The White Gorilla


  • Original-Titel: The White Gorilla
  •  
  • Regie: Harry L. Fraser
  • Land: USA
  • Jahr: 1945
  • Darsteller:

    Ray „Crash“ Corrigan (Steve Collins/Konga, the White Gorilla/Narrator), Lorraine Miller (Ruth Stacey), George J. Lewis (Hutton), Francis Ford (Mr. Stacey), Budd Buster (Carter), Charles King (J. Morgan), Harry Belmour (Alexander Marley), Eugenia Gilbert (Phyllis Marley), Will Herman (Moto), Frank D. Hutter (Renee), Walter Maly (Stephens), Frank Merrill (Joe Marks), Bobby Nelson (Kimpo, the Jungle Boy), Albert Smith (Brute Lou Hanley)


Vorwort:

Ein gemütlicher Herrenabend in Morgans Handelsstation im afrikanischen Busch, doch da stolpert halbtoter Besuch in die gute Stube: Steve Collins, ein Dschungelführer, der vor einiger Zeit mit einigen Möchtegernforschern in den Urwald aufgebrochen war. Notdürftig mit Alkohol wieder aufgerichtet, erzählt Collins von seinen Abenteuern.

Seine Expedition hat sich entgegen seines Rats zu tief in Eingeborenenterritorium vorgewagt. Bradford und Henley werden von einem wilden Stamm gefangen genommen und sollen getötet werden, doch in letzter Sekunde reitet ein vielleicht fünfjähriger weißer Steppke auf einem Elefanten ins Dorf und verlangt ultimativ die Freilassung der weißen Teufel. Der Häuptling gehorcht. Bradford und Henley verpissen sich – Collins versucht einerseits seinen Schützlingen zu folgen, andererseits aber auch zu ermitteln, wo der Knabe herkommt, aber der verschwindet und Bradford muss plötzlich eine junge weiße Frau vor einem bösartigen Hippopotamus retten.

Nach ein wenig hin und her wird aufgedröselt, dass die junge Frau die Tochter eines gewissen Carters, ebenfalls Urwaldforscher ist, und mit ihrem Papa schon länger in der Gegend rumschlumpft. Carter hat zudem eine Schatzkarte – in der „Höhle des Zyklopen“ sollen unermessliche Reichtümer versteckt sein. Henley, ein Tunichtgut vor dem Herren, wirft mehrere gierige Augen auf den Schatz und versucht, Bradford und das Mädchen durch eine orchestrierte Löwenattacke loszuwerden, scheitert aber.

Collins hingegen hat seine eigenen Probleme mit einem Dschungelviech – dem legendären „weißen Gorilla“, der wegen seiner ungewöhnlichen Fellfärbung von den anderen Gorillas ausgestoßen wurde und seitdem einen Hass auf alles und jeden, insbesondere auch auf haarlose Affen, entwickelt hat. Zum Glück taucht immer, wenn Collins Gefahr läuft, vom wilden Affen gebissen zu werden, ein schwarzer Gorilla auf, und dann gibt’s Keile, die innerhalb der gleichen Spezies bleibt.

Indes stellt sich heraus, dass der kleine Junge eine direkte Verbindung zur Zyklopenhöhle (benannt nach einäugigen Stein-Statuen) aufweist – seine Mutter, auch eine Weiße, die seit Jahren im Dschungel ums Überleben kämpft, hat sich’s dort häuslich eingerichtet und nutzt den Aberglauben der Primitivlinge aus – sie spielt die Irre, und diejenigen, die geistig nicht ganz sortiert sind, gelten bei den Eingeborenen als „tabu“, was sich augenscheinlich auch auf Nachkommenschaft überträgt. Zudem hat sie’s hingetrickst, dass ihr Junior eine der Zyklopenstatuen manipulieren und so göttliche Befehle simulieren kann, z.B. die Beibringung der anderen Weißen, die sich grade in der Gegend rumtreiben. Leider missverstehen die Eingeborenen diesen Befehl als Aufforderung zu Gewalt und Menschenopfer und mal wieder in letzter Sekunde gelingt es dem kleinen Dschungelboy, per Gottesgebot das Schlimmste zu verhindern.

Bradford, Carter und das Mädel haben nun die Schnauze voll und wollen heim, Henley aber noch immer den Schatz. Er stellt mithilfe eines eingeborenne Vertrauten eine neue Falle, der er aber selbst zum Opfer fällt. Collins kann nicht eingreifen, weil er sich wieder mit dem weißen Gorilla balgt…

Inhalt:

Der Gorillafilm ist bekanntlich nicht unbedingt geprägt vom massenhaften Auftreten cineastischer Meilensteine, aber „The White Gorilla“ von 1945 ist schon ein besonders trauriger Vertreter des letztklassigen Grützefilms.

Verantwortlich dafür zeichnet Harry L. Fraser, ein minderer Name des Exploitations-Business, der sich später auch als Regieassistent bei Ed Wood verdingte und als Alleinschuldiger den semi-kultischen Klopfer „Chained for Life“ dirigierte, der die bange moralische Frage aufwarf, was man mit siamesischen Zwillingen macht, von denen ein Teil einen Mord begangen hat (in den Hauptrollen sehen wir dort die Hilton-Schwestern, nicht Paris und Nicky, nein, sondern die, die schon Tod Browning in „Freaks“ vor die Kamera zerrte, mithin also echte siamese twins). Eine gewisse Distinktion gewinnt sein Beitrag zum Affengenre dadurch, dass Ray „Crash“ Corrigan, einer der wichtigsten Gorilla-Anzug-Besitzer und daher in zahllosen Z-Filmen unter dem Zottelfell zu sehen, auch mal sans costume zu sehen ist und in seiner menschlichen Form die Hauptrolle des Collins übernimmt – wer also schon immer mal sehen wollte, wie ein Gorilla unterm Fell aussieht…

Nun hat ein Harry L. Fraser selbst für Poverty-Row-Verhältnisse keine Kohle und keine Chance, einen abendfüllenden (hmpf, 60 Minuten halt) Dschungelabenteuerfilm ganz allein zu drehen. Der kluge Mann weiß sich allerdings zu helfen – 1927 gab’s ein Dschungel-Serial namens „Peril of the Jungle“ und knapp 20 Jahre später sollte sich ja kaum mehr jemand daran erinnern, das kann man also großflächig ausschlachten.

Und so erklärt sich auch die bizarre Struktur des Streifens, in der Collins pausenlos von Geschehnissen berichtet, an denen er selbst nicht beteiligt war, und die er nur „beobachten“ konnte – sicher 75 % des Films, mithin jede Szene mit Bradford, Carter, Henley, dem Dschungelboy und der namenlosen jungen weißen Frau, stammen aus „Peril of the Jungle“ und werden von Collins/Corrigan mit einem voiceover begleitet, der Coleman Francis schwer beeindruckt haben muss (und sehr gerne noch mal deutlich ausspricht, was wir gerade perfekt mit eigenen Augen sehen können. „An elephant walks into the village“, verkündet Collins, und lo and behold, schon stiefelt ein kleiner Elefant in das Eingeborenendorf). „Original“ sind lediglich die Szenen mit den Gorillas und natürlich das framing device der Erzählung in der Handelsstation.

Es ist schwer vorstellbar, dass sich auch das zeitgenössische Publikum von dieser Patchwork-Arbeit foppen ließ, zu deutlich sind die Unterschiede von Filmmaterial, filmischer Machart und Darstell-„Kunst“, ist „Peril“ doch ein stummes Serial und weist demzufolge noch den klassischen Stummfilm-Acting-Stil (und das entsprechende make-up, 20er-Jahre-Frisuren etc.) auf.

Gelegentlich entbehrt es nicht eines gewissen Unterhaltungswerts, wie Collins‘ voiceover immer wieder bedauerliche Umstände konstruieren muss, warum er in dieser und jener Situation nicht eingreifen konnte, oder dabei zuzusehen, wie er in der neuen Footage um sich ballert, damit sich in der stock footage was tut, aber selbst für einen 60-Minuten-Quickie nutzt sich der singuläre Gag schnell ab. Es bleiben dann nur noch die Gorilla-Balgereien, wobei man darüber debattieren kann, welcher der eingesetzten Suits der schäbigere ist – my money ist allerdings eindeutig beim lächerlichen, abgeschranzten, zerschraddelten weißen Kostüm, das so abgenutzt ist, dass es sogar aussieht, als hätte der weiße Gorilla ein neckisches Schwänzchen.

Auch schauspielerisch erweist sich Corrigan nicht gerade als große Leuchte – klar, die wenigen neu gedrehten Segmente würden selbst Oscar-Preisträger für Probleme stellen, aber gelangweilter kann man einen voiceover, der ständig life-or-death-Situationen behauptet, kaum runterleiern. Wie soll sich da ein sense of adventure einstellen?

Ergo – nur für Hardcore-Gorillakostüm-Film-Komplettisten. Selbst hartgesottene Trashfans werden sich hier königlich langweilen.

(c) 2017 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 9

BIER-Skala: 2


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