Terror Vision

 
  • Deutscher Titel: Terror Vision
  • Original-Titel: The Rebel Rousers
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  • Regie: Martin B. Cohen
  • Land: USA
  • Jahr: 1970
  • Darsteller:

    Paul Collier (Cameron Mitchell)
    J.J./Frank „Sugar“ Weston (Bruce Dern)
    Karen (Diane Ladd)
    Bunny (Jack Nicholson)
    Randolph Halverson (Harry Dean Stanton)
    Biker (Neil Burstyn)
    Biker (Lou Procopio)
    Biker (Earl Finn)
    Stadtbewohner (John „Bud“ Cardos)
    Miguel (Robert Dix)


Vorwort

Zu den Begleiterscheinungen des DVD-Booms gehört es, daß vor allem kleinere Label, die hin und wieder mal was anderes als Güllefilme aus Italien oder Action-Schrott von PM veröffentlichen müssen, gerne mal in den Archiven wühlen und Jugendsünden heutzutage bekannter Akteure ans Licht bringen, die eigentlich mit gutem Grund der Vergessenheit anheim gefallen wären. Dazu wird schnell ein fetziger Covertext geschrieben und ein reißerischer neuer Titel erfunden und schon wird aus einem fast vier Dekaden alten fix hingekurbelten Biker-Quickie ein „packender Actionfilm mit drei Weltstars“, in dem „eine amerikanische Kleinstadt zur Hölle“ wird.

Man mag fast nicht glauben, was sich in The Rebel Rousers, einer klitzekleinen Ultra-Low-Budget-Produktion, die bereits 1966 entstand, aber erst 1970, nachdem Jack Nicholson in Easy Rider seinen Durchbruch feierte, unters Volk gebracht wurde, tatsächlich abspielt… aber dafür habt Ihr ja Euren treuen alten Doc, der sich so ziemlich jeden Film mindestens einmal ansieht, also auch Terror Vision (boah, klingt wirklich gruselig, aber irgendwie mehr nach einem schlechten SF- als nach einem schlechten Biker-Film…).


Inhalt

Durch die Wüste Arizonas brettert ein Haufen gar wilder Rocker über die Highways, fällt johlend in eine Kleinstadt (hm, was man so Kleinstadt nennt… „Dorf“ wäre schon fast ein zu hoch gegriffenes Wort für die paar armseligen Gebäude) und erschreckt die braven gesetzestreuen Bürger. Der Chef der Rockerbande, der je nach Sprachfassung auf den Namen J.J. oder Frank, aber in beiden Versionen auf den ungeheuer rocker-harten Spitznamen „Sugar“ hört ([Krassomat-Modus]Is ja voll schwul[/Krassomat-Modus]) hört, entdeckt ein bekanntes Gesicht – seinen alten Schulkameraden Paul, der gerade seine Flossen-Limousine (ja, das ist ein Film aus den 60ern…) einparkt. Ooookay, Paul sieht zwar ungefähr zwanzig Jahre älter aus als Sugar (und schauspielertechnisch ist das auch so), aber mein Gott, vielleicht war Paule ja immer ein etwas langsamerer Lerner, wie sang schon Julie Brown in Earth Girls Are Easy: „Right now I´m a freshman in my fourth year at UCLA“). Paul verdient seine Kohle spießig-fein als Architekt und Sugar, naja, you know, he manages… Und weil Sugar der vermutlich spießerfreundlichste Rocker des Universums ist, lädt er den alten Kumpel ein, doch später mal in der örtlichen Trinkhalle auf ein Glas kalte Milch vorbeizuschauen. Ich mach mir vor Sugar schon jetzt ins Knie.

Paul hat aber eigentlich andere Sorgen, er sucht sein abgängiges Eheweib Karen und vermutet sie zurecht in der Obhut ihres gemeinsamen hiesigen Freundes John, der für Karen eine Wohnung hergerichtet hat. Die Dame selbst ist aber nicht inhäusig, sondern „am Meer“ zugange (eeeeh???? Muß die erste Kleinstadt Arizonas mit eingebautem Pazifiksandstrand sein. Sagt mir doch, daß das ein Fantasy-Film ist…).

Sugar und seine Biker mischen dieweil die Bar auf… najaaaa, also friedlichere Biker hat man schon lang nicht mehr gesehen. Abgesehen davon, daß Sugar seine Mühle direkt vor der Theke abstellt und die Jungs und ihre beiden Alibi-Matratzen sich vielleicht ein wenig lauter als der durchschnittliche Wüstenbewohner aufführen, ist das ganze nicht viel ausschweifender als die Weihnachtsfeier der Wiener Sängerknaben (bei denen geht´s vermutlich wilder ab). Dieweil inspiziert Paul Karens Bude und blickt ein wenig grummelig auf eine dort abgestellte Kinderwiege. Schatzi herself frolict indes am Strand (naja, irgendwie ist ´ne Wüste ja auch nichts anderes als ein breiter Sandstrand…).

Die Stimmung in der Kneipe erreicht zwischenzeitlich den Höhepunkt… zu 60er-Surf-Mucke tanzen sich die Biker (die alle ungefähr so gefährlich aussehen wie Weißbrot und lediglich durch ihre Südstaaten-Flaggen-Patches eindeutig als Biker identifizierbar sind… einer der Knaben, peinlicherweise für Harry Dean Stanton sein Charakter, trägt sogar einen 40er-Jahre-Anzug samt Melone o.ä. geschmackloser Kopfbedeckung) den Wolf und poussieren mit zwei einheimischen Chicks (wieso die am hellichten Tag z.B. silberfunkelnde Kleider tragen, weiß ich auch nicht, aber vielleicht ist das ja in dem Kaff dress code). Biker-Fußabtreter Candy darf auf dem Tresen strippen (aber weil wir uns in einem züchtigen Film befinden, nur bis zum BH… und jetzt alle zusammen: BUUUUH!) Camilla, einem der lokalen Girls, wird die Sache etwas zu bunt, als einige der gutgelaunten Rocker sie ebenfalls zu einer kleinen Tresenstep-Einlage „überreden“ wollen, hängt sich ans Telefon und unterrichtet Sheriff Rico (hab leider aufgrund der Creditsituation keinen Plan, ob das „Miguel“ aus den US-Credits ist… Robert Dix kenn ich ehrlich gesagt nicht persönlich) – „Die schlagen hier alles kaputt“ (ich wußte immer, daß Frauen IMMER übertreiben… zu Bruch gegangen ist in dem Laden noch nicht mal ein Glas). Rico sieht aus wie ein vierzig Jahre zu spät gekommener Clark-Gable-Verschnitt auf Mexikanisch, weckt seinen vertrottelten fetten alten faulen Hilfssheriff Pancho (der aber nu gar nicht mexikanisch aussieht) und schreitet zur Gesetzeshütung. Daß die komplette Law-and-Order-Brigade der „Stadt“ einen motorisierten Ausflug unternimmt, scheint ein derart denkwürdiges Ereignis zu sein, daß den Passanten fast die Augen aus dem Schädel fallen und der sichtlich einzig vorhandene Kurze, ein Bengel namens Nino, sofort zum Schaulusten aufbricht, denn „da ist sicher was los!“ In der Stadt scheint´s verdammt langweilig zuzugehen.

Rico verschafft sich mit ein paar Warnschüssen Gehör bei den party-feiernden Bikern und befiehlt sofortige Stadtverlassung. Sugar erkundigt sich – durchaus berechtigt, wenn man mich fragt – warum, schließlich habe man nix verbrochen. Dem Sheriff, offenbar ein Anhänger von Präventivschlägen, ist das wurscht. Wie´s echte Hardcore-Hells-Angels sicher auch tun würden, gibt Sugar sofort klein bei, hält aber noch eine eloquente Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit-Ansprache, die Martin Luther King gefallen hätte, bevor die Biker johlend-lärmend „zum Strand“ aufbrechen (sofern die Hälfte der Brigade nicht sichtlich zu blöde wäre, ihre Schüsseln überhaupt in Gang zu bringen… mann, sind das BIKER!) Weil unseren Drehbuchautoren einfällt, daß die Rocker wohl als „Böse“ gedacht sind, schubsen zwei Nachzügler brutal den armen kleinen Nino zu Boden, der sich dabei bestimmt nicht mal ´ne Schürfwunde zugezogen hat. Man, those guys are evil. Und noch more evil ist, daß sie Karen, die grad auf dem Weg vom Strand in ihre Behausung ist, noch ein bißchen anmachen. „Ihr solltet euch schämen,“ meint Karen. Recht so, Mädel, denen hast du´s gegeben!

Stichwort „geben“, tja, geben kann sie´s gleich auch Paul, der in ihrer Bude auf sie wartet und ihr vorwirft, ihn fünf Monate nach ihr suchen zu lassen – kleiner Tip, Paul: die Tussi hat dich VERLASSEN! Und falls Ihr genau so wie auch ich gespannt wie die Flitzebögen auf die dramatische Enthüllung wartet, warum denn nu, werft bitte einen kurzen Blick auf Karens Taillenumfang – die Schnalle hat ´nen Braten im Ofen, wie man so schön sagt, und das schon mindestens ein halbes Jahr lang. Und weil sie den Blagen austragen will, Paul aber, being verantwortungslos und Schwanzträger and stuff leichtfertigerweise auf Abtreibung plädiert hatte, mag sie ihn nun nicht mehr sehen und da ändert auch nix dran, daß Grobmimiker Paul sich´s mittlerweile anders überlegt hat und sich sowohl mit krakeelendem nächteverkürzendem Nachwuchs als auch Trauschein anfreunden könnte. Die gegenseitigen Vorwürfe und Bittstellungen gehen natürlich soweit, bis einer weint, oder sogar beide. Also, falls Cameron Mitchell oder Diane Ladd auf ´ne Oscar-Nominierung für diese Szene gewartet haben… nee, Leute, wirklich nicht (und übrigens: Diane Ladd sieht in diesem Film irgendwie gar nicht gut aus… presumably war sie wirklich schwanger und nicht in Top-Form. Möglicherweise beinhaltet der Film sogar eine pränatale Performance von Laura Dern, dem Sproß von Diane und Co-Star Bruce Dern; da nicht ganz klar ist, wann der Film nun wirklich gedreht wurde, kann man das nicht verifizieren. Aber wichtig isses ja eigentlich auch nicht).

Sheriff Rico unterhält sich mit dem lokalen Paster, einem schätzungsweise zweihundertfuffzich Jahre alten Sack in Mönchskutte – für die Rolle hätte ich mir auch John Carradine gut vorstellen können. Der Pater Patrone beschwert sich, daß Rico sich schon lang nicht mehr für´ne Beichte hat blicken lassen, aber Rico hat ja sooooooooviel Arbeit (hat man gesehen, hat man gesehen… wenn die ganze Stadt zum Volksauflauf zusammenkommt, nur weil Rico seiner Polizeischleuder mal Auslauf gönnt, ist Rico sicher Tag und Nacht im Dienste der Gerichtigkeit im Einsatz. Vielleicht hat er ja ´ne geheime Superidentität, die ihn auslastet). So müsse er z.B. dringend einen Knacki ins Gefängnis schaffen. „Du willst uns doch nicht mit Pancho alleinlassen?“ fällt dem Priester fast der Heiligenschein von der Rübe. Irgendwie schon… als Ausgleich für die erwiesene Inkompetenz des fetten Pancho soll der Pater doch bitte zur moralisch-theologischen Unterstützung als Ricos Vertretung einspringen. Ja, klar. Moment mal, ich geh kurz sterben.

Vom Sterben wieder zurück, berichte ich weiter. Die Biker haben sichtlich dieweil mehrere Bundesstaaten zwischen sich und die Wüste gebracht, jedenfalls sind sie jetzt in heftig begrünter Landschaft und Meeresnähe (latürnich soll das nixdestotrotz die unmittelbare Nachbarschaft unseres Wüstenkaffs darstellen). Wie eine Horde Kindergartenkids, die noch nie in ihrem Leben echtes Wasser gesehen haben, tollen die taffen Rocker zum Strand (und Sugar freut sich wie ein Schneekönig, daß es ihm gelingt, die knapp 10 Meter Höhenunterschied von Feldweg zu Strand bei einem Gefälle von vielleicht 15 Prozent halbwegs unfallfrei mit seiner Mühle zu absolvieren – rätselhafterweise finden seine Bikerkollegen dies äußerst applaudierenswert). Wie bei Kindergartenkids so üblich, geraten sich ein paar der Rocker wegen irgendeiner Nichtigkeit heftig in die Wolle und beginnen eine Prügelei. Sugar greift mit gestrenger Miene und bösen Worten ein: „Hier kann doch nicht jeder machen, was er will!“ (Irgendwie dachte ich mal, das wäre so ungefähr der Grund, warum man Rocker wird?). Er erteilt einem seiner Untergebenen, einem gewissen Django, einen strengen Verweis und die Auflage, sich zu seiner Maschine zu trollen. Hart, aber ungerecht, der Mann. Django trollt sich, aber nicht wie befohlen zu seinem Bike, sondern zu einem Strandspaziergang auf eigene Faust. Ein Kumpel Djangos, dessen Namen, so er einen hat, ich nicht mitbekommen habe, begleitet ihn und Harry Dean Stantons Lächerlichkeit von Charakter (der möglicherweise sogar schwul sein soll), Randolph Halverson, schließt sich entgegen Sugars Willen an. Ja, der Mann hat seine Truppe fest im Griff. Bläh.

Paul und Karen verblüffen uns – eigentlich hat Paul ja eine 1-A-Abfuhr mit Schleife bekommen, aber jetzt sitzen beide in Pauls Gefährt und cruisen durch die Gegend. Gibt Paul noch mehr Gelegenheit, Schwof wie „Ein Kind braucht einen Vater“ abzusondern, weil es doch für ein uneheliches Kind schwierig in der Gesellschaft sei. Karen, die m.E. aber auch durchaus mindestens einen Sprung in der Schüssel hat, ist auf dem „ich-leb-nur-für-mein-Baby“-Trip (argh, ich kenne solche Leut´) und verbittet sich jeglichen weiteren Annäherungsversuch. Wie´s der Zufall so will, verreckt Paules Karre in Laufnähe des Strandes und wer kommt da zufälligerweise vorbei? Django und seine Kumpel, und die wollen nicht gerade Pannenhilfe leisten, sondern Karen an die Wäsche (okay, ich billige ihnen zu, daß man von draußen noch nicht unbedingt sieht, daß die Schnalle schwanger ist). Zwar verriegelt Paul geistesgegenwärtig die Türen und bekommt Karen ebenso geistesgegenwärtig eine Panikattacke, aber Django weiß sich zu helfen und zerschmettert eine Seitenscheibe, worauf Paul gefolgsam aussteigt und dumm rumsteht, während Django versucht, sich an Karen zu schaffen zu machen (ein echter Held, unser Paul). Wer weiß, was schreckliches passieren würde, täte sich nicht Sugar materialisieren und Django und Co. erneut rüffeln: „Warum machst du nur immer wieder so was?“ (So spricht man mit Kleinkindern, ergo=it figures). „Aus Spaß an der Freude,“ keift Django, aber ein paar gestrenge Worte des großen weisen Führers Sugar später sind Django und seine Freunde arg geknickt und zerknirscht und versprechen, den streikenden Wagen umgehend zu reparieren. Sugar lädt seinen alten Buddy und sein Weib auf eine Runde Smalltalk am Strand im Kreise der übrigen Biker ein. Dort sind alle suuupernett, so z.B. der heftig meditierende Peter, man süffelt Dosenbier und selbst Karen kauft Django (die Reparatur ging fix, boah, die Jungs sollten bei pitstop anheuern) ab, daß alles nur ein gar witziges Späßchen gewesen sei. Alles prima, alles lustig, bis Bunny (Jack Nicholson in den geschmacklosesten Zebrahosen der Filmgeschichte… und ja, die Rocker haben, eh, wahnsinnig taffe Namen, wären nicht die Kollegen Django und Viper dabei, würde ich die Bande echt für ´ne Vorschulgruppe halten) eine kleien Badeeinlage vorschlägt. „Ich hab keinen Bikini dabei,“ protestiert Karen (und, for the record, schwangere Frauen im Bikini sind nicht immer ein echter Hingucker, aber irgendwie scheint keiner der Kerle zu raffen, warum das Mädel einen gewaltigen Ranzen vor sich herschiebt), aber Bunny sieht das locker: „Wir baden immer nackt“. Sugar ahnt, daß die Situation außer Kontrolle zu geraten droht und rät seinem alten Freund nebst Weib, sich unauffällig, aber schleunigst zu verpissen (warum hast du sie überhaupt hergebracht, Pfeife?) Das mögen Django und Bunny aber gar nicht akzeptieren, Django zieht sogar seine Kanone und richtet sie auf den verblüfften Sugar. Den Chef so ausgeschaltet, vertrimmen Django, Bunny und der Typ, dessen Namen ich schon vorhin nicht wußte, Paul nach allen Regeln der Kunst – Karen kreischt hysterisch, Sugar steht hilflos in der Gegend rum und murmelt von „kaltblütigem Mord“ und „ihr seid auch noch darauf stolz“. Paul liegt halb- bis dreiviertel tot im Staub und Bunny entschuldigt sich herzlich: „War doch nur Spaß!“ Ein fideles Bürschchen, zweifellos (naja, Jack Nicholson hat, wann war der schon mal normal im Oberstübchen?)

Es folgt eine der rätselhafteren Szenen des Films. Rico spielt mit dem Gefangenen Manuel, jenem, den er ins offizielle Gefängnis überstellen soll, eine Partie Dame, schlägt ihn und deutet an, daß es nu Zeit zu gehen wäre. Worauf ihm Manuel AUS DER ZELLE den Schlüssel reicht und Rico das Verlies aufschließt. Scheint ´ne Art Do-it-yourself-Jail zu sein (wenn ich jemals verknackt werde, will auch auch einsitzen, wo man den Zellenschlüssel in die Hand gedrückt bekommt).

Paul ist immer noch dreiviertel tot und Karen sieht ja ein, daß alles nur ein Spaß war, wenn doch jemand mal bitte einen Arzt organisieren würde. Bunny und Sugar sind wieder Kumpels, aber Sugar macht nur gute Miene zum bösen Spiel, denn sein „leicht reizbarer“ Mitbiker will immer noch gerne Karen abschmatzen. Sugar geht wieder dazwischen, Karen wird wieder hysterisch und läßt sich von seinen „ich-will-dir-nur-helfen“-Sprüche wenig beeindrucken (kann ich auch irgendwo verstehen). Da Bunny weiterhin schwere Besitzansprüche auf Karen erhebt (himmelherrgotthaxen, sieht den keiner, daß die SCHWANGER ist? Habt ihr alle ´nen Pregnant-Fetisch?), sieht sich Sugar zu einem Machtwort gesprochen – ein Motorradrennen soll entscheiden, wer Karen über Nacht behalten darf. Bis zur Entscheidung dürfe aber niemand Karen angrabschen und beim Rennen darf auch nicht geschummelt werden, ansonsten droht lebenslanger Ausschluß aus der Gruppe (mein Gott, das ist so HART!). Candy wird abkommandiert, auf Karen aufzupassen und wird prompt um Hilfe gebeten. „Warum läufst du nicht einfach weg?“ stellt Candy die unvermeidliche Gretchenfrage, die ich mir auch gerade gestellt habe, schließlich sind die Biker mit den Rennvorbereitungen beschäftigt, aber natürlich mag Karen ihren Paul nicht im Stich lassen (oookay, du könntest also nur in Ruhe abdampfen, die Bullen und ´nen Doktor alarmieren, aber is schon besser so, jaaa…).

Die Regeln des Rennens sind offenbar so einfach, daß ich sie nicht kapiere. In irgendwelchen K.O.-Duellen treten die Biker gegeneinander an, um ein paar hundert Meter betont langsam den Sandstrand entlangzufahren, an einer Wendemarke aufeinander zu warten und dann wieder zurückzuzockeln. Zumindest sieht das so aus. Und nötigenfalls wird auch an der Wendeboje mal der Fahrer gewechselt – Peter, glaub ich, wechselt Candy ein (selbst Django fragt: „Nanu, ist die lesbisch?“) Wer da nun gegen wen gewinnt, könnte ich auch mit einer Punktetabelle nicht wissenschaftlich ermitteln. Warten wir´s ab, Finale muß ja eh Bunny gegen Sugar sein, sonst bringt der ganze Spaß ja nix. Während die Biker also ihren bescheidenen Frohsinn haben, erwacht Paul aus dem Koma, ist sofort wieder voll da, bedeutet Karen, die Klappe zu halten und kraucht von hinnen (äh? Sehr treusorgend, dieser Ehemann). Django und Wiewarnochseinname bemerken die Kriechflucht und verfolgen, schließlich könnte der ja glatt die Bullen holen (ach, warum denn? Nur wegen Mordversuch, angedachter Vergewaltigung etc. pp.?) Sugar kuckt nachdenklich: „Er wird nicht weit kommen, aber er hat allen Grund, die Bullen zu alarmieren.“ Womit die Sache für Sugar erledigt ist (hat der einen geheimen Todeswunsch?). Dem angeblich halbtoten Paul gelingt es relativ mühelos, sein Auto zu erreichen und seine Verfolger auf den Motorrädern nach einer waaaahnsinnig intensiven ungefähr zwanzigsekündigen Verfolgungsjagd abzuschütteln, weil die beiden Herren eindeutig zu dämlich sind, um ein Kraftrad führen zu dürfen (Wieheißternoch z.B. fällt seine Mühle einfach während der Fahrt um – bumm, dumm. Sollte man vielleicht Schauspieler bzw. Stuntman anheuern, die wenigstens den Mopedschein haben?)

Django und Schießmichtot kehren also mit leeren Händen zurück, was Sugar nicht weiter kratzt: „Ist ja eh eure Schuld.“ Die Kollegen Motorradrocker stehen auf dem Standpunkt, daß Sugar als Boß der Band irgendwas boßmäßiges unternehmen sollte, aber der will lieber mit Karen spazierengehen. Die mag zwar nicht, aber Sugar insistiert und so verdrücken sich die beiden in ein ungestörtes Plätzchen, wo Sugar uns und Karen damit verblüfft, „genauso wie du“ zu wollen, daß Paul zur Polizei durchdringt. „Ich konnte vorhin nichts tun, hätte ich mich erschießen lassen sollen?“ erregt er sich, als Karen ebenfalls dezent zur Sprache bringt, daß Sugar ja nominell der Häuptling der Rockertruppe sei, das Motorradrennen habe er sich nur ausgedacht, um Zeit für Paul zu schinden (abgesehen davon, daß Paul noch k.o. war, als Sugar diesen Geistesblitz hatte. Viel Vertrauen in die eiserne Konstitution des Schulkameraden). Jetzt möchte Karen doch wissen, warum eine solch humanistische Seele wie Sugar mit „Bestien“ wie Bunny und Django rumhängt (frag ich mich auch, und noch mehr frag ich mich, wie er zum Chef der Bande werden konnte). „Das würdest du nicht verstehen,“ druckst Sugar rum, „ich suche nach mir selbst.“ Uh-oh. Karen ergreift die Gelegenheit zur Psychoanalyse beim Schopfe – „Du mußt lernen, mit deinen Problemen zu leben!“ „Ich suche etwas, an das ich glauben kann,“ wird Sugar ein wenig deutlicher und heute habe er, dank Paul und Karen, etwas gefunden, woran er glauben könnte (daß drei Rocker einen unbewaffneten Mann zu Brei schlagen können? Daß schwangere Frauen nicht zum Vergewaltigen da sind? Daß er sich einen neuen Agenten suchen sollte, der ihm bessere Rollen ranschafft? Oder was? Bitte um Details.). Jetzt müsse nur noch Karen an ihn glauben und daran, daß er das Rennen gewinnen wird. Prost Mahlzeit.

Im Sheriff-Büro hocken dieweil Pancho und der Pastor und spielen Dame (und zwar solange, bis Pancho eine Partie gewinnt, und nach der implizierten Spielstärke des Fettsacks kann der Gottesdiener gar nicht so schlecht spielen, daß dies vor dem St. Nimmerleinstag mal passieren wird). Als Paul röchelnd, blutend und „Hilfe, sie wollen sie umbringen“ plärrend (wer hat ihm nu wieder den Floh ins Ohr gesetzt? Vergewaltigen vielleicht, aber von Killen war bislang nicht die Rede) in die traute Runde stolpert, ist Pancho natürlich heillos überfordert, versucht Rico anzurufen (obwohl der 200 Meilen weit weg ist) und, nachdem Seine Heiligkeit ihn auf die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens aufmerksam gemacht hat, dann wenigstens den Sheriff des nächsten Distrikts. Der aber ist krank. Duh. Also sieht sich Pancho außerstande, das Hilfsbegehren Paules positiv zu bescheiden und will noch nicht mal eine Dienstwaffe rausrücken. Seine Eminenz salbadert noch was von „alles wird sich zum Guten wenden“ daher (der MUSS ein Pfaffe sein…) und Paul kraucht – verständlicherweise – ein wenig angefressen von dannen, um bei den Einheimischen um Waffenhilfe nachzusuchen.

Indes findet am Strand das grande finale zwischen Bunny und Sugar an, welches der fiese Zebrahosenträger dank ein paar unfairer Tritte gegen Sugars Möhre, die daraufhin in die Brandung taumelt, für sich entscheidet. Paul beißt bei John unterstützungstechnisch auf Granit und versucht sich in der Dorfkneipe Gehör zu verschaffen, aber da interessiert sich auch niemand sonderlich für die Seelennöte des eingebildeten Witwers-in-spe (sorry, meine Tastatur spuckt seit ein paar Tagen keine Akzente mehr aus – und seh ich so aus, als könnte ich mir ´ne neue leisten? Eben.) Paul wendet sich vertrauenslos an Camilla, damit die als Eingeborene vielleicht ein paar Worte an die versammelte Dorfschaft spricht, aber auch die lehnt dankend ab: „Sie haben Angst! Lassen sie mich in Ruhe!“ (Em. Normalerweise kommen in einer amerikanischen Kleinstadt auf einen Einwohner ungefähr drölfzig Bleispritzen. Und die haben Angst vor maximal DREI halbwegs gefährlichen Rockern?) Paul verpißt sich, blökt auf der Straße den Himmel an: „Sind das noch Menschen?“ (Und er meint die Dörfler, nicht die Rocker, nehm´ ich an) und verflucht die gesamte Einwohnerschaft (wird sie sicher tierisch beeindrucken). Doch als Paul weinend mitten auf der Straße zusammenbricht, erscheint der kleine Nino wie der Engel persönlich und bietet seine Hilfe an…

Irgendwo feiert eine gar lustige Belegschaft Mexikaner inklusive Sombreros und Mariachi-Musik (ich möchte wirklich mal wissen, wo das spielen soll) eine Geburtstags-Fiesta. Auch am Strand wird gefeiert – Bunny schlägt zu allgemeiner Begeisterung vor, seinen Sieg mit einer offiziellen Hochzeit zu zelebrieren, Sugar möge den Priester geben. „Für dich tu ich doch alles,“ brummt Sugar, der seine unfair beigebrachte Niederlage wie ein Mann erträgt. Die Mexikaner-Fete ist weiter im Gange, die Familientochter Margerita verabschiedet sich aber für einen kurzen Spaziergang an den Strand (uh-oh). Nino schleppt Paul an und im Gegensatz zu den feigen Amerikanern sind die lustigen Mexikaner mit den komischen Hüten schnell dabei, eine Posse zusammenzustellen. Margerita fällt dieweil programmgemäß den Rockern in die Hände (Karen kreischt ihr zwar eine Warnung zu, aber entweder versteht Margerita kein Englisch oder sie läßt sich ganz gern mal nächtlich am Strand flachlegen). Zur Doppelhochzeit reicht´s zwar nicht, dennoch bittet Sugar um den gebotenen Ernst bei einer Trauungszeremonie und fordert Bunny auf, nicht so blöde zu grinsen.

Die Mexikaner bewaffnen sich indes mit Forken, Harken und Stöcken und proceeden mißgelaunt gen Strand. Wo Sugar gerade dabei ist, die angemessenen Hochzeitsworte aus dem Gebetbuch der Rocker, nämlich der Harley-Davidson-Betriebsanleitung, vorzutragen. Dann gröhlen die Biker noch den Hochzeitsmarsch und Ringe werden getauscht (ich wußte es immer, Biker sind im tiefsten ihres Herzens doch auch nur Spießer wie du und ich). Die Mexikaner stören die feierliche Stimmung und verlangen energisch die Herausgabe Margeritas. Django trennt sich zwar nur ungern von der hübschen Maid, aber Sugar hat noch genügend Einfluß auf seine Jungs, um die Übergabe zu bewerkstelligen. Dann aber verblüffen die Mexikaner die Biker mit der Forderung, auch Karen rauszurücken. Das sieht Django nu wieder gar nicht ein, hält ihr seine Knarre an den Bauch und droht mit Mord und Totschlag. „Wir haben noch nie jemanden umgebracht,“ versucht Sugar die Gemüter zu beruhigen, „wenn du abdrückst, ist alles verloren!“ (als ob ihr was hättet, pfz). Bunny weist darauf hin, daß er, zumindest seiner Ansicht nach, aufgrund Rennsiegs rechtmäßiger Besitzer Karens sei. Okay, machen wir´s kurz, Sugar und Bunny müssen sich hauen. Ein eher wenig impressiver Kampf schließt sich an, Bunny zückt ein Messer, die beiden rollen ein wenig im Sand und irgendwie rammt Sugar Bunny sein eigenes Messer in den Wanst. Gar melodramatisch versucht Bunny röchelnd zu seiner geliebten Harley zu krauchen, verreckt aber auf halbem Wege. Schnüff.

Damit ist die Party offiziell vorbei, den Bikern steht´s nicht nach Vendetta, die Mexikaner fucken off, Paul und Karen können sich herzlich umarmen (Ehekrise dürfte damit wohl beigelegt sein). „Können wir dir helfen?“ fragt Karen verständnisvoll den etwas geistesabwesend im Sand hockenden Sugar. „Damit muß ich allein fertigwerden,“ brabbelt der, „dabei kann mir niemand helfen“. Die Kamera pannt auf den Ozean hinaus und ENDE wird eingeblendet, also scheint´s fertig zu sein.

Easy Rider ist das nu grade nicht (wobei ich ehrlich gesagt aber auch Easy Rider für stark überschätzt halte – hab den Film erst neulich mal wieder gesehen und außer der Musik und dem Ende… viel Blech, wenn man mich fragt). The Rebel Rousers ist insgesamt ein ziemlich doofes, dabei aber doch – vor allem aufgrund seiner Doofheit – recht erheiterndes Biker-Filmchen der C-Kategorie. Ein nenneswertes Budget dürfte der Streifen nicht gehabt haben und ob´s ehrlich ein Drehbuch gegeben hat, so richtig mit Dialogen, wage ich fast zu bezweifeln – vor allem die „Dialoge“ der Biker wirken bestenfalls improvisiert, bei böswilliger Interpretation einfach bloß wild durcheinandergeschrieen.

Für einen Film von der doch recht knappen Laufzeit von etwas über 70 Minuten verbringt die Story eh viel zu viel Zeit mit Nebenkriegsschauplätzen – Pauls und Karens private Ehegeschichte füllt zwar locker allein ´ne Viertelstunde Laufzeit, hat aber für den Film keinerlei gesteigerte Bedeutung (höchstens gehen uns Cameron Mitchell und Diane Ladd durch ihr Drücken auf die Tränendrüse, was manch kritischen Beobachter zu der Bemerkung „Biker-Soap-Opera“ veranlaßte), genaoso wie der vollkommen bedeutungslose Subplot um den seltsamen Sheriff Rico. Auch der Rest der eigentlichen Story macht kaum Sinn – glaubte ich anfangs, der Streifen würde sich zu einer Art Sadisten des Satans-Plotte entwickeln (in dem komischen Exploiter von 1969 mußten die Biker erst von der „anständigen“ Gesellschaft „böse“ gemacht werden, damit sie im blutigen Showdown mit gewisser moralischer Berechtigung niedergemetzelt werden konnten), mußte ich feststellen, daß ich den Autoren da zuviel Enthusiasmus zugetraut hatte. Die Rocker sind – von einer einzigen Szene ausgenommen – wesentlich weniger gewalttätig als eine durchschnittliche Fanblock-Besatzung eines Fußballbundesligaspiels nach Wahl und ungefähr so bedrohlich wie ein Sonntagsschulausflug. Die einzige Ausnahme ist, wie angedeutet, die Szene, in der Paul verdroschen wird, und die wirkt in dieser Form heftig deplaziert, weil man das den Herren Bikern einfach überhaupt nicht abnehmen will. Was Sugar nun eigentlich will, bezweckt und was er denn gelernt hat, daß ihn Karen helfen läßt (außer, daß er offensichtlich ein edler Menschenfreund ist – vielleicht ist das ja die Message des Films: „nicht alle Biker sind gehirnamputierte Schläger“) und wie zum Geier er nun wirklich zum Obermufti dieses Proletentrupps geworden ist, verrät auch keiner (vermutlich, weil´s keiner zufriedenstellend erklären könnte). Logisch ist in der Story kaum etwas, ganz besonderes nicht in der zweiten Hälfte (wieso haut Karen bei günstiger Gelegenheit nicht einfach ab? Und wieso schleift Paul, als er stiften geht, Karen nicht einfach mit? Wenn er´s schafft, den Verfolgern zu entkommen, und er wurde gerade halbtot geprügelt, kann Karen, die eigentlich recht gut zu Fuß aussieht, das doch sicher auch??) Immerhin sorgt die Geschichte so dafür, daß man, obwohl man natürlich recht schnell ahnt, worauf der (ausgesprochen unaufgeregte) Showdown hinauslaufen wird (nämlich den Kampf Bunny vs. Sugar), nie so recht weiß, was genau als nächstes passieren wird (so z.B. wenn die Mexikaner als Hilfstrupp aus dem Hut gezaubert werden) und so manche dieser unvorhergesehenen Entwicklungen ist schon ein heftiges Grinsen wert.

Übertriebene Actioneinlagen braucht der geneigte Bikerfilm-Freund nicht zu erwarten. Die aktionsgeladenen Tätigkeiten der Rocker beschränken sich auf betont zivilisiertes Herumfahren auf ihren Mühlen (schätze mal, da wurde ohne Drehgenehmigung gefilmt und deswegen mußte man sich einigermaßen anständig auf den öffentlichen Straßen betragen), ein paar halbgare Schlägereien und die kreuzlangweiligen Motorrad“rennen“ am Strand (da wird Werner-Brösel sicher nicht gerade vor Neid in Ohnmacht fallen). Martin B. Cohen, dessen einzigen Ausflug ins Regiefach dieser Streifen darstellte (er scriptete später den Corman-Reißer Humanoids from the Deep) tut nichts, um seinem Film auch nur den Hauch von Originalität zu verleihen und daß mit dem gebürtigen Ungarn Laszlo Kovacs hinter der Kamera ein Mann stand, der heutzutage Mainstream-Blockbuster wie Ghostbusters, Copycat, My Best Friend´s Wedding oder Miss Congeniality (und schon kurz nach diesem Filmchen Klassiker wie Five Easy Pieces, Dennis Hoppers The Last Movie oder What´s Up, Doc?) fotografierte, sieht man dem Werk nun auch nicht an. Der hauptsächlich aus banaler Mid-60er-Surfrock-Mucke bestehende Soundtrack trägt auch nicht wirklich zur Authenzität des Streifens bei.

Dafür ist der Film aus der heutigen Rückschau betrachtet natürlich erlesen besetzt. Als Paul dilettiert Trash-Megastar Cameron Mitchell, der sprichwörtlich Dutzende italienischer Billigklopper aller Genres „veredelte“, in den 70ern viel US-TV (und den unsäglichen Evil-Knievel-Film Viva Knievel!) verbrach und in den 80ern zum Trash zurückkehrte (ich sage nur zwei Worte: Space Mutiny). In Steve Latshaws Jack-O machte der 1994 verstorbene Mitchell seine Abschiedsvorstellung. Hier hat er schon mal das Problem, daß er mit Bruce Dern nicht zusammenpaßt – Mitchell war im richtigen Leben zwanzig Jahre älter als Dern und das sieht man – verdammt, hätte man das nicht ein bissl umschreiben können? Mußten es unbedingt „Klassenkameraden“ sein? Mit zwei Federstrichen hätte man daraus „Lehrer“ machen können und die Sache wär erledigt gewesen… Abgesehen davon holzt Mitchell als frühe Steven-Seagal-Variante mit eineinhalb abgezählten Gesichtsausdrücken so emotional wie ein Stoppschild durch die Handlung.

Bruce Dern seinerseits… einer der meistunterschätzten Schauspieler der 70er Jahre ist er zweifellos und seine Performances in Halb- und Ganzklassikern wie They Shoot Horses, Don´t They? und Silent Running sind zurecht hochgeschätzt, doch Dern mußte sich immer wieder in B-Movies wie The Incredible 2-Headed Transplant oder Down Periscope verdingen. 1996 überzeugte er in einer prägnanten Nebenrolle in dem Bruce-Willis-Blutbad Last Man Standing. Auch hier gibt Dern die mit Sicherheit beste Vorstellung des Films – zwar gibt ihm sichtlich sein eigener Charakter einige Rätsel auf, aber es gelingt ihm, trotz der Unglaubwürdigkeiten seiner Rolle sympathisch und halbwegs glaubhaft zu bleiben. Ist halt ein irgendwie liebenswerter Bursche :-).

Derns damalige Ehefrau Diane Ladd kann mich weniger überzeugen – erstens ist ihre dramatische Darstellkunst in dieser Frühphase ihrer Karriere noch nicht gerade sehr ausgeprägt, zweitens gibt auch ihre Rolle außer viel hysterischem Gekreische und jede Menge Jammerns nicht viel her. Zu sehen ist Ladd u.a. in der Serie Black Beauty, im grauenvollen Embryo, Wild at Heart, Primary Colors und in der demnächst premierenden US-Adaption von Kingdom/Riget als „Mrs. Druse“ (Kenner wissen Bescheid).

Die Arschkarte gezogen hat Harry Dean Stanton (Paris Texas, Escape from New York, Ginostra) als Halverson – er muß in lächerlicher Kluft blöde herumzappeln und ein wenig schwuchtelig tun. Wenn er damals schon ein Star gewesen wäre, wär´ das ein Fall für die Embarrassed-Actor-Scale und es stimmt mich ein wenig traurig, daß ich ihn jetzt zweimal in Grützerollen, wenngleich aus völlig unterschiedlichen Karrierephasen, sehen mußte.

Und da wäre noch Jack Nicholson. Den erkennt man nicht mal, und das will was heißen, weil er sich hinter Sonnenbrille und unter Bandana versteckt, dafür aber die schon erwähnten lächerlichsten Zebrahosen seit Erfindung der Beinkleider spazieren trägt. „Schauspielerisch“ paßt die Rolle des jähzornigen Bunny aber ganz gut zu ihm…

Die DVD von CTI ist ein erlesenes Schotterprodukt – der verwendete Vollbildprint sieht so abgenudelt aus, als wäre er seit 1970 ununterbrochen in einem 24-Stunden-Bahnhofskino im Einsatz gewesen – vor lauter vertikalen Schmutz- und Verschleißstreifen sieht das manchmal aus, als betrachte man den Film durch einen Vorhang. Auch sonst gibt´s zahlreiche Verschmutzungen und ein paar Filmrisse. Kanten- und Detailschärfe sind dabei aber noch befriedigend und der Kontrast ist auch noch gerade so erträglich. Naja, von einem Label wie CTI darf man nicht erwarten, daß die ihre Master digital aufpeppen oder wenigstens reinigen – die verfügbaren US-Prints (dort ist der Film in Public Domain und kann von jedem veröffentlicht werden, der glaubt, ein vorzeigbares Master zu haben) sind dem Vernehmen nach auch nicht besser. Die ursprüngliche Mono-Tonspur wurde auf Dolby 2.0 aufgeblasen, trotzdem ist der Ton relativ bescheiden, knarzig und wird im Verlauf des Films immer leiser. Natürlich wird auch nur eine deutsche Sprachfassung mitgeliefert. Extras gibt´s wie immer keine.

The Rebel Rousers ist also hauptsächlich für Sammler von Kuriositäten interessant, die aber können mit diesem Streifen ein interessantes kleines Schnäppchen machen – wo sieht man schon einen Haufen zukünftiger Filmgrößen zusammen in einem Film, den vermutlich selbst Roger Corman als chronisch unterfinanziert ansehen würde… aufgrund der ziemlichen Deppertheit der Story macht der Film, auch da er nicht allzulang dauert und somit relativ schmerzlos zu absoliveren ist, doch einigen Spaß. Zweifellos einer der seltsameren Biker-Filme, aber es kann ja nicht alles Easy Rider sein. Fans von Nicholsons B-Movie-Phase müssen sowieso zuschlagen. Beim Preis von knapp 8 Euro macht man ja auch nicht so viel verkehrt.

(c) 2004 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 6


mm
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