- Original-Titel: The Blob
- Alternative Titel: El Terror no tiene forma | Il Fluido che uccide |
- Regie: Chuck Russel
- Land: USA
- Jahr: 1988
- Darsteller:
Kevin Dillon (Brian Flagg)
Shawnee Smith (Meg Penny)
Donovan Leitch (Paul Taylor)
Jeffrey DeMunn (Herb)
Joe Seneca (Dr. Meddows)
Vorwort
Mal wieder 50s Monsterfilme – irgendwie zumindest. Lustigerweise habe ich mein phantastisches Lieblingsjahrzehnt, eben die 50er, auf dieser Seite bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt. Aber wie auch immer. In den letzten Tagen habe ich mir einige der Besten des Jahrzehnts nochmal zu Gemüte geführt. Neben Die Teufelswolke von Monteville und Kampf der Welten war es auch Der Blob mit Steve McQueen, der mir mit jeder Sichtung immer besser gefällt. Vielleicht werde ich diese ganzen Klassiker irgendwann auch nochmal mit einer Kritik hier bedenken.
Nichtsdestotrotz kann ich mich heute auch hier mit dem berühmten Schleimball aus dem Weltenraum beschäftigen, denn da gibt’s ja auch noch nen Remake von 1988, das ich gleich ein Tag nach der Sichtung des Originals in den Player schob…
Inhalt
Inhalt:
Irgendwo in den USA, nahe der Kleinstadt Arborville: Ein Meteorit schlägt ein. Ein alter Landstreicher begutachtet das Objekt und wird Zeuge davon, wie eine schleimige Masse den Stein verlässt. Schlimmer noch: Die Masse befällt den Arm des Mannes, der letztendlich zur Axt greift. Vom Grauen getrieben flieht er und wird vom Footballspieler Paul und seiner Freundin Meg gefunden. Sie bringen ihn ins Krankenhaus, doch schnell wird klar, dass der Blob nicht aufzuhalten ist. Immer mehr Menschen nimmt er in sich auf: schließlich tut sich Meg mit dem Außenseiter Brian zusammen und kommt auch den fragwürdigen Aktivitäten der Männer auf der Spur, die von der Regierung geschickt wurden, um den Blob zu untersuchen…
Besprechung:
Insgesamt ist es schon schade, dass diese Version des Blobs irgendwie weniger Aufmerksamkeit bekommen hat – zumindest kommts mir so vor. Die 80er waren ja das große Jahrzehnts der Remakes, was klassische Stoffe aus den 50er Jahren angeht. Das liegt ja am sogenannten „30-Jahre-Zyklus“, was bedeutet, dass die Regisseure, die gerade in Hollywood ankommen, ihre Jugend bzw. filmisch prägende Zeit genau vor 30 Jahren erlebten. Heute sind das eben die 80er, deswegen gibt’s zahlreiche Remakes von Filmen aus den 80er Jahren. Und Ende der 70er bzw. Anfang 80er Jahren waren es eben die 50er Jahre, aus den Regisseure bzw. Produzenten die liebgewonnenen Klassiker für Remakes herausnahmen. Carpenter verfilmte Das Ding aus einer anderen Welt neu, Tobe Hooper Invasion vom Mars, Corman ließ ein Paar seiner Schoten neudrehen (Not of this Earth u.a) und auch Der Blob erfuhr eine Modernisierung. Dran beteiligt war sogar der Produzent des Originals, Jack H. Harris.
Und eigentlich mag ich Remakes ja eher weniger, lieber habe ich dann neue Sachen, neue Stories. Bei den Geschichten aus den 50er Jahren macht es aber offensichtlich Sinn, sie neu zu erzählen, denn A) waren es oftmals weniger die Stories, die sie so besonders machten, als der Look & das Monster und B) würden viele B-Filme von damals ein höheres Budget verdienen, damit man die zugrunde liegende Idee adäquat inszenieren kann (einen solchen Fall hatte ich ja schon mit The Man who Turned to Stone). Außerdem hat sich in den 30 Jahren zwischen 50er und 80er Jahren ja enorm viel getan und man muss nicht mehr so sehr auf die lästigen Zensurvorschriften achten. Deswegen passen die Originale und die Remakes bei den großen Klassikern (Die Fliege, Invasion of the Body Snatchers, Das Ding) auch so hervorragend zusammen: Das, was die Klassiker nicht zeigen konnten, konnte man bei den Remakes zelebrieren. Sprich: Splatter, Gore und Body-Horror. Bei den genannten Filmen kann man einfach beide Versionen richtig gut finden, weil sie sich sehr gut ergänzen und jeweils das bieten, was bei der anderen Version fehlt.
Genau so verhält es sich auch bei Der Blob. Das Original ist ja heutzutage geradezu niedlich-harmlos, wie der rote Wackelpudding da durch die beschauliche US-Kleinstadt kriecht (bzw. bei manchem „Special-Effects“-Shots nur über Bilder einer solchen). Brutal wird’s da nie, obwohl man sich natürlich genau vorstellen kann, was mit den armen Leuten passiert, die der Blob in sich aufnimmt. Das wird aber im Original lediglich angedeutet, man sieht aber keine einzige Absorption der armen Opfer. Das, was damals eben einfach nicht zeigbar war, zelebriert das Remake nun.
Sowieso hat auch das Remake, angesiedelt logischerweise nun in den 80ern, einfach etwas Heimeliges, Nostalgisches. Beide spielen in einem kleinen Nest irgendwo in Kalifornien, das bringt ja sowieso schon mal zusätzliche Punkte, und wie der Technicolor-Look des Originals, so hat auch der 80s Look des Remakes einfach etwas Charmantes an sich. Das Skript versucht auch nicht, mehr zu sein als es ist: Eben ein Creature-Feature ohne Großes drum herum. Geschrieben wurd’s von Regisseur Chuck Russel mit, Obacht, Frank Dabaront, der mit den King-Verfilmungen (Der Nebel, The Green Mile, Die Verurteilten) ja schon wahrlich Großes ablieferte, aber auch an Brannaghs Frankenstein Version oder The Fly II mitschrieb. Schön ist, dass man hier das Grundgerüst des Originals beibehält und hier und da dem Zeitgeist entsprechend neu aufbaute. Dementsprechend ist der Blob nun kein Alien mehr, sondern eine misslungene Biowaffe, die die fiesen Regierungsfuzzies gegen den Russen verwenden wollen. Das ist ein bisschen mehr Paranoia als im Original (wo man ja nur behaupten konnte, der rote Ball wäre eine Metapher für den Kommunismus, haha), wo eher der Generationenkonflikt „wichtiger“ war. Den gibt’s jetzt auch hier in Form von „Außenseiter Punk Vs. Polizei“, wird aber deutlich schneller aufgelöst, da die Gefahr des Blobs zügiger bekannt wird. Im Original dauerte es ja Ewigkeiten, bis der Sheriff Steve McQueen mal Glauben schenkte. Insgesamt ist das Remake doch viel düsterer und pessimistischer, gerade auch was das Ende angeht, passt ja zur Reagan-Ära.
Ansonsten hält sich das in absolut bekannten Rahmen: Außenseiter rettet den Tag, fiese Bösewichte von Oben und mittendrin der Blob, der sehr rabiat zur Sache ging. Die Special-Effects sind absolut hervorragend und machen einfach wahnsinnig viel Spaß, auch wenn sie mal zwischen „Wow“ und „leicht trashig“ chargieren, zumindest aus heutiger Sicht. Aber das macht den Film irgendwie fast noch liebenswürdiger. Die wichtigste „Neuerung“ ist ja zweifelsohne, wie oben schon angesprochen, der Splatter. Und da wird ausgiebig gesuppt, geschleimt und zermatscht, wie man es bei einem mutierten Schleimball erwarten würde. Alles geht gewohnt los mit dem Landstreicher, dessen Hand befallen wird. Beim Arzt geht das Remake dann aber einen anderen Weg wie das Original und lässt den armen Mann mal eben zur Hälfte wegätzen. Und von da an gibt’s im passenden Abstand immer wieder schön-inszenierte Splatter-Szenen, die nicht nur richtig gut aussehen, sondern teils auch recht unangenehm sind, wenn der klischeehafte Highschool-Typ bei lebendigem Leib aufgelöst wird oder man später noch halbverweste Leichen im schleim erkennen kann. Das ist blutig, erbarmungslos und zeigt genau das, was man sich bei der 58er-Version nur vorstellen konnte (oder musste). Ob man nun Fan davon ist, alles zu zeigen, muss man ja selbst entscheiden, aber beides hat seinen Reiz, vor allem, wenn es so gut umgesetzt ist. Zumindest bei den blutigen Effekten.
Sobald der Blob dann aber noch größer wird und sich das Ganze gen Ende eher in ein „Monster-on-the-Loose“ Film verwandelt, wird’s manchmal ein bisschen durchschaubarer. Ja, teils erinnern einige Shots geradezu an Mr. Bert I. Gordon, was an sich ja kein Kompliment sein dürfte, aber trotzdem einfach sympathisch ist. Die Szenen sind zwar kurz, trotzdem erkennt man die Schnittstelle zwischen den menschlichen Darstellern und den später hinzugefügten Bildern des Blobs ziemlich offensichtlich, auch, wenn dieser dann noch mit Tentakeln angreift. Auch die Stop-Motion Effekte in der Kino-Szene sind ziemlich offensichtlich, deswegen aber nicht weniger charmant. Sowieso ist die Szenerie im Kino, eben genau wie im Original, einfach super und das Ganze ist, bei beiden Versionen, ein kleines Augenzwinkern gegenüber dem Genrekino. Wirklich überrascht war ich aber auch, dass sogar on-screen gezeigt wird, wie ein Kind vom Blob aufgelöst wird… das FSK 18-Zeichen ist also durchaus gerechtfertigt (würde mich nicht wundern, wenn der hierzulande sogar mal Indiziert war).
Und Regisseur Chuck Russel (The Mask, Eraser mit Schwarzenegger und natürlich A Nightmare on Elm Street III; RIP an dieser Stelle, er starb erst vor kurzem) liefert auch sonst eine gute Arbeit ab, das Ding ist schnell, hat genau das richtige Tempo und hält sich nicht mit unnötigem Gelaber auf. Die Charaktere werden mit den wichtigen Eigenschaften schnell eingeführt, der Blob kommt ebenso zeitnah zum Zuge und Russel gelingt einige atmosphärische Shots. Die Ausleuchtung im Wald, wo der „Meteorit“ heruntergeht, hat was schön-gespenstisches, und die Szene im Kino ist sowieso hervorragend. Und ihm gelingt es durch verschiedene Kniffe auch, dass die Attacken des Blobs nicht repetitiv werden, die Szene, in der man aus der Sicht des Blobs über die Straße „rollt“ ist auch ziemlich „lustig“.
Die Akteure reißen da ebenfalls nichts mehr ein. Als Außenseiter ist Kevin Dillon (der in Hollywood bis auf ein paar Nebenrollen irgendwie nie Fuß fasste) ein sympathischer Held und gibt mit zusammen mit Shawnee Smith (am bekanntesten wohl aus der Saw-Reihe) ein passendes Duo ab, das genug Chemie verbindet. Die restlichen Rollen sind da fast entbehrlich, da sie meistens auch ziemlich schnell sterben (wie der Sheriff). Ein bisschen mehr Screen-Time hätte Joe Seneca als fieser Regierungsdoktor verdient gehabt.
Gesichtet wurde eine ziemlich alte DVD von Columbia, die aber trotzdem noch eine gute Bildqualität liefert. Wenn man sich den Streifen heute auf Blu-Ray ansieht, dürften die Effekte bestimmt noch etwas angestaubter wirkten.
Fazit:
DER BLOB ist ein Remake, wie es sein sollte. Man verändert die Geschichte des Originals nicht zu sehr, bietet aber trotzdem genug Neues, damit es nicht langweilig wird. Herausgekommen ist ein wunderschönes 80s Creature-Feature mit fiesen Horroreffekten, schönen Effekten und einer netten Atmosphäre. Ich glaube, ich ziehe das Original zwar noch vor, aber auch diese Version hier verdient immer wieder Aufmerksamkeit.
BOMBEN-Skala: 3
BIER-Skala: 7
Review verfasst am: 22.09.2026