Thunder Run


  • Deutscher Titel: Thunder Run
  • Original-Titel: Thunder Run
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  • Regie: Gary Hudson
  • Land: USA
  • Jahr: 1985
  • Darsteller:

    Charlie Morrison (Forrest Tucker)
    George Adams (John Ireland)
    Chris (John Shepherd)
    Maggie (Marilyn O´Connor)
    Carlos (Alan Rachins)
    Paul (Wallace Langham)
    Kim (Jill Whitlow)
    Mike (Graham Ludlow)
    Jilly (Cheryl M. Linn)
    Wolf (Tom Dugan)
    Terroristin (Donna Evans)
    Blondine (Elizabeth Kaitan)


Vorwort:

Der Vorteil an meinem Deal mit den Jungs von dvdmagazin.net ist (neben dem ziemlich offenkundigen, DVDs für lau zu bekommen), dass ich so des öfteren an Filme rankomme, die ich schon länger gesucht habe (Feuerwalze und „Pleasure of Flesh“ sind da zwei aktuelle Beispiele). Der Nachteil an dem Deal ist, dass auf jeden Film, den ich mit einem fröhlichen „och, DER, wie schön“ aus dem Paket zerre, mindestens zweieinhalb kommen, bei denen meine Reaktion entweder „oh Gott, nein, nicht DEN“ oder schlicht und ergreifend „???“ lautet. Ein Fall für die drei Fragezeichen ist denn auch unser heutiges Corpus delicti.

Das neue deutsche DVD-Cover von Best Entertainment (auch nicht gerade ein Label, dessen Oeuvre vor Qualität trieft) stellt einen reichlich dummdreist-frech-schamlosen Versuch dar, auf der The Fast and the Furious-Welle moderner Auto-Actionfilme mitzuschwimmen – neben einer generic Explosionsszene aus dem Film ziert die Box ein überdimensionierter Titelschriftzug, der Claim „Regie: Gary Hudson“ (als ob das auch nur einen mesopotamischen Kleingärtner beeindrucken würde – wer zum Teufel ist schliesslich „Gary Hudson“?) und, und das ist die Frechheit daran, zwei schicke Sportwagen aus den aktuellen Katalogen der Manufakturen von Ferrari und BMW – all das für einen siebzehn Jahre alten Schotterfilm, dessen bekanntester Star ein abgewrackter Ex-Westernheld kurz vor seinem Dahinscheiden ist (ja, ich bin fies, aber sowas muss doch mal gesagt werden, herrgottnochmal).

Nach eineinhalb Stunden Filmbetrachtung war mir dann immerhin klar, dass ich zumindest das Ende des Films mal auf einem der üblichen Grützesender (müsste RTL II gewesen sein) inner Glotze gesehen habe. Das half mir dann aber auch nicht mehr weiter…

Inhalt:

Wir steigen ein bzw. zu einem Pärchen auf dem Highway, das die Radionachrichten hört, wonach böse Terroristen ein Waffenlager der Army überfallen und Nuklearmaterial erbeutet hätten. Kaum hat der Sprecher den Satz ausgenuschelt, explodiert auch schon mehr oder weniger unmotiviert ein Auto am Strassenrand und maskierte Böstuer eröffnen aus allen Rohren das Feuer auf unsere Highway-Cruiser, die angemessenerweise tot aus dem Auto sinken (hm, FSK 12?). Die Angreifer haben aber relativ wenig von ihrem Triumph, denn sie werden sofort von einer Fuhre Uniformierter niedergemetzelt (hm, FSK 12?). Die Uniformtypen klauben dann aus dem Fahrzeug der zuerst Geplätteten einen Behälter mit radioaktivem Material und ich frage mich, was zum Teufel hier los ist…

Dieweil cruised ein average teen boy in seinem schicken gelben Pick-up durch die Wüsten Nevadas, stellt seinen Kübel vor einem Casino ein und sucht umgehend das dortige Damenklo auf. Nicht, weil er ein Spanner oder Perversling ist, nein, nur weil er ein Vollidiot und absoluter Dumpfbackenvertreter ist. Seine Freundin arbeitet nämlich als Putze dort (toller Job, hehe) und er geht ihr ein wenig auf die Nerven, weil er ihr an die Wäsche will (dass seine offenbar regelmässig eintretenden Eskapaden dieser Art seinem Schnucki den Job kosten könnten, juckt den Notgeilen natürlich wenig – und ja, ich ahne, dass der Kerl einer unserer Helden sein wird und uns Herz wachsen soll. Yuck!).

Irgendwo in Kalifornien brüten ein Lametta- und zwei Anzugträger über dem Fiasko der oben geschilderten Highwayaktion. Trotz ausgiebigem Brainstormings meinerseits kann ich immer noch nicht hundertpro meine Patschhand dafür ins Feuer legen, dass meine Interpretation richtig ist, aber sie lautet folgendermassen: Das Pärchen transportierte in der Tat Plutonium der Armee (die sich hierfür völlig irrationalerweise eines privaten Unternehmens – !- bedient, dem George Adams, einer der Anzugträger, vorsteht), und zwar als Lockvogel für einen Haufen gar schlimmer Terroristen, die sich ja dann auch gezeigt haben. Da die Armee aber doof genug war, sämtliche Terror-Junkies über den Jordan zu schicken, hat man nun immer noch keine Ahnung, wer die Hintermänner der Terroristen sind, und das herauszufinden, war ursprünglich der Sinn der Übung. Das ist doof on so many levels. Erstens mal war offensichtlich einkalkuliert, dass die Lockvögel dabei draufgehen (!), zweitens transportierten diese tatsächlich ECHTES Plutonium! Hätte doch wohl gereicht, wenn man den Terroristen durch gezielte Fehlinformation diesen Bären aufgebunden hätte. Man stelle sich vor, die Terorristen hätten das Feuergefecht gewonnen. Oh mein Gott, dieses Script muss sich mal wieder ein debiler Zwölfjähriger ausgedacht haben. In Ermangelung einer besseren Idee wird beschlossen, die ganze Aktion noch mal durchzuführen, nur bräuchte man halt einen neuen Fahrer (ist halt blöd, wenn die dafür Angeheuerten immer gleich erschossen werden). George hätte da schon eine Idee, seinen alten Kriegskumpel Charlie Morrison, ein Veteran des Korea-Kriegs (Pfz. Gut, der Film ist von ´85, aber selbst da war der Koreakrieg schon schlappe dreissig Jahre her und jemand, der in den 50ern ein brauchbarer Fahrer gewesen sein mag, kann inzwischen den Führerschein freiwillig abgegeben haben), der mit seinem Eheweib Maggie eine Kobalt-Mine (!) betreibt.

Schalten wir also gleich um zu Charlie Morrison. Der ist ungefähr 800 Jahre alt und nicht mal mehr in der Lage, mit seiner Alten das Tanzbein beim Squaredance-Abend zu schwingen (aber immerhin, falls Ihr Euch jemals gefragt habt, wie der Rednex-Party-Heuler „Cotton Eye Joe“ sich vor einer Techno-isierung angehört hat, kommt Ihr voll auf Eure Kosten!). Überdies sind die Morrisons, weil die Kobaltminerei nicht wirklich läuft, notorisch pleite. Darüber hinaus etablieren wir noch, dass Charlie in einem früheren Leben (das muss aber SEHR VIEL früher gewesen sein, denn wenn die halbwegs menschliche Gesichtsfarbe nicht wär, würd´ ich den Typen eh für einen Zombie halten) leidenschaftlicher Trucker war.

Der schnöselige Jungspund von vorhin, der im übrigen auf den Namen Chris hört und Charlies geliebter und verhätschelter Enkelsohn ist, betreibt mit Freundin Kim das gute alte Matratzenspiel auf dem Hausboot derer Eltern. Durch das Casino, in dem auch der Country-Schwof stattfindet, schlurcht mit finsterer und vernarbter Miene Carlos, unschwer als Terrorist übelster Sorte zu identifizieren. „Der sieht unheimlich aus,“ kommentiert Maggie, als Carlos beinahe Charlie über den Haufen rennt, unnötigerweise für die Betriebsblinden im Publikum.

Vor dem Casino bläst die Dorfjugend zum schönen Hobby illegale Autorennen (eine Unsitte, die leider auch hierzulande um sich greift und in meiner alten Heimat Nürnberg vor wenigen Wochen ein Todesopfer gefordert hat. An dieser Stelle: wenn von Euch, liebe Leser, einer es nötig haben sollte, mit aufgemotzten Mantas oder Golf GTIs des Nächtens solche Rennen zu bestreiten und sich und andere leichtfertig in Gefahr bringt – fallt tot um! Soviel zur Message für heute). Dummerweise (für mich) sollen wir wohl dieses Treiben als sympathischen und amüsanten Zeitvertreib für junge Leute ansehen und nicht als das, was es ist, unverantwortlichen Leichtsinn. Die Hauptattraktion des heutigen Abends ist der Schaukampf zwischen einem frechen Herausforderer aus L.A., der den Provinzheinis mal renntechnisch zeigen will, was Sache ist und, ta-daa, Chris mit seinem Pick-up. Oma Maggie ist wenig begeistert, aber da Opa Charlie nicht so aussieht, als würde er ein Machtwort sprechen (am liebsten würde der alte Sack vermutlich selbst antreten), gibt sie ihm nur ein „Sei vorsichtig“ auf den Weg. Charlie ist interessierter an der Technik des Trucks, den Chris´ Kumpel Paul, Universal-Nerd und -Technik-Genie aufgemotzt hat und der nun über einen Stickoxid-Nachbrenner verfügt – schätze, unserem Typen aus L.A. steht eine kleine Überraschung bevor. Zuerst müssen allerdings noch die örtlichen Dorfdeppen, äh, -bullen, ausgeschaltet werden und das übernimmt die kesse Blondine Jilly per halsbrecherischer Verfolgungsjagd mit ihrem Bike. Die döseligen Schnarchzapfen von Polizisten versenken angesichts der überragenden Fahrkünste der Göre ihren Streifenwagen im örtlichen See. Damit kann das Rennen gestartet werden, der Einsatz sind schlappe 1000 Dollar, und, wie nicht anders zu erwarten, versägt Chris dank der Stickoxid-Power den gefrusteten Beach Boy, der allerdings nicht ganz zu Unrecht mangelndes fair play seiner Konkurrenten moniert – mit gleichen Waffen gekämpft wurde hier jedenfalls nicht.

Carlos hat dieweil in einer ordentlich mit Wummen aller Art bestückten Lagerhalle seine Terrorschäfchen um sich geschart und gibt ihnen zu verstehen, die Füsse für den Moment stillzuhalten. Das findet nicht das Wohlgefallen einer blonden Terrormaid und eines gewissen Wolf, die sich trotz der strikten Ausgangssperre dazu entschliessen, eine Kneipe aufzusuchen. In der feiern auch unsere Dorfteens ihren grandiosen Sieg. Zwei alte Saufköpfe sorgen für Ärger, indem sie Jilly angrabschen. Paul kann nicht an sich halten und haut den Offenders was vor den Latz und eine kurze Kneipenschlägerei bricht aus, die mit allgemeinem Rauswurf für die Streithähne endet (überraschenderweise werden die Terroristen nicht involviert, so dass ich mich frage, warum das Script sich die Mühe gegeben hat, sie in die Szene zu schreiben).

Paul ist leicht angeschlagen, aber er findet Trost und Zuspruch, denn in einem vollkommenen break-of-cliche´ ist Paul zwar der Nerd vom Dienst, aber der Nerd mit der mit Abstand heissesten Tusse des ganzen Orts, denn ausgerechnet er ist der Schmusebär von Jilly und die leistet moralische Aufbauarbeit, indem sie mit Paul unter die Dusche hüpft. Damit hätten wir schon ein sattes Viertel unseres Films absolviert. Könnte der Plot vielleicht mal wieder etwas in die Gänge kommen? Kommt er auch, sort-of.

Wie gesagt, die Morrison-Mine (die reichlich grossspurig unter „US Cobalt“ firmiert) läuft nicht so dicke, daher will man sie verkaufen, und ein potentieller Investor hat sich angekündigt. Deswegen soll die Mine geschäftig aussehen (da wird gar nicht manipuliert, nein-nein). Bevor allerdings der Mann mit dem Zaster kommt, kommt erst mal George Adams und unterbreitet, dass er einen Truck nebst Fahrer benötige (nebenher etabliert die Szene, dass Chris´ Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, was mich noch stärker drüber wundern lässt, wieso Chris so scharf drauf ist, das gleiche Schicksal zu erleiden und Maggie und Charlie nicht stärker dagegen einschreiten). Man schwelgt in gemeinsamen Erinnerungen an die gar lustigen Zeiten im Korea-Krieg („Weiss du noch, wie wir in Pjöngjang Züge entgleisen liessen? Das war ein Spass!“ Schätze, es gibt einige Leute, die´s nicht so lustig fanden). Schliesslich kommt George zur Sache, er will Charlie für den nächsten Plutonium-Transport rekrutieren, für ein paar Stunden Fahrerei gibt´s satte 250.000 Dollar cash auf die Kralle, steuerfrei. Da vermutlich selbst einer Mumie wie Charlie aufgehen dürfte, dass das ein bissl viel Kohle für ein wenig Rumgefahre ist, schenkt George ihm reinen Wein ein und berichtet, dass es ein paar schlimme Terroristen gibt, die versuchen werden, an den Stoff ranzukommen. Eine 50.000-Dollar-Bar-Anzahlung räumt etwaige vorhandene Bedenken bei Charlie (die´s aber ersichtlich nicht gibt) aus und sichtlich gerührt und dankbar akzeptiert der Verkalkte.

Nun ist aber Zeit, die Mine zu verscheuern und das, wir haben es befürchtet, bietet ausreichend Gelegenheit für comic relief. Ya see, die Mine ist marode, muss aber so aussehen, als wäre sie profitabel, darum hat Chris seine gesammelten Teenie-Freunde angeheuert, um den dafür notwendigen geschäftigen Eindruck zu zaubern. Paul schwingt sich dafür sogar in einen Bagger. Der Investor ist Texaner – selbstverständlich, denn wenn es darum geht, jemanden über´s Ohr zu hauen, bieten sich die gemeinhin für zurückgeblieben gehaltenen Texaner für den Rest der USA geradezu an, so wie bei uns die Ostfriesen). Der Fahrer des Investors macht den Fehler, Jilly und Kim in den Po zu kneifen, und da rastet Paul aus. Erst begräbt er das Cabrio der Texaner unter einer Fuhre Abraumschutt und dann walzt er es platt – leider kommt er mit der Bedienung des Baggers ins Schleudern und macht auch noch das „Bürö der Mine (ein simpler Wohnwagen, als Investor würde ich mich dann schon mal fragen, ob dieses Unternehmen tatsächlich einen Cent Gewinn abwirft) nieder, wo, hoch humoröserweise ein dritter Texaner mit runtergelassenen Hosen auf´m Klo sitzt. Ich schmeiss mich weg vor Lachen. Jedenfalls ist das Geschäft offiziös gescheitert und Charlie in even more dire need of money.

Und so trifft sich Charlie erneut mit George, um den Deal dingfest zu machen. George spillt weitere Details aus – der Trip dauert nur knappe 200 Meilen und nur auf der zweiten Hälfte, fernab der Highways, wird ernsthaft mit Übergriffen der Bösewichter gerechnet. Kritisch ist die Passage in den Armystützpunkt, wo das Zeuch abgeliefert werden soll, das ist nämlich erstens mit einer elektronisch kontrollierten massiven Barriere und einem laserkanonengesicherten Tunnel (!) bestückt (nach meinem Dafürhalten sollte das doch kein Problem sein, schliesslich ist Charlie ja in offiziellem Auftrag unterwegs und sollte daher wohl friedvoll eingelassen werden, oder?). Charlie knackt im Vorbeigehen noch den Jackpot eines Einarmigen Banditen. Chris will den Trip unbedingt mitmachen, aber Charlie lehnt vehement ab, lediglich den Truck (ja, den muss er sich von der Anzahlung sogar noch selber koofen!) darf Chris mitaussuchen (theoretisch, denn in facto hat Charlie sich längst ein Gerät ausgesucht).

Nun muss das ganze Unterfangen noch Maggie beigebracht werden, wofür Charlie ihr sicherheitshalber als Einschleimgeschenk einen von ihr lange gewünschten Cowgirl-Gürtel präsentiert. Wär wohl nicht nötig gewesen, denn viel mehr als ein Achselzucken und leichtes Bemusedment lässt sich Maggie gar nicht entlocken. Charlie ist allerdings ein vorausschauender Mann und lässt den mittlerweile gekauften und auf den Namen „Thunder“ getauften Truck noch ein wenig tunen, und das erledigen natürlich Paul und seine Helfershelfer. Neben einem hydraulisch ausfahrbaren Kuhfänger und drei Meter hohen Auspuff-Türmen lässt er sich eine elektronische Schalttafel für diverse Gadgets, die wir im weiteren Verlauf des Films noch kennenlernen werden, einen abhörsicheren CB-Kanal und einen Codegeber für die elektronische Barriere des Army-Forts einbauen, letzteres zur Sicherheit, um die Barriere und die Laserkanonen nötigenfalls auch selbst abschalten zu können (dafür muss Paul sich aber am Tag X in das Computersystem des Forts einhacken und den aktuellen Code ermitteln – Universalgenie, wie ich schon sagte). Streng genommen alles nur nötig, wenn man von Anfang an glaubt, verarscht zu werden, würd´ ich sagen.

Carlos ist dieweil bestens unterrichtet, verteilt an seine Terrorhelfer bereits Fotos des Trucks und hat auch schon die besten Punkte für zünftige Hinterhalte ermittelt. Die Terroristen packen ihre Raketenwerfer ein und satteln ihre verschiedenen Gefährte.

Endlich bricht auch Charlie auf (der Film ist mittlerweile halb rum), bei der rührseligen Verabschiedungszeremonie ist aber eine auffällige Abwesenheit von Chris zu verzeichnen. Man vermutet, dass der bei seiner Freundin rumhängt und macht sich nix weiter draus (argh). Als Kim allerdings per CB-Funk wenig später schöne Grüsse an Chris bestellen lässt, fällt bei Charlie der Groschen – der Jungspund hat sich tatsächlich an Bord des Trucks versteckt und besteht auf Mitfahrt. Charlie ist mächtig angefressen und kurz davor, mal zu autoritären Mitteln (die dem Jungmann sicher mal nicht schaden würden) zu greifen, aber Chris spielt die „wenn-dir-was-passieren-würde-könnte-ich-mir-das-nie-verzeihen“-Karte und toppt diese sogar noch mit dem Hinweis, dass Charlie Chris zur Bedienung von Pauls technischen Gadgets brauchen würde. Das sieht Charlie ein (!), stimmt zu, dass Chris mitfahren darf, bittet sich aber strengsten Gehorsam aus.

Unsere Heroen holen das Plutonium ab, laden es ein und düsen los. Es bleibt Zeit für ein wenig Grossvater-Sohn-Gespräch: „Ich war einmal wie dü, holt Charlie das vermutlich älteste Klischee der Filmgeschichte raus. Paul sitzt währenddessen übermüdet vor seinem TRS-80 (okay, es kann auch ein alter Commodore-Tischrechner sein) und versucht sich als Hacker. Leider ist er ein doofer welcher, denn er muss feststellen, dass das von ihm zum Hacken angedachte Computersystem am Wochenende offline ist – hätt´ er mal in die Mailboxliste gekuckt… Charlie und Chris haben dieweil erste Problem, denn sie werden von einem Pärchen auf Motorrad unter Feuer genommen. Charlie schnauzt Chris an, dass der doch endlich Schalter Nummer 4 umlegen solle. Tut der Junior endlich auch und was passiert – ein seitlich in den Truck integrierter FLAMMENWERFER grillt die Attentäter bzw. wenig überzeugende Dummies thereof (FSK 12??). Sollte man nun meinen, dass Chris vielleicht ein wenig, eh, seelisch tangiert wäre, wo er doch soeben zwei Menschen, auch wenn die ihrerseits ihn durchaus gern umbringen wollten, in einen nicht besonders angenehmen Tod geschickt hat, so sieht man sich getäuscht. Kommt in Nevada wohl öfters vor als man denkt, vielleicht sind Flammenwerfer ja auch Serienausstattung, um sich aufdringliche Überholer vom Hals zu halten. Jedenfalls machen sich weder Chris noch Charlie gesteigerte Gedanken über den Vorfall, zumal sie sich auch rasch zwei weitere Biker auf Enduro-Maschinen vom Hals halten müssen, die versuchen, mit Handgranaten die Reifen des Trucks zum Platzen zu bringen – scheinbar hat aber Charlie die Pneus beim selben Händler bestellt, der auch die gepanzerten Limousinen von Staatsoberhäuptern ausstattet, denn nach einem halben Dutzend Versuche geben die nicht sehr hartnäckigen Terrorclowns auf und verzupfen sich.

Während Paul immer noch ineffizient versucht, einen Zugang zum Army-Rechner zu bekommen, bekommen unsere Helden Gesellschaft von einer Bullenschleuder mit heulenden Sirenen. Charlie identifiziert den vermeintlichen Gesetzeshüter sofort und ohne mit der Wimper zu zucken (und ohne einen entsprechenden Hinweis zu haben) als einen von der gefälschten Sorte und hat damit recht. Der falsche Bulle hetzt den Truck auf einen Hinterhalt – die Terroristen haben sich auf einer Art Pass hinter Hügeln verschanzt und eine Strassensperre aus zwei Autos errichtet. Charlie fährt cool seinen hydraulischen Kuhfänger auf Rammbock-Format aus und bricht locker-flockig durch, während die Teroristen aus allen Rohren verzweifelt ballern. Der gefälschte Bulle lässt seine Bullenschleuder verständlicherweise gegen eins der aus dem Weg geschobenen Autos krachen, worauf die Fahrzeuge selbstverständlich instantly explodieren. Herrgott, ist der Film doof.

Die Terroristen packen ihre nächste Geheimwaffe aus, Wolf und ein Kumpel fahren offroad-tauglich gestrickte VW Käfer in Tarnfarben und mit Raketenwerfern auf´m Dach (das nimmt langsam Mad Mission-mässige Züge an, mit dem Unterschied, dass es bei den Filmen lustig ist). Chris schmeisst den Flammenwerfer wieder an, aber der soliden deutschen Wertarbeit macht eine kleine Feuerdusche weniger aus als einem ungeschützten Biker, Wolf stört die kurze Grilleinlage herzlich wenig und hetzt seine Raketen auf den Truck. Und nun zeigt sich, warum Charlie in heller Voraussicht die Auspuffrohre so hat verlängern lassen – weil ihm eine gute Fee ins Ohr flüsterte, dass die Terroristen hitzesuchende Raketen einsetzen werden, verlagert die Verlängerung der Auspuffrohre auf drei Meter lichte Höhe natürlich den Einschlagspunkt der Raketchen in diese für den Truck rather unschädliche Etage. Boah, Charlie muss wirklich wahrhaftige prophetische Gaben haben. Einer der Offroad-Beetles wird von der Strasse gedrängt und gegen den zweiten packt Charlie eine weitere Geheimwaffe auf. Auf Knopfdruck öffnet sich die Heckklappe des Trucks und zu überdimensionierten Molotov-Cocktails umgestaltete Wasserkanister (Ihr kennt diese typischen amerikanischen Wasserspender-Dinger) purzeln schön in Reih und Glied auf die Fahrbahn und entflammen sich dabei selbst – Jungejunge, der alte Furz ist tatsächlich auf den dritten Weltkrieg vorbereitet… Wolfs Karre überschlägt sich und explodiert selbstredend. Nun ist sein vorher abgedrängter Kollege sauer und feuert eine Salve Raketen (sind solche von der selbstreproduzierenden Fakultät – jeder der Käfer hat abgezählte DREI Raketen auf´m Dach – ohne eine „Nachladevorrichtung“. Dennoch sind nach Abfeuern der ersten Salve flugs wieder drei neue Raketen vorhanden, aus der blanken Luft erschaffen, boah), dabei landet er zwei echte Treffer. Und weitere Probleme für die Helden – ein Bahnübergang steht an und auf dem parkt ein Schwerlasttransport und entlädt gerade Baumaschinen o.ä. Der Zufall will es so, dass eine Rampe vor den Gleisen aufgebaut ist… Bingo! Charlie tritt aufs Gas und der komplette Truck jumpt über die Geleise und den darauf abgestellten Zug – ich gebe zu, das ist ein recht impressiver Stunt (und kommt etliche Jahre vor Keanu Reeves´ Brückenhüpfer in Speed). Weniger impressiv ist, dass der verfolgende Käferpilot naturellement beim Vollzug der gleichen Disziplin schändlichst versagt und sich explodierenderweise in den Boden schraubt.

Nun muss Carlos eingreifen – die Terroristen werden übrigens von einer unbekannten Person in einem verdächtig army-mässig aussehenden Helikopter eingewiesen (und Charlie wundert sich seinerseits, wo die von George eigentlich angekündigte Kavallerie bleibt. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt). Carlos steuert praktischerweise einen gemeingefährlich aussehenden Uralt-Truck von 1958, denn schliesslich kann man einen Truck am besten mit einem Truck verfolgen. Okayokay, natürlich ist es mit einem Truck auch erheblich leichter, einen anderen Truck von der Strasse zu schubsen und das genau ist die Taktik, die Carlos verfolgt, während Paul endlich einen Zugang in den Army-Rechner gefunden hat und seinen Passwortspürhund anwirft (das ist übrigens einer von der hochentwickelten Sorte der Alle-Kombinationen-Durchprobierer). Charlie hält sich Carlos vorübergehend vom Leib, in dem er den Auflieger abwirft und Carlos in selbigen hineincrasht. Selbstverständlich gibt es eine Explosion (der Streifen schafft es mit der Zeit, Explosionen langweilig zu machen), aber Carlos wird nur zurückgeworfen und nicht entscheidend aufgehalten. Immerhin bringt das Manöver Charlie und Chris Zeit für eine kurze Übersicht über die Sachlage – der Kühler des Trucks ist beschädigt, schnell fahren verbietet sich daher, und ganz zu Klump hauen will Charlie das gute Stück auch nicht. Also beschliesst man, das Ding stehen zu lassen. Wer jetzt aber glaubt, Charlie und Chris würden die Plutoniumkiste zu Fuss gen Fort tragen, hat nicht mit dem Einfallsreichtum der Heroen (und der Dumpfheit der Drehbuchautoren – meine suspension of disbelief ging an dieser Stelle mal wieder leise nach draussen und erhängte sich). Denn – haha – in der Zugmaschine hat Chris seinen Pick-up geparkt! (ARGH! Das pack ich nicht… okay, ich weiss nicht, ob Kenworth-Zugmaschinen eine Garage für ganze Autos haben, von Wohnmobilen im Bus-Format kenn ich das ja, aber das würde entweder implizieren, dass Charlie diese Aktion ebenfalls vorgeplant hat und Chris´ Karre ohne dessen Wissen in seinem Truck verpackt hat oder Chris war voraussehend genug, sein Auto ohne Wissen des alten Knaben dort zu parken). Chris rangiert seine Mühle während der Fahrt auf die Strasse und Opa Charlie steigt um (dass die scheintote Mumie das bei einer Geschwindigkeit über 2 km/h tatsächlich schaffen würde, bezweifle ich stark) – und ja, das Plutonium liegt friedlich auf der Ladefläche des Pick-ups.

Der Überwachungshelikopter informiert Carlos über den Umstieg. Indes hat Paul endlich den notwendigen Code ermittelt. Nun besteht aber das Problem, dass Chris´ Pick-up-CB keine ausreichend leistungsstarke Antenne hat, um das Funksignal aufzufangen, daher müssen Paul und seine Freunde, zwecks Hebung der allgemeinen Suspense, sich zu einem hochgelegenen Ort bewegen, um von dort aus zu senden. Und es sind nur noch ZWEI MEILEN bis zum Fort… mein Gott, ist das spannend…(gähn).

Während an der Zufahrt des Forts zwei Soldaten gelangweilt patrouillieren und offensichtlich nicht die geringste Ahnung davon haben, dass ein Nukleartransport in rasender Fahrt auf sie zukommt, versuchen Carlos´ geheimnisvolle Auftraggeber, ihren Top-Terroristen vor Unüberlegtheiten zu warnen – Charlie und Chris sind schon zu nahe an dem Army-Stützpunkt, Carlos soll seine Angriffe einstellen. Der allerdings nimmt die Sache längst persönlich und hat einen privaten Kreuzzug gestartet, und als ihm sein Auftraggeber weiterhin die Ohren vornölt, er solle das doch unterlassen, rupft er kurzerhand sein Funkgerät auseinander. Charlie und Chris brechen durch die ersten Fort-Absperrungen, Carlos hinterher, dieweil der Hubschrauber in aller Seelenruhe auf dem Militärstützpunkt landet… Die Barriere naht und selbstverständlich ist sie aktiviert. Paul funkt den notwendigen Code und Charlie gibt ihn in sein Codesende-Thingie ein. Die Barriere senkt sich, aber nur für zwei-drei Sekunden, ehe sie sich wieder aufbaut. Nachdem Charlie das zwei-dreimal probiert hat, ist ihm klar, dass die Sache nur funktionieren wird, wenn die Durchfahrt gut getimed wird. Und das machen sie auch: Code gesendet, Barriere senkt sich, Chris und Charlie brettern rüber, Barriere hebt sich, Carlos donnert dagegen, Truck explodiert. BUMM!

Nun ist noch der Lasertunnel zu passieren. Die Laser veranstalten ein ordentliches Feuerwerk, richten aber keinen gesteigerten Schaden an, so dass unsere tapferen Helden letztendlich doch das Fort-Innere erreichen, wo sie erst mal von M.P.s festgenommen werden. Da schwingt sich George Adams aus dem Hubschrauber (aus DEM Hubschrauber!) und scheucht die Soldaten weg. Mit einem achselzuckenden „Sorry, unsere Jungs haben wohl ein bisschen geschlafen“ und einem 200.000 Dollar schweren Umschlag versucht George die Situation zu beruhigen, aber Charlie ist angesäuert: „Warum hast du das getan? Ich wollte niemanden töten!“ (Ich frage mich das allerdings auch). George gibt keine Antwort, sondern sondert nur allgemeine Drohungen ab, nach dem Motto, wenn Charlie ihn anschwärzen wolle, habe er einflussreiche Freunde. „Einen Freund hast du verloren“, brummt Charlie und ballert seinem alten Kumpel eine rechte Gerade vor den Latz, tituliert ihn als „moralisch verkommen“, nimmt seinen Enkel an die Hand und zieht mit der Kohle von hinnen. Le End.

Wenn man mittlerweile das zweihundertsechzigste Review für diese Seite schreibt (eins war ja ein Gastreview), hat man zweifellos seinen Anteil an saublöden Filmen gesehen. Dieses hier ist ein weiterer – um ein Fazit vorwegzunehmen, ein amateurhaftes Schundprodukt, das seinen einzigen Wert aus einigen achtbaren Stunts zieht.

Inhaltlich erinnert Thunder Run ein wenig an den etwa zeitgleich entstandenen neuseeländischen Fetzer Shaker Run, wo auch eine gefährliche Fracht unter Zeitdruck und Verfolgung von einem Punkt A nach Punkt B befördert werden mußte. Allerdings weiß man nach Thunder Run erst wieder zu schätzen, was man an einem grundsoliden B-Film wie Shaker Run eigentlich hat. War dort das Script noch halbwegs nachvollziehbar, so ist das Drehbuch hier sturzblöde – seit wann transportiert die US-Armee ihre Nuklearstoffe mit privaten Kurierunternehmen? Wer zum Teufel sind die Terroristen eigentlich? Ist George der Terror-Chef? Einerseits wird das impliziert, andererseits auch wieder nicht – Charlie bezeichnet ihn zwar schlußendlich als „moralisch verkommen“, aber m.E. nicht, weil er der Ansicht ist, George wäre mit den Terroristen im Bunde, sondern nur, weil er ihn hat hängen lassen (warum er das aber wieder tun sollte, wenn er nicht mit den Terroristen gemeinsame Sache macht, ist ’ne ganz andere Frage). Wieso läßt sich die Armee, die doch eigentlich in die Operation eingebunden ist, nicht blicken? Wie können Chris‘ dusselige Freunde den Truck innerhalb drehbuchgemäßer 24 Stunden in eine Kampfmaschine verwandeln, auf die Mad Max und James Bond neidisch wären? Verdammt, das ist schon alles eine ganze Menge Blödsinn, die uns das Drehbuch zumutet. Wenn das durch starke Charaktere ausgeglichen würde, wäre uns ja schon gedient, aber das ist auch ein Griff ins Klo – sämtliche „Charaktere“ sind so hohl und schablonenhaft, daß „eindimensional“ schon ein Kompliment wäre – das sind keine „Charaktere“ mehr, das sind x-beliebige austauschbare eigenschafts- und gesichtslose Figuren, und das beinhaltet die Hauptdarsteller – ganz besonders augenscheinlich wird dies am Beispiel Chris – die erste Hälfte des Films tut so, als wäre Chris ein zentraler und wichtiger Charakter der Story, aber in der actionintensiven zweiten Hälfte des Streifens wird Chris weitestgehend zum Knöpfedrücker reduziert (mal ganz abgesehen davon, daß ich einen in jeder Hinsicht verantwortungslosen Jugendlichen ganz gewiß nicht als positive Identifikationsfigur ansehen kann; einen altersschwachsinnigen Ex-Soldaten aber auch nicht).

Rein formal kommt der Film mal wieder konsequent zweigeteilt – die ersten fünfundvierzig Minuten verbringen wir mit größtenteils vollkommen belanglosem Vorgeplänkel, dümmlichen comic relief und ein wenig (vielleicht fünf Minuten) Exposition, wobei die letztendlich, wie wir nunmehr wissen, vollkommen für die Katz war, da der Streifen am Ende nichts klärt und erklärt, der Film hat eigentlich kein Ende (indem wir erfahren würden, wer die Terroristen sind, wer hinter ihnen steckt, was sie vorhaben), sondern er hört einfach auf (und besser isses). Zurück zur ersten Filmhälfte – 90 % der dort vorgestellten Charaktere sind überflüssig, ebenso wie die Szenen, in denen sie vorkommen, bis auf die ersten vier-fünf Minuten besteht eigentlich die ganze erste Hälfte aus elendiglich ausgewalztem Füllmaterial. Die zweite Hälfte dagegen hält sich dann mit Nebensächlichkeiten wie Story oder Charakteren gar nicht mehr auf, sondern bietet sich als reine, lückenlose Stuntorgie. Das ist stellenweise ganz nett anzusehen und mag vor allem 1985 durchaus noch eindrucksvoll gewesen sein, vor allen Dingen für eine B-Low-Budget-Produktion (mit ein wenig Fantasie und gutem Willen kann man durchaus Verbindungen von Mad Max zu Thunder Run und seinen Fahrzeugstunts ziehen), wirkt aber trotz aller Semispektakularität (hrf, ich sollte aufhören, nachts um 2 solche Wörter zu schreiben) aus heutiger Sicht gelegentlich altbacken, manchmal sogar richtiggehend albern. Spannung mag dabei nicht recht aufkommen, zumal Gary Hudsons Inszenierung nicht immer überzeugen kann – manchmal hätte ich mir doch etwas aufschlußreichere Kameraeinstellungen und einen dynamischeren Schnitt gewünscht. Bei aller durchaus vorhandene Rasanz der Nonstop-Action beraubt sich Thunder Run durch eine insgesamt recht biedere Präsentation derselben einiger Möglichkeiten (ein Action-Auto-Film, in dem nicht mal eine Kamera auf Radkappenhöhe eingesetzt wird? Shame! Miami Vice war doch schon erfunden!)

Schauspielerisch wird trotz der Mitwirkung von zwei relativ renommierten Mimen ausschließlich Stückwerk geboten. Forrest Tuckers Filmkarriere begann 1940 mit The Westerner. Über lange Jahre erarbeitete sich Tucker einen gepflegten Ruf als gern- und vielbeschäftigter Schurke in zahlreichen B-Western, unternahm aber auch Ende der 50er Ausflüge in den phantastischen Bereich und war so beim recht geschätzten Hammer-Horror The Trollenberg Terror aka The Crawling Eye mit von der Partie. Nach dem vermeintlichen Ausklang seiner Kinokarriere schaffte Tucker 1965 ein unerwartetes komödiantisches Comeback mit der Krimi-Comedy-TV-Serie F-Troops, die ihm den Weg zu einer ordentlichen Fernsehkarriere bis hin in die frühen 80er Jahre ebnete (u.a. mit einer Hauptrolle in der Fernsehserie The Ghost Busters von 1975), immer wieder aber mit gelegentlichen Ausflügen ins Kino, so z.B. in Walking Tall: Final Chapter oder Chisum. Thunder Run markierte die vorletzte Arbeit des schon sichtlich gezeichneten und schwer an Lungenkrebs erkrankten Veteranen, er verstarb 1986. Wie schon angedeutet wirkt Tucker hier schon mehr tot als lebendig, strahlt zwar eine gewisse natürliche Alterssympathie aus, schafft es aber nicht, seinem natürlich auch alles andere als ausgefeilten Charakter irgendwelchen Tiefgang, der über „Typ sitzt brummig hinterm Lenkrad“ hinausgeht, zu verteilen. John Ireland seinerseits feierte 1945 sein Leinwanddebüt. Auch er hangelte sich durch zahllose B-Western und konnte 1960 mit Spartacus einen ersten kleinen Karrierehöhepunkt verbuchen. Nach einigen weiteren vernachlässigbaren Rollen in Hollywood und einem zweijährigen Gastspiel in der Fernsehwesternserie Rawhide wechselte Ireland 1967 nach Italien und vertrieb sich dort die Zeit mit zahllosen eher zweitklassigen Italowestern und Kriegsfilmen. 1970 sah man ihn dann in der schwarzen Horrorkomödie The Strangler of Vienna (aka The Mad Butcher. Es folgten wieder ein paar Hollywood-Filme, ehe er erneut nach Italien ging und dort 1976 u.a. in Tinto Brass‘ kontroversem Salon Kitty, einem frühen Vertreter der Nazisploitation, mit von der Partie war. Wie so viele verdiente Altmimen versandete er in den letzten Jahren seiner Karriere in den Niederungen des billigen Horrorfilms, so sah man ihn in Schotter wie Miami Golem oder Terror Night, seine letzten positiv erwähnenswerteren Rollen dürften die beiden charmanten Hickox-Horrorfilme Sundown und Waxwork II sein. Ireland verstarb 1992 an Leukämie. Hier hat er sprichwörtlich nichts zu spielen, klarer Fall, die Produzenten suchten nicht mehr als einen halbwegs bekannten Namen (und sei er bekannt in Exploitationkreisen) fürs Filmplakat bzw. die Videoschachtel (übrigens, wundert es irgendjemanden, daß Cannon den Videovertrieb übernahm?). Das, was er abliefert, ist reichlich schlafgewandelt.

Womit aber auch John Ireland noch Lichtjahre über den darstellerischen Nullitäten steht, die unsere jugendlich-dynamischen Helden John Shepherd und Wallace Langham abgeben. Das Niveau dieser beiden Herrschaften wird vermutlich auch von jedem Unter Uns-Darsteller im bekifften Zustand erreicht. Alan Rachins, der mir latent bekannt vorkommt, aber bei dem ich zu faul war, nachzuschlagen, spielt seinen Terroristen Carlos wenigstens mit etwas Verve und Feuer, während die Damen der Schöpfung (unter ihnen wohl auch Slave Girls from Beyond Infinity-Star Elizabeth Kaitan, die ich allerdings nicht erkannt habe) größtenteils nicht mal Gelegenheit haben, als schmückener optischer Zierrat zu fungieren.

Dazu paßt dann eine weitere hingeschluderte deutsche DVD-Präsentation. Best Entertainment hat sichtlich ein altes, abgenudeltes VHS-Master hergenommen, was uns die Freude bereitet, ein weiteres Mal einen absolut besch…eidenen Vollbildtransfer inklusive Generationen von drop-outs und speckles ansehen zu dürfen, garniert mit völlig unzureichender Schärfe und einer zu Wünschen übriglassenden Farbklarheit und -tiefe. Der ausschließlich deutsche Ton in einem unspektakulären Dolby-2.0-Mix treibt einem auch nicht gerade Tränen der Ekstase über die Visage, und als Extras spendiert Best ein paar lieblos hingeluschte Texttafel-Filmographien (besonders süß die für Regisseur Hudson mit den zwei Einträgen – klar, daß man den Namen groß auf die Box pinseln muß, der Knabe kommt sicher gleich nach Terence Malick) und einige Trailer aus dem sonstigen Programm.

Natürlich schielt Best Entertainment mit der Veröffentlichung und ganz besonders der Verpackung auf die Klientel, die The Fast and the Furious nebst Klonen und Sequel verschlungen hat. Ich überschätze mich mal wieder maßlos und hoffe, mit einem ausdrücklichen BLOSS NICHT KAUFEN wenigstens den ein oder anderen Vertreter dieser Zielgruppe von einer absoluten Geldverschwendung abzuhalten. Zwar erhält man nach der zum Einschlafen langweiligen ersten Filmhälfte eine vergleichsweise actiongeladene zweite, aber nach heutigen Gesichtspunkten wird da auch nichts geboten, was man nicht auch (ohne dröge, mit Belanglosigkeiten gespickte Anlaufphasen, zumindest hab ich mir das sagen lassen) nicht auch bei RTL und Alarm für Cobra 11, und dort wohl auch noch spektakulärer, zu sehen bekommt. Wer nun kompromißlos jede automobile Zerstörungsorgie in seiner Sammlung haben will, kann auch an Thunder Run ein klein bißchen Freude empfinden (so man denn bis zum Eintritt derselben nicht bereits laut auf dem Fernsehsessel abschnarcht), aber mir ist dann ehrlicherer Trash wie Deadline Autotheft doch noch lieber, der tut nämlich gar nicht erst so, als wäre er irgendwie spannend, sondern liefert absolut ohne vermeintlich brennend aktuelle Themenverquickungen mit Politthrillerelementen Blechknäuel ohne Ende. Noch besser ist natürlich Blues Brothers, der hat dann auch noch ’nen coolen Soundtrack zu bieten (und Witz und Klasse-Schauspieler und und und). Thunder Run ist ein weiteres Beispiel für völlig blödsinnige DVD-Veröffentlichungen, die nun wirklich absolut kein Mensch braucht.

(c) 2003 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 3


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