The Slayer

 
  • Deutscher Titel: The Slayer
  • Original-Titel: The Slayer
  •  
  • Regie: J.S. Cardone
  • Land: USA
  • Jahr: 1982
  • Darsteller:

    Sarah Kendall (Kay), Frederick Flynn (Eric), Carol Kottenbrook (Brooke), Alan McRae (David), Michael Holmes (Marsh), Sandy Simpson (Norman), Paul Gandolfo (Fischer), Carl Kraines (The Slayer)


Vorwort

Kunstmalerin Kay leidet unter Alpträumen, in denen eine monströse Kreatur ihr nachsetzt. Ihr Umfeld (namentlich Ehemann David, ihr Bruder Eric und dessen Eheweib Brooke) halten Kay in unterschiedlichem Maße für gestresst, unvernünftig (weil sie ihren erfolgreichen Stil gegen die surreale Abpinselung ihrer Nachtmahre getauscht hat) bzw. durchgeknallt. David und Eric sind der Ansicht, ein Urlaub weitab von allen Verpflichtungen könnte ihr gut tun – wie wär’s z.B. mit der abgelegenen Insel vor der Küste Georgias? Die ist nämlich nicht nur bis auf das Anwesen eines von Erics Freunden, der selbiges leihweise zur Verfügung stellt, unbewohnt, und das next best thing gleich nach dem Paradies, sondern auch ein exzellenter Fischgrund, was nun wieder Hobbyangler Eric entgegenkommt. Auf der Insel gibt’s kein Telefon, Mr. Marsh, der creepy Pilot, der die Rasselbande absetzt, warnt vor einem aufziehenden Sturm und Kay erkennt die ganze Szenerie 1:1 aus ihren Alpträumen wieder. Das sind doch bärige Voraussetzungen für kurzweiligen Ferienspaß für die ganze Familie!

Zunächst mal scheint sich Ungemach nur darin zu zeigen, dass Kays zunehmende Hysterie ihren Reisegefährten mächtig auf den Sack bzw. die Eierstöcke geht. Dass ein alter Fischer, der am Strand ein paar mickrige Heringe ausweidet, mit seinem eigenen Paddel erschlagen wird, bekommen unsere Helden gar nicht mit – und als David spurlos verschwindet, ist sich natürlich nur Kay sofort völlig sicher, dass ihre Traumkreatur den geliebten Gatten gar grauslig abgemurkst hat. Da der Vermisste darauf besteht, verschwunden zu sein, sieht sich Eric veranlasst, duch die Insel durchkämmen zu lassen. Die kopflose Leiche findet freilich Kay… Immerhin, dem Argument, das hier mysteriöse und lebensgefährliche Dinge vorgehen, können sich Bruderherz und Schwägerin nun nicht mehr entziehen. Eric informiert Brooke, dass Kay schon aus Kinderzeiten eine ordentliche psychologische Schramme mitbringt, er mithin aber dennoch für wahrscheinlicher hält, dass Marsh, der beim Transfer zu verstehen gab, Touristen nicht gerade toll zu finden, der Täter ist. Erics triumphaler Plan sieht vor, Kay mit Schlaftabletten gefügig zu machen und nach einem Weg von der Insel zu fahnden. Da hat jemand entschieden was dagegen…


Inhalt

Es geht auf Mitte Oktober zu und das heißt, Halloween wirft seine Schatten voraus. Zur Feier dieses Umstands werde ich mich bis dahin mal wieder schwerpunktmäßig mit klassischer Halloween-Horrorkost beschäftigen.

„The Slayer“ von 1982 ist ein früher Slasher aus der Zeit, als das Genre noch nicht so verkrustet in seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten, in seinem unverrückbaren Regelsatz gefangen war und die ganze Chose noch ein bissl variieren konnte. Sicher ist „The Slayer“ unleugbar ein Slasher – die ausufernden stalk’n’slash-Sequenzen, der showdown mit dem „final girl“ im dunklen, unbeleuchteten großen Haus, das sind gut abgehangene Genrezutaten, aber J.S. Cardone (später u.a. für Charles Band tätig als Regisseur von „Shadowzone“ und Autor von „Kampf der Roboter“; heutzutage schreibt er mittelbudgetierte Horror-Remakes wie „Prom Night“ und „Stepfather“ und inszeniert gelegentlich DTV-Kram wie „8 MM 2“ und „Zombies“) und sein Co-Autor Bill Ewing kleben nicht sklavisch an der „Halloween“-Formel. Seine Protagonisten – und das ist etwas, was mich sehr angenehm überrascht – sind nicht die üblichen Pseudo-Teenies, sondern gestandene erwachsene Leute, und konsequenterweise fallen auch die Kill-Vorhersage-Klischees „wer kifft/säuft/poppt, ist tot“ ersatzlos weg. Yeah (andererseits gönnt uns der Film auch nur angedeutet nackte Tatsache. Boo!)! Und dann sind es noch Erwachsene, die sich (minus der durchgeknallten Kay) überwiegend halbwegs wie vernunftbegabte Wesen verhalten! Potz!

Okay, das ist alles schön und gut, aber nur weil die Charaktere älter sind als Sabrina, die Teenage-Hexe und gelegentlich mal eine nicht völlig unvernünftige Entscheidung treffen, wird aus „The Slayer“ noch lang kein vergessener Klassiker des Horrorkinos. Cardone macht zwar prinzipiell keine groben Fehler (auch wenn die Alptraum-Sequenz, mit der wir einsteigen, sich mit hindsight 20/20 als unglücklich herausstellt… es geht mir da um die Identität des Killers), abgesehen von der nervigen Kay haben wir Charaktere, die jetzt nicht gerade auf der Liste meiner bevorzugten Weihnachtskartenempfänger landen (was auch überflüssig wäre, da sie ja den Film nicht überleben, ähempt), aber eben mir auch nicht gleich durch ihre schiere Existenz auf den Zeiger gehen, der dramaturgische Aufbau mit einem bewusst ruhigen, charakter- und set-up-etablierendem ersten Akt, einem ersten Aufweckermord zu Beginn der zweiten Runde und dem ersten Kill an einer wichtigen Figur, ehe wir im Schlussakt „all-out“ gehen, das ist durchaus in Ordnung, dafür würde sich Carpenter nicht besonders in Grund und Boden schämen, die Location ist nett und die erste Filmhälfte schafft’s tatsächlich, den geneigten Zuschauer, ergo mich, durch ein paar pfiffige Dialoge zu überraschen (so stolpern die Charaktere auf dem Weg zu ihrer Unterkunft über eine Ruine. Eric meint, dass das Gebäude früher ein Kino gewesen sei. „Vielleicht haben sie meinen letzten Film gezeigt“, freut sich Brooke, augenscheinlich Actrice. „Das würde den Zustand des Gebäudes erklären“, meint ihr Gatte bissig).

Schade halt nur, dass etwa ab dem Zeitpunkt, an dem auch für unsere Figuren etabliert ist, dass ein Killer auf der Insel sein Unwesen treibt, die Dialogarbeit praktisch eingestellt wird (bis auf einen Block expository dialogue von seiten Erics) und sich das „warten-auf-den-nächsten-Kill“-Syndrom einstellt. Die Kills sind – mal abgesehen vom ersten – recht einfallsreich (Mordinstrumente sind eine Falltür, eine Hochseeangel und eine Mistgabel; dazu gesellt sich ein nicht auf’s Konto des Killers gehender Tod per Signalpistole); ironischerweise ist aber gerade der Umstand, dass Cardone sich redlich müht, die Identität des Killers bis zur aller-aller-aller-ALLERletzten Sekunde nicht aufzudecken, die große Schwäche des Films, denn, Slasher hin, früher solcher her, die Killergestalt ist nun mal ein zentrales Slasher-Element, das man nicht einfach ausblenden kann, um mit dem letzten Frame eine Auflösung anzubieten – das konnten Giallos, denen das „wer“ stets wesentlich weniger wichtig war als das „wie“. Das lässt sich jetzt leider nicht ohne IMPERIAL SPOILER DELUXE-Warnung weiter ausdiskutieren.

Ob man „The Slayer“ die Verweigerungshaltung, uns während des laufenden Prozederes einen Blick auf den Killer werfen zu lassen, durchgehen lässt oder nicht, hängt wesentlich davon ab, ob man den Doppel-Twist des Films akzeptiert (es braucht einen Doppeltwist, da Twist Nummer 1 und der erste Kill ansonsten nicht zusammenpassen würden). Okay, Twist Nummer 1 ist jetzt nicht sooo überraschend – Kay ist ersichtlich „psychic“ und der Killer eine körperliche Manifestation ihres verkorksten Unterbewusstseins (anders macht das keinen Sinn), Twist Nummer 2 ist, dass wir nach dem eigentlichen „Filmende“ (der „Slayer“ killt – offscreen – Kay) sehen, dass Kay als Kind aus einem Alptraum (vulgo dem bislang gesehenen Film) aufschreckt, und zwar an dem Tag, an dem (wie Eric vorher im Film erklärte) der ganze Hassel mit ihren psychischen Problemen, den „Stimmen“ und den soziopathischen Tendenzen losging. Das macht den ganzen Film zu einer „Traumgeschichte“ (was Ungereimtheiten wie die Tatsache, dass Kay als letztliche Urheberin der Kills nicht wissen konnte, dass ein Fischer an der Küste rumsitzt, ausgleicht) und zu einem nahen Verandten des „Invasion vom Mars“-Originals (Stichwort „ewiger Alptraum“).
Es ist zugegeben eine gelungene Überraschung, die Cardone da aus dem Ärmel schüttelt und vermutlich auch die einzige praktikable Möglichkeit, eine einigermaßen schlüssige Auflösung zu bieten, mir bereitet dieser cop-out aber schon gewisses Bauchgrimmen. „Es war alles nur ein Traum“ ist ein Stilmittel, das schon in den 20er Jahren einen Bart hatte (damals allerdings, weil’s die einfachste Möglichkeit war, Horror zu machen und sich vor der Zensur zu drücken), damit anno ’82 in einem Slasher zu kommen, der sich zwar für ein paar Gags nicht zu schade ist, aber summa summarum durchaus ernst gemeint ist, deucht mir allermindestens ein bissl… frech (andererseits – wenn man das Slayer-Design ins Kalkül zieht, kann man auch irgendwo verstehen, dass man damit nicht breitflächig hausieren geht und es im Filmkontext bedingungslos als „real“ verkauft).

Ergo – ich verstehe durchaus, wenn man sich durch das Ende ein wenig veralbert vorkommt; es nun aber auch nicht so, das der Twist einen gottgefälligen Slasherklassiker entwertet. Cardone hat zwar durchaus verstanden, nach welcher Mechanik z.B. „Halloween“ funktionierte, aber die Umsetzung im eigenen Werk ist nun nicht gerade überwältigend – es gibt in der zweiten Filmhälfte, nominell eigentlich der, in der’s tempomäßig anziehen sollte, zu viel Leerlauf, zu viel planlose Herumlaufen, zu viel hemmungsloses Augenaufreißen und -rollen von Miss Kendall. Es ist schade – in der Anfangsphase, in der eben noch nicht gekillt wird, gelingt es Cardone, das Interesse an den Figuren aufrecht zu erhalten, aber sobald’s ans Dezimieren des Ensembles geht (und mit vier Slasher-Kills ist der Bodycount moderat, mehr gibt das Ensemble halt zahlenmäßig nicht her), fällt ihm nicht mehr arg viel ein, um die Zeit zwischen den Kills zu füllen (Nummer 3 und 4 kommen dann auch back-to-back).
Ja, die Locations sind nett, nein, Cardone holt daraus nicht das Maximum (auch nicht durch das vermutlich kaum meßbare Budget entschuldbar, denn ist man mal vor Ort, kostet ein guter, einfallsreicher Shot auch nicht mehr als ein schlechter einfallsloser), und seine Kamerafrau Karen Grossman (mit ihrer ersten Kinoarbeit – später schoss sie Microwave Massacre, „Hamburger: The Motion Picture“, „Shadowzone“ und für die TV-Serien „Tales from the Darkside“ und „Monsters“) ist jetzt auch nicht der kreative Geist, dem mehr als konventionelles Framing einfällt. Die Kills selbst sind zwar einigermaßen originell, könnten aber ein wenig graphischer sein (ja, ich plädiere mal für mehr Gore. Suck on this!); zugegeben – es kann auch sein, dass einfach der Print zu dunkel ist, um Robert Shorts („Alligator“, „Nightflyers“, „Little Monsters“) Make-up-Effekte ernstlich ausmachen zu können. Immerhin – wenn Brooke von hinten mit der Mistgabel durchstochen wird, dass die Zinken durch die Brüste vorn rauskucken, ist das schon reichlich fies.

Zu erwähnen wäre noch der Score von Robert Folk („Police Academy 1-7“, „Beastmaster 2“, „Die unendliche Geschichte II“, „Loaded Weapon 1“, „Ace Ventura“), der aufdreht, als gäbe es hier Richtig Großes Kino (TM) zu beschallen (eingespielt wird das ganze auch vom friggin‘ National Philharmonic Orchestra aus London, das ansonsten für Koryphäen wie Jerry Goldsmith, Bernard Hermann oder John Williams in die Tasten & Saiten haute. Talk about Perlen und Säue…).

Der No-Name-Cast ist überraschend erträglich. Jou, Sarah Kendalls Grimassieren geht mit fortschreitender Laufzeit etwas auf den Zeiger, aber sie ist und spielt nicht den klassischen Slasher-Bimbo (dass ihr einziger weiterer Screencredit „Stewardess #2“ in „Karate Kid 2“ ist, lässt mich spekulieren, dass sie’s mit der acting career jetzt auch nicht sooo ernst gemeint hat, denn auch wenn sie ein wenig zu sehr die Augen aufreißt – mit kleineren Fernsehrollen oder als Horror-Scream-Queen der dritten Liga wäre sie sicher nicht arbeitslos geworden).
Frederick Flynn (Eric) wurde von Cardone später zu „Shadowzone“, „Arizona-Killer“ , „Thunder Alley“ und „Shadowhunter“ mitgenommen. Da er praktisch nur in Cardone-Filmen mitwirkte, lässt das auch darauf schließen, dass die Schauspielerei für ihn mehr ein Hobby sein dürfte. Dafür macht er das ganz anständig, wie auch Carol Kottenbrook, die eine kleine Rolle in Don Coscarellis „Survival Quest“ hatte, außerdem war sie im Short „The Last Hand“ zu sehen, der hier in Deutschland als Teil der „Stephen King – Night of the Crow“-Anthologie verhökert wird. Sie hat, vermute ich, mit Cardone auch ihr privates Glück gefunden, ist sie doch seit einiger Zeit praktisch exklusiv als Produzentin seiner Filme tätig.
Alan McRae, der hier einen majestätischen Porno-Schnäuzer ausführt und von den Hauptfiguren als erster abserviert wird, ist lustigerweise der, der am ehesten eine Karriere aufbauen konnte. Man kann darüber streiten, ob eine gewichtige Rolle in allen drei „3 Ninja Kids“-Filmen wirklich „Karriere“ genannt werden soll, aber immerhin liefen die regulär in Kinos; man sah ihn aber auch in „Dallas“, „Santa Barbara“ „Unter der Sonne Kaliforniens“. der „Wonder Woman“-Serie oder in „Herzbube mit zwei Damen“.
„Slayer“ Carl Kraines (in ziemlich lächerlichem Monster-Suit) stattete dem Horror-Genre mit The Gate und „Gate II“ noch weitere Besuche ab.

Bildqualität: Wenn auf einer DVD Laser Paradise steht und noch dazu „Red Edition“… erwartet man keinen High-End-Transfer. Was LP (bzw. Vertrieb NSM) hier in eine kleine Buchbox stecken (ist ja die „Reloaded“-Edition), ist ein schnöder VHS-Transfer (inkl. eines herben Trackingfehlers so nach fünf Minuten) des ungeschnittenen britischen VIPCO-Tapes (bei den Inselbewohnern war „The Slayer“ selbstverständlich ein gar böser „Video Nasty“) im 4:3-Vollbild-Format. Das Master ist immerhin noch einigermaßen in Schuss, zwar ziemlich dunkel (s.o. zu den potentiellen Gore-Effekten), aber halbwegs scharf, doch nicht gerade „farbecht“.

Tonqualität: Deutscher und englischer Ton, wobei ich den O-Ton trotz leichten Grundrauschens stark bevorzugen möchte; der ist nämlich gut verständlich, wohingegen die deutschsprachige Tonspur meine zarten Lauscher mit einer ziemlich lustlos-sterilen Synchro belästigt.

Extras: Filmografien für alle wesentlichen Beteiligten.

Fazit: Es schlagen einmal mehr zwei Herzen in meiner Brust – einerseits respektiere ich „The Slayer“ dafür, das er eben nicht sklavisch an der 1982 bereits etablierten Slasher-Formel klebt und sich „erwachsener“ gibt als die üblichen Teenieschlächtereien Marke „Friday the 13th“; ich goutiere, dass man zumindest teilweise versuchte, auch witzige Dialoge zu schreiben; aber da gerade die zweite Hälfte des Films, wo der Streifen seine Splatter-Register ziehen sollte, abseits der wenigen Kills ziemlich langweilig wird und ich zudem weder die psychologische „Erklärung“ des ersten „Twists“ noch den zweiten Twist wirklich kaufe, verbleibe ich mit einem aus tiefster Seele kommenden „Meh“. Ich hab ’ne Menge schlechterer Slasher gesehen, doch halt auch eine ordentliche Fuhre bessere. Genrealleskucker dürfen reinschauen.

2/5
(c) 2012 Dr. Acula


mm
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