2071: Mutan-Bestien gegen Roboter (2. Meinung)

 
  • Original-Titel: The Time Travelers
  • Alternative Titel: Reise durch die Zeit | Depths of the Unknown | The Return of the Time Travelers | This Time Tomorrow | Time Trap |
  • Regie: Ib Melchior
  • Land: USA
  • Jahr: 1964
  • Darsteller:

    Preston Foster (Dr. Erik von Steiner)
    Philip Carey (Dr. Steve Connors)
    Marry Anders (Carol White)
    Steve Franken (Danny der Elektriker)
    John Hoyt (Dr. Varno)
    Dennis Patrick (Senator Willard)
    Delores Wells (Reena)


Vorwort

Abt. Galerie der entleibten Roboter

Holla, wir schlagen uns ja derzeit ganz gut, was die aktuelle Galerie des Grauens, das Vermächtnis derer, angeht. Das könnte die erste Galerie sein, die wir hier auf Badmovies komplett abhandeln, denn es sind auch weitere Artikel dazu anberaumt. Nun steht Nummero Sieben in den Startlöchern und prompt schon eine Review dazu von unserer Seite. Dabei hatte Till den vorliegenden Titel 2071: Mutan-Bestien gegen Roboter bereits 2023 besprochen. Und eine nur geringfügig höhere Einschätzung seines Unterhaltungswertes meinerseits rechtfertigt eigentlich keine zweite Meinung, wo sie doch nicht fundamental anders zu verorten ist. Dennoch glaube ich, Aspekte des und Perspektiven auf den Film anbringen zu können, die ich hier gerne verewigt sehen möchte (ja, ich weiß, ziemlich selbstsüchtig von mir). Also frisch ans Werk…


Inhalt

Die Wissenschaftler Dr. von Steiner und Dr. Connors forschen mit ihrer Assistentin Carol an einer Apparatur, mit der sich durch ein Zeitfenster in Form eines Monitors in Vergangenheit wie Zukunft schauen lässt. Da sie dafür Unmengen an Strom brauchen, haben sie ihr Labor gleich auf dem Gelände eines Kraftwerks eingerichtet. Doch der Betreiber sieht in diesen Bestrebungen keine Zukunft und will ihnen nun den Saft abdrehen. Als Überbringer der schlechten Nachricht wurde der Techniker Danny auserkoren, eine Frohnatur, wie sie im Buche steht. Das Aus vor den Augen, wagt die Gruppe einen letzten Versuch. Connors schießt alle Warnungen seines erfahrernen Kollegen in den Wind und geht beim Einsatz der Energieladung all in. Und siehe da, das Experiment gelingt scheinbar, sie können einen Blick in eine weit entfernte Zukunft werfen. Der neugierige Danny stellt dazu noch fest, dass hier nicht nur ein Fenster, sondern ein richtiges Portal entstanden ist, und verschwindet, einem ungesunden Forscherdrang folgend, in der zerklüfteten Szenerie hinter der Mattscheibe. Als die Forschergruppe dem unvorsichtigen Handwerker folgt, um ihn zurückzuholen, bricht die Verbindung zusammen, und sie stranden in der Zukunft des Jahres 2071.

Der letzte Rest der zivilisierten Menschheit hat sich nach einer Katastrophe unter die Erdoberfläche verzogen, um vor einer schädlichen Strahlung und gefährlichen Mutanten geschützt zu sein. Der wissenschaftliche Vorsitzende Dr. Varno heißt die Gestrandeten willkommen. Die hochentwickelte, aber dem Untergang geweihte Gemeinschaft, die alle niederen Arbeiten an nützliche Androiden outgesourced hat, plant in Kürze eine Reise in einem Generationeraumschiff Richtung Alpha Centauri anzutreten. Seine Einladung an die Neuankömmlinge, sie dabei zu begleiten, stößt bei Senator Willard nicht auf Gegenliebe. Und da das Zeitfenster für den Start sich in wenigen Wochen öffnet, suchen die Wissenschaftler fieberhaft nach einem Weg zurück in ihre eigene Zeit…

Besprechung:

Mit seiner naiven Zeitreisegeschichte wirkte 2071: Mutan-Bestien gegen Roboter/The Time Travelers sicherlich auch schon 1964 ein wenig aus der Zeit gefallen. Mich erinnert der Film an vielen Stellen auch sehr an Edward Bernds‘ Planet des Grauens/World Without End aus dem Jahre 1956. Auch dort vollziehen die Helden eine versehentlich Zeitversetzung, allerdings zunächts unwissentlich, und müssen dann einen Weg aus der verwüsteten Zukunft zurück in ihre Zeit suchen. Hüben wie drüben wird die Oberfläche von Mutanten beherrscht, die vermeintlich überlegene Intelligenz der Spezies hat sich dorthin verkrümelt, wo keine Sonne scheint. Sogar der grundlegende Gedanke, die Katastrophe, die zur Zerstörung der oberirdischen Zivilisation führte, durch eine Rückkehr zu verhindern, wird in beiden Filmen gleichermaßen aufgegriffen und diskutiert. Jedoch betont Planet des Grauens den Abenteuer-Aspekt der Geschichte weit mehr, denn die Protagonisten haben dort einen teils militärischen Hintergrund und sehen sich neben den aggressiven Oberflächen-Bewohnern auch noch riesenhaften Monstren konfrontiert.

Ich will hier Ib Melchior und seinem Ko-Autor David L. Hewitt keinesfalls ein Plagiat vorwerfen, aber einer von ihnen wird den Film von Bernds sicherlich gesehen haben, denn die Überschneidungen sind schon sehr auffällig. Allerdings hat es sich Hewitt nicht nehmen lassen, auf Grundlage des Drehbuchs nur drei Jahre später mit Reise ins Zentrum der Zeit ein Remake des Films zu drehen. Und wo schon American International Pictures für ihre Zeitreisenden keine allzu üppige Finanzierung zugute kommen ließen, musste Hewitt hier mit einer Handvoll Kleingeld auskommen. Interessant ist allemal, dass er Techniker Danny in seiner Version durch Geldgeber Stanton ersetzt und nebenher alle Anflüge gewollten Humors eliminiert. Doch die quasi nicht vorhandenen Kulissen (ersetzt durch einen schwarzen Hintergrund), die jetzt vollkommen abstrus wirkende Geschichte öffnen in Kombination mit Hewitts, zugegebenermaßen enthusiastischer, Inkompetenz der unfreiwilligen Komik Tür und Tor. Aber zurück zum vorliegenden 2071: Robot-Monster gegen Mutanten, der trotz geringen Budgets und Originalität selbst einiges zu bieten hat. Die Inszenierung von Melchior gestaltet sich als eher zurückhaltend und dröge, was sicherlich auch den beschränkten Mitteln geschuldet ist. Der Film wartet mit nur wenigen Sets auf, die allerdings vor allem Fans von 50s-SF ansprechen dürfte (wie gesagt, die Zeitreisenden schienen schon damals etwas aus der Zeit gefallen). Das ausstattungstechnische Highlight dürfte das Modell des in einem Krater beheimatete Startrampe des Raumschiffs sein (das Hewitt später auch kurzerhand in seine Version kopierte). Ansonsten herrschen künstliche, teils recht bunte Studiobauten, in denen die Darsteller dann agieren dürfen, vor. Das hebt sich wenig vom Standard der vorangeganenen 50er-SF ab.

Die Dialoge der Forscher untereinander, also im Labor und dann später auch mit Dr. Varno sind gespickt mit teils lustigen Technobubble, eben so, wie es sich für die Zeit gehörte. Mit dem Techniker Danny besitzt die Truppe dann auch einen Comic Relief, der sich dankenswerterweise nicht durch tolpatschigen Slapstik definiert, sondern angenehm zurückhaltend zelebriert wird. Er geht anfangs eigenmächtig auf Erkundungstour und in der Zukunft weckt er sogleich Begehrlichkeiten bei einer hübschen, jungen Frau, die der Männer ihrer Zeit überdrüssig ist; das ist wieder etwas, das direkt aus Planet des Grauens stammen könnten, allerdings weit weniger sexistisch angehaucht. Auf jeden Fall hilft das schon beträchtlich, über den dramaturgisch eher drögen Mittelteil der Handlung, der weder besonders originell oder spannend daherkommt, hinwegzuhelfen. Denn erst ganz zum Schluss drehen die Mutan-Bestien nochmal auf, wenn sich die Lage zuspitzt und es zum offenen Kampf zwischen Ober- und Unterwelt kommt. Das Massaker der Mutanten an den Roboter-Helfern der Zukunftsmenschen erinnert dabei schon ziemlich an die späteren Zombiefilme ab George A. Romeros bahnbrechenden Dawn of the Dead aka Zombie von 1978 – ihre künstlichen Körper werden geradezu zerrupft, Gliedmaßen raus- und Köpfe abgerissen, und auch ihre größtenteils aus Verkabelung bestehenden Innereien hervorgekramt. Ich frage mich, ob Romero und Tom Savini sich vielleicht von The Time Travellers für ihre Ausweidungen inspirieren lassen haben. Beim Finale, in dem die Übersetzung in die Gegenwart der Protagonisten Probleme bereitet, fühlte ich mich persönlich auch noch an Stephen Kings The Langoliers, bzw. dessen lahme Adaption als TV-Zweiteiler erinnert.

Der Cast präsentiert sich für ein Film dieses B-Kalibers zweckmäßig. Als Dr. von Steiner ist Preston Foster (Dr. X, Ich erschoss Jesse James) zu sehen, es war einer der letzten Filme seiner Karriere. Den jüngeren Kollegen Dr. Connors spielt Philip Carey, der später Star einer Soap Opera wurde. Den letzten Wissenschaftler im Bunde, den gastfreundlichen Dr. Varno, gibt John Hoyt, der ja auch schon in In den Fängen des Puppenmachers aus der Nr. 7 dieser Galerie die Puppenmenschen tanzen ließ. Merry Anders (Die 13 Opfer des Dr. Desmond, Airport) darf als Carol zumindest als Stichwortgeberin agieren, während das Model Delores Wells (Playmate Juni 1960) einzig als Love Interest und Eye Candy dient. Ihr Angebeteter ist Steve Franken (Der Partyschreck, Wo, bitte, geht’s zur Front?), der fast im Alleingang für den Humor des Films zuständig ist und in der deutschen Erstsynchro passenderweise von Horst Gentzen (Jerry Lewis, Kermit der Frosch, Kenneth Williams) gesprochen wird. Den Spielverderber in Form von Senator Willard darf Dennis Patrick geben, der ansonsten eher im TV anzutreffen war. Bemerkenswert ist noch, dass der Autor, Publizist und SciFi-Superfan Forest J. Ackerman einen kurzen Auftritt bestreitet, weswegen er den Film in seinem damaligen Magazin Spacemen exzessiv beworben hat (in der von ihm kuratierten SF-Kurgeschichtensammlung Ackermatology von 1997 findet man übrigens u.a. Melchiors Death Race 2000; steht hier auch neben mir im Regal).

Für den Dänen Ib Melchior war 2071: Mutan-Bestien gegen Roboter einer seiner wenigen Ausflüge ins Regie-Fach, Langfilme waren es derer nur zwei. Wir verdanken ihm dafür die enorm unterhaltsame Mars-Expedition Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort/Angry Red Planet von 1959, welcher schon 2020 in Der Fluch der Galerie des Grauens erschienen ist. Als Autor hat er dafür die Kurzgeschichte Death Race 2000 zu verantworten, die Grundlage für den gleichnamigen 70s-Kultfilm von Paul Bartel (hier: Frankensteins Todesrennen) sowie der späteren Neuauflagen mit Jason Statham, bzw. Luke Goss in dessen Sequels, bildete (das Mini-Franchise hat es bisher auf, je nach Zählweise, bis zu acht Filme gebracht). Er hat auch die Drehbücher für die dänisch-amerikanischen Koproduktionen Reptilicus und Journey to the Seventh Planet, wie auch zu Byron Haskins Raumfahrtabenteuer Notlandung im Weltraum (auch 1964) verfasst. Ko-Autor David L. Hewitt versuchte sich, wie schon erwähnt, gleichfalls als Filmemacher, verwurstete neben diesem Film auch vorher schon Melchiors Abenteuer auf dem roten Planeten für seinen (vom Doc sehr wohlwollend besprochenen) The Wizard of Mars, allerdings ohne die faszinierend aggressiv-rote Cinemagic-Technik des Vorbilds. Sein Output ist, wenn man den Spagat zwischen Enthusiasmus und Aufwand/Inkompetenz betrachtet, durchaus mit den populären Filmen eines Ed Wood Jr. Vergleichbar; doch, je nach Standpunkt, weniger erheiternd und gefeiert.

Fassung:

Anolis Entertainment bringt die deutsche HD-Premiere von 2071: Mutan-Bestien gegen Roboter als Das Vermächtnis der Galerie des Grauens Nr. 8. Das Bild besitzt kräftige Farben, besitzt aber auch einige Verschmutzungen und verschluckt hier und da schon mal feine Details. Doch das dürfte sicherlich das beste sein, was bei diesen über 60 Jahre alten B-Film erwarten kann, der von jeher eher stiefmütterlich behandelt wurde. Daneben befinden sich neben dem englischen O-Ton gleich zwei deutsche Synchronisationen auf dem Silberling. Einmal die originale Kino-Synchronisation aus dem Jahre 1970 und dann noch eine spätere fürs TV erstellte; erstere ist hier klar vorzuziehen. Als Extras sind nur der Kino-Trailer und eine Bildergalerie enthalten. Dafür geht der Booklet-Text von Dr. Rolf Giesen erfreulich in die Tiefe, was Produktion und Macher des Films angeht. Wer sich also mit tieferen Einblick zum Film beschäftigen möchte, wird hier gut bedient.

Fazit:

2071: Mutan-Bestien gegen Roboter ist sicherlich kein besonders aufregender Vertreter seines Standes, bietet trotz einiger Längen ein paar nette Ideen und eine Handvoll charmanter Details, die gerade Fans altmodischer Science Fiction einigermaßen bei Laune halten können. Zudem besitzt er noch einen etwas wirren, aber doch recht netten Twist am Ende. Mich hat er bei der Zweitsichtung jedenfalls unerwartet gut unterhalten, zudem blieben auch so einige Gedanken dazu im Schädel hängen, die ich jetzt an dieser Stelle mal mit euch geteilt habe. Wer sich davon angefixt fühlt, sollte dem Film mal ein, oder auch eine zweite, Chance geben.


BOMBEN-Skala: 4

BIER-Skala: 6


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