
- Original-Titel: Uzi Brothers 9mm
- Regie: Francis Posadas
- Land: Philippinen
- Jahr: 1989
- Darsteller:
Ronny Ricketts (Uzi Brother #1), Sonny Parsons (Uzi Brother #2), Maritess Suarez, Mercy Dizon, Perla Bautista (Mutter Brother #1), Jaime Fabregas (Gangsterboss), Leo Lazaro, Fred Moro, Renato Robles, Ruel Vernal, Larry Silva (Killer), Robert Miller (Informant)
Vorwort
Abt. Midnight Movies mit Jorge #006
Eigentlich sollte heute ein reguläres Review aus der SASORI-Reihe dran sein. Doch das muss ich jetzt einfach mal beiseite schieben. Es begann damit, dass Anfang dieser Woche ein Filmplakat in einer britischen Facebook-Gruppe gepostet wurde, dass gleich große Aufmerksamkeit auf sich zog. Aber, come on, UZI BROTHERS 9MM ist einfach schon ein zu geiler Titel. Interessant wurde es dann, als wir untereinander feststellten, dass niemand von uns je von den Film gehört, geschweige denn, ihn gesehen hätte. In OFDb und IMDb gibt es keinerlei Bewertung, keine verlinkten Rezensionen, keine Rollennamen oder auch nur eine Laufzeitangabe. Auf Letterboxd hatte der Film nur eine einzige Bewertung, ein Hoffnungsschimmer, der Film musste also irgendwo mal erhältlich gewesen oder ausgestrahlt worden sein. Jorge horchte bei sich bei seinen weitreichenden Kontakten um, und siehe da, nur zwei Tage später wurde uns eine Kopie des Films zugespielt. Die Datei kam allerdings nur im O-Ton, Tagalog/Philippinisch mit einigen Brocken Englisch, ohne jegliche Untertitel. Wir haben uns die UZI BROTHERS natürlich trotzdem reingezerrt, wir haben schon Filme nur auf Italienisch, Türkisch oder auch Persisch gesehen. Und von diesem Erlebnis möchte ich euch nun berichten. Die Inhaltsangabe wird, für dieses Format, etwas länger als sonst ausfallen, da ich nahezu den kompletten Film aus meiner Sicht nacherzählen werde. Einfach nur, um zu verdeutlichen, wie unwesentlich sich Sprachbarrieren präsentieren, wenn die Handlung archetypisch genug ausfällt, dass Genre-Kundige den Inhalt mühelos verstehen können. Viel Spaß mit der (hoffentlich) interessanten Lektüre!
Inhalt
A rebel Robert wants to achieve peace so he and his group will surrender to the government. Can they achieve what they want?
– Der Rebell Robert will Frieden erreichen und unterwirft sich daher mit seiner Gruppe der Regierung. Können sie ihre Ziele erreichen?
(IMDb)
Die auf der größten Filmdatenbank verfügbare Inhaltsangabe könnt ihr in die Tonne kloppen, aber mal sowas von. Vergesst bitte, dass ihr das gerade überhaupt gelesen habt. Denn eigentlich trägt sich in dem Film folgendes zu:
Zwei knallharte Cops, genannt Uzi Brothers (#1 mit langen Haare, schwarzen Shirt und Cappy, #2 dagegen leger im Hawaiihemd), crashen einen Waffendeal, ballern beinahe alle Beteiligten über den Haufen. Nur einen von ihnen heben sie sich für eine eingehende Befragung auf, die unsere Gesetzeshüter noch vor Ort durchführen, indem sie ihm in Aussicht stellen, ansonsten gleich mal einen ungemütlichen Abflug über die Mauer und auf den gut zwanzig Meter darunter liegenden Asphalt zu machen. Schon nach kurzer Zeit gibt sich der Gangster einsichtig und will ihnen den Namen seines Bosses nennen, wird aber von einigen Gangster, die unten auf der Straße vorgefahren sind, vorsorglich doch lieber mit einem Maschinengewehr zum Schweigen gebracht.
Auf dem Revier beglückwünscht sie ihr Captain zu ihrem gelungenen Einsatz, der einige gefährliche Waffen von der Straße geholt hat, gibt aber zu Bedenken, dass sie zum einen ein hohes Risiko eingegangen sind und auch keine Infos zu den Hintermännern erhalten haben (den Gesprächsinhalt hier musste ich mir jetzt naturamente komplett aus den Fingern saugen, sollte aber ungefähr hinkommen). Vor dem Revier treffen sie dann auf einen Informanten und auch auf zwei ihnen nicht sehr wohlgesonnene Kollegen, denen ihr heldenhafter und harscher Einsatz gegen das organisierte Verbrechen ein Dorn im Auge scheint. Also knurrt man sich erst einmal gegenseitig an, um auszumachen, wer hier das größere Alphatier (oder Alphatier-Duo) am Platz ist.
Zum Ausklang des Abends geht es zum Essen zu Mama. An dieser Stelle dachten wir noch, dass die UZI BROTHERS wirklich Brüder sind, was sich im späteren Verlauf als Irrtum darstellte. Bei Mama verweilt auch eine hübsche junge Frau, die wir für ihre Schwester hielten, sich kurz darauf aber als Ehefrau von Uzi Brother #1 herausstellte. Danach führt Uzi Brother #2 noch seine Angebetete aus, wobei peinlicherweise der Wagen verreckt. So ein Pech aber auch. Währenddessen wacht Uzi Brother #1 des Nachts mal wieder schweißgebadet auf, weil ihn seit seiner Kindheit Albträume über den Mord an seinem Vater, eines ehrbaren Polizisten, bei dem er (wie es scheint bei einem Essen zu seinem Geburtstag) Zeuge wurde, verfolgen.
Am nächsten Tag müssen die Uzi Brothers dann Ungemach in der eigenen Gemeinde regeln. Der örtliche Gangsterboss würde gerne hier sein Gebiet vergrößern und bedroht einen alten Mann, der auf Krücken geht (Kriegsinvalide?) und wohl so etwas wie ein Bezirksbürgermeister oder zumindest einende Vertrauensperson der Nachbarschaft hier im Ghetto (ja, das hier ist wirklich Ghetto, dreckig und kaputt) ist. Als der Gangsterboss ihm gefährlich nahe kommt, schreiten unsere beiden Helden ein und schicken den Schurken weg, was dem natürlich ganz und gar nicht in den Kram passt. Doch die Uzi Brothers sind sich klar, dass die Gefahr nicht gebannt ist, solange der Bösewicht noch auf freien Füßen verweilt. Sie müssen also proaktiv tätig werden.
Am nächsten Tag stürmen sie also im Rahmen einer Großrazzia mit einem Sondereinsatzkommando das Kinder-Bordell und das illegale Casino des pösen Purschen. Dabei streichen die miesen Kollegen nebenher den herumliegenden Zaster ein, was zu weiteren Spannungen in der Truppe führt. Nach der Razzia entscheidet sich der Big Boss, es auch bei unseren Helden mit Bestechung zu versuchen, was sie aber unmissverständlich ablehnen. Daraufhin stattet er am folgenden Abend mit seinen Schergen dem alten Mann einen erneuten Besuch ab, wollen ihn gar aus dem Weg räumen. Doch die Bewohner weigern sich, von seiner Seite zu weichen, was ihm das Leben rettet. Stattdessen zünden sie seine Wellblechhütte an und bemühen sich, die Menge mit Waffeneinsatz im Zaum zu halten, um den Alten zu verschleppen und wohl anderswo zu entlaiben. Da tauchen aber die Uzi Brothers auf und können ihn nach einem kurzen Feuergefecht mit den Gangstern aus deren Gewalt befreien.
Es kriselt nun zwischen den alten Freunden und Waffenbrüdern, denn #1 befürchtet, dass seine Familie nun in Gefahr schweben könnte, wenn sie weiterhin ins Wespennest stechen, während #2 der Meinung ist, dass man gerade jetzt nicht aufgeben darf, da die Gefahr ansonsten nie vorüber sei, womit natürlich beide valide Punkte vorzubringen haben, die sie auch inbrünstig und schreiend verteidigen (Inhalt ist wieder geraten, aber ich verwette meine gepflegten Pornobalken darauf, dass es genau darum geht).
Es kommt, wie es kommen muss – die Gewalt auf den Straßen eskaliert, trifft konkurrierende Banden wie auch unschuldige Passanten. Als sich unsere verkrachten Uzi Brothers auf dem Revier wieder gegenseitig an den Kragen gehen, überfallen die Killer des Antagonisten Mutti und Frauchen. Sie erschießen die alte Dame, während sich das junge Liebchen noch, in einem großen Fahrradanhänger versteckt, dem Zugriff der bösen Buben entziehen kann.
Jetzt ist auch Schluss mit lustig für Uzi Brother #1, zumal er unter den Henchmen auch den Mörder seines Vaters ausmachen konnte. Bis an die Zähne bewaffnet (mit stilechter Bewaffnungsszene wie in PHANTOM KOMMANDO) stürmen sie das Hauptquartier des Paten von Manila und liefern sich mit ihnen, wild um sich feuernd, eine atemlose Verfolgungsjagd durch die Straßen der Metropole, bis es am Hafen zum alles entscheidenden Showdown kommt…
What’s the Deal?
Augenscheinlich gehört UZI BROTHERS nicht zu den Filmen, die in den 80er-Jahren durch US-Geld (häufig war Roger Cormans Concorde – New Horizons mit Stammregisseur Cirio H. Santiago beteiligt) finanziert wurden, da die Philippinen eben als eine günstige Produktionsstätte für actiongeladene Videothekenkost fungierten. Vielmehr war er für den Einsatz auf dem heimischen Markt gedacht, der nach dem Ende der Ära Marcos wieder gezielt gestärkt werden sollte. Es ist daher wenig verwunderlich, dass dieser trashige Action-Krimi in unseren Gefilden eher unbekannt geblieben ist. Gerade heute, im Vorlauf zu diesem Review, bei den Hintergrundrecherchen, habe ich ihn auf der Facebook-Seite „Philippine nostalgia“ erwähnt gefunden, wie auch den ganzen Film auf einer philippinischen Streamingplattform. Es ist also kein Ding der Unmöglichkeit, ihn zu finden, wenn man weiß, wo man wonach suchen muss. Weiterführende Informationen zu den Rollennamen oder einer ausführlichen Inhaltsbeschreibung sind allerdings mehr als rar gesät.
Die Story ist eher zweckmäßig, neben den Anflügen von Drama, die das ganze Bohei rechtfertigen sollen und vielleicht auch ein wenig Sozialkritik beinhalten, die uns in Unkenntnis des genauen Inhalts der Dialoge entgangen sein mag, konzentriert sich die Chose eindeutig auf seine Action. UZI BROTHERS wuchert damit nun nicht in seiner fast 120-minütigen Laufzeit, verteilt sie aber recht anständig über eben die Länge des Films. An ein oder zwei Stellen machen sich auch mal Längen breit, weil die letzte Schießerei mehr als 10 Minuten zurückliegt. Darüber lässt sich aber dennoch hinwegsehen, denn allzu langweilig wird es, trotz Sprachbarriere, nicht. So richtig viel Budget stand der Produktion sicherlich nicht zur Verfügung. Der Vorteil ist aber unbestreitbar, dass sie es als einheimisch finanziert und vertrieben, wohl erheblich leichter hatte, passende urbane Locations zu finden. Das Ding spielt fast durchgehend gut ersichtlich in einem richtigen Ghetto von Manila anno 1989. Das ist heruntergekommen, dreckig und kaputt. Umso beeindruckender gestalten sich da die Szenen mit den Bewohnern, wie sie dem alten Mann, der Bedrohung durch Waffengewalt zum Trotz, nicht von der Seite weichen (hier könnte auch der erwähnte soziale Kommentar versteckt sein, wer weiß). Ich könnte mir vorstellen, dass man tatsächlich mit der dortigen Bevölkerung als Statisten gedreht hat, das wirkt sehr authentisch. Die Actionszenen finden in Seitengassen oder großen Plätzen, aber gerne auch mal in einsturzgefährdet wirkenden Ruinen statt. Hier hat man wohl gespart, wo es nur ging. Dafür war dann genug Geld für anständig Pyrotechnik und Bluteffekte übrig. Es wird ordentlich gestorben, sobald die Waffen sprechen. Das macht schon Laune, auch wenn die Inszenierung mit der Zeit ein wenig der Eintönigkeit verfällt. Aber die archetypische Story, der leicht zu folgen ist, die blutige Action und der aufgrund des Settings anhängende Obskuritätenbonus gehen schon schön Hand in Hand. Und der Showdown erstreckt sich auf die ganzen letzten gut 20 Minuten!
Besonders lustig
– Der Gefangene der Razzia zu Beginn wird von seinen Kumpanen aus dem Autofenster heraus, nach oben zielend in zwanzig Meter Entfernung auf den Punkt genau erschossen. Das ist olympiareif.
– Die Angebetete von Uzi Brother #2 wartet bei ihren Eltern darauf, dass sie abeholt wird; sie scheint eher skeptisch, doch ihre Eltern reden ihr wohl gut zu.
– Als Uzi #2 und Angebetete losfahren wollen, stottert der Motor nur rum, was das schrottreif wirkende Gefährt durchschüttelt („sollten sie den Wagen nicht auf andere Weise zum Schaukeln bringen?“)
– Unangenehm: Vor Beginn der Razzia wird uns die Wohnung gezeigt, in dem die Gangster kleine Jungen interessierten Kunden feilbieten, die vor ihnen tanzen oder mit ihnen aufs Zimmer und ins Bett gehen müssen (ja, da schüttelt es einen innerlich, brrr).
– Wieder lustig: Bei der Razzia wehrt sich ein Gangsterbraut im Bordell mit, ähm, ihren Karate-Skills, worauf einer der Uzi Brothers sie mit seiner schwächeren linken Hand aus dem Off wegknockt.
– Das Casino besteht nur aus ein paar Tischen in einer heruntergekommenen Bar, an denen ein paar Leute um Geld Karten spielen.
– Der Mittelsmann des Gangsterbosses bietet den Uzi Brothers einen Scheck an; einer der beiden zieht ihn daraufhin vertrauensvoll zur Seite, während der andere den Scheck einfach anzündet.
– Die Uzi Brothers suchen ihre verfeindeten Kollegen auf, die in einem Abrisshaus kriminellen Tätigkeiten nachgehen; von einer Wache alarmiert, schaffen diese erst einmal Geld und kleine Jungen (!) zur Seite.
– Seltsam: die Uzi Brothers kloppen sich im Revier vor ihren Kollegen, während in einer Parallelmontage Mama von den Gangstern über den Haufen geballert wird.
– Dumm gelaufen: Im Finale schießt der eine korrupte Cop aus Versehen seinen Kollegen über den Haufen und quittiert das Maleur mit einem „Oh!“
Was gibt’s sonst noch zu sagen?
Regisseur Francis Posada inszenierte davor allerdings zwei Filme der Marke „Actiongülle“, die tatsächlich auch ihren Weg in heimische Gefilde, sprich hier nach Deutschland gefunden haben – WILD FORCE (DVD von Polar Film) und BLOOD WAR (DVD in der CMV Trash Collection). Sobald wir uns die zu Gemüte geführt haben, werde ich an dieser Stelle natürlich pflichtschuldigst Meldung machen. Ich denke aber nicht, dass diese ähnlich ergiebig für eine üppige Besprechung ausfallen wie UZI BROTHERS. Mal schauen…
Wo oder wie kann ich mein Aug‘ mit diesem Dreck beschmutzen?
Wie schon erwähnt, erschien der Film wohl nicht in westlichen Gefilden oder vielleicht nicht einmal außerhalb der Philippinen. Unsere Kopie ist von Verschmutzungen und Defekten durchsetzt, aber in 540p-Auflösung und damit noch gut guckbar, lässt aber eben auch verständliche Untertitel missen. Es gibt ihn auf einer philippinischen Streaming-Website zu bestaunen, könnte sogar die selbe Version sein, die uns zur Verfügung stand. Wer interessiert ist, einfach mal suchen, ist nicht schwer zu finden.
Was am Ende übrig bleibt
Nein, UZI BROTHERS ist keine vergessene Trash-Perle oder auch ein Meisterwerk des philippinischen Actionkinos. Dafür ist er einfach zu konventionell konstruiert und auch in Szene gesetzt. Er zieht seinen Reiz zu einem großen Teil aus seiner Obskurität (obwohl er bei genauem Hinsehen dann so obskur eigentlich nicht ist) und seinem doch recht reizvollen Ghetto-Ambiente. Bei knapp zweistündiger Laufzeit schleicht sich zwar auch mal eine langatmige Passage ein, dennoch hielt er uns passabel bei Laune. Die Action ist jetzt nichts Besonderes, aber zumindest blutig und auch nicht zu knapp bemessen. Die Aufbereitung der Genre-Konventionen kommt lustig rüber, gerade weil man dem Film trotz fehlender Tagalog-Kenntnisse problemlos folgen kann. Und da sieht man es mal wieder, Genrekino verbindet, weil es eben Sachen gibt, die jeder, nahezu überall auf der Welt, versteht. Und das ist am Ende auch eine schöne Erkenntnis – Kino verbindet.
BOMBEN-Skala: 6
BIER-Skala: 6
Review verfasst am: 23.03.2025