Tucker & Dale vs. Evil


  • Deutscher Titel: Tucker & Dale vs. Evil
  • Original-Titel: Tucker & Dale vs. Evil
  •  
  • Regie: Eli Craig
  • Land: Kanada
  • Jahr: 2010
  • Darsteller:

    Tyler Labine (Dale), Alan Tudyk (Tucker), Katrina Bowden (Allison), Jesse Moss (Chad), Philip Granger (Sheriff), Brandon Jay McLaren (Jason), Christie Laing (Naomi), Chelan Simmons (Chloe), Travis Nelson (Chuck), Alex Arsenault (Todd), Adam Beauchesne (Mitch)


Vorwort:

Wieder einmal macht sich ein halbes Dutzend College-Studenten im besten killfähigen Alter auf den Weg in die einsamen Wälder, um dort Camping plus Party zu machen (ich frag mich immer wieder, was so toll daran ist, sich in einen einsamen Wald zu hocken und dort ein paar Kisten Bier zu vernichten. Das kann ich daheim auch, es ist bequemer, wärmer, es beißen einen keine Ameisen in den Arsch und man kann auch ’ne DVD einlegen). An der bewussten last-chance-gas-station hat unser Teeniehaufen eine unheimliche Begegnung mit zwei Hillbillies aus dem Bilderbuch, Tucker und Dale. Dales peinlicher Versuch, die hübsche Allison anzubaggern, scheitert schmählich an panischer Reaktion derer Freunde (es hilft nicht, dass Dale für den Grabungsversuch ’ne Sichel mitgenommen hat)…

Im Walde angekommen berichtet Chad, spiritus rector der jungen Dumpfnasen, von der örtlichen Legende des waldlaufenden Massenmörders, dieweil Tucker und Dale zur von Tucker gerade käuflich erworbenen Blockhütte dengeln; die sieht zwar so aus, als könnte sie nur durch eine Dampfwalze saniert werden, aber Tucker ist begeistert. Später am Abend gehen die Teens zum skinny dipping – den gleichen See haben sich auch Tucker und Dale zum Angeln ausgesucht. MIt dem Showprogramm, dass sich Allison vor ihren Augen aus ihren Klamotten schält, haben sie natürlich nicht gerechnet. Als Allison die Spanner bemerkt, erschrickt sie, stürzt ins Wasser und schlägt sich den Kopf an. Die Rednecks eilen zur Rettung und zerren Allison in ihr Boot. Ihre Freunde allerdings haben nur den letzten Part mitbekommen und halten Tucker und Dale für gemeingefährliche Mädchenentführer (mindestens!) und beschließen eigenmächtige Rettungsaktionen. Die scheitern jedoch an der Tücke des Objekts – während unsere Rednecks sich einerseits rührend um Allison kümmern und sich andererseits wundern, warum sich rund um ihre Hütte plötzlich die Teenieleichen stapeln, sehen Chad und die reduzierten Seinen die Hillbillies als blutrünstige Mordbestien, die mit allen Mitteln aufzuhalten sind…

Inhalt:

Jedes FFF braucht seine anspruchslose Lachbombe – und dass „Tucker & Dale vs. Evil“ ein potentieller Kandidat für diesen Titel ist, hatte sich (begünstigt durch das word of mouth aus den anderen Festivalstädten) auch nach Nürnberg durchgesprochen. So kam’s, dass der kleine, lustige B-Film aus Kanada der meines Wissen nach einzige ist, der ein amtliches „AUSVERKAUFT“ an die Tür seines Kinosaals nageln durfte…

Eli Craigs Debütlangfilm (wieso lief das Ding eigentlich nicht im „Fresh Blood“-Wettbewerb?) jedenfalls ist der energische Tritt in den Hintern, die humoreske Abrechnung, die der Backwood-Horrorfilm schon seit Jahren gebraucht hat, denn auch wenn die Hinterwäldler-Klischees ein immer wieder gern genommener (und von mir zumindest nicht ungern gesehener) unveränderlicher Bestandteil des Genre-Kanons sind, ähnlich wie der Slasherfilm pre-„Scream“ oder der Zombie-Film pre-„Shaun of the Dead“ (ja, es gab auch vor dem Zombie-Komödien, aber mir ginge sonst der Vergleich flöten) hat sich das Genre totgelaufen – es sind immer wieder die gleichen Mechanismen, die gleichen Strukturen, so dass die Filme sich nur noch über Härte und Einfallsreichtum ihrer Mordmethoden individualisierten. Ich gehe nicht davon aus, dass „Tucker & Dale“ ähnlich „Scream“ eine neue Welle lustiger, selbstreferentieller Backwood-Filme auslöst (dafür ist das Genre zu limitiert), aber warum soll man nicht mal gerade mit diesen Klischees und Baukastencharakteren, wie sie jeden Hinterwälderfilm seit „Deliverance“ selig bevölkern, „all in“ gehen und so richtig, richtig Spaß haben?

Wie der Inhaltsangabe unschwer zu entnehmen ist, lebt „Tucker & Dale“ von der Umkehrung der Prota-/Antagonistenrolle – wobei Craig und sein Mitschreiberling Morgan Jurgenson nicht einfach auf „böse Teens/brave Rednecks“, sondern die Situation „plausibel“ (im Rahmen einer Horror-Komödie) aus einer Verkettung bedauerlicher Mißverständnisse – deren Interpretation darauf schließen lässt, dass die hiesigen Teens mehr als nur einen Backwood-Heuler gesehen haben – heraus entwickelt (mal abgesehen vom obligatorischen Plottwist, der die Lage zum Showdown hin noch entscheidend verschärft). Das ist sicherlich kein intellektueller Meilenstein, aber eine ungemein witzige Idee, die – kaum zu glauben, aber wahr – tatsächlich auch locker ausreicht, um einen abendfüllenden Film zu bestreiten, ohne dramaturgische Durchhänger zu durchleiden oder seine Charaktere vorzuführen; Tucker und Dale sind wirklich liebenswerte Gesellen, beide ein wenig „dim-witted“, aber mit dem Herz am rechten Fleck, während ihre Kontrahenten – unter der Fuchtel eines *leicht* psychopathischen Anführers – sicher nicht davon überzeugt sind, dass das, was sie tun, wirklich ’ne gute Idee ist, aber eben immer wieder von ihrem geistigen Leader zu Wahnsinnsaktionen getrieben werden, die dann prompt und stets nach hinten losgehen, so dass Tucker und Dale (wenn sich mal wieder einer der Teens im Überschwang der Gefühle Kopf voran in den Holzzerkleinerer gestürzt hat) irgendwann darüber spekulieren, ob sie’s hier mit einem Selbstmordpakt zu tun haben. Maßgeblicher Plotmotor ist natürlich der gute alte Murphy, was immer aus Sicht unserer Helden schief gehen kann, geht schief, und dass man den Titelfiguren jede Menge zünftiger one-liner mitgegeben hat und sich der Fun nicht nur auf Slapstick und Situationskomik beschränkt, schadet der Riesengaudi, die man von der ersten bis zur letzten Minute mit dem Streifen hat, selbstredend auch nicht.

Formal ist der ganze Fez hochanständig – Craig gönnt sich zwar eine eher gemächliche Auftaktphase, schaltet aber pünktlich zu Akt 2 in den Turbomodus und lässt bis zum Finale hin nicht mehr nach, da kommt man aus dem Lachen nicht mehr raus; Kameraarbeit und Schnitt sind auf absolut professionellem Niveau, aber ohne künstlerischen oder innovativen Anspruch, die Inszenierung steht den Gags nicht im Weg, und bei einer Horror-Komödie soll das auch so sein. Die Splattereffekte sind nicht besonders herb und sollten einer FSK-16-Freigabe nicht im Wege stehen, sorgen aber für ausreichend Kunstbluteinsatz, um auch auf dieser Ebene zufriedenzustellen.

Erfreulicherweise hat der Streifen dann auch noch das Hauptdarsteller-Duo, das er braucht und verdient hat. Tyler Labine („Reaper“, „Flyboys“) und Alan Tudyk („Dollhouse“, „V“ [Remake], „Firefly“, „Todeszug nach Yuma“) geben ein famoses Comedy-Doppel ab, das sich perfekt ergänzt (Tudyk ist zwanglos der Oliver Hardy zu Labines Stan Laurel), sich hinreißend die Bälle zuspielt und eigentlich Hunger auf mehr, auf ein ganzes Tucker & Dale-Franchise, eine TV-Serie o.ä. macht (bevor der gefrustete Realist in mir wieder anmerkt, dass etwaige Sequel unmöglich den Standard halten könnten und die ganze Chose verderben würden) – die komödiantische Chemistry der beiden Burschen ist unglaublich und würde sicherlich auch in einem Nicht-Horror-Kontext funktionieren. Für die restlichen Akteure bleiben da natürlich vergleichsweise nur Brosamen – Katrina Bowden („30 Rock“) ist schmuck anzusehen und Jesse Moss („Der Fluch der zwei Schwestern“, „Final Destination 3“, „Ginger Snaps“) gibt stellenweise einen (im Rahmen einer Komödie) beängstigenden Psychopathen ab, aber sie spielen eindeutig Geige Nr. 3 und 4 hinter den blendend aufgelegten leads.

Fazit: Ich fasse mich kurz, denn wirklich gute Komödien, speziell im Horror-Bereich, sind selten (erst recht, wenn sie mit meinem eigentlich ehernen Gesetz brechen, dass Horror-Komödie nur funktioniert, wenn die Story im Grunde ernst ist – „Tucker & Dale“ definiert sich eindeutig über die Comedy-Schiene) und sollten daher auch vom gutwilligsten Rezensenten nicht zerredet werden. Daher also nur noch soviel: ein Partyspaß allerersten Ranges, eine Lachgranate vom Feinsten, und ein unbedingter DVD-Kauftipp zum Erscheinungsdatum. Sofort vorbestellen! Kreisch!

5/5
(c) 2010 Dr. Acula


mm
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