Zwei Kumpel in Tirol


  • Deutscher Titel: Zwei Kumpel in Tirol
  • Original-Titel: Zwei Kumpel in Tirol
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  • Regie: Alois Brummer
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1978
  • Darsteller:

    Ingrid Steeger (Fotomodell), Franz Muxeneder (Landwirt), Stefan Grey (Johnny), Rinaldo Talamonti (Willy), Johannes Buzalski (Professor Vogelsang), Josef Moosholzer (Ludwig), Kurt Großkurth (Herr von Bring), Gisela Schwartz (Heidi), Leopold Gmeinwieser (Lederhosen-Depp), Wolfgang Scherer (Alfons), Karin Hofmann (Maria), Edgar Wenzel (Gendarm), Karin Götz (Mitglied in Damenkapelle), Inge Moritz, Ruth Witt, Wolfgang Fischer, Karin Glier, Alexandra Bogojevic, Elke Boltenhagen, Elke Deuringer, Alexander Miller, Hasso Preiß u.a.


Vorwort:

Wie bitte? Hat da etwa gerade jemand „Oh nein!“ gerufen? Ich habe diesen Aufschrei sehr wohl vernommen – und ich weiß auch ganz genau, warum. Ihr habt den Titel gelesen, oder? „Zwei Kumpel in Tirol“ – das klingt doch so richtig schön nach krachledern-miefigem 70er-Jahre-Lederhosen-Altherren-Sex-Klamauk. Tja, und was soll ich sagen? Ihr liegt goldrichtig. Es tut mir auch leid, dass ich diese Seite mit derartigem Schmuddel besudeln muss, aber Softsex-Produktionen gehören zum deutschen Nachkriegskino ebenso dazu wie Heile-Welt-Heimatfilme, Edgar Wallace, „Tatort“, Til Schweiger und unsere minderbemittelten Amateur-Splatter-Papste. Und da der Doc die Dinger – von wenigen Ausnahmen wie „Der lüsterne Türke“ etwa abgesehen – aus nur allzu verständlichen Gründen nicht mal mit der Kneifzange anfassen wollte, muss sich ja einer opfern, um auch auf badmovies.de hin und wieder an diese dunkle Zeit zu erinnern. Derjenige bin dann wohl ich.

Als Oswalt Kolle es sich ab 1968 zur Aufgabe machte, das deutsche Volk mit Filmen wie „Das Wunder der Liebe“ oder „Deine Frau, das unbekannte Wesen“ über Sex aufzuklären und damit ein Millionenpublikum in die Kinos trieb, lockerte er damit auch gleichzeitig Deutschlands verklemmten filmischen Umgang mit eben diesem wichtigen Thema, das uns doch alle angeht, und machte den Weg frei für die Darstellung nackter Tatsachen auf Zelluloid. Unzählige Regisseure wollten nach diesem Erfolg auch ein Stück vom Kuchen abhaben und drehten daraufhin diverse Report-Filme – am bekanntesten und berüchtigtsten sicherlich die 13-teilige „Schulmädchen-Report“-Reihe –, die den Titeln zufolge ebenfalls Aufklärung betreiben sollten, in den allermeisten Fällen aber zur reinen Fleischbeschau verkamen, womit sich das Publikum seinerzeit schon zufriedengab. Nackte Ärsche, Titten, weibliche Schambereiche – endlich konnte all das hemmungslos gezeigt werden, und die Leute wollten es sehen.

Das wusste auch der Regisseur unseres heutigen Films, Alois Brummer, nur allzu gut. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen verzichtete er dabei aber fast gänzlich auf den Report-Aufhänger und produzierte – bestärkt durch sein erfolgreiches Genre-Debüt „Graf Porno und seine Mädchen“ (1969) – lieber gleich ganz offen und ehrlich reine Sexfilme, die er mit derbem Humor auflockerte. Er machte keinen Hehl daraus, einfach nur schnell und gut Kasse machen zu wollen. „Meine Filme sind nicht geistreich, aber geistreiche Filme sind auch kein Geschäft“, sagte Brummer einmal, und dementsprechend niedrig dürfen wir die Messlatte (fangen wir doch gleich mal an: MessLATTE, höhö) auch legen, wenn wir uns einen seiner Filme ansehen.

Folglich ist auch von „Zwei Kumpel in Tirol“ wirklich so absolut gar nichts zu erwarten. Oder doch? Ich sage euch: Mag der Titel auch noch so allerweltsmäßig und unscheinbar sein – da sind wir mit „Die goldene Banane von Bad Porno“, „Wenn die prallen Möpse hüpfen“ oder „Ostfriesen-Report: O mei, haben die Ostfriesen Riesen“ ganz andere Kaliber gewohnt –, so hat der Film es faustdick hinter den Ohren. Wir haben es hier nämlich mit einem der vermutlich dreistesten Etikettenschwindel der deutschen Filmgeschichte zu tun, weil „Zwei Kumpel in Tirol“ streng genommen eigentlich gar kein Film ist – sondern mehrere Filme!

Lasst mich das genauer erklären: Alois Brummer hatte nach zehn Jahren Produzenten-Dasein und einer stattlichen Anzahl hastig und billig hergestellter Streifen genügend Routine entwickelt, dass er sich eines Tages die Frage stellen konnte, wie er noch schneller und noch billiger einen Film auf die Beine stellen konnte. So verfiel er auf den dreisten Plan, einfach auf sein prall gefülltes Filmarchiv zurückzugreifen, sich aus dem Material seiner alten Filme Szenen zu stibitzen und sie zu einem einzelnen Film zusammenzukleben. Möglicherweise mag nun der eine oder andere einwerfen, dass Brummer eine solche Vorgehensweise nicht exklusiv hätte, und diejenigen haben recht: Natürlich ist er nicht der Einzige, der aus altem Material eine Art Clip-Parade erstellte. Nur will „Zwei Kumpel in Tirol“ eigentlich gar keine Clip-Parade sein, sondern er gibt sich dank sinnentstellender Neusynchronisation als zusammenhängender und völlig neu gedrehter Film, obwohl er samt und sonders bereits bestehendes Material ohne auch nur eine einzige neu gedrehte Sekunde verwendet. Das ist nicht wie bei einem Joseph Lai, der wenigstens einen Handlungsstrang neu drehte und den Rest aus einem oder mehreren Filmen verwertete und auf abenteuerliche Weise irgendwie mit den neuen Szenen verband. Und das ist auch nicht wie bei Charles Band und seinem „Puppet Master: Blitzkrieg Massacre“, der eine Kompilation aus der Reihe darstellte und die sogenannten Highlights mit einer knappen Rahmenhandlung verknüpfte. Es ist – Frechheit in Perfektion.

Das also zur Vorgeschichte. Damit ging die Arbeit für dieses Review für mich aber erst richtig los, denn die nächste Frage, die sich mir stellte, war: Wie viele Filme würde Brummer in „Zwei Kumpel in Tirol“ wohl verarbeiten? Zwei? Drei? Oder am Ende sogar vier? Eine mehrstündige und unendliche mühevolle Vorabrecherche mit einigen Alpträumen brachte Erschreckendes ans Tageslicht: Während die wenigen Online-Kritiker, die sich vor mir schriftlich mit diesem unseren Werk auseinandersetzten, fast unisono auf eine für mich unfassbare Zahl von sechs Filmen kamen, kann ich hiermit das (vermutlich) offizielle Ergebnis verkünden: „Zwei Kumpel in Tirol“ besteht aus nicht weniger als acht Filmen. In Großbuchstaben: ACHT. In Zahlen: 8.

Acht (ACHT! 8!) Filme in 75 Minuten – wie um alles in der Welt Alois Brummer einen solchen Schnipselsalat auch nur ansatzweise zu einem sinnvollen Ganzen zusammensetzen will und welche Kniffe dafür nötig sein werden, davon wird die folgende Inhaltsangabe berichten …

Inhalt:

Du weißt, es wird grausam, wenn du bereits zum Vorspann von alpenländischer Volksmusik begrüßt wirst, wenn auch zumindest ohne Jodeln. Die nominelle Hauptrolle – wie auch immer sie hier aussehen soll – bekleidet die unvermeidliche Ingrid Steeger, die ja gefühlt eh in jedem Sex-Ulk bis Mitte der 70er mitspielte. Als Zweiter wird der bayerische Volksschauspieler Franz Muxeneder genannt. Unter den acht weiteren genannten Darstellern sticht mir vor allem Rinaldo Talamonti (bitte nicht!) ins Auge. Zu dem später mehr. Schon die Anfangstitel schummeln, indem sie Rita Wild als Maskenbildnerin und Hubs Hagen als Kameramann benennen. Die müssten dann ja in allen acht (ACHT! 8!) Filmen diese Funktionen bekleidet haben, was sie leicht nachprüfbar nicht getan haben. Dass sich Alois Brummer selbst als Regisseur aufführen lässt und dafür seine Kollegen Atze Glanert und Hubert Frank, die immerhin drei der acht (ACHT! 8!) Filme inszenierten, aus der Schusslinie nimmt, finde ich hingegen sehr sympathisch.

Die Credits laufen über eine blonde junge Frau mit Pippi-Langstrumpf-Zöpfen, die – und das überrascht am meisten – nicht nackt durch eine Bergweidenlandschaft spaziert. Damit wären wir im ersten Film, der da heißt: „Unterm Dirndl wird gejodelt“ (1973), der auch mal unter dem Titel „Dirndljagd in Oberbayern“ vermarktet wurde. Dort war die Szene allerdings erst in Minute 27 zu sehen.

Danach springen wir in denselbem Film zurück in Minute 13, wo ein Zug laut Bahnsteigdurchsage gerade in Bumskirchen hält und der Umstieg nach Rammelshausen möglich ist. Die blonde junge Frau von eben teilt sich ihr Zugabteil mit einer Nonne, die gleich Grund zum Kopfschütteln hat, als sich bei ihrer Sitznachbarin beim Aufstehen und Aus-dem-Fenster-Gucken das Kleid nach oben schiebt und eine weiße Unterhose zum Vorschein kommt (selbstverständlich präsentiert in genießerischer Nahaufnahme). Im letzten Moment springt ein auf den ersten Blick als solcher zu erkennender Vollidiot in Lederhosentracht und mit Federhut (Leopold Gmeinwieser) noch auf den fahrenden Zug auf. Er gesellt sich zu Blondine und Nonne ins Abteil und greift sich mit beiden Händen in die Hose, um sich offenkundig sein Gemächt zurechtzurücken. „Ich muss nämlich Inventur machen, ob noch alles da ist … Was ich erlebt hab’, mir tut jetzt der Zipfel noch weh“, sagt er im bayerischen Dialekt. Die Nonne findet sein Betragen ungenügend, die Blondine hingegen ist von dem lustigen Kerlchen ganz begeistert und erbittet doch Details, was genau ihm denn widerfahren ist.

Auffällig – und das bestimmt auch nicht zum letzten Mal –: Der Dialog findet fast vollständig im Off statt. Es wird fast nur geredet, wenn der sprechende Protagonist nicht im Bild zu sehen ist, damit Brummer allen Beteiligten Sätze in den Mund legen kann, die sie im Originalfilm gar nicht gesprochen haben. Ein probates Mittel, das schon Synchro-König Rainer Brandt nutzte, um die eigentliche Handlung in die von ihm gewünschte Richtung umzudichten. Welche auch immer das in diesem Fall sein mag.

Dem Wunsch der Blondine leistet der Lederhosen-Depp Folge, und er holt aus und erzählt sein Abenteuer mit dem Malermodell. Wie ihr euch vielleicht gedacht habt, denn ihr seid ja kluge Leser, werden wir erstmals in einen anderen Film versetzt, und zwar in den enttäuschend schlicht betitelten „Liebesmarkt“ (1973). (Dafür knallen die internationalen Titel rein: unter anderem „Emanuelle Meets the Wife Swappers“ und „Swap Meat at the Love Shack“.) Das trifft sich ganz gut, weil Leopold Gmeinwieser auch in „Liebesmarkt“ mitspielt. Dort wird er von Ingrid Steeger in einem Atelier instruiert, sich bitte vollständig zu entkleiden, damit ein Maler einen Liebesakt mit ihr und ihm malen kann. Wer hätte das auch in einem Sexfilm gedacht? Ihr Aktpartner jedenfalls nicht: „Wenn ich mich auszieh’, dann bloß zum Bumsen.“ Doch Ingrid, weniger prüde und schneller nackt, als man bis Drei zählen kann (kein Wunder, sie ist ja auch Ingrid Steeger), kann Überzeugungsarbeit leisten: „Um sechs macht Viktor den Laden dicht, und dann können wir bumsen.“

Zaghaft, aber schließlich dann doch entkleidet er sich und präsentiert uns seinen langen Schwengel. Bloße Nacktheit überzeugt den mürrischen Maler Viktor noch nicht: „Sieh zu, dass du einen Ständer kriegst.“ Sieht Ingrid genauso: „Bring Leben in die Röhre.“ Dass zu viel Druck dem Mannsbild nicht gut tut, haben sie wohl noch nicht gehört. Dennoch bringen sich die Nackten für den Maler in Position: im Stehen, sie vorn, er hinten. „Als ob ihr die Scheißerei habt. Kann ich ja gleich Romeo und Julia auf dem Scheißhaus malen“, empört Viktor sich. Zur allgemeinen Entspannung reicht er dem Pärchen Alkohol. Bis sich die Wirkung entfaltet, dauert es aber noch etwas, und der Maler bleibt unzufrieden: „Du musst ihre Titten richtig in die Hand nehmen … Du stehst ja da, als ob du eine alte Kuh melken würdest.“ Allmählich entspannt sich aber die Stimmung. Ingrid merkt es als Erste: „Da kriecht ja was in mich rein.“ Das wird Viktor nun doch zu grafisch: „Immer diese animalischen Triebe. Du bist kein Zuchtbulle, und hier ist keine Besamungsstation.“

Dann ist es plötzlich dunkel, Viktor ist weg und unser Pärchen allein. Damit hat der Abend für Ingrid und ihren Aktpartner aber gerade erst begonnen. Ingrid tanzt sich unter Alkoholeinfluss die Seele aus dem Leib und bringt auch den Deppen in Wallung.

Er: Jetzt komm’ ich erst.
Sie: Was? Jetzt schon?
Er: Nein, in die richtige Stimmung.

Zwecks ausgiebiger Vögel-Session lässt sich Lederhosen-Depp mit Ingrid in ein praktischerweise im Atelier stehendes Bett fallen. Von draußen scheint Tageslicht in den Raum, was wir getrost schlampiger oder schlicht desinteressierter Postproduktion zuordnen können. Noch bevor die beiden zur Tat schreiten, gibt es aber einen groben Schnitt – also genau das, was gerade nicht passieren sollte, wenn Ingrid Steeger in vollkörperliche Aktion tritt.

Stattdessen bricht ein neuer Tag an, und er hat uns einen Knaller-Gag mitgebracht, denn Ingrid und ihr Lover haben im Überschwang ihrer Gefühle ganz vergessen, dass das Bett, in dem sie liegen – und ich schwöre euch, ihr lacht euch tot –, in einem offen einsehbaren Schaufenster steht und die Betthasen nun von einer Menge vor allem älterer Leute begafft werden! Es ist zum Schreien komisch. „Also, ich finde das empörend“, schimpft eine Schaufensterglotzerin, obwohl Bilder eigentlich nur lachende Gesichter wiedergeben. Nur der dazustoßende (dazuSTOSSEN, höhö) Maler Viktor ist weniger begeistert und wirft sie raus.

Damit ist der „Liebesmarkt“ auch schon geschlossen, und für alle Ingrid-Steeger-Fans sei gesagt: Ihr könnt jetzt abschalten, die sehen wir nicht wieder. So viel zum Hauptdarsteller-Status. Wir huschen zurück in den Zug im Film „Unterm Dirndl wird gejodelt“, wo die zuhörende Blondine ihre Zweifel über den Wahrheitsgehalt der vom Lederhosen-Deppen erzählten Geschichte äußert. Dem ist’s egal: Er will nicht mehr in die Stadt, und die Blondine stimmt ihm zu.

Dann verlassen wir blitzartig den Zug und die bestimmt ungemein wichtige Szene. Zu meinem Entsetzen dringt nun doch noch Gejodel an meine durch die alpenländische Volksmusik zum Vorspann schon stark geschundenen Ohren, was dann wohl ausdrücken soll, dass wir wieder auf der Alm sind. Ja, sind wir. Und wir sind immer noch im selben Film. Die Blondine aus dem Zug verlässt ein Bauernhaus und wäscht in der prallen Sonne per Hand Wäsche in einer Holzwanne. Dafür muss sie sich notgedrungen bücken und gibt den Blick auf ihre Unterwäsche frei (ebenso gewohnt aufmerksam in Großaufnahme vom Kameramann festgehalten wie die Tatsache, dass ihr fast die Brüste aus dem Kleid purzeln). Das bekommt auch ein weiteres hinterwäldlerisches Dummbrot namens Toni mit, das durch den Anblick so angegeilt ist, dass er auf die Bitte der Blondine (die mit Heidi auch endlich einen Namen erhält), ihr beim Wäscheaufhängen zu helfen, lieber ihr Kleid zwecks Unterhosenbegutachtung anhebt und, als ihr das nicht gefällt, sie an sich zieht, was ihr noch weniger gefällt. Bei so viel Renitenz hilft nur eine Backpfeife. „Du bist die gleiche Drecksau wie dein Bruder Johnny“, schimpft sie wütend – und das war’s.

Vergessen wir Heidi, vergessen wir Toni, vergessen wir alles, was wir bisher gesehen haben – und starten wir den Film nach fast zwölf Minuten doch noch einmal komplett neu mit frischen Charakteren. Und um diesen Bruch noch deutlicher zu machen, greift Brummer in die Trickkiste und kramt kackdreist Erzähler Norbert „Homer Simpson“ Gastell hervor, der uns fortan als Voice-over durch das, was man Handlung nennen könnte, wenn es denn eine gäbe, begleiten wird: „Die Weibergeschichten von Tonis Bruder waren wirklich unglaublich! Hätte man in Rammelshausen aber gewusst, dass er damit sogar Geld verdienen will, sie hätten ihn kastriert.“

Willkommen im dritten St(r)eifen „Obszönitäten“ (1971) (Alternativtitel: „Mädchen, die sich lieben lassen“, englischer Titel: „Confessions of a Male Escort“). Wenn es uns nicht schon der englische Titel verraten würde, wüssten wir spätestens jetzt: Johnny ist ein Callboy (oder eben einer, der es werden will). Gerade wittert er Beute und nimmt Blickkontakt mit einer in einem Wagen sitzenden Frau auf. „Wenn mich mein beruflicher Adlerblick nicht täuscht, könnte das eine neue Kundin werden“, denkt Johnny. „Netter Typ! Der ist bestimmt um ein paar Takte lebhafter im Bett als mein abgeschlaffter Alter“, denkt die Frau. Eigentlich müsste Johnny also gar nicht mehr viel machen, aber er geht lieber auf Nummer Sicher und läuft ihr just in dem Moment, als sie losfahren will, vors Auto. Man muss auch Opfer bringen.

Eine Szene weiter liegt Johnny splitternackt im Bett der Frau. Warum im Bett der Frau und nicht in einem Krankenbett? Und warum nackt nach einem Autounfall? Vermutlich eine „Vertigo“-Hommage. Wir erinnern uns: Dort muss John (James Stewart) Madeleine (Kim Novak) aus der Bucht von San Francisco fischen, woraufhin sie sich nach ihrem Erwachen ihrer nassen Kleider entledigt in seinem Bett wiederfindet. Hier ist es genau anders herum: Johnny liegt nackt im Bett der Frau, die ihn angefahren hat. Ja, genau so wird’s sein, Brummer ist „Vertigo“-Fan. Da sich daraufhin die Frau in einem verführerischen Negligé mit nichts drunter ins Schlafzimmer zu dem sich schlafend stellenden Johnny bewegt, wäre der Grundstein für eine weitere Softsexszene gelegt, auch wenn der Weg bis dahin noch gepflastert ist mit Dauerlaberei vonseiten der Frau, bei der ich nicht zuordnen kann, ob das ein innerer Monolog sein soll oder die Worte ihrerseits laut ausgesprochen werden, weil die Kamera es nicht für nötig hält, ihr Gesicht einzufangen. Zum einen ist da nämlich zu hören: „Ich hätte Sie bestimmt ins Krankenhaus gebracht, wenn Sie gewollt hätten.“ Zum anderen aber auch: „Wie der gebaut ist!“

Eine heilende Penismassage weiter („Wart’s ab, mein Kleiner, dich bring’ ich schon wieder hoch“) ist Johnny dann auch ganz offiziell hellwach. Plötzlich mischt sich dauerhaft auch seine Stimme unter das Gedankenspiel/die gesprochenen Worte der Frau, was die ganze Sache noch konfuser macht, weil wir immer noch alle möglichen Bildinhalte zu sehen bekommen, aber ganz bestimmt nicht die Visagen des sich aufgeilenden Pärchens.

Sie: Ich fühle, alle deine Glieder sind noch heil.
Er: Wie schön für dich!
Sie: Wie schön für uns!

Das Liebesspiel schaukelt sich hoch – bis es wie vorhin schon bei der Steeger-Szene noch vor dem eigentlichen Höhepunkt abbricht, als sich plötzlich eine dritte Stimme in dieses ohnehin schwer erträgliche Süßholzgeraspel einschaltet: „Na, endlich hat’s dir mal einer richtig besorgt! Bravo! Bravo!“ Die Stimme gehört dem Mann der Frau, der sich das Treiben im Ehebett wohl schon eine ganze Weile interessiert angesehen hat. Seine Gattin und Johnny können nur blöd gucken, aber nicht so blöd wie ich, als der Mann – augenscheinlich aufrichtig begeistert – im nächsten Moment Johnny seine Wagenschlüssel zuwirft und ihm als Dank sein Auto schenkt?! An alle Liebhaber verheirateter Frauen: Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Da würde sich das Callboy-Dasein ja gleich doppelt lohnen!

So heizt in der nächsten Szene Johnny auch schon mit seinem Geschenk auf vermutlich süddeutschen Straßen durch die Gegend, und Norbert Gastell bringt uns mal eben auf den aktuellen Stand: „Wie Sie inzwischen wohl vielleicht mit einem kleinen Schmunzeln bemerkt haben, verdient sich unser Johnny sein Geld auf eine etwas ungewöhnliche Weise. Ohne Umschweife – er verkauft sich! Nach seinem geschickt inszenierten Unfall endlich motorisiert, nahm das Geschäft einen jähen Aufschwung. Jetzt konnte er seinen Kundinnen, wenn Not am Mann war, unverzüglich zu Hilfe eilen.“ Es ist nicht so, dass es diese Erklärung noch gebraucht hätte, aber mein Gott, wenn der Gastell doch einfach eine so angenehme Erzählstimme hat …

Johnny macht Halt an einer Tankstelle, wo er auf seinen alten Kumpel Willy trifft, den er hier gar nicht erwartet hätte. Um den Faden von oben aufzunehmen: Willy wird gespielt vom Italiener Rinaldo Talamonti, den Alois Brummer 1969 erstmals für die Titelrolle in „Graf Porno und seine Mädchen“ besetzte, womit er dessen Durchbruch besiegelte und dafür sorgte, dass der in den folgenden Jahren als dauergeiler Allesvögler durch Dutzende deutscher Sex-Lustspiele hampelte, wann immer ein Drehbuchautor einen Ausländer suchte, der bereit war, sich ohne Rücksicht auf aggressiv-rassistische Klischees zum Vollhorst zu machen. Die Neusynchronisation schwächt den Rassismus insofern ab, als er aus dem gebrochen deutsch sprechenden Südländer kurzerhand einen Ostdeutschen mit Berliner Schnauze macht. Auf Johnnys Frage hin, was er denn hier treibt („Seit wann bist du denn Schmiermaxe?“), beginnt Willy seinem Freund zu erzählen, wie er an diesen Job, auf den er nicht wirklich Bock hat („Willy und arbeiten? Bin ich denn beknackt?“), gekommen ist.

Das kann nur eine „Rückblende“ bedeuten und somit einen Sprung in den vierten Film. Zu meinem Entsetzen handelt es sich dabei um keinen geringeren Film als „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ (1970), einem selbst inmitten der niveaulosen Sex-Klamotten völlig unerträglichen Ding, das ich bei meiner ersten und einzigen Sichtung nur mit Mühe überlebte. Dort hat Willy es mit einer Horde junger Bläserinnen zu tun, die ihr Hobby, die Blasmusik, mit ihrem anderen Hobby, dem Sex, gleich doppelt zu nutzen verstanden (und dabei auch Willy in Grund und Boden vögelten). Eine Besonderheit: Sie spielten auch ihre Instrumente bevorzugt nackt. Dieses Grundgerüst bleibt auch hier erhalten. Da Willy laut Voice-over von der Damentruppe so gefordert wurde, hatte er zwischendrin auch das Bedürfnis, „mal was ganz Unmusikalisches zu pimpern“. Also lässt er eine unmusikalische Frau nackt bei sich vortanzen, wird dabei aber von einer der unerwartet nach Hause kommenden Bläserinnen auf frischer Tat ertappt: „Ach, so ist das also! Wir blasen uns auf der Tournee die Seele aus dem Leib, und unser Herr Manager vergnügt sich inzwischen mit so einer ausgeflippten Ficktante!“ Das ist das Stichwort für den Rest der Bläserinnen, die sich wie Furien splitternackt auf den untreuen Willy stürzen. Kein Zuckerschlecken, wie er berichtet: „[Da] haben mich diese hysterischen rachsüchtigen Ziegen nackt ausgezogen und mich verdroschen, dass ich geglaubt habe, in Afrika ist Muttertag.“

Als Willys eigentlich für diesen Abend angedachte Pimperliese den allgemeinen Trubel für ihre Flucht nutzen will, schmeißen sich die anderen Frauen auf sie und werfen sie aufs Bett. Der nackte Willy bleibt allein zurück, aber nicht lang, dann stürzt er Schwanz voraus „mittenmang ins Schlachtgetümmel“. Die Bilder bestätigen nicht, was er nun Johnny erzählt, aber glauben wir ihm mal: „Ich hab’ einer nach der anderen den Arsch versohlt! Die haben vielleicht geschrien, aber ich habe rot gesehen. Irgendwo hörst du dann auf, Kavalier zu sein, wa’? Zuletzt haben sie mich richtig angefleht, dass ich sie schonen soll, und alles wäre wieder gut, aber Willy hat schließlich auch seinen Stolz. So kann mir keiner kommen. Wer bin ich denn? Wochenlang bin ich jede Nacht angetreten und hab’ sie eine nach der anderen durchgezogen. Am liebsten hätten sie mir Zucker in den Arsch geblasen. Ich hab’ ihnen fristlos gekündigt.“

Mit der Kündigung ist aber auch Willys Karriere als Blasmusik-Manager passé, und er muss zum Arbeitsamt, um sich eine neue Stelle zu suchen. Zum Glück hätte der Mitarbeiter da auch gleich was für ihn – einen Job als Hilfskoch in einem Gasthaus, in dem auch regelmäßig internationale Spitzenkapellen verkehren. Genau das Richtige für einen, dem die Musik im Blut liegt. Also versucht er es dort – nur um dort bei seiner Ankunft die nackt auftretenden Blasmiezen, denen er gerade erst gekündigt hat, (übrigens äußerst lustlos) blasen zu sehen. „Im ersten Moment hab’ ich mich richtig ein bisschen gefreut“, legt Brummer ihm vorsichtshalber in den Mund, weil die Freude, die Willy in dieser Szene zeigt, sonst nicht in die Handlung passen würde. Der Geschäftsführer (Josef Moosholzer) schickt ihn umgehend in die Küche, schließlich bezahlt er ihn dafür. Doch kaum hat Willy sich in sein Koch-Outfit gehüllt, mischt er sich vom Blasmusik-Groove mitgerissen wieder unter die Zuhörer und dirigiert die Damen mit dem Kochlöffel. Das hat sofortige arbeitsrechtliche Konsequenzen: Willy wird von seinem Chef gekündigt.

Anstatt die Schuld bei sich zu suchen, weil er ja anscheinend selbst zum Scheißen zu dämlich ist, schiebt sie der immer noch erzählende Willy weit von sich: „Wieder mal hatten die Weiber mir die Karriere zerstört.“ Wie nett, dass man aus dem grenzdebilen radebrechenden Italiener, den Talamonti sonst so spielt, einen grenzdebilen Arschloch-Ossi gemacht hat. Sein nächster Job führt in in die Autobranche, wo er sich als Mechaniker verdingen darf. Sein Chef bringt ihm seinen Grundsatz bei: „Ölen, ölen und nochmals ölen!“ Willys eh ja nur rudimentär vorhandener Arbeitseifer erschöpft sich umgehend, als er unter einem Auto schraubend einer Kundin direkt unter das Kleid gucken kann. Allerdings hat er gegenüber seinem Vorgesetzten das Nachsehen, der bei ihrer Frage nach Hilfe einfach schneller schaltet: „Kommen Sie, wir gehen da rüber. Ich kann Ihre Wünsche bestimmt befriedigen.“ Willy hadert mit seinem Schicksal und flucht: „Seine Einspritzpumpe wird er ihr reindonnern.“

Notgedrungen muss Willy bei einem weniger attraktiven alten Sack, der auf der Suche nach einem fahrbaren Untersatz ist, Kundenservice der normalen Art durchführen. „Wir haben riesige Angebote. Lassen Sie doch mal Ihren Schweif blicken … äh … Ihren Blick schweifen“, versucht sich Willy an einem billigen Frank-Drebin-Verhaspler und schaut mal lieber nach, was sein Chef so mit der Kundin treibt. Na, was wohl? Er nagelt sie in seinem Bett, das wohl zur Ausstattung eines jeden Mechaniker-Geschäftsführer-Büros gehört.

Sie: So einen fantastischen Kundendienst hätte ich wirklich nicht erwartet.
Er: Schön langsam machen, sonst krieg’ ich ’ne Fehlzündung.
Sie: Dann steck doch erst mal einen Schlüssel rein und gib Gas.

Willy kann sich unbemerkt in das Zimmer stehlen, aber nicht um seinen Voyeurismus zu befriedigen, sondern um sich – das Motto seines Chefs beherzigend – unter das quietschende Bett zu legen und es zu ölen. Danach hurtig zurück zum alten Mann, der aber bereits den gewünschten fahrbaren Untersatz gefunden hat: ein altes Fahrrad, mit dem er auch sofort davonradelt, weil Brummer es lustig findet, wenn alte Männer mit Fahrrädern fahren.

Wie der Chef, so der Angestellte. Oder so. Jedenfalls muss Willy feststellen, dass sein Kollege ebenfalls lieber seinem persönlichen Vergnügen nachgeht als der Arbeit, indem der in einem Autowrack ebenfalls eine Frau knattert. Willy bleibt lediglich die Zuschauerrolle, mit der er sich eine Zeit lang zufriedengibt, dann aber doch das tut, wofür er bezahlt wird. Beim Werkeln fällt ihm allerdings die Motorhaube auf den Kopf, was eine irrsinnig komische Kettenreaktion zur Folge hat: a) Er fällt auf einen Rollwagen. b) Mit dem Rollwagen kracht er Kopf voran in einen Reifenstapel. c) Er trägt einen Reifen um seinen Hals. d) Er fällt wieder auf den Rollwagen und rollt weiter. e) Er landet in einem aufgereihten Dosenstapel. Nicht mal Buster Keaton hätte diesen Gag so bringen können.

Diese Aktion hatte offenbar gleich die nächste Entlassung zur Folge – und so ist Willys Odyssee beendet, und er arbeitet eben an dieser Tanke, ob er nun will oder nicht. Folglich sind die vermeintlichen Rückblenden beendet und wir zurück im Film „Obszönitäten“. Johnny hat die Geschichte nachdenklich gemacht, und er unterbreitet Willy ein Jobangebot. Für seine Callboy-Aktivitäten könnte er nämlich einen Assistenten oder eine Aushilfe gebrauchen: „Stell dir das aber nicht so leicht vor. Die Weiber nehmen einen ziemlich her.“ Willy behält das Angebot schon mal im Hinterkopf, belässt es aber vorerst beim Üben: „Ich trainier’ schon, vor allem beim Spritzen!“

Norbert Gastell bringt sich als Erzähler in Erinnerung: „Die Aussicht, Willy als Aushilfe zu engagieren, bedeutete, dass er den Kreis seiner Kundinnen erheblich erweitern konnte.“ Dabei sehen wir Johnny zunächst eine Weile dabei zu, wie er sein Zimmer auf Bums-Tauglichkeit überprüft, bis er plötzlich Musik hört. „Während Johnny angestrengt überlegte, wie er sein Geschäftslokal noch anregender gestalten könnte, klangen von der Straße her heiße Rhythmen an sein Ohr“, fährt Gastell fort. Ich weiß, Musik liegt immer im Auge des Betrachters (obwohl: eher im Ohr des Zuhörers), aber unter „heiße[n] Rhythmen“ würde ich dann doch eher Samba verstehen als die Blasmusik, die nun auf der Tonspur erklingt. Das verleitet Johnny zu einem Blick aus dem Fenster – und was erblickt da sein erfreutes Auge? „Eine Schar wohlproportionierter leicht geschürzter Bläserinnen! Er schloss messerscharf, dass diese aufreizenden Musikantinnen niemand anders sein konnten als Willys männerverschleißende Damenkapelle. Ein gutes Omen für das neu eröffnete Geschäft, dachte Johnny“, berichtet Gastell. Gut, so kann man’s natürlich auch machen: Eigentlich sieht Johnny nur etwas Gestrüpp, doch die kreative Schnittarbeit in diesem Film macht uns weis, er würde gerade der Eröffnungsszene von „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ beiwohnen, in der die Bläserinnen unter lautem Getöse durch die Straßen trompeten.

Geld verdienen muss Johnny aber ja leider auch. Deshalb geht er mal wieder anschaffen. Seine aktuelle Kundin ziert sich etwas, weil sie sich nach eigenen Angaben noch nie Liebe gekauft hätte. Ausziehen wäre doch ein guter Anfang, findet der einfühlsame Johnny, drückt damit aber immer noch nicht die richtigen Köpfe. „Sie sind doch hoffentlich keine Jungfrau mehr?“, offenbart er seine schlimmsten Befürchtungen. Nein, das zum Glück nicht. „Stell dir doch einfach vor, du bist beim Onkel Doktor. Ich pack’ inzwischen mal mein Instrument aus“, redet Johnny ihr zu. Ich gehe bald ein vor all den Zweideutigkeiten, die (nicht nur) die Neusynchro in den Film göbelt. Die Onkel-Doktor-Spielchen und ein genehmigter Schluck Alkohol lockern sie auf. Aber es gibt immer noch eine Hürde für Johnny: „Die Pille hast du ja wohl hoffentlich genommen?“ Ja, hat sie. Puh. Keine Jungfrau und Pille genommen – damit sind die größten Hürden für eine Liebesnacht zu Johnnys vollster Zufriedenheit beiseite geschafft, und wir können uns in eine weitere Softsexszene flüchten.

In der Wohnung nebenan lehnt eine neugierige junge Frau an der Wand und nutzt das Gestöhne für eine Runde Selbstbefriedigung – zumindest, bis es bei ihr an der Tür klopft. Und da der Klopfer auch kein spitzer Macker, sondern nur ihr Vati ist (der aber wie ihr Opi aussieht), wäre es auch peinlich gewesen, wenn sie weitergemacht hätte. Papa wollte eigentlich nur mal nach dem Rechten schauen, wie es ihr in ihrer Wohnung so geht, doch kaum dass sie auf dem Bett sitzen, geht nebenan das lautstarke Geficke weiter. Da dreht die Tochter unangenehm berührt lieber doch das Radio an.

Irgendwann macht auch der stärkste und ausdauerndste Mann schlapp, und so sind schließlich auch Johnny und sein One-Night-Stand fertig. Über die Geschäftsbedingungen ist die Frau aber doch etwas unglücklich: 300 DM will Johnny haben – und das zu Recht, denn er ist gut. „Meine Devise ist: gute Arbeit, guter Preis!“, stellt er klar. Gefeilscht wird nicht, aber wenn sie ihn ihren Freundinnen empfehlen sollte, hätte sie Aussicht auf etwas Rabatt.

Wir kriegen hier ständig neue Figuren in die sogenannte Handlung geworfen, da macht es auch schon nichts mehr, dass auch jetzt noch welche dazukommen – wie zum Beispiel ein unglücklich dreinblickender korpulenter Mann auf dem Bett sitzend. Es handelt sich um den 60-jährigen Kurt Großkurth, der in gefühlt allen Lustspielen der 50er und 60er mitgemacht hat, ehe er sich ab den 70ern auch hin und wieder in Sex-Klamotten wie diesen verlor. Eigentlich war er schon drei Jahre vor „Zwei Kumpel in Tirol“ bei einem Autounfall ums Leben gekommen, aber Brummer holt ihn hiermit zurück ins Leben, weil Großkurth den Fehler gemacht hatte, sich für ihn in „Obszönitäten“ zum Affen zu machen. Großkurth schaut hier deshalb so traurig, weil seine Filmehefrau gerade vergeblich dabei ist, ihm einen zu blasen: „Putzi! Putzilein! Ja, wo ist er denn? Wo ist denn mein kleines Stehaufmännchen? Ich finde ihn gar nicht. Wo hat er sich denn versteckt?“ Sie kommt frustriert unter der Bettdecke hervor und greift zur Masturbation. Ihr Mann ermuntert sie: „Ja, mach deine kleine Handarbeitsstunde.“ Und er stellt auch Besserung in Aussicht: „Warte nur, Muschilein! Wenn mich der Professor Vogelsang erst operiert hat, wird alles ganz anders.“ 60-jährige dicke Männer, die von knapp halb so alten Frauen als begehrenswert eingestuft werden – das war in der Häufung auch nur im deutschen Sex-Kino vergangener Tage möglich.

Aber er sprach von Professor Vogelsang. Wer oder was das nun schon wieder ist, ist eine Frage, auf deren Antwort wir gar nicht lange müssen. Er steht nämlich urplötzlich bei Johnny vor der Tür und hält ihm als Argument dafür, ihn reinzulassen, ein paar Scheine vors Gesicht: „Morgenstund’ hat Geld im Mund!“ Ich weiß ja nicht, ob mich alles Geld der Welt dazu bringen könnte, einem völlig aufgedrehten Johannes Buzalski mit schlecht angeklebtem Bart die Tür zu öffnen, der sich darüber hinaus auch noch als Experte für Geschlechtstransplantationen vorstellt, aber Johnny ist da menschenfreundlicher, als ich es bin und vermutlich je sein werde. Johnny ist sogar so offen, dass er den durchgeknallten Irren nackt in Empfang nimmt. Selbst als Vogelsang zum Fotoapparat greift, um seinen Schniedel von allen Seiten zu fotografieren, denkt er sich nichts dabei und lacht sogar geschmeichelt.

Dass der Professor dann aber zum Messer greift, kann Johnny dann doch nicht mehr so lustig finden, weil er Kastration vermutet. „Warten Sie erst mal ab, junger Freund! Ich mache Ihnen ein Angebot, dass Ihnen die Augen tropfen – und außerdem, vielleicht wächst er wieder nach!“, lacht sich Vogelsang zwei bis drei Äste. Buzalski ist hier im absoluten Over-the-Top-Modus, und ich habe Angst vor ihm. Er selbst bekam übrigens ebenso wie Großkurth nichts mehr von einer Existenz dieses St(r)eifens mit, weil er ein Jahr zuvor das Zeitliche segnete. Vielleicht wäre es langsam angebracht, bei „Zwei Kumpel in Tirol“ von Leichenschändung zu sprechen. Andererseits: Buzalski hat in sechs der acht hier verarbeiteten Filme mitgespielt. Also dürfen seine Verwandten und Freunde sich eigentlich auch nicht beschweren.

Und damit kommen wir zurück auf unser Ehepaar mit den Sexualproblemen. Das Ehepaar heißt von Bring mit Nachnamen, was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Es bittet um die Aushändigung der soeben bei Johnny geknipsten Bilder. „Wirklich ein Prachtstück, Professor!“, jubiliert Herr von Bring. Frau von Bring findet den Penis zwar ebenfalls überaus anregend, äußert aber Bedenken: „Glauben Sie nicht, dass er zu groß für mich ist?“ Der Arzt kann diese Bedenken zerstreuen, nicht aber die Skepsis der Eheleute, hier möglicherweise einem Scharlatan aufzusitzen. Das wäre mein erster Verdacht gewesen, und seine Aussage, bereits mehr als 100 solcher Operationen durchgeführt zu haben, vorerst allerdings lediglich bei Ratten und Mäusen, würde mich nicht beruhigen. Mag sein Argument, dass Herr von Bring in die Annalen der Humanmedizin eingehen könnte, auch nicht so recht ziehen, so ist es Frau von Bring, die ihren Gatten überzeugen kann: „Bringilein, kauf ihn uns doch! Dann will ich auch immer ganz lieb zu dir sein.“ Diese Absicht unterstreicht sie dadurch, dass sie ihm in den Schritt fasst und seinen Lümmel durch die Hose streichelt. So sind selbst die 100.000 Dollar für die Operation nicht zu viel Geld. Herr von Bring hätte aber noch eine Frage: „Wie ist das? Kann ich meinen in Zahlung geben? Ich meine, zum Pinkeln ist er ja noch ganz gut.“ Völlig ausgeschlossen, sagt Vogelsang: „Haben Sie mal versucht, eine verbeulte Gießkanne zu verkaufen?“

Von derartigen Planungen ahnt Johnny, der sich bisher einer Schwanzspende ja auch vehement verweigerte, freilich nichts. Er ist zu Besuch bei seiner hübschen Nachbarin, die wir vorhin schon kennengelernt haben, und staunt über ihren vollen Kühlschrank, denn ein solcher ist ihm völlig fremd: „Bei mir verhungern die Mäuse.“ Vielleicht sollte die Dumpfbacke dann mal über eine Reduzierung seiner Callboy-Preise nachdenken. Seine Nachbarin lädt ihn daraufhin zum Abendessen in ihre Wohnung ein, wozu der elende Schmarotzer natürlich nicht Nein sagen kann.

Einen Schnitt später haben sie auch schon gegessen, und der geile Bock hat sein Charmo-Meter auf Anschlag gedreht: „Sie gefallen mir immer besser. Ein Blick genügt.“ Dabei geifert er ihr unverhohlen in den Ausschnitt. Eine gerechte Ohrfeige der so Umschwärmten wäre die verdiente Folge, hier kommt aber lediglich ein „Ach so“. Sie setzt sich auf ihr Bett gegenüber und kramt einen Umschlag aus der Bettritze, die der verrückte Professor bei ihr für Johnny abgegeben hätte. Er öffnet sie, schließt den Brief nach Ansicht der Penis-Bilder doch lieber gleich wieder und flunkert ihr vor, Darsteller zu sein. Lieblingsrolle? Der junge Liebhaber! „Ach, spielen Sie mir doch mal vor!“, bittet die Frau ihn. Der Bitte kommt er nach einigem Zögern nach und demonstriert seine Künste durch das Öffnen eines Reißverschlusses an einem herumliegenden Kleid. Das ist der Zuschauerin aber zu theoretisch, und sie schlägt vor, dies am lebenden Objekt vorgeführt zu bekommen. Dies kann nur in eine weitere Sexszene münden, gewohnt zurückhaltend und rabiat beendet.

Willy – wir befinden uns immer noch in „Obszönitäten“ und nicht in „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“, kann man ja durcheinander bringen – möchte an der Zapfanlage zu gern eine Frau bedienen, doch bevor er helfend zur Tat schreiten kann bei ihrem Liegesitzproblem, meldet sein Chef (Josef Moosholzer) Ansprüche an, und da er Chef ist, darf er sich selbstverständlich vordrängeln und sich mit ihr zum Ihr-wisst-schon-was verziehen, weil in diesem Film jede dahergelaufene Frau jedem noch so schmierigen und hässlichen Unsympathen sofort an die Wäsche will. Willy platzt vor Wut: „Na warte, du Lustmolch, dir werd’ ich die Eier schleifen!“

(Ist jemandem im vorigen Absatz was aufgefallen? Wenn nicht – Willys Tankstellen-Chef wird ebenso von Josef Moosholzer gespielt wie Willys Restaurant-Chef, bei dem er vorhin den Kochlöffel schwang. Offenbar hat Brummer übersehen, dass hier Filmmaterial aus „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ und „Obszönitäten“ miteinander kollidiert und Moosholzer zwei verschiedene Figuren spielt. Oder es war ihm egal. Auch möglich.)

Und Willys Rache ist fürchterlich: Er telefoniert mit der Frau seines Chefs und nutzt die Unaufmerksamkeit der Fummelwütigen, um den in der Werkstatt abgestellten Wagen, worin sich die beiden ganz ihren Gefühlen hingeben, mit der Hebebühne in die Luft zu heben. Da kommt die Frau des Chefs auch schon angeradelt, ertappt ihren notgeilen Gatten in flagranti und schlägt wutentbrannt auf ihn ein, nachdem sie die Hebebühne wieder hinabgelassen hat. Willy lacht sich darüber schadenfroh ins Fäustchen. Seinen jetzigen Job wird er vermutlich nicht mehr allzu lange haben.

Mit Müh und Not meine ich nach nunmehr 37 Minuten mit Johnny und Willy die titelgebenden Kumpel ausgemacht zu haben, und vielleicht sind sie es auch. Das hindert Brummer allerdings nicht daran, schon wieder einen Abstecher in eine andere Richtung zu machen. Wir folgen jetzt nämlich Willys Tankstellen-Chef, der bislang ja auch schon immerhin zwei bis drei Minuten Screentime erhalten und somit unser Interesse geweckt hat. Was ist das für ein Kerl? Hat er das Herz am richtigen Fleck? Oder ist er privat ein Tyrann? Da Darsteller Josef Moosholzer in „Obszönitäten“ allerdings nur eine sehr kleine Rolle innehatte, musste Brummer wieder kreativ werden. Ihm fiel ein, dass Moosholzer wie Talamonti bereits mehrfach bei ihm vor der Kamera gestanden hatte (wie oben gesagt unter anderem auch in „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“). Günstigerweise sah er dabei auch immer gleich aus, sodass es garantiert nicht auffallen würde, wenn wir einfach noch einmal den Film wechseln – einen Filmwechsel, in den Erzähler Gastell doch problemlos überleiten könnte, und zwar so: „Solch harmonisches Eheleben mit einem Hausdrachen ohne jedes Verständnis für die Bedürfnisse eines Mannes in den besten Jahren hielt Tankstellenbesitzer Ludwig Moser nicht aus. Kurz entschlossen nahm er Urlaub vom Geschäft und von seiner Angetrauten und zog sich in seinen oberbayerischen Heimatort zurück, wo ihn seine alten Freunde und Zechkumpane mit Jubel begrüßten.“

Und schon befinden wir uns in Film Nummer fünf, der da wäre: „Geilermanns Töchter – Wenn Mädchen mündig werden“ (1973). Moosholzer als Ludwig Moser sitzt dort also mit besagten Zechkumpanen in einem Gasthof, wo ihnen gerade die fesche Bedienung Rosa mehrere Bierhumpen an den Tisch bringt. Beim Verteilen muss sie sich so tief nach vorn beugen, dass ihr fast die Brüste aus dem Oberteil purzeln. Gleichzeitig grabscht Schwerenöter Ludwig ihr unter das Kleid – ein Griff ohne Folgen, denn sie hält seinen Nebenmann für den Übeltäter und haut dem dafür eine runter.

Damit nicht genug, dass Brummer hier die Filme wechselt wie andere ihre Unterhosen, wirbelt er hier bekanntlich auch noch die Chronologie seiner Filme nach Belieben durcheinander. Jetzt wird es besonders kurios, denn wir springen nun von der eben gesehenen Eingangsszene aus „Geilermanns Töchter“ übergangslos in die Schlussszene, in der Ludwig abermals mit seinen Kumpels in demselben Lokal mit derselben Bedienung herumsitzt. Fast könnte man diesen Zeitsprung übersehen und alles noch für ein und dieselbe Szene halten, hätte sich nicht die Sitzreihenfolge der Freunde geändert und würde der Sitznachbar links von Ludwig nicht gleich darauf Rosa nach noch einem Bier fragen, wo er doch gerade erst zehn Sekunden zuvor eins erhalten hat. Ich sage es ungern: Neben Verachtung für dieses Drehbuch voller ekelerregender Schmierlappen-Typen mit permanentem Hang zum Sexismus schwingt bei mir mittlerweile fast schon eine gewisse Bewunderung für Brummer mit, mit welchen unkonventionellen Mitteln er hier versucht, trotzdem so was wie ein kohärentes Ganzes zusammenzustellen.

Da das Bierfass leer ist, bittet Rosa die Herren, ihr bei der Bedienung der Zapfanlage im Keller zu helfen. Ausgerechnet Ludwig bietet sich gewiss nicht ohne Hintergedanken an: „Klar, Roserl, ich geh’ mit runter! Lassen wir’s mal richtig spritzen!“ Kaum unten angekommen grabbelt das widerliche Arschloch Rosa auch schon an ihren eingepackten Möpsen rum. Noch will sie nicht so recht auf die handgreiflichen Flirteinlagen eingehen, aber Ludwig kennt ja die Regel in deutschen Sexfilmen aus den 70ern (und teilweise 80ern) nur zu gut: Man muss als Mann nur genügend Ausdauer haben und notfalls auch mal minutenlang an Brüsten und Ärschen von Frauen herumschrauben, dann geben sie irgendwann auf und lassen sich bereitwillig selbst vom stinkendsten Bauern-Opa durchorgeln. „Ich hab’ schon so manches Fass aufgemacht. So schnell kannst du gar nicht schauen, wie ich ihn reinkrieg’“, sagt Ludwig und bezieht sich selbstverständlich ausschließlich auf den Zapfhahn für das Bierfass. Allerdings stellt er sich dabei so ungeschickt an, dass Rosa dann doch mal ran muss, was Ludwig immerhin sinnvoll dafür nutzt, um ihr dabei den lästigen Slip herunterzureißen.

Sie (auf den Zapfhahn bezogen): Ich glaub’, er will gleich rein!
Er: Warte! Ich bin noch nicht ganz so weit.
Sie: Oh, du bist ja ein ganz Ausgekochter!

Womit auch endgültig jeglicher Widerstand aufgegeben wäre, sie endlich, endlich seinen Bedürfnissen nachkommt – das ist schließlich das Einzige, was zählt: ein zufriedener Mann – und sich auch die Brüste freilegen lässt.

Oben wird man langsam ungeduldig, weil man immer noch auf dem Trockenen sitzt und Rosa und ihr Helfer immer noch nicht zurückgekehrt sind. Einer der Gäste hat dafür nur eine Erklärung: „Also, ich meine, die haben da unten das falsche Loch erwischt!“ In bierseliger Runde kommt so ein Spruch gerade bei den alten Herren natürlich gut – so auch hier –, aber jeder andere wendet sich angewidert ab. Rosa und Ludwig lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und vergnügen sich inzwischen mit abwechselnder Rammelei und Biertrinken direkt aus dem Loch im Fass, das der von Ludwig kurzerhand aus dem Fass herausgerissene Zapfhahn hinterlassen hat.

Sie: Leck mich am Arsch!
Er (beugt sich bis zu ihrem Po): Ja, aber gern! Das kannst du gleich haben! So ein süßes Arscherl ist gleich geleckt!

Eine wunderschöne Szene, die gleichzeitig den krönenden Abschluss von „Geilermanns Töchter“ bildete – wer auch immer Geilermann war und wer die Töchter. Ein Happy-End, wie es im Buche steht: Frohnatur Ludwig hat Rosas Herz letztlich doch noch mit Hartnäckigkeit im Sturm erobert. Das musste einfach belohnt werden. Damit könnte also auch der Strang um Ludwig schon wieder beendet sein, und wir könnten uns wieder ganz Johnny und Willy widmen, aber Brummer ist noch nicht fertig mit Ludwig und zeigt uns, was die Magie der Schnitttechnik zu leisten imstande ist. Nach vollbrachtem Akt geht unser Held nämlich an der Küche des Gasthofs vorbei und erblickt darin ein attraktives blondes Frauenzimmer, das – völlig normal in Brummers Welt – ohne Unterhose den Boden wischt und ihm unbewusst verführerisch den blanken Arsch entgegenstreckt. Das ist aber nicht etwa Moosholzer in einem neuen Film, sondern immer noch „Geilermanns Töchter“ – allerdings wieder in der Zeit zurück katapultiert just in jene Szene, die eigentlich auf die Eingangsszene hätte folgen müssen, wenn sich Brummer nicht entschieden hätte, den Schluss vorzuziehen. Waggawagga.

Und der Regisseur greift zu einem weiteren Kniff und macht dank Neusynchro aus dem eigentlich deutschen attraktiven blonden Frauenzimmer eine nur brüchiges Deutsch sprechende Südeuropäerin, die in einer Tour vor sich hin flucht: „Maria immer arbeiten, waschen Geschirr, putzen Boden … Ich auch wollen tanzen und haben Liebe mit schöne Mann, aber Maria in Küche. Nichts ficki-ficki!“ Ja, nach Brummers Meinung sprechen Südeuropäerinnen so. Der Ärger und dazu noch die Hitze treiben Marias Körpertemperatur so hoch, dass sie sich auch noch des letzten Fummels entledigt. Beim Ausziehen verbrüht sie sich ihren Po an der heißen Herdplatte: „Au! Meine Arsch ist doch nicht Steak!“ Überraschend, dass sie sonst nicht in der Lage ist, die Verbformen richtig zu flektieren, aber ausgerechnet beim unregelmäßigen Verb „sein“ die richtige Form verwendet. Die Putze putzt weiter, und Ludwig, der sich im Keller doch eigentlich gerade erst entladen haben sollte, sieht dies als Einladung, ihr mit Schmackes seine Pranken in die rechte Pobacke zu bohren. Die daraus resultierende und aus seiner Sicht völlig ungerechtfertigte Backpfeife bringt den Kavalier alter Schule auf die Palme: „Erst mit dem nackten Arsch wackeln und dann nicht ranlassen wollen.“ Der vom lauten Geschrei herbeigeeilte Restaurantbesitzer steht Maria bei und wirft kurzerhand Ludwig raus. Bei dem setzt selbst jetzt noch kein Denkprozess ein: „Alles wegen dieser blöden Kuh.“ Solchen Lüstlingen schaut man doch gern bei ihren lustigen Eskapaden zu.

Ludwig bleibt nichts anderes übrig, als von dannen zu schleichen, muss sich aber nicht lange in Selbstmitleid über eine gemeine Welt voller ausländischer Putzfrauen ergehen, die sich nicht mal von schmierigen Schnurrbartträgern an den Po fassen lassen wollen, weil seine Aufmerksamkeit auf lautes Gekeuche und Gestöhne gelenkt wird. Wenn er schon nicht an Maria Hand anlegen durfte, darf er ja wohl wenigstens anderen Leuten beim Sex zuschauen. Er spannt durch das Fenster, von wo die Laute kommen. Die nun folgenden Szenen – Spanner-Ludwig draußen und Geschlechtsverkehr drinnen – stammen immer noch aus „Geilermanns Töchter“, variieren allerdings etwas, denn Ludwig schaut dort eigentlich einer Frauenorgie zu. Hier ist er Zeuge des eher lahmen Rumgerutsches eines Mannes auf einer Frau, das im Original eigentlich erst einige Minuten später (ohne Ludwig als Zuschauer) folgte.

Ein wenig exotische Würze erhält dieser sogenannte Sexualakt immerhin dadurch, dass das kopulierende Pärchen neben einem menschlichen auch tierische Beobachter hat: ein Totenkopfäffchen und – warum nur? – einen Papagei, der fortwährend plappernd das Geschehen kommentiert: „Ich möchte mal wissen, warum sie diese langweilige Akrobatik Vögeln nennen.“ Und als auch der Totenkopfaffe aufs Bett springt, um mal aus der Nähe zu gaffen: „Hau ab, du Affenarsch! Sonst vergreif’ ich mich an dir.“ Es ist wahnsinnig komisch, aber das habt ihr euch wahrscheinlich eh gedacht.

Der männliche Part hat arge Probleme, seiner Bettgefährtin die Befriedigung zuteil werden zu lassen, die sie verdient hätte.

Sie: Hopp, hopp! Zum Schlafen hab’ ich dich nicht eingeladen!
Er: Wenn ich nun aber nicht mehr kann … Ich hab’ mein Pulver schon verschossen. Schau doch selber nach, du dumme Kuh!
Papagei: Schlappschwanz! Schlappschwanz!
Sie: Alfons, willst du denn die ganze Metzgerinnung blamieren?
Er: Du bist heute die dritte Kundin, der ich meine Wurst liefere.

Tapfer versucht Metzger Alfons, seine einfühlsame Gespielin mit seinem Schlappschwanz dennoch zum Orgasmus zu bringen – ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist, weil sich nun auch der Papagei einbringt und Alfons auf den Arsch hüpft: „Langsam macht mich die Vögelei nervös. Ich glaub’, da muss ich mal mitmischen. Was haltet ihr von einem flotten Dreier?“ Der Gedanke geht nun auch der Frau etwas zu weit, und sie ermahnt ihr Haustier Hannibal, den armen Kerl, der da auf ihr liegt, in Ruhe zu lassen. Ein paar blöde Papageiensprüche später hat Ludwig genug gesehen und macht doch lieber die Fliege: „Ein Papagei aufm Arsch? Bisher hab’ ich immer weiße Mäuse gesehen, wenn ich besoffen war.“

Mit dieser Szene, die ebenso wie alle anderen Szenen bisher streng genommen nirgendwohin führte, war es das mit Ludwigs Ausflug in seinen Heimatort. Erzähler Gastell hat aber vorher noch ein paar kluge Worte zu sagen: „Nach diesem kurzen und leider nicht schmerzlosen Ausflug in seine alte Heimat kehrte Ludwig Moser reumütig in das vertraute eheliche Schlafgemach zurück, wo ihn kein Papagei, sondern sein alter Geier empfing …“

Also wieder zurück in „Obszönitäten“, allerdings nicht sofort zurück zu Ludwig, sondern zu Johnny und Willy. Willy hat sich Gedanken über das jüngste Angebot seines Kumpels gemacht und möchte ihm ins Callboy-Business als Assistent folgen – und das ist auch besser so, denn Ludwigs Laune ist heute Morgen so dermaßen im Eimer, dass er das Plauderstündchen seines Angestellten an seiner Tankstelle sehr kritisch sieht und ihn gewaltig zusammenscheißt. Ludwig trägt dabei Pflaster im Gesicht. In „Obszönitäten“ macht das Sinn, denn da hat Frau Gemahlin ihm nach seinem Fremdgang diese Verletzungen zugefügt. Da Brummer aber unbedingt noch „Geilermanns Töchter“ dazwischenschieben wollte, wo er seine primären Aktivitäten Grabbeln, Ficken und Spannen ohne Pflaster vollbrachte, hapert es an der Stelle an Kontinuität. Willy hat seinen Chef endgültig satt und würgt ihn mit einem Schlauch, noch während Wasser daraus läuft. Johnny lacht sich darüber halb tot, und ich könnte es verstehen, wenn das denn lustig wäre.

Zurück in Johnnys Bude lädt Schwanz-Professor Vogelsang (ihr erinnert euch?) den geilen Stecher telefonisch mit einem 1.000-Dollar-Köder zu einem Test ein, um seine Potenz zu überprüfen. Der Test findet in einem provisorisch eingerichteten Physiklabor statt, wo allerlei piepsende Gerätschaften und blubbernde Flüssigkeiten herumstehen. Der hibbelige Vogelsang stattet den jungen Burschen am gesamten Körper (sogar im Mund) mit diversen Kabeln aus, um ein optimalerweise positives Messergebnis bezüglich seiner erotischen Spannung zu erhalten. Dafür braucht es aber ein Hilfsmittel, und das soll eine „Fräulein Schrunz“ sein, die er idealerweise kreuz und quer durchs Labor rammeln soll. Johnny, ganz Chauvi, ist jedoch wenig begeistert von der jungen Frau und muss sich bei ihrem Anblick die Hand vors Gesicht schlagen, weil der Filmemacher hier auf das bewährte Mittel zurückgreift, das auch etliche RomCom-Regisseure aus Hollywood bis in dieses Jahrhundert anwenden: Lass eine an sich attraktive Schauspielerin einen miesepetrigen Gesichtsausdruck machen, zerzaus ihr die Haare und setz ihr eine Brille auf, schon hast du ein hässliches Entlein.

Wie soll Johnny bei so einem schäbigen Aussehen auch seinen Lümmel hoch kriegen? Es will einfach nicht klappen, obwohl der Professor beteuert, seine Partnerin vorab genitaldesinfiziert zu haben. Auch andere Vorkehrungen wie das Einpegeln des Schamlippenspreizers und Gleitgel-Emulgators wollen an diesem traurigen Zustand nichts ändern. Dies wiederum ruft Herrn und Frau von Bring auf den Plan, die sich das jämmerliche Schauspiel durch eine Plexiglasscheibe von außen betrachtet haben und wissen wollen, woran es beim potenziellen Geschlechtsteilspender hapert. Na, an der falschen Frau! Das bringt Frau von Bring auf die Idee, sich selbstlos als Ersatz anzubieten. Das passt insofern gut, als Johnny den Blicken nach zu urteilen sich an ihr auch wesentlich stärker aufgeilen kann. Nur Herrn von Bring gefällt der Vorschlag so gar nicht, aber ein wenig Augenaufschlag hier und etwas Geschmuse da lassen ihn, wenn auch widerwillig, zustimmen. Er tut gut daran, denn seine Gattin und Johnny sind eindeutig kompatibel, und Johnnys kontinuierlich steigende Spannung versetzt auch den ohnehin schon eifrig umherhüpfenden Professor in derart jauchzende Hochstimmung, dass er sogar mit einem anatomischen Skelett in der Hand Freudentänze aufführt und die großartigen Werte begeistert kommentiert: „Der Schwellkörper-Eskalator läuft auf Touren, der Hodendruck steigt, eine enorme Klitorial-Irritation … ein kapitaler Zwölfständer!“ Auch die so lange vernachlässigte Ehefrau des impotenten Fettsacks ist hocherfreut über den wie ein junger Gott poppenden Jüngling.

Sie: Ich habe ganz vergessen, wie schön das ist!
Er: Wie schön wär’ das erst, wenn ich nicht diese verdammten Drähte am Sack hätte!

Nur Herr von Bring hält es nicht aus, wie Johnny seine Frau von einem Hochgefühl zum nächsten treibt, und schreitet ein, seine Frau regelrecht anflehend: „Ihr sollt aufhören, Muschilein … Muschilein, bitte hör auf, bevor mir das Herz bricht!“ Vogelsang mahnt an, die körperliche Sitzung nicht zu unterbrechen, doch einen Schnitt später ist das Liebesspiel dann doch vorbei, und der Professor kann die Testresultate verkünden. Herr von Bring schaut noch sehr leidend drein, was aber auch daran liegen mag, dass Frau von Bring und Johnny händchenhaltend nebeneinander sitzen und sich anhimmeln (also sie vor allem ihn). Nach Vogelsangs Ausführungen sei der Orgasmus so stark gewesen, dass er ihn gar nicht als steil ansteigende Kurve auf der Tafel hinter sich darstellen könne. „Daraus folgert, dass eine Transplantation für alle Beteiligten das höchste Glück bedeuten würde, zumal der Arme reich und der Reiche noch reicher werden würde“, stellt er fest. Ich weiß trotzdem nicht, ob für mich Reichtum das höchste Glück wäre, wenn ich meinen Schniedel nicht mehr hätte.

Weil Johnny bekanntlich anderweitig beschäftigt ist (oder zumindest war), ist Willy als der neue Assistent umso mehr gefordert, wie auch der Erzähler zu berichten weiß: „Während Johnny der Wissenschaft seinen Tribut zollt, schwappt die Woge der nach Liebe lechzenden Kundinnen geradezu über. Sein Assistent Willy Brösecke erhält nun die Feuertaufe. Durch seine einschlägigen Erfahrungen mit der Damenkapelle war Willy bestens darauf vorbereitet, mehrere Klientinnen gleichzeitig zu bedienen, und die 17 Schönen, die er an diesem Vormittag bereits beglückt hatte, waren beschwingt und befriedigt aus seinen Armen entschwebt.“ Kein Mensch kann solche Sätze so poetisch aussprechen wie Gastell.

Mit den 17 Schönen ist es für den völlig erschöpften Willy zu seinem Leidwesen aber noch nicht getan: Eher resignierend als glücklich blickt er nach seiner letzten Kundin einem geschätzten Dutzend weiterer Frauen im Nebenzimmer entgegen, die sich freundlicherweise fast alle schon nackt gemacht haben. „Die Nächste bitte“, pustet er resignierend durch, und als die Nächste sieht sich jede einzelne anwesende Dame an, woraufhin ein lautstarker Krach unter den Furien entbrennt. Willy versteht das alles nicht: „Wollt ihr streiten oder vögeln?“, womit er es nur noch schlimmer macht, rabiat zu Boden gerissen wird und er Opfer einer Vergewaltigung werden könnte, käme nicht Johnny gerade rechtzeitig, der sich über den Lärm wundert. Das hätte er mal nicht machen sollen, denn schon stürzen sich alle weiblichen Anwesenden auf ihn. Im Gegensatz zu Willy kann er sie aber mit einem einfach „Ich will ausschlafen!“ abwimmeln, sodass die Frauen sich dann doch Trostpflaster Willy widmen müssen, der zunehmend panischer wird: „Pfoten weg von meinen Genitalien, ihr geilen Mösenmonster!“

Zum Glück haben wir unseren Erzähler, schließlich wüssten wir sonst nicht mehr weiter: „Johnny hatte inzwischen in der Nachbarwohnung bei Monika Zuflucht gefunden. Die war über den unverhofften Besuch äußerst erfreut, zumal sie sich gerade in diesem Augenblick nichts sehnlicher wünschte, als mit ihm ihr einsames Bett zu teilen.“ Nur irgendwie passt der erste Satz nicht so ganz zu dem, was wir sehen. Wir sehen nämlich Monika, die zur Selbstbefriedigung schreitet, eben weil Johnny nicht da ist. „Komm doch endlich! Lass mich nicht so lange warten! Ich bin so geil!“, denkt sie – und wie aufs Stichwort erscheint Johnny dann doch noch, der Monika obendrein gesteht, Gefühle für sie entwickelt zu haben (zwei Stunden also, nachdem er sich mit Frau von Bring vergnügte). Sein Verliebtsein allerdings setzt offenbar seine Fähigkeit außer Kraft, wie ein Weltmeister zu vögeln. „Es geht nicht! Es geht nicht!“, schimpft er verzweifelt. Schließlich ist nichts schlimmer, als eine Niete im Bett zu sein. Monika findet das nicht schlimm, aber Johnny ist untröstlich und aufgebracht.

Deshalb sucht er Hilfe bei unserem freundlich-durchgeknallten Professor Vogelsang. „Ein Penis ist kein Rekrut, der auf Befehl stramm steht“, bringt der genau einen der Sprüche, für die Johnny bestimmt gekommen ist. Aber er gibt ihm auch den Rat, auf anständige Weise sein Geld zu verdienen, und wenn das nicht klappen sollte, hätte er ja immer noch die Möglichkeit, seinen Schwanz für den guten Zweck und jeder Menge Geld, genau genommen: 100.000 Dollar, zu spenden. Dafür könnte er auch einen akzeptablen neuen bekommen. „Gar nicht so übel“, befindet Johnny und beweist einmal mehr, dass er über weite Strecken dieses Films ein Hecht im Bett gewesen sein mag, aber ganz bestimmt nicht wegen seiner Intelligenz. Nehmen wir an, er spendet seinen Penis für 100.000 Dollar. Würde er sich dann einen neuen für 100.000 Dollar bei Vogelsang zurückkaufen? Das nennt man Nullsummenspiel, du Spatzenhirn!

Nach dieser doch ziemlich langen Szenenfolge aus „Obszönitäten“ wird es mal wieder Zeit, einem anderen Film Besuch abzustatten. Da das jetzt leider „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ ist, kann das nur bedeuten, dass wir wieder etwas mit Willy spielen dürfen. Der befindet sich inmitten einer großen Menschentraube in Oktoberfest-Tracht und schaut mit funkelnden Augen einer diesmal männlichen und zum Glück angezogenen vorbeimarschierenden Musikkapelle zu und entdeckt auf der gegenüberliegenden Seite Johnnys Monika. Da hat er aber echt Glück, dass die Schauspielerin auch in diesem Film mitspielt. Sie werfen sich gegenseitig Handküsse zu. Eine Szene weiter dirigiert Willy in einem Bierzelt eine – der arme Kerl – erneut männliche Blaskapelle. Und noch eine Szene weiter küssen er und Monika sich. Äh, was? Habe ich da was verpasst? Der Kuss macht Willy mutig genug, um ihre eine Überraschung zu präsentieren.

Es ist natürlich völlig klar, dass ein Mensch wie Willy, der so sehr auf heißes Frauenfleisch fixiert ist und sie sogar nackt in Tuben und Trompeten blasen lässt, nicht auf Dauer glücklich werden kann, wenn er Männerkapellen dirigiert und ständig hart (HART, höhö) schuftender Lückenbüßer im Callboy-Gewerbe sein muss. Deshalb führt er Monika in eine Pferdemanege und präsentiert ihr – nackte Frauen, die im Kreis auf Pferden reiten. Dolles Ding, da kann Monika ja nur begeistert Beifall klatschen. Nun ja, das vielleicht nicht, aber er landet damit sofort bei ihr, und sie nimmt die Einladung an, es den anderen Frauen gleichzutun und sich selbst nackt auf einen Gaul zu schwingen. Auch Willy macht mit.

Da mischt sich der Erzähler ein: „Schlitzohrig, wie Willy nun mal war, hatte er nach dem Fiasko als Johnnys Stellvertreter nach einer neuen Existenz Umschau gehalten und versuchte sich als Impresario einer Reitertruppe, die er die Nahkampfschwadronen nennen wollte. Die einen leben davon, Mädchen laufen zu lassen, andere lassen Pferde laufen, um ihr Glück zu machen. Willy versprach sich das große Geld davon, dass er beides miteinander kombinierte, oder, um mit seinen Worten zu sprechen: doppelt jemoppelt hält besser.“ Diesmal bin ich Gastell echt dankbar. Sonst hätte ich nie erfahren, dass das sogar eine Geschäftsidee von Willy sein sollte. „Wenn die einschlägt, hast du ausgesorgt“, freut Monika sich für ihn – und nach dieser völlig sinnfreien Episode (gut, welche Episode war denn hier nicht völlig sinnfrei?) heißt es auch schon wieder: Arrivederci, „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ …

… und servus, „Obszönitäten“! Ach, und servus, Erzähler! „War es nun der Rat von Professor Vogelsang oder Monikas Einfluss? Johnny hatte es tatsächlich mal mit Arbeit versucht und war Ausfahrer bei einer Wäscherei geworden.“ Mit dieser Arbeit scheint sich Johnny nun auch nicht unbedingt seinen Traumjob erfüllt zu haben, denn er pampt bei einer dieser Ausfahrten seine ihn begleitende Monika an, die dann offenbar doch keine Beziehung mit Ossi Willy eingegangen ist. „Ich bin ruiniert! Meine ganze Existenz, die ich mir mühsam aufgebaut habe, ist hin! Ach los, steig aus!“, meckert er. Eigentlich sollte sie froh sein, wenn sie diesen Oberarsch endlich los ist, und das ist sie offenkundig auch, denn sie steigt aus und schimpft ihm hinterher. Fehlt eigentlich nur der Stinkefinger.

Muss Johnny halt allein die Wäsche austragen. Eine junge Frau, der man die Sehnsucht nach einer zünftigen Bumserei schon dadurch ansieht, dass sie ihn mit offenem Oberteil empfängt, öffnet die Tür und drückt ihm großzügige 100 DM in die Hand. Dafür erwartet sie aber von ihm auch eine angemessene Gegenleistung: Er möge ihr bitte ein Loch stopfen – und zwar das Loch in der Couch, auf der sie gerade breitbeinig sitzt. Sie zerrt an ihm, und Johnny geht in die Hocke. In Erwartung einer oralen Massage im Schambereich lehnt sie bereits ihren Kopf zurück. Johnny jedoch hat keinen Bock, sich auf diese Weise zu prostituieren (wenn schon, dann will er das Sagen haben), gibt ihr das Geld zurück und haut ab. Wie tief (TIEF, höhö) ist er gefallen? Vielleicht war es aber auch lediglich die sexuelle Versagensangst.

Wo wir schon beim Versagen sind: Dieser Film hat ja noch einen weiteren Versager. Damit meine ich Herrn von Bring, der auf allen Vieren seiner durch Johnnys Schwanz wieder erblühten Frau hinterherkrabbelt, um irgendwelche Spielchen mit ihr zu spielen, von denen ich ehrlich gesagt nichts wissen will. „Warte, Muschilein!“, ruft er. Frau von Bring bleibt stehen und gibt ihrem Mann die Chance, sie zwischen ihren Beinen zu liebkosen. Ich sagte doch: Ich will davon nichts wissen! Zu unserem Glück steht sie mit dem Rücken zu uns, und zu unserem noch größeren Glück verhindert Professor Vogelsang Expliziteres, indem er aufgeregt zu Besuch kommt. Er hat keine guten Nachrichten: „Hören Sie zu! Johnny kann nicht mehr!“ Das Ehepaar fällt vom Glauben ab, hat es doch fest damit gerechnet, schon sehr bald einen potenten Pferdeschwanz in der Familie willkommen heißen zu dürfen. „Das ist ja furchtbar! Das ist ja eine Katastrophe!“, kann Herr von Bring da nur noch schreien.

Als Nächstes tummelt sich eine Schar heißer Bräute – kurzum: Fickfleisch – vor Johnnys Wohnungstür, um es sich nacheinander oder gleichzeitig von dem einzig wahren Super-Lover Johnny besorgen zu lassen. Die hinzukommende Monika wundert sich über den weiblichen Auflauf und macht ihnen triumphierend – und meinen Segen hat sie – einen Strich durch die Rechnung: „Sie brauchen gar nicht auf ihn zu warten, meine Damen! Der Herr ist impotent geworden. Der kann nicht mehr.“ Entsetzen bricht unter den Zuhörerinnen aus. „So einer wie Johnny, der kann gar nicht impotent werden, das ist eine Lüge“, sagt eine. Auch telefonisch ist der Kerl aber nicht zu erreichen, wie eine äußerst amüsante (aMÖSante, höhö) Szenenfolge zeigt, in der nacheinander drei Frauen an seiner Abwesenheit verzweifeln. „Wo steckt er nur, mein Muschitröster?“, schluchzt eine von ihnen in den Hörer.

Wo er letztlich abgeblieben ist, weiß auch kein Mensch. Was er nun vorhat, verrät uns aber wenigstens der Erzähler: „Johnny hatte sich allen verlockenden Angeboten fluchtartig entzogen. Das Wichtigste für ihn war jetzt, mit Monika ins Reine zu kommen. Deshalb war er kurz entschlossen mit ihr aufs Land gefahren. Im Gasthof ‚Zum Goldenen Ochsen‘ hatte er ein Zimmer bestellt.“ Den Namen des Gasthofs nennt Gastell so selbstverständlich, als müssten da beim Zuschauer sämtliche Glocken klingeln. Tun sie aber nicht. Keine einzige. Wie dem auch sei: Der Besuch hält einiges an Konfliktpotenzial bereit: „Allerdings wäre er sicherlich weiter gefahren, hätte er geahnt, dass ausgerechnet im gleichen Ort der reumütig zu seiner Damenkapelle zurückgekehrte Willy Quartier bezogen hatte.“ Okay, Willy also auch. Warum sollte Johnny damit ein Problem haben, wo Willy ein guter Kumpel von ihm ist? Was hat sich in der Zwischenzeit geändert? Nun gut, er hat sich mal mit Monika getroffen und sie geküsst, aber die ist ja nun mit Johnny unterwegs. Ich verstehe es nicht. Aber ich verstehe seit über einer Stunde eh nicht, was Brummer mir hier erzählen will.

Schwamm drüber. Wir sind also wie gesagt über eine Stunde im Film. 63 von 75 Minuten, genau gesagt. Und in dieser 63. Minute kommt nun auch Franz Muxeneder ins Spiel, den uns der Vorspann als zweiten Hauptdarsteller versprochen hatte. Er spielt – wie gefühlt immer – einen einfältigen Bauern, und was besonders auffällt, ist die deutlich verschlechterte Bildqualität von der einen auf die andere Sekunde. Erklärungsversuch: Brummer konnte nur noch eine abgenudelte Filmrolle von „Dr. Fummel und seine Gespielinnen“ (1970) auftreiben, dem mittlerweile sechsten Film, der in unserem heutigen Objekt Verwendung findet. Muxeneder unterhält sich hier in tiefstem Bayerisch mit Vroni, seiner Magd (oder in welchem Verhältnis auch immer die zueinander stehen), und lässt sich über die „Musikschnepfen aus der Stadt“ aus, die das schöne Dorf gehörig durcheinanderwirbeln. „Die eine hat’s auf mich abgesehen“, behauptet er, worüber seine Gesprächspartnerin nur lachen kann.

Sie: Du oider Depp, bild dir bloß nichts ein, dass die noch was von dir wollen. Du musst doch froh sein, wenn du es noch zum Pieseln aus der Hose rausbringst.
Er: Du bist ja nur neidisch.
Sie: Leck mich am Arsch … Bei mir kommst nicht mehr dran, du Casanova … Wie er dasteht. Wie der Gockel auf dem Misthaufen … Von mir aus kannst du ihn in einen Misthaufen dreinstecken. Ich lass’ dich nicht mehr drüber, du Dorfstier!
Er: Leck mich am Arsch!

Pures Dialog-Gold, wie ich immer wieder feststelle.

Laut Erzähler soll sich ja aber auch Willy hier irgendwo im Dorf herumtreiben, was zwar nicht stimmt, aber suggeriert werden soll. Darum spielt Brummer eine kaum halbminütige Szene aus „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ ein, in der Willy von seiner weiblichen (und natürlich nackten) Blaskapelle sowohl gefüttert als auch pedikürt wird – „damit du deinen Taktstock wieder hoch kriegst.“ Eine der Frauen liest laut aus der Tageszeitung vor, die von ihrem letzten musikalischen Auftritt berichtet. Davon haben wir nichts gesehen, weil dafür kein Filmmaterial vorlag. „Passt mal auf! Ich sag’ euch: Bei die ihre Kühe wird noch die Milch im Euter sauer“, sagt Willy dazu nur, und ich weiß nicht, warum er das sagt. Aber vielleicht soll das auch nur elegante Übergang sein in …

… eine weitere Szene aus „Dr. Fummel und seine Gespielinnen“, wo Vroni gerade Kuheuter knetet und Milch in einen Eimer spritzen lässt. Bauer Muxeneder fragt sie, ob sie ihn heute Abend zum Tanzen in den „Goldenen Ochsen“ begleiten möchte. Sie tauscht daraufhin mit ihm einen Dialog aus, für den ich mir aufgrund meiner im bayerischen Dialekt ungeschulten Ohren in fast jedem anderen Film Untertitel gewünscht hätte, aber hier nicht, denn ich verstehe einzelne Worte wie „Jungfernstich“, und das reicht mir ehrlich gesagt. Jedenfalls endet er damit, dass der eben noch im Misthaufen stehende Bauer sich hinter Vroni stellt und ihr in den Ausschnitt greift. Sie lehnt das für den Moment ab, solange Arbeit ansteht, aber heute Nacht könne er sie ja mal besuchen kommen und ordentlich durchziehen. Der Bauer ist ganz begeistert vom bei der Kuh gezeigten Fingerspitzengefühl seiner Angestellten.

Er: Die reinste Freude, dir zuzuschauen. Wie das spritzt und schaumt!
Sie: Das ist ja auch nicht schwer. Das ist ja eine junge Kuh. – Oh nee, das ist ein alter Ochse wie du! (lacht)

Ich denke, wenn wir im Folgenden Männer und Frauen in ihren Trachten auf einer mit Planen in den Farben der bayerischen Landesfarben geschmückten Holzbühne einen Volkstanz aufführen sehen, bedeutet das wohl, dass wir uns im Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“ befinden. Johnny und Willy sind weit und breit nicht da. Kein Wunder, ist ja auch ein Film, in dem sie gar nicht mitspielen. Aber Moosholzer und Muxenender spielen darin mit. Obwohl – da Moosholzer in „Dr. Fummel und seine Gespielinnen“ nicht seine Nase vor die Kamera gehalten hat, kann das ja nur bedeuten, dass wir schon wieder in einem anderen Film sind. Grüß Gott im siebten Film, dem „Jagdrevier der scharfen Gemsen“ (1975) – oder auch „Oh Schreck mei Hos’ is weg“ aka „Mei Hos ist in Heidelberg geblieben“, unter welchen Titeln Experten ihn auch kennen könnten.

Moosholzer mag in „Zwei Kumpel in Tirol“ die Rolle des Ludwig Moser übernehmen (eigentlich zwei, wenn wir den Restaurant-Chef mitzählen), in Wirklichkeit ist es aber die dritte unterschiedliche Rolle (eigentlich die vierte, wenn wir den Restaurant-Chef mitzählen), die er hier verkörpert. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass er auch nur einmal einen anderen Charaktertypen spielen würde. In all diesen Filmen ist er der Lüstling und mitunter sogar Frauenheld, der wahrscheinlich selbst nicht weiß, warum er so einen Schlag hat. In dieser Szene unterhält er sich mit einer vorher nie gesehenen Frau, die er in der Vergangenheit schon mal über den Docht gezogen hat. Diese vorher nie gesehene Frau bittet ihn, sich bloß nicht von ihrem ebenfalls anwesenden und vorher nie gesehenen Gatten erwischen zu lassen. Das gäbe nämlich Stunk, weil er Ludwigs Unterhosen unterm Bett gefunden hätte. Auch Bauer Muxeneder, in diesem Film augenscheinlich eher Gastwirt, ist weniger erfreut über den Besuch des Allesfickers: „Wenn ich dich noch einmal mit der Vroni erwisch’, schneide ich dir deinen Zipfel ab.“ Sollte er Interesse an Frischfleisch haben, soll er es sich lieber am Sonntag holen. Da findet nämlich die Premiere der Damenkapelle statt – und noch wichtiger: „Es wird oben ohne geblasen.“

Einen Moment später stellt sich Ludwig dann in einem Anfall geistiger Umnachtung (aber bei dem ist ja eh dauerhaft Nacht) direkt ins Sichtfeld des Mannes, vor dem er sich laut seiner Gesprächspartnerin eben hätte hüten sollen. Entsprechend flippt der von Edgar Wenzel gespielte Gendarm auch gleich aus: „Da ist er ja, der Dreckshammel, der meine Alte vögelt!“ Gäbe es eine Kategorie Over-Over-Over-Over-Over-Acting, stünde Wenzel dort auf Platz eins. Der scheinheilige Ludwig verlangt Beweise und provoziert damit eine Schlägerei, an der er selbst am wenigsten teilnimmt, weil er sich an einen von der Decke baumelnden geschmückten Kranz hängen kann, während um ihn herum das Chaos ausbricht. Jeder gegen jeden, Prügel auf Prügel – abgesehen von einem jungen Pärchen, das sich in all dem Trubel zum gemeinschaftlichen Knattern unter einen Tisch verzieht. „Sollen die sich die Köpfe einschlagen. Ich vögel’ lieber!“, meint der männliche Teil. Schließlich springt Ludwig beherzt in die aufgestellte Plane und taumelt von der Bühne. Was das alles mit Willy und vor allem Johnny, der sich ja mit seiner Freundin versöhnen wollte, zu tun hat? Ich schätze, das weiß nicht mal Brummer.

Und da Brummer eh nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, links und rechts, Norden und Süden, Osten und Westen, und erst recht nicht, wo er mit der Geschichte noch hin soll, kann er sechs Minuten vor dem Ende auch genauso gut gleich noch einen weiteren Nebenkriegsschauplatz aufmachen. Die einzige Verbindung zum bisherigen Geschehen ist Schauspieler Wolfgang Scherer, der vorhin in „Geilermanns Töchter“ Metzger Alfons mimte. Klingelt’s? Nein? Die Szene mit dem Papagei? Jetzt doch bestimmt. Ein endlos faszinierender Charakter, der noch weiter durchleuchtet gehört, oder? Dies ist aber nun mitnichten „Geilermanns Töchter“, sondern „Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen II. Teil“ (1972), der achte und somit schließlich und endlich letzte verwurstete Film in „Zwei Kumpel in Tirol“. Der Originaltitel lautet noch weniger griffig: „Höllisch heiße Mädchen: Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen II“. Und im englischen Sprachraum kann man den unter folgendem Titel kennen: „Dangerous Sex of Precocious Girls 2: Infernal Girl Is Named“.

Alfons fährt mit seinem Wagen vor und wird gleich von einer aufgeregten Mädchengruppe begrüßt. Er steigt aus und fragt: „Seid ihr mal wieder in der Gegend zum Blasen?“ Vermutlich geht Brummer völlig zu Recht davon aus, dass wir nicht wissen, wie die Frauen der eigentlichen Blaskapelle aus „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ aussehen, weil wir eh nur auf ihre Titten gestiert haben, und tut jetzt so, das wäre sie. Oder es ist halt eine andere Blaskapelle. Wer weiß? Und ist es nicht egal? Alfons geht zum Kofferraum, um den jungen Frauen seine neue Wurstware zu präsentieren. Besonders stolz ist er auf seine große Salami: „Da, schaut her! Das wäre die richtige Größe für euch, hä?“ Doch als sie danach greifen, verbittet er sich derartige Annäherungsversuche: „Finger weg! Sonst wird sie ja noch härter.“ Pfeifend geht er mit einem Salamikorb ins Haus, um die Ware beim richtigen Adressaten abzuliefern. Für zwei Mädchen ist diese Abfuhr Anlass genug, eingeschnappt zu sein und ihm das heimzuzahlen. Tuschel, tuschel.

Im Anwesen selbst beschwert sich eine Köchin bei ihrer (natürlich ausländischen) Gehilfin über die Sonderwünsche der Frauen, die dieses Haus gerade beherbergt. Zum Glück erscheint da Sonnenschein Alfons in der Küche, der seinen ganzen Stolz, die große Salami, aus seiner Hose kramt und der Köchin damit auf den Po haut. Und zack – kriegt er die verdiente Schelle. Sie fordert ihn auf, die Wurst in den Kühlraum zu bringen und begleitet ihn dabei. Die Küchengehilfin weiß natürlich sofort, was in einem deutschen Sexfilm aus den 70ern nur folgen kann, und sagt zu sich: „Ich Griechenland, ich aber schon wissen Bescheid. Herr Alfons jetzt so machen: tricki-tracki.“ Beim „tricki-tracki“ schiebt sie eine Spülbürste in einen schmalen Behälter wiederholt rein und raus. Eine Symbolik, die mich vom Hocker haut.

Die beiden eben vom Metzger so enttäuschten Mädchen haben sich vor dem Kühlraum versteckt und warten für ihren Streich auf die Ankunft der Köchin und von Alfons. Da kommen sie auch schon. Die Köchin hat eine wichtige Frage auf dem Herzen.

Sie: Stimmt das, dass ihr Metzgerburschen die Eier vom Stier fresst?
Er: Ja klar! Deshalb steht er uns ja Tag und Nacht.

Sie gehen in den Kühlraum – und genau das sah der hervorragend ausgetüftelte Plan der Mädchen auch vor. Schon wird die Tür zugeknallt, und Köchin und Alfons kommen nicht mehr raus. Davon ahnen die beiden Opfer zunächst nichts. Dafür ist Alfons nämlich viel zu sehr damit beschäftigt, der Köchin den Po zu kneten. Die will noch nicht so recht und möchte zurück in die Küche. Alfons versucht das zu verhindern, indem er ihr von hinten an die Titten langt. Noch einmal kann sie sich losreißen, aber nur so lange, bis sie feststellt, dass sie eingesperrt sind.

Sie: Mir ist so kalt, Alfons. Wir werden hier drin erfrieren.
Er: Da gibt’s nur eins. Da müssen wir uns halt warm machen. Trimm dich fit, bums mal wieder.

Dieses Fitnessprogramm möchte der Metzger dann auch endlich in die Tat umsetzen. Auch er kennt das Erfolgsrezept: Man muss nur lange genug am Körper der Begehrten fummeln, dann will sie irgendwann auch. Und so sei es. Er bittet sie, sich vorzubeugen („Ich werde nämlich selber schon ganz steif“), hebt ihr das Kleid hoch („erst noch das Rollo hochziehen“), zieht ihr den Slip runter („und jetzt den Eingang freilegen“) – und dann kann er endlich loslegen („jetzt auffe damit, und auf geht’s!“). Dabei denkt er schon an den Ruhm und die Ehre, die ihm zuteil werden wird: „Jetzt werd’ ich der Erste, der sich die Rettungsmedaille ervögelt.“ Somit hat auch der Metzger noch nach der frustrierenden Bettnummer von vorhin sein persönliches Glück gefunden.

So. Wäre auch das abgehakt. Damit schlagen wir den Bogen zurück zum Anfang in die Berge und verbringen noch ein paar Minuten in „Unterm Dirndl wird gejodelt“, wo die ganze Posse ja begonnen hat. Das bedeutet auch weiterhin: Die zwei Kumpel in Tirol, sprich: Johnny und Willy (falls sie es denn wirklich gewesen sind), bleiben abgemeldet. Ein alter Mann, wohl so eine Art Dorfschreier, läuft mit einer Klingel in der Hand herum, um den Einwohnern Neuigkeiten zu verkünden: „Bekanntmachung! Bekanntmachung! Heute Abend gibt im Goldenen Ochsen die Damenkapelle ‚Sweet Pussies‘ ein Sonderkonzert. Die Damen blasen oben ohne.“ Das verlockende Angebot wird noch verlockender, als er betont, dass der Eintritt für alle Dorfbewohner frei sei. Nacheinander lassen alle männlichen Wesen ihre Arbeit oder – das vermute ich eher – ihre Nicht-Arbeit ruhen und machen sich sofort auf den Weg. Wieso eigentlich sofort? Wenn der Dorfschreier „heute Abend“ sagt, können sie ja wenigstens noch in Ruhe kacken. Aber selbst das tut hier einer der Bauern nicht und rennt mit im Arsch festklebendem Toilettenpapier aus dem Klo.

Ein Liebespaar vergnügt sich zunächst noch in einem Stall auf jeder Menge Stroh.

Sie: Oh, ich glaube, der Orgasmus kommt.
Er: Ist mir doch scheißegal, wer kommt. Komm, mach weiter!

Dann aber dringt die Nachricht auch an seine Ohren, und er springt wie von der Tarantel gestochen auf, um sich das Oben-ohne-Blasorchester bloß nicht durch die Lappen gehen zu lassen. Das kann die Frau aber gar nicht verstehen, aber ihr gewünschter Sexualpartner beschwichtigt: „Bleib liegen! Wir machen nachher weiter!“

Tja, und da die verbliebenen Sekunden nun wirklich nicht mehr ausreichen (und da es das Filmmaterial des Originalfilms „Obszönitäten“ auch einfach nicht hergibt), um uns daran teilhaben zu lassen, was denn nun aus Johnny, seiner Freundin und seinem Penis geworden ist, können wir den Film ja eigentlich auch gleich ganz beenden – und wie könnte man das besser als mit der Schlussszene aus „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“, wo eine nackte Damengruppe, angeführt vom ebenfalls nackten Willy, im Gleichschritt über eine Wiese marschiert, während alle in ihre Blasinstrumente blasen und Volksmusik von der Tonspur dringt? Ein letztes Mal mischt sich auch noch der Erzähler ein, und ich hätte mich fast nicht mehr eingekriegt, als er ansetzt: „Und so schließt sich der Kreis.“ Der Kreis? Welcher verdammte Kreis denn?! Wo hatte die Story einen Kreis? Wo? Wo?! WO???!!! Alle Stränge, die offen bleiben konnten, bleiben offen (bis auf der von Willy). Leute kamen und gingen, ganz beliebig, ohne Sinn, ohne Verstand, und nichts ist irgendwie aufgelöst. Brummer, willst du mich verarschen?

Davon gänzlich unbeeindruckt verabschiedet uns auch der Erzähler mit ein paar versöhnlichen Worten in das fett eingeblendete ENDE: „Willy ist glücklich mit seinem vertrauten Klangkörper wiedervereint und macht unter dem weißblauen Himmel die Generalprobe für seine ganz große Show.“

Holaaaredihiii – gepriesen sei Alois Brummer! Der Mann, der die Sex-Klamotte federführend nach Deutschland brachte, hat mit seinem vorletzten selbst gedrehten Film „Zwei Kumpel in Tirol“ – sein letzter sollte 1981 „Kursaison im Dirndlhöschen“ werden – quasi sein vorzeitiges Vermächtnis abgeliefert und führt seine Zuschauer wie ein Museumsführer durch sein persönliches Werk. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er wahrscheinlich am liebsten sein gesamtes Schaffen vor uns ausgebreitet und jeden seiner Filme irgendwie in der Handlung untergebracht, aber das wäre dann ja noch komplizierter geworden als eh schon, und so beschränkte er sich letztendlich auf acht – und das sind ja schließlich mehr als genug.

Das Bemerkenswerteste an diesem Film ist, dass es von einigen Ausnahmen abgesehen eigentlich nicht einmal richtig auffällt, aus wie vielen verschiedenen Puzzleteilen er überhaupt besteht. Schaut man sich ein paar beliebige Sex-Streifen aus den 70er-Jahren an, so ist dort die Episodenhaftigkeit eines der hervorstechendsten Merkmale. Fast nichts interessierte weniger als die Handlung, in die die Nackedei-Nummernrevuen eingebettet waren. Deshalb wurde nicht selten der rote Faden, wenn es denn überhaupt so etwas gab (siehe die ganzen „Report“-Filme, die sich ja ohnehin nur von Episode zu Episode hangelten und maximal durch eine Rahmenhandlung miteinander verbunden waren), aus den Augen verloren, weil es doch viel wichtiger war, Frauen aus absurden Gründen aus ihren Gewändern fahren zu lassen, damit wir sie in ihren Evakostümen begutachten können. Mehr wollte das Publikum gar nicht – oder will mir allen Ernstes jemand erzählen, die Leute wären bei einem Film namens „Beim Jodeln juckt die Lederhose“ in die Kinos geströmt, um so etwas wie eine Geschichte zu sehen?

Insofern fällt „Zwei Kumpel in Tirol“ noch nicht mal großartig aus dem Rahmen, wenn er die Handlungsstränge nicht auflöst – wobei es ehrlich gesagt schon sehr frech ist, bis auf den von Willy so absolut gar keinen aufzulösen, besonders aber natürlich den um Johnny und seine Freundin. Da lässt Brummer Norbert Gastell noch extra erzählen, Johnny hätte gemeinsam mit Monika ein Zimmer in einem Gasthof gebucht, um sich dort mit ihr auszusöhnen, und dann verschwinden beide einfach auf Nimmerwiedersehen aus der Handlung, genauso wie der irre Professor Vogelsang und das Ehepaar mit dem impotenten Herrn von Bring, obwohl sich der Film nach der ins Nichts führenden Einleitung mehr oder weniger auf die Figuren zu fokussieren scheint.

Aber gut, das hat natürlich alles den einfachen Grund, dass man das Ende des hauptsächlich verwendeten „Obszönitäten“ einfach nicht sinnvoll in diesen Film integrieren konnte. Überhaupt spart „Zwei Kumpel in Tirol“ fast die komplette zweite Hälfte des Originals ausspart, weil es sich nämlich nach einem kurzen Abstecher ins Horror-Genre (Johnny und Monika übernachten in einem Gruselschloss – fragt bitte nicht) tatsächlich noch in einen klassischen Aufklärungsfilm im Stil eines Oswalt-Kolle-Films verwandelt, in dem Vogelsang mit einem Wissenschaftler über die Sexualität der Frau spricht. Auch dort spielen Johnny und Monika nur noch die zweite Geige, ehe sie auf den allerletzten Metern dann doch noch zusammenkommen (weil Johnny seine zwischenzeitliche Impotenz dadurch verliert, dass ihn Frauen mit Geldscheinen bewerfen – fragt bitte nicht).

Und auch wenn durch die Neusynchronisation die acht gekaperten Filme in einigen Details verfälscht werden, damit das hier alles so einigermaßen passt, wären auch ohne eine neu angefertigte Vertonung kaum Stilbrüche erkennbar gewesen. Jeder einzelne Film ist wie der andere: Damit nicht genug, dass einem gefühlt überall dieselben Schauspielnasen über den Weg laufen, ist allen acht Werken die gleiche Art unglaublich primitiver Zoten dabei – was andererseits auch kein Wunder sein kann, wenn Brummer, der sich ja über all die Jahre nie weiterentwickelte und auch nicht weiterentwickeln wollte, weil allein der schnöde Mammon wichtig war, allein für fünf Filme als Regisseur verantwortlich zeichnete. Aber auch die verbliebenen Filme, die nicht von ihm stammen („Dr. Fummel und seine Gespielinnen“ inszenierte Atze Glanert, „Liebesmarkt“ und „Jagdrevier der scharfen Gemsen“ sind von Hubert Frank), reihen sich nahtlos in die „Geschichte“ von „Zwei Kumpel in Tirol“ ein. Letztere machen keine Viertelstunde der Gesamtlänge aus, doch die Maler-Episode mit Ingrid Steeger, die Bauernhof-Eskapaden vom tumben Bauern und seiner Vroni sowie die Bierzelt-Prügelei rund um die Moosholzer-Figur sind von demselben Humor geprägt, für den wir uns heute hoffentlich alle schämen.

Und mehr als alles andere sollten wir uns dabei wegen der sexistischen und vereinzelt auch rassistischen Attitüde schämen, mit der fast jede einzelne der Szenen durchseucht ist. Das könnte man guten Gewissens alles heute nie mehr so drehen, ohne sich nicht sofort einen Shitstorm einzufangen: Schmierige mittelalte Typen begrabbeln sich zunächst zierende Frauen so lange, bis sie endlich rollig werden und dem Mann das geben, was sie wollen. Besonders unangenehm dabei der Ausflug in „Geilermanns Töchter“, wo ein 41-jähriger (aber zehn Jahre älter aussehender) Josef Moosholzer erst an der drallen Bedienung Rosa herumknetet und sie damit schließlich für sich gewinnen kann, um gleich im Anschluss einer spanischen Putzfrau (oder so) an den Hintern zu packen und sich dann noch zu beschweren, dass sie sich wehrt. Gut, letzten Endes kann man hier sagen, dass das nicht gutgeheißen wird, indem er hochkant aus dem Lokal geworfen wird, aber grundsätzlich wird die Haltung auch immer wieder durch süffisante Off-Kommentare von Norbert Gastell bestätigt, der dann auch mal verächtlich vom Hausdrachen spricht, der sich ja so gar nicht in die Lage von Männern hineinversetzen könne, die doch noch Bedürfnisse hätten (und wenn die Ehefrau halt hässlich ist, ist so ein Seitensprung doch nur zu verständlich).

Auch rassistische Stereotype schimmern immer wieder durch. Ausgerechnet der Vorzeige-Italiener des deutschen Sex-Kinos, Rinaldo Talamonti, wird dabei durch die im Übrigen schauerliche Neusynchronisation, die gleich an mehreren Stellen einen Scheiß gibt auf Lippensynchronität, zum Ossi umfunktioniert, der sich mit Berliner Schnauze voller dumpfer Sprüche durch den Film kämpft. Wo Talamonti sonst die hampelnde Karikatur eines Latin Lovers darstellte, spielt er hier halt den ungestümen arbeitsscheuen Doof-Ostdeutschen, der sich ständig nackten und immer bereiten Frauen erwehren muss. Tatsächlich ist er hier weniger unerträglich als in „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“, was aber auch daran liegt, dass er hier nicht als Hauptdarsteller herumzappelt. Durch den Wegfall von Talamonti bleiben letztlich zwei Ausländerinnen als Randfiguren übrig: die im letzten Absatz angesprochene Putzfrau und die Küchenhilfe der Köchin zum Ende des Films in „Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen II. Teil“, die in Brummers Augen nur schlechtes Deutsch sprechen können und selbst nur das Bumsen im Kopf haben. Es sind daher latente ausländerfeindliche Untertöne vorhanden, von denen man auch dann noch peinlich berührt sein sollte, wenn wir uns vor Augen führen, dass auch der Deutsche an sich – ob Ossi oder Wessi – in Brummers Klamauk-Welt nicht besser wegkommt und vielfach übergeschnappt ist.

Die betriebene Flickschusterei macht es dann auch schwer bis unmöglich, die Darsteller angemessen zu bewerten. Die eigentliche Hauptrolle – zumindest im Mittelteil von Minute 12 bis Minute 63 – nimmt Stefan Grey (Johnny) ein, der in seiner gesamten Vita lediglich „Obszönitäten“ stehen hat und dementsprechend auch unbedeutend genug für Brummer war, ihn namentlich im Vorspann nicht zu erwähnen. Sowohl die IMDb als auch die OFDb tun so, als hätte es ihn in „Zwei Kumpel in Tirol“ gar nicht gegeben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass seine Rolle als Callboy seinerzeit vom von Jon Voight verkörperten Joe Buck in „Asphalt-Cowboy“ (1969) inspiriert war, auch wenn dieser Film natürlich ganz andere Wege beschreitet – und während Voight seine Rolle einfältig, aber sympathisch gab, ist Grey hier der typische Tunichtgut mit arschlöcherigem Verhalten, dass man es am Ende fast wohlwollend zur Kenntnis nimmt, dass er hier nicht mal ein Happy-End mit seiner Holden spendiert bekommt.

Rinaldo Talamonti als Willy habe ich bereits mehrfach erwähnt. Er war jung und brauchte das Geld und startete deshalb dank Brummer eine Karriere als völlig überdrehter Grinsekasper, den er in seiner gesamten Sexfilm-Laufbahn vermutlich nicht ein einziges Mal variieren musste, weil es reichte, wenn er seine Grimassen schnitt und die meisten Gags auf seine Kosten gingen. Er agierte unter anderem in den Teilen 4 bis 7 im „Schulmädchen-Report“, bestellte zweimal „Liebesgrüße aus der Lederhose“ und machte Hausfrauen in drei Teilen der „Hausfrauen-Report“-Reihe glücklich, ehe er ab Ende der 70er nur noch sporadisch und dann meist in TV-Serien wie „Ein Schloss am Wörthersee“ (als Adriano Celentano!) und „Kommissar Rex“ auftauchte.

Johannes Buzalski als Professor Vogelsang, der Johnny unbedingt an den Schwanz will, ist vermutlich das, was man als Highlight in diesem Streifen bezeichnen könnte. Agil wie ein Springfloh hüpft und albert er durch die Gegend und legt seine Rolle als Mischung aus durchgeknalltem Psychopathen und quirligem Dreijährigen an und erzählt uns dabei was von Schwellkörper-Eskalatoren und Schamlippenspreizern. Wenn er hier keinen Bock hatte, hat er das sehr gut verstecken können. Im Gegensatz zu so manch Kollegen von ihm sehen wir ihn lediglich in dieser einen Rolle, was womöglich auch daran liegt, dass er hier ausnahmsweise mal einen angeklebten Bart trägt, während sein prägnantes Gesicht in den anderen fünf Filmen, in denen er mitspielte und die hier verwurstet wurden, ohne Gesichtsbehaarung auskam. Eigentlich hatte es Buzalski echt drauf: Er war auch in einer Theaterverfilmung von Volker Schlöndorff zu sehen („Baal“, 1970) – und natürlich im legendären „Hexen bis aufs Blut gequält“ –, aber er war nie wählerisch und hatte dann eben auch nichts dagegen, als Hausmeister in „Schulmädchen-Report, 3. Teil – Was Eltern nicht mal ahnen“ auch mal Minderjährige in die Prostitution zu treiben oder einen Gangster in „Der Bumsladen-Boß“ zu spielen.

Josef Moosholzer (Ludwig Moser) spielt wiederum das, was er seinerzeit fast immer spielte: den geilen Stelzbock, der seine Finger nicht von Frauen lassen kann und sich dabei mit der wütenden Ehefrau auseinandersetzen muss. Brummer verwendet von ihm Material aus vier Filmen, womit er alleiniger Rekordhalter in „Zwei Kumpel in Tirol“ ist. Tatsächlich war er in der ersten Hälfte der 70er-Jahre der meistbeschäftigte Schauspieler und wirkte allein im Zeitraum von 1971 bis 1974 in über 50 (!!!) Filmen mit, darunter „Muschi Maus mag’s grad heraus“, „Mädchen auf Stellungssuche – Der Hostessen-Sex-Report“ und „Urlaubsgrüße aus dem Unterhöschen“.

Zur Vita von Kurt Großkurth (Herr von Bring) habe ich mich oben ja schon ausgelassen, Frau von Bring wird von Sandra Reni verkörpert, die außer in „Obszönitäten“ nur noch für Brummers „Beichte einer Liebestollen“ vor der Kamera stand. Wenn mich nicht alles täuscht, müsste Miriam Moor das Love Interest Monika sein. Hundertprozentig bestätigen kann ich das aber nicht, weil sie angeblich nur in „Obszönitäten“ mitgespielt haben soll, und das kann nicht sein, weil sie ja auch mit Talamonti in „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ agierte.

Erwähnenswert wären ferner Gisela Schwartz als Heidi, die ihre kurze Karriere 1973 mit Sexfilmen begann und später ins Hardcore-Fach wechselte, und Leopold Gmeinwieser, der sich seine erste Sporen unter Brummer verdiente, aber auch im Folgenden noch in anderen Erotikfilmen tätig war (z.B. „Erotik im Beruf – Was jeder Personalchef gern verschweigt“ und „Ach jodel mir noch einen“), ehe er später nur noch vereinzelte Rollen übernahm, etwa in „Ach du lieber Harry“ mit Dieter Hallervorden.

Tja, und dann eben noch unsere beiden im Vorspann Erstgenannten. Ingrid Steeger kommt in nur einer Szene vor, zeigt aber selbst in den wenigen Minuten, die ihr Brummer in dieser Resteverwertung lässt, ihr komödiantisches Talent, das sie zu einem der beliebtesten Fernsehstars machte. Die Unbeschwertheit, mit der sie auch mit dem größten Unfug umgeht, ist bemerkenswert. Dass sie gut aussieht und 98 Prozent ihres Auftritts unbekleidet verbringt, muss ich wahrscheinlich nicht weiter erwähnen. Dahingegen taucht Franz Muxeneder in insgesamt drei Szenen auf, hat darin aber weniger Screentime. Die Rolle des Bauern, der auch gern mal hübschen Frauen an die Wäsche möchte, spielte er zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich schon im Schlaf.

Mit diesen durchaus populären Namen in der Hinterhand versuchte Alois Brummer, im Jahre 1978 noch einmal Kasse zu machen – in einer Zeit also, in der das Sexfilm-Genre (obwohl es noch bis Mitte der 80er weiterging – mit vereinzelten Erfolgen wie „Sunshine Reggae auf Ibiza“) allmählich schon über seinen Zenit hinaus war und nicht mehr das Geld einbrachte, das man noch vor einigen Jahren damit verdienen konnte. Das lässt sich auch an der schon mehrfach erwähnten „Schulmädchen-Report“-Reihe ablesen. Entstanden zwischen 1972 und 1974 noch zwei Teile pro Jahr, so war es ab 1975 nur noch ein Teil. „Zwei Kumpel in Tirol“ kann man dabei sowohl als langsamen Abgesang auf die Sex-Klamotten-Welle als auch als ihre Essenz bezeichnen: Der total bekloppte Plot um den Geschlechtstransplantations-Professor zeigt dabei besonders deutlich auf, welche seltsamen Blüten viele Drehbücher der damaligen Zeit trugen. Keine Idee war blöd genug, solange am Ende nur alles und jeder nackt war. Und wenn man keine Idee hatte – auch egal. Lüstlinge legen willige Frauen flach, alle haben ihren Spaß, und gut ist. Wer braucht schon Story? Und wenn es eh schon keine gibt – wen interessiert es dann, wie die Story ausgeht?

Brummer bringt mit „Zwei Kumpel in Tirol“ die ganze Sinnlosigkeit der überwältigenden Mehrheit der damaligen Genre-Vertreter auf den Punkt, indem er einen Film inszenierte, der eigentlich gar keiner war – acht Filme in einem, und es fällt noch nicht mal auf. Weil er auch nicht unlogischer ist als all die anderen Sex-Kaspereien, die das Kino seinerzeit dem Publikum zumutete und auch zumuten konnte, weil es das ja trotzdem sehen wollte. Am Ende stehen erstaunlich kurzweilige 75 Minuten, obwohl man den gleichen Film bereits gefühlte hundert Male zuvor von anderen Regisseuren gesehen hat. Man sollte aber bitte vorher sein Gehirn an der Tür abgegeben haben – und zudem eine gewisse Unempfindlichkeit mitbringen, was das geradezu erschreckend rückständige Frauen- und Ausländerbild der 70er-Jahre angeht.


BOMBEN-Skala: 8

BIER-Skala: 6


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