VFW


  • Original-Titel: VFW
  •  
  • Regie: Joe Begos
  • Land: USA
  • Jahr: 2019
  • Darsteller:

    Stephen Lang (Fred Parras), Martin Kove (Lou Clayton), WIlliam Sadler (Walter Reed), David Patrick Kelly (Doug McCarthy), Fred Williamson (Abe Hawkins), Sierra McCormack (Lizard), Dora Madison (Gutter), George Wendt (Thomas Zabriski), Travis Hammer (Boz), Tom Williamson (Shawn Mason)


Vorwort:

Der Armeeveteran Fred Parras (Stephen Lang, AVATAR, TOMBSTONE, PROJEKT X) betreibt einen Stützpunkt der Veteranen-Organisation VFW (Veterans of Foreign Wars), was im Klartext nichts anderes ist als eine Kneipe nur für ehemalige und aktuelle Armeeangehörige, in denen die alten Säcke, die dort bevorzugt abhängen, sich in Ruhe einen ansaufen und über die guten alten Zeiten, in denen sie noch in fernen Ländern Leute totschießen konnten, remineszenzieren können. Wie fast jeden Abend kann Fred, dessen Bar zugegeben schon erheblich bessere Zeiten geesehen hat, seine Stammgäste begrüßen – Lou Clayton (Martin Kove, KARATE KID, THE LAST HOUSE ON THE LEFT, CROCODILE 2: DEATH SWAMP), der mittlerweile als schmieriger Gebrauchtwagenhändler gutes Geld verdient, dessen besten Kumpel Walter Reed (William Sadler, STIRB LANGSAM 2, BILL & TED’S VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT, TRESPASS), den alten Kiffer Doug (David Patrick Kelly, THE CROW, LAST MAN STANDING, DIE WARRIORS), den schwarzen Haudegen Abe Hawkins (Fred Williamson, FROM DUSK TILL DAWN, DIE SCHLACHT DER CENTURIONS, BLACK COBRA) und den dicken Thomas Zabriski (George Wendt, CHEERS, der ganz selbstverständlich auf dem gleichen Platz an der Bar sitzt wie Norm Peterson in der legendären Sitcom). An diesem Abend gesellt sich noch ein junger Bursche hinzu, Shawn Mason (Tom Williamson, ALL CHEERLEADERS DIE, COLLISION), frisch zurück von einer Tour of Duty im Irak und auch nur daran interessiert, ein bis drei alkoholische Getränke zu inhalieren, ohne von Zivilisten genervt zu werden.

Das könnte ein lustig-bunter Abend im Kreise ausgesuchter Spirituosen und ebenso ausgesuchter Geschichten vom Krieg werden, doch wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt…

Direkt gegenüber, in einem ehemaligen und jetzt leerstehenden Kino, hat sich Gang und Gefolgschaft des lokalen Drogenfürsten Boz (Travis Hammer, THE LAST SHIP, GODLESS) häuslich eingerichtet. Eine gewalttätige Gang wäre an und für sich schon schlecht genug, aber Boz ist der örtliche Bereitsteller der neuen Modedroge Hyper, und die verwandelt ihre Abhängigen in sehr, SEHR, SEHR!! auf die Erlangung der nächsten Dosis ausgerichtete Pseudozombies, die selbst Boz nur ausgesprochen eingeschränkt zu kontrollieren in der Lage ist. Gut, einen einzelnen Hyper-Junkie kann man schon mal loswerden – so bringt Boz die nach einer nächsten Lage Hyper geifernde Lucy (Linnea Wilson, ROGUE WARFARE) dazu, für eben jene von einem Balkon zu springen. Schpla-DAUZ. Lucy hat allerdings eine Schwester, die auf den bezaubernden Namen Lizard (Sierra McCormick, CURB YOUR ENTHUSIASM, CHRISTMAS IN THE HEARTLAND, SOME KIND OF HATE) hört. Lizard verarbeitet das Ableben ihres Schwesterherzes dadurch, in Boz‘ „Büro“ vorzudringen und aus seinem dummerweise offengelassenen Safe dessen Restbestände an Hyper zu mopsen. Das bleibt freilich nicht unbemerkt und Boz hetzt seine Hyper-Junkie-Armee auf die flüchtende Lizard. Tja, und was bietet sich als rettende Zuflucht auf der anderen Straßenseite geradezu an? Die Veteranenbar…

Die verblüfften Soldaten sehen sich also einer hysterischen Jungmaid und einer sie verfolgenden Bande blutrünstiger Mordbrenner entgegen und reagieren reflexartig. Zu den Waffen, Brüder! Der erste Angriff der Hyperzombies wird zurückgeschlagen, auch wenn sich Doug einen schweren Axthieb in die Schulter einfängt. Nach erfolgter Verbarrikadierung wird Kriegsrat gehalten. Lizard ist erst mal wenig gewillt, über den Grund des gelinden Zorns, den die Angreifer auf sie schieben, Auskunft zu geben, was die Wahnsinnigen überhaupt von ihr wollen.

Jedenfalls scheint es angeraten zu sein, die Bar schnellstmöglich zu evakuieren, doch der Versuch, sich zu Freds geliebtem Pick-up-Truck durchzuschlagen, wird durch die belagernden Horden gewaltsam unterbunden – Zabriski wird dabei von Boz‘ Chef-Henchschlampe Gutter (Dora Madison, BLISS, FRIDAY NIGHT LIGHTS) tranchiert.

Es sieht also verdammt so aus, als müssten sich die Veteranen auf eine lange Nacht einstellen und hoffen, die Junkie-Armee lang genug im Schach zu halten, bis die Sonne aufgeht und ein amtlicher Kriegsschauplatz right in the middle of Downtown auch anderen anständigen Bürgern auffällt. Fred hat natürlich ein paar Schießprügel am Start und unsere Vets sind auch clever genug, tödliche Waffen zu improvisieren.

Als Lou allerdings herausfindet, was Lizard gestohlen hat, wird zumindest aus seiner Sicht die Möglichkeit, Lizard den angreifenden Massen zum Fraß vorzuwerfen, zu einer diskutablen Option. Fred ziert sich aus grundsätzlichen Gründen und auch Lizard hat begreiflicherweise etwas dagegen, und auch ein passendes Argument – da schon beim ersten Angriff der Junkies Boz‘ Lieblingsbruder draufgegangen ist, ist die Sache für ihn zwanglos auch eine Frage der persönlichen Blutwurst-Rache. Ersatzweise schlägt Lou vor, seine öligen Gebrauchtwagenverkäufer-Skills zum Einsatz zu bringen und mit Boz zu verhandeln, aber das ist auch nicht unbedingt die allerbeste Idee, die er heute hatte…

Inhalt:

Es gibt Szenarien, die sind aus gutem Grund nicht totzukriegen, und das gute alte Belagerungsmotiv gehört fraglos dazu. Obwohl… natürlich könnte man je nach persönlicher Präferenz mit guten Argumenten behaupten, dass Howard Hawks‘ RIO BRAVO (1959) oder John Carpenters ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT (1976) zum Thema alles gesagt hätten, was dazu zu sagen wäre, und doch ist es ein Motiv, das unendlich oft aufgegriffen wurde (von Hawks‘ beiden eigenen Semi-Remakes EL DORADO und RIO LOBO über NIGHT OF THE LIVING DEAD bis hin zu Referenzen in so unterschiedlichen Fernsehserien wie SLEDGE HAMMER, HERCULES oder ROBOCOP: PRIME DIRECTIVES), und trotzdem auch irgendwie nicht „alt“ wird.

Eine Handvoll hoffnungslos unterlegener, gern auch mal gar nicht SO „heldiger“ Helden gegen eine Übermacht von bloody-simple-minded Angreifern, die ohne Rücksicht auf eigene Verluste Welle auf Welle namen- und gesichtsloser Massen gegen die Bastgion der Helden werfen – das sorgt automatisch für Spannung und Aufregung, da muss der Drehbuchautor gar nicht mehr großartig eingreifen, da ergibt sich dann alles Weitere mehr oder minder von selbst aus der Situation. Zudem ist’s für Filmemacher natürlich auch deshalb ein attraktives Szenario, weil es mit recht geringem Aufwand realisiert werden kann – man braucht nicht mehr als eine Location und ein Rudel Statisten, das man ja auch problemlos mehrfach einsetzen kann (setz dem Typen eine Mütze auf oder zieh ihm eine andere Jacke an, und schon ist er wieder ein neuer Angreifer, der in den Hexenkessel geworfen werden kann).

Auch der vom Horror-Magazin FANGORIA produzierte VFW, der neue Film von BLISS-Regisseur Joe Begos, macht sich im Endeffekt keine großen Gedanken darüber, eine Geschichte zu erzählen. Die Situation wird etabliert, die Charaktere rudimentär vorgestellt, und dann beginnt das große Massaker. Es ist, wie eigentlich immer in diesem Subgenre, völlig wurscht, ob die Angreifer nun Indianer, Zombies, Gangmitglieder, willenlose Junkies oder Teletubbies sind, es reicht, dass es einen schier unerschöpflichen Vorrat an ihnen gibt, dass sie einen Grund dafür geliefert bekommen, sich geradezu selbstmörderisch in den Kampf zu werfen, und dass es die Handvoll Aufrechter gibt, die versuchen müssen, irgendwie das Zeitlimit (das, wie so oft in diesem Genre, „Sonnenaufgang“ lautet) zu überstehen. Einmal mehr: been there, done that, bought the T-Shirt.

Die Schreiberlinge Max Brallier und Matthew McArdle wissen aber wenigstens, dass es irgendeinen Hook, ein Gimmick braucht, um eine nun wirklich schon dutzendfach heruntergenudelte Story aus dem weiten Feld der Genre-Genossen herausstechen zu lassen. Und so findet die große Schlacht eben nicht in einem Polizeirevier oder einem Wildwest-Fort statt, sondern in einer Veteranenschänke, und anstatt voll im Saft ihrer jugendlichen Virilität stehender Actionhelden im klassischen Sinn bekommen wir eben die ganz klassischen Actionhelden – die B-Helden aus den days of yore, mehr oder weniger in Würde gealtert (Martin Kove sieht fast besser aus als in seiner Jugend, dagegen ist William Sadler schon deutlicher in die Breite gegangen), und der Kniff funktioniert. Natürlich ist der Clou der Geschichte, dass die Altmännerbrigade, ungeachtet der Gefahr für Leib und Leben, und auch wenn sie’s nicht direkt zugeben würde, einen Heidenspaß daran findet, noch einmal einen letzten Tanz auf der Rasierklinge zu vollführen, noch einmal alles, was sich an Aggression und Zorn über das Alter und die mangelnde Würdigung ihrer Leistungen einerseits und Nostalgie über die guten alten Zeiten andererseits, aufgestaut hat, rauszulassen und den gewalttätigen Trieben freien Lauf zu lassen. Der Gegner ist ausreichend ent-humanisiert, um sich keine großen Gewissensbisse über den angerichteten Bodycount machen zu müssen, und was könnte es zudem noch edleres geben, als eine holde Jungfrau (die weder sonderlich „hold“ und vermutlich auch keine Jungfrau ist…) zu beschützen? Und überhaupt, who wants to live forever? Fred, Abe und Walter sind sich da recht einig, und auch wenn Lou da und dort „voice of dissent“ spielt, steht seine Loyalität am Ende nicht in Frage (obwohl ich zumindest seiner ersten Idee, Lizard an Boz auszuliefern, durchaus aufgeschlossen gegenüber stand, hüstel. Kollege Wortvogel wollte das an der Stelle von einem genaueren Blick auf die Anatomie der Betreffenden abhängig machen. Und MIR sagt man, ich wäre ein Chauvi. Pöh!)

Und da laufen fiktive Filmgeschichte und Realität natürlich in einem hocherfreulichen Maße parallel, denn das, was man über die Filmfiguren sagen kann, lässt sich 1:1 auf die sie verkörpernden alten Schlachtrösser übertragen. Ob das nun Stephen Lang ist (der vielleicht dahingehend ein bisschen odd man out ist, als seine Filmkarriere ja eh erst in den „besten Jahren“ richtig abhob), der olle Zigarillo-Kauer Fred Williamson, KARATE-KID-Nemesis Martin Kove oder eben auch William Sadler, die rüstigen Fast-Rentner, sind blendend aufgelegt und haben sichtlich Spaß an der Sache, ihre antiken Hartmax- und Bas-Ass-Images noch einmal gewinnbringend Gassi zu führen. Die Chemie zwischen den alten Knaben stimmt – oft genug wirken die Dialoge auf positive Weise improvisiert, als hätte man wirklich einfach eine Kamera aufgestellt, während ein halbes Dutzend alter Knacker bei Schnaps, Bier und alten Aerobic-Videos (don’t ask) in den liebsten Erinnerungen schwelgt. Wahrscheinlich war die einzige größere Herausforderung bei der filmischen Umsetzung, die Jungs beim Thema „Krieg“ und nicht „jeweilige Filmkarrieren“ zu halten. Bei der Spielfreude, die das Ensemble – in das sich Jungspund Tom Williamson (meines Wissens nicht verwandt oder verschwägert mit Fred) reibungslos einfügt, weil er quasi auch die Position des Publikums-Stellvertreter übernimmt und gebannt an den Lippen der alten Kämpen hängen kann -, an den Tag legt, bräuchte es eine weitergehende Handlung (und die Action) eigentlich gar nicht, um eine gute Zeit haben zu können…

Ja, aber klar, VFW will nicht nur eine gemütliche Altherrenrunde beim fröhlichen Smalltalk beobachten. Der Streifen wurde als der blutigste Film des Festivaljahrgangs angekündigt, und obschon ich dem Alter, in dem die Mengen an Kunstbluteimern, die bei den Dreharbeiten verbraucht wurden, nicht mehr per se ein Qualitätsmerkmal an und für sich darstellen, nun doch einigermaßen entwachsen bin, bleibt festzuhalten – nein, die Ankündigung hat ausnahmsweise (bei FFF-Programmheft-Sprüchen muss man ja aus Gewohnheit eine Tüte Salz bereit halten, weil die oft genug nur rudimentär mit dem zu tun haben, was sich dann tatsächlich vor dem entzündeten Auge des Betrachters auf der Leinwand abspielt) nicht zu viel versprochen. Hier wird gesplattert, bis sich die Balken biegen, da fließt das Blut in Strömen, da wird geballert, gehackt und gestochen, als würde es morgen verboten (äh). Unglücklicherweise, und da sind wir jetzt an der Stelle, an der wir uns erstmals ernstlich mit Regisseur Joe Begos, der 2017 mit BLISS, einem Abstieg in die Welt von Kunst und Drogen, schon festivalauffällig wurde, befassen müssen. Als Action-Regisseur ist Begos, so leid’s mir ja tut, keine große Leuchte. Natürlich ist der zappelige Handkamerastil „modern“ (blame Michael Bay), aber wenn in Actionszenen die Kamera keinen Sekundenbruchteil stillhalten kann, der Schnitt stakkatoartig die Perspektiven wechselt, und generell das gepeinigte Auge nie die Chance hat, wirklich zu erfassen, *was* eigentlich gerade geschieht, wird das schon sehr sehr hektisch und anstrengend – zumal in VFW auch selten nur ein Kampf stattfindet, sondern sich multiple Tanzpärchen bilden und sich das Ganze zu einem infernalischen Bild- und Schnittgewitter auswächst, dem man dann als Zuschauer, trotz der plakativen Gewalt, den erfreulicherweise zumeist praktischen Effekten und den Hektolitern Kunstbluts, mit denen gesuppt wird, irgendwann dann doch mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber steht. Es ist dann manchmal gleichzeitig „too much“, weil eben zu viel gleichzeitig passiert, und „too little“, weil man nicht mehr wirklich mitbekommt, WAS passiert.

Das macht VFW nicht wirklich schlecht, lässt mich aber schon darüber spekulieren, ob der Streifen nicht noch mehr Spaß gemacht hätte, wenn man nicht nur in Sachen Darsteller und FX auf die old school gesetzt hätte, sondern auch hinsichtlich der Choreographie und des Filmens der Actionszenen.

Ziemlich großartig ist der stark Carpenter-beeinflusste Synthi-Score von Steve Moore (BLISS, MAYHEM), der dem Film den letzten Touch 80er-Flair verpasst. Den muss DRINGEND jemand auf CD rausbringen, verdammt. Ergänzt wird die Tonspur durch einige brutale Metaleinlagen, hauptamtlich bei den Angriffen der Hyper-Mutantenjunkies.

Der Cast, ist wie gesagt, Weltklasse, solang es die Kriegsveteranen angeht, egal, ob das nun Lang, Williamson, Kove oder Sadler ist – die einzige mögliche Verbesserung wäre noch gewesen, David Patrick Kellys Part (nicht, dass er schlecht wäre) gleich von Willie Nelson, an dem der Charakter sehr offenkundig ausgerichtet wurde, spielen zu lassen. George Wendt hat’s leider schnell hinter sich. Travis Hammer ist als dezent bekloppter Gangboss durchaus adäquat, seine Killerbraut Dora Madison aber noch deutlich eindrucksvoller (und durchgeknallter). Sierra McCormick ist okay, aber nicht herausragend, als alles auslösende Lizard.

Summa summarum ist VFW ein Film, an dem mehrere Fraktionen Spaß haben können – die, die an einem solide gemachten ASSAULT-Rip-off immer wieder ihre Freude haben, die, die in Sachen „Hauptsache blutig und brutal“ weniger diskriminierend sind als ich, und vor allem die, die ein Herz für wackere Altstars, die im Dienst der guten Sache noch mal ordentlich auf die Kacke hauen, haben. Da ist doch eigentlich für jeden was dabei…

© 2020 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 4

BIER-Skala: 7


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