Santo vs. Las Lobas


  • Original-Titel: Santo vs. Las Lobas
  • Alternative Titel: Santo vs. the She-Wolves
  • Regie: Rubén Galindo, Jaime Jiménez Pons
  • Land: Mexiko
  • Jahr: 1972
  • Darsteller:

    Santo (Santo, En Elascarada de Plata), Rodolfo de Anda (Cesar Harker/Eric Harker), Gloria Mayo (Adriana), Jorge Russek (Licar), Nubia Marti (Eloisa), Carlos Suarez (Gitano), Rosa Furman (Ana), Bruno Rey (Captain Pachecho), Tamara Garina (alte Luba), Carlos Jordán (Dr. Jeremias Marcus), Emilia Carranza (Julieta), Roberto Meyer (Matias), Federico Falcón (Jaime Pons), Erika Carlsson (Luba)


Vorwort:

Sprechen wir also mal wieder über Santo.

Unser Zweitlieblings-Luchadore (wir sind doch schließlich alle foremost Blue-Demon-Fans hier. Oder? ODER??), mexikanischer Volksheld und vermutlich das, was einem Real-Life-Comic-Superhelden am Nächsten kommt (sorry, Hulk Hogan – you had your time, aber du warst nicht über drei Jahrzehnte hinweg eine nationale Ikone), ist schließlich Stammgast auf diesen Seiten. Ich muss, denke ich, daher heute nicht noch einmal ausführlich darauf eingehen, inwieweit sich Lucha Libre, die mexikanische Variante des professionellen Wrestling, sich kulturell von der US-Version oder dem japanischen Stil unterscheidet, wie sehr sich die Helden des Rings ins kollektive Unterbewusstsein eines ganzen Volkes eingebrannt haben, wie der Sprung auf die Kinoleinwand beide Businesses in noch höhere Sphären hievte, aber auch, wie sowohl das Genre des Lucha-Films als auch das Wrestling-Entertainment itself Mitte bis Ende der 70er Jahre dem Zeitgeist und der Tatsache, dass sich dem einfachen mexikanischen Volk nun auch andere Möglichkeiten der Unterhaltung zur Verfügung standen, an Bedeutung und kommerzieller Verwertbarkeit verlor. Während die Ringdarbietungen nie ganz ausstarben und die führenden mexikanischen Lucha-Promotionen in den letzten Jahren sogar wieder an Popularität gewannen (die momentan bedeutendste mexikanische Liga, AAA, schielt in jüngster Zeit sogar in Richtung Expansion north-of-the-border), wurde der Lucha-Film „offiziell“ 1978 mit dem sentimentalen MYSTERY IN BERMUDA formal zu Grabe tragen. Santo drehte noch ein paar Schnellschüsse in Florida und Mil Mascaras tritt bis zum heutigen Tag immer wieder gern in Low-Budget-Filmen auf, aber der, hämphämp, Kanon des maskierte-Wrester-Subgenres endet 1978.

Soweit sind wir heute aber noch nicht, obwohl sich die Quellen uneins sind, welches Baujahr unser heutiges corpus delicit hat. Die IMDb legt sich auf das Jahr 1976 fest und würde den Streifen damit als absolutes Spätwerk des Genres einstufen, auf der DVD-Hülle prangt das Jahr 1972 und ich bin geneigt, dieses Datum eher zu glauben. Aber eigentlich ist das ja auch vollkommen egal, da mexikanische B-Filme sowieso ungefähr 20-30 Jahre älter aussehen als sie sind…

Inhalt:

Oder auch fünfzig, wenn’s denn sein muss… woran wir uns bei SANTO VS. LAS LOBAS gewöhnen müssen, ist, dass der Film von einer wirklich verdammt bedenklichen handwerklichen Qualität ist – da möchte man noch retroaktiv Mäuschen bei den Dreharbeiten spielen und verifizieren, dass die Technik noch von James Whale und Todd Browning benutzt wurde, bevor sie auf dem Gebrauchtwarenmarkt von Tijuana an die mexikanische Filmindustrie verscherbelt wurde…

Ein einigermaßen attraktives blondes Frauenzimmer (Ultra-Trash-Queen Erika Carlsson, NACHTS, WENN DIE LEICHEN SCHREIEN, TINTORERA – MEERESUNGEHEUER GREIFEN AN, GUYANA-MASSAKER, DYNASTIE DRACULA, MACABRA – DIE HAND DES TEUFELS, DEATHSTALKER III, TOTAL RECALL, PERDITA DURANGA) streift scheinbar ziellos durch eine heruntergekommene Ruine, und wenn man ihr zum weißen Kleidchen noch einen Kerzenleuchter die Hand gedrückt hätte, sähe das beinahe so aus wie bei Jean Rollin, nur schlechter. Das Mädel wird von körperlosen Stimmen geleitet, und körperlose Stimmen, die hübsche Frauen in weißen Kleidern durch Ruinen lotsen, führten noch selten Gutes im Schilde. Das ist selbstverfreilich auch hier und heute so – die Frau landet schließlich in einer Art ruinierten Tempelanlage (ich bekomme gerade starke MANOS-Vibes) und sieht sich plötzlich von garstigen Gesellen beiderlei Geschlechts, mit eher barbarischem Modegeschmack (Fell-Bikinis bei den Weibern, zerrissene Stofffetzen bei den Herren) und völlig außer Kontrolle geratener Gesichtsbehaarung (bei beiden Geschlechtern) umringt. Ich könnte mich irren, aber ich vermute, wir sind hier in Werwolf-City. Die Anführerin der Werwölfe ist eine hässliche alte Schachtel (naja, das „hässlich“ besorgt nicht zuletzt der Gesichtspelz) namens Luba (Tamara Garina, FANDO Y LIS, BRING MIR DEN KOPF VON ALFREDO GARCIA), die vor der jungen Frau auf und ab hüpft. Luba ist aber auch von der redseligen Sorte. Fassen wir ihre Ansprache zusammen: sie ist die Königin der Werwölfe (soweit, so gut), aber jetzt ist die Zeit gekommen, um ihre Nachfolgerin einzuarbeiten und ihre Seele in den Körper der neuen Queen fahren zu lassen. Wie nicht anders zu erwarten ist die junge Blondine die basisdemokratisch gewählte neue Queen (die von ihrem passiven Wahlrecht wohl eher nichts wusste), und um das Ritual nun in Gang zu bringen, müsste sie nicht mehr tun, als ihr den von Luba überreichten Dolch der alten Königin zwischen die Möpse zu rammen. Der Blondine Stimmungslage ändert sich von Furcht hin zu Akzeptanz – sie tut wie ihr geheißen. Meet the new queen, not quite the same as the old queen. Die Werwölfe tragen ihre neue Chefin von hinnen.

Man kann sagen, was man will, aber wäre die Chose technisch ein wenig besser gefilmt, man könnte das auch für eine Szene von Leon Klimovsky oder Armando de Ossorio aus einem spanischen 70er-Horrorschinken halten. Und nicht nur, weil das Wolfs-Make-up schon recht deutlich an Paul Naschys Waldemar-Daninksy-Zyklus erinnert…

Wir schneiden direkt um in einen Wrestling-Ring, wo Santo und sein unmaskierter (und daher ohne Frage bestenfalls zweitklassiger) Tag-Team-Partner ein Match gegen zwei unmaskierte Rudos (also Ring-Bösewichter) absolvieren. Das ausverkaufte Haus steht selbstverständlich wie ein Mann hinter dem Mann mit der Silbermaske und verleiht dieser Einstellung auch durch einschlägige Anfeuerungsrufe Ausdruck. Ich erspare mir und Euch ausschweifendes play-by-play, weise aber darauf hin, dass es eines der besseren Matches ist, das wir in Lucha-Filmen zu sehen bekommen haben. Santo hat hier noch keine Tricks wie Hochspeeden seiner Aktionen nötig (wie es ein paar Jahre später der Fall sein sollte), und natürlich ist auch die Atmosphäre einer vollbesetzten Arena nicht mit einem leeren Studio zu vergleichen. Santo und sein Partner gewinnen das wie üblich in Mexiko nach der „best of 3 falls“-Regel ausgetragene Match mit 2 Falls zu 0 und lassen sich verdientermaßen feiern.

Als Santo später in seiner Umkleide hockt, erhält er Damenbesuch – es ist die neue Loba (wobei „neu“ einigermaßen relativ ist, alldieweil zwischen unserer Eröffnungsszene und dem Santo-Kampf eine offenkundig sehr beträchtliche Zeitspanne verstrichen ist). Loba ist in Begleitung eines teutschen Schäferhunds namens Dragon, der allerdings draußen vor der Tür warten muss. Der Grund ihres Besuchs ist auf den ersten Blick pur romantischer Natur. Santo eilt of course auch der Ruf als unwiderstehlicher und charmanter Traummann voraus (der Vorteil, wenn man seine nicht speziell attraktive Visage unter einer windschlüpfrigen Maske verbergen kann), und sie würde dem gern intim auf den Grund gehen. Santo, being an all around good guy, ist aber ebenso natürlich kein Mann für gewisse Stunden und wilde Vögeleien (ich nehme an, derlei Rumficken würde auch seinen Zweitjob als professionelles Jurymitglied für Schönheitswettbewerbe moralisch gefährden), muss die Offerte höflich, aber bestimmt ablehnen. Loba trägt’s mit Fassung, zumal Santo offenbar auch kein ganz grundsätzliches „Nein“ ausgesprochen, sondern ein potentielles Date auf „nach der aktuellen Tour“ in Aussicht gestellt hat. Santo, Santo, alter Schwerenöter…

Kaum ist Loba weg, klopft schon der nächste Besucher. Da kommt Santo kaum dazu, sich aus seinem Ring-Gear in den schicken Ausgehzwirn zu werfen. Jetzt bittet ein gewisser Jaime Pons (Federico Falcón, TROMMELN ÜBER DEM SKLAVENCAMP, CUCHILLO – TODESLIED DER APACHEN, TORNADO) um eine Audienz. Pons ist Privatdetektiv mit einem etwas seltsamen Auftrag. Sein Klient, der irgendwo in einem Bergdorf, das sich entzückenderweise „Morast“ nennt, lebt, wünscht, dass Pons Santo kontaktiert, auf dass der dem Klienten bei der Lösung eines gewissen Lykanthropen-Problem tatkräftig zur Hand geht. Hier finden wir ein erstes Indiz dafür, dass dieser Santo-Film ersichtlich nicht in der „Continuity“ der Rest-Serie spielt bzw. dieser Santo eine andere Version des Luchadores ist als die, die wir gemeinhin in Filmen betrachten dürfen; vielleicht spielt der Film auf Erde-2… Warum komm ich darauf? Weil Santo Pons‘ Erwähnung von Werwölfen für eine Koproduktion aus dem Hause Bull & Shit hält. Werwölfe sind Aberglauben, konstatiert der Silbermaskierte entschlossen. Und das kann er ja nur tun, wenn *er* in der Vergangenheit NICHT gegen Frankenstein-Monster, Mumien, Alien, Vampire und, ja, auch und gegen Werwölfe vielfältig gekämpft hat…

Trotz Pons‘ eindringlicher Versicherung, sein Klient habe entgegen allem Anschein keinen schweren Schüsselsprung, sondern sei vielmehr einer der geistig gesündesten Menschen, den er kenne (das muss ja nicht unbedingt FÜR Pons‘ Bekanntenkreis sprechen), lässt sich Santo nicht überzeugen. Resigniert drückt Pons dem Wrestler seine Karte und einen versiegelten Brief in die Hand. Letzterer enthalte Instruktionen für ein Treffen mit dem mysteriösen Auftraggeber, falls Santo es sich anders überlege, außerdem teilt er dem Ringer noch mit, in welchem Hotel er abgestiegen ist. Santo nimmt alles höflich entgegen, legt den Gesellen aber mental trotzdem unter „reif für die Irrenanstalt“ ab.

Das wird sich uns Santo aber schnell anders überlegen, denn als er nun endlich umgezogen mit seinem Köfferchen in der Hand durch die weitläufigen Katakomben der Arena de Mexico trabt, wird er von einem Schäferhund verfolgt. Und dann von zweien. Und dann von dreien. Und unser mutiger Held nimmt die krummen Dackelbeine in die Hand und versucht, lautstark um Hilfe schreiend, das Weite zu finden. In seiner Verzweiflung flüchtet Santo dahin, wo er mehr oder weniger zuhause ist, in den noch aufgebauten Ring. Die Hundemeute folgt und zeigt keinerlei Respekt vor den geheiligten Regeln des Lucha Libre. Santo wird gebissen (uh-oh) und ist ganz allgemein dabei, im Kampf gegen die aggressiven Köter den permanent Kürzeren zu ziehen. Er rettet sich, in dem er vom obersten Turnbuckle einen gewagten Sprung ins Beleuchtungs-Rig über dem Ring vornimmt und da jetzt hängt wie ein nasser Sack ohne Kufen. Auf seine mädchenhaften Hilferufe erscheinen zwei Arena-Nachtwächter, die sich nun erstaunt fragen, warum Santo als wenig attraktive Dekoration über dem Ring hängt. „Die Hunde!!“, kreischt Santo, aber… die beiden Nachtwächter kucken irritiert, von caniner Anweisenheit auch nur in Chihuahua-Form ist weit und breit nichts zu sehen. Einer der Nachtwächter erdreistet sich, Santo, der seiner Ansicht nach wohl ein paar Mal zu oft in die Tequila-Flasche gekuckt hat, den Vogel zu zeigen… das wäre dem ECHTEN Film-Santo nicht passiert…

Der Vorfall hat immerhin den Nebeneffekt, Santo einigermaßen zu beunruhigen und ihn noch ein bis dreimal über die von Pons aufgetischte Werwolfgeschichte nachzudenken. Hunde sind ja irgendwie auch Wölfe. Was Santo nicht weiß – Pons hat gerade ein eigenes Abenteuer am Laufen…

Der Privatschnüffler fährt zu seinem Hotel, als ihm ein blutüberströmtes Frauenzimmer vors Auto fällt. Es ist natürlich Luba, aber ebenso natürlich kennt Pons die noch nicht und hält sie für ein legitimes Opfer eines Unfalls oder einer Attacke. Attacke, präzisiert Luba, sie sei angegriffen worden. Es dauert zwar ein bisschen, bis Pons ihr aus der Nase gezogen hat, dass es sich bei den Angreifern um wilde Hunde handelt habe, aber als vollendeter Gentleman karrt Pons die angeschlagene Dame nicht etwa zur Polizei oder in ein Hospital, sondern in sein Hotelzimmer auf einen Drink oder fünf. Dies just, als Santo auf die Idee kommt, bei ihm anzurufen und mutmaßlich mitzuteilen, dass er der Geschichte inzwischen etwas aufgeschlossener gegenüber steht. Pons ist allerdings leider Gottes nicht in der Lage, ans klingelnde Fernofon zugehen, alldieweil er gerade dabei ist, sich von Luba, die sich in eine Werwölfin transformiert hat, durch beherzten Biss in die Halsschlagader umbringen zu lassen.

Es bleibt Santo also nichts anderes übrig, als ohne weitere Diskussion den Brief zu öffnen und seinen Anweisungen zu folgen. Diese führen ihn am nächsten Tag in eine Hotelanlage in der Provinz namens „La Missione“. Santo pflanzt sich mit einem alkoholfreien Getränk an den Pool und wartet – er muss nicht lange warten, denn der ominöse Auftraggeber erscheint promptestens – Cesar Harker (Rodolfo de Anda, EL HOMBRE, LA GRAN AVENTURA DEL ZORRO). Harker verliert nicht viel Zeit mit unnützem Gewäsch. Er erklärt Santo, dass „Morast“ von einer ganzen Werwolfbande belagert wird. Ihr Biss ist unschön, und das betrifft auch Santo, der zugibt, gebissen worden zu sein – wen der wilde Werwolf mal gezwickt hat, der wird sich beim nächsten Vollmond ohne weiteres der Lykanthropen-Fraktion anschließen, ob er nun will oder nicht. Die Problematik endgültig zu beenden ist also durchaus in Santos höchsteigenem selbstpersönlichem Interesse. Harker hat einen kleinen Vorteil – er und seine Familie sind durch eine Laune der Natur immun gegen den Werwolffluch, was sie zu natürlichen Feinden der Lykanthropen macht. Der Harker-Clan bekämpft die Wölfe nunmehr schon seit Jahrhunderten, und nur aus diesem kühnen Grunde residiert er zur Zeit auch am Arsche der Welt, um nämlich den Werwölfen an Ort und Stelle in selbigen treten zu können. Um die Plage endgültig ausmerzen zu können, braucht er, so vermutet er wenigstens, die Hilfe Santos und seiner Eigenschaft als „silbernes Symbol“. Plötzlich kreischt ein Mädchen im Swimming Pool um Hilfe. Krampf? Egal – Harker reagiert schneller als die Polizei erlaubt (und auch um Lichtjahre schneller als der verdutzte Santo) und stürzt sich in rettender Absicht ins kühlende Nass. Dort erlebt er aber sein blaues Wunder, denn das vermeintlich absaufende Mädel versucht nun äußerst motiviert, Harker zu ersäufen! Es hilft nix, auch Santo muss in den Pool springen, und das Girl k.o. schlagen. Der prustende Harker nimmt’s recht sportlich – er ist Mordversuche seitens des Werwolfsclans gewohnt, und die Wölfe versuchen es meist, wie einen Unfall aussehen zu lassen – erst gestern habe jemand versucht, ihn auf dem Golfplatz mit aus dem Hinterhalt geschlagenen Golfbällen zu töten (was man uns auch gleich todernst mit einer kurzen Flashback-Sequenz verdeutlicht)! Santo erhofft sich von einem Verhör der Attentäterin wertvolle Informationen, aber die hat inzwischen den Hotelangestellten, dem Santo die Bewusstlose in die Hand gedrückt hatte, niedergeschlagen und sich verzupft. Harker empfiehlt Santo als unmittelbare Vorgehensweise, die Füße stillzuhalten und zu warten, bis er, also Harker, weitere sachdienliche Hinweise ermittelt habe.

Die Harkers machen augenscheinlich keine halben Sachen – Harker hat sich zur Vernichtung der Werwolfbrut nicht nur in irgendeinem Gasthaus angemietet, sondern eine eigene Ranch gekauft (was nun auch zur Folge hat, dass sich der Film in der Folge ein bisschen wie ein „ranchero“, ein mexikanischer Western spielen wird, weil für den Handlungsfortgang einigermaßen egal ist, ob die Bösewichter nun Vampire oder simple Banditen sind). Aber bevor wir zu Harker kommen, lernen wir noch weitere wichtige Protagonisten kennen, nämlich die Familie Marcus. Die Familienpatriarchin Julieta (Emilia Carranza, hauptamtlich eine beliebte Telenovela-Darstellerin, u.a. auch in der hierzulande erfolgreich gelaufenen Telenovela DIE WILDE ROSE zu sehen) siecht an einer unbekannten Krankheit vor sich hin, versorgt wird sie von der womöglich leicht übersinnlich angehauchten Zigeunerin Ana Castro (Rosa Furman, IM DRECK VERRECKT, DIE HÖLLE VON SAN SEBASTIAN) . Julieta bittet Ana darum, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Nichten beschützt werden. Jene sind die End-Teenager Adriana (Gloria Mayo, MOTOCICLISTAS SUICIDAS, VAMPIRO, GEURRO DE LA NOCHE) und Eloisa (Nubia Marti, GUGA EN LA NOCHE, LA BESTIA ACORRALADA), von denen vor allem die Letztere mit geradezu hysterischer Panik darauf reagiert, zu ihrem eigenen Schutz in ihrem Zimmer eingeschlossen zu werden. Dies geschah auf Anweisung ihres Vaters, Dr. Jeremias Marcus (Carlos Jordan, EL PAYO – UN HOMBRE CONTRA EL MUNDO, FUG AEN LA NOCHE, und der gekreuzt mit Rodolfo de Anda ergäbe einen plausiblen Ersatz-Jess-Franco), und durch dessen ziganen und loyalen Manservant Gitano (Carlos Suarez, MYSTERY IN BERMUDA, SANTO Y BLUE DEMON CONTRA EL DOCTOR FRANKENSTEIN, SANTO EN EL TESORO DE DRACULA). Nun aber zu Harker. Der wird in seinen eigenen Stallungen von einer Werwölfin angegriffen und wir – und vor allem er – erkennen, dass die schönste Immunität gegen einen Werwolfsfluch nichts hilft, wenn der Werwolf einem auch schlicht und ergreifend die Gurgel aus der Kehle rupfen kann. Harkers Ranchhands können, als sie dem Kampfeslärm auf den Grund gehen (bzw. sicherheitshalber solange warten, bis der verstummt ist und DANN der Sache auf den Grund gehen) nur ihren toten Chef finden und blutige Rache schwören. Man schwingt sich auf die Klappergäule und schreitet zur Verfolgung der sicher noch nicht weit gekommenen Killerin.

Selbige ist Luba persönlich, der man zumindest nicht nachsagen kann, dass sie sich als Königin die Finger nicht schmutzig macht. Eine Werwölfin zu Fuß muss aber feststellen, dass sie einem Dutzend Cowboys hoch zu Ross nicht nur zahlenmäßig, sondern auch rein geschwindigkeitstechnisch unterlegen ist. Den Ranchhands gelingt es, Luba zu umkreisen, aber anstelle sich zu einem angemessenen letzten Kampf zu stellen, beschließt Luba, lieber einfach tot zusammenzubrechen. Er. Yes. So that happened. Why not. Die Cowboys schleifen die Leiche in den Ort, auf das die Autoritäten sich mit der Sache befassen können.

Eine Autorität, die sich mit der Sache befassen könnte, wäre z.B. Santo, und wie’s der Deibel will, trifft der (nachdem er zuvor noch ein Singles-Wrestling-Match bestritte hat) gerade mit der Bimmelbahn in Morast ein, vermutlich weil Harker nichts hat von sich hören lassen und Santo ob seiner drohenden Transformation in einen Werwolf (das ist doch aber sicher ein Killer-Gimmick für die Arena. Auch wenn er dann zu den Rudos wechseln müsste) ein wenig die Muffe geht. Das Empfangskommitee besteht allerdings nur aus Bahnhofsvorsteher Matias (Roberto Meyer, MIL MASCARAS), und der hat zwar immerhin schon mal von Santo gehört und ist recht ergriffen, dass der berühmte Star sich in dieser miesen Gegend sehen lässt, sorgt sich aber mehr um die große Kiste, die mit dem gleichen Zug angeliefert wurde. Verschifft wurde sie in Transsylvanien (POTZ!), aber es steht keine Empfängeranschrift drauf. Sonderbar, meint auch Santo, geht ihn aber auch eigentlich nix an, er sucht ja Cesar Harker. Der wiederum sagt Matias nicht, aber wenn Santo will, kann er sich des Fernsprechers im Bahnhofsbüro bedienen, das verbindet direkt zur Polizeistation, und die müssten ja wissen, wo Harker sich aufhält (es ist eine für mich neue Erkenntnis, dass man einfach die Polente anrufen kann, wenn man wissen will, wo jemand wohnt). Captain Pachecho (Bruno Rey, DIE MÄCHTE DES LICHTS, BLUTIGER HIGHWAY 2 – TRUCK DES GRAUENS) wird aber indeed hellhörig, als er den Namen Cesar Harker aus Santos Munde hört, liegt der doch ermordet im Leichenschauhaus. Pacheho lässt Santo vom Bahnhof abholen. Bei der Polizei trifft Santo dann auch den quicklebendigen Harker – nur ist das nicht Cesar, wie Santo vermutet, sondern dessen Bruder Eric (auch Rodolfo de Anda), seines Zeichens nunmehr der letzte lebende Vertreter seiner Familie.

Die Sache wird langsam eilbedürftig, weil der nächste Vollmond vor der Tür steht. Zunächst mal wird Cesar unter die Erde gebracht, was Eric die Möglichkeit bietet, Santo seine Verlobte Eloise, deren Schwester Adriana und ihren Papa Dr. Marcus vorzustellen. Vorstellig wird anderswo auch jemand anders, nämlich der Inhalt der bewussten transsylvanischen Box, die bei Nacht und Nebel von einigen Werwölfen in ihre Tempel-Hauptquartier geschleift wurde (bei der Gelegenheit wurde auch der alte Matias abgemurkst). Drinnen hockt Licar (Jorge Russek, JAMES BOND 007 – LIZENZ ZUM TÖTEN, THE WILD BUNCH, BOHRINSEL IN FLAMMEN, CABOBLANCO), der König der Werwölfe, der sich von Transsylvanien aus auf den weiten Weg nach Mexiko gemacht hat, um die Nachfolge der gerade verblichenen Königin zu regeln (offenbar gehört zum Chefsein bei Lykans auch die Erlangung hellseherischer Fähigkeiten, denn Licar war ja mindestens schon auf dem Weg, bevor Luba überhaupt den Silberlöffel geworfen hat). Die neue Queen ist nämlich nach allgemeinem Dafürhalten, speziell zumindest Licars, hier vor Ort zu finden, und der nächste Blutmond wird enthüllen, wen die Mächte der Finsternis zur neuen Königin bestimmt haben. Smart money is on Eloisa, denn die ist ja diejenige, die schon ein bisschen derangiert zu sein scheint und auch von geheimnisvollen und wolfsintensiven Albträumen geplagt wird.

Santo vertreibt sich die Zeit mit Klinkenputzen. Naja. Das wird ihm schwer fallen, alldieweil die Hütten der Dorfbevölkerung eher keine Türklinken haben, aber you get the picture. Santo geht von Tür zu Tür und erkundigt sich höflich, ob die Dörfler in letzter Zeit irgendetwas Verdächtiges beobachtet haben, stößt aber auf eine Mauer des Schweigens. Nicht nur, dass niemand ihm etwas erzählen will – oder ihn überhaupt erkennt!! -, so manch eines der tumben Landeier droht Santo empfindliche Prügel oder Schlimmeres an, wenn er sich nicht umgehend aus dem Landkreis subtrahiert. Und es bleibt nicht bei Drohungen… als Santo unverrichteter Dinge mit dem spontan zu seinem besten Kumpel gewordenen Gitano von hinnen stapft, wird das wenig dynamische Duo von einer Handvoll Dorfbewohner mit geladenen Schießprügeln gestellt und die Jungs tragen ihre Gewehre nicht zum Spaß spazieren. Im Hagel blauer Bohnen flüchten sich Santo und Gitano in ein Maisfeld, verfolgt von den wild um sich ballernden Dorfbewohnern. Einer der intellektuell weniger gut ausgestatteten Sportschützen, der sich außerhalb des Feldes postiert hat, schießt auf Gutdünken auf alles, was sich im Felde bewegt und erlegt dabei zwei seiner eigenen Kumpel mit sicheren Blattschüssen. Während sich der Schütze üble Vorwürfe seiner Kumpane anhören muss, gelingt Santo und Gitano die Flucht mit heiler Haut.

Marcos führt indes an der toten Luba eine Autopsie durch und bemerkt erstaunliches – die Leiche ist nach seiner fachlichen Expertise schon mindestens einen Monat eine solche, ungeachtet der Tatsache, dass sie ja gerade erst Cesar umgebracht hat. Santo, Pacheho und Eric betrachten die Diagnose daher mit einer gehörigen Prise Salz, aber Marcos hat ein Argument – er ist ein ausgebildeter Medizinmann und seine Zweifler nicht. Batsch.

Privat empfangen die Marcosse hohen Besuch – Licar, der sich als Zoologe ausgibt (auf Santos Nachfrage auf dem Spezialgebiet der „Evolution“. Das ist jetzt ja noch nicht mal komplett gelogen), und zu einer abendlichen Soirée in dem von ihm angemieteten Luxusanwesen einlädt. Alles, was in Morast Rang und keinen Namen hat, ist herzlich zur Party eingeladen. Das müffelt empfindlich nach fieser Falle und ist naturellement auch eine solche. Zunächst ist aber alles noch song and dance, und die Gäste amüsieren sich bei einer Tanzpartie ganz königlich, sogar die zur Mitwirkung in der Polonäse gedrungenen Santo und Gitano. Die merken aber bald, dass der vermeintlich juxige Tanz zunehmend bedrohlich wirkt, und als dann plötzlich das Licht ausgeht, wird klar – die Werwölfe blasen zur Schlacht auf das kalte Büffet, als wären wir im Titty Twister nach Santanica Pandemoniums großer Nummer. Eine ganze Horde Lykanthropen fällt über die Gäste her. Gitano, Santo und Harker versuchen die Gegenwehr zu organisieren, die sich aber bald darauf beschränken muss, wenigstens den Frauen zur Flucht zu verhelfen. Santo bodyslammed und backbodydropped Werwölfe, als würde es morgen verboten, ist aber trotzdem der „least effective werewolf fighter“, weil… ein Bodyslam bringt ja nicht mal einen Wrestling-Gegner um, geschweige denn einen Werwolf, Silbermaske hin oder her. Gitano haut den Werwölfen wenigstens ordentlich aufs Maul, und Harker ist mit einer Knarre bewaffnet, und wie ich jemanden einschätze, der sein Leben als professioneller Lykanthropenjäger fristet, dürfte die zumindest mit Silberkugeln geladen sein. Trotzdem – es ist ein Massaker, aber zumindest bleibt niemand auf der Strecke, der uns bislang als wesentlicher Haupt- oder Nebendarsteller vorgestellt wurde.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was der ganze Terz nun eigentlich sollte. Licar täte ja eigentlich besser daran, sich für den Moment bedeckt zu halten, schließlich spielt ihm die Zeit in die Karten. Wenn er dafür sorgen kann, dass ihn und die seinen bis zum Blutmond niemand nervt, steht der Krönung der neuen Queen und Santos Verwandlung in einen Werwolf ja nichts mehr im Wege. Aber ich bin ja auch kein Werwolfkönig.

Zumindest wissen die Gutens jetzt, mit wem sie es zu tun haben. Hilft ihnen jetzt nicht speziell viel. Das Marcos-Anwesen wird jedenfalls zur Zentrale des Widerstands gegen die lykanthrope Machtübernahme, die Verteidigung wird von Santo und Gitano organisiert, die sich auf eine kommende Belagerung durch die Werwölfe vorbereiten. Es wäre nur schick, wenn man vorher wenigstens Frauen und Kinder in Sicherheit bringen könnte. Im Zuge der Planung möchten Santo und Harker sich mit Marcos besprechen, aber als sie den alten Doc aufgreifen, hat der ein bisschen sehr viele Haare im Gesicht… Ja, Marcos ist selbst ein Werwolf, aber einer, der sich irgendwie, wie auch immer, muss uns nicht interessieren, der Kontrolle durch Luba und/oder Licar entzogen hat und sein eigenes Ding macht. Was wiederum die Wettquoten darauf, dass Eloisa die ausgekuckte neue Königin ist, praktisch auf 1:1 sinkt. Marcos kann keine vernünftige Erklärung anbieten, wie er sich verwandelt hat und warum er es verschwieg, aber offenbar bestehen an seiner Loyalität für die Sache der Nicht-Wölfe keine gesteigerten Zweifel. Der Fuhrpark des Marcos-Anwesens beinhaltet einen amerikanischen Straßenkreuzer in Kombi-Ausführung, und das ist eine gute Sache für den Versuch, zumindest die Kinder zu retten, denn in so eine Kiste kann man schon mal 15 bis 20 dreisombrerohohe Juniormexikaner reinstapeln. Außerdem sollen Eloisa (als Beruhigung für die Kids), Gitano (als Muskeln für den Fall des Falles) und Adriana (als Chauffeuse) mitfahren, währenddessen Santo und Harker sich auf den „last stand“ vorbereiten und Gewehre und Silberkugeln an die verbliebenen Ranchhands verteilen.

Der Nachteil daran, im mexikanischen Hinterland zu hausen ist, dass die Straßenverhältnisse von grundlegend eher bescheidener Natur sind – feste das Gaspedal runterdrücken und wegbrausen geht da nicht, und so können die Werwölfe einen fiesen Hinterhalt legen. Sie werfen aber nicht nur mit Felsbrocken, sondern auch mit angezündeten Heuballen o.ä., da kann man also schon verstehen, dass Adriana der Wagen etwas entgleitet und sie in eine Sackgasse abbiegt, in der sich gut 20-25 Werwölfe auf das Auto stürzen. Offenbar sind aber nicht nur die gelben, sondern auch die eher himmlisch orientierten Engel mit ihr, es gelingt ihr, die Werwölfe abzuschütteln und zumindest wieder zurück zum heimischen Gehöft zu brettern. Aber Flucht ist nicht, das hat die Operation nachdrücklich glaubhaft gemacht.

Es wird also doch auf die ultimative Entscheidungsschlacht ankommen – der Blutmond geht auf… erfreulicherweise für Santo ist der Fluch der Wölfe unpräzise genug formuliert, und der Wrestler wird sich wohl doch erst in einen Wolf verwandeln, wenn der Mond wieder untergeht, aber die Werwolfskönigin, die wird gleich gekrönt. Wer seine Pesos auf Eloisa gesetzt hat, wird frustriert – denn die neue Obermötzin ist weder sie noch Adriana, sondern… Julieta! Ob das alles noch gut ausgeht? Bibber… zitter…

Ich eröffne diesen Part des Reviews mal wieder mit zwei Aussagen, die auf den ersten Blick gegensätzlich und widersprüchlich wirken, und doch beide zutreffen… Nummer 1: selbst in einer Filmographie, die nun wirklich gut gefüllt ist mit Werken, die den Qualifier „FILM“ strapazieren, ist SANTO VS. LAS LOBAS der womöglich handwerklich und technisch schäbigste Santo-Film, der sich mir bislang vorgestellt hat. Nummer 2: Es ist trotzdem tatsächlich einer der wenigen Santo-Filme, der, wenn man die Wrestling-Szenen abzieht, *beinahe* als Horrorfilm funktioniert…

Punkt Nummer 1 liegt womöglich an den Regisseuren – normalerweise schwimmen Santo-Filme sicherlich nicht im Geld, Production Values oder einem grundsätzlich hohen Qualitätsbewusstsein, aber ihre Regisseure wie Rene Cardona Der Ältere oder Federico Curiel waren Profis genug, um zu wissen, wie man ne Kamera aufbaut, eine Szene beleuchtet oder eine Actionsequenz filmt. Man sparte sich vielleicht spätestens den dritten Take, aber die Leute wussten, was sie taten. Beim Team Rubén Galindo (YAKO – DER EINSAME RÄCHER) und Jaime Jiménez Pons bin ich mir da nicht so sicher (gerade Pons war eigentlich als Schauspieler tätig und zeichnet neben diesem Film nur noch für einen anderen, LOS CUATRILLIZOS von 1989, als Regisseur verantwortlich). Es fällt mir tatsächlich schwer in Worte zu fassen, was mich an SANTO VS. LAS LOBAS filmhandwerklich stört – natürlich ist er unsagbar billig, aber damit kann ich leben. Sind es die lausigen day-for-night-Shots, die tonalen Wechsel zwischen Comedy und Horror, der Versuch zwischen „Moderne“, iberisch-inspirierten Gothic Horrors und mexikanischem Ranchero-Western Verbindungen herzustellen, die nicht wirklich *da* sind, der wirre Schnitt, die miserable Kameraarbeit… there’s much to dislike here.

Und doch… wenn Galindo und Pons sich zusammennehmen, dann fühlt man sich für ein paar Momente tatsächlich wie in einem Klimovsky-Naschy-Film, dann haben vor allem die Sequenzen im Werwolfs-Tempel eine gewisse Atmosphäre, wie sie in manchem Eurohorrorfilm nicht fehl am Platze wäre. Da verfehlt der große Angriff der Werwölfe auf die Abendgesellschaft nicht ihre Wirkung, obwohl der Streifen natürlich nie wirklich explizit werden kann und an „Gore“ nicht mehr als ein paar Blutspritzer zeigen darf. Selbst die Geschichte an und für sich würde in der schier unendlichen Daninsky-Saga nicht negativ auffallen (auch wenn Waldemar in treuer Lon-Chaney-Tradition immer der an seiner Existenz hadernde Emo-Werwolf war).

Doofheiten hat ja auch der mediterrane 70er-Horror en gros zu bieten, das muss man nicht speziell den Mexikanern zum Vorwurf machen, auch wenn völlig unklar bleibt, was die Enthüllung von Marcos‘ Werwolfstum eigentlich im Filmkontext aussagen soll (hat er dann Julieta gebissen und so zur Wölfin qualifiziert), warum Wölfe nach Belieben zwischen ihrer Werwolf- und Menschenform transformieren können, aber nicht in „richtige Wölfe“, und wer zum Geier dann das die Werwölfe stets begleitende „Wolfsrudel“ (ausschließlich Schäferhunde, wie üblich) sein soll (es sind ja wohl auch „Werwölfe“ in irgendeiner Form, sonst hätte ihr Biss ja keine problematischen Folgen für Santo) und wie Licar sich auf den Weg gemacht haben kann, um die neue Queen zu küren, wenn zum Zeitpunkt seiner Abreise Luba noch bei bester Gesundheit gewesen sein muss (oder warum er, wie oben schon dargelegt, in einer Phase, in der es für ihn absolut der beste modus operandi wäre, einfach die Füße still zu halten, durch das große Massaker seine sichere Deckung aufgibt).

On the plus side – mir gefällt Santos hier deutlich variierte screen persona. Er ist, wie gesagt, nicht dieser all-around superhero, dem jeder zu Füßen liegt und bei desser bloßen Namenserwägung sich selbst Dracula ins Hemd macht, sondern eben einfach ein Wrestler, Mann der Ratio, der in eine Sache hineingezogen wird, die ihn eigentlich völlig überfordert (Santo mag nützlich sein für die Organisation der Verteidigung und als „Symbol“, aber im Kampf ist er, wie auch schon gesagt, deutlich weniger effektiv als ein Cowboy mit Silberkugel-Begehr), und der seinen Kampf nur gewinnen kann, weil er mit Harker und Gitano nicht-wrestlende Verbündete an seiner Seite weiß (und die Szene, in der Santo von den wütenden Dorfbewohnern beschossen wird, muss für den typischen Kinogänger eine Art Kulturschock gewesen sein. Schändung eines nationalen Heiligtums!).

Da Pons und Galindo die Plotte auch geschrieben haben, drängt sich mir der Verdacht auf, dass die beiden Herrschaften durchaus gute Ideen hatten, den zu dieser Zeit schon leicht kriselnden Lucha-Film in eine neue Richtung zu schieben, die den Charakter itself, zu diesem Zeitpunkt längst zementiert als unbesiegbarer Übermensch, ein wenig stärker „erdet“, ohne dabei die phantastischen Elemente zu vernachlässigen, Santo etwas mehr zu einem „relatable everyman“ zu machen (was natürlich im krassen Widerspruch zu seiner Ringpersona steht) und dadurch den Filmen eine neue Dynamik zu geben, aber leider Gottes als Regisseure nur sehr ansatzweise, und dann mehr in den atmosphärischen Horrorparts, in der Lage waren, ihre eigenen Ideen auch adäquat umzusetzen.

Im Endeffekt bin ich immer dafür zu haben, wenn eine Filmserie versucht, ihre Formel zu variieren, geänderten kulturellen oder gesellschaftlichen Voraussetzungen anzupassen (auch wenn ich die ursprüngliche Formel durchaus goutiere), und SANTO VS. LAS LOBAS ist so ein Fall. Er ist nicht so „anders“, dass der gewöhnliche Santo-Fan sich konsterniert abwenden würde, aber doch eigenständig genug, um innerhalb der Serie als Ausreißer wahrgenommen zu werden.

Was auch hilft – für einen Santo-Film ist der Streifen recht gut besetzt, Erika Carlsson ist als Vampirkönigin nicht übel und es ist ein wenig traurig, dass ihre Charakter früh aus dem Rennen genommen wird, obwohl ihre Ernennung zur Queen den Film überhaupt erst eröffnet, Rodolfo de Anda ist auch nicht schlecht in der Harker-Doppelrolle, und Jorge Russek, durchaus ein verdientes Schlachtross des Mexikinos, wünscht man ein-zwei eindrucksvolle Szenen als Licar ohne Make-up, um sich besser in Szene setzen zu können.

Das Make-up ist natürlich eher drollig – damit die durchaus attraktiven She-Wolves (der Titel lügt, wie Ihr sicher gemerkt habt, im Übrigen heftig, denn die Wölfe sind durchaus beiderlei Geschlechts. Also jetzt nicht gleichzeitig, ähm) ihre ansehnlichen Bikini-Figuren herzeigen können, beschränkt sich die Behaarung auf Kopf, Hände und Füße (immerhin, damit der Look einheitlich bleibt, ist da auch bei den männlichen Wölfen so). Wie auch meistens bei Paul Naschy, wenn er sich in den Daninsky-Wolf verwandelt, ist das Resultat weniger bedrohlich und erschreckend, sondern regt eher dazu an, dem Wolf mit beiden Händen in die Matte zu fahren und ihn hinter den Ohren zu kraulen…

SANTO VS. LAS LOBAS ist einer der Filme, der sogar in Europa (bei Yume Pictures in Großbritannien) und dankenswerterweise in einer Fassung mit englischen Untertiteln erschienen ist (das ist mal tatsächlich einer der Lucha-Filme, bei denen die Dialoge da und dort doch einigermaßen zum Filmverständnis wichtig sind). Die Bildqualität (1.33:1) ist erwartungsgemäß bescheiden und grenzt da und dort am „unwatchable“, ist am Ende aber gerade noch so zu ertragen. Als Extras gibt’s nur den Trailer und die Vorschau auf den ebenfalls bei Yume erschienen SANTO IN THE WAX MUSEUM.

Für Santo-Fans ist der Streifen natürlich essentiell, aber womöglich könnten hier auch die Freunde des iberischen 70er-Horror auf ihre Kosten kommen. Gewisse Resistenz gegen Wrestling ist natürlich mitzubringen…

© 2019 Dr. Acula

  • Ein Auslaufmodell, das sieht man gleich.

  • Stromrechnung haben die auch nicht bezahlt...

  • Santo beim Balztanz der mexikanischen Männchen.

  • Und ich dachte immer, das Kennel-from-Hell-Match hätte die WWE erfunden.

  • Santo, auch Retter abgesoffener Mädchen.

  • So they do, I suppose.

  • Der sieht schon ohne Make-up recht werwölfisch aus.

  • Neulich, bei Fridays for Future in Mexico City.

  • Enthüllt: Der, der hinter den Reihen wandelt.

  • Der Gitano ist heute in Fisting-Stimmung.

  • Ringelpiez mit Anfassen.

  • Der sich den Wolf tanzt.

  • Mad Max -F ury Road. The Sequel.

  • Zickenkrieg im Kinderzimmer.

  • Der Showdown wurde ersichtlich auf dem Mars gedreht.


BOMBEN-Skala: 8

BIER-Skala: 7


mm
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