Sweet, Sweet Lonely Girl


  • Deutscher Titel: Sweet, Sweet Lonely Girl
  • Original-Titel: Sweet, Sweet Lonely Girl
  •  
  • Regie: A.D. Calvo
  • Land: USA
  • Jahr: 2016
  • Darsteller:

    Quinn Graham (Beth), Erin Wilhelmi (Adele), Susan Kellermann (Dora)


Vorwort:

Auf Geheiß ihrer Mutter wird die junge Adele dazu verdonnert, Pflegerin für Muttis ältere Schwester Dora, die zurückgezogen in einer alten Villa lebt, zu spielen. Nicht nur bringt das Geld, natürlich hofft Mama auch, dass Dora nach dem erwarteten baldigen Ableben ihre unermeßlichen Reichtümer über ihrer Familie ausschüttet.

Dora ist dabei eigentlich relativ pflegeleicht – ihr verschlossenes Zimmer verlässt Tantchen eh nicht, und wenn man keine fremden Leute ins Haus lässt und sich an Doras schriftliche Anweisungen hält, ist der Job verhältnismäßig easy. Aber langweilig. Das ändert sich, als Adele die flippige Beth kennen lernt, die Sorte easy-going-fuck-all-attitude-Kleinstadt-Rebellin, die’s über all gibt. Wider Erwarten freunden sich die schüchterne graue Maus und die das Proto-Riot-Girl an – was vielleicht auch Persönlichkeitsbasis kein schlechter Einfluss für Adele ist, ist auf jeden Fall einer in Punkto Vertrauenswürdigkeit und Dienstbeflissenheit. Adele beginnt Geld aus Doras strikt reglementierter Haushaltskasse für persönliche Verlustigungen abzuzweigen und Doras Anweisungen, sagen wir mal, etwas freier zu interpretieren (auch und gerade, was ihre Herzmedikation angeht). Und das alles nur, weil Adele sich in Beth verliebt hat und glaubt, dieses Gefüh beruhe auf Gegenseitigkeit. Kann und wird doch alles nicht gut ausgehen.

Inhalt:

Ich beantrage einen neuen Fachausdruck in die Welt der Filmkritik einzuführen – „festival porn“, als Bezeichnung für die Sorte selbstbeweihräuchernder „künstlerischer“ Horrorfilme, deren einzige Existenzberechtigung darin besteht, zwischen den einschlägigen Festivals von Sundance nach SXSW bis Sitges und zurück herumgereicht zu werden, sich ein paar Lorbeerkränze aufs Poster drucken lassen zu können, ihren Machern optimalerweise als Trittbrett zu größeren Projekten zu dienen und ansonsten keinerlei kommerzielles Potential zu haben. Auch „Sweet, Sweet Lonely Girl“ gehört zu dieser Sorte Film, die auf dem Festival-Circuit Preise abstauben, von keinem Publisher, der Geld verdienen will, mit der Kneifzange angefasst wird und nicht mal in der Nachtschleife eines anspruchslosen Fernsehsenders verenden wird, weil – er hat keine Zielgruppe, die ihre Vollversammlungen nicht in der Telefonzelle abhalten kann.

Es ist ein vages Aufgießen von Motiven, die A.D. Calvo im Verlauf seiner filmischen Sozialisierung oder seinen acht Semestern Filmhochschule wohl mal gesehen hat – altes, altmodisches Spukhaus, unheimliche alte Verwandte im ersten Stock, eine generelle Atmosphäre der „uneasyness“, das sind alles durchaus taugliche Zutaten, die man mal im Italo- oder Euro-Kino (oder selbst beim jungen Spielberg) mal gesehen hat, die von Calvo aber überhaupt nicht mit der augenscheinlich für ihn zentraleren sort-of coming-of-age-und/oder-coming-out-Story seiner jungen Protagonistin in Verbindung bringt. Die junglesbische Liebesverbindung soll wohl, wenn man das wenige an „Plot“, das sich „Sweet, Sweet Lonely Girl“ ins Script hat schreiben lassen, richtig interpretiert, irgendwie eine Parallele zu Doras Geschichte und konsequentem inneren Exil darstellen, aber die Hinweise, die Calvo streut, sind so wenig, so vage, so wenig greifbar, dass wir im Filmkontext eigentlich keinen wirklichen logischen (oder meinetwegen auch unlogischen, nur halt zumindest irgendwie erzählten) build-up zu den drei Minuten Blumhaus-light-Spuk-Grusel-somewhat-paranormal-Bild-und-Tonspurgewitter, das Calvo uns als Klimax serviert, erhalten. It’s a „stuff happens“ picture ohne Substanz, ohne Inhalt, eine durchaus schön aufgemachte, aber völlig leere Hülle.

Schade um die durchaus sympathischen Hauptdarstellerinnen Erin Wilhelmi und Quinn Graham, durchaus ansprechende Kameraaarbeit und einen geschmackvoll zusammengestellten Soundtrack, aber „Sweet Sweet Lonely Girl“ ist einer dieser Filme, die einen achselzuckend und unbefriedigt zurücklassen, weil sie nicht mal versuchen, eine Geschichte zu erzählen.

2/5

(c) 2017 Dr. Acula


mm
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