Zärtliche Chaoten


  • Deutscher Titel: Zärtliche Chaoten
  • Original-Titel: Zärtliche Chaoten
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  • Regie: Franz Josef Gottlieb
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1987
  • Darsteller:

    Michael Winslow (Walker), Thomas Gottschalk (Ricky), Helmut Fischer (Schmidgruber), Dey Young (Rosi), Ottfried Fischer (Koch), Harald Leipnitz (Regisseur), Pierre Brice (als er selbst), Hans Georg Panczak (Motorfreak), Ludwig Haas (Hoteldirektor), Herbert Fux (Straßenpenner), Ossy Kolmann (Apotheker), Ulrich Beiger (Drogerieladenchef) u.a.


Vorwort:

Ja, ich weiß, was ihr denkt. Hat der sie noch alle? Die klare Antwort: Nein! Auf etwaige Befindlichkeiten kann ich aber leider an dieser Stelle keine Rücksicht nehmen. Ich bin ein Freund klarer Worte. Schluss mit dem Zaudern, Fakten auf den Tisch – wir müssen uns heute mal wieder mit unserer Geschichte auseinandersetzen! Ich habe mich für diese Seite durch Sexklamauk gewühlt, durch infantilsten Splatter-Schotter, durch Disney-Plagiate und durch Til-Schweiger-Komödien, aber ein bedeutendes Kapitel des deutschen Kinos fehlt noch – Thomas Gottschalk!

Die heutige Jugend kennt Thomas Gottschalk womöglich nur noch hauptsächlich aus überwiegend albernen bis peinlichen Shows wie „Denn sie wissen nicht, was passiert“ (mit seinen Co-Moderatoren Günther Jauch und Barbara Schöneberger) oder als kurzfristigen Moderatoren-Ersatz für einen tödlich beleidigten Dieter Bohlen in „Deutschland sucht den Superstar“ (weil RTL ankündigte, sich nach der 18. Staffel von ihm trennen zu wollen). Die etwas Älteren von uns verbinden ihn vermutlich überwiegend mit einer der größten Samstagabend-Unterhaltungssendungen des deutschen Fernsehens „Wetten, dass..?“, durch die er von 1987 bis 1992 und 1994 bis 2011 führte. Und wer noch eine Ecke älter ist, hat bestimmt nie vergessen, dass der beliebte, weil für jede Menge flapsiger Sprüche gute Showmaster früher auch mal ein Kinostar war.

Seinen ersten Erfolg feierte er im Verbund mit Mike Krüger und dessen noch größerem Zinken mit „Piratensender Powerplay“ (1981). Zwar bestand eine große Diskrepanz zwischen Filmkritik (die den Film fast einhellig verriss) und Kinopublikum (das den Film begeistert sehen wollte), doch da die jubelnde Zuschauermeute schon immer wichtiger war als schimpfende Rezensenten folgten in den kommenden Jahren noch drei weitere dieser sogenannten Supernasen-Filme: „Die Supernasen“ (1983), „Zwei Nasen tanken Super“ (1984) und „Die Einsteiger“ (1985). Dabei spielte Gottschalk jeweils nicht nur eine der beiden Hauptrollen, sondern verfasste mit Krüger zusammen auch die Drehbücher dazu. Heute genießen die vier harmlosen und Flachwitz über Flachwitz aneinanderreihenden Komödien Kult-Status, und – ja, ich gebe es zu – ich selbst bin ein großer Fan davon. Gerade auf „Die Einsteiger“ und die „Einer raus“-Szene lasse ich nichts kommen.

Danach trennten sich die beiden, und jeder ging so seiner Wege. Schon 1984 und 1985 wagte Gottschalk mit „Mama Mia – Nur keine Panik“ (mit einem hübschen Cameo von Krüger) und „Big Mäc – Heiße Öfen in Afrika“ zwei filmische Solo-Ausflüge ohne seinen Partner (der 1985 in „Seitenstechen“ ebenfalls schon ohne Gottschalk unterwegs war). Sein Hauptaugenmerk lag zu der Zeit allerdings bereits auf dem Fernsehen, wo er im ZDF seit 1982 die Talk- und Musik-Show „Na sowas!“ moderierte. Dann aber sorgte die französische Komödie „Drei Männer und ein Baby“ (1985) von Coline Serreau international für Furore und machte als typischen Reflex der Filmbranche natürlich umgehend Remakes erforderlich. Die USA zog mit „Noch drei Männer, noch ein Baby“ (1987) nach, und auch Deutschland konnte und wollte nicht dahinter zurückstehen.

Mit dem Verfassen des Skripts wurde Thomas Gottschalk betraut, der ja wie eben beschrieben zumindest schon als Co-Autor an Mike Krügers Seite grundsätzliche Erfahrung mitbrachte. Zugleich sollte er eine der Hauptrollen darin übernehmen. Ihm zur Seite gestellt wurden der 61-jährige bayerische Volksschauspieler Helmut Fischer, der seinen späten Durchbruch 1983 mit der Serie „Monaco Franze – Der ewige Stenz“ feierte, und – als Besetzungs-Coup (oder so) vermutlich für den Multikulti-Faktor – der US-Amerikaner Michael Winslow, der sich zu der Zeit hierzulande ausschließlich als der lustige schwarze Geräusche-Macher aus den bis dato vier Teilen der „Police Academy“-Reihe einen Namen gemacht hatte. Als weibliche Hauptfigur wurde wiederum die US-Amerikanerin Dey Young gecastet, die bis dahin hauptsächlich in Nebenrollen aufgetreten war (u. a. als namenlose Kellnerin in „Spaceballs“). Wenn man mich fragt, eine abenteuerliche Kombination, auf die ich vermutlich auch nach jahrelangem Brainstorming nicht gekommen wäre, aber gut – einen Versuch war’s wert.

Regisseur ist Franz Josef Gottlieb, ein Hansdampf in allen Gassen, der immer bereit stand, wenn es irgendwo schnell einen Film zu drehen galt. Qualitätsprodukte waren, wenn überhaupt, rein zufällig dabei. Meistens handelte es sich dann doch eher um so schreckliche Attentate wie „Wenn die tollen Tanten kommen“ (mit Rudi Carrell und Ilja Richter), „Lady Dracula“ und „Sylvia im Reich der Wollust“. Insofern wäre es durchaus angemessen, ein wenig Angst zu haben.

Inhalt:

Okay, gut, ich bin heute in Geberlaune und werfe ein paar Gummipunkte für die aufblasbare Waschmaschine in die Runde. Die dürfen diejenigen einsacken, die damit gerechnet haben, dass die erste Person, die in einem Film auftaucht, der auf dem Papier die deutsche Variante von „Drei Männer und ein Baby“ sein soll, kein Geringerer als Winnetou höchstpersönlich ist. Winnetou kommt auf einem Pferd in einer künstlich anmutenden Grünkulisse vor ebenso künstlichem blauen Himmel mit Wolkenformationen angeritten. Die berühmte Winnetou-Melodie erklingt, und fast möchte ich glauben, mir den falschen Film gegriffen zu haben, wenn ich nicht wüsste, dass Mike Krüger und Thomas Gottschalk schon in „Die Supernasen“ dem berühmtesten Indianer Deutschlands huldigten.

Diesmal ist es aber nicht Mike Krüger, der sich als „Winnie Two“ vorstellt, sondern DER Winnetou – Pierre Brice! „Schauen Sie, das Land der Apachen, wie schön es ist“, holpert sich Brice mit seinem dicken französischen Akzent durch den deutschen Text, „in diesen Bergen bin ich aufgewachsen. Ich kenne jeden Baum, jeden Pfad. Hier habe ich gelernt, die Spuren zu lesen, die des Pferdes, des Wildes, der Menschen. Und hier habe ich erkannt, dass Manitou seinen roten Kindern ein schönes und friedliches Land geschenkt hat.“ Dann reitet Old Shatterhand ins Bild. Es ist mitnichten Lex Barker, der zum Zeitpunkt des Drehs auch schon 14 Jahre unter der Erde lag, sondern ein namenloser Statist, der die Kontrolle über sein Pferd verliert und im nächsten Moment in einer Baumkrone hängt. Winnetou schimpft: „Ich bin es gewohnt, mit Profis zu arbeiten.“ Damit ist jegliche Illusion, in einen Western geraten zu sein, auch schon vorbei. Wir befinden uns lediglich an einem Filmset. Nein, wer hätte das auch bei der Künstlichkeit der Landschaften gedacht?

Schauspieler Harald Leipnitz spielt einen Regisseur und zeigt sich unglücklich über den Ablauf der Dreharbeiten. Brice äußert genervt seinen Wunsch, gern wieder Lex zurückhaben zu wollen, der war nämlich toll. Deshalb verzieht er sich erst einmal beleidigt über so viel Inkompetenz in seine Garderobe. Es ist vielleicht etwas gemein, wenn ich das sage, aber Brice – also der richtige Brice, nicht der Film-Brice – mag sich ja noch so viel Mühe geben, Deutsch zu sprechen, aber wenn man das, was er da tut, als „hölzern“ bezeichnen würde, würde ich damit jeden Holzsplitter beleidigen.

Egal. Der verärgerte Brice wird in seiner Ruhe vom ersten der titelgebenden zärtlichen Chaoten gestört: Es ist Helmut Fischer, der als Catering-Mensch bei dieser Filmproduktion arbeitet und ihm erst mal zur allgemeinen Entspannung ein Glas Orangensaft anbietet. Nachdem wir uns eben schon kräftig über den Statist-in-der-Braumkrone-Zwischenfall beömmelt haben, erhalten wir auch gleich den ersten Vorgeschmack auf das Wortwitzniveau dieses unseren Werkes.

Helmut: Wollen Sie auch a Supperl?
Brice: Ne pas faim.
Helmut: Ja also, Parfüm hab’ ich jetzt keines.

Damit auch klar wird, dass dieser Dialog witzig gemeint war, erklärt Brice ihn noch mal für uns: „Je n’ai pas faim: Ich habe keinen Hunger.“ Damit hätte Drehbuchautor Gottschalk gleich mal seinen ersten sprachlichen Gag im Flachköpper-Tümpel versenkt. Schlechte Gags bringen ist eine Sache, schlechte Gags erklären die andere.

Helmut lässt sich wegen der schlechten Laune der Diva nicht entmutigen und kramt sein Poesiealbum aus dem Hosenbund – oder vielmehr das seiner Nichte Gaby, die ein großer Fan von Brice sei und daher gern ein Autogramm von ihm hätte (nachdem sie auch schon eins von Sascha Hehn erhalten hatte). Der Gefragte unterschreibt mit mürrischem Gesichtsausdruck.

Dann betritt der Regie-Assistent (ein Gottschalk-Lookalike, aber kein Gottschalk) die Garderobe und führt Brice das letzte Schauspiel-Aufgebot für die Rolle des Old Shatterhand vor, in der Hoffnung, dass doch wenigstens einer von den vorgeführten Männern dem Star-Indianer gefällt. Obwohl einer von ihnen – Thomas Gottschalk natürlich – damit beschäftigt ist, sich im Spiegel zu betrachten und anzustrahlen, anstatt sich Brice vorzustellen, fällt dessen Wahl auf ihn, weil der in ihm eine Ähnlichkeit mit Lex Barker zu erkennen glaubt. Vorsichtshalber möchte ich herausheben, dass ich hinter dieser Aussage einen Gag vermute, bei dem sich Gottschalk selbst auf die Schulter klopfte.

Der Dreh kann somit fortgesetzt werden, und Regisseur Leipnitz vergewissert sich vorher bei unserem letzten Chaoten, Tontechniker Michael Winslow, ob der auch wirklich mit dem Gerät umgehen kann, das Schuss- und Explosionsgeräusche erzeugen soll. Alles roger, meint Michael, und imitiert mit seinen Lippen unvermittelt Gewehrschüsse, schließlich wurde er nur in diesen Film geholt, um noch einmal Sergeant Larvell Jones aus den „Police Academy“-Filme explizit für ein deutsches Publikum neu aufzulegen – nur eben nicht als Polizist, sondern als Tontechniker. Winslow – das hört man schon an seinem ersten Satz – wird von Randolf Kronberg synchronisiert, den wir als die deutsche Stimme von Eddie Murphy kennen.

Also noch mal: Winnetou-Melodie an – und Action! Natürlich geht alles schief, was schief gehen kann: Thomas versemmelt als Old Shatterhand gleich bei seinem ersten Einsatz gnadenlos seinen Text, die Tontechnik versagt ihren Dienst, weshalb Michael dann eben doch die Schüsse mit dem Mund imitieren muss, und dann stolpert auch noch Helmut vor laufender Kamera ins Szenario, um sich bei Brice darüber zu beschweren, dass er bei der Autogrammvergabe vorhin Nichte Gaby mit „i“ und nicht mit „y“ geschrieben hat. Ihr könnt euch vorstellen: Das ist alles so furchtbar lustig, dass ich vor Lachen kaum atmen kann.

Leipnitz poltert folglich ob des Totalversagens laut los und ventiliert seinen Zorn hauptsächlich auf Helmut, der einfach in die Szene gelaufen ist: „Bleiben Sie bei Ihrer verdammten Suppe, Sie Würstchen, Sie Suppenkasper, Sie!“ Hihi, Helmut ist Caterer, und der Regisseur nennt ihn Würstchen und Suppenkasper. (Puh, nun fange ich auch schon an, selbst Gottschalks Gags zu erklären…) Bei „Suppenkasper“ geht Helmut die Hutschnur hoch: So hat ihn gefälligst keiner zu nennen, und er kündigt aus freien Stücken. Soll er doch, findet Leipnitz, und Michael, diesen „Blindgänger mit seiner Knallerei“, soll er gleich mitnehmen und Thomas auch. Michael hadert damit, dass sein Explosionsgerät nicht so funktioniert hat, wie es hätte funktionieren sollen, und testet es vorsichtshalber aus – und jetzt klappt’s. Bumm! Knall! Hahaha.

Ein feuriger Auftakt, fürwahr. Wenn das so weitergeht, toppt der in Sachen Gagfrequenz noch „Die nackte Kanone“. Alle drei Teile.

Damit kann auch gleich der Vorspann starten, zu dem musikalisch einerseits Martha Reeves & The Vandellas „Dancing in the Street“ für uns singen und andererseits ein Kleinlaster durch eine verlassene ländliche Einöde tuckert mit Helmut am Steuer und Michael auf dem Beifahrersitz. Helmut ist noch nicht über den Suppenkasper hinweg und schwärmt stattdessen von Fellini und Spielberg, mit denen die Zusammenarbeit viel reibungsloser gelaufen sei. Michael Winslow nickt dazu interessiert mehrfach mit dem Kopf, als würde er zuhören, aber ich habe eher die Befürchtung, dass er kein einziges Wort versteht und auf irgendein Zeichen außerhalb des Kamerawinkels wartet, damit er seinen eigenen Dialogtext auf Englisch loswerden kann. Am Schotterstraßenrand gabeln sie Thomas auf, der das Angebot, auf der Ladefläche mitgenommen zu werden, dankend annimmt.

Nach ein paar weiteren Metern müssen sie anhalten. Eine junge blonde Frau, Dey Young, ist nämlich mit ihrer Ente (also mit ihrem Citroën, nicht mit ihrem Haustier) liegen geblieben und benötigt nun dringend Hilfe. Ein langsamer Kamerazoom gönnt uns die erste Frontalansicht ihres Gesichts, und gleichzeitig setzt Harry Nilssons „Without You“ ein. Irritierenderweise wird das Lied in den kommenden Minuten in voller Länge im Hintergrund weiterlaufen, obgleich sich vermeintlich lustige Dialoge und Aktionen abspielen, die zu der romantischen Grundstimmung des Schmusesongs nicht passen wollen. Unsere drei Gentlemen stehen natürlich sofort hilfsbereit auf der Matte, um einem attraktiven Fräulein aus der Patsche zu helfen. Michael pfeift laut ein anerkennendes „Wow, heißer Feger“-Pfeifen – eine Aktion, die heute einen Shitstorm hervorrufen würde, aber 1987 noch kein Problem war. Während Michael Straßenpolizist spielt, um andere vorbeikommende Wagen vor dem liegen gebliebenen Auto der Dame mit ausladender Gestik auf einen Nebenweg umzuleiten, wollen sich Thomas und Helmut das Problem mal aus der Nähe ansehen.

„Machen Sie doch mal vorne auf“, fordert Helmut Dey auf, damit er einen Blick in den Wagen werfen kann. Das missversteht sie aber, und sie öffnet ihre Jacke. „Nicht das Hemdchen, das Entchen“, korrigiert Thomas. Dey kichert verlegen und öffnet daraufhin nacheinander Fahrer- und Beifahrertür. „Nicht die Türen, die Motorhaube“, korrigiert Helmut. Für eine Traumfrau, der die Männer anscheinend umgehend zu Füßen liegen, ist das aber ein verdammt blödes Exemplar (na ja, blond halt). Immerhin erkennt sie das auch und bezeichnet sich selbst als „Dummerchen“, als sie dann im dritten Anlauf richtigerweise die Haube öffnet. Die beiden Hobby-Mechaniker vermuten, dass der Wagen womöglich nur abgesoffen ist. Deshalb dreht Thomas den Autoschlüssel im Zündschloss, und der Wagen beginnt zu rollen, säuft dann aber gleich wieder ab. Bei dem Ruck fällt Helmut fast vornüber ins Getriebe. Ich wiederhole mich früh, ich weiß: Das könnte ein Gag gewesen sein. Muss aber nicht.

Nach dieser ausgiebigen fachmännischen Untersuchung gibt es in den Augen der Helfer nur eine Lösung.

Helmut: Das hat alles keinen Wert. Wir schleppen Sie ab.
Thomas: Ja, abschleppen ist gut.

Bleibt also die Frage: Womit abschleppen?

Helmut: Haben Sie vielleicht ein längliches Seil?
Dey: Ist es denn so ernst?
Helmut: Nein, nicht zum Aufhängen, zum Abschleppen.

Das Drehbuch läuft zur absoluten Höchstform auf – zur Höchstform der bodenlosen Debilität. Vielleicht hätte Gottschalk mal ein, zwei sogenannte Gags weniger bringen sollen und dafür lieber unseren vier Hauptfiguren Rollennamen gegeben, damit ich hier nicht ständig mit den echten Namen der Schauspieler herumhantieren muss.

Dey schaut in ihrem Kofferraum erfolglos nach einem Seil. Thomas schlägt vor, es mal statt eines Seils mit Strümpfen zu versuchen. Helmut fühlt sich angesprochen und protestiert, aber Thomas meinte sowieso eher „Nylon-Dinger“. Dabei scharwenzelt er wie ein lauernder Tiger um Dey herum und fragt mit Blick auf ihre unter dem Kleid hervorlugenden Strumpfhose: „Sie haben doch welche an. Oder was ist das?“ Vermutlich liegt es auch teilweise an Gottschalks erschreckender Schauspielkunst, dass er bei dieser bedächtig gestellten Frage wie ein etwas mit der armen Frau im Schilde führender Psychopath erscheint. Es gibt Frauen, bei denen hätte spätestens jetzt der Fluchtreflex eingesetzt, aber als Dummerchen vom Dienst entgehen Dey derartige Zwischentöne. So opfert sie sich auf und zieht ihre Strumpfhose aus. Thomas guckt dabei demonstrativ in die nicht vorhandenen Wolken und bindet sie (die Strumpfhose, nicht Dey wohlgemerkt – obwohl man ihm beides zutrauen würde, zumal zu seinem bedächtigen Ton nun auch noch ein verdächtig zweideutiges Strahlegrinsen dazugekommen ist) mit Helmut zusammen an die hintere Stoßstange, und damit kann es losgehen.

Mit dem Ende dieser Szene ist auch Nilssons „Without You“ einmal bis zum Ende durchgelaufen und wird gleich abgelöst durch den nächsten Song – „Dancing in the Street“ von Martha Reeves & The Vandellas! Moment mal, den hatten wir doch schon?! Na ja, gut, der Song wurde eben ja jäh durch „Without You“ unterbrochen. Die zärtlichen Chaoten schleppen also die Ente ab und liefern sie samt Inhalt (eben Dey) direkt vor ihrer Haustür ab. Als Kavaliere alter Schule ist es damit aber immer noch nicht getan, und sie wollen sich auch noch persönlich bei ihr verabschieden. Dabei werden sie auch auf den kleinen Hund aufmerksam, den die Frau schon die ganze Zeit mit dabei hatte (wo der aber eben in der Szene gewesen ist, bleibt unklar). Dieser erobert sogleich Helmuts Herz.

Helmut: Ja mei, du bist aber a liebs Hundele! Ja, wo isser denn?
Michael: Na, da ist er doch!

Und da die Herren schon mal da sind und ihr sprichwörtlich zu Füßen liegen – immerhin das hat die dumme Nuss Dey erkannt –, kann sie die auch gleich noch fürs Gepäckhochschleppen verhaften. Helmut sieht sich eher als moralische Unterstützung und trägt nur den Hund, in dem er offenbar das Enkelkind wiedererkennt, das er nie hatte: „Ja, wo isser denn? So a süßes Hundele! Ja, woas denn? Schau mal, woas Fraule auspackt, so viele Tütele. Und fesch is’ sie.“ An alle Nichthaustierbesitzer: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Über-60-jährige tatsächlich so mit ihren Haustieren sprechen. Wir begleiten Dey und die Männer in Echtzeit bei ihrem Gang vom Wagen zur Eingangstür des Hochhauses, in dem die Traumfrau wohnt. Für eine Komödie, von der ich mir eigentlich ein Dauerbombardement an miesen Witzen versprochen hatte, wird die Lauflänge aber ganz schön gestreckt.

Vor der Haustür angekommen sucht Dey verzweifelt ihren Schlüssel und findet ihn nicht. Keine Sorge – Improvisationstalent Michael weiß Rat, greift in Deys Haaren nach einer Haarspange und knackt damit das Schloss. Jeder vernünftige Schwarze kann das, nicht wahr, Gottschalk? „Tritt ein, bring Tüten rein“, bringt Michael einen der gereimten Sprüche, für die manche Menschen schon erschossen wurden. Seine Mühe wäre gar nicht nötig gewesen, denn Dey bemerkt plötzlich, dass sie den Haustürschlüssel die ganze Zeit in der Hand hat, mit der sie auch ihre Handtasche trägt. Was finden die Chaoten eigentlich an der Alten? Keinen Charme, nur Dummheit – das ist bloß mit eigener Vertrottelung zu erklären. Und ich glaube, damit sind wir bereits nahe an der Wahrheit dran.

Kaum in der Wohnung, stößt Dey einen grellen Schrei aus. Die Wohnung ist samt und sonders leergeräumt! Das interessiert Helmut maximal am Rande, denn er hat ein dringendes Bedürfnis zu erledigen. Dey beschreibt ihm den Weg zum Klo, aber Helmut findet es nicht. Die Blondine ist fassungslos: Die Toilette nicht auch noch? Bei näherer Betrachtung dämmert es Dey aber: Sie sind versehentlich ein Stockwerk zu früh ausgestiegen, und diese Wohnung ist zu vermieten. Wir hätten nun also drei Minuten für zwei „Gags“ totgeschlagen: Deys angeblich verschollener Schlüssel und Deys angebliche Wohnung. Nein, mit dem Timing des Films stimmt wirklich so einiges nicht.

Man stapft also noch ein paar Treppen hoch. Darüber beschwert Helmut sich, weil doch der Aufzug die bessere Alternative wäre. Dieser Gag zündet gleich aus zweierlei Gründen: 1. Das Quartett muss nur ein Stockwerk höher. 2. Helmut schlappt ja nur den kleinen Hund. Ich lache und weine gleichzeitig.

Nachdem schließlich und endlich die Gepäckschlepperei erledigt wäre, möchte Dey ihre galanten Helfer wenigstens mit etwas Kleingeld abspeisen, aber Thomas lehnt ab. „Sind Sie wahnsinnig?“, fragt er und holt zum nächsten Wahnsinnigen-Grinsen aus, um dann anzufügen: „Außerdem mach’ ich mir nichts aus Kleingeld.“ Da fehlt eigentlich nur ein zweideutiges Augenzwinkern im Sinne von „Ich stehe lieber auf die ganz großen Dinger. Wir verstehen uns doch, oder?“ Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gottschalk seine Figur als sympathischen schlagfertigen Taugenichts darstellen möchte. Stattdessen regiert bei mir die blanke Angst. Weil auch Helmut und Michael nicht entlohnt werden wollen, besteht Dey darauf, sie wenigstens auf eine gemeinsame Pizza einzuladen. Ja doch, da sind sie dabei.

Zu „Baby Love“ von den Supremes geht es in Helmuts Karre in ein schickes Restaurant. Ich betonte im Absatz eben, dass ich Angst vor Thomas habe. Aber ich habe auch Angst vor Helmut und Michael, die der Blondine ebenfalls ganz unzweifelhaft den Hof machen wollen. Und ich habe Angst vor Dey, die die Jungs in ihren Flirtversuchen auch noch bestärkt, indem sie verzückt darüber lacht. Ich bin ja nun keine Frau, insofern kann ich nicht im Detail sagen, worauf die Frauenwelt so steht. Gut, dass Thomas ihr vor dem Restaurant die Beifahrertür öffnet, ist eine sehr noble Gentleman-Geste, so weit gehe ich mit, aber würde ich als Frau nicht spätestens dann die Beine in die Hand nehmen, wenn besagter Thomas sich daraufhin unterwürfig vor mir mit dem Rücken auf den Boden legt, um sich mir als Fußabtreter anzubieten? Dey nicht. Sie lacht verlegen und hakt sich bei ihm ein. Auch findet sie es überaus charmant, als Helmut sich einen Sonnenschirm schnappt, um sie zum Platz zu geleiten. Michael nimmt zwei rote Tischdecken und breitet sie als roten Teppich vor ihren Füßen aus. Und wieder lacht Dey verlegen. Entschuldigt, wenn ich das so deutlich sage, aber die Alte hat doch nicht mehr alle Nadeln an der Tanne.

Die Avancen gehen unvermittelt weiter. Gemeinsam stoßen die drei Männer und die Frau mit einem Rotwein an – und ich kann mir nicht helfen, aber diese eindringlichen lüsternen Blicke, die vor allem Thomas und Helmut ihr zuwerfen, sind das Furchterregendste, was ich seit vielen, vielen Jahren gesehen habe. Die sich gegenübersitzenden Helmut und Michael füßeln heimlich unter dem Tisch miteinander, jeweils davon ausgehend, auf Tuchfühlung zu Dey zu gehen. Helmut zwinkert ihr unzweideutig zu. Hilfe, ich will hier raus!

Ich werde nicht erhört. Der Bedienstete bringt die Pizza, und Helmut greift sich die Rose aus dessen Hemdtasche, um damit Dey zu verzücken, was ohne Probleme gelingt. Das kann Thomas nicht auf sich sitzen lassen und greift sich gleich ein Blumengedeck vom Nachbartisch – und schmeichelt damit ebenfalls der Angebeteten. Michael wiederum kontert gleich mit einer riesigen Blumenvase, stellt sie zum Verdruss seiner beiden Konkurrenten auf den Tisch und macht Dey damit glücklich. „Zärtliche Chaoten“ ist ein Horrorfilm im Gewand einer lockeren (Liebes-)Komödie.

Nach dem gemeinsamen Abendessen heißt es nun aber endgültig Abschied zu nehmen. Wieder bringen die Männer Dey direkt vor die Wohnungstür und stehen da erwartungsvoll wie die Schuljungen, die zu schüchtern sind zu fragen, ob sie vielleicht für einen flotten Vierer noch mit reinkommen dürfen. Jedenfalls verraten ihre Blicke, die mich einmal mehr erschaudern lassen, dass Dey in ihrer Vorstellung längst nackt ist. „Ihr seid wirklich süß“, sagt die ernstlich durchgeknallte Dey und gibt den Affen damit weiter Zucker, weiterhin aufdringlich zu bleiben. Für heute hat sie allerdings – und das überrascht dann doch – genug von männlicher Begleitung.

Dey: Gute Nacht!
Thomas: Auf Wiederchensehen!

Merklich enttäuscht dreht das Trio ab und ist bereits im Begriff zu gehen, als Helmut aber doch noch mal einen Grund findet, bei Dey zu klopfen: Er hat nämlich ganz vergessen, ihr ihren kleinen Köter wiederzugeben, den er die ganze Zeit auf dem Arm getragen hat. Weil keiner von den Männern nach dem Filmdreh-Rauswurf auch nur einen müden Pfennig in der Tasche hat, entschließen die Schmarotzer kurzerhand, illegalerweise in der bekanntlich leeren und erst noch zu vermietenden Wohnung eine Etage tiefer zu nächtigen. Allmählich würde ich sagen: Pass auf dich auf, Dey!

Gibt es eigentlich jemanden, der aufgrund des vorletzten Satzes – kurz paraphrasiert: „Die Hauptfiguren übernachten in einer leeren Mietwohnung“ – noch nicht geahnt hat, welche Szene folgen könnte? Schämt euch! Selbstverständlich öffnet sich am nächsten Morgen die Wohnungstür, und selbstverständlich ist es ein Makler mit zwei Mietinteressenten. Zum Glück werden die Männer rechtzeitig in einem der Zimmer wach. Somit schlägt die Stunde von Michael Winslow, der endlich mal wieder zeigen kann, wofür man ihn überhaupt in diesen Film geholt hat: Er nimmt sinnloserweise eine leere Flasche und imitiert laute Bohrmaschinen- und Presslufthammergeräusche, die die potenziellen Mieter, denen der Makler gerade noch eine schalldichte Wohnung mit doppelt isolierten Wänden versprochen hatte, erfolgreich in die Flucht schlagen.

Ich nahm zunächst an, diese Aktion hatte den Grund, dass die Männer noch länger für lau in der Wohnung leben wollten, um noch ein wenig zu dritt wie der Dude sein zu können. Stattdessen überrascht uns Thomas mit der Ankündigung, wieder zu Mama ziehen zu wollen. Michael hingegen würde lieber nach einer Band Ausschau halten, und Helmut hat noch anderes im Sinn: Er möchte sich jobtechnisch im Hotelgewerbe umsehen. Das halten die anderen beiden für eine so gute Idee, dass sie sich ihm anschließen. Sie scheinen, eingesehen zu haben, dass alles besser ist, als pausenlos wie Dackel dummen Frauen hinterherzulaufen…

Dachte ich jedenfalls, dass sie das eingesehen haben. Dann setzt aber schon wieder „Baby Love“ von den Supremes ein – ein Song, den wir immerhin schon fünf Minuten nicht mehr gehört haben, und da das eben die offizielle „Die zärtlichen Chaoten hecheln vor Geilheit lechzend einer Frau hinterher“-Melodie war, bedeutet das auch diesmal eine neue Runde Creepy Stalking. Die Zeitabläufe sind mir ehrlich gesagt schleierhaft, weil es ja eben so aussah, als würden die Typen auf Jobsuche gehen, aber kein Mensch verbietet es Gottschalk, seine ersonnene Geschichte unzusammenhängend und unverständlich zu erzählen.

Und so ergibt es sich, dass Dey ihre Wohnung verlässt, um eine Runde mit ihrem Hund Gassi zu gehen. Doch wer steigt da kurz mit in den Fahrstuhl? Es ist Michael mit einem Blumenstrauß. Dey lächelt. Ein, zwei Etagen weiter unten füllt sich der Fahrstuhl weiter: Thomas steigt mit einem noch viel größeren Blumenstrauß ein und strahlt Dey in bewährt psychopathischer Art und Weise an. Dey lächelt. Noch ein, zwei Etagen tiefer kommt noch eine vierte Person hinzu – wider Erwarten aber nicht Helmut, sondern eine alte Dame. Vier Leute in einem Aufzug – da muss man sich ganz schön quetschen. Ein brechend voller Lift scheint für Gottschalk schon ein Höhepunkt der Situationskomik zu sein. Die vier Insassen wollen aussteigen – doch wer erwartet sie da vor der Fahrstuhltür? Es ist Helmut, natürlich ebenfalls mit einer frischen Blume für seine Herzensdame ausgestattet und wie seine Mitstreiter wenig begeistert, dass sie mit derselben kreativen Idee um die Ecke kommen. „Wen haben wir denn da?“, fragt er und bringt Thomas und Michael damit in Erklärungsnöte, und sie tun so, als wären ihre Blumensträuße für die alte Dame. Wieso?! Ich meine, die stalken die doofe Dey seit ihrem Kennenlernen und haben daraus nie ein Geheimnis gemacht, dass sie auf die Olle scharf sind. Kommt aber noch besser: Helmut denkt nicht daran, seine Blume auch an die alte Schachtel zu überreichen und gibt sie Dey, woraufhin Thomas und Michael der alten Frau die Blumen wieder wegnehmen und sie ebenfalls Dey geben! Ein nachlässiges bis idiotisches Drehbuch mit unverständlichen Gags – es ist ein Trauerspiel.

Wie auch immer – Dey nimmt auch die Nachzügler-Blumensträuße ihrer Verehrer gern an und findet die Männer einfach nur „süß“. Als einzige Person auf dieser Welt. Selbst das aufdringliche Frage-Antwort-Spiel, das die großen Jungs mit ihr spielen, macht sie bereitwillig mit. Helmut will wissen, wo sie hin will, und Thomas fragt, wo sie arbeitet. Das geht die beiden zwar einen feuchten Kehricht an, aber Dey genießt die ihr zuteil werdende Aufmerksamkeit: Sie führt ihren Hund zu einem Spaziergang aus, und nachher gibt sie Französischunterricht an der Volkshochschule. Damit hätten diese unangenehmen Menschen schon einmal ein paar wichtige Eckpunkte für ihr Stalker-Handbuch beisammen und können ihr, als sie sich verabschiedet, schmachtend hinterherseufzen: „Eine Traumfrau!“ Ich widerspreche. Ja, hübsch ist sie, aber auch eine debile Grinsebacke ohne Eigenschaften. Insofern wächst mein Unmut, dass die auf sie so abfahren wie ich auf Sophie Marceau.

Im Hintergrund läuft seit drei Minuten nach wie vor ohne Unterlass „Baby Love“ von den Supremes, und der Song hört auch nach dieser Szene nicht auf. Das kann nur bedeuten, dass die krankhafte Becircerei weitergehen kann. Also lauert der unheimliche Thomas Dey nach Feierabend in der VHS auf und hat zu diesem Anlass auch eine Champagnerflasche mitgebracht. „I just came to say: ‚Da bin ich‘“, begrüßt er sie. Deys Reaktion auf alles ist: lächeln. Da taucht in Thomas’ Rücken Michael auf, der sogar zwei Flaschen Champagner dabei hat und beim Anblick des ungebetenen Thomas erst einmal Katzenfauchgeräusche von sich gibt, denn wie kann der es wagen, ihm sein Revier streitig zu machen? Und schließlich guckt auch noch Helmut um die Ecke, mit einer Flasche Schampus in seinen Händen und nicht minder verärgert über seine hartnäckigen Konkurrenten. Dey fühlt sich geschmeichelt, dass sich diese unsympathischen Gesellen ihretwegen anzicken und macht einen Vorschlag zur Güte: Sie könne doch für alle drei kochen. Mit der Frau-an-den-Herd-Sache können sich die Kerle voll und ganz anfreunden und begleiten sie mit nach Hause. Ich hoffe, du weißt, befürchte aber, du weißt nicht, was du tust, Dey.

Damit hätte auch „Baby Love“ aufgehört. Dafür darf Harry Nilsson „Without You“ jaulen. Das hatten wir zwar auch schon, aber meine Güte, als hätte der Film nicht größere Probleme. Wenn „Baby Love“ das Stalker Theme ist, könnte „Without You“ natürlich das Love Theme dieses offensiv unangenehmen Streifens sein, doch da Thomas, Helmut und Michael in der nächsten Szene stockbesoffen lallend Konversation betreiben, ist es das wohl doch nicht. Sie tauschen sich unverhohlen über ihre Gastgeberin aus, obwohl die, gleichermaßen betrunken, direkt vor ihrer Nase sitzt. Das wäre vielleicht noch einigermaßen okay, wenn sie es denn bei ihren üblichen Schwärmereien à la „Frau des Jahrhunderts“ (Thomas) bzw. „Frau des Jahrtausends“ (Michael) beließen (obwohl – nee, eher doch nicht). Weil sie aber wirklich komplett verblödet sind, leisten sie hier und jetzt einen Männerschwur: Keiner darf die Frau anfassen, bevor sie es sich nicht gegenseitig erlaubt haben. Jeder darf baggern, aber keiner angreifen. Thomas spricht ein Machtwort: „Möge der Beste sie besitzen!“ Und ja, er sagt wirklich „besitzen“. Pfeifen wir auf die Fortschritte der Emanzipation und betrachten wir Männer Frauen wieder als unser persönliches Eigentum. Aber was will man auch von einem Mann halten, der seinen Champagner dekadent aus einem von Deys hochhackigen Damenschuhen schlürft?! Vielleicht täusche ich mich auch und Gottschalk wollte sich gar nicht als sympathischen Taugenichts darstellen, sondern als schmierigen Frauenhasser, der als einzigen Lebensinhalt Frauen sammelt und in den Keller sperrt.

Was das Ganze wie gesagt noch irrer macht, ist, dass sie das vor den Augen und Ohren unseres blonden Dummchens ausdiskutieren. Zugegebenermaßen bekommt es in seinem alkoholumnebelten Hirn aber eh nichts mit. Dafür steht Dey der Sinn nach Tanzen, und so steht sie auf und schwingt die Hüften. Ihre drei Gäste tun es ihr nach und geben alles, was im betrunkenen Zustand noch drin ist, was nicht viel ist, bei einem Kuschellied wie „Without You“ ja aber auch nicht notwendig erscheint. Gottschalks Vorstellung von romantischen Szenen divergiert geringfügig von meiner.

Übrigens kann ich an dieser Stelle freudig verkünden, dass wir in dieser Szene nach geschlagenen 25 Minuten gleich zwei der vier Rollennamen unseres schier unerträglichen Hauptfiguren-Quartetts erfahren: Dey Young heißt hier Rosi (laut Helmut), und Thomas Gottschalk ist der Ricky (laut Helmut). Bravo, Gottschalk!

Der nächste Morgen bricht an. Wir erwachen in Deys… äh… Rosis Wohnung (puh, daran muss ich mich aber jetzt erst mal gewöhnen). Zu meinem Entsetzen hat die geisteskranke Rosi in ihrem versoffenen Zustand ihre Gäste nicht nur bei sich übernachten lassen, sondern gleich direkt im Schlafzimmer! Thomas … äh… Ricky liegt sogar direkt neben ihr im Bett, Michael und Helmut auf dem Fußboden. Verkatert wacht Ricky auf und scheucht gleich flüsternd seine Freunde (was man halt so Freunde nennt) in die Horizontale, damit sie endlich gemeinschaftlich Kohle verdienen können. Rosi lassen sie weiterschlafen. „Da liegt der Götterpreis“, haucht Ricky hoffnungslos verliebt in ihre Richtung und verlässt mit seinen Jungs die Bude. Vor der Haustür angekommen schauen sie auch noch einmal seufzend die Hochhausfassade hoch. Ja, dahinter verbirgt sich die tolle Rosi, schwärm. Dieser Film ist krank.

Musikalisch gibt es Abwechslung: „My Girl“ von The Temptations ist jetzt dran. Die drei Chaoten haben sich als neue Arbeitsstätte das Falkensteiner Schlosshotel Velden am Wörthersee ausgesucht. Und ja, es ist tatsächlich DAS Schloss am Wörthersee, der Schauplatz des Grauens, an dem später noch die gleichnamige Serie mit Roy Black stattfinden sollte. Hier hatte Helmut seinerzeit seine Ausbildung angefangen und erhofft sich auch nun, eine neue Anstellung zu finden – für Ricky und Michael natürlich auch, für die er beim Chef ein gutes Wort einlegen will.

Wie sich herausstellt, hat Helmut (der nach einer knappen halben Stunde auch endlich einen Namen erhält, wenigstens einen Nachnamen, nämlich Schmidgruber) verbrannte Erde bei seiner alten Arbeitsstelle hinterlassen, weil er jenem Vorgesetzten – dem Hoteldirektor, bei dem er sich und seine Buddys gerade anpreist – ein volles Tablett auf den Kopf geworfen hatte, woraus noch heute bei einem Wetterwechsel ein steifer Hals resultiert. Helmut … äh … Schmidgruber will daher noch einmal grafisch demonstrieren, wie es zu diesem unbeabsichtigten Missgeschick kommen konnte, holt mit seinem Arm weit aus und stößt dabei eine wertvolle Vase um. Der Hoteldirektor, offenbar immer noch schwer traumatisiert, hält sich die Hände vors Gesicht. Ricky allerdings kann die Vase im letzten Moment noch vor dem Zerschellen auf dem Boden bewahren. Dafür macht Michael mit seinem Mund Klirrgeräusche, sodass der Direktor immer noch glaubt, die Vase sei zu Bruch gegangen. Doch als er hinschaut, steht sie da noch, ganz heil und unversehrt. Offenbar gehörte dies zum ursprünglichen Plan unserer Helden, weil der Chef meint, Wahnvorstellungen allein durch Schmidgrubers Präsenz aufgesessen zu sein. Ja, es ist alles sehr logisch. Und wisst ihr was? Der Chef stellt unser Trio vom Fleck weg als neue Angestellte in seinem Hotel ein. Äh? Was?

In hinreißend sinnloser Manier setzt der Soundtrack auf ein neues Musikstück. Klaviergeklimpere in Form von Scott Joplins weltberühmtem „The Entertainer“ steht auf dem Programm. Die ach so zärtlichen Chaoten beziehen dabei ihr sehr spartanisch eingerichtetes Gästezimmer (immerhin mit Balkon!). Michael fühlt sich an einen Knast erinnert (als krimineller Schwarzer hat er ja bestimmt schon einen von innen gesehen). Immerhin werden sich die Männer schnell einig, wer wo im bereitgestellten Dreier-Hochbett schläft – und nach 31 Minuten hat auch endlich Michael Winslow seinen Rollennamen!

Schmidgruber: Ich schlaf’ unten.
Ricky: Dann schlaf’ ich oben und Walker in der Mitte, dann sehen wir aus wie ein Hamburger.

Ich nehme an, das ist einer dieser flapsigen Sprüche, deretwegen Gottschalk so populär wurde. Michael … äh … Walker rülpst über den Vorschlag zustimmend, und Ricky checkt erst einmal den Inhalt des Zimmerschranks. Darin findet er abgenutzte Latschen und wirft sie mit einem „Zwei Turnschuhe gebraucht, Marke Gorgonzola“ kurzerhand aus dem Fenster. Walker testet den Wasserhahn im Badezimmer. Da er nach Betätigung keinen Dienst tut, imitiert Walker Blubbergeräusche und sagt: „Wir haben fließendes Wasser.“ Es sind die kleinen Gags am Rande, die diesen Film so sehenswert machen. Oh sorry, falscher Film: Es sind die kleinen „Gags“ am Rande, die diesen Film so unerträglich machen. Und diese schrecklichen Typen, denen wir schon so lange bei ihren Eskapaden zusehen dürfen.

Schmidgruber hat aus seinem Kleinlaster Klappstühle, Klapptisch und Sonnenschirm für den Balkon geholt und dabei festgestellt, dass das Tischgestell kaputt gegangen ist. Deshalb soll Walkers Explosionskoffer, den er als Tontechniker nach seiner fristlosen Kündigung mitgenommen hat, als Abstellfläche dienen. Walker erlaubt das, macht aber auch deutlich, dass damit bitte schön vorsichtig umgegangen werden muss, sonst – Bumm! Walker produziert Explosionsgeräusche und erfreut damit jeden zweijährigen Zuschauer dieser Welt. Ach, und geht es euch so wie mir und glaubt ihr auch, dass dieser Punkt später noch „wichtig“ werden wird?

Dann aber ran an den Speck, es soll gearbeitet werden. Für Ricky hat der Hotelchef offenbar die Stelle eines Gymnastiktrainers ausschließlich für Damen gefunden, die er quer durchs Grün der Hotelanlage scheucht. Er hat Sehnsucht nach seinem Schnuffeltuffel Rosi und will den feuchten Männertraum (im Rahmen dieses Films, versteht sich) über eine Telefonzelle anrufen – wird dann aber von Walker daran gehindert, der ihn von einem Hotelfenster aus beobachtet und zu imitierten Schussgeräuschen drohend seinen Staubsauger erhebt, sein ab sofort bevorzugtes Haushaltsgerät, denn als Schwarzer im Deutschland der 80er bleibt ihm natürlich nur der Job als Putzmann. „Niemand baggert für sich allein!“, bringt Walker den geleisteten Schwur in Erinnerung, und der ertappte Ricky legt kleinlaut auf.

Schmidgruber taugt weder für das eine noch für andere, sondern wurde als Kellner wiedereingestellt. Auf der Terrasse sitzt ein besonderer Gast: Jean-Marie Pfaff, den die alteingesessenen Fußballfans unter uns noch als langjährigen belgischen Nationaltorwart und damaligen Keeper des Rekordmeisters Bayern München kennen könnten, für den er von 1982 bis 1988 zwischen den Pfosten stand. Gastauftritte können ja grundsätzlich was Feines sein, allerdings wird Pfaff bedauerlicherweise für einen Herr-Ober-Joke (nein, bitte nicht!) missbraucht, den Schmidgruber auch noch derart zerredet, dass das ohnehin geringe Witzpotenzial vom Nullpunkt unter die Grasnarbe jagt.

Pfaff: Sagen Sie mal, Herr Ober. Ist das normal hier, wenn ich ein Wiener Schnitzel bestell’ mit Pommes frites, dass Sie Ihren Daumen auf mein Wiener Schnitzel drücken?
Schmidgruber: Jean-Marie Pfaff, Sie sind so ein lieber Mensch und so ein Weltklassetorwart. Da möchte ich nicht riskieren, dass das Schnitzel wieder in den Dreck fällt. Da! Schauen’s! Schauen’s, wie des schon ausschaut!

Es wird nicht besser. Walker geht nämlich in einem Hotelzimmer seiner Putztätigkeit nach und spielt den Loriot-Sketch „Das Bild hängt schief“ nach – nur eben in unlustig. Wir erinnern uns: Loriot wollte seinerzeit ein Bild in einem Wartezimmer geraderücken und löste durch diverse Ungeschicklichkeiten damit eine Kettenreaktion aus, bis kein Einrichtungsgegenstand mehr an seinem ursprünglichen Platz stand. Physischer Humor vom Feinsten, weil er entsprechend vorbereitet wurde und sich der Sketch erst langsam bis in die absolute Katastrophe steigerte. Und hier? Nichts dergleichen. Jegliches Gespür für einen humoristischen Szenenaufbau schlichtweg nicht vorhanden.

Walker trägt Putzeimer und Staubsauger gleichzeitig ins Zimmer, fällt dabei rückwärts ins Zimmer auf einen Tisch, zerdeppert Porzellan, stößt mit seinem Wischer einen Stuhl um, haut mit dem Staubsauger den Kronleuchter runter, reißt vor Schreck den Vorhang ab, steigt auf einen Stuhl, um den Vorhang wieder anzuhängen, kracht durch den Stuhl, fällt auf den Boden, steht auf, stößt eine Vase um, stolpert rückwärts an die Wand, als ein Bild auf seinen Kopf fällt und zerreißt, steht auf, kracht ins Bett, das einbricht, und stolpert aus dem Zimmer schnell auf den Flur, wo er auf den Hotelchef trifft, den er auf dessen Ankündigung, sich mal seine Arbeitsleistung ansehen zu wollen, einfach in das viel sauberere Nebenzimmer führt und somit zufriedenstellt.

So monoton und langweilig, wie ich die einzelnen Missgeschicke aneinandergereiht habe, läuft die ganze Szene ab. Kein Ausschmücken, keine vorherige Etablierung des Schauplatzes, einfach nur billigstes ermüdendes Chaos und planlose Schnittarbeit. Loriot feilte teilweise wochenlang bei seinen Sketchen, Gottschalk schrieb vermutlich nur „Walker demoliert Zimmer“ als Anweisung ins Drehbuch. Fast möchte ich bei Til Schweiger für meine Kritik an der fassungslos machenden Bahnübergangsszene in „Klassentreffen 1.0“ Abbitte leisten. (Spart euch eure empörten Kreischereien. Ich habe doch geschrieben: fast. Nichts ist schlimmer als Til-Schweiger-Komödien.)

Schmidgruber hat andere Sorgen: Die Mitarbeiter in der Hotelküche arbeiten nachlässig und nicht schnell genug, allen voran der gleichgültige Chefkoch, der vom pfundigen Bullen von Tölz, Ottfried Fischer, gespielt wird. Früh tun sich hier Aversionen zwischen den beiden auf.

Schmidgruber: Für mich bist du kein Chefkoch, sondern ein Chefdepp!
Chefkoch: Halt bloß dein Maul, du Speisenträger, du Blöder!

Das lässt unser gewitzter Schmidgruber, der ja streng genommen angefangen hat, nicht auf sich sitzen und bereitet umgehend einen bösen Scherz vor, der sich so was von gewaschen hat, dass ich noch beim Tippen dieser Zeilen einen lauten Halleluja-Jauchzer ausstoße. Helmut nimmt sich eine kleine Pappschachtel, steckt seinen Daumen rein und beschüttet ihn mit reichlich Ketchup. Damit geht er zu Chefkoch Fischer und sagt: „Schau mal, was da einer in der Suppe gefunden hat.“ Ein „abgetrennter“ Finger! Der Koch macht große Augen und prüft die Vollständigkeit seiner eigenen Finger. Und schau mal einer an – der Daumen bewegt sich sogar noch. Da kommt ihm fast die Kotze hoch. Schmidgruber löst auf und kann einerseits die simplen Gemüter der beim Scherz anwesenden Köche erfreuen, die sich kaputtlachen, und zieht sich andererseits den Zorn des Chefkochs zu: „Schmidgruber, jetzt ist Krieg!“ Recht hat er. Ich erkläre auch gleich den Krieg – gegen diesen Film.

Fischer ist so erbost, dass er wie von Sinnen allerlei Küchenutensilien wie Fritteusen, Pfannen und Töpfe in Richtung Schmidgrubers wirft, obwohl der sich längst in Sicherheit gebracht hat. Die fliegen daher alle hochkant aus dem offenen Fenster – aber zum Glück steht unten vor dem Fenster Torwart Jean-Marie Pfaff und fährt seine besten Paraden auf, indem er alles auffängt, was da aus der Küche geflogen kommt. Bald hat er aber genug und ruft: „Stopp! Feuer einstellen!“ Mit einem charmanten Grinsen schaut er hinter dem Fenster hervor und grinst schelmisch: „Wenn Sie Ihre Töpfe suchen – hier sind sie!“ – und stellt sie fein säuberlich aufgereiht wieder in die Küche. Damit ist sein ultralustiges Cameo aber noch nicht vorbei. Nach dem vollbrachten unkonventionellen Torwarttraining geht er an einem anderen Hotelfenster vorbei und wird von einem fußballspielenden Jungen angesprochen: „Jean-Marie, fang!“ Ohne ihm Zeit zu lassen, schießt er einen Fußball, und der schlägt darauf neben ihm ins dabei zerbrechende Fenster ein. Pfaff ist geschlagen und guckt blöd. Wer da nicht lacht, macht’s richtig.

In der Zwischenzeit gönnt sich Walker in einem der zahlreichen Zimmer eine Pause. Das von ihm unfreiwillig kurz und klein geschlagene Hotelzimmer scheint noch nicht aufgefallen zu sein oder es hatte keinerlei Konsequenzen für ihn. Sinnvolle Zusammenhänge? Was ist das? Der Schelm, der vorhin noch Ricky zurechtgewiesen hatte, will selbst heimlich eine Runde mit Rosi telefonieren, aber plötzlich schneit Schmidgruber rein. Walker probiert es mit einer lächerlichen Notlüge und schiebt einen Anruf bei seiner Mutter vor, was Schmidgruber umgehend durchschaut, weil Walker mal erzählt hatte, dass die schon tot sei.

Schmidgruber rümpft ohne weitere Worte verächtlich die Nase und bringt einer bereits ungeduldigen Kundin Essen auf ihr Zimmer. Er lüpft die Speiseglocke über dem Teller, und was kommt da zum Vorschein? Zwei gekochte Eier und eine Wurst – angeordnet wie Hodensack und Penis. Schmidgruber ahnt sofort, wer dafür verantwortlich ist, kann die Empörung des so belästigten Gastes aber nicht drosseln. Im Gegenteil: Die Frau stürmt sofort aus dem Zimmer, um sich beim Hoteldirektor zu beschweren. In einem weiteren Beispiel völlig sinnloser Komik läuft Schmidgruber nicht etwa hinterher und schwärzt den vermeintlichen Täter, den Chefkoch, an, sondern vernichtet die Beweise. Hastig wirft er nacheinander Eier und Wurst aus dem Fenster, was zur Folge hat, dass – man möchte nur schreien, aber vor Schmerz – die Eier auf den Augen und die Wurst im Mund des sich gerade draußen sonnenden Hoteldirektors landen! Ich weiß nicht, wie lange ich das noch ertragen kann.

Lenken wir uns mit einem Song von dieser Vollkatastrophe ab, sogar mit einem ganz neuen: „How Sweet It Is“ von Marvin Gaye. Aus mir bis heute schleierhaften Gründen hielten es deutsche Komödien-Schreiberlinge spätestens seit „Manche mögens heiß“ für eine wahnsinnig witzige Idee, Männer in Frauenklamotten zu stecken. Nur weil Billy Wilder 1959 das mal erfolgreich gemacht hat, verspricht das ja aber nicht automatisch gelungene Gags am laufenden Band, wie u.a. Rudi Carrell und Ilja Richter in der „Tollen Tante“-Reihe und sogar Hansi Kraus im sechsten Teil der Lümmel-Reihe, „Morgen fällt die Schule aus“, schmerzhaft bewusst machten. Ihr könnt es euch denken: Auch Gottschalk mag in seinem Drehbuch nicht darauf verzichten. Und deshalb darf sich Michael Winslow in der nächsten Szene als Tina Turner verkleiden.

Und warum macht Walker das alles hier? Das bleibt zunächst unklar, aber da im nächsten Moment Ottfried Fischer ins Bild walzt, möchte ich schon prophylaktisch zur Fernbedienung greifen. Und ich hätte gut daran getan, sie auch zu betätigen, denn Schmidgrubers perfider Racheplan sieht vor, dass der fette Chefkoch den als Frau verkleideten Walker nur kurz ansehen muss, um „ihrem“ Zauber zu verfallen. Mir dreht sich der Magen um. „Frau“ Walker gibt mit hoher Piepsstimme vor, auf „ihren“ Freund zu warten, aber davon lässt sich Fischer nicht abbringen: „Wir könnten ja bei mir warten und in der Zwischenzeit ein Schlückchen trinken.“ „Frau“ Walker stimmt zu, streichelt ihm mit „ihrer“ behandschuhten Hand über das Kind und leckt lasziv „ihre“ Lippen. Du willst es ja nicht anders, Gottschalk! JETZT ist Krieg!

Fischer führt „Frau“ Walker in seine Wohnung, wo er „ihr“ als Gentleman alter Schule auf den Po klatscht und gleich auch noch etwas Kaviar anbietet. „Dazu sag’ ich nicht Nein“, piepst Walker und leckt abermals den Mund, Fischer grinst dabei debil bis irre. AUFHÖREN, BITTE AUFHÖREN! Der vor Lust fast schon schnaufende Fischer setzt zu einem Kuss an. Der Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind! Kneift mich doch einer, ich will endlich aufwachen!! „Willst du nicht zuerst duschen?“, ist Walkers Frage zur rechten Zeit. Tu das nie wieder, Gottschalk! Fischer kann sich noch insoweit zügeln, als dass er tatsächlich ins Bad geht, um sich abzubrausen – nicht ohne seiner Begleitung in Erwartung baldigen Sexualverkehrs einen verliebten Handkuss zuzuwerfen. Zum Glück lässt der Film die Gelegenheit aus, uns Ottfried Fischer nackt unter der Dusche zu zeigen, aber allein dass ich dem Film es sogar zutraue, eben das zu tun, spricht Bände.

Damit ist der Zeitpunkt gekommen, den nächsten ultimativen Beweis für das ungenügende Humorverständnis der Macher dieses Films zu liefern. Ähnlich wie bei der minutenlangen Hotelzimmerzerstörung wird das Stilmittel der grellen Lautstärke versehentlich mit Witz verwechselt, und so simuliert Walker während Fischers Aufenthalt im Badezimmer mit abwechselnd hoher und tiefer Stimme ein Streitgespräch zwischen seinem Alter Ego Tina Turner und dessen vermeintlichem Freund, der wutentbrannt herausbekommen hat, dass seine Tina mit dem nächstbesten Koch in die Koje springt oder springen will. Winslow muss dabei ganz viel schreien und unter lautem Gepolter an Türen und Wände klopfen, während der Koch in seinem Bad eingesperrt angsterfüllt um Gnade wimmert, als sich die „Wut“ auf ihn verlagert. In seiner Todesangst bietet er dem vermeintlichen Freund an, doch alles mitzunehmen, was er will. Das lässt sich Walker nicht zweimal sagen, und er steckt alles Essens- und Trinkenswerte ein, dessen er habhaft werden kann. Dieses Spektakel zieht Regisseur Gottlieb wieder über Minuten, so nach dem Motto: Je länger das dauert, desto größer der Spaß. Doch für mich hat der Spaß längst aufgehört. Ich weine.

Als sich der Lärm verflüchtigt hat, traut sich Fischer aus seinem Versteck und leitet anhand der von Walker zurückgelassenen Perücke her, erneut hinters Licht geführt worden zu sein und schimpft. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber durch solche Aktionen wird mir keine der Figuren sympathischer. Wir erinnern uns: Ursprünglich hat Schmidgruber mit seinem „Chefdepp“ erst den ganzen Krieg gegen den cholerischen und offenbar nervenschwachen Oberkoch angezettelt. Der Mann braucht offenkundig Hilfe, stattdessen betreibt Schmidgruber, diesmal unter tatkräftiger Mithilfe von Walker, reines Mobbing und provoziert diese tickende Zeitbombe weiter und immer weiter, bis sie explodiert. Mal davon abgesehen ist Fischer natürlich ein mindestens ebenso großer Idiot wie die anderen Figuren: Jetzt, da er den Beweis, dass er gelinkt und unter Vortäuschung falscher Tatsachen auch noch ausgeraubt wurde, könnte er sich wegen Diebstahls und seelischer Grausamkeit an die Polizei wenden, aber welche Figur würde in einer Komödie solch wahnwitzige Sachen machen, wenn man den Humorpegel doch nach wie vor ganz oben halten kann?

Deshalb ist die nächste Szene eben nicht die, dass Fischer zur Polizei geht, sondern dass Fischer durch die nächtliche Dunkelheit schleicht und eine Skulptur vermutlich aus dem Büro des Hoteldirektors entwendet, die er dem frechen Schwarzen unterschieben kann. Zu seinem Glück schieben die drei Freunde noch Schicht, sodass er heimlich in deren Zimmer eindringen kann. Zu seinem Pech entscheidet er sich allerdings für Walkers Explosionskoffer als Versteck. Das Resultat: eine fette Explosion, bei der außer Fischer mal eben der ganze Balkon wegfliegt – oder vielmehr das sichtbare Miniaturmodell, denn für eine echte Explosion an einem Gebäude reichte das Budget dann doch nicht. Ich stelle aber fest: Mit der tickenden Zeitbombe im vorigen Absatz lag ich gar nicht mal so weit daneben.

Obwohl der Krach eigentlich alle Gäste nebst Personal aufgeweckt haben sollte, kommen Ricky, Walker und Schmidgruber nichtsahnend in ihr Zimmer, als sich die Rauchschwaden längst gelegt haben, und entdecken, dass bei ihnen eingebrochen wurde. Man sieht sich um, und weil es lustig ist, wenn jemand irgendwo runterfällt, geht Schmidgruber halt unbedacht und unaufmerksam auf den nicht mehr vorhandenen Balkon und stürzt in die Tiefe. Seine Freunde schauen besorgt nach unten, aber nichts passiert. „Den Balkon haben sie auch mitgenommen“, grantelt Schmidgruber.

Am darauffolgenden Tag überbringt eine junge Mitarbeiterin des Hotels Schmidgruber „eine wichtige Message“ in Form eines Stück Papiers. Die Geschehnisse vom Vortag haben offenbar niemanden weiter interessiert. Da ist ein Balkon in die Luft geflogen, es wurden Hotelzimmer zerstört und Hotelgäste mit anzüglicher Essensgarnitur drangsaliert, aber jeder darf unbehelligt weiterarbeiten. Mehr noch: Chefkoch Fischer liegt nicht in Tausende von Fleischstücken zerfetzt irgendwo im Garten des Wörthersee-Hotels, sondern ist mit vergleichsweise geringen Blessuren (den rechten Arm in einer Schlinge steckend, ein blaues Auge und diverse Pflaster im Gesicht) davongekommen und verrichtet, als wäre nichts gewesen, seine Arbeit. Allerdings ist er von nun an gebrochen, denn die kriegerischen Eskapaden mit seinem Widersacher – oder jetzt ja eher sogar Plural: Widersachern – interessieren ab sofort niemanden mehr. Der abgetrennte Finger, die fliegenden Töpfe, das Geschlechtsteilessen, die falsche Frau, die Explosion? Nichts weiter als öde Zeitstrecker.

Ach ja, die „wichtige Message“. Schmidgruber liest sie sich durch und schluckt: „Das darf doch nicht wahr sein.“ Er sprintet sofort aus der Küche. Passgenau setzt Harry Nilssons „Without You“ ein. Alter, wie oft denn noch? Reicht es nicht, dass ihr euch mit euren primitiven Gags aus der Mottenkiste ständig wiederholt und uns damit gewaltig auf die Eier geht (also Hoden jetzt, nicht die Eier, die vorhin als Mittagessen angeboten wurden)?

Ricky will gerade mit dem Boot rausfahren (was auch immer das jetzt wieder für ein Job ist, Gymnastiktrainer wohl eher nicht). Davor wird er aber wie eben Schmidgruber ebenfalls von der jungen Mitarbeiterin des Hotels gestört: „eine wichtige Message“. Sofort liest er sie, und auch ihm fallen fast die Augen aus. Nun sehen wir auch, warum. „KOMM SOFORT. BIN SCHWANGER. ROSI“, steht da in großen Lettern. Ihr erinnert euch? „Drei Männer und ein Baby“? Stimmt ja, das sollte doch eigentlich der Plot werden – und da wir bisher ja gänzlich auf einen verzichtet haben, obwohl der Film schon halb um ist, wird es auch mal Zeit.

Das erfordert ein sofortiges Gespräch mit den Kumpels. Auf halber Strecke begegnen sich Ricky und Schmidgruber. Wie beste Freunde nun mal so sind, verdächtigen sie sich gleich mal gegenseitig, den Schwur gebrochen zu haben. Allerdings will weder der eine noch der andere etwas davon wissen. Ricky glaubt Schmidgruber für den Moment und sieht nur eine Möglichkeit: „Der Schwarze!“ Wir können vermutlich froh sein, dass Gottschalk 1987 nicht mehr das N-Wort verwendet. Warum er aber nicht Walker, sondern „der Schwarze“ sagt, erschließt sich mir nicht. Wie gesagt: Ich dachte ja, die wären so etwas wie Freunde, da sollte doch die Hautfarbe keine Rolle spielen.

Da wir gerade von Walker sprechen: Der heizt gerade tanzendem Junggemüse als Open-Air-DJ ein. Hä? Ich dachte, der ist Putzmann?! Oder hat der Hoteldirektor ihm gekündigt und ihn dann als Dank für den hinterlassenen Hotelzimmerschaden als DJ eingestellt? Macht Sinn. Da das Geld nur für die Rechte einer Handvoll Songs reicht, legt er einen Song auf, den wir auch schon in diesem Film gehört haben: „Dancing in the Street“ von Martha Reeves & The Vandellas. Wutentbrannt stürmen Ricky und Schmidgruber die Bühne und fordern Walker auf, zwecks sofortiger Unterredung eine Kassette einzulegen. Der wundert sich zwar, ist aber vorbereitet und schiebt für seine Zuhörer, wie er es in sein Mikro spricht, die unbekannte Band „Los Cassettos“ in den Kassettenrekorder.

Walker hat noch keinen Zettel erhalten, weshalb ihn die Nachricht von Rosis Schwangerschaft wie ein Schlag trifft. Da auch er abstreitet, hinter dem Rücken der anderen beiden mit Rosi gevögelt zu haben, giften sie sich gegenseitig an. „Vielleicht hast du dich mit einem fetten Knochen hingeschlichen, und Wauwau hat die Tür aufgemacht“, schimpft Walker und geht Schmidgruber an den Kragen. Die Gemüter kühlen aber allmählich wieder ab, und man versucht, rational zu denken. Könnte es nicht auch ein anderer gewesen sein? Frauenfreund Ricky spricht laut aus, was er denkt: „Ja, so ein Miststück, hä? Tut so, als könnte sie nicht bis Drei zählen, und dann kommt irgendeiner und fuhrwerkt uns dazwischen. Soll sie schauen, wie sie weiterkommt. Mich kann sie vergessen.“ Ja genau, wie kann die Dummnuss nur mit einem anderen poppen, wenn sie genauso gut drei aufdringliche Stalker haben kann? „Wenn die Rosi uns braucht, dann müssen wir hin“, zeigt sich ausgerechnet der Obergrantler Schmidgruber besonnener und ergänzt: „Sie kann uns ja sagen, wer’s war. Der kriegt dann einen Sack über den Kopf und wird verprügelt.“ Okay, doch nicht. Da kommt die Hotelmitarbeiterin und möchte Walker „eine wichtige Message“ überbringen. Weil im Anschluss sofort die Szene endet, war das offensichtlich einmal mehr als Gag gedacht. Die Frau hat die Nachricht zu spät übergebracht, weil Ricky und Schmidgruber schneller waren, bruahahaha!

Ricky hat letzten Endes eingesehen, dass er sich der für alle Beteiligten unschönen Situation wie ein Mann stellen muss und begleitet Walker in der nächsten Szene in eine Apotheke, um einen Test zu besorgen. Dabei spielt allen Ernstes im Hintergrund SCHON WIEDER „Without You“ von Harry Nilsson! Waaaah!!! Warum? Was soll das? Was braucht eine Dialogszene in einer Apotheke überhaupt musikalische Untermalung? Der Apotheker ist davon unbeeindruckt und zieht Ricky und Walker mühsam aus der Nase, dass sie mit dem angeforderten Test wohl einen Schwangerschaftstest meinen.

Walker: Geben Sie uns gleich den, wo man erkennt, wer der Vater ist.
Apotheker: Das müssen Sie am besten die Mutter fragen.
Walker: Meine Mutter kennt die Frau überhaupt nicht.

Dem Apotheker ist die Schnodderschnauze des Schwarzen merklich ein Dorn im Auge, und er meint nur lapidar: „Wenn das Kind von Ihnen ist, wird man das ja sicherlich merken.“ Äh, ja. Weil Schwarz und Weiß automatisch Schwarz ergibt? Oder wie? Oder was?

Danach geht es sofort zu Rosi. Dabei spielt immer noch „Without You“. Also, ich möchte Til Schweiger ja wirklich nicht in Schutz nehmen, aber so penetrant bei dem auch immer die Musikuntermalung ist, er hat wenigstens mehr als fünf Songs für seine Filme im Köcher. Nachdenklich und mal überhaupt nicht lächelnd nimmt Enigma-Rosi die Gentlemen in Empfang, die sie, wie es höfliche Herren nun mal tun, wenn sie einer offenbar verzweifelten Schwangeren gegenüberstehen, erst einmal freundlich begrüßen.

Ricky: Wie konntest du uns das antun?
Schmidgruber: Eine Schande für die ganze Familie, für uns alle drei!
Walker: Wie stehen wir denn jetzt da?

Ricky möchte wissen, wer der Vater ist, aber Rosi kann das beim besten Willen nicht sagen, weil sie mit niemandem geschlafen hat. „Aha! Ein Retortenbaby!“, schimpft Ricky, als wäre das was Schlimmeres, als mit einem anderen Mann als ihm Sex zu haben. Rosi meint, sie hätte alles nachgerechnet, und dabei käme lediglich eine Nacht infrage – die Nacht mit Ricky, Schmidgruber und Walker. Das veranlasst den impulsiven Walker, sich mit Ricky prügeln zu wollen, weil der immerhin neben ihr im Bett gelegen hätte. Schmidgruber nimmt’s erstaunlich locker: „Wenn ich’s gewesen wäre, täte sie sich dran erinnern.“ Walker kann das alles nicht fassen und hakt lieber nochmal nach, ob denn wirklich kein anderer infrage käme. Das führt zur ersten und einzigen glaubwürdigen Reaktion, die im gesamten Film überhaupt von irgendjemandem erfolgt. Sie ist entrüstet und faucht: „Für wen hältst du mich eigentlich?!“ Die aufgeheizte Stimmung kühlt allmählich wieder runter, und sie macht den Jungs zuliebe einen Schwangerschaftstest, denn bisher war die Schwangerschaft für sie lediglich weibliche Intuition ohne Beweis.

Wie sich herausstellt, ist Rosi tatsächlich schwanger. Betretenes Schweigen, das von Schmidgruber durchbrochen wird. Er verständigt sich mit seinen sogenannten Freunden darauf, für die Zukunft die Kohle zusammenzuschmeißen und dem Kind ein Nest zu bauen: „Wir müssen jetzt neun Monate zusammenhalten, bis wir wissen, wer der Vater ist. Und wenn wir es wissen, dann kriegt er von den anderen beiden die Fresse so voll, dass er für eine Woche als Vater ausfällt.“ Da die Wohnung unter Rosi immer noch frei ist, werden sie die ab sofort als Dreier-WG in Beschlag nehmen. Was für prächtige selbstlose Mannsbilder!

Und weil ja bisher alles schon so schrecklich und absolut unwitzig war, entschließt sich der Film nun – immer noch über eine halbe Stunde vom Ende entfernt – noch schrecklicher und unwitziger zu werden. Unwitziger als absolut unwitzig? Ja, das geht. Ich hätte es auch nicht gedacht. Ab sofort folgen endgültig nur noch lächerliche Nummernrevuen, die sich einzig und allein um die Bemühungen drehen, wie die laut Titel ja zärtlichen Chaoten das nötige Geld zusammenbekommen (wollen). Das Schloss am Wörthersee ist nämlich aus irgendwelchen Gründen schon wieder Geschichte. Vielleicht wurde ihnen von uns unbemerkt gekündigt, was ich nur konsequent und richtig finde, andererseits aber auch schade, weil ich die Standpauke gern miterlebt hätte.

Den Anfang mit dem Geldverdienen macht Ricky, der sich im schicken Anzug und mit nach hinten gebundenem Zopf als Straßenverkäufer versucht – aus irgendeinem Grund mit aufgesetztem kölschen Dialekt, weil Gottschalk wohl dachte, dass das Publikum sich dabei vor Lachen im Kinosessel krümmen würde. Dies macht er zu der Melodie von „The Entertainer“ (schnarch). Er preist einer hauptsächlich aus alten Schachteln bestehenden Gruppe eine komische Brillenapparatur mit angebrachten Schläuchen an, mit der man angeblich den Mundgeruch messen kann. Zu Demonstrationszwecken zwangsverpflichtet er einen in der Nähe stehenden und eher unwilligen Straßenpenner, der eigentlich lieber Billigfusel aus der Weinflasche trinken will. Der Straßenpenner ist übrigens Herbert Fux, der ja schon vorher trashgestählt genug war, dass ihn auch ein Engagement in einem Gottschalk-Vehikel nicht mehr schocken konnte. Ricky setzt ihm die Brille auf, sein Versuchsobjekt pustet rein – und bricht daraufhin ohnmächtig zusammen. Das ist jetzt nicht so ein großes Verkaufsargument für diesen neuesten Schrei, und so löst sich die Menschenmenge auf, obwohl Ricky ihr die Brille zum Sonderpreis anbietet. Obwohl – einen Käufer hat er dann doch gefunden, nämlich den Straßenpenner, der aus seiner Bewusstlosigkeit schnell erwacht: „Ich nehm’s!“

Schmidgruber versucht dasselbe Produkt in einem Drogeriemarkt an den Mann zu bringen, aber der Verkäufer ist von Anfang an unwillig und bezeichnet das Teil als Unsinn. Dass die Brille „ein Schmarrn“ ist, muss schließlich sogar Schmidgruber feststellen. Ende der Szene. Den Witz darin suche ich heute noch.

Die Männerbande geht nebeneinander spazieren und beratschlägt, wie sie die Erfindung doch noch loswerden kann, weil offenbar kein Mensch auf ein solches Produkt gewartet hätte. Walker hat den zündenden Einfall: „Dann müssen wir eben danach fragen.“ Ricky hält das für eine Spitzenidee. Ich bin da eher Team Schmidgruber, denn der versteht gar nichts, aber eine ebenso komplizierte wie wirklich so absolut unendlich furchtbar unlustige Szenenfolge wird uns gleich verraten, was damit gemeint ist. Schon das Tippen verursacht Schmerzen.

Ricky betritt in Priestermontur eine Drogerie und geht zielsicher auf eine „Die Dornenvögel“ lesende Verkäuferin zu: „Grüß Gott, mein Kind! Schon Lukas sagte: Wer spricht, der prüfe seinen Atem, und gerade im Beichtstuhl ist frischer Atem sehr wichtig.“ Zu Recht geht sie davon aus, dass er nur auf eine neue Zahnbürste aus ist, aber nein, er spricht doch von dem neuen Mundgeruchskontrollgerät. Da muss sie leider verneinen: Nein, so etwas führen wir nicht. „Macht nichts, ich schreibe Ihnen mal einen Hirtenbrief“, sagt Ricky und geht. Die Verkäuferin ist neugierig geworden und macht ihren Chef (der alles in allen Genres spielende Darsteller Ulrich Beiger) auf dieses brandneue Gerät aufmerksam.

Danach kommt Ricky in neuer Verkleidung – ganz in Weiß gekleidet, mit Sonnenbrille – nochmals in dasselbe Geschäft, diesmal mit Walker – ganz in Schwarz gekleidet, mit Sonnenbrille – an seiner Seite. „Miami Vice, deutsches Department!“, stellt sich Walker vor und fügt an: „Wir wollen einen Schutz gegen Mundgeruch.“ Diesmal knöpft sich der neugierige Geschäftsführer persönlich die beiden Herren vor und berichtet begeistert: „Sie sind vom Fernsehen, von dieser Dingsda, von dieser Polizei.“ Danke, Gottschalk, dass du das Offensichtliche noch einmal ausbuchstabierst, damit auch ja keiner übersieht, was für eine tolle Superparodie du dir hier ausgedacht hast. Leider muss aber auch der Geschäftsführer die Herren enttäuschen: Nein, das angeforderte Gerät haben wir nicht. Also gehen Sonny Crockett und Rico Tubbs unverrichteter Dinge wieder. Crockett und Tubbs sind übrigens die aus „Miami Vice“, nur zur Sicherheit.

Marvin Gaye singt mal wieder „How Sweet It Is“. Das bedeutete vorhin schon nichts Gutes und auch jetzt nicht, es bedeutet nämlich Winslow in Frauenfummel. Wenigstens ist Ottfried Fischer weit und breit nicht zu sehen. Walker betritt mit blonder Perücke bereits mehrfach aufgesuchte Drogerie und quatscht die Verkäuferin an: „Wissen Sie was? Ihr Bräunungsmittel, das Sie mir empfohlen haben, ist wirklich fabelhaft. Sehen Sie mich an! Ist die Wirkung nicht toll?“ Ein Schwarzer bringt Bräunungsmittel-Jokes. Geil. Heute will „Frau“ Walker aber nicht das Bräunungsmittel, sondern diese wunderbare Testmaschine. Nein, die haben sie immer noch nicht im Angebot, aber in den nächsten Tagen ganz bestimmt. Ermüdet euch das eigentlich auch so wie mich?

Walker geht wieder, trifft aber im Vorbeigehen auf Ricky, der sich in die nächste Verkleidung geworfen hat. Nach dem Priester und Sonny Crockett ist er nun wieder der im kölschen Dialekt palavernde Verkäufer, schiebt einen großen Koffer in den Laden und lässt es sich nicht nehmen, die Verkäuferin und ihren Chef auf die von Walker verkörperte heiße Schwarze anzusprechen.

Ricky: Also, dat es ein ganz reizendes Dingelchen, nicht wahr?
Verkaufsleiter: A bissl zu braun!

In dem großen Koffer transportiert Ricky natürlich die von den „Kunden“ bereits mehrfach angeforderte Mundgeruchstestmaschine. Darauf hat der Herr Chef doch nur gewartet, kauft den kompletten Kofferinhalt und bestellt obendrein 100 weitere Stück. Ricky will das Geld sofort, aber überhaupt kein Problem. „Das spielt doch keine Rolle“, lacht der Chef begeistert.

So viel Aufwand für so wenig Witz. Wie würde Tortoletto in „La verità secondo Satana“ sagen? „Es ist eine Katastropheeeee!“ (Mal ganz davon abgesehen, dass sich unsere drei Freunde mit dieser kleinen Schelmerei – man könnte auch Gaunerei sagen –, einen arglos-naiven Mann mittels nicht ganz feiner Tricks übers Ohr gehauen zu haben, beim Publikum nur noch beliebter gemacht haben. Früher gab es noch die Sendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“. Die Kategorie passt. Vielleicht würden sie sogar einen eigenen Beitrag bekommen und gesucht werden. Allerdings verdient der Depp, der ihnen den ganzen Mist abgekauft hat – so viel Offenheit muss sein -, auch wenig Mitleid.)

Mit dieser grundehrlichen Art, Geld zu verdienen, können die Männer auch Rosis Herz (zurück?)erobern. Die besuchen sie eines Abends und bringen ihr einen riesigen Stoffhasen mit – mitsamt schreiend ulkiger Sprüche.

Walker (mit hoher Stimme): Hallo, liebe Rosi!
Ricky: Mein Name ist Hase!
Schmidgruber: Und der weiß von nichts!

Rosi fragt, ob sie darüber hinaus Hunger mitgebracht haben. Ja, aber sicher. Zu ihrer sichtlichen Enttäuschung gibt es aber keinen herrlichen Lammbraten mit Kartoffeln, Rosmarin und grünen Bohnen, sondern lediglich Brotsticks aus der Plastikbox. Unser Quartett ist mittlerweile zu einem wahren Dreamteam mutiert, das durch dick und dünn geht. Bei aller guten Laune kann Schmidgruber allerdings nicht verhehlen, keinen Bock mehr zu haben auf den derzeitigen Job als Verkäufer nutzloser Artikel. Er würde lieber auf angenehme Weise Geld verdienen. Ich bin dankbar, dass hier keiner auf die Idee kommt, dass sie sich als Callboys verdingen könnten. Walker schlägt was mit Musik vor, aber das hätte den Nachteil, dass weder Ricky noch Schmidgruber sonderlich musikalisch wären. Ricky protestiert: „Rod Stewart kann auch nicht singen und verdient ’nen Haufen Kohle.“ Walker hat einen Geistesblitz – und wie wir gleich feststellen werden, verwundert es nicht, dass dieser Geistesblitz auf den Mist unseres Idiotentrupps gewachsen ist.

Vier Jahre vor „Die nackte Kanone 2 ½“ versuchen sich die drei nämlich als spanische Sänger mitsamt Gitarren und Ukulele in einem Restaurant. Wo allerdings Frank Drebin, Ed Hocken, Nordberg und Dr. Meinheimer die Aufgabe hatten, den Plan des Schurken zu vereiteln und all ihr Herzblut in den Auftritt steckten, um nicht aufzufliegen, hat Walker heimlich einen Kassettenrekorder mit den Originalsängern in seiner Tasche eingeschleust, während die Männer einfach nur zum Playback ihre Lippen bewegen. Die zahlende Kundschaft checkt natürlich nichts und ist begeistert, vor allem eine Frau, die zu den heißen (na ja) Rhythmen (na ja) das Tanzbein schwingt. Zugabe wird gefordert. Das gestaltet sich insofern als schwierig, als Walker nicht weiß, wie weit er bis zum Beginn des gesungenen Musikstücks zurückspulen muss. Der Mann der soeben so mitgerissen getanzt habenden Frau übt allerdings ausreichend Druck aus, gefälligst noch einmal zu singen. Sonst würde er sich an die Geschäftsführung wenden. Also müssen sie notgedrungen doch. Natürlich spult Walker nicht ganz an die richtige Stelle zurück. „Hier ist der Bayerische Rundfunk“, ertönt es vom Band. Doch Improvisationstalent Ricky bewegt geistesgegenwärtig die Lippen dazu. Deshalb fällt der Schwindel nicht weiter auf.

Ist das alles schon entsetzlich genug, setzt der Film dem Ganzen nun noch die Krone mit einer Montage auf, in der die Monate vergehen – visualisiert durch das einfach nicht tot zu kriegende Klischee der sich umblätternden Kalenderblätter – und die Männer der immer schwangerer werdenden Rosi immer neue Stofftiere für das kommende Kind anschleppen. Entsetzlich ist das vor allem deshalb, weil dabei – ich will nicht mehr, ich will einfach nicht mehr – „Without You“ von Harry Nilsson läuft. Warum nur? Was habe ich verbrochen?

Das Lied wird jäh unterbrochen durch – und ob das so viel besser ist – Ricky, der in mittelalterlicher Tracht vorgibt, in einem Pflegeheim „Oh Tannenbaum“ zu singen, obwohl auch das wieder alles vom Band kommt. Seine Kollegen Schmidgruber und Walker spielen dazu Klavier und Geige. Die Statisten, die das zuhörende alte Publikum mimen sollen, hat das Filmteam offensichtlich in Wirklichkeit unter Zwang aus einer Senioreneinrichtung angekarrt. Größer als die kann man Langeweile nämlich nicht ausdrücken.

Und dann – das eben so dreist unterbrochene „Without You“ von Harry Nilsson geht gnadenlos weiter! Der Kalender zeigt mittlerweile Januar an, dann den Februar. Das ist der Monat des Faschings. Also spielen unsere drei Freunde in geschminkter Kasperle-Montur bayerische Volksmusik …

… die dann wieder beendet wird, damit „Without You“ von Harry Nilsson weiter, immer weiter eingespielt werden kann, während die Männer gemeinsam am Wasser sitzen und angeln. Ein Kameraschwenk nach rechts zeigt eine mittlerweile hochschwangere Rosi. Wann ist das hier eigentlich endlich zu Ende?! Immer noch 24 Minuten. Heul.

Die drei Männer und die Frau sitzen bei Rosi gemütlich beisammen, und Schmidgruber errechnet flugs, dass selbst dann noch 5.300,47 DM in der Kasse blieben, wenn man ein Kinderbett und einen Wickeltisch für das Kind gekauft hätte. Somit haben Rosi und der Junge bis zum Kindergarten ausgesorgt. Ricky wirft korrigierend ein, dass das Kind kein Junge, sondern bestimmt ein Mädchen werde – „wenn’s von mir ist“. Eine Ultraschalluntersuchung könnte sicherlich Auskunft geben, aber eine solche würde natürlich die Spannung nehmen.

Wir könnten nun, wo alles super und toll und klasse und spitze und so ist, also schnurstracks aufs Happy End zugehen, aber keine Komödie wäre komplett ohne Wendung. Plötzlich meint Gottschalk, auf Teufel komm heraus den Männern noch Steine in den Weg legen zu müssen. Also das, was man halt Steine nennt. Und ich verrate euch natürlich, was Gottschalk dafür Dolles eingefallen ist. Walker sieht sich in der Babyabteilung eines Geschäfts in einem großen Einkaufszentrum um. Dabei setzt er sich eine niedliche Babymütze auf, schneidet Grimassen und macht Adda-adda-Baby-Geräusche. Für mich Anlass genug, den Kaufhausdetektiv einzuschalten, aber Gottschalk findet noch einen weiteren Grund: Walker klaut Babyrasseln. Nicht dass es nötig wäre bei einem Budget von 5.300 DM, nicht dass überhaupt irgendwie klar wäre, warum er das macht, er macht es eben und lässt sich dabei erwischen. Sinn? Verstand? War nie vorhanden in diesem Film. Ist auch jetzt nicht vorhanden in diesem Film. Bevor Walker aber zur Rede gestellt werden kann, entscheidet er sich für einen Fluchtversuch, der in einer wilden Verfolgungsjagd zwischen dem Dieb, den Sicherheitsleuten und schließlich auch Polizisten durch verschiedene Läden mündet. Dabei kann unsere Stimmungskanone wenigstens Formel-1-Autogeräusche machen. Kurzzeitig kann er die Verfolger abschütteln, auch weil er mit einem lauten „Feuer!“-Ruf eine Massenpanik auslöst und sich alle über den Haufen rennen. Vorsichtshalber werden die Sprinkleranlagen eingeschaltet, und Walker schlittert durchs Nass. Ende vom Lied: Er wird trotzdem gefangen genommen. Alle Mühe umsonst.

Anschließend wird Walker zum Geschäftsführer abgeführt. Dieser ist freundlicherweise bereit, von einer Anzeige abzusehen – wenn er denn innerhalb von vier Wochen den bei dem ganzen Wirbel verursachten Sachschaden von exakt 13.467,80 DM bezahlen kann. Toll gemacht, Walker. Nimm dir ’n Keks. Hätte Gottschalk sich die Mühe gemacht, einen Beweggrund – und sei es nur ein angedeuteter – für Walker für diese unendlich dämliche Kurzschlusshandlung mitzugeben, könnte man vielleicht Mitleid empfinden. Da ein solcher aber nicht genannt wird, müssen wir Walker einfach als oberbekloppten Vollspacko abtun. Und Gottschalk zimmern wir mal gleich einen schweren Schlaggegenstand über die Rübe für ein Drehbuch direkt aus der Hölle.

The Temptation mit „My Girl“ gab es bisher in diesem Film lediglich ein einziges Mal zu hören, deshalb kommt der Song ein weiteres Mal zu seinem Recht. Hat vorhin nicht gepasst, passt auch jetzt nicht. Walker hat Ricky und Schmidgruber in der Zwischenzeit seine peinliche Aktion gebeichtet. Tja, da hat man so geschuftet, und nun steckt man in noch ärgeren Geldnöten als vorher. Da kommt ihnen ein breit beschilderter Fahndungsaufruf wie gerufen: 10.000 DM Belohnung für die Ergreifung eines Exhibitionisten! Inwiefern ihnen das wie gerufen kommt? Schmidgruber erklärt es uns: Da Ricky in seinem Mantel mit Sherlock-Holmes-Mütze heute besonders exzentrisch aussieht, könnte man doch ihn als Exhibitionisten ausgeben und die Belohnung abstauben! Ehrlich gesagt hätte mich ein auch nur im Ansatz kluger Einfall sehr gewundert. „Ich bin doch kein Entblößer!“, zeigt sich Ricky da auch wenig mitmachfreudig, aber Walkers Argumente, da mitzuspielen, sind bestechend logisch: „Du tust es für unser Kind, und das bisschen Knast sitzt du doch mit einer Backe ab!“ Dagegen kann auch Ricky nichts mehr vorbringen, und er willigt ein – unter der Bedingung, Rosi mitzuteilen, dass man ihn gefoltert und ausgepeitscht hätte, bis er, obwohl unschuldig, fälschlich gestanden hätte. Die Vorstellung, wie Gottschalk gefoltert und ausgepeitscht wird, ist eine, die mir mit jeder weiteren Minute, die dieser Film andauert, besser gefällt und mich in diesen schwierigen Zeiten aufrechterhält.

Die Hände am Rücken zusammengebunden führen Schmidgruber und Walker Ricky ins nächstgelegene Polizeirevier. „Das ist der Entblößer vom Rosenhof! Wir haben ihn auf frischer Tat quasi ertappt!“, sagt Schmidgruber. Das wäre glaubwürdiger, wenn sich Ricky dann vielleicht vorher bis auf den Mantel ausgezogen hätte, stattdessen trägt er noch was drunter. Andererseits bin ich natürlich sehr dankbar dafür, dass der Film auf Gottschalks Dödel verzichtet. Überraschenderweise wirkt der anwesende Polizist von Anfang an so, als ob er ihnen die Geschichte nicht abkaufen würde. „Machen Sie es mir vor! Wie haben Sie sich entblößt?“, fragt er. Tatsächlich bekam ich zunächst kurzzeitig etwas Angst, dass sich Gottschalk nun doch noch noch entblößt, aber er reißt lediglich seinen Mantel mit beiden Händen mittig auseinander – womit er sich auch schon verraten hätte, weil der echte Exhibitionist nämlich die Jacke unten nur vorsichtig anhebt. Der aufgeflogene Schwindel wäre doch nun mal ein guter Grund, die Jungs wegen absichtlicher Irreführung der Polizei mit einem Bußgeld zu bestrafen, aber leider ist der Polizist einer von denjenigen, die das einfach mit einem lachenden Auge wegwischen. „Du bist selbst zum Entblößen zu blöd“, nölt Walker, der meines Erachtens mal bitte schön die Klappe halten sollte. Immerhin hat er den ganzen Schlamassel erst ausgelöst.

Ergebnislos wollen die Kerle das Polizeirevier verlassen, als plötzlich ein Typ in Lederkluft und mit Wikingerhelm von zwei Polizisten angeschleppt wird, weil er mit seinem Motorrad mit 100 Sachen durch die Stadt gefahren ist. Gestatten: Motorfreak! So taucht er jedenfalls in den Stabangaben auf. Rollennamen sind für Gottschalk Schall und Rauch. Nervtötend wie jeder andere auch redet der Motorfreak allerlei dummes Zeug daher („Ich fahr’ immer 100, dem Wald zuliebe“) und heult wegen einer lächerlichen Schürfwunde am Arm wie am Spieß. Allerdings kommt er mit für unsere drei Freunde interessanten Details zu einem Bootsrennen um die Ecke, bei der man 20.000 Eier gewinnen könne und an dem er nun nicht mehr teilnehmen könne, weil er seinen Lappen abgeben müsse. „Hör’ ich Boot? Hör’ ich Geld?“, fragt Ricky und lügt (lügen und betrügen können die Typen einfach am besten), dass Walker zwischen 1985 und 1987 Afrikameister beim großen Bootsrennen auf dem Rudolfsee war. „Nein, nein, nixi! Er lügt!“, entgegnet der daraufhin. Zu spät: Motorfreak überhört das geflissentlich und schlägt Walker vor, er könne sein Boot fahren. Die Gewinnprämie könne man dann schiedlich-friedlich teilen. Weil Walker nicht sofort Ja sagt, korrigiert er: „Okay, 15.000 für dich!“ Ricky schlägt für Walker ein. Topp, die Wette gilt. Ach nee, ich bin hier falsch.

Ich habe es zu lange nicht mehr gesagt: Dieser Film ist so entsetzlich unlustig und peinlich schlecht, dass ich Schmerzensgeld bekommen müsste. Wie wär’s, Gottschalk? Eine Million Euro können dir doch nicht wehtun.

Wieder auf freiem Fuß kann Motorfreak den drei glorreichen Idioten weitere wichtige Informationen vermitteln: Das Rennen wird von einem reichen Griechen organisiert, „der flippt voll aus auf Boote“. Deshalb gibt es hier einmal im Jahr ein solches Bootsrennen, und Motorfreak selbst hatte bislang bei seinen Teilnahmen immer Pech – sowohl in Mad-Max- als auch in Wikinger-Montur. 42 Stunden bleiben, um Walker für das Boot fit zu machen. Motorfreak schlägt ihm auf den Rücken, und der fällt fast ins Wasser. Es darf gelacht werden. Zumindest wenn man immer lachen muss, wenn man eigentlich weinen will.

Zum mittlerweile siebten Mal gibt es die „Without You“-Melodie auf die Ohren. ICH SCHLAG‘ HIER ALLES KAPUTT!!! Das Trio hegt und pflegt in der, wie Schmidgruber es nennt, „heiße[n] Phase der Geburt“ die liebe Rosi, und das so sehr, dass es so scheint, als könne sie mittlerweile nicht mal mehr allein essen und trinken. Damit sie immer für sie da sein können, haben die Jungs gleich vier „Europiepser“ besorgt. „Egal wo wir sind, es piepst immer und überall“, redet Ricky beruhigend auf sie ein und bestätigt ihr auf Nachfrage, dass sie auf ihre Männer zählen kann: „Wenn die Königin uns ruft, dann reiten wir.“ Würg. Kotz.

Und schon ist der Tag der Tage: Das Bootsrennen steht unmittelbar bevor. Weil das Rennen wie gesagt von einem Griechen organisiert wird, gibt es auch reichlich festliches Brimborium mit jungen Frauen und Männern in altgriechischen Göttertrachten. Walker wurde von seinem „Coach“ dazu genötigt, im Tintenfischkostüm anzutreten, was ihm so gar nicht behagt (wie gesagt: du hättest alles leichter haben können, wenn du dich nicht so langfingerig betätigt hättest, Volldepp!).

Walker: Wenn ich das hinter mir habe, ertränk’ ich dich!
Motorfreak: Was hat er gesagt?
Ricky: Wenn er nicht gewinnt, erhängt er sich.

Dann werden die Flaggen geschwenkt, und los geht’s. Motorfreak beobachtet mit wachsender Begeisterung, dass Walker ein gewichtiges Wörtchen um den Titel mitredet. Dahingegen kann Schmidgruber diesem hochgradig spannend inszenierten Bootsrennen (aber ich will mich nicht beschweren, wenigstens passiert hier überhaupt mal was) leider nicht beiwohnen, denn mindestens ebenso wichtig ist der Vaterschaftskurs, an dem er teilnimmt, um als möglicher Papa gerüstet zu sein. Eine Hebamme assistiert ihm mit einer Babypuppe – doch dann geht sein Pieper! Das macht den sofortigen Abbruch des Kurses erforderlich. Auch Walkers Gerät geht los, und er mag zwar ein Vollidiot sein, aber mit dem Herz am richtigen Fleck (ja, ich schäme mich, das geschrieben zu haben), sodass er umgehend das Rennen Rennen sein lässt und sich mit seinem Boot auf den Weg gen Ufer macht. Das findet nicht überall Zustimmung.

Motorfreak: Bei dem piept’s wohl!
Ricky: Bei mir ja auch!

Nach der Boots-Action eben gibt es nun also auch megacoole Asphalt-Action durch die Innenstadt. Und zum ersten Mal stimmt dabei – ich bitte um Applaus – sogar das eingespielte Musikstück: „Motorcycle Ladies“ von Luxury. Während Ricky in seiner Not ein Motorrad stiehlt (ja klar, in der Not ist das erlaubt, weiß doch jeder!) und Gottschalks Stuntman damit in der Folge ein paar „spektakuläre“ Stunts vollzieht, indem er einmal sogar über ein Autodach und zudem durch die Außengastronomie eines Restaurants fährt, nutzt Walker sein Wassergefährt, um damit kreuz und quer durch die Straßen zu schlittern. Ich will nicht sagen, dass ich so etwas sehen wollte, aber wenigstens halten die Protagonisten dabei ihre Klappe. Als Stummfilm hätte der Film echt gewonnen… Na gut, das ist doch etwas übertrieben.

Atemlos kommen Walker, Ricky und Schmidgruber nahezu zeitgleich in Rosis Wohnung an und stürzen durch die Haustür. Fragend blicken sie sich um und hören dann eine Stimme aus der Küche: „Ah, da seid ihr ja! Das ist schön! Ich möchte so gern einen Rollmops, aber ich komm’ an die Gläser nicht ran!“ Ja, total lustig, hihihi. Die hat die Männer nur wegen eines Rollmops-Glases gerufen und damit glatt um 20.000 DM gebracht, hihihi. Ich biege mich vor Lachen – oder würde es vielmehr tun, wenn ich mal wieder „Eine Leiche zum Dessert“ gucken würde. Schmidgruber holt ihr das Glas vom Schrank, und Ricky tadelt sie: „Rosi, du weißt, was du uns allen bedeutest, aber bitte drück nie wieder auf dieses Gerät, wenn es nicht wirklich brennt.“

Für die Männer bedeutet das natürlich: Sie müssen einen neuen Anlauf unternehmen, um an ihr Geld zu kommen. Rund 15.000 DM Sachschäden im Einkaufszentrum wollen nach wie vor beglichen sein. Letzter Ausweg – das wusste beispielsweise auch Lola in „Lola rennt“ – ist das Spielcasino. Nur noch einen Geldschein haben sie, sie haben also nur einen einzigen Versuch. Das weiß auch Ricky: „Das ist der letzte, den wir haben. Wenn der auch noch weg ist, können wir das Baby vors Pfarrhaus legen.“ Schmidgruber ist eher einer der vorsichtigen Sorte, würde er doch vor dem Geldeinsatz erst einmal den Roulettetisch eine Weile beobachten wollen. Vermutlich hat er Dustin Hoffman in „Rain Man“ gesehen, aber bei dem waren es Karten. Walker dauert die behutsame Vorgehensweise seines Kumpels allerdings entschieden zu lang. Deshalb will er es mit etwas Voodoo (!) probieren. Unter Voodoo versteht Gottschalk, dass sich Walker ein Stuhlpolster schnappt, es auf den Boden legt, komische Laute von sich gibt und dann einen Kopfstand auf dem Polster macht. Danach ist er felsenfest überzeugt: „Es wird die 6.“ Schmidgruber und Ricky sind skeptisch, aber weil Walker so drängelt, wollen sie schließlich doch – aber zu spät: Rien ne va plus. Zum Glück, muss man sagen. Am Ende springt nämlich die 9 raus.

Walker: Ich hab’ ganz klar ’ne 6 gesehen.
Ricky: Du Idiot hast ’ne 9 gesehen. Du hast auf dem Kopf gestanden.

Das war in Gottschalks Kopf vermutlich alles witzig. Geschmäcker sind ja verschieden. Schmidgruber hat die Faxen dicke und will einfach mal auf gut Glück setzen. Er ist allerdings unschlüssig, auf welche Zahl – da piept sein Pieper. Vor Schreck lässt er seinen Jeton auf ein Feld fallen. Da unsere Jungs aber bei „Geld oder Liebe“ immer auf die „Liebe“ setzen würden, stürmen sie aus dem Casino auf zu Rosi. Was für gute Menschen! Was sie nicht wissen: Das Feld, auf den der Jeton gefallen ist, gewinnt tatsächlich.

Der Wink des Schicksals will es aber, dass Schmidgruber seinen Autoschlüssel nicht findet und ihn am Spieltisch vermutet. Also müssen sie nochmal schnell wieder zurückhasten. Ein Kameraschwenk ins Wageninnere offenbart: Schmidgruber hat den Schlüssel im Zündschloss stecken lassen. Aber das bedeutet ja ihr Glück. Eben weil sie den Schlüssel noch irgendwo auf dem Boden des Casinos vermuten, kriegen sie überhaupt erst mit, dass sich ihr Gewinn vervielfacht hat – mittlerweile wohl sogar noch einige Male. Umgehend wollen sie mit dem bereits gewonnenen Betrag auch ohne Schlüssel die Biege machen, aber sie müssen noch die Runde abwarten, denn auch diesmal stellt der Croupier klar: Rien ne va plus. Und weil das Leben ungerecht ist, geht die Kugel wieder auf die richtige Zahl, und sie vervielfachen nochmals ihren Gewinn. Durch ausgeprägte Debilität überhaupt erst in die Schuldenfalle geraten, und nun ziehen sie ihren Kopf durch reines Spielglück aus der Schlinge. Bäh. Ich spuck’ auf euch.

Weil sie ja nun aber immer noch nicht wissen, wo der Schlüssel steckt, Ricky aber vorhin beim Motorradklau schon bewiesen hat, dass ihm jede kriminelle Ader recht ist, solange nur ein Baby gesund und munter auf die Welt kommen kann, wofür wir doch alle Verständnis hatten, beschlagnahmen sie eben kurzerhand einen gerade hier Rast machenden Müllwagen. Sie sind die Helden. Sie dürfen alles und haben das Recht auf ihrer Seite. Ohne Konsequenzen. Auf dem Fahrersitz sitzt gedankenverloren Otto Retzer, der hier einen kaum Deutsch sprechenden Müllmann mimt. Walker zerrt ihn nach draußen.

Walker: Fahr los, Mann, so schnell du kannst!
Müllmann: Ich nix fahren! Ich nicht fertig!

Walker tut mit seinen Fingern so, als hätte er eine Waffe bei sich und drückt sie dem Müllmann von hinten in die Seite. Der hebt freiwillig die Hände.

Walker: Okay, fahr so schnell, wie du kannst!
Müllmann: Ich nix Geld, nur Müll!
Walker: Nix reden, nur fahren!
Müllmann: Ich nix fahren! Du fahren!

Das wollte Walker nur hören, und er schubst den armen Mann grob nach vorn. Wie gesagt: Er ist der Held, er darf sich alles erlauben. Und damit springt er auf den Fahrersitz, Schmidgruber auf den Beifahrersitz, und Ricky hängt sich hinten als Pseudo-Tonneneinsammler an das Gefährt.

Nicht einmal dieser Film wagt es, uns noch einmal einen falschen Alarm zuzumuten. Rosi hockt tatsächlich diesmal von Wehen geplagt zu Hause und wird von Ricky und Walker aus dem Bett gehievt, Schmidgruber nimmt wie gewohnt den Hund. Dann sofort ab ins Krankenhaus, wo Rosi gleich auf eine Trage gelegt und in den Kreißsaal gefahren wird, den die Männer aber nicht betreten dürfen.

Die Zeit vergeht. Vor allem Ricky geht unruhig auf und ab, bis die erlösende Nachricht von einer Krankenschwester kommt: „Geburt Rosi Sonne! Herzlichen Glückwunsch! Der Vater kann reinkommen!“ Natürlich erhebt nun jeder von unseren zärtlichen Chaoten Anspruch auf die Vaterschaft.

Ricky und Walker (synchron): Schwarz oder weiß?
Krankenschwester: Wie? Blutgruppe B.
Walker: Ich hab’ A.
Ricky: Ich hab’ A1.
Schmidgruber: B!

Damit scheint der Fall klar (zumindest für unsere Trottel vom Dienst). Ricky und Walker reagieren mit angemessener Enttäuschung. Walker will Schmidgruber am liebsten die Fresse polieren, aber der lässt sich nicht beirren und möchte einfach zu Rosi. Das Gezanke hätten sie sich aber sparen können, die Krankenschwester genehmigt auch den beiden anderen den Zutritt.

„Without You“ von Harry Nilsson setzt ein (waggawaggawagga!), und der Tisch ist gedeckt für das ultimative Twist-Ende. Seid ihr bereit? Wer könnte der Vater sein? Ist es wirklich Schmidgruber? Oder haben Ricky und Walker doch noch Außenseiterchancen? Oder ist Rosi etwa doch so eine Schlampe, wie Ricky zwischenzeitlich vermutete, und hat ganz dreist mit einem anderen völlig unbekannten Typen gepoppt? Vielleicht mit dem Müllmann? Oder dem Hoteldirektor? Ottfried Fischer gar? Nun, bitte nehmt eine Kotztüte oder einen Eimer zur Hand. Nichts ist schlimmer als das, wofür sich der Film entscheidet.

Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, wie ich oben ziemlich zu Beginn den Begriff „flotter Vierer“ verwendete. Natürlich alles nicht ernst gemeint. Ein blöder flapsiger Spruch nur, wie Gottschalk ihn zu Tausenden in seinem Leben gebracht hat. Einfach nur, um witzig zu sein. Gottschalk meint es aber todernst, als Rosi ihnen als frischgebackene Mutter in die Gesichter strahlt und stolz sagt: „Drei Männer, drei Babys!“

Das Unfassbare ist geschehen: Rosi hat Drillinge von drei Vätern bekommen!! Klartext: In jener Nacht, in der die betrunkenen Männer ihren Schwur besiegelten, ist also nichts anderes geschehen, als dass sie allesamt hackedicht über Rosi hergefallen sind und jeder von ihnen einmal ran durfte, um sie in ihrem benebelten Zustand mit ihrem Sperma zu beglücken und zu schwängern!! Das Kopfkino fährt Achterbahn, ich übergebe mich mehrfach, und das Beste, was man sagen kann, ist, dass das hier kein früher Film von M. Night Shyamalan ist, denn der hätte hier bestimmt noch erklärende Rückblenden bemüht!! Egal, die Bilder in meinem Gehirn werde ich nie wieder los. Ich gehe jetzt sterben.

Schmidgruber, Ricky und Walker nehmen vor Glück beschwingt ihre Kinder in die Arme, das Bild bleibt stehen. Dieses Schlussbild ist schockierender als das schockierendste Schockende eines Horror-Schockers. Der Abspann setzt ein, in dem Harry Nilsson noch einmal komplett sein „Without You“ durchsingen darf. Ach, hätte ich doch „Without You“ 90 Minuten in Dauerschleife gehört… ENDE.

Puh, davon muss man sich ja erst einmal erholen. Selbst nach dem Tag Pause, den ich nach Beendigung der Inhaltswiedergabe eingelegt habe, bin ich immer noch schwer angeschlagen und fühle mich, als hätte man mich wie Otto in „Ein Fisch namens Wanda“ mit einer Walze überfahren. Noch immer jagen im Akkord Schauer über meinen Rücken, wenn ich nur dran denke. Brrr, „Zärtliche Chaoten“ werde ich niemals vergessen.

Was die Produktionsfirma Lisa Film in ihrer langen Historie so auf das Kinopublikum losgelassen hat, beschreibt ja bereits der Wortvogel auf seinem Blog in schöner Regelmäßigkeit in seinen Filmverbrechen-Foto-Storys. Ja, da war wirklich unglaublicher Schrott dabei: „Kinderarzt Dr. Fröhlich“, „Sadomania – Hölle der Lust“, „Jungfrau unter Kannibalen“ und eben auch die Gottschalk/Krüger-Kollaborationen. Ich will noch nicht mal sagen, dass „Zärtliche Chaoten“ der schlimmste von all den dort produzierten Werken gewesen ist, aber die Fallhöhe ist hier halt noch einmal besonders enorm, weil man für die Hauptrollen wirklich große Namen eingekauft hat, allen voran Gottschalk, der auf der Popularitätswelle ganz weit oben schwamm und sich dort ja über Jahrzehnte behaupten konnte. Heute mag er nicht mehr die Nummer 1 unter den Unterhaltungskünstlern sein, doch gern gesehen ist er bei vielen immer noch, ansonsten wäre er wohl nicht immer noch so präsent. Wie er das noch sein kann, nachdem er nicht nur in diesem alptraumhaften Murks mitgespielt hat, sondern auch noch das Drehbuch dazu verfasst hat, ist mir allerdings völlig schleierhaft. Dieser Film geht gar nicht. Auf keiner einzigen Ebene. Trotz seinerzeit über zwei Millionen Kinozuschauern.

Zuallererst einmal funktioniert der Film ausgerechnet da nicht, wo er funktionieren müsste: im Humorbereich. Schlimm genug, dass man nicht selten überlegen muss, ob Gottschalk diese oder jene Szene wirklich als Gag beabsichtigte, greift er auf die abgedroschensten Elemente des Komödien-Kinos zurück, die man sich nur vorstellen kann: Männer in Frauenkleidern, Herr-Ober-Witze oder die Zerstörung eines kompletten Hotelzimmers. Ja klar, zumindest Letzteres hätte man auch 1987 noch unter Umständen brüllend komisch rüberbringen können (wie es ja quasi parallel Frank Drebin in „Die nackte Kanone“ auch tat, als er ein Hotelzimmer sogar in Brand setzte), aber dazu bräuchte es ambitionierte und talentierte Filmemacher und keine uninspirierten und von Routinearbeiten längst ausgelaugte wie Franz Josef Gottlieb, der uninspiriert Dienst nach Vorschrift liefert, ohne das nötige Herzblut einzubringen.

Gerade das Timing ist eine einzige Katastrophe. Da ist nichts pointiert und auf den Punkt inszeniert. Die als große Kracher gemeinten Gag-Teppiche sind reine Fehlzündungen. Hier meint jemand, es wäre schon lustig, wenn ein Bett zusammenkracht oder eine der Hauptfiguren ein Bild auf den Kopf kriegt und dabei eine lustige Grimasse zieht. Oder wenn ein mit Sprengladungen gefüllter Explosionskoffer in die Luft fliegt. Zudem wird der alte Fehler gemacht, teilweise auf grelle Lautstärke zu setzen und damit automatisch heiteres Gelächter im Publikum anzunehmen. Es ist nicht automatisch lustig, wenn ein Michael Winslow mit abwechselnd hoher und tiefer Stimme ein Streitgespräch simuliert und dabei mächtig gegen Türen schlägt, nur weil er das laut macht. Und wenn es schon am Anfang nicht lustig ist, wird es auch nicht lustig, wenn man die Szene auf zwei, drei Minuten ausdehnt. So funktioniert Humor nicht. Auch besagter Herr-Ober-Witz wird gnadenlos verhauen, weil total zerlabert. Wo er kurz und prägnant kommen müsste, muss Helmut Fischer ganz weit ausholen, bis sich jedes Potenzial in Luft aufgelöst hat. (Wobei mir auch keine einzige denkbare Möglichkeit einfallen würde, wie man einen alten muffigen Herr-Ober-Witz zu einem Lachschlager verwandeln könnte. Das hat schon bei „Sunshine Reggae auf Ibiza“ nicht geklappt, wobei ich mich da wenigstens noch darüber amüsieren konnte, mit welcher Penetranz Karl Dall darin einen Spruch nach dem anderen abfeuerte, auf dass doch hoffentlich wenigstens einer ins Schwarze treffe.)

Selbst Thomas Gottschalk, der schon reichlich Erfahrung mit Mike Krüger gesammelt hatte, wenn es darum ging, auf platteste Weise zu kalauern, kann hier kaum einmal einen Treffer landen – vermutlich auch, weil ihm ein passender Partner fehlte, den er mit Krüger als Bruder im Geiste noch hatte, jemanden, mit dem er sich die Flachwitze pausenlos um die Ohren hauen konnte. Vielleicht hat er zufällig das Glück, mit einem seiner Sprüche dann doch mal mein durchaus sehr tief gelegtes Humorempfinden zu streifen (der „Zwei Turnschuhe gebraucht, Marke Gorgonzola“-Spruch ist genau die Art von abstrusem Dummfug, mit dem der Film hätte gerettet werden können, hätte man denn mehr Wert auf plumpen Wortwitz gelegt), aber in der Summe kommt da einfach nichts bei rum. Das liegt zum Teil sicherlich auch an Gottschalks Schauspiel„künsten“, die weiter unten noch einen gesonderten Absatz verdienen.

Hinzu kommt, dass Gottschalk auch einfach nicht mit Fischer und Winslow harmonieren will. Da treffen Welten aufeinander: Fischer ist als grantelnder Bayer in dieser Art von Komödie eindeutig nicht zu Hause, und Winslow kann halt lustige Geräusche machen und hat ein ausgeprägtes Gummigesicht, um Fratzen schneiden zu können. Aus seiner Hyperaktivität als Gegensatz zu seinen doch sehr ruhig agierenden deutschen Filmpartnern wird nichts gemacht, weil seine Faxen einfach neben der – ja, ich muss selber lachen – Handlung laufen, anstatt sich einzufügen. Er wirkt halt einfach wie Jones aus „Police Academy“, den man in diesen Film verfrachtet hat, ohne dass dieser daraus einen Gewinn ziehen würde. Womöglich wäre es aber auch zu viel verlangt gewesen, einen Winslow, der vermutlich kaum Deutsch sprechen konnte, richtig zu integrieren. Oftmals fällt sein Außenseiterstatus im Film auf, wo er dann gern mal eher am Rande steht, während Fischer und Gottschalk ihre Sprüche bringen.

Die bereits angesprochene Dienst-nach-Vorschrift-Attitüde trägt „Zärtliche Chaoten“ wie eine Bleiweste vom Start weg mit sich herum. Selbst die aufgedrehtesten Komödien können Charme haben – diese Komödie hat nichts davon. Aus dem Cameo von Pierre Brice, zunächst als Film-im-Film dargestellt, hätte man etwas Augenzwinkerndes machen können, stattdessen soll wohl schon der eigentliche Gag sein, dass hier kurz mit dem Irritationseffekt gespielt wird, versehentlich in „Winnetou“ geraten zu sein. Immerhin hat Pierre Brice kein Problem damit, als nörgelnder Miesepeter rüberzukommen, aber richtig böse mit ihm umspringen mag das Drehbuch dann doch nicht. Immerhin: Der damalige Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff probiert sich in seinen zwei kurzen Auftritten in Selbstironie, die auch deshalb so besonders auffällt, weil sie in diesem Film sonst gänzlich fehlt.

Weil ich davon ausgehe, dass sich Gottschalk selbst als weltoffene Frohnatur bezeichnen würde, wird es ihn vermutlich schockieren (oder auch in der Vergangenheit schon schockiert haben, denn ich bin ja beileibe nicht der Erste, der darauf zu sprechen kommt), dass sich aus seinem Skript rückständige und sexistische, mitunter auch rassistisch gefärbte Ansichten (Stichwörter: „Sandwich“, „Bräunungscreme“) herauslesen lassen. Vordergründig mag „Zärtliche Chaoten“ ja eine anspruchslose Gute-Laune-Komödie sein, über die man sich bloß nicht zu viele Gedanken machen soll, aber bei näherer Betrachtung schimmert das seit einiger Zeit ja oft verwendete Bild des alten weißen Mannes deutlich durch. (Und dass er in der Hinsicht auch in den 20er-Jahren des neuen Jahrtausends noch Schwierigkeiten hat, sich von überholten Denkmustern zu lösen, bewies er ja unlängst in der eine Rassismus-Debatte lostretenden WDR-Sendung „Die letzte Instanz“, in der sich weiße Menschen – inklusive er – über nicht mehr zeitgemäße Wörter unterhielten, die sie immer noch sagen wollen, obwohl sie von gewissen Bevölkerungsgruppen als diskriminierend angesehen werden, ohne dass Betroffene zu Wort gekommen wären. In einem Gastbeitrag in der „Welt am Sonntag“ ruderte er daraufhin zurück und hinterfragte seine veralteten Ansichten selbst.)

Gegen die Grundidee – drei befreundete Männer verlieben sich in eine Frau und buhlen um sie – lässt sich erst einmal nichts sagen, doch WIE die Männer und WIE die Frau dabei erscheinen, ist die entscheidende Frage, und dabei kann man nur festhalten: Was für eine Horde furchteinflößender Freaks! Ladies first – Rosi bleibt von ihrem ersten bis zum letzten Auftritt nichtssagend. Sie hat nichts, was verständlich machen würde, wieso die Männer sie überhaupt um jeden Preis besitzen wollen (und ja, das Wort „besitzen“ trifft es, sogar Ricky nimmt es ja mal in den Mund). Ja, sie sieht hübsch aus. Sie lächelt viel. Sie freut sich über die Aufmerksamkeit, die die Männer ihr zuteil werden lassen. Sie arbeitet als Französischlehrerin in der VHS. Aber ansonsten erfahren wir nichts über sie. Sollte ich ihren Charakter zusammenfassen, fiele mir nur ein einziges Wort ein: bräsig. Ricky fasst es ja an anderer Stelle recht treffend zusammen: „Tut so, als könnte sie nicht bis Drei zählen.“ Wieso die Kerle sie dann allerdings wahlweise als „Frau des Jahrtausends“ oder „Königin“ bezeichnen, erschließt sich mir nicht.

Womit ich auch schon zu den zärtlichen Chaoten komme. Allein der Filmtitel kann nur ein übler Scherz sein. „Unheimliche Idioten“ würde es da schon eher treffen und das „unheimlich“ könnte man auch gleich als doppeldeutig bezeichnen: einmal im Sinne von „unglaublich groß“ und einmal im Sinne von „gruselig“. Ricky, Schmidgruber und Walker sind Stalker. Punkt. Oder Ausrufezeichen. Keine Frau der Welt würde sich wie Rosi geschmeichelt fühlen, wenn drei fremde Männer, mit denen sie nicht mehr als fünf Sätze gewechselt hat, sie mit Blumensträußen zu übertrumpfen versuchen, sich als Fußabtreter anbieten und ihr schon morgens im Fahrstuhl und später dann noch vor ihrer Arbeitsstelle auflauern. Und keine Frau der Welt – wirklich absolut gar keine! – würde breit zurücklächeln, wenn sie minutenlang wortlos von drei von ihrer Schönheit verzauberten Männern lüstern angelächelt werden. Allein Gottschalks Strahlen schreit Folterkeller – und nichts anderes. Diese Blicke gehen durch Mark und Bein. (Siehe Screenshots.)

Und Stichwort Idioten: Natürlich ist Ricky eins – und obendrein noch ein Arschloch. Und nein, er ist nicht der liebe nette lustige Kerl, den Gottschalk im Sinn hatte, als er sich die Rolle selbst auf den Leib schrieb. Das beweist er nicht nur mit dem im vorletzten Absatz angesprochenen „Tut so, als könnte sie nicht bis Drei zählen“ (klar, ein dummes Fickeblondinchen nimmt er doch gern) und den ebenfalls genannten Besitzansprüchen, die er erhebt, ohne sie zu fragen. Auch seine eingeschnappte Reaktion auf die Schwangerschaft seiner Angebeteten lässt tief blicken. Das einzig Positive, was ich Gottschalk zugute halten möchte, ist, dass er – ungleich Schweiger in „Klassentreffen 1.0“ und vielen von dessen anderen Filmen – sich nicht für den Nabel der Welt hält und auch Gags auf seine Kosten zulässt.

Walker hingegen ist eine kindische Nervensäge und ein kompletter Hirni, der ohne jede Motivation – es gibt nicht den entferntesten Anhaltspunkt – Babysachen klaut und die Männer in höchste finanzielle Nöte bringt. Am Ende stiehlt er auch noch rücksichtslos einen Müllwagen und schubst den Fahrer grob weg – alles hochunsympathische Züge, bei denen mir immer noch unklar ist, wie das einem Drehbuchautoren nicht auffallen kann. Nur weil jemand offiziell ein Held ist, heißt das nicht, dass er sich wie die Axt im Walde aufführen darf. Am besten kommt vielleicht noch Schmidgruber weg, der mit seinem fast durchgängig stoisch-eingefrorenen angekotzten Gesichtsausdruck den Eindruck vermittelt, als sei er im falschen Film (was zumindest Helmut Fischer ja auch war). Allerdings ist seine Art und Weise, wie er mit dem Chefkoch umspringt und ihn ununterbrochen provoziert, auch nicht unbedingt eine, die ihn auch nur in die Nähe eines Sympathieträgers bringen könnte.

Aber es ist ja nicht so, dass die anderen Figuren besser wären. Bis in die Nebenrollen hinein tummeln sich unangenehme Menschen, mit denen man wenig bis gar nichts zu tun haben möchte, allen voran Ottfried Fischer in seiner Rolle als der fette Chefkoch, ein ganz besonders abstoßender Geselle, der als cholerischer Psychopath durch den Film wütet und nebenbei dann auch noch unverhohlen an Michael Winslow in Tina-Turner-Verkleidung herumbaggert, ihm einen Klaps auf den Po gibt und ungefragt zum Kuss ansetzt. Es sind Szenen wie diese, die sich bis in alle Ewigkeiten in mein Hirn gebrannt haben, und ich kann Gottschalk dafür nicht genug die Pest an den Hals wünschen. Dann hätten wir da noch den von Harald Leipnitz verkörperten Schreihals-Regisseur (wie gesagt: Lautstärke = Humor), den miesepetrigen Hotelmanager und den sogenannten Motorfreak, der sich ebenfalls schnell als Nervtöter allerersten Grades entpuppt.

Auch davon abgesehen ist die Geschichte selbstverständlich miserabel durchdacht und zusammenhanglos. Besonders dämliche Aktionen des Trios wie ein demoliertes Hotelzimmer, obszön angerichtete Speisen oder der durch Täuschung vorgenommene Diebstahl in der Wohnung des Chefkochs haben keine Folgen für die Männer. Gerade zum Ende hin baut eigentlich keine Szene mehr auf die vorhergehende auf und präsentiert eigentlich nur noch eine Nummer nach der anderen. Hätte man auch so bei „Sketchup“ bringen können. Die Kirsche auf der Sahnetorte – äh, was rede ich? –, die Kotze auf dem Scheißhaufen ist natürlich die unfassbare Schlusspointe, bei der ich immer noch nicht glauben kann, dass jemand die nicht nur so geschrieben hat, sondern dass die auch noch gedreht und nicht aus der Postproduktion geschnitten wurde. Hat keiner, der das spielen sollte, einmal hinterfragt, was er da tut? Ist keiner zum Regisseur gegangen und hat gesagt: „Du, Franz Josef, impliziert das nicht, dass die dann alle mit der gepennt haben?“ Selbst im Rahmen einer Komödie – genauer gesagt soll das hier ja wohl sogar so etwas wie eine Liebeskomödie sein – kann man das doch so nicht stehen lassen. Dieses Ende ist nun wirklich eine Kriegserklärung an jeden normaldenkenden Menschen. (Das schrieb ich und erinnerte mich dann wieder daran, dass der Film über zwei Millionen Zuschauer hatte.)

Schauspielerisch bewegen wir uns ebenfalls eindeutig im unterdurchschnittlichen Bereich. Helmut Fischer strengt sich nicht sonderlich an, um den stets leicht stinkigen Schmidgruber zu mimen. Für den Film legt er sich ein Stoneface zu, das er kaum variiert. Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob Fischer sich während des Drehs mehrfach fragte, für was für einen Scheiß er hier eigentlich unterschrieben hat. Sein Gesichtsausdruck würde diese These unterstreichen, seine Teilnahme an der einen Jahr später gedrehten (gerinfügig besseren) Fortsetzung „Zärtliche Chaoten II“ eher nicht (es sei denn, er hatte einen Knebelvertrag). Michael Winslow müht sich redlich als chargierender Hampelmann und bringt seinen Jones aus den „Police Academy“-Filmen hierzulande einfach noch mal. Mehr wollten die Macher sicherlich auch gar nicht, und das liefert er.

Weit im Negativbereich der Schauspielkunst ist dafür Thomas Gottschalk angesiedelt. Das hat er eigentlich in jedem seiner Filme – auch schon zuvor in denen mit Mike Krüger – eindrucksvoll bewiesen. Man kann schlichtweg nicht weniger Schauspieler sein als Gottschalk. Allein seine Popularität brachte ihn zur damaligen Zeit immer wieder vor die Kamera, und ich nehme an, er hat seine Rollen auch wirklich gern gespielt und Spaß dran gehabt. Das gilt nur eben leider nicht für die Zuschauer, die seine Anti-Leistung ertragen mussten.

Dey Young als Rosi leidet unter ihrem katastrophal schlecht geschriebenen Charakter. Ich benutzte oben das Wort „bräsig“. Wenn das das Ziel war, dass sie ihre Rolle so spielen sollte, macht sie ihre Sache gut. Da sie ja aber eigentlich als Objekt der Begierde gebucht wurde, vor dem die ganze Männerwelt dahinschmelzen sollte, kann das eigentlich nicht der Wahrheit entsprechen. Sicherlich kamen auch für sie noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache dazu. Es ist nun mal schwerer, in einer Komödie mit Gag-Feuerwerksgarantie (äh, was rede ich da schon wieder?) mitzuspielen, wenn man kein Gehör für die Fremdsprache hat. Ich möchte ihr da natürlich ähnlich wie Winslow nichts unterstellen. Vielleicht ist ihr Deutsch auch besser, als ich es hier vermute.

Die Nebenrollen sind fast durchgängig zu vernachlässigen. Tatsächlich hat auch niemand anderes überhaupt einen Rollennamen erhalten. Unangenehm viel Screentime erhält noch Ottfried Fischer, der den faulen Fettsack mit dem Psychopathen-Spleen hoffnungslos übertreibt, beim Rest kann man eigentlich nur von Cameos sprechen: Harald Leipnitz schaut vorbei als schreiender Regisseur, Pierre Brice als er selbst mit Starallüren, Hans-Georg Panczak als Motorfreak nervt, Ludwig Haas als Hoteldirektor redet eh nur in zwei Szenen und Ossy Kolmann hat einen 30-Sekunden-Auftritt als Apotheker. Das sind allesamt Rollen, in denen nicht geglänzt werden kann. Schon gar nicht kann man sie fair beurteilen, ebenso wie die anderen jetzt hier nicht alle aufgezählten (Herbert Fux usw.).

Besondere Erwähnung verdient noch die Musik. Während die eigentlich für den Film geschriebene Musik von Gerhard Heinz irgendwie so gar nicht auffällt, sind die ausgewählten Songs, die über die gesamte Laufzeit verteilt werden, an sich ja gar nicht mal so schlecht. „Without You“ ist natürlich ein unglaublicher Schmachtfetzen, aber eindeutig ein Klassiker mit eingängiger Melodie, der ja nicht umsonst immer wieder neuinterpretiert wurde, ebenso wie „Dancing in the Street“ oder „Baby Love“ – nur muss man die wirklich so oft wiederholen, bis sie einem wieder zu den Ohren herauskommen? Das gilt im Besonderen für „Without You“. Bei jeder erdenklichen Möglichkeit kitscht die Tonspur damit den Bildschirm voll – und dann übrigens auch noch völlig sinnlos. Bei der Kalender-Montage mag ich das ja noch durchgehen lassen, aber die Entscheidung, einen Song über eine vollständige Dialogszene leise im Hintergrund laufen zu lassen, die nicht einmal Romantik ausstrahlt, ist schlichtweg unverständlich. Das wirkt einfach wie brutal in den Film hineingepresst, um mittels Gehirnwäsche den Zuschauer in den nächsten Albenladen zu treiben und die Scheibe zu kaufen. Laut Abspann wurde mit dem Soundtrack das Ronald McDonald Haus für krebskranke Kinder unterstützt. Das ist ein gutes Ansinnen, aber dezenter wäre das sicherlich trotzdem gegangen.

Damit dürfte nun auch dem letzten Leser klar sein, dass mein Fazit beileibe kein positives sein kann. Ich würde sogar so weit gehen, „Zärtliche Chaoten“ als den schlechtesten Gottschalk-Film zu bezeichnen, weil er einfach in jeder Hinsicht versagt: Er ist nicht nur verdammt unlustig und im Besonderen in der zweiten Hälfte (etwa ab der Schwangerschaftsnotiz) zäh wie Leder, er beherbergt auch ausschließlich unsympathische bis völlig durchgeknallte Deppen, teilweise schlimmer noch: sogar Arschlöcher. Da ist wirklich nicht eine Figur, von der ich sagen würde: wenigstens ein Lichtblick. Durch die Bank kann man die in der Pfeife rauchen. Diese beiden Aspekte wären ohnehin schon das Todesurteil, aber dazu kommt noch Gottschalks Chauvi-Attitüde mit misogynen Untertönen und vereinzelten rassistischen Sprenkeln, die „Zärtliche Chaoten“ völlig unansehbar machen. Und mit dem Ende liefert Gottschalk sogar bis in alle Ewigkeiten reichlich Gesprächsstoff – mit der entscheidenden Frage im Mittelpunkt: Was darf Komödie?


BOMBEN-Skala: 8

BIER-Skala: 2


mm
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