Therapie für einen Vampir


  • Deutscher Titel: Therapie für einen Vampir
  • Original-Titel: Therapie für einen Vampir
  •  
  • Regie: David Rühm
  • Land: Österreich/Schweiz
  • Jahr: 2014
  • Darsteller:

    Tobias Moretti, Jeannette Hain, Cornelia Ivancan, Dominic Oley, Karl Fischer, Lars Rudolph, Erika Mangold, David Bennent


Vorwort:

Graf Geza hat genug – irgendwann wird das schönste Vampirdasein langweilig, macht einen die nächtliche Jagd auf weibliche Hälse nicht mehr an, und wenn man dann noch seit Jahrhunderten mit der selben genervten Frau, Gräfin Elsa, verheiratet ist, kann man der ganzen Chose schon mal überdrüssig werden. Zum Glück befinden wir uns im Wien des Jahre 1932 und ein lebensmüder Graf kann sich bei Sigmund Freud auf die Couch legen. Der Seelendoktor wundert sich zwar über seinen seltsamen neuen Patienten, aber ein Patient ist ein Patient und ein Schilling ein Schilling. Und Geza findet beim Doktor tatsächlich auch einen Grund, sich wieder seines Untotendaseins zu freuen – das Portrait von Lucy, der Freundin von Freuds Illustrator Viktor. Und auch Viktor könnte ein Problem des Grafen lösen… Der Grund für die Frau-Gräflichen-Stimmungsschwankungen liegt nämlich darin begründet, dass Elsa nicht weiß, ob sie noch schön ist – Spiegel und Fotografien fallen bei Vampiren bekanntermaßen aus, der Meinung anderer Personen (insbesondere ihres Ehemanns) hält Elsa nicht für vertrauenswürdig, und bislang ist noch jeder Maler aus unerfindlichen Gründen daran gescheitert, Elsas Gesicht zu portraitieren. Vielleicht kann Viktor das ja… Während Graf Geza sich an Lucy heranpirscht, erweist sich Viktor ebenfalls als rein physisch nicht in der Lage, Elsa zu malen. Jetzt wird die Gräfin sauer und droht unbefangen, Lucy zu töten, ohne zu wissen, dass Geza ja hinter ihr her ist…

Inhalt:

Kommt die Ehrenrettung des deutschsprachigen Genrefilms dann tatsächlich aus Felix Austria? Nun, zumindest setzt man eine gewisse Qualität voraus, wenn einem stolze Namen wie Tobias Moretti, Lars Rudolph oder Blechtrommler David Bennent entgegengeschleudert werden. Das ist nicht gerade der letzte GZSZ-Ausschuss – und Regisseur David Rühm ist auch ein Routinier, der in seiner österreichischen Heimat schon seit über 20 Jahren vor sich hin werkelt. Aber auch einer, der im Rahmen eines Q&A auch gleich versicherte, dass er „Therapie für einen Vampir“ nicht als Genrefilm sähe. Clever, sich gleich mal von einem ausgekuckten Stigma zu distanzieren…

Na gut, wollen wir mal nicht so sein und Herrn Rühm verzeihen. Kann der Film denn was? Ja, das kann er. Zwar vergisst er relativ schnell sein titelgebendes Gimmick zugunsten einer liebeleienden Fünfecksgeschichte (neben Graf und Gräfin einerseits und Lucy und Viktor andererseits mischt sich nämlich des Grafen persönlicher Igor, Radul – eine Rolle, für die David Bennent, „Blechtrommel“ hin oder her, einfach geboren wurde! -, in den Reigen ein), aber das ist schon hoch unterhaltsam und dank der großartigen darstellerischen Qualität auch ein schauspielerischer Genuss. Moretti, der sich längst davon emanzipiert hat, der menschliche Begleiter von „Kommissar Rex“ gewesen zu sein (vgl. auch den edlen Alpenwestern „Das finstere Tal“), braucht keine großen Gesten, um seinen Grafen Geza zu einem der denkwürdigeren Filmblutsauger zu machen und wo Moretti seinen Charme und sein Charisma einsetzt, hält Jeannette Hain („Honig im Kopf“, „Winterkartoffelknödel“) als Gräfin Elsa mit Lust an der Boshaftigkeit dagegen. Cornelia Ivancan und Dominic Oley mögen nicht die ganz großen Namen ihrer Kollegen tragen, halten sich aber ebenfalls wacker, und wer für Nebenrollen Leute vom Kaliber Karl Fischer („Gloomy Sunday“, „Donna Leon“), Lars Rudolph („Lola rennt“, Der Krieger und die Kaiserin“, „Luther“), Erika Mangold („Nordwand“, „3096 Tage“) oder eben David Bennent zur Verfügung hat, braucht sich keine Sorgen zu machen, dass da auch nur irgendetwas anbrennen könnte.

Was Rühm und seiner „Therapie“ fehlt, ist der letzte kinematische Kick, der die Geschichte vom schicken TV-Movie zum Großen Kino ™ macht. Bei allem wunderschön getroffenen Zeitkolorit, beim Detailreichtum in Kostümen und Ausstattung, beim Wiener Schmäh, der immer wider durchscheint, könnte der Film manchmal einfach etwas mehr Scope, etwas mehr Willen zum großen Bild, zum set piece, aufbringen. Die technische Expertise ist vorhanden – was an Spezialeffekten aufgeboten wird, ist aller Ehren wert (klare Ansage: „Therapie“ ist sicherlich kein *Horrorfilm*), man wünschte sich eben an einigen Stellen den Mut, der Film würde etwas mehr aus sich herausgehen, eine Actionszene hier, eine dramatische Konfrontation da einzubauen. Was nicht heißt, dass „Therapie“ in seiner vorliegenden Form nicht funktioniert – er ist, wie gesagt, formidabel gespielt, hat eine gute Trefferquote beim Humor und weiß auch in seinen Charaktermomenten durchaus zu überzeugen – man, d.h. wenigstens ich, hat aber das Gefühl, da hätte noch *mehr* kommen können, das könnte alles noch besser, noch spannender, noch witziger, noch dramatischer sein.

Dennoch – „Therapie für einen Vampir“ ist ein hochanständiger Versuch und wirklich einer der besseren deutschsprachigen Genrestoffe der letzten Jahre. Wer dem deutschsprachigen Genrekintopp also was Gutes tun will, setzt sich die DVD schon mal auf die Einkaufsliste! Moretti- und Bennent-Fans müssen eh zuschlagen.

Toter Hund: Don’t think so.

3/5
(c) 2015 Dr. Acula


mm
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