Santo and Blue Demon vs the Monsters

 
  • Deutscher Titel: Santo el enmascarado de plata y Blue Demon contra los monstruos
  • Original-Titel: Santo el enmascarado de plata y Blue Demon contra los monstruos
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  • Regie: Gilberto Martínes Solares
  • Land: Mexiko
  • Jahr: 1970
  • Darsteller:

    El Santo, Blue Demon,Ivan J. rado (Otto Halder), Carlos Ancira (Dr. Bruno Halder), Hedi Blue (Gloria Halder), Santánon (Waldo)


Vorwort

Ja, bei meiner Langkritik von EL CHARRO DE LAS CALAVERAS habe ich schon anklingen lassen, dass ich mich nunmehr in die Tiefen der Mexploitation begeben werde. Nach der Sichtung von CURSE OF THE DOLL PEOPLE (aka „Muñecos infernales“) sowie EL MUSTRO RESUCITADO (praktisch eine vollkommen der Vergessenheit ein heimgefallenen Art Frankenstein-Epigone von 1953), war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich auch endlich den Santo-Filmen widmen musste. Der Doc hatte ja bereits einige Filme von Rodolfo Guzmán Huerta, so der Echt-Name des legendären Luchadors, reviewt. Und wenn man sich mit alten Horrorfilmen aus Mexiko beschäftigt, muss man sich ja zwangsläufig mit seiner Filmographie auseinandersetzen. Schließlich hat er es in dutzenden Filmen mit so ziemlich allen klassischen Geschöpfen der Horror- und der Science-Fiction-Welt aufgenommen, ob mit Dracula, dem Wolfmenschen, Frankenstein, Zyklopen, Kleinwüchsigen, verrückten Wissenschaftlern, Außerirdischen, böswilligen Wachsfigurenherstellern oder Mumien.

In der letzten Zeit führte ich mir nun SANTO Y BLUE DEMON CONTRA DRACULA Y EL HOMBRE LOBO (1973), SANTO IN THE WAX MUSEUM (1963) sowie SANTO VS. FRANKENSTEIN’S DAUGHTER (1972) zu Gemüte und war absolut begeistert von diesen Werken. Eigentlich wollte ich schon einen von diesen Besprechen, aber dann stieß ich auf ein noch absurderes Machwerk aus El Santos Filmographie (und nachdem ich ihn gesehen habe, kann ich sagen: Absurder wird’s wohl auch nicht mehr!): SANTO EL ENMASCARADO DE PLATA Y BLUE DEMON CONTRA LOS MONSTRUOS. Drauf gekommen war ich nicht nur durch das herrliche Kinoplakat, sondern auch durch eine utopische Szene, die ich bei YouTube gesehen habe, doch dazu gleich mehr.

Des Weiteren gehört dieser Titel wohl auch zu einen der bekannteren El-Santo Filmen. Die meisten sind ja selbstredend im (leider) Westen nicht zu bekommen. Warum ausgerechnet dieser hier dann doch zu den „bekannteren“ zählt, weiß ich nicht, denn offenbar erhielt er auch keine Veröffentlichung außerhalb von Mexiko. Auf Letterboxd wird er unter dem Titel „Santo and Blue Demon Against the Monsters“ geführt, aber dort werden ja alle Titel übersetzt. Jedenfalls ist er dort nach SANTO VS. LAS MUJERES VAMPIRO (1962) der Santo-Film mit den meisten Sichtungen (dennoch nur knapp 1500 Bewertungen).
Und Glück hatte ich, denn es ist einer der wenigen Luchador-Filme, die’s mit englischen Untertiteln auf YouTube gibt. Der Doc hatte die Filme ja auch reviewed, wenn’s sie nur auf Spanisch gab, aber ich will ja auch die „Story“ mitbekommen, ne. Nach den anderen Santo-Filmen war ich ja auf einiges gefasst, aber nicht auf das, was kommen sollte…


Inhalt

N’ enorm fesches Kino-Neonschild und sehr immens laute Trompeten bilden den Anfang dieses Spektakels. Dann tritt er schon auf, der Rächer der Enterbten, der Held mit der Maske und Umhang! El Santo kraxelt einen Hügel im Wald hoch! Und auch Blue Demon kommt vorbei! Ebenfalls mit von der Partie: La Momia, der dauerstöhnende El Ciclope, der unschlagbare Franquestain (ebenfalls dauerstöhnend!), dann noch der gute alte El Hombre Lobo, El Vampiro und zu guter Letzt: La Mujer Vampiro (offenbar die Vampirfrau).

Nachdem der illustre Cast noch um ein paar andere Gestalten erweitert ist und die Künstler hinter der Kamera abgearbeitet wurden, beginnt der Film dort, wo jeder gute mexikanischer Film beginnen muss. Richtig, in der Wrestling-Arena, wo sich allerdings nicht El Santo prügeln darf, sondern ein paar Frauen. Nachdem dieses Match entschieden ist, kommt endlich Blue Demon an die Reihe. Sein Gegner: „El Arabe“ (warum gibt es solche Gimmicks heute nicht mehr bei der WWE?).

Naja, dergleichen ist für die „Story“ ja eigentlich wurscht. Wichtig ist hingegen das, was sich irgendwo im mexikanischen Hinterland bei einer gottverlassenen Kirche abspielt. Dort kreuzt nämlich ein Leichenwagen auf und ein Sarg wird in das Gotteshaus getragen, wo er schnell abgestellt wird. Ein Mann mit kackbraunem Anzug und eine „trauernde“ Frau stehen nur doof rum, auch als dann ein Kleinwüchsiger mit Melone und ein paar Zombiehelfer um die Ecke kommen. Der Mann im Anzug öffnet nochmal den Sarg und kontrolliert: Ja, der Kerl ist mausetot!

Dann sehen wir eine Zeitung, die uns informiert: Der Mann im Sarg ist ein berühmter Wissenschaftler (gewesen): Dr. Halder, der mit Hirntransplantationen experimentierte. Der Mann im Anzug ist sein Bruder, Otto Halder, und seine Nichte Gloria klärt auf: Sie erinnere sich doch noch an ein verlassenes Schloss, wo ihr Onkel ebenjene Experimente vornahm. Doch welches Schloss das war, das hat er angeblich niemandem mitgeteilt. Sie fragt ihren Vater weiter: Warum haben sich die beiden am Ende gehasst, woran genau hat sein Bruder am Ende geforscht (äh, wurde das nicht schon erklärt?). Ihr Tipp: Sie hätte seinen Körper doch lieber „inkubieren“ lassen. Keine Ahnung was das jetzt heißen soll, google gibt dazu verschiedene Definitionen die aber alle keinen Sinn ergeben. Vielleicht sind auch nur die Untertitel kaputt oder aber, aber das will ich kaum für Möglich halten, die Dialoge sind absoluter Schwachsinn.

Naja, jedenfalls konnte Otto den Leichnam nicht anrühren, weil es ja des Bruders letzter Wunsch gewesen sei, dass dieser unberührt bleiben soll (ein Schelm, wer jetzt glaubt, dass Dr. Halder da einen fiesen Plan im Hinterkopf hatte).
Es kommt, wie es kommen muss: Die Zombiesklaven holen Dr. Halders Körper ab. Anschließend unterhalten sich Blue Demon und El Santo in dessen Büro über den Tod des Doktors. El Santo hat da natürlich schon so ein Gefühl und wir erfahren mal eben, dass El Santo mit Gloria befreundet ist. Bli, Bla, Blub, ist wurscht, Blue Demon fährt jetzt erstmal in den Urlaub.
Dann eine Szene in der die Zombies-Sklaven mit Fackeln auf einer Kutsche durch den Wald fahren, im Hintergrund Dauergetrommel. Dann sehen wir wieder Blue Demon, der just genau diese Kutsche sieht und sich kurzerhand dazu entschließt, ihr zu Folgen…
Danach kommen wir dann zum absolut schäbigsten Mad-Scientist Labor seit Ed Woods BRIDE OF THE MONSTER… obwohl, Nein, das was der Eddie da zusammenschusterte war doch viel besser. Der bucklige Kleinwüchsige (oder sollte es heißen: kleinwüchsige Bucklige?) hantiert an den Kinderspielzeugen, erzeugt ein paar Blitze und… Dr. Halder befindet sich in ner Duschkabine und neben ihm steht ein Alien mit offenem Gehirn? Ähm, ja… Blue Demon ist indessen an der Burg angekommen und nähert sich ihr, findet einen Weg hinein und wird Zeuge der gar grausigen Experimente, die dazu führen, dass Dr. Halder wieder zum Leben erwacht! Natürlich wird Blue Demon aber entdeckt, es folgt ne Klopperei aber tatsächlich wird unser blauer Held gefangengenommen und kurzerhand erschafft Dr. Halder eine böse Kopie von ihm! Jetzt ist seine Zeit zur Rache gekommen und da passt es doch, dass El Santo mit Gloria gerade zufällig genau die Straße entlangfährt, die zum Schloss führt… nachdem die böse Blue-Demon Kopie aber dabei versagt, El Santo zu überwältigen, müssen schwerere Geschütze aufgefahren werden: Die Monster, die in der Umgebung kurzerhand aufgelesen werden…

Besprechung:

Ja, was soll man dazu noch sagen, außer: Was ist denn hier schon wieder los?
Eines vorweg: SANTO AND BLUE DEMON AGAINST THE MONSTERS dürfte hiermit einer der „trashigsten“ (wenn man diesen inflationär benutzen Begriff verwenden möchte) Filme sein, die ich je gesehen habe (ich weiß, das habe ich schon oft gesagt, in gewisser Weise etwa schon z.B bei CURSE OF BIGFOOT). Zumindest die Filme, die auch wirklich „Film“ sind, also kein Amateur-Shit. Film im Sinne von „Lief mal im Kino“ und „da haben Leute Geld für ausgegeben“ (gehe ich bei unserem heutigen Kandidaten zumindest mal von aus). Ist auch deutlich trashiger als all die anderen Kandidaten, die immer genannt werden, wenn’s um die ewige Nummer 1 der „Worst of all Time“ geht. Schlägt Langeweiler wie MONSTER A-GO GO oder BEAST OF YUCCA FLATS schon in der ersten Minute und auch unterhaltsame Trash-Kracher wie Plan 9 oder ROBOTER DER STERNE kommen in Sachen Absurditäten nicht an diesen hier dran! Bei solchen Filmen frage ich mich immer wieder, ja in jeder Sekunde, was sich die Macher gedacht haben? Ok, im Mexiko der 1960er und 70er sollte man in Sachen Horror-Kino keine Erwartungen haben (was Logik und Sinn angeht) aber so ein bisschen «Sinn» und ein bisschen «Verstand» sollte man doch sogar bei einem mexikanischen Action-/Horror-/Science-Fiction-Kinderfilm von 1970 erwarten können, oder etwa nicht?

Erstmal zur „Story“ – da bedarf es nach der Inhaltsangabe eigentlich keiner Worte mehr, aber egal. Auch bei den Santo-Filmen, die ich bisher gesehen habe, gab es ja sowas wie eine Handlung, die sich irgendwie entwickelte, die von einem «Anfang» auf ein «Ende» zusteuerte, teilweise sogar mit sowas wie einzelnen Handlungspunkten mittendrin. Möge das bei dieser Art von Film auch nur darauf beschränkt sein, dass irgendwer aus Santos Umfeld von etwas bedroht wird, dann schreitet er ein und stellt irgendwelche „Untersuchungen“ an, die irgendwann zu einem Endkampf führen. Das gibt’s hier irgendwo auch, aber innerhalb der Handlung, also abgesehen vom Anfang und Ende, ergibt nichts Sinn. Die Monster kommen und gehen wie es ihnen beliebt, Nacht und Tag wechseln sich ab, Santo läuft durch die Botanik, bekämpft sie und dann geht’s wieder von vorne los. Während es bei den anderen Santo-Filmen wenigstens ein bisschen Hintergrundinfos gab, bekommen wir hier nichts. Was wissen wir? Der Mad-Scientist ist halt Böse, warum, weiß keiner. Er will halt seinen Bruder und seine Nichte und dazu auch noch Santo umbringen, wieso weiß keiner. Was will er überhaupt erreichen, frage ich mich.

Woher weiß Blue Demon, wo das Schloss von Halder ist? Und wieso betritt er es dann? Wieso fährt ihm El Santo dann hinterher – oder alles einfach nur ein großer Zufall? Er dachte doch, sein Kumpel würde nur Urlaub machen? Eine derartige Story, ja sogar eine schlüssigere (was nicht schwer sein dürfte) könnte man innerhalb von einem Mittag herunterrattern. Verwunderlicher ist es umso mehr, wieso es dafür gleich ZWEI Stümper gebraucht hat, und zwar Jesús Sotomayor Martínez sowie Rafael García Travesi. Außerdem dem üblichen Horror- und Western-Schmu haben die beiden anscheinend nichts hervorgebracht. Überraschend ist höchstens noch, dass der Film brutal ist. Ich vermute jetzt mal, dass die El-Santo Filme für ein Kinderpublikum gedacht waren. Dennoch wird gezeigt, wie „Frankensteins Monster“ einem den Kopf zertritt oder wie der Wolfsmensch eine hilflose Frau massakriert, da fließ das Blut teilweise sogar. Natürlich ist das dilettantisch, aber die anderen El-Santo Filme waren da schon etwas zahmer.
Und woher bekommt Halder überhaupt seine Monster? Sind die bei ihm zur Untermiete, oder in welchen Katakomben treiben seine Zombies die Mumie und Dracula auf? Woher hat er den Zyklopen im Eisblock? Wieso kann Dracula im Sonnenlicht überleben? Fragen über Fragen, die man sich während des Schauens durchgehend stellen muss, also ist es wohl obsolet, hier alle aufzuschreiben, was eh recht lange dauern dürfte.

Aber wer will schon fragen, wenn er diesem Spektakel beiwohnen kann! Meine Güte, diese Monstren sind wirklich die schönsten, debilsten und desolatesten Figuren jenseits jedes Faschings in der Geschlossenen. Jede, wirklich jede klassische Horror-Figur sieht hier aus, als hätte man das genommen, was man hinter dem 1-Euro Shop im Müll gefunden hat! Frankenstein kommt mit einem schmuddeligen Schnurrbart daher, dazu noch die zerzausten Haare und der grenzdebile Gesichtsausdruck gepaart mit dem Dauergestöhne. Dann die spindeldürre Mumie, gehüllt in ihrem weißen Anzug. Lachen musste ich, wie sie in ihrem Sarg lag (wohlgemerkt kein Sarkophag, nein, sie liegt einfach so in irgendeinem Haus) und aussah, als hätte man sie nach einem Mittagsschlaf geweckt (was wahrscheinlich auch stimmt). Ihr Abgang war auch der absolut dümmste im Film, sie spring im Kampf praktisch ÜBER El Santo hinweg und fliegt dann vom Hochhaus. Einen dümmeren Filmtod habe ich selten gesehen.

Dann Dracula mit dem Zylinder und der blassen Haut, wobei man noch sagen muss, dass er noch am besten rüberkommt. Der Wolfmensch wirkt dann ebenfalls eher wie ein orientierungloser Eremit. Ohnehin wirkt er mit seinen Hauern eher wie ein Vampir, als wie ein Wolfmensch, da sahen die Exemplare in SANTO Y BLUE DEMON CONTRA DRACULA Y EL HOMBRE LOBO tausend Mal besser aus.

Dem Fass den Boden ausschlagen tut dann aber der El Cyclope. Übrigens auch die Kreatur, weswegen ich überhaupt auf den Film gekommen bin. Als ich dieses Viech in einem Ausschnitt sah, wusste ich, dass ich diesen Film schnellstens sehen muss. Und er enttäuscht nicht. Etwas erinnern tat er mich ja an Gulfax aus EIN KÖNIGREICH VOR UNSERER ZEIT. Ein völlig groteskes, deswegen aber nicht weniger charmantes Kostüm mit einem einzelnen großen Glubschauge (haben Zyklopen halt so an sich, ne?), das ab und zu leuchtet, und einem Maul, dass in Nahaufnahme manchmal bedrohlich auf und zuklappt (da beschlich mich das Gefühl, es war irgendwie ein Mechanismus, den man in Großaufnahme nicht zeigen konnte). Ein Bettvorleger auf zwei Beinen, wie eine Vogelscheuche aus der Mottenkiste. Die Truppe ist allemal ein Haufen hoffnungsloser Fälle, ein jeder ist der Tiefpunkt seiner Archetypen (bis auf Dracula, tatsächlich. Da war die Version in EL CHARRO DE LAS CALAVERAS schlimmer).

Doch natürlich war das noch nicht alles, nein, der Zuschauer bekommt noch mehr verrückte Gestalten zusehen. Fehlen darf natürlich auch nicht der bekloppte Kleinwüchsige, „Waldo“, der dem Mad-Scientist attestiert. Der gefakte Buckel, der wahrscheinlich einfach durch Zeitungspapier realisiert wurde, rundet das Ganze ab. Dann die „Zombies“, die man kurz mit grüner Schminke bearbeitet hatte, die im Laufe des Films aber verblasste, da man anscheinend nicht genug Make-Up vorrätig hatte. Und dann auch noch die „Vampirin“, die zwar am Anfang in einer Reihe mit den anderen Monstern „vorgestellt“ wird, aber keine größeren Auftritte hat. Die geht sogar eigentlich ebenfalls klar.
Nein, ganz besonders schön ist aber auch ein… Alien (?) geworden, dass stumm im Labor rumsteht und NIE irgendwas zutun hat! Der Kerl hockt da einfach so rum, wird nie gezeigt oder vorgestellt! Was war das für einer? Was für eine Hintergrundgeschichte hatte diese groteske Gestalt? Und wieso durfte er nicht mal im finalen Kampfgetümmel auftauchen?!
Edit: Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ebenjener Alien aus LA NAVE DE LOS MUNSTRUOS aka „Ship of Monsters“ aus dem Jahre 1960 stammt, ebenso wie der Zyklop (also hat man für El Santo hier wirklich nur Altkleider aus der Requisiten-Mottenkiste hervorgeholt). Und bei diesem Film, also „Ship of Monsters“ gab’s sogar noch zahlreichere groteske Monster (der verdient eigentlich auch nen Review), die dort aber alle Aliens sind, da außerirdische Frauen diese entführt haben und sich nun mit einem dauersingenden mexikanischen Cowboy anfreunden (das ist dann praktisch der mexikanische IN DEN KRALLEN DER VENUS, nur noch schlechter, aber deswegen nicht weniger unterhaltsam). Nun aber weiter mit der Kritik…

Jedenfalls reichen diese Typen schon, damit es nicht langweilig wird. Aber auch abseits von dieser Truppe gibt’s etwas für das Auge. Zwar weniger als in den anderen benannten El Santo Filmen, aber immerhin. Das Mad-Scientist Labor in den Pappmaché-Katakomben spottet jeder Beschreibung, es mutet eher an, als hätte man ausrangierte Spielzeuge von der Halde genommen und sie einfach irgendwie zusammengebaut. Dr. Halder quatscht zwar irgendwas von „Gehirntransplantationen“, wird aber ja selber offenbar durch Elektroschocks zum Leben wiederbelebt. Die Kabinen dazu sehen eher aus wie Duschkabinen, und auch seinen Monstern werden einfach alte Töpfe auf den Kopf geschnallt und Schwups, haben sie ihre alten Kräfte wieder.

Natürlich benötigt ein diabolischer Wissenschaftler wie Dr. Halder auch eine Unterkunft. In den anderen El-Santo Filmen waren das immer atmosphärische Gemäuer, Villen oder irgendwelche Katakomben, hier haust er in einer heruntergekommenen… Burg, die scheinbar nur aus einem Tor und einem Tor besteht, mehr bekommt man nicht zu sehen. Und apropos Atmosphäre: Das konnten die anderen El-Santo Filme auch, und das nicht zu knapp. SANTO AND BLUE DEMON VS. DRACULA AND THE WOLF MAN beispielsweise hatte teilweise sogar annehmbare Gothic Set-Pieces, die an die Paul Naschy Filme erinnerten. Hier allerdings gibt’s wohlige Atmosphäre eigentlich gar nicht, denn dazu ist der Streifen einfach viel zu billig und desolat. Ohnehin kommt’s mir so vor, als hätte man den Film am Wochenende in den Wäldern und Wiesen von Mexiko gedreht, wann immer El-Santo mal kurz Zeit zwischen seinen Matches hatte (Der Gedanke ist eigentlich tatsächlich sehr, sehr naheliegend). Die anderen von mir bisher gesehenen El-Santo Filme hatten ja noch richtige production values.

Hier hingegen ist alles wahllos, hirnlos. Etliche Szenen werden immer und immer wieder reingeschnitten. Etliche Male kommen die Monster hinter ein und demselben Hügel hervor (wieso hintereinander und nicht auf einmal, keine Ahnung), etliche Male sieht man dasselbe Close-Ups vom Zyklopen (das wiederum ist nur positiv, da kann man sich gar nicht sattsehen). Über den Tag-Nacht-Rhythmus will ich da gar nicht mehr meckern, das ist fast schlimmer als bei Ed Wood. Mal ist es Nacht, mal Tag, besonders fällt das beim Kampf im Restaurant auf. Positiv zu erwähnen wäre höchstens noch die Umgebung, also die Natur. Die mexikanischen Wälder und einsamen Straßen, sowie das kleine Dörfchen mit der Kirche vom Anfang, passen eigentlich, ich mag solche Settings in gottverlassenen Hinterlanden ja.
Die Regie passt sich dem ganzen Irrsinn an. Dirigiert wurde der Wahnsinn vom berühmten (zumindest in Mexiko, glaube ich) Gilberto Martínez Solares, der zwischen 1939 und 1998 (also bis zu seinem Tod) über 150 Filme herunterkurbelte. Neben einigen weiteren Filmen mit dem Wrestler waren es anscheinend vor allem Komödien, mit sonstigem Horror-Kram hielt er sich anscheinend zurück. Einzige Ausnahme war noch LA CASA DEL TERROR von 1960, hierzulande tatsächlich unter dem Namen „Da lacht die Gänsehaut“ vermarktet – könnte man vielleicht auch kennen, weil Jerry Warren den Film mal wieder verunstaltete und aus ihm zusammen mit einem anderen Mexiko-Heuler zu FACE OF THE SCREAMING WERWOLF zusammenkleisterte.

Talent scheint Solares jedenfalls (wenn diese Wertung nach einer Filmsichtung angebracht ist) keines gehabt zu haben. Nicht nur inhaltlich präsentiert sich der Film wirr und wahllos, auch optisch passt sich Solares dem Quatsch an. Die Kameraführung ist teils wunderlich. Manchmal filmt sie einfach völlig zufällig von unten, wie die Monster über sie hinwegspringen (wie das bei der Mumie ausging, habe ich ja schon erwähnt). Ansonsten wackelt sie in den Kampfszenen wie sonst was. Auch Sinnlosigkeiten, wie das Filmen eines wildgewordenen Pferdes, während im Haus nebenan gemeuchelt wird, erschließt sich mir nicht. Weitere Verrücktheiten, wie das Blaufärben der Linse bei der Autofahrt (was keinen Sinn ergibt, da Blue Demon die blaue Maske sich ja nicht über die Augen gezogen hat), oder dass man „Unterwasserszenen“ einfach so gelöst hat, dass man ein Aquarium vor die Kamera gestellt hat, müssen nicht noch extra aufgezählt werden. Das ulkige Sounddesign der Gestalten muss nicht noch extra erwähnt werden, ebenso wie die Zeitschinderei. Natürlich gibt’s auch ein paar Wrestling-Matches, aber als Fan desgleichen sind sie ja recht nett anzuschauen. Nervig könnte der ein oder andere hingegen die Tanz- und Gesangs-Nummer gen Ende empfinden, die weder Sinn macht, noch tut sie was für die Handlung (außerdem war die Bühne auch da grottig eingerichtet). Würde man das und die Wrestling-Szenen abziehen, dann käme man wohl nur auf knapp eine Stunde Laufzeit.

Auch schauspielerisch muss man selbstredend keine großen Worte verlieren. El Santo und Blue Demon müssen halt nur da sein und die Fäuste schwingen, mehr nicht. Carlos Ancira als Dr. Halder gibt aber eine nette Vorstellung als Mad-Scientist ab, auch wenn er überraschend wenig Schachsinn labern darf. Ancira war dementsprechend natürlich im mexikanischen Horror verwurzelt, weniger in den El Santo Filmen, aber in anderen hübschen Filmchen wie ORLAK, EL INFIERNO DE FRANKENSTEIN (1960) oder auch in der Nostradamus-Reihe mit LA SANGRE DE NOSTRADAMUS (1962), die ich natürlich gerne sehen würde, aber vermutlich nicht sehen kann (ich muss endlich Spanisch lernen). Naja, „glücklicherweise“ sind seine bekanntesten Auftritte aber mit DER SARG DES VAMPIRO (1958) oder DER TOTE KEHRT ZURÜCK (1959) auch in Deutschland erschienen. Ebenfalls in DAS GEHEIMNIS DER 14. GEISTERREITER (1959) taucht er auf, und der ist sogar vor kurzem von „Forgotten Film Entertainment“ in einer offenbar hübschen Edition erschienen, die ich mir tunlichst besorgen muss.
Seine Kollegen, Hedi Blue und Ivan J. Raldo, als Nichte und Onkel von Halder, müssen im wahrsten Sinne des Wortes nichts machen. Sie sind nur der Grund, wieso El Santo überhaupt eingreifen muss, denn wie immer ist die Bedrohte seine Freundin. Mehr tun sie im Plot nicht zur Sache und sie zeigen auch kaum Regungen, als sie am Ende von Halder in seine Elektroschock-Kabinen gesperrt werden (ohnehin scheinen die Elektroschocks bei den beiden keinerlei Wirkung zu zeigen). Rado hatte dabei aber neben den üblichen mexikanischen B-Filmen sogar kleinere Auftritte in Klassikern wie THE WILD BUNCH oder in US-Horrorstreifen wie PUPPET MASTER 2. Die Karriere von Hedi Blue (ich gehe mal davon aus, das ist ein Künstlername) machte hiernach offenbar keine Entwicklungen mehr durch, sie erstreckte sich nur noch zwei weitere Jahre mit vier Filmen weiter.

Unser kleiner glatzköpfiger Waldo (in der IMDB einfach nur mit „Santanón“ angegeben) trat sogar noch in den scheußlichen Karloff-Mexiko-Filmen auf, und zwar in genau den zwei von den dreien, die ich noch nicht gesehen habe (aber auch nicht nachholen möchte).

Fazit:

Ja, wieder mal ein paar Schlussworte. SANTO AND BLUE DEMON AGAINST THE MONSTERS ist ein völlig wahnwitziger Prügel-/Horror/-Science-Fiction-Streifen, wie es wohl nur das mexikanische Kino von früher hervorbringen konnte. Aus heutiger, europäischer Sicht, ist es unfassbar, dass so etwas damals völlig seriös in den Lichtspielhäusern lief. Ehrlich gesagt würde mit nur TURKISH-STAR WARS als Vergleich einfallen, zumindest was die Kampf-Szenen angeht.

Aber natürlich ist das Ganze dementsprechend auch sehr unterhaltsam und vor allem kurzweilig. Am Ende hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht, aber die bekloppten Monster, das billige Mad-Scientist Labor, etliche kleine Fehler und natürlich El Santo reichen doch aus, um den Trash-Fan zu unterhalten. Die Mexikaner können’s einfach! Ich habe länger überlegt, wie viele Biere ich denn nun gebe. Den anderen El Santo Filmen hätte ich jeweils Acht gegeben, hier gebe ich nun vorerst aber nur sieben, aber mit Tendenz zu Acht. Dafür waren die anderen El-Santo Filmen wegen der Atmosphäre und von der Ausstattung her einfach doch schöner. Zu sehen gibt’s den Streifen in (den Umständen entsprechend) annehmbarer Qualität, nur auf Spanisch, aber mit englischen Untertiteln. Aber ich gehe mal davon aus, dass man mit dem Film auch seinen Spaß hat, wenn man kein Wort versteht.


BOMBEN-Skala: 8

BIER-Skala: 7


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