The Occupants


  • Deutscher Titel: The Occupants
  • Original-Titel: The Occupants
  • Alternative Titel: the occupants
  • Regie: Todd Alcott
  • Land: USA
  • Jahr: 2014
  • Darsteller:

    Cristin Milioti (Lucy), Michael Rady (Wade), James Urbaniak (Glen), Macy Cruthird (Ruth), Gail Golden (Janice), Marypat Farrell (Mara), Toby Huss (Vater), Katherine Kamhi (Mutter), Gena Shaw (Kate), Kristen Ariza (Clare)


Vorwort:

Für Lucy ändert sich grad viel in ihrem Leben – mit dem noch frischen Ehemann Wade und dem brandneuen Baby Jack zieht sie in ein neues Haus. Klare Sache, das ist alles ein bisschen viel auf einmal, zumal Lucy mit ihrer Schwester heillos zerstritten ist und die Hardcore-Religiösität ihrer Babysitterin Ruth – die gebraucht wird, weil sowohl Wade als auch Lucy hart arbeiten – ist manchmal etwas irritierend. Stabilität verschafft Lucy ihr Job als Beraterin für missbrauchte Frauen. Lucy weiß, dass Beziehungsgewalt ein ewiger Kreislauf ist, sowohl Opfer als auch Täter haben oft eine Vergangenheit als Mißbrauchsopfer und die Opfer betrachten oft genug die ihnen gegenüber verübte Gewalt als gerechte Strafe für tatsächliche oder eingebildete Verfehlungen. Es ist gute, gut gemeinte Arbeit, aber freilich eine, die man nicht einfach um 17.00 Uhr an der Bürotür abgibt.

Einleuchtend daher, dass Lucy ihre ersten Visionen einer offenbar misshandelten Frau unter „Schatten der Arbeit“ ablegt. Oder zumindest gerne ablegen möchte, denn schockierenderweise hat Wade die Frau ebenfalls gesehen! Die Erscheinungen häufen sich und manifestieren sich schließlich zum Bild einer ganzen Familie, die offenkundig unter der Knute des gewalttätigen Vaters leidet. Das Paar ist verständlicherweise recht eingeschüchtert – Geister im Haus? Lucy versteift sich auf den Gedanken, dass die vorigen Eigentümer des Gebäudes Opfer häuslicher Gewalt wurden und noch herumspuken – und vielleicht eines der Opfer sogar Klient in Lucys Beratungsstelle war. Das scheint nahezuliegen, weil die Tochter der Geisterfamilie beginnt, nach ihrer Schwester zu fragen. Vielleicht hat diese überlebt? Lucys Chef Glen ist nicht davon überzeugt, dass hier wirklich Spektren aus der Zwischenwelt herumgesitern und rät Lucy zu einer Therapiesitzung mit ihm. Lucy lehnt aber sowas von ab und hat dafür auch einen guten Grund – bevor sie mit Wade zusammenkam, war Lucy mit Glen liiert und vermutet auch ganz ohne übernatürlichen Brimborium, dass der die Abservierung nicht so ganz verkraftet hat und nur nach einem Grund sucht, Lucy und Wade auseinanderzubringen, um wieder selbst die Position als ihr Bespringer einzunehmen.

Dreiecksverhältnis hin oder her, die Erscheinungen werden massiver – und rabiater. Wade findet sich nach einer Begegnung der übernatürlichen Art mit höchst realen Kratzern am Rücken wieder und eines weniger schönen Morgens entdeckt Lucy hinter einem Gemälde das fachkundig mit einem Hammer in die Wand gekloppte Portrait eines Mannes, den sie als Wade identifiziert. Man hat die Faxen dicke und sucht sich professionelle Hilfe in Form einer anerkannten Geisterexpertin. Die Ghostbusterin entdeckt im Haus aber keine paranormale Präsenz, Hammerportrait zum Trotz, gibt aber den Hinweis, dass Geister nicht unbedingt an Gebäude, sondern auch Personen gebunden sein können. Was nach wie vor nicht ausschließt, dass Lucy von jemandem heimgesucht wird, der Glens oder ihr Klient gewesen sein könnte. Glen weigert sich aber beharrlich, entsprechende Nachforschungen anzustellen und besteht darauf, Lucy therapieren zu wollen.

Lucy wendet sich in ihrer Verzweiflung an Ruth, nicht zuletzt, weil auch sie die Erscheinungen bereits gesehen hat. Ruth tippt, ob ihres religiösen Fanatismus nicht überraschend, auf einen Fall von dämonischer Besessenheit, der sich via Wade manifestiert. Genau genommen vermutet sie, de Ahab-Geist (benannt nach dem alten Waljäger, of course), ein steinalter Dämon, der sich darauf spezialisiert hat, Familien zu zerstören, wäre hier am Werke.

Die Erscheinungen legen in Punkto Bedrohlichkeit noch eine Schippe drauf – der Vater beginnt äußerst wenig beruhigend mit einem Hammer zu hantieren, und eines Nachts erwischt Lucy den schlafwandelnden – und sich nach dem Aufwecken an nichts erinnern könnenden – Wade mit dem bewussten Werkzeug. Langsam redet sich Lucy erfolgreich ein, dass der Spuk doch primär an sie gebunden ist und mit der verzweifelt gesuchten Schwester ihre eigene gemeint ist, doch die reagiert zunehmend ungehalten auf Lucys quengelnde Anrufe. Schließlich und endlich gibt Lucy auf und willigt ein, sich von Glen hypnotisieren zu lassen. Das wird einige Rätsel lösen...

Inhalt:

Irgendwann such ich mir die Adresse von Blumhouse raus, fahre da hin und haue den Chefs eine bis drei aufs Maul. Aus Gründen. Ich rechne dem Laden durchaus hoch an, dass sie den guten alten Spukhausfilm wieder hof- und kassenfähig gemacht haben, denn es ist ein so archetypisches Horror-Genre, dass es einfach nicht in Vergessenheit geraten durfte, andererseits – es ist jetzt auch wieder gut. Schon die Blumhouse-eigenen Filme schmoren nun schon seit ein paar Jahren im eigenen Saft und haben bei allen BOOM-BOOM-BOOMBOOM!!!!-Jump-Scares und Schockeffekte nichts mehr überraschendes zu bieten (Conjuring-Cinematic-Universe, geh scheißen!), und als wäre das nicht schlimm genug, haben die beeindruckenden Kassenerfolge bei sehr überschaubaren Budgets eine komplette Blumhouse-light-Industrie unter Indiefilmern hervorgerufen, die realisiert haben, mit einem Blumhouse-Klon, der auf irgendeinem drittklassigen Festivalfilm einen Publikumspreis gewinnt oder eine halbwegs wohlwollende Besprechung abräumt, in Zeiten, in denen Major-Studios 100+-Millionen-Dollar-Produkte einem jungen Indie-Regisseur in die Hand zu drücken, nur auf die kleine Chance hin, womöglich „the next big thing“ in der Tasche zu haben, die Eintrittskarte in die elitären Kreise gewinnen zu können. Puh. Das war jetzt ein Satz, für den ich selber eine Landkarte brauche. Aber you catch my drift, I suppose.

Damit wäre eigentlich zu „The Occupants“ (oder „the occupants“, wie sich der Streifen augenscheinlich offiziell der Hipness wegen nennt) alles gesagt, was unbedingt gesagt werden muss. Aber für nur das blanke Minimum werde ich hier nicht nicht bezahlt (öh. Erwähne ich, dass Ihr Patreon werden könnt? Und wenn nur 250 Leute Fünf-Euro-pro-Monat-Patreon werden, könnte ich den Kram hier Vollzeit machen. UND IHR WISST, DASS IHR DAS WOLLT. Ähem. Werbeeinblendung beendet).

Natürlich ist die Idee von Writer/Director Todd Alcotts Low-Budget-Grusler gerade in der heutigen Zeit nicht schlecht. Häusliche Gewalt ist leider immer noch ein großes Thema und in ihrer extremen Ausprägung offensichtlich ein guter Anknüpfungspunkt für eine übernatürliche Bedrohung, erst recht, weil das Eindringen des Bösen in eine intakte Familie an den Grundfesten unserer zivilisatorischen Erziehung (mit der Familie als kleinster Einheit des sozialen Zusammenlebens) rüttelt und der paranormale Spuk eine allemal brauchbare Metapher für innerfamiliäre Gewalt darstellen kann. Die Moral, dass man bei der Lösung solcher Probleme nach Innen schauen sollte (also wo innerhalb der Familie die Reibungspunkte und Konfliktherde stecken) anstatt nach äußerlichen Einflüssen zu suchen, ist sicherlich nicht der Weisheit allerletzter Schluss, aber auch kein ganz mieser Ratschlag; im Vergleich z.B. zur Flucht in die Religiösität, die eben nur einen außer-familiären Sündenbock sucht. Insofern ist der Rat, den die esoterische Geisterjägerin gibt, noch praxistauglicher als der der gläubigen Ruth – hier ist allerdings interessant, dass „The Occupants“ davor warnt, Religiösität per se als Zeichen des Missbrauchs zu sehen (als Lucy bemerkt, dass Ruth von ihrem ebenfalls streng gläubigen Vater dominiert wird, wittert sie aufgrund ihrer beruflichen Konditionierung eine Missbrauchssituation, von der jedoch – zumindest anhand der bildhaften Darstellung – nicht die Rede sein kann).

Nun ist gut gemeint nicht automatisch gut gemacht, das wissen wir als treue Stammkunden des gepflegten miesen Films ja aus erster Hand. Und auch hier ist eine brauchbare Idee und eine zumindest nicht unvernünftige Message noch nicht gleichbedeutend mit einem guten Film. Ein guter Spukhausfilm lebt bekanntlich von der Eskalation der Bedrohung, vom schleichenden Eindringen des Spuks in den Alltag der Opfer, bis hin zu einer exzessiven Kulmination des Bösen im Showdown. „The Occupants“ hat da wenig zu bieten, denn die Geister... naja, sie tun nicht wirklich * viel *. Klar, es ist für die Person in der Situation freilich enorm erschreckend, eine Geisterfamilie am Küchentisch sitzen zu sehen, die misshandelte Geistertochter anklagend nach ihrer Schwester fragen zu hören oder die Mutter ihren Kopf gegen die Küchenzeile schlagen zu sehen, aber es ist nicht wirklich bedrohlich. Selbst das in die Wand gemeißelte Hammer-Portrait ist keine echte Gefahr für Leib und Leben, und als Wade von der bösen Präsenz übernommen wird, tut er erst mal auch nicht mehr, als mit dem Hammer vor sich am Esstisch zu sitzen. Es ist, wenn man den obligatorischen Schlusstwist betrachtet, durchaus folgerichtig, dass von den Geistern keine direkte Gefahr für die Protagonisten ausgeht, sondern sich viel von der sich aufbauenden Angst und Furcht (durchaus verständlicherweise, s.o.) in den Köpfen von Wade, Lucy und (mit Einschränkungen) Ruth abspielt. Auch das Insistieren von Glen, mit Lucy auf Gedeih und Verderb eine Therapie- und letztlich die Hypnosesitzung durchführen zu wollen, führt den geneigten Zuschauer, so er nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, auf die richtige Fährte. Es ist also schon durchaus schlüssig, dass sich der Film so abspielt, wie er es tut, aber er wird dadurch nicht richtig spannend, sondern zeichnet weniger ein nervenkitzelndes Gruselszenario als den fortwährenden Abstieg einer gestressten und psychisch angeschlagenen Frau in die blanke Hysterie.

Gut, Blumhouses Plotten sind auch nicht wesentlich besser und allemal repetetiv, aber da zeigt sich dann halt doch ein gewisser Unterschied, Blumhouses Regisseure verstehen es wesentlich besser, auf der Klaviatur des filmischen Schreckens zu spielen als Todd Alcott, dessen größte Ruhmestat die Drehbücher für den auch schon wieder 20 Jahre alten Animations-Schlager „Antz“ und die wenig später entstandene Fantasy-Komödie „Curtain Call“ sind, dieweil er als Regisseur nur einen Streifen namens „The Bentfootes“ auf die Reihe bekam, der auf der IMDb noch nicht mal die fünf Stimmen für eine sichtbare Bewertung eingesammelt hat. Man mag den Blumhouse-Approach für totgeritten und klischeehaft halten, aber natürlich wurde er das, weil er erst mal funktioniert, wir reagieren nun mal auf akustische und visuelle cues und wenn das Konzept mittlerweile abgedroschen ist, dann weil Blumhouse es nicht für nötig hält, es weiterzuentwickeln (und damit durchkommt); man braucht dann halt nur jemanden am Steuer, der weiß, wann und wie welcher Effekt, welcher Trick, welches Gimmick eingesetzt werden muss, um den Zuschauer aus dem Sitz zu schütteln. Alcott versucht mit dem extrem geringen Budget, das er zur Verfügung hat, diesen Vorbildern nachzueifern, aber es sitzt einfach nichts, kein Schock, kein jump scare, auch nicht das Make-up-Design der Geister (denen man zudem einfach zu wenig „Geisterhaftigkeit“ spendiert hat, sie wirken zu real, wie eben geschminkte Statisten in einem billigen Horrorfilm). Zudem gelingt es Alcott eben nicht, echtes Drama zu entwickeln, die Charaktere sind zu holzschnittartig und, besonders natürlich, weil sie die Hauptfigur ist, an der die Kamera klebt, Lucy beginnt zumindest mir nach zwanzig-dreißig Minuten echt auf den Keks zu gehen.

Zwar ist der Streifen mit 76 Minuten Bruttospielzeit charmant kurz, aber er könnte auch keine Minute mehr vertragen, und im Mittelpart, sobald die Situation etabliert ist, wir aber noch nicht einfach dazu übergehen können, der (am Ende dann doch gedrängten) Auflösung näher zu treten, wird’s manchmal schon ziemlich zäh, weil so recht nichts vorwärts geht.

Die FSK-16-Freigabe scheint mir ob der gezeigten Härten (sofern man davon reden will) schon fast wieder übertrieben. Ja, FSK-12-Horror ist ein Widerspruch in sich, aber wenn ich darüber nachdenke, was an Gore und Gedärm mittlerweile problemlos mit FSK 16 durchgeht, ist „The Occupants“ Horror-Gehalt ZDF-Fernsehkrimi-tauglich.

Die Darsteller sind bemüht. Cristin Milioti („The Wolf of Wall Street“) hat mit ihren großen Augen (die sie natürlich auch heftig einsetzt) einen gewissen Alyson-Hannigan-Charme, die Rolle tut ihr aber keinen großen Gefallen, alldieweil sie weniger als eine „starke, selbstbewusste Frau“, die den „Kreislauf der Gewalt“ durchbrechen will, erscheint denn als hysterische Zicke. Michael Rady („Timeless“) ist ganz sympathisch als loyaler Wade, James Urbaniak (Robert Crumb in „American Splendor“, „Agent Carter“) brauchbar, wenn auch unterbeschäftigt als Glen. Macy Cruthird („Hope & Faith“, „Two and a Half Man“) ist akzeptabel als Ruth, Marypat Farrell (Comedienne und regelmäßig bei Conan O'Brien und Jimmy Kimmel engagiert) ganz amüsant als ultraseriöse Geisterjägerin.

Die DVD von Eurovideo ist solide durchschnittlich. Der anamorphe 1.78:1-Transfer reißt keine Bäume aus, veranlasst den Flatbildfernseher aber auch nicht zu spontaner Selbsttötung, die deutsche Synchro ist okay (Dolby Digital 5.1), der englische O-Ton etwas schwachbrüstig. Extras gibt’s nicht (der Klappentext spoilert übrigens schon im ersten Satz den Twist).

Sofern man es sich also nicht zum Lebensziel gesetzt hat, jeden noch so schepprigen Spukhausfilm persönlich in Augenschein zu nehemn, kann man sich „The Occupants“ getrost sparen. Das Thema ist an und für sich nicht übel und ließe sich sicher zu einem kompetenten Grusler verarbeiten, aber Alcott ist einfach nicht er Regisseur, der aus dem Stoff einen wirklichen Burner machen könnte. Ganz abgesehen davon, dass der Blumhouse-Stil jetzt wirklich mal fünf-sechs Jahre Pause machen könnte, ehe man ihn wiederbelebt. Wenn 76 Minuten mir schon arg lang vorkommen, spricht's am Ende halt nicht sehr für den Film...

© 2019 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 4


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