Stray Cat Rock: Machine Animal


  • Original-Titel: Nora-neko rokku: Mashin animaru
  •  
  • Regie: Yasuharu Hasebe
  • Land: Japan
  • Jahr: 1970
  • Darsteller:

    Meiko Kaji (Maya), Tatsuya Fuji (Nobo), Eiji Go (Sakura), Bunjaku Han (Yuri), Jiro Okazaki (Sabu), Toshiya Yamano (Charlie), Noriko Kurasawa (Ema), Yasuhiro Kameyama (Daru), Hajime Sugiyama (Kiddo), Yuka Ohashi (Remi), Sari Takano (Jun), Eiko Matsuda (Sarii), Masami Maki (Yuka)


Vorwort:

Wieder einmal ist unsere Leading Lady Meiko Kaji die Vorsteherin einer Mädchengang – heute heißt sie Maya, und die Jungsgang, mit denen sie lose verbündet sind, sind die „Dragons“ unter der Fuchtel eines gewissen Sakura (Eiji Go, FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER, PANIK IM TOKIO-EXPRESS). Sakuras Haufen ist sowas ähnliches wie eine Biker-Gang – sie knattern mit wenig impressiven Maschinen durch die Stadt, und Chef Sakura sitzt standesgemäß in einem Beiwagen und lässt sich chauffieren. Maya und ihre Mädels betätigen sich, als wir sie treffen, als Sozias. Die ganze Blase umkreist auf einer abgelegenen Landstraße das liegengebliebene Fahrzeug von Nobo, kurz für „Nobody“, newa (Series-Regular Tatsuya Fuji), und Sabu (Series-Regular Jiro Okazaki). Die Verpannten werden sachgerecht als Landeier identifiziert, die in der großen Stadt (mithin Yokohama) nach Sakuras bescheidener Ansicht nix verloren haben und sich daher eiligst verpfeifen sollten. Davon, die Provinzyokels auszurauben, sehen die Dragons heute großzügigerweise ab, unter der Maßgabe, dass bei den Burschen vermutlich eh nix zu holen ist. Da liegen Sakura und die Seinen aber daneben…
 
Nachdem sie ihre Kalesche wieder in Gang gebracht haben, suchen Nobo und Sabu eine griechische Kneipe auf. Deren Inhaber vermittelt Passagen außer Landes, bei denen gegen ein nicht unerhebliches Entgelt keine Fragen zum Thema Identität, Vergangenheit und ggf. polizeilicher Strafakte gestellt werden. Nobo und Sabu wünschen für sich und eine dritte Person die Ausreise nach Schweden (an jeder Ecke steht ein Elefant!). Der Grieche unter den japanischen Barkeepern ist auch gerne bereit, so etwas zu organisieren, es kostet aber eine Million Yen pro Nase (was sich arschviel anhört, aber zum damaligen Zeitpunkt ungefähr 3.000 Euro entsprochen haben müsste, wenn meine Google-Skills mich nicht im Stich gelassen haben). Das Problem ist jetzt nur, dass Nobo und Sabu eher keine drei Millionen Yen in der Tasche haben, aber dafür etwas anderes anbieten – LSD, und zwar so stückers 500 feinste Pillen. Das Zeug ist was wert, fraglos, nur ist der Chef der Griechenbar nicht im Drogengeschäft, kann aber mit einem Barkeeperkollegen dienen, der drüben, im Astro Go-Go-Club, schon deutlich empfänglicher dafür sein sollte, die leckeren Pillen gegen hartes Bargeld einzutauschen.

Das Astro ist, wie nicht anders zu erwarten, der bevorzugte Hangout der Dragons und von Mayas Girlgang. Sakura und die Dragons sind dabei auch zuständig für die Versorgung von Barkeeper Shimizu mit den besten Joints, die man in Yokohama rauchen kann. Nobo und Sabu werden mit ihrem LSD bei Shimizu vorstellig, und der zeigt sich durchaus interessiert, seine Angebotspalette um feines Acid zu erweitern, alas, die endgültige Entscheidung will er nicht auf Kante treffen. Nobo und Sabu sollen am nächsten Tag wiederkommen.
 
Nun wird es Zeit, unseren dritten Ausreisewilligen kennenzulernen, und der hat im Gegensatz zu Nobo und Sabu, über deren Vergangenheit wir nur die vage Andeutung eines Stints im Knast (Sabu) bzw. rein gar nix (Nobo) serviert bekommen, einen ziemlich nachvollziehbaren Grund, möglichst ohne großes Aufsehen das Land zu verlassen. Charlie (Toshiya Yamano, TERROR) ist nämlich ein US-Soldat, der sich unerlaubterweise von seiner Truppe in Vietnam subtrahiert hat. Desertion wird bekanntlich in allen Armeen der Welt ausgesprochen kritisch beäugt. Die Nachricht eines potentiellen Abnehmers, der die Schiffspassage nach Sverige finanzieren wird, erfreut den jungen Yankee.
 
Die drei Auswanderer parken ihr Auto, das auch als Schlafplatz dient, am Hafen. Das ist keine ganz so gute Idee… Während Nobo und Sabu mit Shimizu weitere Einzelheiten des Deals aushandeln, lassen sie Charlie nämlich allein, und der kommt auf den grandiosen Einfall, sich mal die Beine zu vertreten. Dummerweise waren seine Freunde im Astro nicht so supervorsichtig, was das Hantieren mit ihrer Pillendose anging, und so hat ein Quartett aus Mayas Umfeld sich die Rechnung aufgemacht, dass bei den „Rednecks“ was zu holen ist. Und wo Charlie seinen Spaziergang macht, kann frau ja recht unbefangen das Auto klauen…
 
Die vier Grazien entdecken – nach streng genommen unnötiger Misshandlung der schönen roten Lederpolster, denn so clever sind unsere Landeier gar nicht – den Stoff und hauen sich erst mal pro Nase eine Pille hinter die Kiemen. Im schönsten High eines Acidtrips laufen die Girls dann im Astro ein, wo Nobo und Sabu, die schöne Bescherung mittlerweile bemerkt habend, sich gerade bei Maya, die das Landvolk zu eigener Überraschung einigermaßen sympathisch findet, gerade ihre Herzen ausschütten. Maya spricht ein Machtwort – dass dem armen Charlie Gefahr für Leib + Leben droht, nur weil die blöden Hühner sich unbedingt Trips einschmeißen wollen, ist ein absolutes no-go. Die Pillen müssen rausgerückt werden.
 
Maya entscheidet kraft ihrer Wassersuppe, dass sie und ihre Gang dem Trio Trottelum assistieren wird. Zum einen stellt Maya einen Hideout ihrer Gang in der Hafengegend als Unterschlupf zur Verfügung, was natürlich auch Gelegenheit für eine zünftige Party bietet, in deren Verlauf Charlie auch Freebies verteilt (jetzt sind’s dann nur noch 490 Trips), zum anderen will sie ihre Kontakte zur Verfügung stellen, damit Nobo und die Seinen den Stoff auch  los werden- Shimizu scheint ihr dafür nicht vertrauenswürdig zu sein. Der entsprechende Kontakt ist natürlich Sakura, und der ist auf Anfrage auch nicht abgeneigt, einen entsprechenden Deal einzugehen. Allerdings ist Sakura auch nicht der Obermotz der Dragons – die eigentliche Leitung der Organisation obliegt seiner Freundin Yuri (Bunjaku Han, auch in DELINQUENT GIRL BOSS und BEAT ´71 mit von der Partie), die seit einem von Sakura verursachten Unfall im Rollstuhl sitzt und daher ihr Apartment nicht mehr verlässt, und deren Wohl und Wehe Sakuras oberstes Gebot ist. Yuri erklärt sich mit dem Einkauf des Stoffs einverstanden und die drei Millionen Yen, die sie als maximalen Einkaufspreis ausruft (wenn’s geht, gern billiger) harmonieren auch recht gut mit den Vorstellungen unserer Möchtegernweltenbummler. Könnte also alles ganz easy-peasy sein, aber das wäre ja zu einfach.
 
Während Nobo, Sabu und Maya mit Sakura verhandeln, überreden Mayas Freundinnen Charlie zu einem kleinen Ausflug, denn in der Hafenscheune wird’s dann auf die Dauer doch recht auffällig. Charlie ziert sich, aber die Mädels beruhigen ihn – Yokohama ist eine Hafenstadt, ein Westler, der mit ein paar japanischen Schicksen abhängt, mehr oder weniger fällt da nicht auf. Die Truppe zieht auf eine Bowlingbahn und hat Spaß mit einem großen S, bis zwei ältere Westler das Areal betreten. Charlie hält die Anzugträger für Militärpolizei in Zivil, verfällt in Panik und rauscht hysterisch ab. Dabei haben die beiden Herren auch nur ein Date mit ihren Freundinnen…
 
Nun, es gelingt mit vereinten Kräften, den Flüchtenden wieder einzusammeln und in die Scheune zurückzubringen, wo Maya ihre Girls ordentlich rund macht. Das wahre Problem offenbart sich aber erst jetzt – bei seiner hysterischen Flucht hat Charlie leider irgendwo seine Jacke vergessen und in der befanden sich die LSD-Vorräte. Da dies dem Vorhaben der Freunde einen ordentlichen Stock in die Speichen schiebt, muss der Stoff wieder her, verdammich. Nun sind ehrliche Finder auch in Japan selten, und der Finder der Jacke ist sogar ein ausgesprochen unehrlicher welcher, nämlich Shimizu, der den Stoff unbürokratisch in sein Sortiment aufnimmt. Das wiederum allerdings kommt bei Sakura gar nicht gut auf, denn auf eigene Rechnung wird hier schon mal gar nichts verkauft, und wenn, dann kriegen die Dragons ihren üblichen Anteil. Shimizu wird verdroschen und Sakura und Yuri sind’s zufrieden. Sie haben den Stoff und mussten dafür nicht mal Geld ausgeben.
 
Nun kann man sicherlich hinsichtlich Nobo, Sabu und vor allem Charlie darüber streiten, aber Maya ist ganz gewiss nicht dämlich, und als sie bemerkt, dass neuerdings im Astro LSD verkauft wird, kann sie 2 + 2 mühelos zusammenzählen und zu dem zutreffenden Ergebnis kommen, dass Sakura jetzt der Besitzer des Acids ist. Der erweist sich aber als ausgesprochen unwillig, für sein ehrlich geklautes LSD jetzt auch noch die vereinbarten drei Mille auszutüten, was man aus seiner geschäftlichen Sicht ja auch durchaus verstehen kann. Die Kohle wird aber schnell benötigt, denn der Grieche hat eine Schiffspassage für den übernächsten Morgen aufgetan, und der Kapitän wird eher nicht solange warten, bis die Freunde mittels einer Barmherzigkeitskollekte die benötigten Mittel aufgetrieben haben. Es muss also ein Plan her, und Maya hat einen, allerdings erst, nachdem ihr Miki (Michi Aoyama, hauptberufliche Sängerin, die auch ein-zwei Nummern an der Wandergitarre zum Besten geben darf), ich schätze mal, die Tochter des Griechenbarchefs, verklickert, dass Sakura nur die Nummer 2 hinter Yuri ist und für die Rollitante schlichtweg alles tun würde. Ergo ist die logische Schlussfolgerung – man entführe Yuri, die kann sich, da querschnittsgelähmt, so richtig ja nicht wehren…
 
Den singulären Bewacher der Dame schalten Nobu und die Gang mühelos aus und die Gegenwehr Yuris ist in der Tat, wie vorausgesagt, zwar couragiert genug für eine Rollstuhlbewohnerin, letztlich aber vollkommen sinnlos. Dieweil die Entführte in einem Motel verklappt wird, stellen Maya und Nobo die Forderungen. Man ist bescheiden – mehr als die vereinbarten drei Millionen sollen’s gar nicht sein. Sakura schäumt vor Wut, aber Yuri weist ihn telefonisch an, die Kohle brav abzuliefern.
 
Die Geldübergabe verläuft zwar in gespannter Atmosphäre – auch, weil Nobo Yuri nicht mitbringt, sondern Sakura nur die Adresse verrät, wo er sie hoffentlich in einem Stück abholen kann -, aber letztlich erfolgreich. Die Freunde bezahlen ihre Passage und erneut sieht alles so aus, als könnte es ganz entgegen der Seriengewohnheit mal happy enden. Ha-ha. Was glaubt Ihr?

Yuri ist stinksauer und verlangt blutigste Rache. Okay, vielleicht reicht aber auch doch unblutige… Sakura ist jedenfalls nicht doof genug, um Mayas bevorzugte Verstecke inklusive gewisser Bootsschuppe nicht zu kennen. Während Maya, Nobo und Sabu aushäusig sind, überfällt er den von den üblichen Grazien bewachten Charlie und kidnappt ihn, um ihn vermutlich den Behörden auszuliefern. Maya und Charlies Buddies können bei ihrer Ankunft nur noch den Bikes der Dragons auf die Rücklichter kucken, aber eine Gangchefin weiß, was zu tun ist: „Wir brauchen Hondas!“ (Wenn Olli Kahn die Alternative gekannt hätte…). Die ganze Mädelsbande stürmt also den nächsten Honda-Vertragshändler, um sich dort fahrbare Untersätze auszuleihen, mit denen die Eagles verfolgbar sind. Jetzt hätte ich mir, um Bösewichter zu verfolgen, die PS-stärkste Gold Wing ausgeborgt, aber ich bin kein japanisches Girl-Gang-Mitglied. Maya und Konsorten entscheiden sich für die mickrigsten Mini-Möhren diesseits von Bobbycars – speziell das Ding, auf dem Maya selbst hockt, kann doch eigentlich nur als Kindermoped gemeint sein. Bei den sicher zwei-drei PS, die diese Maschinen haben, wär’s vermutlich zielführender, die Eagles per pedes zu verfolgen. Aber, so wie diese Verfolgungsjagd in den Plot reingedübelt wurde, ist die ganze Sequenz eh nur damit zu erklären, dass Honda mit ein paar Yen-Scheinen vor Nikkatus Nase wedelte, um die neue Frühjahrskollektion an Damenmotorrädern vorführen zu dürfen. Für ein paar Minuten cruisen wir also in eher mäßigem Tempo durch die Straßen von Yokohama, und Maya und die Mädels führen der geneigten Kundschaft, die am baldigen Erwerb von motorisierten Zweirädern interessiert ist, dass man mit den neuen Honda-Modellen so manche Abkürzung nehmen kann (z.b. durch Pachinko-Hallen und Restaurants), die einem Verkehrsteilnehmer, der nicht auf einer Mini-Honda sitzt, verwehrt bleiben. It’s nooooot really exciting, und ich bin daher auch durchaus erfreut, dass die Szene schließlich damit endet, dass die Girls die Eagles im Containerhafen stellen und Charlie aus der Bredouille befreien.
 
Die Mädchen bringen die Hondas artig zurück (die sind ja wirklich eine vorbildliche Outlaw-Truppe) und feiern ihren Sieg, doch der ist nur von kurzer Dauer. Charlie hat sich gerade dran gewöhnt, dass er mit seinen neuen Freundinnen locker über die Straßen Yokohamas lustwandeln kann, aaaaaber da hält neben der Gruppe ein Wagen der amerikanischen Militärpolizei. Echte, diesmal, ganz authentisch mit Stempel auf dem Hintern. Charlie streitet selbstverständlich mit Hand und Fuß ab, der gesuchte Charlie zu sein und will stiften gehen, aber die Personifizierung der gerechten Sache der Kommunistenbekämpfung schießt ihm ins Bein. Charlie wird verhaftet, abtransportiert und sieht vermutlich ein paar Jahrzehnten Gratis-Kost und Logis in einem ausgesuchten Militärgefängnis entgegen. Das ist jetzt Pech.
 
Charlies Verhaftung lässt Nobo und Sabu verständlicherweise darüber grübeln, ob diese ganze Schweden-Geschichte jetzt noch wirklich Sinn macht, wo Hauptantrieb für die Unternehmung ja war, Charlie vor den Behörden in Sicherheit zu bringen. Maya versucht den Jungs einzureden, dass der ganze Hassel und Trouble, durch den alle Beteiligten gegangen sind, nicht vergebens gewesen sein soll und Charlie das sicher auch so sähe. Nobo ist skeptisch…

Aber Sakura ist noch lange nicht fertig mit Maya – er und Yuri haben sich erfolgreich zusammengereimt, wer Maya die Sache mit Yuri gesteckt hat – Miki, das Griechenmädel. Und so wird nun DIE entführt und Maya telefonisch aufgefordert, am nächsten Morgen zu einer finalen Konfrontation aufzukreuzen. Maya will die Kerle raushalten, aber Sarii (Eiko Matsuda), eine ihrer Unterlinge, weiht Nobo und Sabu ein. And a good thing, too, denn Sakura scheint sich ernstlich zu überlegen, ob er am vereinbarten Treffpunkt Maya nicht einfach über'n Haufen ballern soll. Dass ihre Gang die Dragons mit Steinen u.ä. bewirft, macht jetzt auch nicht grad den ganz großen Eindruck auf den fiesen Fiesmorchler, die verteilten Maulschellen courtesy by Nobo und Sabu, die mit ihrer Rostlaube die Party aufmischen, schon eher, so dass Sakura sich genötigt fühlt, Sabu mit seiner Bleispritze ein Luftloch in den Bauch zu stanzen. Nobo verwickelt Sakura in ein Handgemenge und entwindet ihm die Knarre, aber Sakura ist wie nicht anders zu erwarten ein erbärmliches Weichei, winselt um sein wertloses Leben und zieht dann mit seinen Jungs Leine. Nobo und die Mädels klemmen sich den verblutenden Sabu unter die respektiven Arme, um zum Hafen und zum Schiff zu eilen, aber der Pott hat längst abgelegt... Sabu kann also auf guter Heimatscholle seinen Lebensatem aushauchen.

Für Nobo hat sich damit die Ausreise allemal erübrigt – in der letzten Szene sitzt er alleine in einem Auto und cruised einen japanischen Highway entlang, einem neuen Anfang irgendwo anders entgegen…

Inhalt:

MACHINE ANIMAL (einmal mehr ein Titel, der mich vermuten lässt, die STRAY-CAT-ROCK-Untertitel wären vom selben Menschen verbrochen worden, der sich die Titel für die frühen New Order-Songs ausdachte. They mean bugger all), der vierte Teil der Reihe, führt das Erfolgsrezept von SEX HUNTER weiter. Wie ich bei SEX HUNTER schon schrob, hatte die Reihe eigentlich nicht wirklich eine große, allumfassende Klammer, die über die grundsätzlichen Zutaten „Girls, Gangs & Rock’n’roll“ hinausging. MACHINE ANIMAL kopiert als einziger Film der Reihe wirklich recht sklavisch die Formel seines Vorgängers – wie haben eine von Meiko Kaji (als der gleiche character all but in name, auch den breitkrempigen schwarzen Hut darf sie wieder ausführen) geführte Mädchenbande, die mit einer Jungs-Gang lose assoziiert ist, die sprichwörtlichen „Fremden, die in die Stadt kommen“, denen von der Jungs-Gang aus Meikos Sicht Unrecht getan wird, so dass sie sich auf die Seite der Neuankömmlinge schlägt und gegen die Männerbande stellt (und wie in SEX HUNTER hegt ihre Figur ein gewisses romantisches Interesse an dem Fremden bzw. einem der Fremden, ohne dass dieses Interesse wirklich vollzogen werden kann, weil jeweils der männliche Part dieser potentiellen Beziehung nicht stark an daran interessiert ist). Anstelle der gesellschaftskritischen Anti-Rassismus-Keule und der stark ausgeprägten sexuellen Gewalt, mit der „die Männer“ ihre Vormachtstellung über „die Frauen“ auszuüben gedenken, gibt sich MACHINE ANIMAL deutlich weniger sozial engagiert und belässt es bei einer vage aufgesetzten Antikriegsmessage, wobei das Script von Ryuzo Nakanishi (GAPPA – FRANKENSTEINS FLIEGENDE MONSTER, DER GROSSE KRIEG DER PLANETEN, GODZILLA 1985 und damit eigentlich ungeachtet seiner sonstigen Vita by default ein potentieller badmovies-de-Säulenheiliger) nicht wirklich daran interessiert ist, sich hierzu näher zu positionieren. Charlie, der desertierte Ami, ist mehr oder minder nur ein personifizierter MacGuffin, der die eigentlichen Protagonisten in Schwierigkeiten und damit den Plot vorantreiben kann, ohne dass wir wirklich etwas *über* ihn, seine Beweggründe, seine Persönlichkeit erfahren (was aber angesichts der noch zu würdigenden grottenmiserablen Performance des dazugehörigen Schauspielers vielleicht sogar eine gute Sache ist). Aber es ist eigentlich auch schon wieder gelebte Tradition der Reihe, dass die meisten Charaktere Chiffren sind, die stellvertretend für die Archetypen der modernen, freiheitsliebenden und die althergebrachten gesellschaftlichen Konventionen in Frage stellenden Jugend stehen (in Teil 3 und 4 bezeichnen sich die Protagonisten gelegentlich mal tatsächlich als „stray cats“, junge Leute, die keine Familien haben und mehr oder minder auf der Straße leben, wobei die Frage sich aufdrängt, ob das gezwungenermaßen oder freiwillig so ist. Da die meisten der Figuren mit ihrem Lebensstil keine moralischen oder sonstigen Probleme zu haben scheinen, sehe ich das eher so, als dass sie aus freien Stücken mit ihrem alten Leben gebrochen haben, um sich in die Subkultur abzuseilen). Wie im Vorgängerfilm SEX HUNTER ist es auch in MACHINE ANIMAL ausgerechnet der nominelle Schurke, Sakura, der zumindest ein bisschen Charakter-Background mit auf den Weg bekommt – die gegenseitige Abhängigkeit, die seine Beziehung mit Yuri ausmacht, erklärt, im Gegensatz zu Baron in SEX HUNTER, sicher nicht in Gänze seine kriminellen Machenschaften, gibt ihm aber etwas Tiefgang und die notwendige Motivation, um im Schlussakt die Sache nicht mit einer sportlichen Niederlage bewenden zu lassen, sondern ob des aus seiner Sicht unverzeihlichen Angriffs auf Yuri den Klappstuhl auszugraben.
 
Allerdings klebt MACHINE ANIMAL schon ein bisschen sehr an der Formel des Vorgängers, und dadurch, dass der (implizierte) Sleaze aus SEX HUNTER durch die sexuelle Gewalt wegfällt, wirkt MACHINE ANIMAL manchmal wie eine Art Light-Version des dritten Films, die leider nicht ganz so gut funktioniert. Charlie ist eine Nervensäge, Meikos Girls scheinen manchmal unter fortgeschrittenem Gehirnschwund zu leiden (okay, die drogen alle wie die Doofen, also wer weiß schon, wieviel Hirnzellen die sich schon weggeflasht haben), und das das ganze Stray-Cat-Universum eins zu sein scheint, in dem von Polizei und Gesetzen noch nie jemand was gehört zu haben scheint (in Teil 3 werden mal kurz Cops erwähnt, im hiesigen Teil 4 scheint allerdings die amerikanische MP die einzige Ordnungsmacht zu sein), und Gangs, die nicht gerade so aussehen, als wären sie mit einflussreichen Yakuza-Clans im Bund, nach Belieben ganze Großstädte unter ihre Fuchtel bringen können, untergräbt auf die Dauer die Glaubwürdigkeit. Garniert dann noch mit der Motorrad-Verfolgung mit den Spielzeughondas (let me tell you something: GET CARTERs Multiple-Mini-Chase ist das grad nicht), die weniger spannend und cool als albern und sinnlos wirkt, macht sich ein gewisser Abnutzungseffekt bemerkbar. Womöglich auch der Grund, warum Regisseur Hasebe den noch folgenden fünften Film einem Kollegen überließ, wahrscheinlich war er auch zum Schluss gekommen, dass dem Konzept keine besonders originellen Ideen mehr abzuringen waren.
 
Was Hasebe aber nicht an MACHINE ANIMAL ausließ, denn inszenatorisch lässt er keinen Motivationsverlust erkennen. Das ist alles wieder sehr poppig-bunt, mit trippigen Kamerawinkeln, Splitscreens, Edit-Spielereien und Farbfiltern, und wieder einmal gibt’s genug Musiknummern, dass der Streifen als Musical durchgehen würde, wenn man das Genre so definiert, dass jede Art von on-screen performter Mucke, auch wenn sie nicht zur Story gehört und die Handlung nicht vorantreibt, einen Film zum Musical macht – Meiko Kaji darf dann sogar einen Song, eine sentimentale Liebesballade („Gamble for Tomorrow“)  in character vortragen (keine Ahnung, ob’s ihre eigene Stimme ist, wenn ja, dann durchaus Kompliment). Der Rest der Mucke ist wie üblich ein buntes Potpurri aus Psychedlic Rock, Nippon Beat und gelegentlichem Jazz-Fusion-Rock. Geht durchaus gut ins Ohr (und die japanische Beat- und Rockmusik dieser Ära ist in der Tat etwas, mit dem sich der aufgeschlossene Musikfreund befassen kann und sollte). Mit ein bisschen über 80 Minuten ist das alles auch temporeich genug vorgetragen, um gar nicht erst langweilen zu können, aber die emotionalen Punches sitzen einfach nicht mehr so treffsicher wie in SEX HUNTER. Charlies Schicksal wird dem durchschnittlichen Zuschauer ziemlich am Allerwertesten vorbeigehen (weil er hauptsächlich ein Volltrottel ist), und Sabus Tod geht einem auch nicht sonderlich nahe, weil er bis dahin im Film immer so etwas wie das fünfte Rad am Wagen war – zwar immer „dabei“, aber nie wirklich in die Position gerückt, als wäre er ein spezifisch wichtiger Charakter, ohne den der Film nicht zurecht käme.  
 
Im Vergleich zu SEX HUNTER ist MACHINE ANIMAL, wie schon angesprochen, deutlich weniger „sleazig“. Sexuelle Anzüglichkeiten gibt’s glatt gar keine, der einzige echte Gewaltakt ist im Finale Sabus Tod, ansonsten überrascht allenfalls der sehr freimütige und keine Sekunde lang verurteilende Umgang mit Drogenkonsum – dass die „Helden“ sich ihre Flucht ins Ausland mit dem Verticken von Acid verdienen wollen, wird nicht mit einer Silbe als moralisch verwerflich oder falsch dargestellt.
 
Schauspielerisch rufen die üblichen Verdächtigen die besten Leistungen ab. Meiko Kaji spielt Maya praktisch identisch zu Mako aus SEX HUNTER, und den Charakter der äußerlich kalten, lakonischen Anführerin ihrer Gang hat sie fraglos drauf. Tatsuya Fuji, im letzten Film noch verachtenswerter Bösbube, gibt den Nobo trotz völligem fehlenden Backgrounds (was ja, hence his character name, auch irgendwie der Punkt der Figur ist) durchaus patent, und Eiji Go übernimmt den Staffelstab als Fieswatz (zwecks zusätzlicher Verdeutlichung seines Eviltums auch noch einen Gehstock benutzend. Monokel waren wohl grad aus) so reibungslos, dass ich zuerst dachte, es *wäre* wieder Fuji der Schurke. Bunjaku Han macht aus ihren zwei-drei Auftritten als Yuri das Maximum, aber Toshiya Yamano (Charlie) möchte ich mit Freuden auf den Mond schießen, sofern sichergestellt ist, dass er kein Rückflugticket bekommt. Nicht nur, dass Yamano ähnlich überzeugend einen desertierten US-Soldaten spielt wie ich einen japanischen Samurai mimen würde, ist er auch abgesehen davon ein nerviger Zappelphillip, der mir in jeder Sekunde, die er den Screen ziert, persönlich auf den Zeiger geht, und ich ahne, dass Hasebe das irgendwie schon auch ähnlich sah, den Charlie hat praktisch keinen Dialog, der über ein paar englische Phrasen, die maximal drei Worte umfassen (was ja auch dadurch gedeckt ist, dass seine Figur dem Japanischen nicht mächtig sein dürfte), hinausgehen, und selbst die sind ungefähr so ohrenschmeichelnd wie Nägelkratzen auf einer Schultafel. Er hat’s dann mit der Schauspielerei erfreulicherweise auch sein lassen…
 
Wie üblich ist der Print in der Arrow-Box ausgezeichnet, bringt die Farben exzellent zur Geltung und ist völlig frei von Defekten oder Verschmutzungen. Der japanische O-Ton ist ebenfalls fein, und die englischen Untertitel lassen auch keine Wünsche offen. Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass die DVD-Version, wo sich MACHINE ANIMAL eine Scheibe mit SEX HUNTER teilt, das Abspielen komplett verweigerte und auch der Blu-Ray-Player nur mit viel Hakeln und Ösen und unter Verzicht auf die ersten zehn Minuten zum Abspielen der DVD zu bewegen war. Deswegen gibt’s heute auch nur zusammengegeierte Screenshots aus dem Internetz.
 
Einerseits also wird MACHINE ANIMAL Fans der Serie durchaus zufriedenstellen, denn er hält das ansprechende technische Niveau und seine Hauptdarsteller wissen zu überzeugen, andererseits ist er eben doch gegenüber dem schon gleichermaßen fast übertrieben grimdarken und dabei auch noch stellenweise unangenehm sleazigen SEX HUNTER deutlich zahmer, teilt weniger heftig gegen die Männerwelt aus und lässt ein-zwei große set pieces, wie SEX HUNTER sie zu bieten hatte, vermissen. Das reicht mir immer noch zu einer Empfehlung, aber man ahnt, dass das Konzept langsam am Ende seiner Tragfähigkeit angelangt ist.
 
© 2020 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 4

BIER-Skala: 6


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