- Original-Titel: Sasori in U.S.A.
- Regie: Daisuke Gotô
- Land: Japan
- Jahr: 1997
- Darsteller:
Yoko Saito (Nami Matsushima)
Shizuka Ochi (Yukiko Kida)
Michael Hegedus (Direktor)
Tetta Sugimoto (Jirô Sugimi)
Taka Higuchi (Jimmy Yoshioka)
Kristin Norton (Zamira)
Vorwort
Abt. Reborn in the USA?
Wie ich an anderer Stelle lesen konnte (hier, und leider ohne eigene Quellenangabe, aber glauben wir das einfach mal unbesehen), begab es sich wohl so, dass Female Prisoner Scorpion: Death Threat direkt fortgesetzt werden sollte – mit Natsuki Okamoto in der Hauptrolle und Hongkong als Setting, wobei Golden Harvest koproduzieren sollte. Doch Okamoto ist wohl kurzfristig ausgestiegen, weswegen das Projekt auf Eis gelegt wurde. Es zogen ein paar Jahre ins Land, bis der nächste Sasori-Film in Angriff genommen wurde, mit der inzwischen fünften Darstellerinnen und den USA als exotischen Handlungsort. Da dürfen wir also gespannt sein, ob und was die Leute von Toei daraus gemacht haben…
Inhalt
Die junge Innenarchitektin Nami Matsushima lebt mit ihrem Verlobten, dem Anwalt Jirô Sugimi, ein beschauliches Leben in einem Vorort von Los Angeles in den USA. Doch eines Tages wird Jirô mit einer Autobombe direkt vor ihren Haus ermordet. Da Nami genau an diesem Tag nicht wie gewohnt mit ihm im Auto saß und zudem Begünstigte einer Lebensversicherung über 1,2 Millionen Dollar ist, die verdächtigerweise erst einen Monat zuvor abgeschlossen wurde, wird sie vor Gericht gezerrt und dort auch schuldig gesprochen. Unter dem Johlen ihrer künftigen Mitbewohnerinnen zieht Nami also in den Frauenknast ein, und wir wissen ja, wie das dort abläuft – Knastgangs, denen muskelbepackte Amazonen vorstehen, notgeile Wärter und ein sadistischer Gefängnisdirektor mit Gottkomplex lassen grüßen. Sie schließt Freundschaft mit Yukiko, der einzigen weiteren japanischen Knastologin neben ihr, setzt sich gegen die Schikanen der fiesen Zamira zur Wehr und begegnet dem Übergriff des Direktors mit dem bewährten Messer-meets-Auge Move. Den daraufhin wie selbstverständlich angezettelten Gefängnisaufstand, nutzen Nami und Yukiko dann auch gleich mal zur Flucht und wandern zuerst ziellos durch die Wüste.
Hier ist es dann auch an der Zeit, dass Nami (und damit auch wir) die Geschichte hinter der Knasitisierung der jungen Frau erfährt. Yukiko, eine Studentin, lernte einen anderen Austauschstudenten kennen – Dino, seines Zeichens auch noch leidenschaftlicher Gitarren-Barde. Eben die übliche Liebesgeschichte, die dann aber eine tragische Wendung nimmt, als ungewaschene Unholde die beiden überfallen und sie vergewaltigen. Als Dino sich zur Wehr setzt, löst sich ein Schuss aus der Büchse des ihn in Schach haltenden. Dino stirbt, die Vergewaltiger entkommen. Das konnte Yukiko natürlich nicht so hinnehmen und ersticht bei nächster Gelegenheit einen der bösen Buben, weswegen sie wegen Mordes hinter Gittern landete. Das geht dort drüben in US of A ja recht schnell.
Als sie endlich wieder die Zivilisation des Großraums Los Angeles erreichen, kontaktiert Nami den befreundeten Journalisten Jimmy, demjenigen einen, der sie damals mit Jirô bekannt gemacht hatte. Sie selbst geistert seit ihrer Messerattacke auf den Direktor als „die Skorpionin“ durch die örtlichen Gazetten der Engelsstadt und wird mit den gewaltsamen Todesfällen unter einiger Kollegen Jirôs in Verbindung gebracht. Als Jimmy ihr ein Geständnis über den wahren Verlauf der Geschehnisse macht, überschlagen sich schließlich die Ereignisse…
Besprechung:
Okay, ich hab hier jetzt zugegebenermaßen mächtig gespoilert. Aber im ernst, wer von euch wird sich den Film jemals ansehen? Ich war auch schon versucht, ein Langreview darüber zu schreiben, aber dazu ist die Sichtung dann doch zu lange her und auch meine Notizen geben das leider nicht her. Wie ihr nach Lektüre meiner Inhaltsangabe sicherlich schon festgestellt habt, handelt es sich bei Scorpion’s Revenge aka Sasori in U.S.A. tatsächlich um ein erneutes Remake des Stoffes, nach New Female Prisoner Scorpion und Special Cellblock X schon das dritte in dieser Reihe (der vorangegangene Death Threat verstand sich ja tatsächlich als Fortsetzung des Originals). Den größten Unterschied zu den Vorgängern macht sicherlich der Wechsel des Schauplatzes in die Vereinigten Staaten aus, wodurch sich der Film zumindest optisch von den anderen Einträgen in der Reihe abheben kann.
Inhaltlich gibt sich Scorpion’s Revenge eher minimalistisch. Die Vorgeschichte wird in (sich oftmals wiederholenden) Rückblenden abgehandelt, der Hauptteil besteht aus Knast, Flucht und Abrechnung, gewohntes erzählerisches Terrain halt. Allerdings gibt sich das Skript nicht einmal ansatzweise Mühe, das irgendwie zu vertiefen oder über Gebühr einer günstigen dtv-Produktion auszuschmücken. Das Ganze beginnt mit einem kurzen Liebesspiel zwischen Nami und Jirô, denn nackte Haut ist Schauwert, der eben nichts kostet. Danach wird kurz die Explosion des Autos eingeblendet, was uns zu verstehen gibt, dass die Idylle je beendet wird. Der Einzug ins Frauengefängnis versprüht dann tatsächlich so etwas wie (für eine japanische Videoproduktion) exotische Atmosphäre. Kurios ist allerdings, dass die amerikanische VHS quasi nur die Japan VHS kopiert und den japanischen Dialogen englische Untertitel verpasst hat. So kommen wir nun in den Genuss von englischen Dialogen (Direktor, Wärter & die meisten Insassinnen) mit japanischen Untertiteln, sowie japanischen Dialogen zwischen Nami und Yukiko mit englischen Untertiteln. Sozusagen das „Beste“ beider Welten, gelle?
Hinter den schwedischen Gardinen selbst ist dann leider erheblich weniger los, als wir es von den Vorgängern gewohnt sind. Klar, gehässige Kommentare und einige Handgreiflichkeiten der anderen kriminellen Biester (wahrscheinlich allesamt zu recht hier gelandet, ganz im Gegensatz zu unseren zurückhaltenden Japanerinnen) sind zu verzeichnen, auch Wärter und Direktor dürfen ihre sadistische Ader zur Schau tragen: Bei der sonntäglichen Predigt auf dem Gefängnishof durch den Chef etwa wagt es Yukiko, einfach mal Nami anzusprechen, wodurch sie sich einen Pfeil in den Fuß verdient, den ein Wärter auf Handzeichen des Direktors aus seiner Armbrust (!) auf sie abfeuert; in einer Szene wird Nami durch einen Blick durchs Schlüsselloch Zeugin, wie einige unliebsame Delinquentinnen gefoltert werden; und natürlich hat es der Direktor höchstselbst auf sie abgesehen, will gewalttätig mal über sie rübermachen, was ihn dann ja 50 % seiner Sehkraft kostet. Das ist eben das normale Programm, in Summe aber auch nicht gerade ausufernd viel, wenn man bedenkt, dass dies gut die Hälfte der Laufzeit ausmacht. Besonders explizit wird es dazu dann auch nicht.
Sowieso sieht sich der Film, bzw. Regisseur Daisuke Gotô des Öfteren in der Verlegenheit, einfach mal ein wenig Zeit schinden zu müssen. Davon zeugen die immer wieder eingeschobenen Rückblenden, genauso wie belanglose Konversation im Gefängnisteil und eine minutenlange Flucht durch die Wüste, die nun absolut keinen Mehrwert besitzt – da hätte auch ein Establishing Shot gereicht. Zu eigentlich jeder Zeit wird mehr geredet, als der Dramaturgie gut tun würde, zumal am Ende dann auch noch ein lahmer Twist aus dem Hut gezaubert wird, der 1. wenig verwunderlich die Handlung im Sinne der Reihe wieder darauf zurückführt, dass Nami von ihrem Geliebten nur ausgenutzt wurde (der nämlich gar nicht tot ist und sich als rücksichtloser, selbstsüchtiger Arsch herausstellt) und 2. nicht einmal genutzt wird, noch einmal ein wenig Drive reinzubringen, sondern erst einmal, bevor sich „Scorpion“ dann zur titelgebenden „Revenge“ aufrafft, alles halbwegs, aber wenig verwunderlich, zu Tode labert.
Optisch darf man hier keine Wunder erwarten, das hat weder das Kino-Niveau der ersten sechs Filme, noch die Künstlichkeit von Toshiharu Ikedas Death Threat aufzubieten. Scorpion’s Revenge setzt eher auf einen geerdeten Look, wahrscheinlich eher aus Not, denn aus Tugend. Denn alle Aufnahmen im Gefängnis, wie auch in Los Angeles und der Wüste wurden vor Ort gedreht. Die V-Cinema Releases von Toei waren eigentlich immer mit einem respektablen Budget ausgestattet, aber wenn man bedenkt, dass es für eine solche Produktion schon ein großer Kostenfaktor war, außerhalb der Studios zu drehen, dürfte der Dreh in den USA die finanziellen Möglichkeiten für Gotô arg eingeschränkt haben. Das erklärt dann wohl auch die wenigen und nur kurzen Schauwerte. Allerdings bieten die Locations dann aber optisch tatsächlich ein wenig Abwechslung von den gewohnten japanischen Frauengefängnissen und den häufig sich ähnelnden Studio-Settings. Das amerikanische Gefängnis vermittelt ohne Umschweife das erstrebte Gefühl, eben von Japan aus in der Fremde zu „gastieren“, auch die Szenen in der Wüste und auf den Straßen von L.A. verstärken dies noch weiter. Und auch wenn Daisuke Gotô in seinem Beitrag mehr auf Realitätsnähe setzt oder setzen muss, schaffte er es dennoch eine Traumsequenz einzubauen. Hierin erschießt die in ein Brautkleid gewandete Yukiko den Mörder ihres Geliebten, und zwar auf seiner Hochzeit in einer Kirche. Das tut im Endeffekt überhaupt nichts zur Sache, da Yukiko kurz darauf aus der Geschichte verschwindet, aber sorgt für einen schönen WTF-Moment. Ach ja, es gibt auch nur drei Szenen, die zeigen sollen, wie die eigentlich unbedarfte Nami zur toughen Rächerin aufsteigt: ihr Kampf mit Zamira, ihr Messerhieb ins Auge des Direktors und wenn sie mit Yukiko in einem Hinterhof mit einer Pistole trainiert. Das reicht aus, um später der Konfrontation mit Jirô, der sie verfolgt und dann mit Gewehr durch die Wüste jagt, die Oberhand zu gewinnen. Seems legit.
In seiner Arbeit als Regisseur kann man Daisuke Gotô hier sicherlich nicht viel ankreiden, das ist alles halbwegs solide runtergekurbelt. Eine eigene Vision in Bezug auf eine Variation der nun schon allseits bekannten Geschichte ist in Scorpion’s Revenge allerdings nicht auszumachen. Damit muss man leider konstatieren, dass er als Regisseur eines Sasori-Films als erster gänzlich gescheitert ist. Ich kenne ansonsten nur Zero Woman 2 von ihm, auch ein V-Cinema Reboot, und zwar zu Der Tiger von Osaka. Das war genauso enttäuschend, aber anscheinend auch erfolgreich genug, um eine ganze Reihe weiterer Filme um die tödliche, gerne blank ziehende Undercover-Polizistin zu rechtfertigen. Der Film war allerdings auch nicht um Schauwerte verlegen, wenngleich die Story kaum etwas hergab und das Pacing jeden Spaß zunichte machte (wir haben den mal als Midnight Movie gesehen). Yoko Saito bleibt als neue Skorpionin durchgehend blass, sie hatte einfach nicht die Gravitas für ihre Rolle, zumindest nicht für die gereifte, durchsetzungsfähige Satori; das zerbrechliche Geschöpf der unschuldig Inhaftierten steht ihr dagegen recht gut zu Gesicht. Shizuka Ochi wird als Yukiko eigentlich gar keine Gelegenheit gegeben, sich irgendwie auszuzeichnen, selbst die Vergewaltigungsszene in ihrer Rückblende verlangte ihr nichts ab, da man sie kaum sah. Passend besetzt war dagegen Tetta Sugimoto als linkes Arschloch Jirô, der seine Verlobte auch am Ende noch kurzzeitig charmant um den Finger zu wickeln weiß. Er hat es, trotz Auszeichnung als Newvomer of the Year 1984, nie zu Ruhm und Ehre gebracht, wirkte aber in einigen auch in unseren Breitengraden angekommenen Filmen (u.a. Pornostar, Alive oder Dororo) mit und fand ab den mittleren 2000ern vermehrt sein Auskommen im TV. Unter den US-Darstellern finden sich nahezu ausnahmslos unbekannte Gesichter, selbst Michael Hegedus, der als sadistischer Gefängnis-Direktor noch den besten Eindruck hinterließ, hat nicht mehr als ein Dutzend weitere Rollen (u.a. einen Nod-General in Command & Conquer: Tiberian Sun) in seiner Vita verzeichnet.
Fassung:
Mir lag, wie schon erwähnt, nur ein NTSC-Tape vor. Wechselnd englische und japanische Dialoge mit je englischen oder japanischen Untertiteln. Das Bild ist fürchterlich, durchsetzt von Interlaced-Streifen. Abseits der gängigen Bootleg-Klitschen, die wahrscheinlich genau diese VHS als Vorlage nutzen, gibt es den Film meines Wissens nach nicht auf digitalen Medien, nicht mal aus Japan. Das Tape allerdings findet sich ganz leicht auf eBay, ich habe es sogar mal auf Filmundo gesehen.
Fazit:
Das war eindeutig der bisher schwächste Eintrag in die Sasori-Reihe. Zwar bietet Scorpion’s Revenge mit der amerikanischen Westküste und Los Angeles einen netten Kontrast zu den ansonsten schon sattsam bekannten japanischen Frauengefängnissen, doch nützt dieser Hintergrund eben nicht viel, wenn der Film, der da herum gestrickt wird, eben nur Altbewährtes bietet, und davon nicht einmal viel und nicht zu gut. Allerdings muss man dem Film zugestehen, dass er trotzdem nicht irgendwie weichgespült daherkommt, die derartigen Szenen, wegen derer Fans sicherlich hauptsächlich einschalten, sind zwar kurz und leiden mitunter unter den spärlichen Mitteln, sind im Großen und Ganzen aber immer noch unangenehm anzusehen. Letzten Endes reicht das nicht aus, so werden nur Komplettisten, wie ich es einer bin, eine einigermaßen gute Zeit (mit etlichen Abstrichen) an Scorpion’s Revenge haben. Und das ist, tut mir leid, für sich genommen eben doch viel zu wenig.
BOMBEN-Skala: 7
BIER-Skala: 4
Review verfasst am: 03.09.2025