The Valdemar Legacy II: The Forbidden Shadow


  • Original-Titel: La herencia Valdemar II: La sombra prohibida
  •  
  • Regie: José Luis Alemán
  • Land: Spanien
  • Jahr: 2010
  • Darsteller:

    Daniele Liotti (Lázaro Valdemar), Laia Marull (Leonor Valdemar), Silvia Abascal (Luisa Llorente), Óscar Jaenada (Nicolás Tremel), Ana Risueno (Nora Cervia), Paul Naschy (Jarves), Rodolfo Sancho (Eduardo), Norma Ruiz (Ana), Eusebio Poncela (Maximilian), Santi Prego (Santiago), José Luis Torrijo (Dámaso), Luis Zahera (Lovecraft), Jesus Olmedo (Chamberlain), Maria Alfonsa Rosso (Gitana)


Vorwort:

HERE MAY BE SPOILERS

Luisa Llorente gelingt mit Santiagos Hilfe die Flucht aus ihrer Gefangenschaft und findet Unterschlupf bei der Zigeunerin Gitana, die ihr die Karten legt und Unheil prophezeiht, während Nicolas Tremel und Dr. Cervia mittlerweile auch eingetroffen sind (wie auch Luisas Vorgesetzte Eduardo und Ana, die von Maximilian zur Unterstützung des Suchtrupps abkommandiert wurden). Doch Cervia ist eine falsche Fuffzigerin – nachdem Luisa Nicolas versehentlich k.o. geschlagen hat, wird sie von der Stiftungspräsidentin betäubt…

„Zurück“ in der Vergangenheit – seit Leonors Seele als Preis für die Öffnung des Portals in die andere Welt verloren ist, hat sich Lazaro Valdemar endgültig gewandelt. Zur Bestürzung seines Dieners Jarves stürzt er sich nun Hals über Kopf in die schwarze Magie – sogar ein Exemplar des Necronomicon (angedeutet bereits im ersten Teil) hat er sich organisiert. Niemand geringeres als H.P. Lovecraft warnt, alarmiert von Jarves, Lazaro, sich mit den Großen Alten einzulassen, doch Valdemar, der keine Hemmungen mehr hat, das Okkulte zu seinem persönlichen Vorteil zu nutzen, lässt sich nicht von seinen Experimenten abbringen.

In der Gegenwart wird Luisa, Nicolas, Eduardo und Ana langsam klar, dass sie in die Hände eines Sektenkults geraten sind, dessen Vorsteher niemand anderes als Maximilian ist und sich auf ein GROSSES Ritual vorbereitet – zahllose Opfer haben die Vorbereitungen bereits gefordert (naja, bis jetzt genau 661, hint-hint) und mit den letzten fünf Opfern wollen die Kultisten Cthulhu selbst beschwören. Die Hoffnungen ruhen allein auf Santiago, der sich als geraubter Sohn Gitanas entpuppt und sich endlich entschieden hat, dem bösen Spiel nicht mehr tatenlos zuzuschauen…

Inhalt:

Dann also auf zum zweiten Streich – schließlich will ja noch geklärt werden, was die Gegenwarts-Passagen in Teil 1 zu bedeuten haben. Nun, ein wenig zerknirscht muss ich zugeben, dass Alemans Fortsetzung nicht immer alles logisch fortentwickelt und die ein oder andere Frage am Ende noch (vielleicht im Hinblick auf einen eventuellen dritten Teil?) offen bleibt, aber wollen wir uns mal nicht an Negativa aufhängen…

Der Sprung vom altmodischen viktorianischen Hammer-Grusel zum „richtigen“ Lovecraft-Horror (durch die Erwähnung des Necronomicon in Teil 1 schon mal leise vorgezeichnet) funktioniert durch die „Spaltung“ in zwei Filme natürlich besser als ein Stilbruch in „einem“ Film – nachdem ein kurzer „was-bisher-geschah“-Vorspann (für meinen Geschmack faktisch nicht völlig „richtig“) den Zuschauer auf den Stand der Dinge bringt, befassen wir uns zunächst mal wieder mit Luisa Llorente, die aus noch schleierhaften, aber sicher unangenehmen Gründen von Santiago (widerstrebend – der Junge hat sich eh eine Ersatzrealität geschaffen, in die er flüchtet, wenn ihm alles, besonders die Demütigungen und Handgreiflichkeiten Damasos, zu viel wird) und Damaso (enthusiastisch) festgehalten wird, ehe uns ein weiterer Flashback (nicht so ausschweifend wie im ersten Part) Lazaros Abgleiten in den okkulten Wahnsinn schildert (inklusive dem Auftritt des „leibhaftigen“ H.P. Lovecraft) und wir dann in der Gegenwart bleiben und verhältnismäßig konventionelle Genre-Mechanismen abspulen – die Helden werden gefangen, fliehen, bekommen’s mit Monstern zu tun, werden wieder gefangen, zu unfreiwilligen Hauptpersonen des Großen Rituals gemacht und baldowern dabei langsam, aber sicher, die Hintergründe des Dramas aus (um festzustellen, dass sie wahrlich keine zufälligen Opfer sind, wiewohl Maximilian durch die Blume zu verstehen gibt, dass die Möglichkeit, sich an einigen Leuten, die ihn in der Vergangenheit geärtert haben [Nicolas und Orificio z.B. bastelten an einem kleinen Veruntreuungs-Scheme zu Laten der Immobilienfirma], mit dem Bedarf an opferbarem Cthulhu-Futter allenfalls glücklich koinzidiert und nicht sein primäres Ziel ist).

Man kann kritteln, dass Aleman, wie angedeutet, keine ganz schlüssige direkte Verbindung von Lazaros okkulten Forschungen zu dem durchorganisierten Kult ziehen kann (z.B. auch nicht, warum, SUPERDUPEREXTREMSPOILER IMPERIAL DELUXE, Lazaro, der sich in der Gegenwart noch bester, nicht gealteter Gesundheit erfreut, offenkundig nicht der Chef des Kults ist, was man erwarten könnte), vielleicht hebt er sich hier wirklich noch potentielles Link-Material für eine durchaus denkbare weitere Expansion der Mythologie auf, und dass er im Mittelakt etwas zu sehr auf Methoden und Klischees des handelsüblichen Monsterhorrors zurückgreift (die Flucht der Helden durch ein weitläufiges, finsteres Höhlensystem, verfolgt von einem dämonischen Monster), andererseits – auch Teil 1 zollte auf seine Weise einem etablierten Stil (eben dem viktorianischen Plüsch-Grusel) Tribut, warum sollte Teil 2 dann nicht einem anderen, ebenso etablierten Stil seinen Respekt erweisen?

Ein wenig schade finde ich es, dass die Motivation des Kults nicht ganz deutlich wird (Maximilian redet davon, dass man „einen großen Fehler korrigieren“ wolle, ob das aber tatsächlich auf die Crowley-Séance aus Teil 1 gemünzt ist, ist zumindest diskutabel) und die Figur der Zigeunerin Gitana (die allerdings durchaus Bedeutung entwickelt) kommt mir etwas zu sehr direkt einem alten Bela-Lugosi-Film entsprungen vor, doch andere Einfälle reißen’s raus – so erlaubt sich Aleman ein ganz klein wenig mindfuck-Spielerei: was ich zunächst für einen wirklich üblen Goof gehalten hatte, erweist sich als bewusst eingesetzte Irreführung (ich verrate nur so viel: wenn wir Szenen aus Santiagos Sicht verfolgen, sollten wir im Auge behalten, dass er nicht gerade der zuverlässigste „narrator“ ist…), der Auftritt des Cthulhu-Monsters ist spektakulär (und eine ambitionierte und überwiegend geglückte Interpretation des Großen Alten) und insgesamt treibt Aleman die Sache nunmehr deutlich flotter, aktionsgeladener voran (klar, da sich im zweiten Teil eben die Action- und Horrorelemente deutlich stärker in den Vordergrund spielen).

Was aus Teil 1 erfolgreich herübergerettet wird, sind die weiterhin ausgezeichnete Ausstattung und die immer noch starken, atmosphärischen Bilder. In Punkto FX und Gewalt legt der zweite Teil eine deutliche Harke zu, ohne zum Splatterfilm zu werden; für ein „modernes“ Publikum ist Part 2 sicherlich zu- und eingängiger als der bewusst altmodisch-ruhig erzählte erste Film.

Auf der Schauspielerfront ist weiterhin alles in Butter – Jaeneda, Ruiz, Sancho, Risueno und Poncela haben naturgemäß deutlich mehr zu tun (wohingegen der Naschy-Anteil aufgrund der wesentlich weniger Flashbacks deutlich zurückgefahren wird), Torrijos Dámaso entwickelt sich zu einem wirklich hassenswerten Drecksack, wohingegen Prego seinen Santiago nunmehr deutlich hintergründiger anlegen kann. Als wesentliche Neuzugänge im Cast präsentieren sich Maria Alfonsa Rossa („Ferpect Crime“, „Volver“) als Gitana (akzeptabel, aber klischeehaft), Jesus Olmedo („Bruderschaft des Todes“) als hochrangiges Kultmitglied und Luis Zahera („Alatriste“) als H.P. Lovecraft.

Fazit: „Valdemar Legacy II: The Forbidden Shadow“ ist zweifellos ein ganz anderer Film als der Vorgänger – moderner, aktionsreicher, effektgeladener, aber kaum schwächer als der erste Teil, wobei dank der Zweiteilung der Stilwechsel vom getragenen period-piece-Grusel zum „richtigen“ Horror nicht stört. Wo der erste Film eine Huldigung des Hammer-Stils war, ist „The Forbidden Shadow“ mt seinem Tempo, seinen ansehnlichen CGI-Tricks sicherlich einer der besten Filme mit ausdrücklichen Lovecraft-Bezügen und macht dem alten H.P. keine Schande. Definitive Empfehlung – und ich habe das unbestimmte Gefühl, dass dieses Universum noch nicht auserzählt ist…

4/5
(c) 2011 Dr. Acula


mm
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