The Black Room


  • Original-Titel: The Black Room
  •  
  • Regie: Roy William Neill
  • Land: USA
  • Jahr: 1935
  • Darsteller:

    Boris Karloff, Marion Marsh, Robert Allen, Thurston Hall


Vorwort:

Und noch mehr historischer Surrogathorror…

Dieses Mal sind wir im Tirol des späten 18./frühen 19. Jahrhunderts. Baron von Bergman ist alles andere als glücklich über die Geburt von Zwillingssöhnen – eine alte Prophezeihung besagt nämlich, dass in einem solchen Fall der jüngere den älteren Bruder umbringen und damit das Ende des Geschlechts heraufbeschwören würde.

So ungefähr dreißig Jahre später (was den Effekt hat, dass Karloff mal nicht eine Rolle spielt, die ihn älter macht als er tatsächlich war, sondern als… naja, Mittdreißiger durchgehen soll, obwohl er schon auf die 50 zuging) – die Brüder haben das Dilemma halbwegs zu lösen versucht. Gregor regiert, und der jüngere Anton genießt das Leben eines Bohemian in Budapest. Gregor ist allerdings bei seinem Volk ungefähr so beliebt wie eiternder Ausschlag, was a) an seinem tyrannischen Herrschaftsstil liegt und b) an dem über dem Landstrich wabernden Gerücht, Gregor würde junge attraktive Frauen entführen lassen und dann umbringen. Ein Gerücht, das, wie sich schnell für uns herausstellen wird, vollumfänglich den Tatsachen entspricht. Gregor ahnt, dass ihn früher oder später ein amtlicher Bauernaufstand aus Amt, Würden und mutmaßlich Leben spülen wird, also holt er Anton, der seit Geburt unter einem gelähmten Arm leidet, zurück. Der jüngere Bruder ist nämlich ein allgemein anerkannter Menschenfreund und als die Revolution wenig später kommt, überrascht Gregor mit einer unproblematischen Abdankung zugunsten Antons. Selbstverfreilich hat Gregor nicht auch nur im Ansatz vor, sich ins Privatleben zurückzuziehen – er zeigt Anton den ominösen schwaren Raum und insbesonder die dortige Grube, in der er alle seine Opfer zu entsorgen pflegt. Anton gesellt sich rasch hinzu. Jetzt muss Gregor nur seine Frisur etwas richten und daran denken, seine rechte Flosse „gelähmt“ zu halten und schon kann er als beliebter Regent die Früchte seiner Arbeit genießen, i.e. eine Ehe mit der feschen Tochter von Oberst Hassel, die allerdings nun wiederum lieber mit dem nicht minder feschen Husaren Lussan liiert ist. Als Hassel Gregors Geheimnis entdeckt, ist es nicht schwer, den alten Oberst zu ermorden und, hat der sich doch mehr oder minder öffentlich tierisch über das Eheansinnen des Barons beklagt, die Tat Lussan in die Schuhe zu schieben. Die Hochzeitsglocken läuten schon…

Inhalt:

Ich bin mir ehrlich nicht ganz sicher, ob das Karloffs einzige Doppelrolle war, zumindest aber ist es als solche auf alle Fälle bemerkenswert; mit minimal anderer Mimik, Gestik und Make-up gelingt es ihm wirklich, zwei völlig unterschiedliche Charakter zu verkörpern – den sadistischen, von Grund auf bösen Gregor und den freundlichen, dabei aber schon zu naiven Anton. Auch technisch sind die Szenen, in denen beide Bergman-Brüder zusammen zu sehen sind, für Baujahr 1935 anständig gelöst. Der Film selbst, obschon mit einer interessanten Story ausgestattet, ist leider etwas langsam und reich an Gesprächen, doch arm an wirklichen Höhepunkten, und die ziemlich schwerhändige Art, mit der „The Black Room“ sein Ende antelegrafiert, dürfte heutiges Publikum auch nur schwer begeistern. Handwerklich ist das schon in Ordnung – mit der Ausnahme, dass „Tirol“, sobald nicht mehr auf einem Studio-Backlot vor Alpen-Wandtapete gedreht wird, sondern „on location“, verdächtig nach dem Bronson Canyon aussieht, da helfen auch die dekorativ aufgestellten Wegkreuze und Marterln nicht wirklich weiter.

Als Spannungsfilm eher durchgefallen, aber Karloff zeigt, was er kann.

3/5
(c) 2016 Dr. Acula


mm
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