- Deutscher Titel: Das Geheimnis der Blutinsel
- Original-Titel: The Secret of Blood Island
- Alternative Titel: P.O.W.: Prisoners of War | Todeskommando - Verdammt zum Sterben | |
- Regie: Quentin Lawrence
- Land: UK
- Jahr: 1965
- Darsteller:
Jack Hedley (Sergeant John Crewe), Barbara Shelley (Elaine), Patrick Wymark (Major Jocomo), Charles Tingwell (Major Dryden), Bill Owen (George Bludgin), Peter Welch (Richardson), Michael Ripper (Lieutenant Tojoko), Lee Montague (Levy), Edwin Richfield (Tom O’Reilly), Glyn Houston (Berry), David Saire (Kempi Chief), Philip Latham (Captain Drake), Ian Whittaker (Mills), John Southworth (Leonard(, Peter Craze (Red), Henry Davies (Taffy)
Vorwort
Abt. Blutleer, aber es waren nicht die Vampire
Die altehrwürdigen Hammer Films waren ja nun besonders für ihre Horrorfilme bekannt, machten sich gerade in den 50ern mit Filmen um Dracula, Frankenstein oder auch den gegen außerirdische Invasoren ankämpfenden Wissenschaftler Quatermass einen Namen. Nebenher produzierten sie auch belanglose, aber relativ solide erfolgreiche Komödien, Krimis und Historien- wie auch Kriegsfilme. Diese liefen – gerade hierzulande, aber auch anderswo – jahr(zehnt)elang unter dem Radar und werden seit ein paar Jahren nach und nach wieder in das kollektive Gedächtnis der Fans geschaufelt und mit Neu- oder sogar Erstveröffentlichungen bedacht. Unter dem Motto „Hammer Goes to War“ hat sich nun auch Anolis Entertainment eines eher vernachlässigten Hammer Films angenommen und bringt Das Geheimnis der Blutinsel als deutsche HD-Premiere.
Inhalt
Pazifik, 2. Weltkrieg. Auf dem Weg nach Kuala Lumpur, um wichtige, möglicherweise kriegsentscheidende Informationen zu überbringen, stürzt das Flugzeug der Geheimagentin Elaine über der malaiischen Halbinsel ab. Alleine schlägt sie sich durch das Unterholz, bis sie auf Sgt. John Crewe trifft, der mit seiner Einheit in Kriegsgefangenschaft der Japaner geraten ist. Er schmuggelt sie ins Lager ein, wo sie sich als Mann getarnt unter die anderen Gefangenen mischt. Der Plan ist, sie nach wenigen Tagen mit einen der Soldaten als Führer durch den Dschungel zu bringen. Doch die Fremde sorgt für Unruhe in der eingeschworenen Männer-Gemeinschaft und auch die Japaner suchen schon die Gegend nach der Frau aus dem abgestürzten Flugzeug ab…
Besprechung:
Mit Das Geheimnis der Blutinsel/The Secret of Blood Island schufen die Hammer Films ein Quasi-Prequel zu ihrem `58er Überraschungshit Die gelbe Hölle/The Camp on Blood Island, welches aber bis auf den Schauplatz nichts mit dem Vorgänger gemein hat. Zwar traten auch dort schon Barbara Shelley, Edwin Richfield und Michael Ripper auf, allerdings in teils gänzlich anderen Rollen. Dreht es sich in Die gelbe Hölle noch um einen groß angelegten Ausbruch von Kriegsgefangenen, die angesichts der Kapitulation des japanischen Kaisers um ihr Leben durch die Hand des sadistischen Kommandanten fürchten, dominieren in Das Geheimnis der Blutinsel eher Durchhalteparolen, die Einschwörung auf militärischen Gehorsam und den Korps-Geist der Soldaten. Das Gefüge der Gefangenen, die sich schon seit längerer Zeit eher damit beschäftigen, zu überleben und die Hoffnung auf ein Ende des Krieges, bevorzugt als Sieger natürlich, aufrecht zu erhalten, wird durch das Auftauchen einer Frau verständlicherweise empfindlich gestört. Es kommt zu Animositäten unter den Soldaten, die schon länger unter der Oberfläche schwelten und eben durch das weibliche Geschöpf als Katalysator plötzlich aufkeimen. Die so entstandene Unruhe bedroht das Überleben der Gefangenen im Camp wie auch den Plan, Elaine mit ihren wichtigen Informationen wieder auf den Weg zu bringen.
Doch hier liegt dann leider schon der Hund begraben. Solche Geschichten beziehen ihre Spannung aus der durch die geschürten Konflikte in Gang gesetzte Dynamik der Gruppe. Das wird zwar pflichtschuldigst versucht, verpufft in seiner Wirkung aufgrund der eindimensionalen Abziehbilder von Protagonisten, die einem größtenteils, wie man so schön sagt, ziemlich am Arsch vorbeigehen. Kaum jemanden wird richtig Raum zur Entfaltung gegeben, kaum jemand kommt über Damsel in Distress (Elaine), pflichtbewusster, aber humaner Offizier (Crewe) oder verbitterter, weil versehrter Zyniker (O’Reilly). Wobei letzterer fast schon wieder interessant wäre, würde sich das Skript nicht entschließen, ihn sich Elaine gegenüber erst wegen seiner häßlichen Narbe zum Außenseiter zu erklären (und im Anschluss als Frauenfeind zu outen), um ihn schlussendlich dann doch als Respektsperson mit Hang zu fatalen Fehlentscheidungen zu präsentieren. Dass das karge Camp-Setting mit seinen wenigen asiatischen Statisten sowieso nicht besonders einschüchternd rüberkommt und die amerikanischen Gefangenen erstaunlich wohl genährt scheinen, trägt sicherlich auch sein Scherflein dazu bei. Da hilft es auch nichts, wenn Crewe die Nichteinhaltung der Genfer Konvention beklagt. Das Gefühl von Isolation, Verzweiflung und allmählicher Degeneration mag sich da nicht einstellen, genauso keine Aufbruchsstimmung und innere Anspannung im Angesicht einer geplanten Flucht. Schon fast peinlich wirkt es da, wenn der Film zum Finale dann auch noch quasi aus dem Nichts einen Judas bemüht, um doch noch ein wenig an der Spannungsschraube zu drehen. Für den „Spaß an der Sache“ zuständig sind indes Lagerkommandant Maj. Jacomo und seine rechte Hand Ltn. Tojoko, beides düstere Gesellen mit (leider nur leicht) sadistischer Ader, die die Gefangenen zumindest in ihren Szenen einigermaßen auf Trab halten.
Barbara Shelley ist als nomineller Star von Das Geheimnis der Blutinsel wahrlich nicht zu beneiden, ist sie doch in ihrer Rolle eigentlich zur Passivität verdammt. In ihrer unterhaltsamsten Szene stolpert sie bei der Zwangsarbeit mit ihrer Schubkarre und nur einmal darf sie aus sich herausgehen, als O’Reilly sie uneinvernehmlich versucht zu küssen. Mir gefiel sie in aktiveren Parts in etwa Schatten einer Katze (1962) oder Das grüne Blut der Dämonen (1967) immer besser, aber auch zurückgenommener wie in Die brennenden Augen von Schloss Bartimore oder sogar in Blut für Dracula (1966) wissen da besser zu gefallen. Co-Star Jack Hedley diente tatsächlich acht Jahre in der britisch-königlichen Marine in einer Kommando-Einheit, bevor es ihm nach einer Beinverletzung zum Film verschlug. Er sieht die gesamte Laufzeit des Films über so aus, als könnte ihn kein Wässerchen trüben, was bisweilen arg irritiert. Er übernahm schon im Historien-Abenteuer Die scharlachrote Klinge (1963) die Hauptrolle, dürfte den meisten hier aber aus Lucio Fulcis berüchtigtem 131er Der New York Ripper (1982) als grantiger Ermittler mit Vorliebe für junge Prostituierte bekannt sein. Am meisten Spaß mit ihren Rollen hatten sichtlich Patrick Wymark und Michael Ripper, weil sie eben ein wenig auf den Putz hauen durften. Ihre mit Schlitzaugen und buschigen Augenbrauen geschminkten Gesichter mögen gerade heute etwas befremdlich anmuten, können aber nicht kaschieren, dass sie mit viel Engagement bei der Sache waren, was den Film auch merklich aufwertet. Während Ripper als Nebendarsteller in etlichen Filmen des Horror-Studios auftrat, war Wyman, der mit nur 44 Jahren bereits 1970 verstarb, eher im klassischen Theater zu Hause.
Das Drehbuch stammte von John Gilling, der dem Vernehmen nach wohl auch ziemlich stolz darauf war. Dass ich mit ihm dahingehend nicht d’accord gehe, habe ich ja schon erläutert. Er hatte als Regisseur auch einige tolle Filme wie z.B. Der Arzt und die Teufel (1960), Schatten einer Katze (1962) oder Nächte des Grauens (1966) für sich zu verbuchen. Bei Das Geheimnis der Blutinsel musste er die Regie an Quentin Lawrence abtreten, der schon den atmosphärischen SF-Grusler Die Teufelswolke von Monteville (1958) inszenierte und für Hammer Films den Krimi Cash on Demand (1961), ansonsten aber eher für im TV tätig war. Als Produzent fungierte Anthony Nelson-Keys. Die Frage, die sich mir hier aufdrängt – Wer kam auf die Idee, das Finale des Films gleich an den Anfang zu montieren, um die Geschichte dann rückblickend zu erzählen? Das empfinde ich als etwas unglücklich, da es dem Ganze an seinem eigentlich angedachten Platz am Ende doch ein wenig die Spannung und den Impact nimmt. Technisch kann man dem Streifen kaum etwas vorwerfen, die Musik von James Bernard erweist sich als minimalistisch, aber zweckmäßig, die Kamera-Arbeit von Jack Asher kitzelt aus den kargen Sets ein paar nette Einstellungen heraus. Letztere stammen wieder von Szenenbildner Bernard Robinson, von dem ich doch ein wenig enttäuscht bin. Bei den kargen Sets stellt sich nie das Gefühl eines richtigen Kriegsgefangenenlagers ein; nein, zusammen mit der Wohlgenährtheit der Darsteller könnte man es für ein spartanisch eingerichtetes Ferien-Resort halten. Von all den, teils herausragenden Filmen, die diese drei Männer für die Hammer Films audio-visuell mitgestalteten ist Das Geheimnis der Blutinsel sicher einer der uneindrucksvollsten, leider.
Fassung:
Anolis veröffentlicht Das Geheimnis der Blutinsel als Medibook in drei Cover-Varianten wie auch als Keep Case. Die Blu-ray beinhaltet den Film in ungeschnittener Form und gewohnt guter Bild- und Tonqualität (deutsche Synchronisation wie auch englischer O-Ton sind klar verständlich). Neben einem Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen befinden sich als Extras noch ein Interview mit Autor David Huckvale („Island of Death“), der sich etwas näher mit der Musik von James Bernard befasst, eine Einführung von Autor Stephen Laws („Can You Keep a Secret?“), der ein Loblied über den Film anstimmt, sowie eine Deutsche „Grindhouse“-Kinofassung, natürlich sympathisch unrestauriert, die im Bildformat 4:3 wohl eher der VHS-Ausgabe entspricht. Die Mediabooks enthalten zudem begleitende Texte von Uwe Sommerlad und Dr. Rolf Giesen.
Fazit:
So sehr in meiner Brust auch ein Hammer-Fanherz schlägt, ich muss eingestehen, dass Das Geheimnis der Blutinsel eine eher blutleere und spannungslose Angelegenheit darstellt und zu den schwächeren Werken des Studios zählt. Für Fans, nicht nur der Hammer Films, sondern auch derer Barbara Shelleys, ist das sicher zweitrangig, gerade mit Blick auf die bisherige Erhältlichkeit dieses Streifens. Solcherart neues Futter ist da sicherlich immer willkommen. Zudem sorgt die überschaubare Laufzeit mit nur gut 80 Minuten alleine schon dafür, dass Langeweile eigentlich kaum aufkommen kann. Im Endeffekt ist Das Geheimnis der Blutinsel aber doch bestenfalls ein Film für einen gemütlichen Sonntagnachmittag oder als Appetithappen für bessere Hammer-Filme. Die Veröffentlichung von Anolis ist in Qualität und Ausstattung dagegen sowieso wieder über jeden Zweifel erhaben und macht sich gut in der Sammlung ihrer Hammer Collection.
BOMBEN-Skala: 3
BIER-Skala: 5
Review verfasst am: 06.08.2026