Russian Transporter


  • Deutscher Titel: Russian Transporter
  • Original-Titel: Nepobedimyy
  • Alternative Titel: Man of East
  • Regie: Oleg Pogodin
  • Land: Russland
  • Jahr: 2008
  • Darsteller:

    Vladimir Yepifantsev (Egor Kremnyov), Sergej Astakhov (Mikhail Shering), Olga Fadeyeva (Nadezhda Orlova), Vladimir Turchinsky (Sodolov), Yuri Solomon (Rokotov), Sergej Veksler (Ukolov), Kit Mallet (Raul)


Vorwort:

Einsatz für den russischen Geheimagenten Egor Kremnyov. Auf Malta hat sich’s Mikhail Shering, einstmals rechte Hand des Oligarchen Sorkin, gemütlich gemacht, und weil die russischen Behörden jenen Sorkin wegen diverser staats- und regierungsfeindlicher Umtriebe gerne ins nächstbeste Arbeitslager stecken würde, sollen Egor und seine Kollegen von der Spezialeinheit Shering, der die hierfür notwendigen Beweise hortet, unversehrt nach Moskau apportieren. Wegen eines unspezifizierten Fiaskos in Kolumbien ist Egor bei seinen Mitstreitern nicht wirklich beliebt, dafür aber ist er der einzige, der dem in Malta von fiesen Böswatzen angerichteten Massaker mit heiler Haut entkommt und zudem noch den renitenten Shering einpacken kann. Egors Vorgesetzter Zubov empfiehlt ihm, sich mit einem gewissen Sodolov in Verbindung zu setzen, doch kaum ist ein entsprechendes Treffen arrangiert, fällt Sodolov auch schon einem bestens vorbereiteten Attentat zum Opfer. Shering hat’s geahnt – bei Geheimdienstens unterm Sofa gibt’s ’nen Maulwurf und der arbeitet wohl für Sorkin. Kein Wunder also, dass hinter jedem maltesischen Gartenzaun ein Rudel Profikiller lauert, die Egor niederstrecken muss. Unerwartete Hilfe kommt von Nadja, einer Agentin, die Egors Chef zur Unterstüzung geschickt hat. Egor traut dem attraktiven Feger nicht sonderlich weit über’n Weg und auch Shering hält sie für eine Doppelagentin, aber angesichts der akut bleihaltigen Luft müssen sich die beiden wenigstens für den Moment mal zusammenraufen…

Inhalt:

Ich weiß nicht, wie’s Ihnen geht, aber wenn sich ein Film in seiner hiesigen Inkarnation als „Name-des-Landes-aus-dem-er-kommt+einigermaßen-bekannter-Erfolgsfilm“ vorstellt, stellen sich mir die Nackenhaare auf und meine Magengeschwüre wärmen sich auf, und sei’s wegen „Turkish Star Wars“…

Nun gut – die erste Welle russischer (damals noch sowjetischer) Actionfilme rollte so Ende der 80er auf den hiesigen Markt, in Form heftig gekürzter und sinnentstellend synchronisierter Streifen wie „Im Alleingang“ mit dem damals als „russischem Rambo“ beworbenen Mikhail Nozhkin und wurde eigentlich nur von Kuriositätensammlern wahrgenommen (obwohl niemand geringeres als Cannon den Kram hier vertrieb) – mittlerweile hat der russische Unterhaltungsfilm allerdings ein Niveau erreicht, das westlichen technischen Standards absolut entspricht (man denke an die „Wächter“-Reihe), d.h. eigentlich hätten die Dinger es nicht mehr nötig, als Rip-offs vermarktet zu werden (außer natürlich Phantom Commando – Die Rückkehr, aber der war ja zumindest ehrlich), und sich dann noch an „The Transporter“ ranzuhängen, der für Jason Statham vielleicht den Durchbruch in den Mainstream darstellte und dessen Modell der over-the-top-Action durch die „Crank“-Filme mittlerweile schon ins Parodistische übersteigert wurde… ich weiß nicht, ob das wirklich glücklich ist.

Zumal „Russian Transporter“ ja auch nicht wirklich eine enge inhaltliche Verwandschaft zu dem Besson-produzierten frankoamerikanischen Hit aufweist – was wir hier vor uns haben, ist ein relativ bodenständiger Hybride aus Agentenaction und dem klassischen „Zeugenschutz“-Thriller mit den üblichen storymäßigen Drehungen und Wendungen um Verrat, Gegenverrat usw.. Kennt man natürlich, auch wenn’s – und jetzt sind wir doch wieder beim „Kuriositäten“-Dingens – durch den Blickwinkel der anderen Seite ein bisschen „exotischer“ ist als die Spionagekloppe, die wir Wessis normalerweise gewohnt sind.

Ganz interessant an der von Regisseur Oleg Pogodin persönlich erdachten Plotte ist daher nicht unbedingt die Ausarbeitung, das läuft, wie gesagt, nach Klischee Nr. 08/15 und praktisch genauso wie im amerikanischen oder englischen Agententhriller, sondern eher das Drumherum, der Rahmen, in dem sich die Geschichte abspielt, die nämlich entweder Rückschlüsse auf die Befindlichkeiten der russischen Volksseele zulässt oder aber klarstellt, dass auch im ach-so-demokratischen Russland Unterhaltungsfilme streng auf Regierungslinie heruntergezimmert werden. Das Feindbild, das „Russian Transporter“ aufbaut, ist eindeutig – es ist nicht der alte Klassenfeind, es ist der Feind im eigenen Land, der elende superkapitalistische Oligarch a la Chodorowski. Die Verbrechen, die man dem hiesigen Chodorowski-Avatar Sorkin anhängen will, stehen nun nicht gerade auf der Stufe mit internationalem Terrorismus: Steuerhinterziehung und Korruption im Hinblick auf Einflussnahme auf die Regierung, dafür werden hier Leichenberge aufgetürmt, dass Dirty Harry und der Punisher anerkennend nicken würden. Verkürzt ausgedrückt lautet die Botschaft des Films „Geld verdirbt den Charakter“ bzw. ideologischer eingefärbt „Kapitalismus nix gut“, und so ist „Russian Transporter“ über ein-zwei Ecken gedacht nicht direkt ein „kommunistischer“, aber zumindest recht deutlich ein „nationalistischer“ Film, der das Streben nach Gewinn und persönlichem Vorteil verurteilt, die (unschwer zu erkennen aufgrund der post-kommunistischen Reformen verursachte) Ineffektivität der Behörden kritisiert und einer Art nationalem Idealismus das Wort redet (verkörpert in der Hauptfigur des Egor, der, obwohl schlecht bezahlt und nicht von allen seinen Vorgesetzten und Kollegen wertgeschätzt, nie vergisst, in erster Linie die Interessen seines Landes zu schützen). Ich will das nicht verurteilen – amerikanische Blockbuster predigen seit jeher das hohe Lied das Kapitalismus und des Patriotismus, aber ein Film wie „Russian Transporter“ ist eine ganz passable Wetterfahne für das politische und gesellschaftliche Klima in Russland, einer Nation, die nach dem Untergang der Sowjetunion einem kollektiven Minderwertigkeitskomplex verfallen ist, in der – was durchaus ein Problem ist – „Wendegewinner“ auf Kosten der Gesamtgesellschaft zu Multimilliardären wurden, und in der die Putin/Medwedew-Administration allen Lippenbekenntnissen zur Demokratie zum Trotz die Zügel wieder deutlich anzieht, sich ideologisch der Sowjet-Vergangenheit annähert und generell zu einem zentralisierten, autokratischen System hin tendiert. Putin, denke ich, dürfte dieser Film gefallen (mal vielleicht abgesehen von dem Umstand, dass er nicht selbst die Hauptrolle spielt, wofür er sich höchstwahrscheinlich vollständig qualifiziert erachten sollte).

Nun ist „Russian Transporter“ um Himmels Willen kein Politthriller – diese semi-ideologischen Momente sind, bis auf den Schluss (der Streifen gönnt sich tatsächlich ein ausführliches wrap-up nach dem Showdown), vergleichsweise beiläufig in die Dialoge eingestreut (Shering spielt so etwas wie den advocatus diaboli, der Egor die Sinnlosigkeit seines Idealismus begreiflich zu machen versucht), ergo nicht wirklich „störend“, aber auch nicht komplett unauffällig (und sei’s, weil einem als Westeuropäer verklausulierte Anti-Kapitalismuspropaganda leichter auffällt). Im Klartext geht’s aber um Äktschn, Totschießen und Knochenbrechen. Wer wie wen warum umnietet, ist wurscht – nicht immer erscheint jede Plotdrehung vollkommen logisch, aber das sind sie in den wenigstens Radaufilmen. Bei knapp zwei Stunden Spielzeit (wobei die russische Heimatfassung noch mal ’ne Viertelstunde draufpackt) ist klar, dass nicht non-stop-Remmidemmi geboten werden kann (weswegen sich die „Cranks“ dieser Welt ja auch mit altmodischen 85-90 Minuten begnügen), zwischendurch also auch die ein oder andere Atempause genommen wird, die sich, so leid’s mir tut, dann aber auch gerne als letztlich bedeutungsloser Leerlauf äußert. Gut, die lästigen Labereien spulen wir bei Arnie ja auch immer vor, ne?

Wichtig ist die Action, und, ja, Respekt, auch wenn Meister Yepifantsev (lustiger Name, irgendwie) ganz gewiss nicht der „russische Jason Statham“ ist, wie das Cover meint – dafür ist er ein ganz anderer Typ, halt ein generischer Bodybuilder-Muckibursch ohne echtes Charisma -, er macht das nicht schlecht und Pogodin hat durchaus alle technischen Mätzchen drauf, die man heutzutage braucht, um Action inszenieren zu dürfen, SuperSlowMo, Zeitraffer, Freeze-Effekte (komischerweise aber keinen einzigen bullet-time-shot…), 360-Grad-Schwenks, Gunkata-artige Choreographie der ausgesprochen knackigen shoot-outs, das ist alles sehr professionell gewerkelt, und teilweise sogar mit ganz pfiffigen Einfällen (wie dem running gag des kugelfesten Aktenkoffers, ohne den Egor freiwillig keinen Schritt macht, oder einer einigermaßen schlüssig integrierten parcours-Sequenz, die schon dadurch sympathisch wird, dass der Protagonist nicht jedes Hindernis auf Anhieb bezwingt und sich beim Jumpen von Dach zu Dach auch mal auf die Schnauze legt). Aber es ist irgendwie die Krux des modernen russischen Genrefilms – es fiel mir bei „Phantomkommando“ auf, bei Shadow Boxing und in eingeschränkter Form auch bei den „Wächtern“: obwohl die jungen russischen Action-Regisseure das Handwerkszeug sicher beherrschen und auch grundsätzlich wissen, wie man einen Action-/Genrefilm aufbaut und strukturiert… ich weiß nicht, woran es liegt, aber auch „Russian Transporter“ reißt mich nicht *so* mit, wie es ein Film mit diesem bodycount, dieser Fülle an ansprechend gelösten shoot-outs und Verfolgungsjagden, eigentlich ansprechen müste – irgendwie ist da eine Distanz zwischen mir als Zuschauer und dem Film auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm, die bei einem amerikanischen, französischen, chinesischen Radaufilm nicht da ist. Es ist mir ein Rätsel – letztlich macht ein „Russian Transporter“ auch nichts anders als ein beliebiger van-Damme-Film, und trotzdem, es will einfach nicht in der gleichen Form „klick“ machen, immer bleibt bei mir das unspezifiziertes Gefühl, man hätte eine Szene besser drehen können, als würde ich nur das Rehearsal, den Probetake der richtigen Aufnahme sehen. Keine Ahnung, ob das nur mir so geht (im Zweifel ja), aber, simply spoken, ich finde in russische Filme einfach nicht so leicht hinein.

Wie gesagt – die Zutaten stimmen, die Optik ist überdurchschnittlich, die Kampf- und shoot-out-Choroegraphie beachtlich, der betriebene Aufwand nicht zu knapp und, das dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben, Malta ist ein ausgesprochen pittoresker Background für Filme fast aller Art und gerade die engen Gassen der Hauptstadt Valetta bieten sich für haarsträubende Verfolgungsjagden zu Fuß geradezu an. Man kann auch nicht behaupten, es würde „Russian Transporter“ an knackiger Härte fehlen – die shoot-outs sind zahlreich und für FSK-16-Verhältnisse auch ordentlich blutig (und zynisch – das fröhliche Abschießen von Verwundeten wird hier von allen Seiten zur Maxime erhoben), aber auch hier fehlt mir irgendwie der allerletzte Kick, der absolute Overdrive. Es widerstrebt mir, einen recht ruppigen Ballerfilm mit dem Prädikat „nett“ zu versehen, aber das trifft letztlich meine Gemütslage: ich bin nicht versucht, auszuschalten oder vorzuspulen, aber der entscheidende Tritt in den Hinterteil, der aus einem „netten“ einen mitreißenden Actionfilm macht, der fehlt.

Liegt’s womöglich am Score? Vielleicht in kleinem Maßstab, denn auch hier gilt: korrekt erkannt, wie „westliche“ Actionfilme das regeln, mit treibenden, ravigen Klängen und dem gelegentlichen ironisch-brechenden Einsatz von Songs, aber womöglich dann doch mit leichtem culture-clash-Problem, denn eine Verfolgungsjagd (bei hellichtem Tageslicht) mit dem alten Oldie „Mr. Sandman“ (bekannt und wohl auch ein wenig geprägt aus „Halloween“) zu untermalen, das passt einfach nicht (schätzungsweise war dem Regisseur und/oder dem Music Supervisor da wichtiger, dass die Musik „lustig“ zur Szene „passt“, als auf den Text zu achten).

Ganz sicher liegt’s aber am Hauptdarsteller – ich will Meister Yepifantsev nicht zu Nahe treten (schon allein, weil er mich sicherlich mühelos zur Brezel konten kann), aber er ist einfach einer dieser charismafreien Muskelschinken, die sich passabel als zweiter Henchmen dritte Reihe links machen, denen aber jede Ausdruckskraft abgeht, selbst die eines Lundgren, van Damme oder (schwitz) Seagal. Physische Präsenz sicherlich ja, aber eben auch nichts weiter. Sergej Asthakov als Shering versucht, mit einer teilweise überdrehten Vorstellung zu retten, was zu retten ist und seine Wandlungsfähigkeit (insgesamt darf er in vier verschiedenen „Persönlichkeiten“ auftreten, vom 70er-Jahre-Gedächtniszuhälter bis zum latent schwulen französischen Kellner) tut dem Film gut und mach dem Zuschauer durchaus Spaß, aber er ist eben nicht die Hauptfigur. Olga Fadeyeva ist ein heißer Feger und zeigt erfreulicherweise auch ihre herausragenden anatomischen Eigenschaften in unbedecktem Zustand, dass sie mti Yepifantsev keine Chemie verbindet, kann man ihr eher nicht verübeln. Was dem Streifen fehlt, ist ein echter durchgängiger Schurke – Sorkin, der eigentliche „big guy“ im Hintergrund, kommt im Film nicht eine Sekunde lang in Person vor, und um das „Mystery“, wer denn nun der böse Verräter ist, lange offenzuhalten, dürfen sich Script und Film nicht zu detailliert um die Fraktion der Bösen kümmern und die Karten erst im Showdown auf den Tisch legen.

Bildqualität: Die DVD von Savoy bietet wenig Grund zur technikbedingten Klage. Der anamorphe 2.35:1-Widescreen-Transfer ist vielleicht nicht ganz auf dem aktuellen Stand einer reinrassigen Major-Produktion, aber sehr nahe dran, Schärfe, Kontrast und Farben allesamt deutlich im überdurchschnittlichen Bereich, keine Verschmutzungen, keine Defekte, unauffällige Kompression.

Tonqualität: Deutscher Ton wird in Dolby 2.0 und 5.1 geboten, russischer O-Ton in 5.1. Das ist ein wenig problematisch, alldieweil die deutsche Synchro sich nicht wahnsinnig mit Ruhm bekleckert (daran merkt man halt dann doch die Unterschiede zwischen Major-Veröffentlichung und einem Indie-Release wie diesem hier), der russische O-Ton ist zwar technisch in Ordnung, erfreut uns aber mit der Landessitte, dass fremdländische Dialoge von einem Off-Sprecher simultangedolmetscht werden, und da „Russian Transporter“ ein gerüttelt Maß englischer Dialoge beinhalte (da Englisch auf Malta Landessprache ist), kommen wir so manches Mal in den Genuss dieser Gepflogenheit. Deutsche Untertitel (mit dem ein oder anderen Schreibfähler) werden mitgeliefert.

Extras. Nur der Trailer, eine Bildergalerie und die obligate Trailershow.

Fazit: Ich will nicht zu übertrieben negativ klingen – „Russian Transporter“ ist ein ziemlich patenter Actionfilm, routiniert gewerkelt, vor hübschem (und trotz der mittlerweile zahlreichen auf Malta entstandenen Filme noch nicht abgenudeltem) Background, ordentlich hart und mit Ausnahme – leider – des Hauptdarstellers zumindest annehmbar gespielt; für ein wenig zusätzlichen Unterhaltungswert sorgt nebenher vermittelte post-sozialistische Ideologie (als für unsereins ganz witzigem Kontrast zum US-Patriotismus). Das sorgt insgesamt für knapp zwei Stunden durchaus unterhaltsamen Radau – man sollte sich nur vom deutschen Titel und den Statham-Vergleichen nicht irritieren lassen, „Russian Transporter“ schuldet dem klassischen van-Damme- oder Seagal-Film aus den späten 80ern sicher mehr als der neuen hyperenergetischen Actionschule des 21. Jahrhunderts.

3/5
(c) 2010 Dr. Acula

  • Schon komisch, in diesem Film herrscht praktisch der dritte Weltkrieg auf Malta, aber die örtliche Polizei scheint das nicht sehr zu kratzen.

  • Im Bleigewitter ist der Airbag klarer zweiter Sieger gegen den Steelcase.

  • "Okay, du hast mich per Zeitmaschine aus dem Jahr 1976 geholt. Und jetzt?"

  • Dynamic Dude is Dynamic.

  • Kein Einwand gegen die professionelle Hitman-Pose

  • Memo an die Bediener von Raketenwerfern: Darauf achten, wohin man zielt...

  • Da stellt sich die Frage: Steht sie wirklich auf harten Sex?

  • Oder vielleicht doch nur auf "hart"?

  • Ich weiß doch, was Ihr sehen wollt...


mm
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