The Job


  • Deutscher Titel: The Job
  • Original-Titel: The Job
  •  
  • Regie: Kenny Golde
  • Land: USA
  • Jahr: 2003
  • Darsteller:

    Daryl Hannah (C.J.), Dominique Swain (Emily), Brad Renfro (Troy), Eric Mabius (Rick), Alex Rocco (Vernon)


Vorwort:

C.J. ist Profikillerin und soll für ihren Auftraggeber Vernon einen Koffer ihm geklauter Drogen im Wert einer satten halben Million US-Kopeken wiederbeschaffen (dass der böse Dieb diese Rückholaktion relativ tot absolvieren soll, versteht sich). Der Part mit dem Umbringen funktioniert auch tadellos, nur der Stoff hat schon den Besitzer gewechselt. Der in dieser Hinsicht recht humorlose Vernon fordert C.J. ultimativ auf, auch diesen Teil des Jobs zu erledigen. Der Stoff allerdings hat schon wieder Füße bekommen und befindet sich mittlerweile im Besitz des jungen Chaoten-und Kleindealer-Pärchens Troy und Emily (letztere hochschwanger, und das ist durchaus ein plot point). C.J., belastet mit der üblichen traumatischen Kindheitserfahrungen, die einen eben ins Killergewerbe treibt, bringt’s nicht über’s Herz, den schnell ausfindig gemachten Troy zu entleiben, als der sein Mädel gerade aus dem Krankenhaus schiebt… Ihre Gewissensbisse kommen nicht von ungefähr, denn schwere Anfälle von „morning sickness“ und sonstiger Übelkeit führen rasch zu dem Ergebnis, dass C.J. selbst schwanger ist und das paßt der selbsternannten tough lady, die Beziehungen scheut und nur one-night-stands, die aber scheinbar zahlreich, absolviert, gar nicht. Eine Abtreibung soll her, und das möglichst zackig. Das wäre schon stressig genug, aber zusätzlich hängt ihr Vernon im Kreuz und der Yuppie Rick, den sie in einer Bar getroffen hat, verliebt sich in sie. Troy und Emily haben dieweil andere Sorgen, der erbeutete Stoff erweist sich nämlich aus schwer verkäuflich, weil den einschlägigen Abnehmerkreisen durchaus bekannt ist, dass Troy auf der Abschussliste steht…

Inhalt:

„The Job“, ein ursprünglich für einen Kinoeinsatz vorgesehener Independent-Film, der in Cannes Premiere feierte, dann aber in seinem Heimatland USA ohne großes Gedöns auf den Direct-to-Video-Markt geschmissen wurde, ist alles in allem ein eher unbefriedigendes Thrillererlebnis. Prinzipiell ist zwar löblich, dass „The Job“ nicht nur ein plakatives Kill & Thrill-Szenario bietet, sondern auch eine zweite, eigentlich sogar wichtigere psychologisch-dramatische Ebene hat, aber diese beiden Ebenen klaffen qualitativ zu weit auseinander. Denn während das Psychodrama, das letztlich sowohl was inhaltliche Wichtigkeit als auch bloße Screentime angeht, durchaus interessant und leidlich originell ist (auch wenn man manchmal meinen möchte, der Film wäre aktiv vom Pro-Life/Anti-Abortion-Movement gesponsort), kann das oberflächliche Thrillerszenario nicht überzeugen (Drehbuchautor/Regisseur Kenny Golde schreckt nicht mal davor zurück, das älteste aller Killer-Klischees, den „letzten Job“ nebst einem dem Ausstiegsansinnen nicht wohlwollend gegenüberstehenden Auftraggeber, zu bemühen – es entbehrt zwar im Kontext des Films nicht einer gewissen Logik, ist aber einfach zu abgegriffen). Der ganze Thrillerhandlungsstrang tritt im Filmverlauf allerdings eh zugunsten C.J.s persönlicher Katharsis in den Hintergrund (die Love Story mit Rick hätt’s meinetwegen nicht wirklich gebraucht, aber sie fügt sich relativ harmonisch ins Gesamtbild ein und nervt nicht). Letztlich ist das Problem des Scripts und in gewisser Weise auch der Erwartungshaltung des Zuschauers, wenn er vom Beipackzettel und ggf. dem Trailer entsprechend vorbereitet wurde), dass das „Werbematerial“ einen blutigen Shoot-out-Reißer suggeriert, statt dessen, trotz einiger tatsächlich vorhandener Shoot-outs (die aber m.E. keinesfalls die KJ-Einstufung der FSK rechtfertigen, vor allem, wenn man das Gewaltpotential des Films mit dem eines ab 16 freigegebenen „Wrong Turn“ vergleicht) hat man es doch eher mit einem von Daryl Hannah durchaus kraftvoll gespielten Psychodrama zu tun, das die Thrillerelemente zu sehr in den Hintergrund drängt.

Zudem könnte allgemein das Screenwriting etwas besser sein – das Script weist doch einige Ungereimtheiten auf (es gibt in ganz L.A. scheinbar nur eine Klinik, die für Geburten und/oder Abtreibungen zuständig ist, und selbst die verfügt nur über eine Schwester und eine Ärztin) und setzt oft Dinge einfach voraus (so z.B. dass viele Charaktere oft einfach zu wissen scheinen, wo sich andere aufhalten). Kenny Golde legt mit „The Job“ seine erste Spielfilmarbeit vor, bislang war er hauptsächlich Dokumentar- bzw. Starporträtfilmer (er drehte Biographien über Chris Rock, Joan Collins, Lisa Rinna oder Kelly Preston) – ich will nicht hämlisch klingen, aber das merkt man auch. Zwar ist ein gewisses visuelles Gefühl vorhanden und mir gefällt die in einigen Szenen konzeptartig wirkende Farbgebung, aber die technischen Mätzchen scheinen mir nicht die Story zu unterstützen, sondern hauptsächlich ein wenig selbstzweckartig zu wirken. Handwerklich ist das durchaus solide und auch recht flott (der Film ist mit 83 Minuten charmant kurz), aber manchmal wirken die technischen Spielereien eben etwas zu gewollt. Positiv fällt der gelungene Soundtrack mit einigen netten Alternative-Rocksongs auf.

Schauspielerisch gibt sich Daryl Hannah keine Blöße (auch wenn sie sich mal bis auf’s Höschen ausziehen muß, aber da gönnt man uns leider nur eine Rückenansicht) – die einstige Meerjung- und 20-Meter-Frau (und „Kill-Bill“-Killerin) liefert eine gute, in einigen Szenen (die ich jetzt spoilern müßte, was ich bei einem ausnahmsweise mal brandaktuellen Film aber nicht tun werde) sogar eindringliche Performance. Leider gibt’s im Darstellerensemble niemanden, der ihr diesbezüglich das Wasser reichen kann (oder auch nur vergleichbar interessante Szenen zu spielen hätte) – Dominique Swain („Lolita“, „Face/Off“) ist hauptsächlich damit beschäftigt, hysterisch oder schwangerschaftsbedingt schmerzerfüllt zu kreischen, der durchaus talentierte Brand Renfro („Abt Pupil“, „Ghost World“ und einst Kinderstar in „Der Klient“) müht sich, kann aber aus seiner recht eindimensionalen Rollengestalt des Troy keinen großen Nutzen ziehe, und auch Eric Mabius („Resident Evil“, „The Crow 3“) kann irgendwie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Bildqualität: Bei Sunfilm muß einem mittlerweile nicht bange sein – das Label klatscht im allgemeinen Ansehnliches auf seine Silberscheiben. Der anamorphe 1.85:1-Widescreen-Transfer kann daher durchaus in allen wesentlichen Kategorien punkten – die Farben sind exzellent, Detail- und Kantenschärfe stimmig und auch im Hinblick auf die Kompression gibt’s nichts auszusetzen, der gefürchtete 4-Fach-Zoom-Test ergab zwar kein perfektes, aber ein hochanständiges Resultat. Einzig, dass mein Player sich nach gut 42 Minuten in einen nur durch brutalen Neustart aufzulösenden Freeze verabschiedete, trübt den ansonsten auch von Bildstörungen nicht getrübten Gesamteindruck – aber gut möglich, dass da nur mein mittlerweile auch nicht mehr ganz brandneuer Scott-Player ein Problem mit der Scheibe hat.

Tonqualität: Auch in diesem Punkt genießt Sunfilm mittlerweile eine verdient gute Reputation – fünf Tonspuren stehen zur Auswahl, wie eigentlich schon gewohnt bei Sunfilm liegen deutscher und Original-Ton in 5.1- und 2.0-Mixes vor, dazu gibt’s deutschen DTS-Ton. Akustisch gibt’s wenig zu meckern, da alle Spuren absolut zufriedenstellend sind. Da ich bekanntlich dem O-Ton-Vergnüngen mit Leidenschaft fröhne, habe ich mich hauptsächlich um die englischen Sprachspuren gekümmert, und die sind makellos (die Stichproben in den deutschen Tracks liefern auch keinen Grund für Beschwerden).

Extras: Zunächst mal hätten wir den Original-Trailer, der, wie gesagt, vorgaukelt, es mit einem einzigen Shoot-em-up-Thriller zu tun zu haben. Des weiteren findet sich gut 16 Minuten unkommentiertes Behind-the-Scenes-Material (sicher eine Fundgrube für Hardcore-Fanatiker, aber ich, das dürfte mittlerweile auch bekannt sein, schätze kommentierte Zugaben mehr). Darüber hinaus bietet Sunfilm Bio- und Filmographien für Hannah, Renfro und Swain sowie die übliche Trailershow. Leider wurde der verfügbare Audiokommentar der RC1-DVD nicht mitlizenziert. Deutsche Untertitel werden übrigens erfreulicherweise mitgeliefert (den O-Ton kann man noch erfreulichererweise ohne Zwangs-Untertitel genießen).

Fazit: Das Gesamturteil fällt also relativ zwiespältig aus – während ich durchaus begrüße, dass der Film bemüht, „mehr“ zu sein als nur der nächste x-beliebige Tarantino-Rip-off, ist mir die eigentliche Thrillerhandlung insgesamt zu schlapp. Als Schauspieler-Showcase für Daryl Hannah qualifiziert sich der Film durchaus, jedoch können halt ihre Kollegen nicht mithalten und Regisseur Golde ist mir ein wenig zu sehr verliebt in stilistische Spielereien, anstatt sich um eine überzeugende Zusammenführung der Thriller- und Dramaelemente zu bemühen. Okay, Golde ist ein first-time-director und Potential ist sicher vorhanden, aber uneingeschränkt empfehlen kann ich „The Job“ nicht, vor allem nicht der Zielgruppe, die durch Trailer und Covertext verleitet, glaubt, hier einen blutigen body-count-intensiven Reißer zu erleben. Der Film hat seine Momente, aber vielleicht doch ein paar zu wenig….

2/5
(c) 2006 Dr. Acula


mm
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