The Disappearance of Flight 412


  • Original-Titel: The Disappearance of Flight 412
  •  
  • Regie: Jud Taylor
  • Land: USA
  • Jahr: 1974
  • Darsteller:

    Glenn Ford (Colonel Pete Moore), Bradford Dillman (Major Dunning), David Soul (Captain Bishop), Robert F. Lyons (Riggs), Guy Stockwell (Trottman), Greg Mullavey (Podyrski), Stanley Bennett Clay (Ferguson), Jonathan Goldsmith (Smith), Jack Ging (Green), Ken Kercheval (White), Edward Winter (Mr. Cheer), Simon Scott (Barns), Kent Smith (General Enright), Cynthia Hayward (Nina Moore), Jesse Vint (Scanner)


Vorwort:

Auf der amerikanischen Air-Force-Base Witney wird ein Routineflug vorbereitet. Flug 412 soll einen umfassenden Radartest vornehmen, weil’s in letzter Zeit ein paar Unstimmigkeiten mit der Technik gegeben hat. Colonel Moore hat eine seiner besten Crews für den Einsatz vorgesehen, angeführt vom Vietnam-erprobten Captain Bishop. Die Maschine hebt ab, und Moore widmet sich erst mal dem Lunch mit seiner Frau.

Mitten im schönsten Herumradaren wird Flug 412 von der Base Blanco Vista angerufen – dort hat man drei mysteriöse Blips auf dem Radarschirm bemerkt, die da nicht sein sollten, und bittet die fliegende Radarstation um Bestätigung. Man bestätigt – die unbekannten Kontakte schwirren mit enormer Geschwindigkeit auf 75.000 Fuß Höhe herum. Solch unangemeldete Schelmerei wird von den US-Streitkräften gemeinhin eher mittelgut aufgenommen, daher, getreu dem Motto von „99 Luftballons“, heißt das Kommando „Fliegerstaffel hinterher, Alarm zu geben, wenn’s so wär.“ Die zwei Abfangjäger bereiten sich aufs Abfangen vor und stoßen in eine Wolke – aber nicht wieder heraus! Mit den Kampfjets verschwinden auch die unbekannten Blips. Sehr mysteriös. Wird noch mysteriöser, denn als Bishop das Verschwinden der Jets bestätigt und ankündigt, sich an etwaigen Suchmaßnahmen zu beteiligen, bekommt er einen direkt gegenteiligen Befehl. Er soll nach Osten fliegen – der Flug wird von einer geheimen Geheimkontrolle übernommen, und „Digger Control“ befiehlt Flug 412, totale Funkstille zu halten.

Colonel Moore wartet indes vergeblich auf die Rückkehr seines Radarfliegers und wundert sich begreiflicherweise über dessen Verbleib. Blanco Vista mauert – man habe dort bedauerlicherweise einen totalen Radarausfall und weiß im Zweifelsfalle von gar nichts. Dann wiederum wird mitgeteilt, Flug 412 sei nach Halliwell, Wyoming, umgeleitet worden, aber diese Base weiß nun wieder davon nichts. Moore ist zunehmend davon überzeugt, dass hier etwas sehr fischig riecht. Erst recht, als Blanco-Vista-Chef Barns, ein alter Freund des Colonels, über einen Münzfernsprecher anruft und Moore zu verstehen gibt, dass höhere Mächte als die gemeine Air Force übernommen hätten.

Das merken auch Bishop und seine Crew, die ultimativ aufgefordert werden, auf einer verlassenen Airbase in der Mitte of Fuckin‘ Nowhere zu landen. Dort werden sie von uninformierten Kerlen empfangen, die sich als Angehörige der „Special Intelligence“, also geheime Geheimagenten im Dienste der nationalen Sicherheit ausgeben und die tapferen Flieger erst einmal einsperren, um sie dann einer peinlichen Befragung über den rätselhaften Vorfall zu unterziehen. Bishop und den Seinen wird schnell klar, dass es bei dieser „Ermittlung“ auf gar keinen Fall darum geht, die echte, objektive Wahrheit herauszufinden, sondern die Beobachtungen der Flieger als Einbildung, technische Fehlfunktion, Wichtigtuerei oder all of the above zu diskreditieren. Trottman, der Chef der SI-Truppe, und seine Schergen reiten insbesondere darauf herum, dass niemand nie nicht nichts davon gehört hätte, dass zwei Kampfjets abgängig seien. Und die Verhörspezialisten der SI werden die Piloten solange grillen, bis sie genügend widersprüchliche Aussagen gehört und aufgezeichnet haben, um den Vorfall launig unter den Teppich kehren zu können.

Moore ist indes in den Besitz einer verstümmelten Funknachricht gekommen, in der Bishop über das Verschwinden der zwei Jets berichtet. Mehr denn je davon überzeugt, dass hier eine großangelegte Vertuschungsaktion läuft und ausgesprochen besorgt um die Sicherheit seiner Männer, beginnt Moore gegen den erklärten Willen seiner Vorgesetzten (und den Rat seines Adjutanten, der nicht nur um die Karriere des Colonels, sondern auch seine eigene fürchtet) selbst zu recherchieren und ermittelt anhand der vorliegenden Daten und einem alten Stützpunktverzeichnis, wo Bishop gelandet sein muss. Also sattelt er Adjutanten und Wagen und bricht dorthin auf, um persönlich zu kucken, was Sache ist. Das unerwartete Auftauchen des Colonels durchkreuzt Trottmans Pläne, bringt ihn aber nicht aus der Fassung – auch nicht, dass Bishop einen Fluchtversuch unternimmt…

Inhalt:

Ich glaube, ich habe es verschiedentlich schon erwähnt, ich bin ein großer Fan amerikanischer Fernsehfilme aus den 70ern – fraglos eine Blütezeit dieses speziellen Formats, was vor allem daran liegt, dass die amerikanischen Networks in diesem Jahrzehnt eine enorme Bandbreite anboten, was relativ solide gearbeitete Filmkost mit respektablen Besetzungen angeht, und neben den klassischen Liebesgeschichten, True-Life-Stories und Dramen auch immer wieder vorsichtig in Genres lugten, die man der Fischkiste seinerzeit gar nicht zutrauen mochte – Thriller, Horror, SciFi. Die Sender mochten nicht die finanziellen Mittel haben, um wirklich große Genre-Filme zu stricken, und aufwendige Special Effects fielen aus dem gleichen Grund aus, wobei speziell im Horror-Bereich „standards and practises“, die mehr oder minder freiwillige Selbstzensur der Sender, gar nicht erst erlaubte, dass graphische Gewalt o.ä. gezeigt werden konnten – aber im Idealfall konnten clevere Autoren und/oder Regisseure mit Enthusiasmus und Einfallsreichtum die Limitierungen des Formats konterkarieren – bestes Beispiel dafür ist und bleibt Dan Curtis, der mit „The Night Stalker“ oder „Trilogy of Terror“ Horrorklassiker schuf, die sich auch auf der großen Leinwand gut gemacht hätten. Klar, auf jeden Volltreffer kamen fünf Rohrkrepierer oder höchst durchschnittlicher Kram wie „Moon of the Wolf“ oder „Snowbeast“, aber das Rosinenpicken macht zumindest mir in diesem Teilgebiet durchaus Spaß.

Und so kam es dann auch, dass ich neulich, beim Durchforsten der Filmografie von Glenn Ford für das „Raw Nerve“-Review auf „The Disappearance of Flight 412“ stieß, einen weitgehend unter dem Radar (haha) durchgeflogenen kleinen TV-Film von 1973 mit einem erstaunlich namhaften Cast (auch wenn die meisten „name actors“ ihren Ruhm erst nach diesem Auftritt begründen sollten) mit UFO-Thematik. Für sowas bin ich doch immer gern zu haben und so landete die DVD flugs in meinem virtuellen Einkaufskörbchen. Das sind dann die Momente, in denen ich doch dankbar dafür bin, dass die Suche nach einem obskuren Film nicht ein Dutzend Mithelfer auf drei Kontinenten beansprucht, sondern nur zwei bis drei Klicks bei amazon.com.

Es liegt, gerade bei den finanziellen und technischen Möglichkeiten eines TV-Senders in den frühen 70ern, auf der Hand, dass ein Film wie „The Disappearance of Flight 412“ sich nicht speziell auf die SF-Elemente der Geschichte stürzen wird. Die UFO-nicht-wirklich-Sichtung ist hier eher Mittel zum Zweck, um einen zeitgemäßen Verschwörungs- und Vertuschungsthriller vom Zaun zu brechen, wie er in dieser Ära, der Zeit von Nixon und Watergate, als Medien und Bevölkerung zu begreifen begannen, dass ihrer Regierung schlichtweg *alles* zuzutrauen ist.

Das Script der Autoren George Simpson („Highway 66“) und seinem regelmäßigen Kollaborationspartner Neal R. Burger, die beide zudem juxigerweise auch noch als Sound-Editoren und –Designer, auch für große Filme wie „Total Recall“ oder „Hard Target“ tätig waren, und die Regie von Jud Taylor (ein Fernsehschauspieler, u.a. aus „Auf der Flucht“, der ins Regiefach wechselte und auch einige der originalen „Star Trek“-Folgen inszenierte), bemüht sich um einen dokumentarischen Ansatz. Gleich zu Beginn wird uns ein paar Minuten „authentische“ UFO-Footage um die Ohren geschlagen, begleitet von einem uns auch danach über mehr oder weniger wesentliche Entwicklungen unterrichtenden seriösen Erzähler, der gemeinsam mit den ständigen Zeit- und Ortseinblendungen für die notwendige Ernsthaftigkeit sorgen soll. Soweit, den Inhalt des Films als bare Münze auszugeben und sich damit ins Gefilde der Mockumentaries zu begeben, geht der Streifen dann allerdings doch nicht.

Es ist sicher kein Film der großen Schauwerte – die Luftaufnahmen sind eher mäßig und wenn nicht mit billigen optical effects gewerkelt, schiere (gerne auch nicht zusammenpassende) stock footage, die dann auch bei sich bietender Gelegenheit wiederholt eingefiedelt wird. Aber das ist ja auch nicht unbedingt der Punkt, den der Film zu machen gedenkt. Die eigentliche Geschichte ist ja die des „government cover-up“ auf zwei Ebenen – der Versuch, die Piloten durch die permanente Befragung psychologisch so weit zu brechen, bis sie die gewünschten Aussagen machen auf der einen Seite, das Abblocken jeglicher Anfragen von Moore – die Sorte Vorgesetzter, die man sich wünscht, der Regeln und Befehle auch mal Regeln und Befehle sein lässt, wenn es darum geht, seine Untergebenen zu schützen – auf der anderen Seite. Trottman und seine SI-Schergen sind dabei auch keine echten „Schurken“ im Wortsinne, sie haben ihre Befehle im Namen der nationalen Sicherheit zu handeln und haben genauso wenig alle Informationen wie die von ihnen Befragten oder Colonel Moore (und die strikte Anweisung, keine physische Gewalt anzuwenden – dass „psychische Gewalt“ auch Gewalt ist, kommt ihnen allerdings nicht in den Sinn…

Bishop und seine Jungs haben dann auch keine Chance gegen das „System“ – sie werden, auch wenn ihnen mal grad kein Verhörexperte gegenüber sitzt, kamera- und mikrofonüberwacht, jeder ihrer Schritte verfolgt, alle ihre Überlegungen mitgeschnitten – so hat dann auch Bishops Ausbruchsversuch keine Erfolgsaussicht; bis Bishop überhaupt die Tür überwunden hat, weiß Trottman längst, was er vorhat. Moores Erscheinen wirft nur kurzfristig einen Stock in die Speichen der Geheimoperation – er lässt den Colonel einfach in ein „Wartezimmer“ verfrachten, bis er mit den Piloten fertig ist. Trottman dürfte auch wissen, dass Moore keine große Gefahr ist, weil blöderweise sein direkter Vorgesetzter auch der Chef des Geheimprogramms ist und damit die direkte Möglichkeit hat, etwaige Aufmüpfigkeiten des Colonels zielgerichtet zu unterdrücken.

Man kann kritisch anmerken, dass der Film nicht wirklich zu einem pay-off führt – die Männer werden verhört, geben irgendwann mal Aussagen an, die Trottman zufrieden genug stellen, um sie gehen zu lassen, und von Moore in Empfang genommen. In einer Epilogsequenz stellen Moore und drei der vier Piloten (der vierte hat keinen Bock auf Ärger und wird prompt befördert) den zuständigen General zur Rede, ohne dass dabei gewichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Ja, es gibt eine Vertuschungsaktion, ja, es ist wegen UFOs. Das wussten wir mit unserem Wissensvorsprung vor Moore auch so. Aber es ist ja durchaus ein Merkmal des 70er-conspiracy-Thrillers, dass das System am Ende „gewinnt“, auch wenn der einzelne Held die Verschwörung durchschaut haben mag.

Während Trottman und seine Männer größtenteils „spooks“ bleiben, erhalten die Piloten zumindest rudimentäre Charakterisierungen und Persönlichkeiten, so dass sich dadurch Konflikt und Drama bilden kann. Schließlich ist der Film in gewisser Weise ein „Kammerspiel“, da zumindest ein Handlungsstrang praktisch ausschließlich in den (ordentlich vermüllten) Räumen der verlassenen Airbase spielt. Taylor und sein Kameramann, der Emmy-nominierte Robert Hauser (hauptsächlich für den kleinen Schirm tätig, aber auch Fotograf von „Ein Mann, den sie Pferd nannten“ und „Das Wiegenlied vom Totschlag“), wissen, dass ihre Kulisse jetzt nicht per se wunderbar fotogen ist und bemühen sich, durch originelle Winkel Abwechslung in die Optik zu bringen. Etwas irritierend ist ein seltsamer Abdunklungseffekt unmittelbar vor Szenenwechseln, von dem ich nicht weiß, ob er ein bewusst gesetztes Stilmittel oder eine technische Fehlleistung ist (ich glaubte ursprünglich an einen Fehler des mir vorliegenden Prints, aber das scheint ein grundsätzliches „Feature“ des Films zu sein, wenn man den Stimmen im Netz glauben darf).

Ganz grundsätzlich ist „The Disappearance of Flight 412“ ein echter „talkie“, in dem praktisch alle Plotentwicklungen (sofern man davon ausgehen will, dass der Film einen Plot hat, der entwickelt wird – da gibt es durchaus andere Ansichten und ich erkenne durchaus an, aus welcher Richtung die kommen) in Dialogform präsentiert werden. Der Film würde praktisch 1:1 auch als Hörspiel funktionieren, dafür sorgt schon der omnipräsente Erzähler.

Der Cast ist, wie schon gesagt, ziemlich prominent, wenn auch zum überwiegenden Teil erst durch künftige Leistungen. Das gilt natürlich nicht für den verlässlichen Glenn Ford, der eine Rolle wie den Colonel Moore im Schlaf spielen könnte, es aber glücklicherweise nicht tut. Ford ist die Idealbesetzung für den aufrechten Soldaten, der wohl nicht zum ersten Mal seine Nase in Dinge steckt, die ihn eigentlich nichts angehen (weswegen es eben auch nichts ausmacht, dass Ford älter aussieht als ein Colonel im üblichen Lauf der Beförderungen sein sollte), und die Verantwortung für die ihm unterstellten Männer ernst nimmt. Bradford Dillman („Feuerkäfer“, „Dirty Harry III/IV“, „Falcon Crest“) hat trotz hohen Billings als Fords Adjutant Major Dunning nicht viel zu tun (er ist sozusagen das personifizierte Spannungsfeld aus „blind Befehlen gehorchen“ und „Moores Recherchen unterstützen“ und hat daran zu knabbern, dass er selbst schon mal in den Griffeln der Spezialabteilung gelandet war). Der ewige Hutch David Soul ist als renitenter Captain Bishop ganz prima, Robert F. Lyons („Angel kehrt zurück“, „Platoon Leader“, „Murphys Gesetz“) gibt entgegen seines späteren Hartmax-Images hier mit Riggs das „schwache Glied“ in der Pilotenkette. Als Trottman reüssiert Guy Stockwell, der ältere Bruder des bekannteren Dean, zu sehen u.a. in „Airport 75“ oder „Santa Sangre“, der den zwielichtigen Geheimmurkser adäquat verkörpert. Als einer von Stockwells Handlangern stellt sich J.R. Ewings ewige Nemesis Ken Kercheval nicht sonderlich eindrucksvoll vor. Übrigens ergriff Glenn Ford die günstige Gelegenheit und ehelichte 1977 seine hiesige Filmgemahlin Cynthia Hayward.

Die mir vorliegende US-DVD drückt sich um jede Publisherangabe und klatscht auch schlicht und ergreifend nichts anderes als den Film in zumindest anseh- und hörbarer Bild- und Tonqualität auf die Scheibe. Der Freund des old-schooligen Fernsehfilms muss damit halt leben, besseres gibt’s nicht und wird’s wohl auch nie geben.

Am Ende erfindet „The Disapperance of Flight 412“ das UFO-Sichtungs- oder Verschwörungs-Genre sicher nicht neu, aber wer für die Sorte Film und einen ernsthaften, semidokumentarischen Ansatz ein Faible hat, wird hier 70 Minuten solide unterhalten und kann sich an einer ganzen Fuhre bekannter Gesichter der zweiten oder dritten Reihe erfreuen.

© 2019 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 5

BIER-Skala: 5


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