Puppet Master: Blitzkrieg Massacre


  • Deutscher Titel: Puppet Master: Blitzkrieg Massacre
  • Original-Titel: Puppet Master: Blitzkrieg Massacre
  • Alternative Titel: Full Moon's Bunker of Blood Chapter 1: Puppet Master: Blitzkrieg Massacre
  • Regie: David DeCoteau, David Schmoeller, Charles Band, Jeff Burr u.a.
  • Land: USA
  • Jahr: 2018
  • Darsteller:

    Guy Rolfe, William Hickey, Richard Lynch, Walter Gotell


Vorwort:

Durch das postapokalyptische Ödland streift ein einsamer Wanderer, der sich auf unerklärliche Weise zu einem Bunker hingezogen fühlt. In dem mit Skeletten und Leichenteilen übersäten Bunker findet er einen Haufen alter Videokassetten – und eine körperlose Stimme, die sich „der Gore Collector“ nennt, verkündet ihm, auserwählt zu sein... Instinktiv weiß der Wanderer, welche Kassette er als erstes einlegen muss...

Und so sieht er ein Highlight-Tape von so ziemlich allen Gore- und Killszenen aus Full Moons „Puppet Master-Franchise...

Inhalt:

Ja, das ist dann bereits der ganze Inhalt dieses „Films“. Kann ja auch nix dafür...

Ich muss es mal wieder loswerden – ich mag Charles Band. Dass er seit über 40 Jahren im Geschäft ist und das bis auf seine Phase der Zusammenarbeit mit Paramount ohne Support eines großen Studios im Rücken, sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht, das nötigt Respekt ab, und oft genug, um nicht die Hoffnung zu verlieren, kommt bei seinen Produktionen auch etwas mit großem Unterhaltungswert heraus, aber, verdammt noch mal, Charlie macht's seinen treuen Fans auch gerne schwer. Erinnern wir uns z.B. an das „Evil Bong“-“Franchise“, das mittlerweile jegliche Ähnlichkeit mit kohärenter Filmware aufgegeben hat und nur noch irgendwelchen random stuff, den Charlie lustig findet, auf Videomaterial klatscht (und ja, ja, ja, ich weiß, ich bin selbst mit dran schuld, hab ich Charlie auch schon ein Paarmarkfuffzich in seinen Crowdfunding-Kampagnen nachgeworfen).

Und da wäre natürlich Charlies persönlicher Fetisch von handtaschengroßen Killermonstern aller Art, allen voran eben „Puppet Master“, das Franchise, an dem sich Full Moon seit seiner Eröffnung heranhangelt. Man verliert leicht den Überblick, wie viele Filme es in der Reihe mittlerweile gibt – elf zählt Charles zum offiziellen Kanon, dazu gibt’s noch „Puppet Master vs. Demonic Toys“, der mangels Band-Involvement außerhalb der Reihe steht und den dieses Jahr angelaufenen Reboot-Film „The Littlest Reich“ (und über Crossover und spin-offs hängen noch ein gutes halbes Dutzend anderer Filme im „Puppet Master Cinematic Universe“, hehe). Aber, wenn wir mal wieder ehrlich sind, SO gut war die Reihe eigentlich nie – interessanter sind aus dem Full Moon-Ouevre sicher das „Subspecies“-Franchise und die „Trancers“-Reihe. Die ersten drei sind... okay, mit David DeCoteaus drittem Teil, in dem die Puppen erstmals gegen böse Nazis kämpfen, als klarem Höhepunkt, alles, was danach kam, kann man eigentlich getrost in die Tonne kloppen. Yeah, manche sind ankuckbar, aber irgendwie bedeutend oder bemerkenswert sind weder Jeff Burrs Doppelpack 4 und 5, das Prequel „Retro Puppet Master“ und sicher ganz und gar nicht die Clipshow „Puppet Master: The Legacy“, die immerhin versuchte, in die konfuse Timeline der Reihe so etwas wie Sinn und Verstand reinzuprügeln.

Mit „The Legacy“ sind wir dann eigentlich auch beim Stichwort, nämlich Charlies erwiesener Unfähigkeit, irgendeinen Schnipsel Material unbenutzt (oder auch nur dreimal benutzt) liegen zu lassen. Man kann doch alles noch mal brauchen, umschneiden, neu aneinanderreihen o.ä. In der Vergangenheit montierte bevorzugt Danny Draven schon diverse Full-Moon-Titel zu Anthologiefilmen wie „Tomb of Terror“, und auch thematisch halbwegs passende Softsex-Titel des Surrender-Labels werden seit kurzem von Full Moon in neu zusammengeschnittenen „best ofs“ wieder auf den Markt geworfen. Klar, aus Sicht eines Produzenten wie Charles Band, der jeden Dollar drei bis fünfmal umdrehen muss, ehe er ihn ausgeben kann, macht das Sinn. Diese Neubearbeitungen kosten nicht viel außer ein paar Stunden im Schneideraum und ein schickes neues Artwork und können den content-hungrigen Streaminganbietern in den Rachen geworfen werden (neben seinem eigenen Streamingangebot fullmoondirect.com hat Band ja Deals mit Hulu und amazon). Die Frage ist allerdings, für welches tatsächlich vor dem Fernsehschirm oder Tablet sitzendes Publikum sind diese „Filme“? Full-Moon-Fans kennen den Kram eh, die vollständigen Versionen liegen in den Streamingportalen maximal zwei Klicks entfernt, und dieweil ich bei Sexfilmen ja noch irgendwie verstehe, dass sich die Kundschaft freut, wenn man ihr die Arbeit abnimmt, die langweiligen Nicht-Popp-Szenen zu entfernen, damit's gleich zur Rammelei kommt, ist das bei Horrorfilmen, die sich ja doch eher als narrative Erzählfilme verstehen, nicht automatisch ebenso. Ja, klar, es wird ein paar Gorebauern geben, die sich nur auf die Blut- und Eingeweideszenen einen abkurbeln, aber ich zweifle daran, dass die die typische Full-Moon-Klientel ausmachen (hoffe ich wenigstens), und wenn doch, dann haben die full-strong-ankatt-Versionen von „Puppet Master 1 bis 3“ doch vermutlich längst im Regal (oder zumindest irgendwo als Raubkopie. Kann ja gleich noch'n Vorurteil draufpacken).

Nun, sei's drum, Charles Band sieht's anders, und darum gibt’s jetzt eine neue Reihe namens „Full Moon's Bunker of Blood“, und deren erstes „Kapitel“ ist eben „Puppet Master: Blitzkrieg Massacre“. In 62 Minuten rast diese Kompilation durch die Franchise-Historie und reiht ohne jede ordnende, narrative Hand alles, was die Reihe an blutigen Szenen und Kills hergeht, aneinander. Die Szenen sind weder im Serienkontext chronologisch noch in der Filmreihenfolge logisch angeordnet, Kills aus Teil 1 werden von irgendeinem Kill aus Teil 10 gefolgt, ehe wir in Teil 5 springen und dann eine Teil 2-Szene folgen lassen (interessanterweise fehlen, wenn ich das richtig beobachtet habe, allerdings Szenen aus „Retro Puppet Master“ und, begreiflicherweise, aus der Rahmenhandlung von „The Legacy“). Jeglicher Versuch einer „Dramaturgie“ oder wenigstens Eskalation unterbleibt, als einziges „Lob“ kann ich daher aussprechen, dass der Richard-Lynch-Kill aus „Puppet Master 3“ verdientermaßen Höhepunkt und Abschluss der Zusammenstellung bildet.

Dem Herren Rezensenten bleibt daher nicht viel zu rezensieren. Die Goreeinlagen sind in ihrer Qualität höchst schwankend – man merkt schon deutlich den Unterschied zwischen den frühen, sorgfältig gearbeiteten Kills, denen ordentlich stalk'n'slash-Sequenzen vorausgehen und bei denen noch Puppenspiel und Stop-Motion einander unterstützen und den wesentlich simpler gestalteten Mordszenen aus den späteren Filmen, in denen im Zweifelsfall reichen muss, dass mit Kunstblut rumgesuppt wird und die Puppetry ebenfalls deutlich simplifiziert ist.

Ach, und wer glaubt, die Rahmenhandlung könnte zumindest für ein-zwei neue Szenen gut sein, der wird von mir herzlich ausgelacht. Die wird nämlich über eine Handvoll (zumindest recht hübscher) comic panels von einem voice-over erzählt und endet auch nur mit der Ankündigung auf den zweiten Teil der „Bunker of Blood“-Reihe, in der es um, wir ahnen es, „Deadly Dolls“ und deren „deepest cuts“ gehen wird.

Ich wiederhole mich – ich weiß nicht, was ich mit Kram wie diesem anfangen soll, und ich bin Full-Moon-Fan (und sehr traurig, das so eine Resteverwertung die Jubiläumsnummer 300 im Full-Moon-Katalog bekommen hat), und mir gibt das nichts. Ich mag 'ne gute Trailershow, und im Rahmen einer Doku oder wenigstens eines Genre-Überblicks (wie Bands frühere Compilations wie „Zombiethon“ oder „Filmgore“) mag auch das Herausreißen einiger Sequenzen einen begrenzten Sinn haben, aber diese lieblos zusammengetackerte Bodycount-Spielerei wäre eher was als Bonusfeature (und selbst dann sollte sie gefälligst chronologisch angeordnet sein) denn als „standalone“-Machwerk. Wenn man nur eine Stunde Lebenszeit aufbringen will, um sich mit dem „Puppet Master“-Franchise zu beschäftigen, bekommt man immerhin die spektakulärsten Szenen. Man darf nur nicht erwarten, auch nur so etwas ähnliches wie einen „Film“ zu sehen zu bekommen.

© 2018 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 8

BIER-Skala: 1


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Diamond Bentley
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Das erinnert mich vom Prinzip her an „Phantastic Adventure“ (Andy Colby’s Incredible Adventure), der so ziemlich jeden relevanten Corman-Film der 80er (v.a. Battle beyond the stars und Wizards of the lost kingdom) zweitverwurstet. Den hab ich zwar schon ewig nicht mehr gesehen, fand den aber damals luschtig.

Kerstin Ludwig
Kerstin Ludwig

Sowas ähnliches hatte Band ja auch mit „Jack Kirby, Time Warrior“. Aber da hatte der Kram halt wenigstens noch ne Rahmenhandlung um die stock footage…

Kerstin Ludwig
Kerstin Ludwig

Äh. Frage mich bitte keiner, warum da „Kerstin Ludwig“ steht. Ich bin’s, der Doc. Offensichtlich gerade identitätsverwirrt… (WordPress ist komisch).

Marcus
Marcus

Schon gut, Kerstin. Mich hier rumzutreiben wäre mir auch peinlich… 😃