nicht an eine Flucht. Erst als Bob wütend den seinerseits fast bedauernswerten Puppenmacher konfrontiert, keim in ihnen die Hoffnung, doch wieder in ihr altes Leben zurückkehren zu können. Im Folgenden reiht der Film dann Szenen aneinander, in denen sie versuchen, auf sich aufmerksam zu machen, die Maschine zwecks Rückabwicklung der Schrumpfung zu erreichen oder schlussendlich unbemerkt vom Theater zurück in die Werkstatt zu fliehen, um eben voriges Vorhaben umzusetzen. Es sei an dieser Stelle verraten, dass das Ende sich dann überraschend antiklimatisch präsentiert, was dann schon ein wenig betrüblich ist. Denn alles in allem kann dieses Low-Bugdet Fantasy-Abenteuer heutige Fans von 50er Drive-in Genreware durchaus anständig, wenn auch nicht spektakulär oder mitreißend, unterhalten.
Optisch kommt das alles sehr gefällig rüber, eigentlich besser, als der betriebene Aufwand das normalerweise zulassen würde, was wohl ein Verdienst des routinierten Kinomatographen Ernest Laszlo ist, der später mehrere Male für den Oscar nominiert wurde und die Trophäe für Das Narrenschiff (1965) von Stanley Kramer einsacken konnte. AIP-Regular Paul Blaisdell (It Conquered the World, Die Rache der schwarzen Spinne) fertigte die überdimensionierten Props an, wie auch die etwas hervorstechende menschengroße Marionetten-Figur, die im Film vom wütenden Bob kurz vor der Theater-Vorstellung auseinandergenommen wird.
Darstellerisch bewegt sich der Film auf solidem B-Film Niveau. Der nominelle Star des Films ist natürlich John Agar, nach Erfolgen mit Die Rache des Ungeheuers und Tarantula blieb er dem B-Horror treu (was wahrscheinlich auch an einem Alkoholproblem lag, das höheren Weihen im Weg stand). Erstaunlicherweise spielt er hier aber nur die dritte Geige, denn sein blonder Co-Star June Kenney (Aufruhr im Mädchenwohnheim, Die Rache der schwarzen Spinne) bekam ungleich mehr Screentime spendiert und John Hoyt (Der jüngste Tag, Das schwarze Schloss) spielt in der einzigen wirklich dreidimensionalen Rolle des tragischen Bösewichts ehedem alle locker mal an die Wand. Aufgrund des Ausfalls eines Kinderdarstellers kam auch Gordons Tochter Susan (Der Turm der schreienden Frauen, Das Kabinett der blutigen Hände) zu ihrem Leinwand-Debüt.
Fassung:
Anolis Entertainment präsentiert In den Fängen des Puppenmachers aka Attack of the Puppet People (der Originaltitel suggeriert marktschreierisch Potenzial, was der Film gar nicht besitzt, denn die Gefahr geht mitnichten von den geschrumpften Gefangenen aus) in ihrem Vermächtnis der Galerie des Grauens als deutsche Erstveröffentlichung mit einer dementsprechend neu erstellten deutschen Synchronisation. Die ist an sich okay, doch bedauerlicherweise hat die Musikspur bei der Umsetzung ein wenig gelitten und hört sich stellenweise ein bisschen leiherig an. An HD-Bild und O-Ton ist allerdings mal wieder nichts auszusetzen. Als Extras gibt es ganze drei Audiokommentare, eine Grindhouse-Version im 1,37:1-Format sowie Trailer und Bildergalerie. Das beiliegende Booklet (sorry, noch nicht gelesen) stammt aus der Feder von Dr. Rolf Giesen.
Fazit:
Bert I. Gordon lieferte mit In den Fängen des Puppenmachers leichte Unterhaltung ab, die vor allem in seinen nicht annähernd perfekten, aber schön fotografierten und damit auch recht angenehm anzusehenden Effektszenen wohlige Gefühle gerade bei Nostalgikern wohlige Gefühle zu erzeugen vermag. Natürlich hätte die ganze Angelegenheit gerne spannender, spektakulärer und in seinen weiteren Charakterisierungen abseits des Mr. Franz etwas vielschichtiger sein dürfen, doch dieser spezielle Charme, der die Filme des Mr. BIG auszeichnet, macht eben einiges wieder wett.
BOMBEN-Skala: 4
BIER-Skala: 7
Review verfasst am: 10.08.2026