Sin Reaper


  • Deutscher Titel: Sin Reaper
  • Original-Titel: Sin Reaper
  • Alternative Titel: Sin Reaper 3D
  • Regie: Sebastian Bartolitius
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 2012
  • Darsteller:

    Helen Mutch (Samantha Walker)
    Patrick J. Thomas (Sasha Jones)
    Adrian Tauss (Matthew Ellis)
    Lance Henriksen (Dr. Douglas Hoffman)
    Andrew James Porter (R.J. Williams)
    Paulina Bachmann (Melanie Pregler)
    Hazuki Kato (Jenny Kaylin)
    Hanno Friedrich (Michael Buck)
    Nico Sentner (Erich Kramer)
    Alexander Kiersch (Daniel Yulin)
    Nicolai Tegeler (Lukas Porteous)


Vorwort:

Eins vorweg: Ich bespreche „Sin Reaper“ nur, weil Drehbuchautor Manuel Johnen zu den Urgesteinen unseres Forums gehört. (Aus demselben Grund schrob ich damals über Passage 33; die Älteren unter euch erinnern sich womöglich.) Ich hatte sogar das Vergnügen (naja), im Vorfeld das Drehbuch zu lesen. Kann also sein, dass folgende Kritik nicht zu 100% neutral ausfällt (wiewohl ich Schweizer bin, höhö).

Abgesehen davon, weshalb sollte der Streifen für irgendwen von Interesse sein? Nun, es handelt sich dabei um eine deutsche Horrorproduktion. Da denkt man zunächst an Amateurgrütze oder Fernsehmüll, aber die Macher von „Sin Reaper“ haben sich höhere Ziele gesteckt nach dem internationalen Markt geschielt. Und fahren nichtmal schlecht damit; immerhin hat es der Film bis nach Japan geschafft und wird in den USA gar von der „Fangoria“ vertrieben.
Außerdem spielt Lance Henriksen mit. Ihr wisst schon, der Typ aus „Aliens“ und „Millenium“. Das will ich dann doch mal sehen.

(Der Interessierten Leserschaft sei übrigens auch die Kritik von Kollege Dirk M. Jürgens ans Herz gelegt.)

Inhalt:

Die junge Amerikanerin Samantha Walker ist eine arme Sau, denn sie träumt ständig Albträume. Diese drehen sich um eine deutsche Ordensschwester namens Marie (die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Unheimlich!). Nach einem langen Tag voller Beten und sonstigem Klosterzeugs geht die Nonne zu Bett. Subtiler Symbolismus voraus: Im Schlaf leuchtet der Mond durch eine kreuzförmige Öffnung im Fensterladen direkt auf das Gesicht der Ordensschwester. Da klopft sich der Regisseur selbst auf die Schulter, der Nonne hilft es jedoch wenig: Ein kleiner Junge mit Jutesack überm Kopf entert ihr Schlafzimmer und ersticht sie mit einem scharfkantigen Kruzifix.
Der Abt (Pater Gabriel heißt derselbe) entdeckt die Sauerei und den Jute-Jungen. „David!“, entfährt es ihm.
Der Jungmörder konfrontiert den Abt mit einem rätselhaften Büchlein (wir kommen darauf zurück) und geht auf ihn los, doch Gabriel knockt das Gör (blutig) aus. Anschließend verscharrt er Marie und David hinterm Kloster im Wald.

Samantha träumt nicht nur Scheiße zusammen, sondern zeichnet auch Kreuze und irgendwelche alten Gemäuer. Sehr mysteriös. Findet auch Dr. Douglas Hoffman, ihr Therapeut. (Henriksen!) Er findet das sogar so mysteriös, dass er aufwändige Recherchen betreibt und im Internet Bilder eines mittelalterlichen Bauwerks aufspürt, das zu Samanthas Zeichnungen passt.
„Wallenhausen?“, fragt sie.
„Wallenhausen. Das ist ein altes Kloster in Deutschland“, erklärt er.

Und so geht Sam nach Deutschland. Allein. Wird schon gut gehen.
Ein anderer Tourist balzt sie in der Hotel-Lobby dumm von der Seite an (ein Mundatmer mit Emo-Frisur, der ebenfalls aus dem angelsächsischen Raum stammt – genauer definiert wird das nicht). Hier möchte ich kurz in den Originalton wechseln und euch den folgenden Austausch in ganzer Gänze wiedergeben. Damit ihr ein Gefühl für die Qualität der Dialoge bekommt.
Mundatmer: „Guden Tag, Froilein.“
Sam: „Sorry, I ...“
Mundatmer: „Ah, you're American. That makes it a lot easier.“
Sam: „You think I'm easy?“
Mundatmer: „Oh no, that is not what I meant. Ahm, my German isn't ...“
Sam: „Yeah, I noticed. Look, I'm late for … Never mind, I'm just late. So forgive a damsel in distress her boldness. You're cute but sorry, wasn't meant to be.“
Sam geht ab, kommt aber gleich wieder: „Hi again. I'm Samantha.“
Mundatmer: „I'm Sasha.“
Sam: „You don't happen to have a travel guide, cute Sasha?“
Mundatmer: „Ahm, I, ahm … Actually, we have one in the car.“

Uffza. Solche Perlen der Dialogkunst muss man erst einmal verdauen. Wieso ist Sasha eigentlich des Deutschen nicht mächtig, hat aber einen teutonischen Akzent? Hrmpf. Weil's so schön war, hier nochmal dasselbe im Synchro-Ton:
Mundatmer: „Guten Tag, schöne Frau.“
Sam: „Sorry, aber ich ...“
Mundatmer: „Du bist Amerikanerin? Das macht es mir leichter.“
Sam: „Mich anzumachen?“
Mundatmer: „Oh nein, das hab ich nicht gemeint. Ich war nur grade ein wenig ...“
Sam: „Ja, ist mir schon aufgefallen. Ich muss jetzt unbedingt … Egal, ich bin spät dran. Also vergebt der schönen Frau ihre Dreistigkeit. Ihr seid so süß, aber leider soll es nicht sein. … … … Hallo, ich schon wieder. Ich heiße Samantha.“
Mundatmer: „Ich bin Sasha.“
Sam: „Du hast nicht zufällig einen Reiseführer, süßer Sasha?“
Mundatmer: „Ich, äh … Ich glaub, wir haben einen in dem Auto.“

Und so fährt der Mundatmer Sam zum Kloster Wallenhausen. (Ehrlich gesagt, die unsympathische Tusse würd ich nicht in mein Auto lassen. Aber Sasha ist ein unverbesserlicher Fußabtreter, das werden wir noch sehen.)
Das alte Gemäuer ist seit zehn Jahren nicht mehr als Konvent in Betrieb (wir kommen darauf zurück) und dient heutzutage als Museum. Der dicke Pförtner verkauft den beiden Tickets … und guckt Sam plötzlich ganz entgeistert an. Man könnte fast meinen, er kenne sie von irgendwoher. Oder zumindest die Halskette, die sie trägt.
Dasselbe gilt für den Gärtner, der mit seinem Handy totaaaal unauffällig ein Foto von Sam schießt (direkt vor die Schnauze halten und abdrücken). Sie reagiert nicht darauf, weil Frauen mit sowas bekanntlich keine Probleme haben.
Wie dem auch sei, es steht eine Klosterbesichtigung unter der Leitung von Museumsführer Lukas Porteous an. Besagte Führung führt in einen Ausstellungssaal.

Lukas: „Sie sehen hier den Original-Kampfhelm, den Siegfried von Wallenhausen damals getragen hat, der Gründer dieses Ordens.“
Mit dem Helm sei Siegfried um 1100, im Rahmen des ersten Kreuzzuges, bis nach Ungarn gekommen. Dort ließ er sich zudem für den Kampf gegen die bösen Musels eine ganz besondere Waffe schmieden: Ein doppeltes Kreuz mit spitz zulaufenden Enden und messerscharfen Kanten.
Lukas: „Der gnadenlose Eifer in dem er es nutzte, um jedes sündige Verhalten auszurotten, verschaffte ihm schon bald den Beinamen Sin Reaper.“

Samantha hat die Führung genutzt, um ihre Zeichnungen mit dem Ort abzugleichen (jupp, stimmt alles überein), und spricht im Anschluss den verdächtigen Gärtner an: „Ich würde Sie gerne etwas fragen: Kennen Sie mich von irgendwoher?“
Doch Pavel (so heißt der Typ) sagt kein Wort. Museumsführer Lukas tritt dazu: „Was führt Sie hierher, wenn ich fragen darf?“
Sam: „Ich schreibe eine wissenschaftliche Arbeit über Architektur im Mittelalter. In Bibliotheken herum kramen reicht nicht aus, ich muss mir die Originale ansehen.“
Hm, okay. Wir operieren also unter einem Vorwand. Kann ich nachvollziehen. Ich würd auch nicht jedem auf die Nase binden, dass ich eine Psycho-Schrulle mit hellseherischen Träumen bin.
Sam erfragt bittend, ob Lukas sie ein wenig herumführen könne, stößt bei ihm aber auf wenig Hilfreichtum. Michael (Hanno „Sechserpack“ Friedrich!) dagegen zeigt ihr nur zu gern historische Unterlagen.

Michi ist Museumskoch und zugleich Stellvertreter von Direktor Daniel Yulin. „Genau genommen haben Yulin und ich dieses kleine Museum vor drei Jahren gemeinsam aufgebaut“, führt er aus.
Wenn man vom Teufel spricht: Daniel überrascht die beiden in seinem Büro (wo die erwähnten historischen Unterlagen sind), kriegt einen Wutausbruch und verpasst Samantha Hausverbot. Leicht erregbar, der Herr.

Zurück im Hotel schläft Samantha mit dem Zeichenbrett in der Hand ein und träumt davon, wie eine Gestalt in Mönchskutte Gärtner Pavel mit einer Heckenschere totkillt. Den Mord bringt sie unbewusst zu Papier, was wohl eine psychische Verbindung zwischen ihr und dem Killer andeutet. (Stammen auch ihre Albträume daher?)

Was Sam nicht träumt: Der Mörder schnappt sich das Handy vom Koch und sendet den Schnappschuss von ihr an einen älteren Herren, den wir als den Abt aus ihrem Albtraum identifizieren. (Am besten macht ihr euch davon eine Notiz, denn es dauert eine volle Stunde, bis Pater Gabriel wieder auftaucht und wir endlich erfahren, was eigentlich der Sinn dieser Szene war. Cineastische Erzählkunst vom Feinsten.)

Von ihrer Mord-Zeichnung beunruhigt, rückblendet Samantha eine Sitzung mit Dr. Hoffman und ruft den Therapeuten gleich darauf an. Wie immer ist er ihr eine Stütze und hilft mit lieben Worten: „Diese ganze alterstypische Scheiße, die Sie durchmachen, interessiert mich nicht.“ (Jaja, insgesamt gibt er sich im Gespräch nicht ganz so unfreundlich.)
Kein Wunder, dass sie das Gespräch etwas patzig beendet: „Ich werde einen Jungen mitnehmen, der alles tut, was ich will. Ich komm schon allein zurecht.“
Ach ja, Sasha. Der hat seine beiden Reisebegleiter (wir kommen später auf sie zurück) an der Hotelbar im Stich gelassen, um nach Sam zu sehen. Und er hat das Ferngespräch mit Dr. Hoffman mitgehört.

Verständlicherweise ist der Mundatmer schlechter Laune: „Nachdem ich nur ein Handlanger bin, der jeden Blödsinn für dich tun würde, wüsste ich nicht, warum ich dich nicht in den Wind schießen sollte.“
Ganz einfach, lieber Sasha: Weil du ein unverbesserlicher Fußabtreter bist. Eine hingerotzte Entschuldigung und ein Fläschchen Jägermeister später hilft er ihr nämlich dabei, im Schutz der Dunkelheit ins Kloster Wallenhausen einzubrechen. (Wohlgemerkt: er weiß bis dahin auch, dass sie psychische Störungen hat.)

Wird auch langsam mal Zeit, dass die Plotte in die Gänge kommt. Wir haben es von nun an mit folgenden vier Fraktionen zu tun:

1. Eben Samantha und Sasha, die durch ein offenes Fenster ins Kloster einsteigen. Dieses Fenster ist keinesfalls aus Zufallen offen, womit wir zur nächsten Partei kommen.

2. Museumsdirektor Daniel und Koch Michael. Die zwei haben das Museum nicht etwa aus historischem Interesse eröffnet, sondern um Versicherungsbetrug zu begehen. Siegfrids Kampfhelm und das Waffen-Kreuz, die uns Lukas vorhin präsentierte, sind nämlich für zwei Millionen Euronen versichert. Dani und Michi haben einen Kleinkriminellen engagiert, um das Kloster des nachts zu entern (darum das offene Fenster) und die Gegenstände mitzunehmen. Helm und Kreuz wollen die beiden dann an irgendwelche zwielichtigen Subjekte verhelern und zugleich das Versicherungsgeld einstreichen.
Also, an der stelle der Versicherung würd ich zuerst fragen: „Weshalb habt ihr diese Reliquien, die ihr bei uns für zwei Millionen versichert habt, weder durch Alarmanlagen gesichert noch weggeschlossen oder wenigstens unter Glaskästen gesteckt?“ Und dann die Auszahlung wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht verweigern.

3. Ich kündigte ja an, auf Sashas Reisebegleiter zurückzukommen. Dabei handelt es sich um R.J. und Matthew. R.J. zum einen ist eine stets gut aufgelegte Frohnatur (also ein unsympathisches Arschloch, dem ich einen grausamen Tod wünsche). Matthew hingegen ist ein alter Grummler, der die ganze Zeit herumzickt (also ebenfalls ein unsympathisches Arschloch, dem ich einen grausamen Tod wünsche).

Während sich R.J. nicht wirklich drum kümmert, was Sasha macht, ist Matthew zu Tode gekränkt, weil der Mundatmer die unfassbare Frechheit besitzt, die Gesellschaft einer hübschen Blondine der seinen vorzuziehen. Das ließ er sie vorhin auch deutlich spüren, als Sasha ihm das Mädel an der Hotelbar vorzustellen versuchte.
Sasha: „Das ist Matt.“
Matt: „Ich heiße Matthew.“
Sasha: „Oh, entschuldige: Matthew. Das ist Samantha.“
Sam: „Nicht doch. Nennt mich einfach Sam.“
Matt: „Ich nenn dich Albtraum. […] Ich will dich mal was fragen: Was willst du von dem Kerl? Du hast doch irgendwelche dunklen Absichten, hä?“
Zum Teufel, Matt, was ficht dich an? Bist du in Sasha verknallt und jetzt eifersüchtig? Hast du deine Periode? Hat Samantha deinen Hund überfahren? Oder verabscheust du einfach Frauen, weil dich deine Mutter in Kleider gesteckt und dir Zöpfe geflochten hat?

Egal. Während Sam und Sasha ins Kloster einbrechen, sitzen R.J. und Matthew mit regionaler weiblicher Begleitung im Hotel-Restaurant. Neben Grummler Matthew sitzt Melanie, die ihre Wollmütze auch drinnen nicht auszieht. An der Seite von R.J., der personifizierten guten Laune, hockt hingegen Jenny. Bei ihr bin ich mir nicht sicher, ob sie so spricht, wie sie spricht, weil sie Asiatin oder besoffen ist: „FIRST of all: THIS place, the MOnestary of … WallenHAUsen, has a reputAAATION, a DAAAAAARRRRK reputation.“
In der deutschen Synchro tönt Jenny nicht ganz so schlimm: „Zunächst einmal hat dieses Gemäuer, dieses Kloster von Wallenhausen, einen gewissen Ruf. Einen wirklich unheimlich üblen Ruf.“

Die beiden Regionalgewächse erzählen den Touristen also vom Kloster und dessen grauslicher Hintergrundgeschichte. Da sei lange, lange Zeit ein strenggläubiger und total verschwiegener Orden einquartiert gewesen. Bis dieser Orden vor zehn Jahren über Nacht und unter gänzlich mysteriösen Umständen verschwunden sei. Jenny: „Da wurden Leute geschlachtet!“
R.J.: „Wow! Sasha kann etwas erleben, wenn die kleine Hexe ihn durchs Kloster jagt.“
Das macht Matt derart wütend, dass er in Samanthas Hotelzimmer einbricht und dort neben ihren Zeichnungen eine Dose mit einem Psychopharmakon findet. Was wiederum Grund genug ist, um zusammen mit R.J. und den beiden Frauen zum Kloster zu düsen.

Ihr entsinnt euch, ich habe von vier Fraktionen gesprochen. Also:

4. Der Killer in der Mönchskutte. Nachdem er den Gärtner getötet und entsorgt hat, überrascht er den von Daniel und Michael engagierten Einbrecher beim Einbrechen. Der Killer setzt sich Siegfrieds Helm auf, schnappt sich das Waffen-Kreuz und macht damit den Einbrecher tot. (Schade, der war mir als einziger halbwegs sympathisch.)

Da er nicht mehr lebt, kann der Einbrecher Daniel die Reliquien nicht zum vereinbarten Zeitpunkt aushändigen. Das macht den Museumsdirektor so nervös, dass er Koch-Kumpel Michael per Handy herbeizitiert und mit ihm zusammen nachprüfen geht, was im Kloster denn bloß vor sich geht.

Derweil durchstöbern dort Sam und Sasha Daniels Büro und stoßen auf einen alten Schlüssel, der (weshalb auch immer) in einem Briefumschlag steckt und zum Dachboden führt. Aus einer alten Truhe birgt Sam ein Fotoalbum. Eine der Fotografien zeigt eine Nonne, die ihr unheimlich ähnelt und zudem dieselbe Halskette trägt wie sie. Das ist (bzw. war) wohl Schwester Marie.
Die Kette löst bei Samantha eine Rückblende aus, in der sie mit Dr. Hoffman über eben jenes Schmuckstück und ihre (Adoptiv-)Mutter spricht. Müsst ihr euch nicht merken; die Szene ist nur dazu da, damit's mehr Henriksen-Action gibt.

Übrigens, auch Shashas Reisebegleiter nebst den Regional-Tussen sind inzwischen am Kloster aufgeschlagen.
Matt: „Erst mal ein paar Grundregeln. Regel Nr. 1: Ihr macht keine Panik. Regel Nr. 2: R.J., DU machst keine Panik.“
R.J.: „Yeah, ich hab meine eigene Regel!“
Matt: „Und Regel Nr. 3 ...“
Jenny: „Ihr verliert kein Wort über den Fight Club.“
Ich lach mich tot.
Jedenfalls, die vier steigen ebenfalls durchs Fenster, sehen sich um und quatschen irgendwelchen vergessenswürdigen Dummfug. Wissen müsst ihr nur, dass Matthew zusammen mit Melanie nach Sasha sucht, während sich R.J. und Jenny zwecks eines schnellen Ficks an ein stilles Plätzchen verziehen.
Doch ach, R.J. ist nicht in Stimmung und bricht die Übung ab, weswegen sich Jenny unsterblich in ihn verliebt. Oder so. Ich ärgere mich darüber, dass sie ihren BH anbehält; was ist das denn fürn prüder Film?

Endlich geht mal was: Koch Michael (der den Ausstellungsraum überprüft und statt der Reliquien nur Blutflecken vorgefunden hat) begegnet dem Sin Reaper. Der ritzt ihn mit dem Mord-Kreuz an. Im Versuch zu flüchten, wuchtet sich Michael über eine Brüstung in den Innenhof und bricht sich bei der Landung das Rückgrat (autsch). Der Sin Reaper erlöst ihn von seinem Leiden.

Und wendet sich daraufhin den nächsten Opfern zu. Dazu müsst ihr wissen: Museumsdirektor Daniel entdeckte vorhin die Unordnung in seinem Büro und anschließend die Turteltäubchen R.J. und Jenny. Er hält den Spaßvogel und die Asiatin mit einer Schreckschusspistole in Schach. Aber nicht lange, denn der Sin Reaper streckt ihn hinterrücks mit dem Waffenkreuz nieder.
R.J. und Jenny liefern sich mit dem Killer ein kleines Katz-und-Maus-Spiel und flüchten schließlich zum Tor. Da selbiges aber verschlossen ist, verlieren die beiden spontan jeglichen Lebenswillen und lassen es bereitwillig geschehen, dass der Sin Reaper sie beide vom Leben in den Tod befördert.

Nach getaner Arbeit betätigt sich der Sin Reaper als Graffiti-Editor: Irgendwer hat nämlich „God is nowhere“ an eine Klosterwand gepinselt. Der Killer zieht mit Blut einen Strich: „God is now/here.“

Matthew und Malanie überraschen Sam und Sasha auf dem Dachboden. Es gibt viel Geschrei und Gebrüll, weil die beiden Kerle ihre Beziehung aushandeln. Die Details interessieren eh kein Schwein, also zur Hölle damit.
Aber wie kommt man jetzt wieder aus dem Kloster raus? Einer Eingebung von Sam folgend, gehen die vier nicht einfach den Weg zurück, den sie hereingekommen sind, sondern nehmen einen Geheimgang, der in eine abgelegene Klosterzelle führt. Hier geschehen zwei Geschehnisse:
1. Melanie verliert unter wenig nachvollziehbaren Umständen ihre Wollmütze, worunter eine geradezu märchenhafte Haarpracht zum Vorschein kommt. Als sie ihr Haar zurückbinden will, schreitet Matt ein: „Lass es so. Glaub mir, du musst dicht nicht verstecken, Rapunzel.“ Das wird für den Film noch von eindringlicher Wichtigkeit sein.
2. Samantha erspäht ein Büchlein und erkennt es aus ihrem Traum. Es handelt sich dabei um das Tagebuch ihrer Mutter. Melanie ist so nett und übernimmt das Vorlesen: „Ich bin im Kloster angekommen. Pater Gabriel hat mich begrüßt. Seine Stimme ist unvergesslich, so wie die Worte, die er spricht. Sie sind Feuer. Feuer, das ein Herz erwärmt, das allzu lange bitterer Kälte ausgesetzt war.“
Ein paar Einträge später wird’s dramatisch: „Ich trage Pater Gabriels Kind unter dem Herzen. Er nennt das Kind seine einzige unverzeihliche Sünde. […] Ich habe David und Emilia, einen Sohn und eine Tochter geboren. Gabriel darf nichts von dem zweiten Kind erfahren. […] Ich gab meiner Tochter die Halskette und dann hab ich ihr noch einen letzten Kuss gegeben.“

Soviel zur heutigen Seifenoper. Es liegt an Matt, die Lesung zu unterbrechen und zum Aufbruch zu drängen. Auf der Suche nach R.J. und Jenny stoßen die vier im Ausstellungsraum auf deren sterbliche Überreste. Unsere verbliebenen „Helden“ verfallen in unterschiedliche Ausprägungen von Hysterie. Noch mehr Geschrei und Gebrüll. Ach, es ist zum Eierlegen.
Das Tor ist bekanntlich verschlossen, aber Samantha und Sasha erinnern sich an den Rundgang zurück, genau gesagt, an die Erläuterungen von Museumsführer Lukas, was Geheimgänge anbelangt (haben wir vorhin nicht gesehen, wollen wir aber mal glauben).
Sam: „Es gibt eine Art unterirdischen Ausgang.“
Melanie: „Ihr meint durch den Keller?“
Also begeben sich die vier in den Keller. Melanie stößt auf eine Lücke in der Wand, hinter der sie einen geheimen Durchgang vermutet. Kaum hat sie die anderen darauf hingewiesen, greift der Sin Reaper durch eben diese Lücke nach ihren Rapunzel-Haaren, reißt sie brutal durch die einstürzende Wand und schleppt sie von dannen. (Ich hab doch gesagt, die Frisur werde noch wichtig.)

Zunächst verlieren Sam und Sasha in der Dunkelheit den grummeligen Matt, finden ihn aber hinter einem vergitterten Durchgang wieder – und stellen fest, dass sich der Sin Reaper mit ihm im Raum befindet. Ähnlich wie zuvor R.J. und Jenny verliert auch der Grummler an Ort und Stelle jeglichen Lebenswillen, doch Sam und Sasha können das Gitter im letzten Moment aufwuchten. Sie ziehen den Matt ins Freie und schließen den Durchgang wieder.
Jedoch, da Sasha ein Idiot ist, bleibt er bei den Gitterstäben stehen. Das verschafft dem Sin Reaper die Gelegenheit, dem Mundatmer das Waffenkreuz in den Rücken zu sploddern.

Da nun Sam in ihrer Wut auf den Killer losgeht, ihre Nahkampf-Technik aber arg zu wünschen übrig lässt, hätte er die Möglichkeit, sie ebenfalls auszuschalten. Stattdessen nimmt er nur ihre Halskette an sich.
Sam und Matt sind also die letzten Überlebenden. Katz-und-Maus-Spiel, die Nächste. Moment mal … Jetzt taucht auch plötzlich noch der dicke Pförtner auf! Was zum Teufel hat DER denn hier verloren? Ihr macht wohl Ulke! Gott im Himmel, diese Scheiße nervt.
Und siehe da, einzige Funktion des Fettsacks ist, die Laufzeit zu strecken. Will sagen, drei Minuten später ist er schon wieder tot, während Sam und Matt erneut auf sich allein gestellt sind. Ächz.

Wenn ich das richtig verstehe, erreichen Sam und Matt zwar das Fenster, durch das sie eingestiegen sind. Sie trauen sich jedoch nicht rauszuklettern, weil der Sin Reaper davor die Leiche von Melanie drapiert hat. Von mir aus, ist doch egal.
Die beiden versuchen es stattdessen mal anders herum und stellen dem Sin Reaper eine Falle – was freilich in einem Desaster endet. Der Killer schleudert Matt über eine Mauer (der Grummler bleibt mutmaßlich tot liegen) und schlägt Sam mit einem gezielten Fausthieb K.o.

Eine unbestimmte Weile später schreckt sie an einem unbestimmten Ort aus ihrer Ohnmacht hoch. Sie ist an einen Stuhl gefesselt und sieht sich dem Sin Reaper höchstpersönlich gegenüber.
„Wie geht es dir, Emilia?“, fragt dieser.
„David“, kontert sie.
David zieht sich Siegfrieds Helm vom Schädel und offenbart sein Gesicht. Das ist er, der große Twist! Die erschreckende und überraschende Antwort auf alle Fragen! Wer steckt hinter dem Sin Reaper? Ist er wirklich Sams Bruder? Was macht der Vater der beiden heute so? Ist Matt tatsächlich tot? Und taucht Lance Henriksen noch einmal auf?

Tja, das würdet ihr jetzt gern wissen. Aber nichts da! Ihr müsst euch schon eine Silberscheibe kaufen oder Myvideo.de bemühen und euch selbst durch die Scheiße quälen. HAHAHAHAHA! FICKT EUCH DOCH! ICH HASSE ALLES!

Nur so viel: Die Identität des Killers ist gerade mal halb so dämlich wie das ausgewalzte Geschwätz im Anschluss, mit dem der Film versucht, seinem Bösewicht eine ausgeklügelte Motivation zu liefern.
Und es gibt einen komplett sinnbefreiten Schluss-Schock. FURZ!

Machen wir's kurz und schmerzlos: „Sin Reaper“ ist ein Scheißfilm.

Ich WOLLTE den Streifen mögen, verdammt nochmal. Ich anerkenne, was Bartolitius und Co. angestrebt haben, und habe vollsten Respekt für ihre Erfolge im weltweiten Vertrieb. Lance Henriksen verpflichten, wer schafft das schon! Ich bin mir sicher, sämtliche Beteiligten waren mit viel Enthusiasmus dabei, haben ihr Bestes gegeben und sind allesamt sympathische Menschen. Ich begrüße alles, was gegen das Horror-Monopol von Dünnbrettbohrern wie Olaf Ittenbach und Marcel Waz geht. Und Hanno Friedrich ist eine coole Sau. Teufel noch eins, lest euch gefälligst seinen ausnehmend liebenswürdigen Drehbericht durch!

Trotzdem ist „Sin Reaper“ ein Scheißfilm. Woran liegt's?

Das Slasher-Genre à la Halloween und Friday the 13th ist für Anfänger grundsätzlich ein gefundenes Fressen, denn angesichts erschöpfend ausgetesteter Genre-Regeln schreibt sich ein Drehbuch fast von allein. Originalitäts-Preise wird man keine gewinnen, aber man hat etwas, worauf man sich stützen kann. Man braucht bloß einen Killer, ein paar Opfer und ein wenig Kunstblut. Muss nicht einmal viel kosten.
Allein, die jungen Spielfilm-Debütanten von „Sin Reaper“ setzen alles in den Sand. Ich weiß gar nicht so recht, wo ich überhaupt anfangen soll. Darum zeige ich jetzt einfach mal mit den nackten Finger auf die Figurenzeichnung.

Beschissenen Figuren folgt eine beschissene Story

Sämtliche Figuren in „Sin Reaper“ sind verabscheuungswürdige, dumme Kotzbrocken und es macht keinerlei Spaß, diesen Arschlöchern zusehen zu müssen. Am besten kommen Nebenfiguren wie Museumsführer Lukas, Gärtner Pavel oder der dicke Pförtner weg; die sind einfach für Exposition und zur Laufzeitstreckung da. (Was schlimm genug ist.)

Schon wichtiger für die Handlung sind Museumsdirektor Daniel und Koch Michael, sind sie doch als Versicherungsbetrüger für einen eigenen Subplot verantwortlich. Der mit der Haupthandlung allerdings nur am Rande zu tun hat. Ohne das HB-Männchen müsste Sam halt nichts des nachts ins Kloster einsteigen; darüber hinaus sind Dani und Michi nicht mehr als Kanonenfutter. Folglich verschwinden sie relativ rasch sang- und klanglos aus der Story.
Detail am Rande: Als Sam und Sasha in Daniels Büro Hinweise auf den Versicherungsbetrug finden, stöhnt das Mädel: „Ach, wenn interessiert das?“ Na endlich sagt's mal jemand!

So richtig düster wird’s sobald man darüber nachdenkt, wie Dani und Michi charakterisiert sind und was sie eigentlich wollen. Was ist der Zweck des Versicherungsbetrugs? Wofür brauchen die beiden zwei Millionen Euro? Sind sie einfach gierig, oder gibt es eine bestimmtes Motiv? Wieso engagieren sie einen Einbrecher, statt die Reliquien einfach selbst zu klauen? Wie haben die beiden es überhaupt geschafft, ein Museum auf die Beine zu stellen? Wer hat ihnen den nötigen Vorschuss gegeben? Hat sich in den Jahren seit der Kloster-Stilllegung niemand um das Anwesen gekümmert? Wo waren die Reliquien solang gelagert? Was hat Pater Gabriel in der Zwischenzeit gemacht? Wohin sind die Nonnen nach der Auflösung des Ordens gegangen?
Waren der Gärtner und der dicke Pförtner eigentlich schon früher Angestellte des Klosters? Dass die beiden Sam erkennen, scheint darauf hinzuweisen. Aber die müssen damals selbst Kinder gewesen sein. Waren sie ebenfalls Bastarde ficksüchtiger Nonnen?
Wie ist es praktisch überhaupt möglich, dass die beiden Sam erkennen? Sie kann nicht älter als zehn Jahr gewesen sein, als ihre Mutter sie nach Amerika verschickt hat. Höchstwahrscheinlich jünger. Herr im Himmel, ich würde mich ja selbst als Zehnjährigen nicht so ohne weiteres erkennen!
Update: Forumshansel Wizball weist zurecht darauf hin, dass Sam ihrer Mutter ja wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Es ist also durchaus möglich, dass Gärtner und Pförtner sie von früher erkennen (und geschockt sind, einem Klon von Schwester Marie gegenüber zu stehen). Was nun aber wieder die Frage nach der genealogischen Logik dieser hochgradigen Familienähnlichkeit aufwirft.

Eigentlich wollte ich gar nicht über den Gärtner und den Pförtner sprechen. Aber hier führt eine offene Frage sofort zur nächsten und zur übernächsten und immer so weiter, bis der ganze Film in einem Schwarzen Loch aus Unlogik und Sinnfreiheit versinkt. Habt Erbarmen, ihr Heiligen!
Was bleibt einem von Dani und Michi letztlich im Gedächtnis? Der Museumsdirektor trägt eine Schiebermütze und hat cholerische Anfälle. Und der Koch macht sich gerade mal dadurch bemerkbar, dass Hanno Friedrich ihn spielt. Das sind keine Figuren, das sind bloß rudimentäre Katalysatoren der Handlung. Deren Tod einem am Hintern vorbei geht.

Wechseln wir zu den, hüstel, wichtigeren Figuren – die aber kaum besser definiert sind. Da wären als erstes die Japanerin Jenny und das Haarmonster Melanie. Während Melanie über ihre Frisur hinaus keine Eigenschaften verpasst bekommen hat, fällt Jenny gerade mal dadurch auf, dass sie eine Schlampe ist. Oder doch nicht; sie verliebt sich ja in R.J., nachdem der sich dem Kaninchenfick verweigert. So romantisch. Oh, und sie spricht, als wäre ihr nie zuvor ein Wort Englisch begegnet. Nach allem, was ich weiß, ist Hazuki Kato eine waschechte Japanerin. Weshalb man sie als Deutsche besetzt hat (obwohl an ihrer echten Nationalität keine Sekunde lang Zweifel bestehen), werde ich nie verstehen. Paulina Bachmann als Melanie hat wenigstens einen sinnvollen deutschen Akzent.

Im Gegensatz zu Patrick J. Thomas, der als Sasha einen deutschen Akzent hat, ohne dass es zur Rolle passen würde. Sonst hat er nur die erwähnte Emo-Frisur. Und eben, er spielt einen unverbesserlichen Fußabtreter. Zum Teufel, warum schickt er Samantha nicht bei der erstbesten Gelegenheit in die Wüste? So notgeil KANN man doch gar nicht sein.
Und dann seine Kumpels: Soweit ich das dem Film entnehmen kann, sind Sasha, R.J. und Matt Jugendfreunde. Nur dass Sasha eben einen deutschen, R.J. einen amerikanischen und Matt einen englischen Akzent hat. Das ist doch Kokolores. (Stellt allerdings alles kein Problem dar, solang man nur die deutsche Synchro hört. Was man sowieso sollte, weil der Originalton von drittklassiger Qualität ist. Aber dazu später mehr.)
Andrew James Porter als R.J. geht einem mit seiner konsequenten guten Laune auf den Sack, wohingegen einen Adrian Tauss einen als Matt mit seinem Gegrummel annervt. (Womit er mir allerdings fast schon wieder sympathisch war, weil er dieselbe schlechten Laune an den Tag legt, die mich bei der Sichtung überkam.)
Matthew bekommt hier bei weitem am meisten Charakterhintergrund zugestanden (jedenfalls mehr als Sam … jaja, ich komm gleich auf sie zurück). Seine Eltern haben ihn als Kind ins Gefängnis werfen lassen und er hat viel Geld mit Online-Poker verdient. Und das war's auch schon. Spielt für den Film keine Rolle, geht mir auch rechtschaffen am Arsch vorbei. Viel lieber hätte ich gewusst, was für eine Beziehung (im Detail) ihn mit Sasha verbindet. Weshalb ist er so eifersüchtig auf Sam? Und wieso, um alles in der Welt, wehrt er sich nicht, als der Killer ihn zu töten droht? (Dieselbe Frage reiche ich an R.J. und Jenny weiter.)

Apropos Samantha. Die englische Schauspielerin Helen Mutch mag hübsch sein, aber ihre Rolle ist erschreckend unter-erläutert (Überraschung): Sam hat psychische Probleme, sie raucht und sie kann zeichnen. Aber darüber hinaus? Wer sind ihre (Adoptiv-)Eltern? Führt sie auch ein Leben neben den Therapiesitzungen bei Dr. Hoffman? Hat sie einen Beruf? Was sind ihre Hobbys, verdammt nochmal? Wir erfahren NICHTS über Samantha und erleben sie entweder als selbstsüchtige Bitch (wenn sie mit Sasha zusammen ist) oder als heulendes Elend (wenn sie vorm Killer davonrennt). Was soll mich das Schicksal dieser Schnalle interessieren?

Apropos Dr. Hoffman: Ich möchte echt mal wissen, wie Bartilitius und Co. es geschafft haben, Lance Henriksen zu verpflichten. Hat der nichts Besseres zu tun als sich für sowas herzugeben? Wenigstens muss er nicht mehr machen, als in einem Wohnzimmer abzuhängen und Dummsülz zu labern. Was aber handkehrum bedeutet, dass man hier als Henriksen-Fan wenig Action zu sehen kriegt.
Wieso eigentlich legt sich Dr. Hoffman bei Sam derart ins Zeug? Woher kommt seine väterliche Art ihr gegenüber? Bezahlt er ihr auch die Reise? Wieso begleitet er sie nicht nach Deutschland, wenn sie ihm so am Herzen liegt?

Egal, worum es in „Sin Reaper“ geht: Entweder macht es keinen Sinn, oder es ist so oberflächlich erklärt, dass es auch keinen Unterschied mehr macht. Was BESONDERS für den Killer und seine Motivation gilt. Herr im Himmel! Bartolitius und Co. versuchen sich an einer Kritik an religiösem Fundamentalismus, können aber nur mit sinnentleerten Versatzstücken um sich werfen, die sich keine Sekunde lang zu einem nachvollziehbaren Psychogramm verbinden. (Mehr dazu findet ihr übrigens in diesem Interview – sofern ihr das Textniveau ertragt.)

Da ihr gefälligst selbst herausfinden sollt, um wen es sich beim Sin Reaper handelt, möchte ich nicht auf die Details seiner Figur eingehen, aber zumindest nach der Verbindung zwischen ihm und Sam fragen. Wir erfahren, dass der Killer David ist, also ihr Zwillingsbruder. Der Mord am Gärtner, den Sam mit-träumt, verweist auf eine psychische Verbindung zwischen den beiden. Und der Sin Reaper selbst spricht im Finale von einem „göttlichen Band“.
Darüber hinaus bleibt diese Verbindung jedoch leere Behauptung. Weshalb ist der Mord am Gärtner der einzige, den Sam träumt? Stammen ihre Albträume ursprünglich von David? Hat sie auch ihre „Erinnerungen“ an das Kloster von ihm? (Sie selbst kann sie ja nicht gesammelt haben, da ihre Mutter sie gleich nach der Geburt weggegeben hat.) Aber wieso träumt sie dann, er sei als Kind gestorben? Argh! Da soll doch ein Donnerwetter dreinschlagen!

Wie ich sagte: Eine Frage führt sofort zur nächsten und zur übernächsten und zur überübernächsten … Das hat weniger damit zu tun, dass ich ein pingeliger Arsch bin (okay, das auch), als damit, dass hier keine Sau halbwegs nachvollziehbar geschrieben ist. Es wäre zum Lachen, würden die paar erbärmlichen Versuche, Witze zu reißen, nicht jeden Anflug von Humor in der Kinderkrippe ersticken. „Ah, you're American. That makes it a lot easier.“ – „You think I'm easy?“ Wer denkt sich bloß sowas aus? Was sind das für Menschen?
Nur eins hat mir ein Schmunzeln entrissen. Ist euch bei den Figurennamen was aufgefallen? Samtha Walker? Douglas Hoffman? Lukas Porteous? Schaut euch die Cast-Liste. Schaut sie euch genau an. Na?
Exakt! Sämtliche Namen sind von den Leuten auf Thtatguywiththeglasses.com abgeleitet. (Douglas Walker, Phelan Porteous, Brad Jones, Allison Pregler, und so weiter.) Das ist derart bescheuert, ich kann mir das Lachen nicht verkneifen. (Immerhin läuft hier niemand als Wes Carpenter oder John Craven durch die Gegend.)

Dem Slasher eine Schande

Da einem die Figuren (im besten Falle) egal sind, ist es einem auch egal, wenn der Sin Reaper sie umbringt. Und je weniger Sinn die Geschichte macht, umso weniger hat man ein Interesse dran, ihr zu folgen.
Nun hat es durchaus schon ein paar Slasher gegeben, deren Protagonisten und Story wenig bis gar nichts taugen. Solche Genre-Vertreter können sich allenfalls durch eine halbwegs anständige Inszenierung oder ein bisschen Spektakel retten.

„Sin Reaper“ kann das nicht. Über den Camcorder-Look täuscht auch der großzügige Einsatz von Blaufiltern nicht hinweg. Sobald mir dann der Film das erste Mal mit Wackelkamera und sinnlosen Zooms kommt, würd ich ihm am liebsten den Stiefel zwischen die Zähne treten (zum Kuckuck mit dieser Pseudo-Doku-Kacke!). Und der Schnitt ist entsetzlich holprig: Da enden Szenen in einer Schwarzblende, um dann trotzdem weiterzugehen. Oder rennt Samantha während des Finales durch den Wald und landet in einem ausgehobenen Grab – was man daran erkennt, dass sie plötzlich drin liegt. Da kann auch ein durchaus beeindruckender Drehort wie die Kühndorfer Johanniterburg kaum glänzen.
Einzig wenn Sam und Sasha nach der Entführung von Melanie durch den unterirdischen Gang wanken und das Bild nur Taschenlampen-induzierte Lichtblitze von Füssen oder steinernen Wänden zeigt – da entwickelt der Film mal fünf Sekunden lang optische Brillanz. Fünf Sekunden lang.

Sonst ist alles kacke, auch die Tonqualität (jedenfalls im Originalton). Da hört man schon mal das Surren irgendwelcher Geräte im Hintergrund oder ein Untergrund-Rauschen in den Dialogen. Wenigstens ist das in der deutschen Version nicht ganz so übel.

Apropos Ton: Der Soundtrack von Carsten Benninghoff (den Mann kennen wir von Passage 33) wär für sich genommen gar nicht so schlecht. Etwa auf dem Niveau dessen, was Michael Donner so daherkomponiert. Pseudo-episches Synthie-Gedudel halt, das wenigstens die Ohren nicht beleidigt.
Nur unterstützt die Mucke eher selten das Geschehen, sondern übergießt alles mit einer Musiksoße, in der weder subtile Momente noch Knalleffekte Platz haben. Da schläft man beinah ein.

Aber wie sieht es nun mit dem Spektakel aus? Schlecht. Die Kills finden gerne mal offfscreen statt; sieht man sie dann doch, sind sie so harmlos, dass man sich über die FSK-18-Freigabe nur wundern kann. Und wisst ihr was? Das verdammte Ding hat in Wirklichkeit eine Freigabe ab 16! Aber der dumme Splatterfan kauft halt alles, worauf ein roter Kleber pappt.
Nackte Tatsachen gibt’s übrigens auch keine (abgesehen von Jennys Bauchnabel und R.J.s schmächtigem Brustkasten).
Das muss man sich mal vorstellen: Ein Slasher ohne Blut und Titten. Was bleibt da noch übrig? Man stelle sich einen „Friday the 13th“-Streifen ohne Sex und Gewalt vor! Unerträglich! Und das Zeug ist wenigstens anständig heruntergekurbelt!

Immerhin, „Sin Reaper“ hat ein cooles Killer-Design zu bieten. Aber dafür kann ich mir auch einfach die DVD-Hülle anschauen.

Langweilig ist das Ding auch noch (ab Minute 40 fing ich an, regelmäßig auf die Uhr zu gucken). Wenn man schon (fast) nichts hat, was man herzeigen kann, muss man dieses Nichts dann noch auf 90 Minuten aufblasen? Himmelherrgott, Leute!
Es beißt die Maus kein Faden ab: Selbst unterklassigen Slashern wie „Urban Legends: Bloody Mary“ oder Ripper vermag „Sin Reaper“ nicht das Wasser zu reichen. Teufel nochmal, selbst Voyeur.com war im Rückblick gar nicht sooo schlimm.
Aber wieso überhaupt nach Übersee blicken? Auch Deutschland hat mit Swimming Pool oder dem RTL-Strunz Schrei – denn ich werde dich töten! schon bessere Slasher hervorgebracht. „Sin Reaper“ spielt nicht einmal in deren Liga; er schrammt gerade mal am Amateurfilm vorbei. Es fehlt nur sooo viel und den Quark hätte auch Andreas Schnaas drehen können. Und das ist einfach nur traurig.

Silberscheiben und Sprachversionen

Zur Besprechung hab ich mir die DVD von justbridge Entertainment geholt, denn so neumodischer Quatsch wie Blu-ray kommt mir nicht ins Haus. Im Bonusmaterial findet man neben Trailern und Deleted Scenes ein Halloween-Special: Anscheinend hat das „Sin Reaper“-Drehteam mal einen Halloween-Anlass veranstaltet, was Hanno Friedrich abfilmte. Das Ganze dauert 20 Minuten (nach drei Minuten war ich zu Tode gelangweilt und habe ausgeschaltet).

Zum Hauptfilm: Das Bild ist ziemlich matschig, was ich mal darauf zurückführe, dass „Sin Reaper“ ursprünglich ein 3D-Film war. Da sah die 2D-Version auch bei Krekels „Robin Hood“ ziemlich verwaschen aus.

Dann noch ein Wort zu den Sprachfassungen. Neben dem englischen Originalton und der deutschen Synchro gibt es keine Untertitel … Also, schon, englische Untertitel nämlich für die Momente, in denen Leute in der englischen Fassung deutsch sprechen und deswegen eine englische Simultanübersetzung vonnöten ist. Diese sind fest ins Material einprägniert. Auch dann, wenn man den Streifen auf Deutsch guckt. (Umpf.)
Die deutsche Sprachfassung ist etwas lahm und undynamisch ausgefallen, der Originalton ist dafür merklich schlechter abgemischt. Aber das hab ich schon erwähnt.

Bist du bald mal fertig?

„Sin Reaper“ ist eine gewaltige Enttäuschung. Guck ich ein Machwerk von Olaf Ittenbach oder Andreas Bethmann, erwarte ich von vornherein nichts und bin allenfalls überrascht, wenn es die eh schon niedrigen Erwartungen unterläuft.
Bei „Sin Reaper“ hingegen hatte ich mir einen richtigen Film erhofft, eine Alternative zum Horrorschund aus deutschen Landen – bekommen hab ich allerdings einen lahmen Slasher ohne Blut und Titten, der handwerklich erschütternd gewerkelt ist und mir mit Protagonisten auf den Sack geht, die noch unerträglicher als der übliche Genre-Standard sind.

Wäre „Sin Reaper“ ein kleines Kind, ich gäbe ihm zu Halloween Schokolade mit Rattengift.

© 2013 Gregor Schenker (Manhunter)

  • „Okay, noch einmal an die Titten fassen, dann geht’s ab unter die Erde.“

  • Man beachte die subtil platzierte Amerika-Flagge hinten rechts. Das heißt, dass wir in Amerika sind.

  • Geh zum Frisör, Hipster-Sau.

  • Glaskästen können wir uns leider nicht leisten.“

  • Mir gefällt, wie der eine Typ da im Hintergrund die Augen verdreht. Der hat wohl noch nie von deutschen Kreuzrittern mit englischen Spitznamen gehört.

  • Links steht Michi, rechts das HB-Männchen (mit Schiebermütze).

  • Moment mal, in Realität hebt der Gärtner die Arme ja gar nicht! Filmfehler! Filmfehler!

  • Ist er wütend oder hat er Blähungen?

  • Links Matthew, rechts R.J. Zugegeben, R.J. wirkt nicht so gut gelaunt wie beschrieben, aber glaubt mir, er ist der totale Clown.

  • Und du hast eine unheimlich üble Aussprache.

  • „Mein Sohn, nimm dir meinen Rat zu Herzen.“ Wenn der Killer keine Oneliner macht, mach ich sie halt.

  • „Hier kommt das Vögelchen!“

  • "Ganz ehrlich Jenny, das ist mir noch nie passiert. Mein Schwanz ist wohl ein Rassist.“

  • Sie bezahlen mit dem Leben und kassieren Hohn.

  • Ein Wortspiel von kaum zu beschreibender Brillanz.

  • Wieso aufwändig Rückblenden drehen, wenn man einfach Leute beim Herumstehen filmen kann?

  • Ich hab schon Kartenhäuser gebaut, die stabiler waren.

  • Ich habe gelacht und gejubelt.

  • „Der Sin Reaper bringt Menschen um, ich schlag bloß die Zeit tot.“

  • Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht.

  • Artwork der Fangoria-Variante

  • Das japanische Artwork; viel cooler als die deutsche Version


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 3


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