Suck – Vampires Rock


  • Deutscher Titel: Suck - Vampires Rock
  • Original-Titel: Suck
  •  
  • Regie: Rob Stefaniuk
  • Land: Kanada
  • Jahr: 2009
  • Darsteller:

    Rob Stefaniuk (Joey), Jessica Paré (Jennifer), Danny Smith (Jerry), Mike Lobel (Sam), Chris Ratz (Hugo), Paul Anthony (Tyler), Dave Foley (Jeff), Malcolm McDowell (Eddie van Helsing), Henry Rollins (Rockin‘ Roger), Iggy Pop (Victor), Alice Cooper (Bartender), Moby (Beef), Alex Lifeson (Border Guard), Dimitri Coats (Queeny)


Vorwort:

Ganz im Gegensatz zu ihrem optimistischen Namen „The Winners“ ist Joeys Alternative-Rockband notorisch erfolglos und spielt sich nunmehr schon seit Jahren in schäbigen Clubs vor uninteressiertem Publikum die Hacken ab. Sogar Manager Jeff ist mittlerweile soweit, bei Joey inständig um Entlassung zu ersuchen, obwohl angeblich ein wichtiger Gig bei einer Industrieshow in New York vor der Tür steht. Bassistin Jennifer hat keinen Bock auf Übernachtungen im Tour-Leichenwagen („der Wagen riecht nach Drummer“, führt sie aus) und geht lieber auf eine Goth-Party, in deren Verlauf sie leider vom rockenden Blutsauger Queeny in einen Vampir verwandelt wird. Dies erweist sich allerdings als außerordentlich förderlich für ihre Stage-Präsenz, sie avanciert zum Publikumsliebling und erstmals schlägt den „Winners“ so etwas wie echtes Interesse entgegen. Während der Rest der Band allerdings noch rätselt, was genau an Jennifer jetzt anders ist als vorher (sie selbst streitet jedenfalls Veränderungen vehement ab), stolpert der frankokanadische Roadie der Truppe, Hugo, über ihr finsteres Geheimnis – als Vampir braucht sie jetzt natürlich frisches Blut und Hugo kommt ihr gerade recht, ihr zukünftig als persönlicher Renfield speziell bei der Beseitigung der dabei zwangsläufig anfallenden Leichen zu assistieren. Freilich lässt sich Jennifers Appetit auf Lebenssaft nicht ewig verbergen, wenn man als Band ständig aufeinandersitzt. Während der Leadgitarrist und der Drummer mit Jennifers neuem Stil kein Problem haben, da er nun endlich dazu führt, dass die Band Erfolg hat, sieht Joey seine Bandleaderposition ernsthaft untergraben und postuliert einige Verhaltensregeln: kein Menschenblut mehr saufen und, vor allem, keine Bandmitglieder vampirisieren, steht doch ein Interview mit dem einflussreichen Radio-Deejay Rockin‘ Roger auf dem Programm, und vorher sollte man beim verschrobenen Produzenten Victor noch den ein oder anderen neuen Song aufnehmen – wenn’s denn sein muss, sogar einen von Jennifer geschriebenen. Nichtsdestotrotz stehen schon bald mehrere Untote auf der Bühne, zu Joeys Verdruss (und auch dem von Hugo, der sich an Fliegen halten muss). Der Weltkarriere stünde nicht mehr viel im Wege, doch gibt’s da noch den freischaffenden Vampirjäger van Helsing, der sich’s in den Kopf gesetzt hat, die „Königin“ der Vampire zu töten und er vermutet, dass Jennifer genau weiß, wo man die – oder den? – findet…

Inhalt:

Noch’n Vampirfilm? Ich meine, hat nicht mittlerweile jeder, außer zwölfjährigen Mädchen und ihren „Twilight“-Moms die Schnauze voll von Blutsaugern, denen man durch die Keuschheitssaga ja sämtliche Würde, eh, ausgesaugt hat? Glücklicherweise gibt’s immer wieder lichte Momente, in denen Filmemacher zeigen, was man mit dem Vampir anstellen kann – letztes Jahr hatten wir die intelligente, ruhige Charakterstudie Vampyrer aus Schweden, dieses Jahr läuft auf dem FFF auch „Vampire“, ein Mockumentary über Sorgen und Nöte des Vampirs im 21. Jahrhundert, und… „Suck“ – eine Vampir-Rock’n’Roll-Komödie, die das Handicap mitbringt, das man mit ihrem Namen herzlich Schindluder treiben kann (was Rob Stefaniuk wohl ziemlich klar war, weswegen er praktisch jeden erdenklichen „suck“-Wortspielgag schon gleich mal im Drehbuch verbriet).

„Suck“ ist, nehmen wir’s vorweg, ein Partyfilm – jegliche Art Tiefgang suchen wir vergeblich, hier regiert der Gag; wobei das auch wieder fast verkehrt ist, denn Stefaniuk erlaubt sich so manchen satirischen Seitenhieb auf den Rockstar-Zirkus, gehypte Internet-Wunder-Bands, die Emo-Gothrock-Szene schlechthin, und, was ja auch klar auf der Hand liegt, das Herumhantieren mit bewusstseinserweiterenden Pharmazeutika – für die Parallele „Blut-/Drogenabhängigkeit“ braucht selbst ein Halbblinder keine Kontaktlinsen. Hauptsächlich geht’s Stefaniuk, der vor einigen Jahren mit „Phil the Alien“ schon mal ein Genre-Motiv ins Rockmillieu einführte, aber schlicht und ergreifend um Spaß an der Sache. Deswegen erspare ich mir auch großartig, auf’s Drehbuch einzugehen (und auch deshalb, weil ich die FFF-Reviews nun etwas kürzer halten will, sonst komm ich ja gar nicht mehr hinterher) – die Gags sitzen, sowohl die gröberen Slapstick- und Sightgags als auch die Wortwitze. Ob die ganze Chose „Sinn“ macht, braucht man nicht zu diskutieren (ganz logisch ist die Auflösung nämlich nicht, wenn ich das so recht überblicke), aber man hat permanent was zu lachen (meine Lieblingsstelle ist zweifellos diejenige am Grenzübergang Kanada/USA, wo zunächst die Band und später van Helsing von einem ausgesprochen unfreundlich wirkenden Grenzpolizisten kontrolliert werden. Ich täte soooo gerne spoilern, aber ich halte mich zurück). Was die Vampir-Mythologie angeht, hält Stefaniuk sich nicht an die klassischen Vorbilder, so können seine Vampire bei Tageslicht wandeln (aber ungern, weil sie trotzdem sehr lichtempfindlich sind), eine andere wesentliche Neuerung (die mit dem Vampir-Königinkonzept einhergeht) spielt so entscheidend in die Auflösung, dass ich sie hier nicht verrate.

Stefaniuk legt ordentliches Tempo vor, obwohl die Geschichte alle paar Minuten durch eine on-screen-Songeinlage unterbrochen wird (ja, technisch gesehen ist „Suck“ tatsächlich ein Musical, auch wenn die meisten Songs im Filmkontext auf der Bühne performed werden, haben sie meistens textlich einen Bezug zum aktuellen Stand der Handlung).Während er grundsätzlich ordentliches, sauber heruntergekurbeltes Handwerk abliefert, verkneift er es sich nicht, ein paar absichtlich trashige Elemente einzubauen – das beginnt mit einer herzigen Gummifledermaus in der Eröffnungsszene, die durch die Straßen Torontos flattert und findet seine Fortsetzung in den die diversen Episoden verbindenden stop-motion-Filmchen, die die Reise der „Winners“ kreuz und quer durch Nordamerika symbolisieren. Kameraarbeit und Schnitt sind zufriedenstellend, speziell in den musikalischen Einlagen sind deutliche Videoclip-Einflüsse zu bemerken (und freilich auch angebracht). An der Stelle sei angemerkt, dass „Cube“-Bastler Vincenzo Natali ein bisschen mitgeholfen hat.

„Suck“ ist keine Splatterkomödie – es gibt einige gut blutige Szenen, doch bleibt’s größtenteils beim Kunstbluteinsatz und einigen prosthetischen Props von akzeptabler Güte, dazu wird den Vampiren speziell on-stage eine gewisse „Aura“ verliehen (und Schwebetricks gibt’s auch). Die 16er-Freigabe, mit der „Suck“ bereits durch den TÜV gekommen ist, geht in Ordnung. Die Musik ist okay bis gut – Emo-Alternativrock sollte man verdauen können (ein bisschen heftiger wird’s nur beim Auftritt der konkurrierenden Band „Secretaries of Steak“), es ist aber solide eingespielt und unnervig, vielleicht, speziell was die zahlreichen Winners-Songs angeht, etwas gleichförmig, als Ausgleich gibt’s eine recht patente Coverversion von „Sympathy for the Devil“ (und der „Theme-Song“ des Obervampirs ist auch nicht von schlechten Eltern).

Viel Freude bereiten auch die Schauspieler – Stefaniuk selbst spielt Bandleader Joey als klassischen „straight man“, der das ihn umgebende zunehmende Chaos staunend quittiert, Paul Anthony („Blade: Trinity“) als nasenringtragender Gitarrist Tyler ist eine Schau, Mike Lobel (Regular in der kanadischen Kult-TV-Serie „Degrassi: The Next Generation“) ein erschütternd lustig-doofer Drummer (beste Line: „Ich brauche niemanden, der Entscheidungen für mich trifft!“ Rest der Band unisono: „Doch, du bist Schlagzeuger.“ Bela B. could relate, I suppose), Chris Ratz („Score: The Hockey Musical“… Sachen gibt’s) punktet ohne Ende als frustrierter Renfield-Roadie, und Jessica Paré („Hot Tub Time Machine“, „Mad Men“, „Lost & Delirious“) in ihrem bleichen Vampirselbst eine Augenweide. Auch die Nebendarsteller wissen zu gefallen: Dave Foley („Beilight: Biss zum Abendbrot“, der hat’s mit Vampiren…, „Postal“) brilliert als opportunistischer Manager, Dimitri Coats, hauptberuflicher Frontmann der hardrockenden Burning Brides, ist als Vampir Queeny überzeugend creepy, Nicole de Boer („Cube“) gibt in der kleinen, aber prägnanten Rolle von Joeys Ex-Freundin eine gute Figur (ähm) ab.

Das wäre aber nur der halbe Spaß ohne die Gastauftritte diverser Rockgrößen, die sich breitschlagen ließen, sich und ihr Image auf die Schippe zu nehmen. Zuallervorderst ist natürlich der alte Schockrocker Alice Cooper zu nennen, dessen Auftritt anfänglich vermuten lässt, wir hätten’s mit ’nem neuen Saturn-Werbespot zu tun, aber der dann doch noch einen von der Screentime her übersichtlichen, aber wichtigen Part übernimmt und natürlich genau der Richtige ist, um einen geheimnisvollen übernatürlichen Ratgeber für Joey abzugeben. Dazu gesellen sich Iggy Pop als verrückter Producer, ebenfalls blendend aufgelegt, Henry Rollins als Radio-DJ, der einen „Suck“-Gag zu viel bringt, als gut für ihn wäre, Moby, der unter Beweis stellt, dass aus ihm auch ein passabler Rocksänger geworden wäre, wenn er sich nicht für elektronische Musik entschieden hätte, und Rush-Gitarrist Alex Lifeson in der zum Brüllen komischen Rolle des Grenzpolizisten. Und dazu kommt dann noch Altmeister Malcolm McDowell (der sich in den Outtakes im Abspann beschwert, dass er keinen Song hat), der mit der van-Helsing-Vampirjägerrolle auch richtig richtig Spaß hat.

Fazit: Man muss „Suck“ nicht auf ein Podest stellen und behaupten, das wäre die „Rocky Horror Picture Show“ für die 10er Jahre, aber… ein wirklich zünftiger Partykracher ist’s schon; perfekter Stoff zum Ablachen ohne Hintergedanken und der erste richtige Spaßfilm des 2010er-FFF-Jahrgangs. Sollte man sich schon jetzt für den DVD-Release vormerken (darf ich aber über die peinliche „Twilight“-Anbiederung im deutschen Untertitel ablästern? Ja? Danke). Knappe 4 Filmrollen hat sich Stefaniuk jedenfalls redlich verdient.

Kurzes Update: Der Verleiher hat meine Gebete erhört… jetzt, schon in BluRay-Form vor mir liegend, ziert sich der Streifen mit einem anderen Cover und der Tagline „Vampires Rock“. Ernstgemeinten verbindlichsten Dank dafür!

4/5
(c) 2010 Dr. Acula


mm
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