The Quatermass Experiment

 
  • Original-Titel: The Quatermass Experiment
  •  
  • Regie: Sam Miller
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 2005
  • Darsteller:

    Jason Flemyng (Prof. Bernard Quatermass), Adrian Dunbar (Det. Lomax), Mark Gatiss (John Paterson), David Tennant (Dr. Gordon Briscoe), Indira Varma (Judith Carroon), Andrew Tiernan (Victor Carroon), Adrian Bower (James Fullalove), Isla Blair (Blaker), Matthew Flynn (Charles Greene), Carsten Hayes (Ludwig Reichenheim), Andrew Scott (Vernon)


Vorwort

Die erste privat finanzierte britische Weltraummission ist in Schwierigkeiten. Professor Bernard Quatermass, der Leiter des Projekts, kann von der Bodenstation aus zunĂ€chst nur hilflos zusehen, wie das Raumschiff hunderttausende Meilen vom Kurs abkommt. Als sich das Schiff wieder der Erde nĂ€hert, gelingt es Quatermass‘ Cheftechniker Paterson, den Wiedereintritt mittels Fernsteuerung halbwegs kontrolliert vorzunehmen. Eine ĂŒble Bruchlandung baut die Raumkapsel trotzdem, weitab vom angestrebten Landeplatz in Australien in der britischen Pampa.

Quatermass, Polizei und RettungskrĂ€fte machen sich auf die StrĂŒmpfe. Der Kapsel entsteigt nach kurzer Wartezeit ein Astronaut – Victor Carroon, der Kommunikationsexperte. Aber
 das Raumschiff hatte doch eigentlich drei Mann Besatzung? Von Pilot Charles Greene und Wissenschaftlicher Ludwig Reichenheim fehlt jede Spur
 Victor kann zum Hergang der Raumreise nichts KohĂ€rentes beitragen, ist er doch in allgemein schlechter Verfassung und zudem noch schwer amnesisch. Quatermass schafft den Überlebenden in sein Labor, wird aber von Polizeiinspektor Lomax gepiesackt. Obwohl sich der Weltraumunfall nicht zwingend als Aufgabe fĂŒr die britische Polizei aufdrĂ€ngt, fĂŒhrt Lomax eine höchst peinliche Ermittlung – nicht, weil er das besonders lustig findet, sondern weil die Innenministerin heftigen Druck auf ihn ausĂŒbt. Die Regierung hat Quatermass‘ Projekt nĂ€mlich mehr oder weniger heimlich unterstĂŒtzt, und wenn die Nummer sich jetzt zu einem totalen Desaster entwickelt, könnte das fĂŒr diejenigen KrĂ€fte im Kabinett, die sich fĂŒr das Projekt eingesetzt haben, unangenehme politische Folgen haben. Sollte Lomax also herausfinden, dass der ganze Schlamassel irgendwie Quatermass‘ Schuld ist, wĂ€re das fĂŒr die Politik noch das best-case-Szenario.

Quatermass lĂ€sst aus Australien den Chefmediziner des Projekts, Dr. Gordon Briscoe, einfliegen. Das ist ein bisschen heikel, weil Gordon ein couragiertes VerhĂ€ltnis mit Carroons ebenfalls eingetroffener Ehefrau Judith pflegte, die jetzt aber bangen Herzens an Victors Krankenbett ausharrt. Das große RĂ€tsel indes bleibt – wo sind Greene und Reichenheim abgeblieben? Es ist relativ unwidersprochen, dass niemand das Raumschiff auf einen kleinen Weltraumspaziergang verlassen hat, zudem ist da noch der merkwĂŒrdige Umstand, dass die RaumanzĂŒge der Vermissten noch da sind – und selbst auszogen haben können sie die Spacesuits nicht. Nicht nur Quatermass und die Regierung, auch die Öffentlichkeit verlangt nach Antworten, dieweil sich Victor ob seines schieren Überlebens bereits in der öffentlichen Meinung Volksheldstatus erlangt hat.

Endlich macht sich Quatermass‘ behaupteter Genius bemerkbar – mit Hilfe eines von StörgerĂ€uschen bereinigten Tonbands der Cockpitaufzeichnungen des Schiffs will er Carroons verweigerndem BrĂ€gen auf die SprĂŒnge helfen. Der Trick funktioniert, Carroon beginnt zu kommunizieren, doch
 nicht nur in der eigenen Person, sondern auch in denen von Greene und Reichenheim. Irgendwie scheint Carroon seine Astronautenkollegen geistig absorbiert zu haben. Dazu kommt nun auch eine körperliche Mutation – Sporen beginnen sich auf seiner Hand zu bilden und zu vermehren.

Gerade als Quatermass – zu Lomaxens empfindlichen Leidwesen – der versammelten Presse reinen Wein einschenken will (der sich aber mehr oder weniger auf ein „pffrzzzhrch“ beschrĂ€nken wĂŒrde) – was notwendig ist, weil Paterson wutentbrannt gekĂŒndigt hat und in Interviews auf dem Professor herumhackt -,, entspringt Carroon seinem Krankenzimmer und flieht nach London. Und schon bald finden sich in der britischen Metropole Leichen, die erkennbar mit Carroons Sporen versehen ist. Quatermass ahnt – eine außerirdische Lebensform hat sich Carroons Körper bemĂ€chtigt und sucht nun nach einer Gelegenheit, sich durch Freisetzung von Millionen ihrer Sporen zu vermehren. Das wĂ€re schlicht und ergreifend das Ende der Menschheit
 Carroon muss gefunden werden – aber was dann?


Inhalt

Als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte und mit einfachen Mitteln arbeiten musste, etablierte sich die telegene Darreichungsform des „live teleplays“ – Fernsehspiele, die, zwar gelegentlich mit vorproduzierten Einspielern versehen, grundsĂ€tzlich live und direkt ausgestrahlt wurden, praktisch also mehr abgefilmtes Theater als „Film“ im Wortsinne waren. Mit Fortschreiten der Video- und Aufnahmetechnik wurde diese Form spĂ€testens Mitte der 60er Jahre ĂŒberflĂŒssig, hielt sich, wenn man so will, eigentlich nur in Form der sitcom, auch wenn diese lĂ€ngst nicht mehr live ausgestrahlt, aber zumindest halt noch „live“ aufgezeichnet werden. Die BBC entwickelte das live-teleplay quasi zur Meisterschaft – ein „Vorteil“ dieser Art der Ausstrahlung war, dass hier BĂŒhnenschauspieler zur großen Form auflaufen konnten, die es ja gewohnt waren, ganze StĂŒcke ohne Netz und doppelten Boden zu performen, wo Filmschauspieler fĂŒr jeden RĂŒlpser zwanzig Takes brauchen konnten


1953 strahlte die BBC an sechs Abenden das SF-Serial „The Quatermass Experiment“ des britischen Autors Nigel Kneale aus. Die unheimliche Geschichte um den einzigen Überlebenden einer bemannten Raummission entwickelte sich zum Straßenfeger. Kneale und die BBC schoben 1955 bzw. 1958 die Fortsetzungen „Quatermass II“ und „Quatermass and the Pit“ nach. Ein viertes BBC-Serial sollte folgen, aber die Beziehung zwischen dem eigenwilligen Autor und Sender war nie sonderlich gut. Nach jahrzehntelangem Hin und Her warf sich Kneale schließlich dem Privatsender ITV in die Arme, fĂŒr den 1979 das vierte Serial, schlicht „Quatermass“ genannt, produziert wurde (nebst einer parallelen Kinoversion des gleichen Stoffs, die „The Quatermass Conclusion“ genannt wurde). Zu Kneales VerĂ€rgerung ĂŒber die BBC gehörte der Umstand, dass der Sender die Filmrechte an den Serials an die Hammer-Studios verkauft hatte. Zwar zĂ€hlt man alle drei Hammer-Quatermass-Filme mit Fug und Recht als bona-fide-SF-Klassiker, aber Kneale war, wie gesagt, ein höhst eigenwilliger Bursche. WĂ€hrend er, wenn er Material anderer Autoren adaptierte, Ă€ußerst freimĂŒtig mit Änderungen nach seinem Gusto umging, betrachtete er bei seinen eigenen Stoffen jede Abweichung um auch nur einen i-Punkt als glatte MajestĂ€tsbeleidigung. Und da Hammer, teils aus schierer Notwendigkeit, einen TV-Stoff in Kinoformat umzustricken, teils aus kommerziellen ErwĂ€gungen, einige Abweichungen von Kneales Script vornahm, tobte Kneale soweit es einem britischen Gentleman menschenmöglich ist. Kneale wurmte insbesondere die Besetzung seines urbritischen Professors mit dem Amerikaner Brian Donlevy, und auch, dass Hammer versuchte, ein eigenes Quatermass-Sequel ohne kreative Beteiligung Kneales auf die Beine zu stellen (dagegen zumindest konnte Kneale erfolgreich intervenieren, aus dem geplanten Film wurde dann der stark Quatermass-beeinflusste „XX Unbekannt“ mit Dean Jagger als Professor Not-Quite-Quatermass).

Nun wĂŒrde sich der geneigte Zuschauer womöglich gerne selbst ein Bild von Kneales ursprĂŒnglicher Vision machen, hat sich im kollektiven GedĂ€chtnis speziell der nicht-britischen Öffentlichkeit das von den Hammer Studios entworfene Quatermass-Bild des schroffen, arroganten und fast amoralischen Wissenschaftlers eingebrannt. Das ist allerdings, zumindest was das erste Serial angeht, nur teilweise möglich, weil die BBC, wie es der VĂ€ter Sitte war, die entsprechenden BĂ€nder irgendwann löschte, um sie wiederzuverwenden. An „Heimkino“ und daran, dass irgendwann mal jemand fĂŒnfzig Jahre alte Shows ansehen möchte, dachte damals niemand. Nur die ersten beiden Episoden des Serials haben ĂŒberlebt und in denen „passiert“ nicht viel (die BBC hat sie mittlerweile im Rahmen einer DVD-Veröffentlichung aller BBC-„Quatermasse“ veröffentlicht). Aber Not macht ja erfinderisch


2005 beschloss die BBC, das erste Serial hausintern zu remaken, mehr oder minder buchstabengetreu nach Kneales Originalscript, lediglich vorsichtig von Produzent Richard Fell modernisiert. Und als besonderer Gag wurde beschlossen, dass dieses Remake wie sein Vorbild live aufgefĂŒhrt und ausgestrahlt werden sollte, nur nicht als Sechsteiler, sondern an einem Abend als ZweistĂŒnder.

NatĂŒrlich kann man sagen, dass Anno 2005 ein Live-Fernsehspiel ein bisschen nach „art for the sake of art“ ist – es gibt keinen vernĂŒnftigen Grund, warum man sich senderseitig dem Risiko einer Live-Darbietung stellen sollte. Es kann halt doch eine Menge schief gehen und zudem erlegt man sich eigentlich unnötigerweise viele BeschrĂ€nkungen technischer und handwerklicher Natur auf, die den Sehgewohnheiten eines modernen Publikums im Wege stehen – man denke nur, gerade bei einem Science-fiction-StĂŒck, an die zwangslĂ€ufig limitierten Spezialeffekte! Nun, trotzdem kann man ein solches Experiment natĂŒrlich respektieren und, betrachtet man die Tatsache, dass Kneale das Script ursprĂŒnglich sicher unter BerĂŒcksichtigung dieser EinschrĂ€nkungen zu Papier brachte, es bietet sich dadurch die Chance, so nahe wie irgend möglich an seine ureigene Vision heranzukommen.

GrundsĂ€tzlich funktioniert Kneales Geschichte natĂŒrlich noch immer – es ist nicht sein Fehler, dass wir die Story vom aus dem All zurĂŒckgekehrten Astronauten, der sich dort, wie auch immer, mit einer außerirdischen Lebensform infiziert hat und sich nun in ein Monster verwandelt, inzwischen zehntausendmal gesehen haben, und das in allen Variationen von Äktschnfuilm bis Partysplatter. Da man an der ursprĂŒnglichen Geschichte nichts verĂ€ndern wollte, sie also auch nicht irgendwie „aufpeppen“ konnte, ist die Nummer aus heutiger Sicht natĂŒrlich wenig aufregend und arg vorhersehbar (es ist mal wieder besonders auffĂ€llig, dass SF-Filme offensichtlich meist in Universen spielen, in denen es keine SF-Filme gibt und selbst hartgesottene Space-Wissenschaftler ĂŒber die Möglichkeit, dass jemand sich eine außerirdische Infektion eingefangen haben könnte, total geplĂ€ttet sind). Trotz der „stakes“ (die ja aber erst so gegen Mitte aufgedeckt werden) und des „Zeitdrucks“ ist das Tempo entspannt, auch nicht „zu“ aufregend“. Subplots wie das politische Intrigenspiel hinter den Kulissen und die „Dreiecksbeziehung“ Victor/Judith/Gordon werden angerissen, aber nicht ausgespielt, weil sie schlicht das Format sprengen wĂŒrden, ginge man detaillierter darauf ein.

FĂŒr Fans der Hammer-Filme ist sicherlich die gravierendste zu schluckende Pille die Figur des Quatermass selbst, die hier nun wirklich diametral dem Hammer-Quatermass entgegengesetzt ist. Wo Donlevy und Keir vollkommen davon ĂŒberzeugt waren, dass sie in jeder beliebigen Zusammenstellung von Menschen fraglos die Nr.1-Intelligenzbestie sind und mit dieser Überheblichkeit auch jeden bedenken, der es wagt, sie oder ihre Experimente und Thesen in Frage zu stellen, ist der TV-Quatermass dagegen ein sanfter Bursche, zwar ein Schlaukopf und auch durchaus von sich ĂŒberzeugt, aber auch jemand, der auf Andere und andere Meinungen eingeht, zu menschlichen Regungen in der Lage ist, Fehler eingestehen und sich sogar entschuldigen kann – das ist weit entfernt vom Film-Quatermass, der am Ende des 1955er-Films, nachdem seine erste Rakete um ein Haar den Weltuntergang ausgelöst hat, am liebsten am nĂ€chsten Tag die zweite starten möchte. Das kĂ€me dem hiesigen Q sicher nicht in den Sinn.

Das Hauptproblem am Script ist das, was eigentlich seine „StĂ€rke“ ist – es ist ein Script, das auf die Möglichkeiten des Fernsehens anno 1953 abgestimmt ist und dementsprechend nicht gewillt ist, irgendetwas zu zeigen, was das Können der Techniker damals ℱ unmöglich hergab. 2005 sind wir nun doch, auch in Sachen technische Gimmicks bei Live-Sendungen, etwas weiter, aber von diesen erweiterten Möglichkeiten macht diese Adaption keinen Gebrauch und daher ist das schon alles sehr sehr bieder, sehr sehr „basic“ – selbst frĂŒhe „Doctor Who“-Episoden boten da mehr an Schauwerten. Man gönnt uns z.B. keinen Blick mehr auf Carroon, nachdem er aus seinem Krankenbett entkommen ist. Klar, weil er mittlerweile komplett mutiert ist und die Darstellung eines „Vollmutanten“ 1953 illusorisch war. 2005 erwartet man dann aber schon zumindest einen Blick auf das Monster (und dass man in so kurzer Zeit dem Carroon-Darsteller kein Full-Body-Make-up verpassen konnte, fĂ€llt als Ausrede aus – es muss ja nicht zwingend diese Person auch das Monster spielen). Der Aufbau der Bedrohung hat also keinen rechten pay-off, wir mĂŒssen uns auf die Aussagen im Film verlassen, dass das Monster furchterregend ist und das Schicksal der Welt davon abhĂ€ngt, es zu besiegen, und bei einem visuellen Medium ist es eben schwierig, diese Schere zwischen Behauptung und dem gezeigten „Nichts“ zu ĂŒberwinden. Rechte Spannung kann und will sich also nicht einstellen, und der Showdown leidet besonders darunter – Respekt dafĂŒr, ein paar MilitĂ€reinheiten auffahren zu lassen, aber auch die können selbstverstĂ€ndlich nichts „kinematisches“ tun, die Auflösung des Konflikts spielt sich daher auf einer zerebralen, metaphysischen Ebene ab und wird auch so visualisiert (Quatermass erscheinen die drei Astronauten quasi als „Geister“ und er debattiert mit ihnen, damit sie ihre Geisteskraft gegen das Alien stellen und so verhindern, dass es seine Sporen aussendet).

Es ist also, da beißt die Maus keinen Faden ab, ein Experiment, und muss auch als solches betrachtet werden und nicht als ein StĂŒck launiges TV-Entertainment zum Nebenherkonsumieren. Technisch gesehen ist das StĂŒck schon beeindruckend – der stete Wechsel von Location- und Studioshoots muss logistisch ein Albtraum gewesen sein, praktisch ist allerdings, dass der „backstage“-Bereich der Studios durchaus glaubwĂŒrdig auch als „hinter den Kulissen“ einer wissenschaftlichen Forschungseinrichtung durchgeht, mit ihren finsteren GĂ€ngen und endlosen Korridoren. NatĂŒrlich wird auch ein bisschen geschummelt – es gibt Video-Einspieler z.B. der Rakete im Anflug und spĂ€ter einen Hauch Monster-POV, wenn Carroon durch London kraucht. Beinahe ein Geniestreich ist es, wenn im Showdown der Dreh selbst in die Geschichte integriert wird und die aufgebaute Beleuchtung, die Kameras und das allgemeine hektische Gewusel am Set versinnbildlicht, dass die Öffentlichkeit im Filmkontext durch Live-Übertragung direkt mit dabei ist, wenn die Armee und Quatermass das Alien konfrontieren (und Quatermass praktisch von einem eigenen Kameramann begleitet wird).

Der Special-FX-Gehalt ist, wie angedeutet, gleich null, abgesehen von ein klein wenig Latex fĂŒr Carroon


Regisseur Sam Miller, der das Unterfangen so gut im Griff hatte, dass das StĂŒck zwanzig Minuten vor dem geplanten Ende im Kasten war (im Gegensatz zum Serial, das jede seiner sechs Episoden ĂŒberzog), wurde in der Folge einer der maßgeblichen Regisseure von „Luther“, inszenierte einige Folgen von „Spooks – Im Visier des MI5“ und hielt sich auch bei den Marvel-Netflix-Shows „Luke Cage“ und „Daredevil“ schadlos. Zuletzt inszenierte er zwei Episoden der kommenden „Snowpiercer“-TV-Serie.

Der Cast schlĂ€gt sich wacker. Jason Flemyng („Bruiser“, „Snatch“, „Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman“), den ich einst, vor langer Zeit, auf dem Wege in die A-List wĂ€hnte, der aber nie den sprichwörtlichen „nĂ€chsten Schritt“ vollzog, wĂ€re zugegeben nicht der erste Name gewesen, den ich bei einem Casting-Brainstorming fĂŒr die Quatermass-Rolle in den Raum geworfen hĂ€tte. Was aber eben auch daran liegen mag, dass ich mit einem ganz anderen Typ Quatermass sozialisiert wurde, der hier nicht angebracht war. Die Anforderungen des Kneale-Quatermass scheint er gut zu erfĂŒllen – er hat eine gewisse PrĂ€senz (wenn gleich ich ihn mir doch noch etwas mehr „larger than life“ gewĂŒnscht hĂ€tte), er kommt sowohl mit den ruhigeren Passagen und Charaktermomenten als auch mit den „herrischeren“ Momenten, die’s nach wie vor gibt, gut zurecht. Adrian Dunbar („The Crying Game“, „Mein linker Fuß“) ist mir etwas zu old-school als Detective Lomax – er kommt mir so vor, als spiele er seinen Part nicht im gleichen Jahrzehnt wie der Rest des Ensembles. Ein britischer TV-Cop der 70er aus dem Bilderbuch, aber das StĂŒck spielt wohl doch mindestens in den Neunzigern


Mark Gatiss („Sherlock“, dort ja auch co-showrunner) ist gut als Paterson, auch wenn die Rolle nur ein-zwei gute Szenen hergibt, David Tennant (kurz vor der Berufung zum „Doctor Who“) weiß als Gordon Briscoe ebenfalls zu ĂŒberzeugen, obwohl auch sein Part nicht von elementarer Bedeutung ist. Indira Varm („Exodus“, „Lebe lieber indisch“, „Rom“) hat einige gute Szenen mit Tennant. Man achte im Finale auf Andrew Scott (Moriarty aus „Sherlock“) als Museumskurator, der sich weniger Sorgen um den Weltuntergang als um seine KunstschĂ€tze macht.

Die BBC-DVD kommt mit einer begleitenden Making-of-Dokumentation. Bild- und TonqualitÀt sind gut, wobei die QualitÀt der Video-Einspieler (bewusst?) deutlich schwÀcher als die der Live-Bilder.

Im Grunde hab ich ein paar AbsĂ€tze weiter oben schon das Fazit vorweggenommen – „The Quatermass Experiment“ ist in dieser Form nicht das, was man sich zur leichten Unterhaltung am Abend vorsetzen sollte. Es *ist* ein filmisches Experiment, eine FingerĂŒbung aller Beteiligten, die sie zwar mit Bravour bestehen, was sich aber nicht zwanglos in spannendes Entertainment ĂŒbertrĂ€gt. Interessiert man sich fĂŒr die Historie des Fernsehens, dafĂŒr, wie Fernsehen heute aussehen wĂŒrde, hĂ€tte es die technischen Innovationen der letzten fĂŒnfzig Jahre nicht gegeben, ist das StĂŒck ohne Zweifel mehr als nur einen Blick wert, und natĂŒrlich ist es die mit Abstand beste Möglichkeit, Kneales Story unverfĂ€lscht zu erleben. Ob einem das 100 Minuten Lebenszeit wert ist, muss jeder fĂŒr sich entscheiden


©2019 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 4

BIER-Skala: 4


Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest

0 Kommentare
Ă€lteste
neuste beste Bewertung