Schnitzeljagd Teenage Apokalypse


  • Deutscher Titel: Schnitzeljagd Teenage Apokalypse
  • Original-Titel: Toy Soldiers
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  • Regie: David Fisher
  • Land: USA/Mexiko
  • Jahr: 1984
  • Darsteller:

    Jason Miller (Sarge), Cleavon Little (Buck), Terri Garber (Amy Green), Rodolfo de Anda (Colonel Perez), Douglas Warhit (Larry), Willard E. Pugh (Ace), Jim Greenleaf (Tom), Mary Beth Evans (Buffy), Tim Robbins (Boe), Jay Baker (Jeff), Larry Poindexter (Trevor), Alejandro Arroyo (Rafael), Tracy Scoggins (Monique), Martin LaSalle (Father Esperza)


Vorwort:

Millionärskind müsste man sein…

Wenn man nämlich wie College-Studentin Amy Green (Terri Garber, FACKELN IM STURM, DER DENVER-CLAN) einen stinkreichen Dad (Roger Cudney, TOTAL RECALL, JAMES BOND 007 – LIZENZ ZUM TÖTEN, REMO – UNBEWAFFNET UND GEFÄHRLICH) hat, spendiert der einem schon mal einen Bootstrip auf der Familienyacht mit der ganzen Freundesschar fröhlicher (und doofer) Studentenkumpels. Als Aufpasser, der hauptamtlich dafür sorgen soll, dass die Yacht ohne größere Schäden wieder zurückgebracht wird (und notfalls auch die Passagiere) drängt Daddy Green dem Töchtling den Army-Veteranen Sarge (Jason Miller, DER EXORZIST, DES TEUFELS ADVOKAT, DER GROSSTADTVAMPIR) auf.

Die trinkfreudige Studentenblase hält es für eine lustige Idee, Sarge an einem mexikanischen Hafen zurückzulassen und ohne Wachhund weiter zu segeln. Das erweist sich rasch als fulminantes Eigentor. Vor der Küste der mittelamerikanischen Bananenrepublik Costa Verde erleidet Fettsack Tom (Jim Greenleaf, T.A.G. – DAS KILLERSPIEL, NIGHTSHIFT – DAS LEICHENHAUS FLIPPT VÖLLIG AUS) einen bedauerlichen Unfall und zieht sich eine fiese Kopfverletzung vor (sollte eigentlich kein lebenswichtiges Organ betreffen). Der braucht ein Hospital, und sowas findet man im Allgemeinen eher an Land. Amy rekrutiert daher ihre Buddies Jeff (Jay Baker, DIE HORROR-PARTY, ORGANIAC, DIE TODESLISTE), Monique (Tracy Scoggins, DEMONIC TOYS, NAMELESS – TOTAL TERMINATOR, TOD IM SPIELZEUGLAND) und Buffy (Mary Beth Evans, GENERAL HOSPITAL, ZEIT DER SEHNSUCHT), um an Land für den maladen Kumpan medizinische Hilfe zu suchen. Trevor (Larry Poindexter, OPPOSITE SEX – DER KLEINE UNTERSCHIED, SCHWARZE MÄCHTE DER VERFÜHRUNG, AUGEN DER NACHT) bleibt an Bord, damit keiner die Yacht klaut – insbesondere nicht die verbleibenden zwei Jungs, Larry (Douglas Warhit, BEVERLY HILLS COP, CHRISTINE) und Boe (Tim freakin‘ Robbins, DIE VERURTEILTEN, MYSTIC RIVER, THE PLAYER), die viel zu besoffen sind, um etwas Vernünftiges zur Sach- und Rechtslage beitragen zu können.

Amy gelingt es an Land, den Lkw von Padre Esparza (Martin LaSalle, DIE MÄCHTE DES LICHTS, VERMISST, DER SCHATZ VON CABOBLANCO) anzuhalten. Als Christenmensch fühlt sich der Pfaffe zur Hilfe verpflichtet, obwohl er schon eine ganze Lasterladung armer Bauern zu ihrem frisch zugeteilten neuen Landbesitz karrt. Schon im nächsten Dorf wird der ganze Transport aber von einer Einheit Rebellen unter der Führung von Rafael (keine Ninja Turtle, sondern Alejandro Arroyo, LOS PIRATAS) überfallen. Amerikaner sind bei den Rebellen – was man ihnen jetzt erst mal so nicht verdenken kann – einigermaßen unbeliebt, aber womöglich als Geiseln zu gebrauchen. Den Padre schlagen die Guerilleros halb tot und schleifen ihn mit, die Bauern werden kurzerhand in die Luft gesprengt.

Amy und die Ihren finden sich also als Gefangene im Rebellencamp wieder und besonders die attraktiven Junghühner sind ganz nach dem Geschmack der ungewaschenen Untermenschen. Als Amy es wagt, Rafael das Gesicht zu zerkratzen, als eine Leibesvisitation etwas, nun ja, #metoo-taugliche Züge annimmt, will der Aushilfs-Che sie standrechtlich erschießen lassen. Doch auch Rafael ist nur Befehlsempfänger und sein gerade rechtzeitig eintreffender Chef Perez (Rodolfo de Anda, SANTO VS. LAS LOBAS, ONE MAN’S HERO) hält eine solche Kurzsch(l)ussreaktion für glatte Verschwendung, könnte sich einen temporären Beischlafplan gut vorstellen. Amy bleibt aber renitent und wird daher ins „Rattenloch“ geworfen, das sie sich mit dem nunmehr siebenachtel toten, da gefolterten Padre teilen darf. Der fährt wenig später auf zu seinem Vorgesetzten in den Himmel. Die Rebellen sind nun auch gute Katholen genug, um den Pfaffen nicht neben einer hübschen Jungmaid verwesen zu lassen, und die Abtransportierung des Kadavers bietet Amy die überraschende Gelegenheit, sich im Sarg zu verpissen.

Indes hat auch Sarge zu seinen verbliebenen ausgebüxten Schützlingen aufgeschlossen und sich von Trevor auf den Stand der Dinge bringen lassen. Im Gegensatz zu den Kids weiß er, dass man als Yankee in Costa Verde eine gemeinhin kurze Lebenserwartung hat und schreitet zu einer Rettungsaktion. Es gelingt ihm, die Spur zu Amy aufzunehmen und in einem Feuergefecht mit Rafaels Leuten, die ihre Flucht bemerkt haben, einige der Rebellen auszuknipsen und Amy, die sich zum Entsetzen der Totengräber aus Esparzas Sarg erhebt, für den Moment mal zu retten.

Zurück in den Staaten erlebt Amy ein böses Erwachen – ihr Dad hält erst mal Sarge für an allem schuld und feuert ihn, dieweil er keine Anstalten macht, ihren noch gefangenen Freunden zu helfen. Das soll mal die Regierung machen. Die Regierung hat aber nun mal das altbekannte Motto „keine Verhandlung mit Terroristen“, und schon gar nicht mit linksgerichtetem Kommunistengezücht und scheibt den schwarzen Peter an die Regierung von Costa Verde weiter. Präsidentin Lopez (Angelica Aragon, DEM HIMMEL SO NAH, DIE VERSUCHUNG DES PADRE AMARO) ist auch durchaus guten Willens, nicht zuletzt, weil sie den US-Kongress gerade um millionenschwere Entwicklungshilfe ersucht hat und beherztes Eingreifen politisch daher absolut Sinn macht. Nuuuuur… ihr Sicherheitschef, den sie diesbezüglich um praktische Handlungen ersucht, ist blöderweise ausgerechnet Colonel Lopez…

Lopez hegt nämlich Ambitionen auf den Präsidentenposten und seine Guerilla-Truppe ist daher nur zum Schein kommunistisch geprägt, sondern stellt lediglich einen von ihm selbst gehätschelten und aufgebauten Popanz dar, mit dessen vermeintlicher Bekämpfung er sich vor der Costa Verde’schen Bevölkerung als verlässlicher Law-and-Order-Mann profilieren kann. Tja, und sollten die Amis tatsächlich die geforderten 3 Millionen Dollar Lösegeld zahlen, dann ist das eine willkommen Stärkung seiner Kriegskasse. Für den fiesen Colonel ist die ganze Nummer also eine amtliche Win-Win-Situation.

Amy ist mit der Gesamtsituation unzufrieden, ahnt sie doch (völlig zu Recht), dass ihre Freunde im Rebellenlager Folter und Vergewaltigung ausgesetzt sind (letzteres zumindest, was die Mädels angeht. Schwule Rebellen sind nicht überliefert). Also wendet sie sich vertrauensvoll an Sarge, der gerade mit seinem alten Armeekumpel Buck (Cleavon Little, DER WILDE WILDE WESTEN, FLUCHTPUNKT SAN FRANCISCO, EINMAL BEISSEN BITTE) seine frische Arbeitslosigkeit begießt. Prinzipiell hält Sarge eine unbürokratische Befreiungsaktion für machbar, sofern Amy 15 kompetente Männer und 50.000 Dollar für Ausrüstung und Waffen auftreibt. Da Amy nur eine reiche Tochter ohne eigene Kohle ist, kann sie damit nicht dienen.

Was Amy allerdings hat, ist ein starker Wille. Sie shamed ihre nicht-gefangenen Freunde Trevor, Boe und Larry eine eine halbfreiwillige Freiwilligmeldung, ihr schwarzer Butler Ace (Willard E. Pugh, DIE FARBE LILA, ROBOCOP 2, TRAXX) braucht gar keine Überredung. Allerding ist auch Colonel Perez nicht blöd und hat einen amerikanischen Gangster (Ron Ross, SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM, STONE, DIE GRÜNEN TEUFEL) engagiert, auf dass der ein bis zwei Augen auf Amys Aktivitäten richtet. Als der realisiert, dass Amy versucht, ihre Freunde in eine kampftaugliche Truppe zu drillen, versucht er sie zu töten, wird aber – gänzlich unrealistischerweise, aber was soll’s – von ihr im Meer ersäuft. Auch was die finanzielle Ausstattung des Unternehmens angeht, erweist sich Amy als einfallsreich und verkauft die Limousine ihres Dads – deutlich unter Wert, aber wenn man sich an einen kriminellen Hehler hält, werden nun mal selten Marktpreise aufgerufen – für 15.000 Dollar. Nicht gerade die 50 Riesen, die Sarge gefordert hat, aber besser als nix.

Die Zeit drängt, denn Perez wird das Herumlavieren der Amis und seiner eigenen Präsidentin langsam langweilig. Bis zum 4. Juli mögen die Amis doch bitte den gewünschten Zaster aushändigen, sonst wird er seine Geiseln exekutieren - und weil Tom endlich seiner Kopfverletzung wegen abgenippelt ist, hat er ja eh jetzt eine weniger. Logisch, das plant er natürlich auch zu tun, falls das Lösegeld gezahlt wird, aber das bindet man der Gegenseite natürlich nicht auf die Nase. Sarge macht notgedrungen gute Miene zum bösen Spiel – wenn Amys vier Kumpel und die 15.000 Kieselsteine das sind, was vorhanden ist, muss es eben mit denen gehen, auch wenn die von Perez gesetzte Deadline, die nur 36 Stunden entfernt ist, dafür sorgt, dass das geplante Waffentraining ersatzlos gestrichen werden muss.

In letzter Sekunde bekommt Trevor kalte Füße und petzt die geplante Rettungsaktion Amys Vater, der damit begreiflicherweise sofort bei den Behörden vorstellig wird. Doch die können den Start der Operation nicht mehr verhindern, auch wenn dank Trevors Verrat der Trupp nun um noch einen Amateur-Rambo ärmer geworden ist. Sarge und Buck spekulieren auf den Überraschungsmoment, doch da werden sie selbst eine böse Überraschung erleben. Die Yankees warnen Präsidentin Lopez, dass eine private Rettungsmission auf dem Weg ist und die hat natürlich, von Perez‘ wahren Absichten keine Ahnung habend, nichts Besseres zu tun, als ihren Sicherheitschef mit der Überwachung aller potentiellen Landebahnen und der In-Schutzhaft-Nahme der Möchtegerninvasoren zu beauftragen.

Im Camp versucht indes Monique ihre femininen Willies einzusetzen, um einen Fluchtversuch zu ermöglichen, doch obschon es ihr gelingt, mit einem gezielten Attentat auf die empfindlichen Geschlechtsteile ihren Bewacher auszuschalten, wird das Türmen in die Wälder von Rafaels Leuten kurzfristig unterbunden. Währenddessen landet nun doch das Lösegeld in Costa Verde und Perez selbst soll den Geldboten Lt. Caden (Sebastian Ligarde, MISSION COBRA, REMO – UNBEWAFFNET UND GEFÄHRLICH) zum Übergabeort eskortieren.

Gemäß Sarges großartigem Plan springen Amy, Larry, Boe und Ace in der Nähe des Rebellencamps mit dem Fallschirm ab, dieweil er selbst und Buck das Flugzeug auf einer nahen Piste landen und dann mit Sarges „Geheimwaffe“ zur Unterstützung schreiten sollen. Nachdem die drei Jungs Amy aus dem Baum, in dem sie hängen geblieben ist, befreit haben, schreiten sie zur Attacke auf das Camp. Die läuft zumindest anfänglich besser als bei Sarge und Buck, die von Perez‘ Wachen (die einem strengen Schießbefehl mit Kopfprämie pro abgeknalltem Ami unterliegen) angegriffen werden. Nachdem Boe erst mal die Geheimnisse der japanischen Zusammenbau- und Bedienungsanleitung für seine Bazooka entschlüsselt hat, können die Teenager das Rebellencamp tatsächlich einnehmen und ihre Freunde befreien.

Die Freude ist aber nur von kurzer Dauer, denn es naht Perez mit Lt. Caden und dem Zaster. Perez muss nur kurz die Lage peilen, ehe er Caden umlegt und mit seinen Getreuen den Spieß wieder umdreht. Zur Belohnung für ihre Mühen bekommen Amy und ihre Freunde eine gemütliche Wand zum Anlehnen. Ob Sarge und Buck noch rechtzeitig mit ihrer Geheimwaffe eintreffen und den Tag retten? Bibber-nägelkau…

Inhalt:

Wir sind mal wieder im wundervollen VHS-Land. Dieser Film, in Deutschland unter dem schlichtweg umwerfenden Titel SCHNITZELJAGD TEENAGE APOKALYPSE veröffentlicht, harrt in diesen Breiten noch einer DVD-Auswertung, und, wenn wir ehrlich sind, so richtig danach gefragt hat in den letzten 20 Jahren sicherlich niemand danach (in den USA und in Großbritannien ist der Film unter seinem wesentlich weniger originellen Titel TOY SOLDIERS als Silberscheibe erhältlich).

Ich hab das Ding mal für 50 Cent aus einem Videothekenverkauf mitgenommen, und auch das muss schon wieder gut 15 Jahre her sein – seitdem staubte das RCA-Columbia-Tape (das Label hat auch so manche Gurke veröffentlicht) in meinem VHS-Regal vor sich hin. Es musste schon mein Blu-Ray-Player fürs Schlafgemach seinen Dienst quittieren, um mich zu motivieren, den ollen VHS-Recorder wieder anzustöpseln, damit man auch in diesem Zimmer was zu kucken hat (jegliche weitere Spekulation über das, was oder auch nicht dort sonst passiert, überlasse ich der schmutzigen – oder realistischen – Fantasie des Lesers). Nun, jedenfalls, seit dieser verzweifelten Maßnahme finden auch die staubigen Tapes wieder Verwendung, vor allem natürlich die, die, wie unsere SCHNITZELJAGD, hierzulande anderweitig gar nicht betrachtet werden können.

Die geistigen Väter des Schauspiels sind Regisseur/Autor David Fisher (DURCHGEBRANNT AUS LIEBE, und Produzent von BAT21 – MITTEN IM FEUER) und sein ansonsten nicht weiter auffällig gewordener Co-Schreiberling Walter Fox. Die Idee, Teenager in militärische Unternehmungen zu schicken, um Freunde und/oder Familienangehörige aus den Klauen teuflischer Amerika-Feinde zu retten, erfreute sich in den 80ern ja gewisser Popularität –DER STÄHLERNE ADLER gehört da dazu, wie auch Linda Blairs 87er-Abenteuer NIGHT FORCE – SCHRECKENSKOMMANDO (den ich zufälligerweise wohl in der gleichen Videothek zum gleichen Preis erstand wie diesen Film hier), oder auch die 88er-Disney-Produktion THE RESCUE mit Middle-to-Late-80er-Flavor-of-the-Month Kevin Dillon (der bekanntere TOY SOLDIERS, hierzulande BOY SOLDIERS getauft, passt nicht in dieses Trope, das Wil-Wheaton- und Sean-Astin-Vehikel fällt eher in die STIRB-LANGSAM-Klon-Schublade als Teenie-Variante dieses Subgenres).

Rein prinzipiell ist das Script nicht sonderlich intelligent, aber auch nicht gänzlich blöde – wir haben ein paar Protagonisten, die durch widrige Umstände in die Gewalt fieser Terroristen geraten und dann eben befreit werden müssten, es wäre natürlich aber besser, wenn wir als diese Protagonisten welche hätten, um die wir uns ernstlich scheren würden. Die typischen Ami-College-Hohlbratzen, die sich aufführen wie die deppertsten Vollidioten jenseits einer Sonderschule für Hirnamputierte, nun… sagen wir’s so, es ist nicht ganz so einfach, mit diesem Haufen Spackos, die ernstlich glauben, in einem Dritte-Welt-Land mit ständigem „wir sind Amerikaner!!!11“-Geblöke irgendeinen Kalaschnikow-tragenden Guerillero beeindrucken zu können, zu sympathisieren. Aber gut, ja, klar, letzten Endes sind wir als aufgeklärte Europäer (hihi) nicht die allererste anvisierte Zielgruppe für reaktionären Action-Quark; es ist ein Film von und für Leute, die zum Thema „Soldat sein ist toll“ und „Leute totschießen ist ein perfektes Hobby für Groß und Klein“ ein deutlich entspannteres Verhältnis pflegen als unsereins.

Soll nicht heißen, dass TOY SOLDIERS nicht die ein oder andere ganz patente Idee hat – vor allem der Kniff, dass Perez seine vermeintlich linksgerichtete Todesschwadron nur als Vorwand aufgebaut hat, um sie zur Stärkung seines eigenen Ansehens in der Bevölkerung und der (durchaus im Rahmen demokratischer Wahlen) geplanten Machtübernahme zur Etablierung eines dezidiert rechts gerichteten Regimes zu nutzen, ist an und für sich ganz clever (obschon Perez vermutlich einfacher ans Ziel kommen könnte, wenn er sich wie jeder andere rechtsorientierte lateinamerikanische Möchtegern-Diktator einfach an die CIA gewandt und die Yankees einen Putsch durchführen lassen hätte; politisch müsste Perez ja eigentlich genau die Sorte Noriega oder Pinochet sein, auf die US-amerikanische Außenpolitik traditionell steil geht). Auch, dass die Teenager entgegen dem Genre-Standard kein Trainingsregiment durchziehen können, das sie in Supersoldaten ersten Ranges verwandelt (weil die Umstände es einfach nicht zulassen), wäre zumindest in der Theorie ein Einfall, mit dem man arbeiten könnte, aber das ignoriert der Restfilm dann einfach beherzt.

Dramaturgisch hat der Film einen starken Auftakt (mit der Einschränkung, dass eben unsere Helden Doofköppe sind) mit dem Überfall der Guerillas, ihrer Exekution der einheimischen Bauern und den Misshandlungen im Camp bis zu Amys erfolgreicher Flucht mit Sarge. Der Mittelpart ist dann eher unwesentlich – es kann naturgemäß nicht viel passieren, bis der Showdown eingeläutet wird. Der Streifen nimmt daher dann eher einen Turn in Comedy-Gefilde mit Amys Versuchen, Mitstreiter und Kohle für die Rettungsaktion zu gewinnen (mit dem „running gag“, dass Ace generell mit allem „Illegalen“ beauftragt wird, wie z.B. dem Kurzschließen von Autos oder dem Auftreiben von Hehlern, auf der Grundlage, dass er das als Schwarzer ja wissen müsse), und dem im Großen und Ganzen völlig überflüssigen Subplötchen um den von Perez angeheuerten Killer, den Amy ohne Weiteres und ohne fremde Hilfe ausschalten kann. Der Showdown ist dann gar nicht mal SO vollgepackt mit Baller-Action, wie ich es eigentlich erwartet hatte, Fisher versucht es im vom Genre gesetzten Rahmen „realistisch“ zu halten, dass vier College-Dödel ein gut ausgerüstetes Guerilla-Camp einnehmen können, und in der Tat droht der Plan auch zusammenzubrechen, sobald mit Perez der wahre Bossgegner eintrifft und es am Ende dann doch an den Erwachsenen bleibt, die Lage zu retten (wenngleich das „wie“ , mithin Sarges mysteriöse Geheimwaffe, schon erstaunlich dämlich ist. Ich spoilere das jetzt nicht, damit Ihr, falls Euch der Film eines Tages doch über den Weg läuft, noch was zu lachen habt).

An der Stelle sei allerdings auch angemerkt, dass die deutsche Videofassung, wie’s in den 80ern gute Sitte war, in Sachen Gewalt ordentlich gekürzt wurde (und die FSK die Freigabe von ursprünglich FSK 16, wie’s auf dem Cover vermerkt ist, nachträglich noch auf 18 angehoben hat. Warum auch immer), manchmal auch mit sinnentstellender Wirkung (die eigentliche Aktion z.B., die Rafael so aufbringt, dass er Amy erschießen lassen will, ist geschnitten, so dass sich in der Szene kein rechtes cause-and-effect-Gefühl einstellt). Das kleine bisschen Nudity (dargeboten von Terri Garber) blieb allerdings erhalten.

Viel Geld hatte Fisher sichtlich nicht zur Verfügung, ganz große Action-set-pieces kann er sich daher nicht leisten, aber es reicht für einige Explosionen. Handwerklich ist zu bemerken, dass Fisher seine liebe Not mit day-for-night-Shots hat (unsere Helden springen z.B. um Punkt Mitternacht mit dem Fallschirm ab, gleiten aber am hellichten Tag zu Boden. Da will man über die Sprunghöhe ja gar nicht nachdenken, hehe). Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass Fisher mit einer überwiegend mexikanischen Crew arbeitete, und, naja, wir wissen ja auch alle, dass das mexikanisches Kommerzkino technische Perfektion als zweit- bis drittranging betrachtet). Francisco Bojorquez (BARBARIAN QUEEN II, DER WAL AUS DEM WELTALL) lernte sein Geschäft als Kameramann mit Dokumentarfilmen, und wiewohl ich jetzt dem Film keinen „dokumentarischen Look“ andichten will, merkt man schon, dass er jetzt auch nicht der Typ Kameramann ist, der einem unerfahrenen Regisseur in Sachen Bildkomposition unter die Arme greifen könnten. Es ist routiniert, geschäftsmäßig, aber uninspiriert. Cutter Geoffrey Rowland seinerseits war überwiegend fürs Fernsehen tätig (u.a. für CAGNEY & LACEY und VEGAS, einer seiner wenigen Ausflüge ins Kinofach war DOLLY DEAREST) und kann die Angelegenheit über den Schnitt auch nicht wirklich kinematischer machen (dabei hilft insgesamt auch nicht, dass die VHS-Fassung das 1.85:1-Bildformat auf 4:3 zurechtstutzt, wie auch das in diesen dunklen Zeiten Usus war). Der Score von Leland Bond (hauptamtlich eigentlich Songwriter und Arrangeur) stört nicht weiter, reißt aber auch keine Bäume aus.

Immerhin verfügt TOY SOLDIERS über einen nicht uninteressanten Cast aus Has-Beens und Young Upstarts. Jason Miller bekam nie wieder eine so gute Rolle wie die in seinem Filmdebüt als Father Karras im Original-EXORZISTEN (dass William Peter Blatty ihm einen kleinen Part in EXORZIST III zuschanzte, darf man wohl unter „Gefälligkeit“ verbuchen). Nach TOY SOLDIERS war eine Nebenrolle im Michael-J.-Fox-Drama LIGHT OF DAY noch eine seiner größten Taten. In diesem Film hat Miller das Problem, dass er eher so’n knubbliger, mittelgroßer Typ ist und als erfahrenes Kampfschwein nicht so wirklich glaubwürdig ist. Cleavon Little als sein Kumpel Buck erlangte zwar Ruhm und Ehre in Mel Brooks‘ DER WILDE WILDE WESTEN, ergatterte aber auch nie wieder eine Rolle mit vergleichbarer Bedeutung und wenn, wurde er meistens als comic relief eingesetzt, obwohl er ein erstklassig und klassisch ausgebilderter Shakespaere-Darsteller war, der sein Herzblut dann auch eher an seine Bühnenkarriere vergoss. Als Buck hat er hier nicht viel zu tun außer, man ahnt es, die ein oder andere comic-relief-Szene. Terri Garber (Amy) fand ihr Glück wenig später in FACKELN IM STURM und nach einem Zwei-Season-Stint im DENVER CLAN in der wunderbaren Welt der Daily Soaps. Als Amy ist sie sicherlich die sympathischte Gestalt unter den Teenies, also haben die Produzenten immerhin da ein glückliches Händchen bewiesen, aber das tough action chick konnten andere besser… Freunde des gepflegten Low-Budget-Horrors können sich über den Auftritt von Tracy Scoggins (untypisch blond) freuen, Willard Pugh dürfte denjenigen, die sich alles an 80er-Schmand reingezogen haben, was nicht niet- und nagelfest war, auch bekannt vorkommen (und sei's als Shadoe Stevens' bedauernswerter Freund und Partner Deeter aus TRAXX), und ein heutiger DVD-Anbieter könnte groß „MIT WELTSTAR TIM ROBBINS“ aufs Cover pinseln lassen, ohne sich zu schämen – Robbins deutet zwar keine Sekunde lang an, dass aus ihm noch was werden könnte (und dann noch konträr zum hiesigen Thema der Obervordenker der pinko-commie-bastard-libtard-Verschwörung Hollywoods), aber ihn mal sowohl als hänflichen Spargel sowie im vollen Kampfsaumodus zu sehen, hat schon gewissen Kuriositätenwert. Auf der Schurkenfraktion ist mit Rodolfo de Anda eine ziemlich große Nummer des mexikanischen Films und Fernsehens tätig, der aber kaum mal außerhalb seiner Heimat gesichtet wurde. De Anda könnte für meinen Geschmack deutlich mehr aufdrehen – ein Film wie dieser braucht einen Comic-Book-Schurken, der schnurrbartzwirbelnd und mit einem flotten Spruch auf den Lippen fieseste Missetaten begeht, de Anda spielt die Nummer aber sehr straigt und zruückhaltend. Schade.

SCHNITZELJAGD TEENAGE APOKALYPSE kann als *Film* mit seinem grenzgenialen und/oder –debilen Titel (bei dessen Findungsphase ich gern Mäuschen gespielt hätte… TEENAGE APOKALYPSE lass ich mir ja noch als APOCALYPSE-NOW-Anklang durchgehen, aber der Film hat sprichwörtlich nichts, was irgendwie mit dem Konzept einer Schnitzeljagd auch nur am Rande zu tun hätte) nicht mithalten. Auch im eng umrissenen Subgenre de Teenies-spielen-Rambo-Genres gibt’s Vertreter, die wesentlich originellere Szenarien bauen oder mit voluminöserer Action daherkommen. Das Darstellerensemble verdient sich ein paar Bonuspunkte – nicht durchs gezeigte Talent, sondern schlicht der Namen wegen, und dass sich der Kram im Gegensatz zum oben zitierten Disney-Vehikel THE RESCUE nicht hundertprozentig ernst nimmt, mag man ihm auch zubilligen. Wer grundsätzlich ein Faible für 80’s action cheese der käsigeren Sorte hat, wird sich auch mit diesem Film nicht langweilen und ganz generell würde ich mich auch über eine ungeschnittene DVD-Veröffentlichung nicht grämen, aber auch hier gilt: ein verlorener Klassiker ist’s nu gerade nicht….

© 2020 Dr. Acula

  • Idiots on boat. Worse than Snakes on a Plane.

  • Irgendwelche letzte Wünsche?

  • Trau keinem Bodyguard, auf den du runterspucken kannst.

  • Army Vets bei ihrer typischen Beschäftigung.

  • Rechts im Bild: ein künftiger Weltstar.

  • Training. Lustig.

  • Hund? Katze? Maus?

  • Ein ganzes Flugzeug voller Rambos.

  • Und Tim Robbins.


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


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