Der Krieger und die Hexe

 
  • Deutscher Titel: Der Krieger und die Hexe
  • Original-Titel: The Warrior and the Sorceress
  • Alternative Titel: The Warrior |
  • Regie: John C. Broderick
  • Land: USA, Argentinien
  • Jahr: 1984
  • Darsteller:

    David Carradine (Kain aka Der Dunkle)
    Luke Askew (Zeg, der Tyrann)
    María Socas (Naja)
    Anthony De Longis (Kief)
    Harry Townes (Prälat Bludge)
    William Marin (Bal Caz)
    Arthur Clark (Burgo)


Vorwort

Die frühen 80er waren schon eine geile Zeit für das Kino! Zwar hatten zu dem Zeitpunkt schon Filme wie DER WEISSE HAI und KRIEG DER STERNE den Grundstein dafür gelegt, was wir heute als seelenloses modernes Blockbuster-Event-Kino kennen. Im Gegenzug ermöglichte es damals aber auch Filmemachern ungeahnte Möglichkeiten, ihre Visionen auf die Leinwand zu bannen. Denn zu dieser Zeit gab es noch keine allgemein gültige Formel, wie man die Massen ins Kino lenkte. Mit der richtigen Überzeugungsarbeit konnten Produzenten, Regisseure und Autoren den Investoren Millionen für Projekte aus dem Kreuz leiern, die in dieser Form davor nie in dieser Größenordnung produziert worden wären. Es war noch Ende der 70er, da sicherten sich Drehbuchautor Oliver Stone, Produzent Edward Pressman und Regisseur John Milius ein 17,5 Millionen Dollar Budget von Dino de Laurentiis, um einen Fantasyfilm namens CONAN, DER BARBAR zu drehen, einer Verfilmung nach den Geschichten des Pulpautors Robert E. Howard, die man zudem noch mit einem österrischen Bodybuilder, dem ehemaligen Mister Universum Arnold Schwarzenegger, der zuvor kaum als Schauspieler in Erscheinung getreten war, in der Titelrolle besetzte. Gesagt, getan. Der Film wurde 1982 zu einem Erfolg (wenn auch kein echter Blockbuster) und zog unzählige Epigonen nach sich. Denn jeder Produzent von Kalifornien bis Rom glaubte, Filme über leicht beschurzte Männer und Frauen, die sich mit Requisiten von Hieb- und Stichwaffen beharken, könnte man schnell und vor allem billig produzieren und international vermarkten. Und tatsächlich entwickelte sich das Subgenre des Barbarenfilms zu einem lukrativen Trend, der uns gerade aus Italien einige beachtenswert schlechte wie spaßige Filme bescherte, von ATOR über DIE BARBAREN bis zum IRON WARRIOR. Wo für kleine Investition eine gute Rendite zu holen war, konnte man sich sicher sein, dass auf amerikanischer Seite auch der König der B-Movies Roger Corman nicht weit war. Aus ökonomischen Gesichtspunkten verlegte er seine Produktionen, u.a. DER TODESJÄGER oder BARBARIAN QUEEN, nach Argentinien, da das Land eine grundlegend ordentliche Infrastruktur gepaart mit niedrigen Lohnkosten und karge Landschaften frei Haus bereitstellte. DER KRIEGER UND DIE HEXE enstand zur Hochphase dieser amerikanisch-argentinischen Geschäftsbeziehungen von Cormans New World Pictures und steht, so viel sei hier schon mal verraten, seinen Gevattern Todesjäger und Barbarenkönigin in kaum etwas nach.


Inhalt

Ein einsamer Krieger (David Carradine), im Folgenden von den meisten nur „Der Dunkle“ genannt (auch wenn er laut Abspann Kain heißen soll, wofür es im Film selbst keine Belege gibt), zieht durch eine karge wie zerklüftete Felslandschaft. Er kommt in einen kleinen abgelegenen Ort mit einem Brunnen, den düstere Gesellen bewachen, und wird Zeuge, wie diese eine Mutter mit Kind massakrieren. Auf einem Balkon sieht er eine halbnackte Frau (María Socas), die uns später als Naja (die wahlweise eine Zauberin oder Prinzessin darstellt… oder eben beides) vorgestellt wird. Ein unfreundlicher Mann (Anthony De Longis), den wir als Kief kennenlernen sollen, zerrt sie dort weg. Als erste Amtshandlung befreit der Dunkle den Brunnen von seinen Wächtern. Der Dank der nach Flüssigkeit dürstenden Massen, die sofort herbeieilen ist ihm gewiss. Und auch öffnet sich ein Tor zu einem anderen Teil des Ortes, aus dem eine weitere Horde Männer und Frauen strömt, die allesamt Lederriemen im Gesicht tragen, und die anderen vom Brunnen vertreibt, um sich selbst daran zu laben. Das Geschehen hat etwas von einem hysterischen Volksfest, bei denen alle Beteiligten unter Drogeneinfluss stehen, besonders weil jetzt auch einige halbnackte Weiber auf dem Brunnen tanzen. Die Freude über den Zugang zum begehrten Nass ist eben groß.

Der Dunkle erfährt bald vom Prälaten der Stadt (Harry Townes), dass dieser Ort von zwei rivalisierenden Fraktionen beherrscht wird: Auf der einen Seite gibt es den brutalen Zeg (Luke Askew), der sich die Zauberin Naja gefangen hält, weil er sich von ihr das mächtige Schwert von Ura erhofft. Auf der anderen steht (oder eher liegt, im Stile eines römischen Adligen) der fette Bal Caz (William Marin), der sich ein komisches kleines Monster als Gefährten hält. Bei letzteren heuert unser Krieger an, versagt ihm aber bei der darauf folgenden Konfrontation mit Zeg den Dienst, da er seinem Auftraggeber nicht traut, was auf der gegnerischen Seite für Gelächter sorgt. Es folgt mächtiges Säbbelrasseln zwischen beiden Parteien, der jedoch nur in einem erneuten Waffenstillstand gipfelt. Denn erschöpfende Auseinandersetzungen können sie sich nicht leisten, da sie beide in Geschäftsbeziehungen mit dem mächtigen Sklavenhändler Burgo (Arthur Clark), der so etwas wie ein Echsenmensch zu sein scheint, stehen – Bal Caz liefert ihm Waffen, Zeg das so begehrte Wasser. Um seinen Gegner auszustechen, hat Bal Caz das Wasser heimlich vergiften lassen, um einen Keil zwischen Burgo und Zeg zu treiben.

Der Dunkle beobachtet, wie die Männer des Echsenwesens sterben und er wutentbrannt von dannen zieht, um später mit einer Armee wiederzukommen und Rache zu nehmen. Mit dieser Information schleimt er sich nun bei Zeg ein, zum Leidwesen seiner rechten Hand Kief, der dem Braten nicht traut. Nicht zu Unrecht, denn unser Held hat es natürlich auf die Schatzkammer des Schurken und auch die eingekerkerte Naja abgesehen, die seine Trumpfkarte sein soll, um die beiden Despoten gegeneinander auszuspielen…

Besprechung:

Okay, wer es jetzt noch nicht erraten hat, mit DER KRIEGER UND DIE HEXE inszenierte Regisseur und Autor Robert C. Broderick für eine Handvoll Dollars eine Fantasy-Version von Akira Kurosawas Samurai-Klassiker YOJIMBO – DER LEIBWÄCHTER (1961). Bekanntermaßen hatte sich ja auch schon der italienische Kult-Regisseur Sergio Leone bei diesem popullären Werk japanischen Meister bedient (was sogar einen Prozess nach sich zog, der außergerichtlich beigelegt wurde, angeblich durch eine Beteiligung Kurosawas am Umsatz des erfolgreichen Westerns), genauso taten es die Amerikaner weit später noch einmal für das Bruce-Willis-Vehikel LAST MAN STANDING (1996) von Walter Hill sowie der Van-Damme-Actioner INFERNO (1999). Ich gehe tatsächlich auch mal davon aus, dass sich Broderick mehr an Leones Western mit dem in der westlichen Popkultur ikonischen Revolvermanns, dargestellt von Clint Eastwood, als an dem japanischen Original mit dem nicht minder coolen Toshiro Mifune orientierte, aber das ist an dieser Stelle natürlich nur Spekulation (allerdings kam das Verleihtape von 20th Century Fox 1982 auf den Markt, außerdem lieft der Film seit Mitte der 70er im US-TV). Das Skript geht hier keine großen Experimente ein und übersetzte die Charaktere und Plotpoints beinahe wieder 1-zu-1 auf das Barbaren/Fantasy-Setting. Eine gute Entscheidung, wie ich finde, die für ein stabiles Grundgerüst sorgt. Daran hangelt sich nun die Handlung in den nächsten 80 Minuten fett- und störungsfrei entlang, was schon mal die halbe Miete ist.

Und DER KRIEGER UND DIE HEXE weiß sich diese Zeit gut zu vertreiben, es gibt immer mal wieder kurze Action-Einlagen, in denen sich Carradine mit bevorzugt Zegs Schergen rumschlagen darf (die Männer von Bal Caz dürfen eher selten in Aktion treten). Die Choreographie der Schwertkämpfe ist mitunter leider etwas steif, aber dafür sind sie, vom großen Finale mal abgesehen, immer kurz genug, um nicht negativ, sondern eher als kurzweilig, ins Gewicht zu fallen. Aber es hat hier und da doch schon ein wenig von LARP, was auch meist nur unzureichend durch den Schnitt kaschiert werden kann. So richtig brutal sind diese Kämpfe nicht, für großartiges Blutvergießen oder gar neckische Splattereien war wohl schlicht kein Geld über. Erst am Ende, wenn Carradine sich durch eine Großzahl von Gegnern schnetzeln darf, spritzt ein wenig Lebenssaft und auch Klinge wie Kämpfer machen sich schmutzig. Die Make-up F/X halten sich auch bei den Masken im Rahmen, es gibt Burgo und seine Schergen, die, wie schon erwähnt, nach Echsenmenschen aussehen, das Haustier von Bal Caz sieht dagegen aus wie ein Mini-Dino auf einem Menschenkörper. Nett ist auch ein Tentakelmonster, das später den Kerker von Naja bewacht, aber auch schnell von unserem Helden besiegt ist. Ein paar mehr Monster wären schön gewesen. Dazu gibt es noch eine hübsche Schippe Sleaze, auch wenn die Auswahl an schönen weiblichen Körpern nicht gerade üppig ausfällt. Wir haben die tanzenden, unbekannten Schönheiten anfangs am Brunnen, zudem rennt María Socas als Naja den ganzen Film über nur mit einem Höschen und einem Fetzen Stoff, der nur bei der richtigen Kameraperspektive mal was bedecken kann, an sich herunter hängend rum, sowie einige weitere halbnackte Mädels, die Carradine beim Baden behilflich sein dürfen. Das Highlight ist aber sicherlich eine Frau mit gleich vier Brüsten (eat this, TOTAL RECALL!), die bei einem Gelage von Zeg auftritt und dabei vom benebelten David Carradine glatt mal gewürgt (!) wird. Im Hinblick auf dessen realen Tod 2009 in Bangkok würden wohl schicksalsgläubigere Individuen als ich mindestens ein böses Omen sehen.

Natürlich könnte das alles besser und mehr sein, aber für einen billigen in Argentinien runtergekurbelten Trendhobel mit geklautem Plot aus der Corman-Schmiede macht sich DER KRIEGER UND DIE HEXE schon recht manierlich, zumal auch Sets und Kostüme die Stimmung gut unterstützen. Sowieso gehörten die Barbarenheuler wie DEATHSTALKER oder BARBARIAN QUEEN zu den damaligen Spezialitäten von New World Pictures, bei denen konnte man fast schon blind zugreifen, da kam eigentlich immer etwas Unterhaltsames bei rum. Natürlich hätte es bessere Kampfchoreos, einige nette Masken, mehr Gore und ein Quäntchen Splatter und eine weitere Schaufel holder, nackter Weiblichkeit sein dürfen, aber Spaß macht es auch so, und das ist ja die Hauptsache. Das ist halt nicht CONAN, DER BARBAR, denn mit dessen Budget hätte Corman eben mal zwanzig solcher Filme gedreht.

David Carradine (DEATH RACE 2000, KILL BILL) als dunkler Krieger einer angeblich ausgestorbenen Kaste ist natürlich der unüberwindbare Held des Films. Der zweitälteste Sohn von Horror-Star John Carradine (REVENGE OF THE ZOMBIES, DRACULAS HAUS) stand mit Mitte 40 damals noch gut in Saft und Kraft, scheint sich während des Drehs in Südamerika auch besser unter Kontrolle gehabt zu haben als noch zuvor bei Cormans DEATH SPORT (1978), auf dessen Set es zu wüsten Drogengelagen gekommen sein soll. Carradine orientiert sich merklich am Auftritt Eastwoods in der Dollar-Trilogie, auch Broderick kopiert einige Einstellungen von Leone, in denen der Held in den Vordergrund tritt, während die Bösewichter hinter ihm in der Unschärfe des Hintergrunds verschwimmen. Das sieht wirklich nett aus. María Socas kann einen schon ein wenig leid tun, musste sie ihre Rolle als Zauberin (oder Prinzessin) Naja komplett halbnackt verbringen. Die Argentinierin durfte in WIZARDS OF THE LOST KINGDOM (1984) und MYSTOR – DER TODESJÄGER II (1987) etwas züchtiger, sprich mit zumindest einem BH, herumlaufen. Sie war ab den 90ern dann hauptsächlich in verschiedenen Telenovelas zu sehen. Luke Askew war in den 60ern und 70ern durch prägnante Nebenrollen in DIE GRÜNEN TEUFEL (1968), EASY RIDER (1969) und DER MANN MIT DER STAHLKRALLE (1977) bekannt geworden. Er spielt auch hier den präsenteren der beiden Bösewichter, den brutalen und machthungrigen Zeg. Der ihm gegenüberstehende argentinische Theaterschauspieler William Marín geht leider etwas unter. Man hätte auch gerne mehr aus der Rolle von Kief, Zegs rechter Hand, machen können, denn Anthony De Longis überzeugt schon durch seine reine Präsenz (als Stunt Koordinator scheint er routiniert, aber bei den Kämpfen war definitiv noch Luft nach oben). Genauso rücken die Rolle des Prälaten und von Sklavenhändler Burgo ein wenig sehr in den Hintergrund, eine Vertiefung der Charaktere hätte den Film vielleicht aber auch unnötig aufgebläht. Wie schon gesagt, erweisen sich gerade die Kürze und das dadurch entstandene hohe Pacing eine der größten Stärken von DER KRIEGER UND DIE HEXE. Regisseur und Autor John C. Broderick lieferte hier eine seiner wenigen Regie-Arbeiten ab. Zumeist war er als Produzent oder Aufnahmeleiter beschäftigt (BIG BAD MAMA, McQUADE, ZOFF IN BEVERLY HILLS).

Die deutsche VHS kam 1986 von Vestron in den Handel, verfügte über ein Open-Matte-Bild und ließ neben einigen Handlungsstraffungen auch große Teile der Keile, die Carradine im Verlauf des Films von Zegs Mannen bezieht, missen, was sich zu gut vier Fehlminuten addiert. Die ungeschnittene Fassung von DER KRIEGER UND DIE HEXE erschien erst 2019 in Deutschland, in Form eines DVD Mediabooks. Seit Herbst dieses Jahres ist auch eine normale Amaray erhältlich. Aus den USA gibt es ein lohnenswertes 2-DVD-Set von Synapse Films, das zusätzlich noch die Corman-Produktionen DEATHSTALKER 1+2 sowie BARBARIAN QUEEN enthält. Die Bildqualität der deutschen wie der amerikanischen Veröffentlichung ist okay, wenn auch nicht überragend, der Ton in beiden Sprachversionen gut anhörbar.

Fazit:

Für anspruchslose Fantasy- und Barbarenfilmfans erweist sich DER KRIEGER UND DIE HEXE als gut goutierbarer, sogar mitunter sehr unterhaltsamer Snack für einen freien Nachmittag oder frühen Abend. David Carradine gibt hier eine akzeptable Eastwood-Kopie mit Schwert statt Knarre zum Besten, dem es aber einer Zigarillo-Länge an Coolness fehlt, auch weil Carradine seine Kampfsport-Skills nicht ausschöpfen darf. Wer Männer und Frauen in Lendenschurz, die in kargen Felslandschaften herumwuseln nicht viel anfangen kann, oder sich gar ob der deutlich chauvinistischen Züge des Gezeigten erbosen, sollten den Film lieber auslassen. Als weiteres YOJIMBO-Rip-off vielleicht nicht fantasievoll und/oder ambitioniert genug, um ernsthaft gut zu sein. Aber das ist halt „nur“ ein grober Spaß für B-Movie-Fans, den man, weiß Gott, nicht zu ernst nehmen sollte. Dann hat man hiermit auch eine gute Zeit.


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 7


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mwj
mwj
30. Dezember 2021 14:33

Ich hab den Film Anfang Dezember auch in der SchleFaZ-Version gesehen und fand ihn ziemlich mies. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass keiner hier wirklich Bock hatte.

https://mwj2.wordpress.com/2021/12/05/der-krieger-und-die-hexe/