What We Did on Our Holiday


  • Deutscher Titel: What We Did on Our Holiday
  • Original-Titel: What We Did on Our Holiday
  • Alternative Titel: Ein Schotte macht noch keinen Sommer
  • Regie: Andy Hamilton, Guy Jenkin
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 2014
  • Darsteller:

    David Tennant (Doug), Rosamund Pike (Abi), Billy Connolly (Gordie), Ben Miller (Gavin), Amelia Bullmore (Margaret), Emilia Jones (Lottie), Bobby Smalldridge (Mickey), Harriet Turnbull (Jess), Lewis Dawie (Kenneth), Annette Crosbie (Doreen), Celia Imrie (Agnes Chisolm)


Vorwort:

Die MacLeods eine dysfunktionale Familie zu nennen, wäre eine schamlose Übertreibung – Papa Doug hat leicht einen an der Waffel, Mama Abi fehlt der rechte Instinkt, im günstigen Moment mal die Klappe zu halten, und die Kids sind auch durch den Wind – Lottie (10) ist ein Kontrollfreak, die nie ohne ihr Notizbuch, in das sie alle Verhaltensmaßregeln und mehr oder minder nützlichen Informationen notiert, zu sehen ist, Mickey (7) hat dem Christentum bereits in jungen Jahren adé gesagt und verehrt ersatzweise Göttervater Odin, und die besten Freunde der kleine Jess (5) sind Steine. Dass Mama und Papa nach einer väterlicherseits geführten Affäre (mit einer Paralympioniken mit nur einem Fuß) in Scheidung leben und normalerweise nur über ihre jeweiligen Winkeladvokaten kommunizieren, ist da nur die Spitze des Eisbergs. Aber nun steht der 75. Ehrentag von .Dougs Dad Geordie, ehemaliger schottischer Fußballheld, an, und weil der alte Herr an Krebs leidet und höchstwahrscheinlich keinen weiteren Geburtstag mehr erleben wird, soll ihm heile Welt und glückliche Familie vorgespielt werden (Lottie hat viel in ihrem schlauen Buch zu notieren).

Zur überschaubaren Begeisterung aller Beteiligten hat Dougs wertes Bruderherz Gavin aus dem Geburtstagsfest eine generalstabsmäßige organisierte Festivität mit über 200 Gästen gemacht; dabei bräuchte zumindest Doug keinen weiteren Grund mehr, seinen angeberischen Bruder, der seine depressive Frau und seinen fiddlespielenden Sohn Kenneth nach Kräften piesackt, für Kacke zu halten. Opa Geordi hält sich dann auch lieber an seine Enkel, denen er schnell entlockt, wie’s wirklich um die Familie steht (er ist ja auch alt und krank, aber nicht blöd). Während die mittlere Generation sich also nach Kräften ankotzt, schnappt sich Geordi die Enkel, schaltet das Handy aus und fährt mit ihnen zu den Plätzen, die ihm gefallen – dem Bauernhof der lesbischen Doreen und den Nordatlantikstrand.

Es kommt, wie’s kommen muss – während die begeisterten Kinder am Strand und im Wasser herumtoben, verabschiedet sich Geordi zu seinen Ahnen. Die Kinder realisieren, was geschehen ist und reagieren cool. Lotti versucht, die Erwachsenen zu informieren, aber da die primär damit beschäftigt sind, sich allerlei kreative Beleidigungen an den Kopf zu werfen, kehrt sie unverrichteter Dinge an den Strand zurück. Die Kids greifen zur Selbsthilfe – erzählte Opa nicht noch vorhin, dass er sich eine Wikingerbestattung, so richtig mit brennendem Schiff und Zeuch, wünschte?

Das lässt sich einrichten, aber die Impromptu-Kriegerbestattung in Odins Sinne führt noch zu einer ganzen Menge Chaos…

Inhalt:

Ich geb’s zu, ich wäre von mir aus eher nicht darauf gekommen, mir diesen Film anzusehen – weder sein Titel (und schon gar nicht sein schauriger ehemaliger deutscher Kinotitel „Ein Schotte macht noch keinen Sommer) noch sein Cover ließen vermuten, dass sich dahinter Doc-kompatibles Entertainment verbirgt, aber mein trautes Weib würde sich auch ankucken, wenn David Tennant zwei Stunden lang das Telefonbuch von Greater London vorliest – naja, und ich mag den zehnten Doktor ja auch. Und Billy Conolly sowieso. Schotten rocken.

Und britische Komödien sind am Ende des Tages ja auch was anderes als amerikanische oder, schluck, gar teutonische Lachnummern. Der Humor der Briten (und dazu gehören die Schotten ja auch, ob sie wollen oder nicht), ist bekanntlich ein schwarzer, und so entpuppt sich dann auch ein Film, der auf den ersten Blick nach harmloser Familienunterhaltung für den Nachmittagstee aussieht, als ebenso erstaunlich böse wie liebevolle schwarze Komödie mit bittersüßen Widerhaken, die nebenher ganz entspannt mit dem Thema Tod und wie Kinder darauf reagieren, umgeht.

Einen Film über ganz normale Menschen haben sie machen wollen, führen die Regisseure und Autoren Andy Hamilton und Guy Jenkin (beide Veteranten von "Not The Nine O'Clock News", einer der vielen legendären britischen Sketchcomedy-Reihen) im kurzen Promo-Making-of auf, und auch wenn das in der Inhaltsangabe oben vielleicht nicht unbedingt so klingt, ist da was dran. Die Charaktere von „What We Did On Our Holiday“ sind nicht diese typischen idealisierten Klischee-Archetypen, sondern allesamt dreidimensionale Figuren mit Ecken, Kanten, Marotten und liebenswerten Eigenschaften, aber eben alle glaubhaft – und so gehen sie auch miteinander um. Aus langjähriger eigener Erfahrung kenne ich nur zu gut, welch gereizte Stimmung bei großen Familienfesten herrscht, welche vermeintlich dunklen Geheimnisse man zu wahren versucht und wie ganz bewusst aneinander vorbeigeredet wird, wo Neid auf den beruflichen oder wirtschaftlichen Erfolg nur mühsam versteckt wird und jede Entdeckung eines kleinen Risses in der feinpolierten Fassade der lieben Verwandschaft innere Frohgefühle auslöst, ganz zu schweigen natürlich vom Umgang eines Ehepaares, das sich eigentlich schon seit langem nichts mehr zu sagen hat. Natürlich nimmt auch dieser Film am Ende die Kurve zum Happy End, aber der Weg dahin macht viel Spaß.

Es ist selbstredend der Tod des allseits geliebten Geordi (ihn zu mögen, ist so ziemlich das einzige, worauf sich die diversen MacLeods ohne Einsatz von UN-Friedenstruppen einigen können) das kathartische Ereignis – und insbesondere die unbefangene Art, mit der die Kinder das Problem, das sich ihnen stellt, nachdem sie zutreffenderweise festgestellt haben, von den Erwachsenen keine Hilfe zu erwarten zu haben, angehen. Das Bruhei ist zunächst mal riesengroß, wie nicht anders zu erwarten, wenn drei Knirpse mal eben die Sache echt wikingermäßig selbst in die Hand nehmen, aber es ist dann letztlich der Wirbel um Behörden, Jugendamt und nach Sensation gierender Presse, die aus dem Haufen Egoisten, von denen keiner einen Meter Feldweg weit daran denkt, dass es noch andere Bedürfnisse außer den seinen gibt, zumindest für den Moment wieder zu einer Familieneinheit zusammenschweißt. Klar, auch wir als Zuschauer sind uns am Ende nicht sicher, ob das alles wirklich sicher Zukunft haben wird und nicht spätestens bei der nächsten Silberhochzeit die alten Animositäten wieder freudestrahlend auf die Kanapées geschmiert werden, aber bis dahin ist es eine befriedigende Reise.

Das Screenplay setzt dabei durchaus bevorzugt auf die leisen Töne, lässt aber auch die Gelegenheit für den ein oder anderen deftigen Schenkelklopfer nicht aus, und genießt auch seine melancholischen Momente (wofür die grandiosen schottischen Landschaften ja durchaus prädestiniert sind, und die werden von Martin Hawkins ("Tatsächlich Liebe") auch traumhaft schön fotografiert. Da will man gleich den nächsten Urlaub buchen, um zwischen Highlands und Löchern die Seele zu streicheln).

Das wäre natürlich nichts ohne einen soliden Cast, und den hat der Film. David Tennant, wieder mal sein eher zerknittertes Selbst, ist ebenso vorzüglich wie Rosamund Pike ("Gone Girl", "Jack Reacher"), die auch gute über gute Chemie verfügen. Ben Miller ("Paddington 2", "Johnny English") ist ein wunderbar hassenswertes Ekel und Amelia Bullmore ("Sherlock") als seine geplagte Gattin nicht minder überzeugend. Billy Conolly ("Fido", "Lemony Snicket: Rätselhafte Ereignisse", "Der blutige Pfad Gottes") ist als Opa Geordi selbstverfreilich eine sichere Bank (wenn man schon Sean Connery nicht zum Comeback bewegen kann…). Aber die echte Überraschung sind die Kinder – ich gehöre bekanntlich nicht zu den großen Freunden schauspielender Minimenschen, aber das Trio ist echt gut – sowohl Emilia Jones ("High-Rise") als altkluge Lottie, Bobby Smalldridge als berserkender Odinsjünger oder Harriet Turnbull als unbefangen geheimste Familiengeheimnisse ausplaudernde Steinfreundin, alle drei sind nicht nur erfreulich ungekünstelt im Spiel und haben verblüffendes komisches Timing. Wenn die am Ball bleiben, wird noch mal was aus ihnen…

Erfreulicherweise hat der Verleiher Tobis für die Heimkinoauswertung den erwähnten fürchterlichen Kinotitel in Rente geschickt und den nun auch nicht gerade überwältigenden, aber zumindest deutlich besseren Originaltitel reaktiviert. Bild und Ton sind ausgezeichnet, als Extra gibt’s ein paar kurze (aber witzige) deleted scenes, eine Bildergalerie, den Trailer und ein kurzes Promo-Making-of, das der Verleih für den Kinostart zusammengestoppelt hat.

Ergebnis: eine kurzweilige, trockene Komödie von der Art, wie sie eben doch nur die Jungs und Mädels von der Insel hinkriegen – ernste Themen schwarzhumorig verpackt und toll gespielt. Freunde des britischen Humors sollten hier unbedingt reinschauen.

  • Opa Gordie hat den einzigen Grund, Fischen zu gehen, raus - es geht einem dort keiner auf den Zeiger...

  • Eine glückliche Familie. Zumindest 3/5 davon.

  • He plays a mean fiddle... wenn er denn darf.

  • Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt.

  • "Willst du mal meine TARDIS sehen?"

  • Opa meint, es ist nie zu früh, um Autofahren zu lernen.

  • Und wie man sieht, hat er nicht unrecht...

  • Rollo, der Wikinger, wäre stolz auf Euch, Kinder!


BOMBEN-Skala: 2

BIER-Skala: 7


mm

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