The Return of the Vampire

 
  • Deutscher Titel: Die Rückkehr der Vampire
  • Original-Titel: The Return of the Vampire
  • Alternative Titel: El regreso del vampiro | Il ritorno del vampiro | |
  • Regie: Lew Landers
  • Land: USA
  • Jahr: 1943
  • Darsteller:

    Bela Lugosi (Dr. Armand Tesla/Dr. Bruckner), Frieda Inescort (Lady Jane Ainsley), Miles Mander (Sir Fredrick Fleet), Nina Foch (Nikki), Matt Willis (Andréas/Werwolf)


Vorwort

Ich denke, ich werde spätestens ab hier nichts neues mehr zu derartigen Filmen sagen können (zumindest im Vorwort): Ja, es ist schon wieder ein Lugosi-Film, und ja, es ist auch wieder einer aus den 40ern. Aber, und jetzt kommt das große aber, das unser heutiges Lugosi-Vehikel dann doch einzigartig macht: Es ist ausnahmsweise kein Poverty-Horror! Es ist kein Monogram oder PRC-Schnellschuss, sondern sogar noch ein waschechter, gut ich will nicht sagen „A“-Film, aber zumindest ein Werk, dass nicht in der Armenhaus-Reihe Hollywoods entstanden ist. Produktionsfirma war nämlich sogar Columbia Pictures. Anno 1943 war’s nämlich so (da wird hier keinem mehr was Neues erzählen können, aber egal), dass Universal mit ihrem Horror-Franchise mit Dracula, dem Wolfmenschen, Frankenstein & Co. die Kassen so laut klingeln ließen, dass praktisch alle nachzogen und auch ein Stück vom Horror-Hype-Kuchen abhaben wollten (erneut stellt sich mir die Frage nach den psychologischen Mechanismen nach dem Horror-Hunger des Publikums in Kriegszeiten).

Columbia war da keine Ausnahme, schließlich konnte man im Horror-Genre mit relativ wenig Mitteln relativ viel Bares herausholen. Doch nur n Monster und ein paar Nebelmaschinen reichten da freilich nicht, da brauchte man noch große Namen – und wer war grad Frei? Karloff war just mit dem äußerst erfolgreichen Theaterstück „Arsen und Spitzhäubchen“ zu Gange, Lon Chaney Jr. und John Carradine waren dauerhaft bei Universal. Nur einer der großen Horrorstars war gerade frei (und darüber hinaus wohl auch günstiger): Natürlich war’s „Poor Bela“, der in THE RETURN OF THE VAMPIRE nun auch leider sein letztes First-Billing für ein Major-Studio bekommen sollte. Und als wäre das nicht schon genug Grund für eine Sichtung, spielt er auch noch seine Paraderolle schlechthin: Dracula! (Auch wenn er hier nicht so heißt, praktisch kommt’s aufs selbe heraus).
Ups, jetzt habe ich doch wieder viel mehr gequatscht (bzw. geschrieben) als nötig oder gut wäre. Also, mal schauen, was Bela uns heute präsentiert…


Inhalt

Ein krächzender Rabe, ein Friedhofsschild, Nebelschwaden und knochige Äste. Eine Stimme aus dem Off klärt auf:

This is the case of Armand Tesla, vampire, as compiled from the personal notes of Professor Walter Saunders, Kings College, Oxford. The following events took place in the outskirts of London, towards the close of the year 1918. They began on the night og October the 15th. A particularly gloomy, foggy night… that was well suited for a visitation by the supernatural.

Derweil ist schon ein Werwolf dabei, über den Friedhof zu spazieren. Er begibt sich in die hiesige Gruft, zu seinem Herrscher und Meister, dessen Zeit zum Ausgehen nun gekommen ist. Der Sarg öffnet sich und der Werwolf klärt auf, dass „sie“ immer noch lebt, und dass er sie durch die Fenster des Sanatoriums von Dr. Ainsley beobachtete. Sie liege nur da und starre ins Nichts und inzwischen sei auch ein alter Freund von Dr. Ainsley aus Oxford angereist, um sich den Fall der Patientin anzuschauen.
Der Vampir begibt sich daraufhin nach draußen, spaziert über den Friedhof, breitet seinen Umhang aus und verschwindet im Nebel der Nacht…

Derweil untersuchen Professor Saunders und seine Gehilfe Lady Jane Ainsley eine Blutprobe. Das Opfer war „praktisch“ blutlos, trotz keiner erkennbaren Wunden. Die Kinder stürmen herein, machen Witze (sie hatten „Krieg“ gespielt und einen Deutschen getötet) und verschwinden dann wieder.

Dann beginnt die Untersuchung der Patientin, die in der Tat einfach nur ins Nichts starrt und etwas von furchtbaren Augen wie „brennende Kohlen“ und einem Traum erzählt. Ein Windstoß fegt ein paar Gläser von der Fensterbank und die Patientin verstirbt urplötzlich. Saunders konstatiert: „Im afraid it goes deeper than medicine.“

In der nächsten Szene dürfen wir dann schon das Antlitz von Bela Lugosi erblicken, jedoch nur als Buchzeichnung des „Dr. Armand Tesla“, einem Experten auf dem Gebiet des Vampirismus. Während Saunders seinen Artikel liest, öffnet sich im Zimmer der Kinder derweil die Balkontüre, ein Schatten kommt herein und das Mädchen, Nikki, schreit auf.
Am nächsten Morgen klärt Professor Saunders Lady Jane auf: Er zeigt ihr die zwei Punkte am Hals des Opfers und offenbart, dass sie das Opfer eines Vampirs geworden ist. Und solche zwei Punkte werden nun auch am Hals von Nikki gefunden. Nach einer spontanen Bluttransfusion wird klar: Der Vampir muss vernichtet werden.
Sodann begibt man sich zum Friedhof, bzw. zur Gruft: Im Sarg liegt eine Leiche, dessen Gesicht nicht vom Spiegel reflektiert wird. Professor Saunders schlägt einen Pflock in sein Herz und so verwandelt sich auch der gerade hereinkommende Werwolf wieder in den Menschen, Andréas, zurück, der er einst war.

Schnitt in die (relative) Gegenwart, zum Schreibtisch von Scotland Yard Kommissar Sir Fredrick Fleet, der ebenjene Geschichte als Quatsch bezeichnet. Gefunden wurde das Manuskript im Nachlass des vorkurzen verstorbenen Professor Saunders. Lady Jane erzählt ihm die Story von Tesla erneut, einem rumänischen Wissenschaftler, der 1744 starb, jedoch selbst zum Vampir wurde. Gibt’s nicht, geht nicht, sagte Saunders – und zu allem Überfluss will er das Grab von Tesla nun auch öffnen. Und sollte sich dort jemand finden, dem man einen Pflock durch das Herz bohrte, so wird Lady Jane wohl des Mordes angeklagt werden…

Besprechung:

Man merkt schon schnell, ob man es mit einem Poverty-Row Reißer oder einem ansatzweisen mit Budget gesegneten Horrorfilm der 40er Jahre zutun hat. Bei RETURN OF THE VAMPIRE lag dieses zwar ebenfalls bei nur knapp 75.000 Dollar, aber das dürfte wohl immer noch deutlich, deutlich mehr gewesen sein, als die typische Monogram-Schote.
Und man sieht es dem Film an. Während Filme wie THE APE MAN oder… RETURN OF THE APE MAN nur in ein, zwei, insgesamt wenig interessanten Sets spielen, sind die Handlungsorte von RETURN OF THE VAMPIRE deutlich vielfältiger. Vielleicht nicht so opulent wie bei der Konkurrenz von Universal, aber sie lassen sich trotzdem sehen.

Ganz besonders wunderbar, ja absolut fantastisch ist das Set vom Friedhof. Da ist Columbia wohl wirklich die Requisiten-Kammern durchgegangen und hat alles, was irgendwie mit Horror zutun hat, rausgenommen und ans Set gebracht. Dazu noch ein paar alte Äste und ein paar dutzend Nebelmaschinen angeschaltet und voilá: Man hat ein herrlich uriges, schön-schauriges Friedhof-Set, mit alles was dazu gehört: Nebelschwaden, Kreuze, Grabsteine, eine alte Gruft, alte Stahlgitter und so weiter. Das ist wirklich Gothic-Horror, wie ich ihn mag, und bringt einfach eine fantastische Atmosphäre mit, die man heute auch gar nicht mehr erschaffen könnte. Klar hat das Ganze eine gewisse Künstlichkeit und Klischeehaftigkeit, aber dieses Set habe ich sofort geliebt!

Aber erstmal von vorne: An sich ist RETURN OF THE VAMPIRE ein durchschnittliches, wenig kreatives Dracula Rip-Off. Ursprünglich war es sogar als Fortsetzung zu Stokers Roman angedacht, aber Universal drohte mit klage, sodass man das Drehbuch von Griffin Jay spontan umschrieb (irgendwo las ich jedoch auch mal, dass das Copyright zumindest in den USA tatsächlich frei war, das aber niemand irgendwie genau überprüfte und nur Universal deshalb Dracula-Filme produzierte, obwohl es theoretisch jedem freigestanden hätte. Habe ich bisher aber nicht überprüft).

Aus Dracula wird so „Armand Tesla“, aus Van Helsing Professor Walter Saunders, aus Lucy praktisch Nikki und aus unser aller Liebling Renfield Andréas (bzw. der Werwolf!). Stört mich aber nicht, denn sowieso bin ich nach einer Lektüre von Stokers Roman kein allzu großer Fan geworden (allgemein halte ich das Buch, trotz seiner wegweisenden Wirkung, für größtenteils sehr platt und klischeehaft. Und als wenig aufregend, aber die Kritik würde jetzt den Rahmen sprengen).

Der erste Abschnitt dient dann nur dazu, die Vorgeschichte zu erzählen und ich spekuliere nun einfach mal, dass Columbia hier ursprünglich, als man auch noch den Namen „Dracula“ eingeplant hatte, mit dem Ende des Universal-Klassiker beginnen wollte (zumindest in irgendeiner Weise). Da man darauf nun natürlich nicht zurückgreifen konnte, erzählt man Stokers Story im Schnelldurchlauf (Seltsame Schwächeanfälle einer schönen Frau, zwei Wunden am Hals, ein Professor hat eine Ahnung und tötet den Vampir schließlich) und fügt sogar noch nen Werwolf als Vampir-Diener hinzu. Auch die Szene, in der das Opfer von einem Traum und Augen wie glühende Kohlen erzählte, kommt so ziemlich ähnlich im Roman vor.

Danach befindet man sich wieder in der Gegenwart, Professor Saunders wird kurz durch einen Flugzeugabsturz aus der Story geschrieben und Hauptfigur ist fortan seine nun ältere Gehilfin und einzige Mitzeugin der damaligen Vampir-„Jagd“ – die aus einem mir vollkommen unerklärlichen Grund die gesamte, von Saunders aufgeschriebene Geschichte dem Scotland-Yard mitbringt! Und da der dortige Sir Frederick Fleet dann auch noch ankündigt, er werde nun gegen sie wegen Mordverdacht ermitteln, hat sie doch überhaupt keinen Grund, ihm diese Geschichte mitzuteilen! Sie geht einfach hin, legt ihm diese utopische Geschichte vor und erwartet… was genau eigentlich? Klar, man sollte sich bei Horror der 30-40er nicht immer um Logik scheren (auch Universals Frankenstein-Reihe ist da ja nicht ganz vor gefeilt), aber da dies ja eigentlich der gesamte Aufhänger der nächsten knapp 55 Minuten ist, ergibt es nun mal wenig Sinn und störte mich schon etwas. Zumal Jane es später auch vermeidet, irgendwem anderes von der Geschichte zu erzählen.

Ansonsten entwickelt sich die Geschichte an sich ohne Große Überraschungen weiter, füllt die knapp 70 Minuten aber trotzdem ganz gut – auch wenn man „nur“ den typischen Vampir-„Horror“ der damaligen Zeit serviert bekommt und der Geschichte um dem von Vampirismus Befallenen nichts hinzugefügt wird. Bis auf die Tatsache, dass Dracula sich eines menschlichen Sklaven bedient, der daraufhin zum Werwolf wird. Einen wirklichen Mehrwert für die Handlung an sich hat es nicht, denn die Jagd nach Dracula steht nun mal im Mittelpunkt, bzw. ist er ja auch die Hauptbedrohung des Films. Ob sein Diener nun ein Werwolf, ein ganz normaler Mensch oder meinetwegen ne Mumie wäre, macht keinen Unterschied. Bietet aber natürlich mehr Schauwerte und Columbia die Möglichkeit, ein weiteres Monster werbewirksam auf das Plakat zu malen. Und Monster-Crossover waren damals ja eh sehr beliebt, 1943 präsentierte Universal ja auch FRANKENSTEIN MEETS THE WOLF MAN.
So gut wie Lon Chaneys Wolfsmensch sieht das Exemplar hier freilich nicht aus. Der erinnert eher an den aus Fred F. Sears Version von 1956, THE WEREWOLF. Dennoch sind die Verwandlungsszenen recht flüssig und gekonnt gestaltet, aber an das Talent von Jack Pierce kommt eben niemand heran.

Ansonsten präsentiert sich der Film relativ unaufgeregt und geradlinig. Armand Tesla bedient sich der Identität des zu Besuch kommenden Dr. Hugi Bruckner und wirft ein Auge auf Nikki, während Lady Jane und der Scotland Yard „forschen“, was es mit den seltsamen Vorfällen auf sich hat. Wobei sie dafür nicht mehr tun, als mal beim Friedhof vorbeizuschauen. By the way gibt’s auch noch nen besonders dämlichen Grund dafür, wie Armand Tesla denn nun wieder zu den Lebenden (bzw. war er als Vampir ja eigentlich schon ein Untoter) kommt. Natürlich gibt’s wieder zwei comic-Relief Charaktere, diesmal in Form von zwei Trottel der Teil der Truppe, die während der Luftschlacht um England in den Städten stationiert waren (es gibt bestimmt auch wieder irgendeinen Fachbegriff für diesen Teil von Soldaten, aber den kenne ich gerade nicht). Jedenfalls wird Draculas, Äh, Armand Teslas Grab vorerst von deutschen Bombern freigesprengt, dann kommen unsere zwei Trottel daher… und haben keine bessere Idee, als der Leiche Teslas den Pflock aus der Brust zu ziehen! Wieso sie das denn überhaupt tun, sollte ich wieder nicht hinterfragen, und dass ein Vampir, nachdem man ihm den Pflock wieder herauszieht, so wieder zum Leben erweckt wird, ist mir auch neu, kann man aber hinnehmen.

Insgesamt hat das Drehbuch so schon, ein, zwei Haken, aber nichts, worüber man sich nun aufregen müsste. Gut wegschauen lässt er sich trotzdem und außerdem passiert auch immer genug, um bei der Stange gehalten zu werden. Dahingehend dürfte es sogar noch eines der besten Skripts von Schreiberling Griffin Jay sein, der für Universal in den 40ern u.a drei Mumienfilme schrieb, und für Columbia 1944 auch noch CRY OF THE WEREWOLF, der aber gänzlich ohne große Star-Power auskam. Interessant ist auch, dass das Ganze, angeblich, auf einer Idee von Kurt Neumann (natürlich bekannt für diverse 50s Sci-Fi Flicks, unter anderem DIE FLIEGE) basiert, aber die kann nicht besonders speziell gewesen sein. Ursprünglich war er ja auch mal für die Regie von FRANKENSTEINS BRAUT vorgesehen. Ein weiterer Titel aus Jays Filmographie, der zumindest für mich von Interesse wäre, ist THE DEVIL BATS DAUGHTER von 1946, der aber auch so ziemlich einen de unbekanntesten Werke des 40er Jahre Horror-Outputs darstellt. Präsentiert sich quasi als Fortsetzung des Lugosi Mad-Scientist Vehikel THE DEVIL BAT.

Regie bei der ganzen Sache führte ein „alter Bekannter“, nämlich Lew Landers, der 1935 schon den Lugosi-Karloff Klassiker DER RABE gedreht hatte (der in meinem persönlichen Karloff-Lugosi Ranking tatsächlich auf dem letzten, aber trotzdem netten Platz rangiert). Dieser Film dürfte auch noch sein bekanntester Film sein, denn neben RETURN OF THE VAMPIRE drehte er keine weiteren, heute hinreichend bekannte Filme. Und insgesamt muss man attestieren, dass ihm auch ein wenig das Gespür für das Genre fehlt. So schön das Friedhof-Set ist, so behäbig inszenierte er etwa die Ermordung Teslas am Anfang. Auch das erste Auftreten von Lugosi, woraufhin der Film hinarbeitet, denn zu Anfang wird das Gesicht von Tesla verdeckt bzw. ausgespart, hätte man etwas, nun ja, spannender machen können. Die Kamera bewegt sich ebenfalls nicht wirklich, obwohl die Sets, wie gesagt, nicht so beengt sind wie in den Poverty-Row Filmen. Neben den Friedhof gibt es noch eine schöne Gruft, ein nettes Labor und ein kleines Straßen-Set, das von den deutschen zerbombt werden darf. Insgesamt lässt sich der Film optisch aber schon sehen, auch wenn man mit etwas mehr Gespür für Atmosphäre und Spannungsaufbau noch mehr hätte herausholen können. Nichtsdestotrotz hat er schon ein paar memorable Szenen, etwa wenn Armand Tesla plötzlich durch das Fenster glotzt, oder wenn er zu Anfang aus dem Sarg steigt und man seinen Schatten nur an der Wand sieht.

Kommen wir zu den Akteuren. Erstmal zur Protagonistin (jaja, eigentlich ist schon klar, dass Lugosi der Star ist): Lady Jane Ainsley. Gespielt wird sie von Frieda Inescort die ich ansonsten noch nie irgendwo gesehen hatte (zumindest ist sie mir nicht aufgefallen: Kleine Rollen hatte sie noch im netten IM SUMPF DES GRAUENS von 1959 und in der AIP-Schlaftablette THE SHE CREATURE von 56). Eigentlich ist ihre Frauenfigur interessant angelegt, da sie von keinem Mann gerettet werden muss und meistens ziemlich selbstbewusst und eigenständig agieren darf. Leider nur spielt sie ziemlich zurückhaltend und „underactet“ fast schon. Etwas mehr Gusto hätte nicht geschadet, so bleibt ihre Rolle letztendlich zu blass, obwohl man deutlich mehr mit ihr in diesem Szenario hätte machen können. Ähnlich verhält es sich mit Miles Manders als Scotland-Yard Ermittler Sir Frederick Fleet, der auch nicht wirklich im Gedächtnis bleibt. Sowieso müssen die beiden kaum viel nachforschen oder tun und sind im Finale folgerichtig nicht mal anwesend, sondern sitzen nichts tuend im Haus.

Die Hoheit hat dementsprechend, ohne jedwede Diskussion, natürlich wieder Lugosi selbst, wobei ich diesmal aber sogar etwas „Kritik“ an ihm habe, wenn ich es mir erlauben darf. 1943 war Lugosi nun mal schon etwas gealtert und wenngleich er noch nicht in dem Zustand war, in dem er zehn Jahre später zu Ed Wood Zeiten sein sollte, gibt er die Vampir-Rolle nicht mehr so grandios wie er es noch im Universal-Klassiker tat. Natürlich ist er immer noch großartig, aber sein Auftreten als mächtiger Vampir ist hier weniger glaubwürdig. Das kann aber auch einfach an Landers Regie liegen oder an der Tatsache, dass er aufgrund kaum vorhandener Schminke nochmal deutlich älter aussieht. Außerdem spielt er den Blutsauger diesmal fast schon, zumindest für seine Verhältnisse, zurückhaltend: Meistens starrt er geradeaus, die Hypnose-Szenen sind leider auch nicht überwältigend.
Fast schon besser gefällt mir Lugosi hier in der Rolle des Hugo Bruckner, dessen Identität er kurzerhand übernimmt. Da darf er stilecht mit Zylinder und Frack auftreten und die Damen wie der Gentleman begrüßen, der er nun mal auch war. Selten zeigt er sich so charmant und sympathisch wie hier. Gerade die Szene, als er sich auf der Party vorstellt, ist für Lugosi Fans eine wahre Freude. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich ihn als Mad-Scientist mehr mag als als Dracula.

Die sonstigen Performances sind nicht der Rede wert. Gilbert Emery als quasi Van Helsing zu Anfang ist wenig memorable und Dracula-Opfer Nina Foch als Nikki muss nicht mehr tun, als schön auszusehen und hypnotisiert durch die Gegend zu laufen. Interessant wäre höchstens noch Matt Willis als Andréas/Werwolf. Letzterer war ja schon immer als tragische Gestalt im Horror-Kanon verankert, so ist es auch hier. Er ist letztendlich auch nur ein weiteres Opfer von Tesla, der ihn als Werkzeug missbraucht und auch sofort wegwerfen will, als er seine Hilfe nicht mehr nötig hat. Das bringt mich auch nochmal zum Ende, auf das ich kurz eingehen will (also Spoiler für die folgenden Zeilen).

Das Ende ist nun dahingehend interessant, da der Werwolf/Andréas durch die Stimme des Guten (in Form von Erinnerungen an einen Spruch von Lady Jane) wieder in seine menschliche Form zurückfindet. Beim anschließenden „Kampf“ (Andréas hält ein Kreuz hoch, Lugosi zieht sich in typischer Manier und mit hochgehobenem Mantel zurück) fällt dann ne deutsche Bombe quasi als Deus-Ex Machina Auflösung vom Himmel. Lugosi wird von Andréas nach draußen geholt, wo er dann im Licht „zerfallen“ darf. Etwas erinnert das an die legendäre Todes-Szene aus dem ersten Hammer-Dracula, allerdings ist das hier weitaus weniger gekonnt gelöst und am Ende liegt Lugosi als kopflose Puppe in der Sonne. An sich mochte ich dieses Ende aber, ist mal was anderes, als das typische „Pflock-durchs-Herz-und-Gut-is!“ Ende.

Was es aber nicht unbedingt gebraucht hätte, das ist mal wieder ein dämlicher Schlussgag. Natürlich kommt der Vampirismus-Skeptiker Fleet erst dann zum Schauplatz, als Tesla schon hoffnungslos dahingesuppt ist. Selbstredend glaubt er die Geschichte immer noch nicht: „So you fellas dont believe in this vampire business, do you?“ Nachdem seine zwei Gehilfen dies verneinen, grinst Fleet als Abschied noch in die Kamera: „And do you people?“
Das Ganze hat mich dann doch an das Ende von THE APE MAN erinnert, aber der Schluss dort war ja trotzdem noch ne ganz andere Stufe von „Witz“.

Fazit:

Der Film war für Columbia, wie konnte es anders sein, äußerst lohnenswert, sodass man im Folgejahr CRY OF THE WEREWOLF und SOUL OF A MONSTER im Horror-Genre nachsetzte. Lugosi, der am finanziellen Erfolg von RETURN OF THE VAMPIRE sicherlich seinen guten Anteil hatte, kam dort leider nicht mehr vor. Im Grunde war seine Rolle als Armand Tesla seine letzte, wirklich „große“ Horrorhauptrolle. Seinerzeit erschien der Film aufgrund des Krieges logischerweise nicht in den deutschen Lichtspielhäusern, wurde 2006 aber im Fernsehen unter dem Titel „Rückkehr der Vampire (obwohl hier ja nur ein einziger zurückkehrt) ausgestrahlt.

Nun, und was soll man sagen? Sicherlich hat Columbia hier kein Meisterwerk erschaffen. Aber es ist dennoch ein völlig annehmbarer Vampir-Horror mit wunderschönen Sets und netter Atmosphäre, aus der man aber sicherlich noch mehr hätte machen können. Für 70 Minuten reicht es vollkommen und obgleich mir Lugosi als Armand Tesla vielleicht nicht so extrem gut gefallen hat wie sonst, hat er doch einige schöne Szenen. Als Fan von altmodischen Horror kann man ruhig mal reinschauen, für den Lugosi-Fan ist es Pflichtprogramm.


BOMBEN-Skala: 3

BIER-Skala: 6


mm
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