Angriff der Riesenkralle


  • Deutscher Titel: Angriff der Riesenkralle
  • Original-Titel: The Giant Claw
  • Alternative Titel: The Mark of the Claw
  • Regie: Fred F. Sears
  • Land: USA
  • Jahr: 1957
  • Darsteller:

    Jeff Morrow (Mitchell „Mitch“ MacAfee), Mara Corday (Sally Caldwell), Morris Ankrum (Lt. Gen. Edward Considine), Louis Merrill (Pierre Broussard), Edgar Barrier (Dr. Karol Noymann), Robert Shayne (General Van Buskirk), Frank Griffin (Pilot Pete), Clark Howat (Major Bergen), Morgan Jones (Radaroffizier)

Die Rache der Galerie des Grauens: Angriff der Riesenkralle

Vorwort:

„Einst war die Welt so groß, dass kein Menschenleben ausreichte, um sie zu umfahren…“

Der zivile Luftfahrttechniker Mitch MacAfee (Jeff Morrow) nimmt am Nordpol an einem Radartest des Militärs teil und nervt das Bodenpersonal in der Kommandozentrale mit seinen Kapriolen, was die anwesende Mathematikerin Sally Caldwell (Mara Corday) als kindisch abtut. Das nimmt Mitch erst einmal zum Anlass, um sie über Funk aufzuziehen. Und noch während der Sprecher aus dem Off bedeutungsschwangere Phrasen drischt, hat der Testpilot am Himmel eine Begegnung mit einem unidentifizierten Flugobjekt, das in seinem Augenwinkel an ihm vorbeirauscht. Natürlich gibt er dies sofort an den Kommandostab durch. Das Radar zuckt mit den Achseln, es gab nichts zu sehen, doch aus militärischem Pflichtbewusstsein heraus schickt der leitende Radaroffizier (Morgan Jones) drei Jets in die Luft, um mal nach dem Rechten zu sehen. Wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, erhält MacAffee erst einmal eine verbale Abreibung von Major Bergen (Clark Howat), der das Ganze für einen schlechten Scherz hält. Und ein kommandierender Offizier hat ja keinen Humor, von dem er wüsste, zumal von den drei ausgeflogenen Kampfflugzeugen nur zwei wieder auf das Flugfeld zurückgekehrt sind. Für ihn ist nur Mitch daran schuld. Als sie jetzt noch eine Nachricht erreicht, dass auch ein Linienflugzeug mit 60 Passagieren spurlos verschwunden ist, verbessert das die Stimmung nicht wirklich.

Das hat zur Folge, dass Mitch, und mit ihm auch noch Sally, in die nächste freie Maschine gesteckt werden, um sie wieder nach New York zu verfrachten. Allerdings greift scheinbar das Kasper-Virus um sich, denn Pete der Pilot (Frank Griffin) sieht während des Fluges auch ein UFO am Flugzeug vorbeischießen, was er pflichtschuldigst meldet. Als unser gescholtener Held davon hört, spürt er eine nahende Migräne, weiß er doch, dass man auch diese unsinnige Sichtung ihm anlasten wird. Doch zuerst haben die drei Reisenden andere Probleme, da das Flugzeug erschüttert wird und darauf anscheinend beschädigt in den Sturzflug übergeht. Doch Mitch kann geistesgegenwärtig den Steuerknüppel an sich reißen und es noch unsaft auf den Boden setzen. Nachdem sie sich gerade aus dem brennenden Wrack gerettet haben, knapp bevor es Bumm! gemacht hat, kommt der hilfsbereite Pierre (Louis Merrill) angerannt, und wir erkennen an seinem deutlichen Dialekt, dass wir uns jetzt im französisch-sprachigen Teil von Kanada befinden. Kurz darauf treffen auch die Mounties mit einem Krankenwagen bei Pierre ein, um den verletzten Pete abzutransportieren.

„Ich habe gesagt, es sah aus wie ein Schlachtschiff, nicht dass es eins war. Hätte ich dazu Riesencomputer gesagt, hättest wenigstens Du mir geglaubt.“

Am Telefon darf sich Mitch, der arme Tropf, eine weitere verbale Ohrfeige abholen, dieses Mal von General Buskirk (Robert Shayne). Zumindest kann er seinen Kummer ein wenig mit Selbstgebranntem runterspülen und erfreut feststellen, dass Sally zunehmend Interesse an ihm entwickelt – wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er manchmal eben auch ein Frauenherz zum Ausgleich. Dennoch verursacht ihm der Gedanke, sich in New York ein weiteres Mal unangenehmen Fragen von Männern in Militäruniform stellen zu müssen, gewaltig Kopfschmerzen. Doch der angetrunkene Abend wird dann noch von der Begegnung Pierres mit einem vermeintlichen Monster überschattet, die den Armen geradezu paralysiert zurücklässt.

Für unsere beiden sich anbahnenden Turteltäubchen geht es nun doch im Nachtflug zurück nach New York. Dort beweisen sie im Flirt, dass sie beide fließend Fußball sprechen und werfen nur so mit Ballsport-Metaphern um sich. Außerdem entwickelt Mitch eine Theorie zu den UFO-Sichtungen, die Sally als albern und unhaltbar abschmettert. Parallel dazu befindet sich eine Gruppe von Absturz-Experten (also Fachidioten für Flugzeugabstürze, keine Extrem-Alkoholiker) im Anflug auf die Arktis, um dem Unerklärlichen auf den Grund zu gehen. Doch nun offenbart sich ihnen das UFO, das es laut Radar gar nicht geben kann – es ist ein riesiger, extrem hässlicher Monstervogel, der auf Abfangkurs geht. Panisch verlassen die Herren mit ihren Fallschirmen den in der Gewalt des Federviehs befindlichen Flieger. Doch einer nach dem anderen wird von dem Monster aus der Luft weggenascht.

Am Big Apple darf unser schläfriger Sündenbock morgens zuerst zum Rapport bei General Buskirk antreten, der, immer noch ungläubig, ihn über die neuesten Entwicklungen in Kenntnis setzt. Als man Filmmaterial, das Sally zu Forschungszwecken mit fest installierten Kameras aufgenommen hatte, sichtet, entdeckt man endlich den Beweis für die Existenz des UFOs und entschließt sich, nach kurzem Kriegsrat mit Lt. Gen Considine (Morris Ankrum), das Ungeheuer kurzerhand mit Waffengewalt vom Himmel zu pusten. Ein brutaler Fehlschlag, denn alle Piloten enden als Vogelfutter. Nun ist guter Rat teuer, und die Ausführungen des Wissenschaftlers Dr. Noymann (Edgar Barrier) damit nur recht und billig. Können unsere Helden mit ihm die Menschheit retten und das Zeitalter der hässlichen Vögel noch abwenden?

Inhalt:

ANGRIFF DER RIESENKRALLE oder THE GIANT CLAW ist einer dieser obskuren 50s-Trasher, von denen man als BM-Fan schon lange gehört hatte, bevor man ihn dann als abgeranzte englische VHS-Kopie oder später als genauso englisch-sprachige AVI-Datei endlich zu Gesicht bekommen hat, wobei sich im wohligen Gesichtsausdruck des Rezipienten auch deutlich die tiefe Befriedigung widerspiegelte, diese legendäre Perle des schlechten Geschmacks endlich vis-a-vis in Augenschein zu nehmen. Meine erste Begegnung mit dem ramponierten Terror-Gockel hatte ich vor fast 20 Jahren auf unserer amerikanischen „Schwester“-Seite Badmovies.org, wo der Film so schön beschrieben wird, dass man nicht umhin kommt, ihn sofort und auf der Stelle sehen zu wollen.

Aber warum war es über Jahrzehnte so schwer, an den Film ranzukommen? 1957 ging ANGRIFF DER RIESENKRALLE als Double Feature mit dem ebenfalls von Regisseur Fred F. Sears inszenierten Katastrophenfilm (und dem Vernehmen nach auch filmische Katastrophe) THE NIGHT THE WORLD EXPLODED an den Start. Und statt sein Publikum für 75 Minuten mit spannender SF-Unterhaltung zu fesseln, sorgte er bei ihm für Lachkrämpfe. Der Grund dafür ist das Monster, der riesige und (hab ich’s schon mal erwähnt?) hässliche Vogel, den selbst unter dem naiven Kinogängern der 50er wirklich niemand als ernsthafte Bedrohung auffassen konnte. Filmhistoriker Bill Warren verglich ihn einmal mit „Beaky Buzzard“, dem drögen, hässlichen, kleinen Geier aus der Bugs Bunny Show. Und der Vergleich passt, in jeglicher Hinsicht. Doch nimmt man mal die Szenen mit dem Ungeheuer beiseite, gibt sich ANGRIFF DER RIESENKRALLE alle Mühe, den Standards des billigen 50s-SF-Kintopps gerecht zu werden: Wir haben ein riesiges Monster, es wird unbeholfen mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kokettiert – hier die Theorie von Materie und Anti-Materie -, das Militär ist ungläubig und unfähig und, um etwas seriöser rüberzukommen, wurde dem Film streckenweise durch Collagen und einen nüchternen Off-Sprecher ein gewisser semi-dokumentarischer Touch verpasst. Das kennen wir ja alles noch nur zu gut aus dem vor einiger Zeit an dieser Stelle besprochenen DAS TODBRINGENDE UNGEHEUER aus den konkurrierenden Studios von Universal, newa?

Die Story bewegt sich genauso verlässlich nach Schema F vorwärts. Unser Held macht eine Entdeckung und niemand will ihm glauben; Menschen in Flugzeugen verschwinden, während die Obrigkeit ratlos ist; die Anzeichen verdichten sich, dass der Held die Wahrheit sprach; nebenher flirtet dieser mit einer ebenso attraktiven wie intelligenten und selbstständigen jungen Frau aus dem Umfeld dieser mysteriösen Vorkommnisse; und wenn die Karten auf dem Tisch liegen, erweist sich die Strategie, einfach erstmal prophylaktisch alles niederzuballern, was nicht nach Amerikaner aussieht, als wenig praktikabel, weshalb eine genau nur auf dieses Problem, bzw. Monster anwendbare Lösung ausbaldowert werden muss; am Ende stellt man das Viech dann in einer Großstadt, wo es sich gerade anschickt, sich mal wieder so richtig auszutoben. Das ist erprobt, das funktioniert, das wird in Teilen sogar heute noch praktiziert. Dazu gesellen sich solch nette Spielereien wie ein Antimaterie-Kraftfeld, dass den Vogel umgibt, und natürlich auch Eier, weil das dann wahrscheinlich zwittrige Tier die Erde neu bevölkern will, da es hier an, zwar kleiner aber wohl feiner, Beute wahrlich nicht mangelt. Lustig ist auch die Tatsache, dass die Militärs auch nach vier verschwundenen Maschinen nicht raffen, dass da was im Busch ist und immer weiter auf Sündenbock MacAfee eindreschen. Unverzichtbar ist natürlich die Collage, wenn unser Monster-Federvieh vor dem Finale Amok, äh, fliegt. Eine sehr schöne Szene bietet sich uns dar, wenn unser Paar des Nachts im Auto ohne Licht vor dem Monster reißaus nimmt, aber plötzlich ein paar (betrunkene?) Teenager die Straße entern und mit strahlendem Scheinwerfer, viel Getöse und Geschrei überholen, um dann erwartbar als nächste Beute auserkoren und im Vorbeiflug abgegriffen zu werden. Am Ende erdreistet sich diese Höllenfigur dann sogar, ein Stück aus dem Empire State Building zu hacken und sogar die UNO anzugreifen. Ja, New York ist immer eine Reise wert!

Regisseur Fred F. Sears mag kein Spielberg gewesen sein, aber die Spielszenen lassen eine gewisse Routine erkennen, und die Schauspieler machen genau das, was sie sollen. In den Szenen, in denen sie auf das Monster reagieren, musste improvisiert werden, denn die Trickeffekte entstanden erst im nächsten Arbeitsgang, in einer billigen Schmiede in Mexiko. Um seinen Darstellern ihre Motivation und ihre Gefühle leichter greifbar zu machen, als es schnöde Lettern im Drehbuch erreichen könnten, wird er ihnen wohl gesagt haben, dass sie da einem riesigen, furchteinflößenden Monster gegenüberstehen. Dementsprechend spielen sie das dann auch, mal mit mehr, mal mit weniger sich bis ins Chargieren steigerndem Verve. Man stelle sich mal vor, er hätte ihnen stattdessen gesagt, es würde sich um einen großen, hässlichen Vogel mit überlangem Geierhals, Irokesenschnitt und Glubschaugen handeln, oder noch besser, sie hätten das Modell vorher gesehen – es macht mir Spaß, mir auszumalen, wie Jeff Morrow und Mara Corday kichernd an der Kamera vorbei zum Himmel starren, einen gestorbenen Take nach dem anderen. Aber glücklicherweise ist es, wie es ist, und wir haben einen kompletten und mit der nötigen Professionalität fertiggestellten Monsterfilm.

Nur das Outsourcing der Effektabteilung ins günstigere Mexiko erwies sich im Nachhinein als wirklich schlechte Idee (oder als glückliche Fügung, je nachdem, welchen Standpunkt man einnimmt). Denn die Monster-Modelle schießen wirklich den Vogel ab. Das zerknautschte Gesicht erinnert an einen über die Jahre vollkommen zerschundenen Punchingball, in der Mitte ziert es ein krummer Schnabel, an den Seiten ragen große Glubschaugen mit hin und her wackelnden Pupillen hervor, und zur Krönung wird es bedeckt von etwas, das einem sich der Kahlheit des Haupthaars ergebenden Irokesenschnitt gleicht. Der Hals ist sehr, sehr lang und sieht aus wie eine Ziehharmonika. Körper und Krallen baumeln eher in der Gegend herum, während zerzauste, weite Schwingen gemächlich rauf und runter gehen, um den Anschein zu erwecken, das Ding könnte sich tatsächlich aus eigener Kraft durch die Luft bewegen, was klar sichtbare Drähte an eben diesen, dem Kopf und dem Körper eher verneinen. Für einen Trash-Aficionado ist das natürlich wunder, wunderschön, das sieht aus wie ein alter, abgewarzter und versoffener Kleinstadt-Punk. Neben dem vogelähnlichen Kaiju RODAN aus dem Hause Toho soll auch das mystische, franco-kanadische Fabelwesen Banshee Bird (das Ding aus Wes Cravens lauem Mystery-Teen-Slasher MY SOUL TO TAKE) Pate dafür gestanden haben. Das nenne ich mal eine Empfehlung; fragt sich nur, ob die Mexikaner die Vorlagen überhaupt gekannt haben (also nicht den Craven-Film, den gab es da ja noch nicht), als sie sich ans Werk machten. Die Flugzeugmodelle sind dagegen eher zweckmäßig gehalten und immer nur kurz im Bild. Einzig die Bruchlandung erleben wir in voller Länge, sehen, wie das sehr schlichte und auf Details komplett verzichtende Modell an einer Schnur entlang gen Boden gleitet. Das ist der Stoff, aus dem trashige Film-Geschichte geschrieben wird!

Im Endeffekt dreht sich die ganze Geschichte von ANGRIFF DER RIESENKRALLE nur um das hässliche Ding an Strippen und unsere beiden Turteltäubchen. Leider verbindet Jeff Morrow und Mara Corday keine solch gute Chemie wie noch Craig Stevens und Alix Talton in eben DAS TODBRINGENDE UNGEHEUER. Doch Morrow ist in seiner Mischung als schlagfertiger und witzelnder Kumpeltyp und gebeutelter Schmierlappen souverän genug, um beide durch den Film zu bringen. Er war damals schon ein alter Hase (zum Zeitpunkt des Drehs um und bei 50), war ein Broadway-, Shakespeare- und nach 1945 dann auch Kriegsveteran. Ab den 50ern waren ihm wohl die allabendlichen Auftritte dann zuviel des Guten und er siedelte zum TV und zum Film über. Sein Debüt gab er im monumentalen Bibel-Epos DAS GEWAND (1953) als der frühe christliche Missionar Paulus von Tarsus. Genre-Freunde werden ihn sicherlich vor allem aus dem teils verlachten 50s-SF-Klassiker METALUNA IV ANTWORTET NICHT (1955) kennen, in dem er schon seine Leading-Man-Qualitäten unter Beweis stellen durfte. Als Anfang der 60er das Publikumsinteresse fürs Genre-Kino wieder abflaute, tingelte er in Gastrollen durch verschiedene TV-Serien, vornehmlich Western-Serien wie BONANZA, WELLS FARGO oder DIE LEUTE VON DER SHILOH RANCH. 1971 taucht er dann noch in dem Proto-Slasher BLUTIGE VERSCHWÖRUNG neben Horror-Legende John Carradine (DRACULAS HAUS, ASTRO-ZOMBIES) und neben Kerwin Matthewss (SINBADS SIEBENTE REISE, DER HERRSCHER VON CORNWALL) im trashigen Monsterfilm OCTAMAN – DIE BESTIE AUS DER TIEFE von Harry Essex, dem Drehbuchautoren von Jack-Arnold-Klassikern wie GEFAHR AUS DEM WELTALL (1953) und DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS (1954) auf; das schlockige Werk ist ein minderbemitteltes Rip-off von letzterem. Mara Corday begann ihre Hollywood-Karriere als Tänzerin und Fotomodell. Wer ein wahrer Horrorfan alter Schule ist, kennt sie natürlich aus dem Spinnenhorror-Klassiker TARANTULA (1955), wo sie die junge Laborantin spielte, die vom Helden John Agar umgarnt wird. Dort lernte sie auch Clint Eastwood kennen, der ihr später immer mal wieder Rollen in seinen Filmen, u.a. DER MANN, DER NIEMALS AUFGIBT (1977), DIRTY HARRY KOMMT ZURÜCK (1983) und ROOKIE – DER ANFÄNGER (1990) besorgte. Alle anderen Rollen sind eher funktionell angelegt. Die Generäle sind mit dem Routinier Morris Akrum (FLIGHT TO MARS, FLIEGENDE UNTERTASSEN GREIFEN AN) und den eher auf Bit-Parts abonnierten Robert Shayne (THE NEANDERTHAL MAN) passend besetzt. Erwähnenswert ist noch der vom Radio gekommene Lou Merrill als Pierre, der hier einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Fred F. Sears kam 1946 als Dialogregisseur zu Columbia Pictures und trat gleichzeitig dort auch als Schauspieler vor die Kamera. Er hatte Nebenrollen in der erfolgreichen BLONDIE-Reihe und auch in den CHARLES STARRETT Western, die er ab 1949 auch als Regisseur betreute, bis die Serie 1952 eingestellt wurde. Sears war ein Arbeitstier, der in seinen neun Jahren als Regisseur bei Columbia ganze 50 Filme abdrehte. Er war bekannt dafür, auch mit minimalsten Mitteln arbeiten zu können. In den 50ern waren darunter einige Genre-Werke wie FLIEGENDE UNTERTASSEN GREIFEN AN (1956), der u.a. als Vorlage für Tim Burtons Persiflage MARS ATTACKS! (1996) diente, sowie der vorhin schon erwähnte THE NIGHT THE WORLD EXPLODED (1957) und eben ANGRIFF DER RIESENKRALLE (1957). Er verstarb bereits im November 1957 im Alter von nur 44 Jahren an einem Herzinfarkt.

Über die Jahre gab es nur zwei offizielle Veröffentlichungen des Films auf VHS in den USA und dem UK, daneben einige Bootlegs. In Deutschland erfuhr er seine Erstveröffentlichung als Ausstrahlung auf RTL, die auch eine deutsche Synchro anfertigen ließen, was wohl auch der Grund für das Wortgefecht aus Fußball-Metaphern zwischen Morrow und Corday an Bord des Linienfluges ist, denn RTL hielt zu dieser Zeit die Ausstrahlungsrechte für die UEFA Champions League. Das passt zwar nicht wirklich ins Geschehen, vor allem wenn man bedenkt, dass Fußball Mitte der 50er in den USA sportlich überhaupt keine Rolle spielte. Allerdings ist es doch sehr lustig anzuhören. Die Sprecher machen ihren Job ordentlich, allgemein gibt es, bis auf das teils eben depperte Synchrondrehbuch, eigentlich nichts dran zu mäkeln. 2017 brachte dann Anolis ANGRIFF DER RIESENKRALLE als siebten Eintrag ihrer Reihe Die Rache der Galerie des Grauens heraus. Die Veröffentlichung enthält die RTL-Synchro und den O-Ton, zudem zwei informative wie launige Audiokommentare, die Super-8-Fassung und die üblichen Trailer. Außerdem liegt ein Booklet bei, in dem sich Ingo Strecker mit der Produktionsgeschichte des Films befasst. An Bild- und Tonqualität des Films lässt sich nichts aussetzen, wie eigentlich üblich bei Anolis.

ANGRIFF DER RIESENKRALLE ist ein Film, der aufgrund seiner mies-lustigen Modelle Trashfans begeistern kann, aber sicherlich auch bei Fans des SF- und Drive-in-Kinos der 50er-Jahre hoch im Kurs steht. Inhaltlich verläuft er sehr formelhaft, kloppt aber alles, was man kriegen konnte, in die kurzweiligen 75 Minuten Film, die nur im letzten Drittel kurzzeitig etwas die Zügel schleifen lassen. Jeff Morrow allein ist schon eine Schau, weil er einfach so gut Schnuten ziehen kann (er bekommt hier auch oft Gelegenheit), jede sieht anders aus. Der Main Selling Point ist aber natürlich das missratene Federvieh, das so hässlich ist, dass man es einfach mal gesehen haben muss. Ansonsten macht ANGRIFF DER RIESENKRALLE als Billig-Produktion viel richtig, was vom Talent Fred F. Sears‘, mit wenig Geld wenigstens Etwas zu machen, zeugt. Wer sie noch zu einem humanen Preis abgreifen kann, sollte sich unbedingt das Kombo-Pack von Anolis abgreifen, alternativ läuft der Film ja gerade bei SchleFaZ auf Tele 5 (und ist dann ja im Anschluss evtl. in deren Mediathek abrufbar). Ich liebe den Film, und ich finde, ihr solltet das auch!


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 8


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