Curse of the Faceless Man

 
  • Deutscher Titel: Curse of the Faceless Man
  • Original-Titel: Curse of the Faceless Man
  • Alternative Titel: El conjuro del hombre sin cara | |
  • Regie: Edward L. Cahn
  • Land: USA
  • Jahr: 1958
  • Darsteller:

    Richard Anderson (Dr. Paul Mallon), Elaine Edwards (Tina), Gar Moore (Dr. Enricco Ricci), Louis van Rooten (Dr. Carlo Fiorillo), Felix Locher (Dr. Emanuel),


Vorwort

Und wieder haben wir einen phantastischen Film aus den 50ern, gleichwohl diesmal einen, der etwas „obskur“ ist (ob’s deswegen aber auch ne Perle ist, werden wir sehen). Die Rede ist vom Fluch des gesichtlosen Mannes, wenn man den etwas seltsamen Titel eins zu eins ins Deutsche übersetzten wollte (mich würde ja interessieren, wie die deutschen Verleiher den Schinken genannt hätten? Der Satan aus Stein vielleicht? Oder vielleicht Der Fluch vom Vesus?). Naja, jedenfalls handelt es sich um eine Art Horror/Fantasy-Film, der auf der IMDB bei 1222 Bewertungen lediglich auf 4,8 von 10 Punkten bringt, aber gerade bei B-Filmen aus dieser Zeit sind die User dort ja etwas knausrig, so kommt’s mir ja vor. Gleichzeitig fährt der Streifen aber mit zwei Namen auf, die der Fan durchaus kennen könnte, nämlich dem guten alten Eddie (Keine Angst, nicht Ed Wood, sondern „nur“ Edward L. Cahn) sowie Jerome Bixby als Drehbuchschreiberling. Und genau für diese Art von B-Filmen sind wir ja hier: Alt, verstaubt, ein seltsamer Titel und irgendwie etwas in Vergessenheit geraten. Also dann, schauen wir, was er kann, der Mann ohne Gesicht!


Inhalt

Mysteriöse Musik und die Credits laufen ab, während er im Hintergrund schon liegt, der steife Steinmann. Vorerst befinden wir uns dann aber in steingrauer Vorzeit und während der Vesuv im Hintergrund fröhlich eruptiert, labert und eine Stimme aus dem Off mit Hintergrundinfos voll:

„97 Years after the birth of Christ. The city of Pompeji ceases to exist. Destroyed by a mountain of hell, known as Vesuvius. An August afternoon, almost 2000 years ago, the vulcano errupted. The earth shook. Day became night. Birds fell dead from the sky. Fish died, as the ocean boiled. And the people of Pompeji perished under an avalanche of volcanic ash and stone. Burnt, sufficated, crushed. Many strange and mysterious things happened at that day. Some may be explained by archeologists over the years, some perhaps will never be explained.“

Nach dieser wirklich schön-dramatischen Einführung (übrigens gesprochen von Morris Ankrum) sehen wir nun, wie ein Ausgräber… etwas ausgräbt, genauer gesagt eine alte Truhe. Die Off-Stimme erzählt noch was über den „Facelless-Man“ und während der Finder seinen Schatz begutachtet, kriecht schon die olle Steinhand aus der Erde. Der Ausgräber erschrickt folgerichtig (berührt die Hand aber komischerweise trotzdem erst, bevor er türmt) und später wird der (nun gänzlich leblose) Steinman ausgebuddelt.
Dann geht’s zum „Mueso Di Pompeii Napoli“, wie uns ein Schild verrät. Gerade fährt dort Dr. Paul Mallon vor, der vom Museumsleiter Dr. Carlo Fiorello angerufen wurde. Mysteriöses gehe vor, sagt der Museumsleiter, und erzählt Paul von dem Fund des Steinmannes („It was not a mummy such as we usually find it in the section of Pompeji, it is a body! And i’m not even sure if ist dead!“ klingt logisch). Paul hält das für Nonsens (logischerweise).

Schnitt zum Laster, der den Steinmann gerade transportiert. Der erwacht gerade auch aus seinem Mittagsschlaf und bewegt sich schon, aber bevor es Spannend wird, müssen wir wieder dem Gerede von Dr. Carlo lauschen, der aufzählt, warum Paul denn so gut geeignet für die Untersuchung wäre. Gleichzeitig fahren gerade Maria (Tochter von Carlo) und Dr. Enrico vor. Letzterer beschwert sich auch gleich, wieso Carlo ausgerechnet Paul habe engagieren müssen und Maria vertröstet ihn schnell. Im Museum erzählt Dr. Carlo von der Truhe und dem Gold, das dieses beinhaltet. Ebenfalls dort drin war, und dies ist das wichtige (anscheinend), und eine einfache Bronzemedaille. Maria fällt auf, dass dort etwas auf Altetruskisch draufstand („Very strange people“, diese Etrusker, findet Dr. Carlo). Während die Diskussion im Museum weitergeht, erwacht der Steinmann nun komplett zum Leben und greift sich den Fahrer des VW-Bullys, schnell wird aber weggeschnitten. Im Museum klingelt dann das Telefon, Dr. Carlo redet italienisch (aber das Wort „impossible“ höre ich trotzdem raus): Der Fahrer habe einen Unfall gehabt und der Steinmann, der wieder starr neben der Straße liegt, wird abgeholt. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sich wieder erhebt…

Besprechung:

Wie so oft lassen mich B-Filme aus den 50ern, die ich spontan ohne Vorwissen gucke, etwas zwiespältig zurück, so ist es auch hier wieder der Fall – THE CURSE OF THE FACELESS MANhat zweifelsohne seine positiven, aber auch seine negativen Seiten. Fangen wir mal bei ersterem an.

Die Story ist ja schon mal gar nicht so schlecht, und das, obwohl sie im Grunde vom Universal Klassiker DIE MUMIE von 1932 abgekupfert ist: Natürlich entwickelt der Steinmann (tatsächlich scheint er gänzlich aus Stein zu bestehen, das wird einmal explizit so erwähnt. Obwohl er ja lediglich nur von Asche und Schlacke oder sonst was bedeckt wurde) ein Interesse an der vertrauten Verlobten unseres Helden, Tina, die wiederrum selbst auch eine Vergangenheit mit ihm hatte. Unter der Hypnose von Dr. Emanuel (der später auch noch hinzukommt, also gibs insgesamt… vier Doktoren, und das sind zwei mehr, als es gebraucht hätte) stellt sich heraus, dass sie die Reinkarnation einer alten römischen Bürgerin ist, die sich in einen Gladiator, also einen niederen Sklaven verliebte, der nun natürlich als Steinmensch (oder was auch immer, ist ja eigentlich egal) umherwandelt. Und sie selbstredend wieder für sich haben möchte. Die Story verdient zwar keinen kreativitätspreis, hebt sich aber aufgrund des Settings doch vom Groß der Drive-In Ware der 50er Jahre ab – es gibt einige schöne Szenen, gerade zu Anfang der Ausbruch des Vesus und Pompeji, oder später die italienische Küste (gut, ist natürlich nicht wirklich die italienische Küste, gedreht wurde selbstverständlich in Los Angeles und u.a im altbekannten Griffith Park. Nur die berühmte Höhle im Bronson-Canyon geht diesmal leer aus). Aber auch das Labor oder das Museum ist nicht schlecht eingerichtet, die restlichen Set-Pieces sind dann aber auch eher zweckmäßig, als irgendwie kreativ.

Etwas stutzig wird man höchstens beim Namen des Drehbuchschreibers, Jerome Bixby, der nun wirklich deutlich besseres zu Papier brachte, und vor allem eher waschechte Science-Fiction, als Fantasy/Horror wie hier – mit Cahn machte er im selben Jahr auch IT! DER SCHRECKEN LAUERT IM ALL den ich als einen der besten Science-Fiction B-Filme der Dekade bezeichnen würde und der mir sehr gefallen hat (und heute auch dafür bekannt ist, dass er offensichtlich einer der Inspirationsquellen für Ridley Scotts ALIEN gewesen sein soll). Außerdem schrieb Bixby auch DIE PHANTASTISCHE REISE und einer seiner Stories diente 2007 auch für die Independent-Überraschung auch THE MAN FROM EARTH den ich ebenfalls sehr schätze. Zum Filmgeschäft kam er übrigens auch nur, weil er Geld verdienen wollte, so wie vermutlich alle, die an diesem Projekt hier mitarbeiteten, also steckte er auch verständlicherweise nicht allzu viel Gusto in die Schreibarbeit. Einige Dialoge sind da schon etwas krude (z.B: „What we believe is not important. What is important is what we can prove.“) und dienten wahrscheinlich nur dazu, den Film über die 60 Minuten-Marke zu hieven (die er mit knapp 67 Minuten auch nur gerade so erreicht – mehr als 70 Minuten hätte die Story in dieser Form auch nicht füllen können oder sollen). Einige der Charaktere sind darüber hinaus auch einfach unnötig, und bei einigen Handlungspunkten hapert es dann doch. Beispiel: Der Steinmann schlendert ganz ruhig zum Haus, wo Tina schläft, und die Polizei wird informiert, es doch zu bewachen – doof nur, dass sie den Hintereingang ignorieren, wo der Steinmann natürlich sogleich hineinspazieren kann. Außerdem frage ich mich, warum Tina nicht wegläuft, denn der Steinmann könnte selbst einen 80-Jährigen mit Rollator nicht einholen, aber gut, aus heutiger Sicht regt man sich darüber auch keineswegs auf, sowas gehört halt irgendwie dazu. Außerdem war es auch Bixbys erstes Drehbuch.

Und das bringt mich zum zweiten Namen, den ich schon im Vorwort erwähnt habe – Edward L. Cahn, auch genannt „Fast Eddie“, weil er diese Art von Regisseur war, die ihre Projekte in wenigen Tagen und mit wenig Geld mehr oder weniger fehlerfrei herunterkurbeln konnten. Er drehte über 100 Filme und wenn die Umstände passten, war er durchaus in der Lage, gut abzuliefern, wie IT! DER SCHRECKEN LAUERT IM ALL zweifelsfrei beweist. Aber auch INVISIBLE INVADERS (1959, u.a mit John Agar) oder DIE VIER SCHÄDEL DES JONATHAN DRAKE (ebenfalls 1959) fand ich ganz nett. THE SHE-CREATURE (1956, für AIP) und INVASION OF THE SAUCER-MEN (1957, der mit den legendären kleinen Grünen Männchen mit überdimensionalen Köpfen) fand ich eher schlecht und langweilig. Ein großer Künstler war er auch da wahrlich nicht, aber dort konnte er bei seinen „guten“ Arbeiten die Stories durchaus hier und da ansprechend einfangen.

THE CURSE OF THE FACELESS MAN ist nun auch nicht „schlecht“, aber Cahns Regie ist wirklich kaum bemerkbar. Es gibt keine Akzente, keine besonderen Einfälle, die Kamera ist meistens starr und die Schauspieler wirken auch etwas unbeholfen, da Cahn sich wohl nur darum kümmerte, wie viele Szenen er an den Drehtagen noch in den Kasten bekommen würde. Die guten Momente des Films sind auch so nett, aber mit einem fähigeren Regisseur wären sie noch wirkungsvoller, und die Dialog-Durststrecken wären leichter überbrückbar gewesen. Insgesamt geht das für knapp 70 Minuten geradeso noch in Ordnung. An Tempo gewinnt der Streifen aber freilich auch niemals.

Kommen wir aber nun zum Kern der Sache – dem gesichtlosen Mann. Dabei handelt es sich selbstredend um irgendeinen Typen im Kostüm (bzw. wird in der IMDB ein gewisser Bob Bryant genannt, der nur eine Handvoll Credits sammelte, darunter noch einen für Stunts in SUMPF DES GRAUENS von 1959). Wenn er sich langsam erhebt, dann sieht man auch, dass Falten im Kostüm entstehen, aber an sich ist der Anzug ganz ok, was aber auch keine große Aufgabe gewesen sein dürfte, gerade für Charles Gemora, der dafür zuständig war: Schließlich war er auch an komplexeren Kostümen wie das des Marsianers bei KAMPF DER WELTEN von 1953 oder I MARRIED A MONSTER FROM OUTER SPACE von 1959 beteiligt. Wie jedes Filmmonster der 50er, das was auf sich hält, entführt es die Frau seines Herzens und trägt es von dannen. Ach ja, und Atomstrahlung kommt irgendwie auch vor. Die Theorie hier ist, dass es die Lebensenergie aus den Röntgenstrahlen zog, mit denen es beschossen wurde (insofern ich das richtig verstanden habe, aber das wird eh nur in einem Nebensatz erwähnt und tut im Grunde absolut gar nichts zur Sache).

Die Akteure sind nicht der Rede wert. Als generischen Wissenschaftler Dr. Paul Mallon, der die Frau retten muss, kann man Richard Anderson sehen, der in seiner langen Karriere u.a im Klassiker ALARM IM WELTALL (1956) oder als französischer Weltkriegsmajor auch eine kleinere Rolle in Kubricks Antikriegs-Meisterwerk WEGE ZUM RUHM von 1957 hatte, später spielte er auch für dutzend folgen in der Serie DER 6-MILLIONEN DOLLAR MANN. An seiner Seite als Tina sieht man Elaine Edwards, die als Frauenfigur sogar mehr zu tun hat, als zu schreien und ohnmächtig zu werden. In einer Szene muss sie sogar spielen, wie sie eine Vision ihres frühen Lebens hat, und es gelingt ihr den Umständen entsprechend ganz annehmbar. „Kennen“ tue ich sie noch aus DAS BIEST mit Vincent Price von 1959, der mir aber auch kaum in Erinnerung geblieben ist.

Die dritte Frau, die ehemalige Freundin vom Doktor, Maria, tut dagegen wirklich kaum was zur Sache, nämlich eigentlich… gar nichts. Sie ist die Tochter von Doktor Carlo Fiorello und man hätte sie genauso gut aus dem Skript rausstreichen können.
Interessanter sind da benannte Wissenschaftler – einmal der Doktor zu Anfang, der Dr. Mallon überhaupt erst informiert: Dr. Fiorello, der von Louis van Rooten ganz akzeptabel gegeben wird, ist da aber noch die uninteressantere. Amüsanter ist da die kauzig-sympathische Performance von Felix Locher (u.a auch FRANKENSTEINS TOCHTER) als Dr. Emanuel, der eben auch die Hypnose vornimmt und die Idee hat, dass Tina ein früheres Leben hatte. Ebenfalls ganz nett ist Jan Arvan (DIE HÖLLENFAHRT DER POSEIDON, DIE BESTIE AUS DEM WELTENRAUM u.a) als italienischer Inspektor, der wenigstens so wirkt, als hätte er Interesse an dem Fall. Gar Moore als Dr. Ricci ist dagegen überhaupt nicht von Belang, und die Andeutung zu Anfang, dass er Dr. Mallone nicht leiden kann, mündet auch nicht in irgendeinen zwischenmenschlichen Konflikt. Tatsächlich hat er eigentlich auch gar nichts zu tun und auch ihn hätte man ohne weiteres aus dem Drehbuch werfen können.

Fazit:

Also, nun denn, THE CURSE OF THE FACELESS MAN war für mich im Grunde ein annehmbarer Monster/Horror-Kinotopps der 50er, wenn auch weitestgehend frei von Kreativität. Es ist Etwas anders wie das sonstige Material von mutierten Monstern und so weiter, aber auch nicht frei von den Fehlern eines typischen, schnell heruntergekurbelten, schwach budgetierten Streifens, bei dem niemand wirklich das Interesse hatte, irgendwas Besonderes draus zu machen. Aber das musste es ja auch gar nicht werden – für Fans des Jahrzehnts kann man ohne etwas falsch zu machen durchaus mal reinschauen, geht ja ohnehin nur knapp 70 Minuten. Allgemein dürfte er aber nur den eher hartgesottenen Fans des phantastischen Films der 50er zu empfehlen sein. Sechs Biere auf der Skala.


BOMBEN-Skala: 3

BIER-Skala: 6


mm
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