Rise: Blood Hunter


  • Original-Titel: Rise
  •  
  • Regie: Sebastian Gutierrez
  • Land: USA/Neuseeland
  • Jahr: 2007
  • Darsteller:

    Lucy Liu (Sadie Blake), James D’Arcy (Bishop), Michael Chiklis (Rawlins), Mako (Poe), Carla Gugino (Eve), Julio Oscar Mechoso (Arturo), Paul Cassell (Easton), Holt McCallany (Rourke), Margo Harshman (Tricia), Kevin Wheatley (Ethan), Allan Rich (Harrison), Robert Forster (Lloyd), Marilyn Manson (Bartender)


Vorwort:

Mit ihrer Reportage über die Grufti-Szene in Los Angeles hat’s Reporterin Sadie Blake bis auf’s Titelblatt der „LA Weekly“ geschafft – aber darauf, dem von Computergenie ausgeknobelten Hinweis auf ein obskures Goth-Happening namens „The Feeding“ nachzugehen, hat sie dann doch nicht; Acapulco ist dann doch wichtiger… Das verlängert zumindest (temporär) ihr Leben, denn nach ihrer Rückkehr erfährt sie prompt von einem brutalen Massaker, dem u.a. ihre einstige Interviewpartnerin Tricia zum Opfer gefallen ist – deren Dad Rawlins, ihres Zeichens ganz harter Bulle, nimmt das begreiflicherweise nicht wirklich gut auf. Sadie schnüffelt in Ethans Wohnung, doch die ist verwüstet und außerdem wartet dort Rourke, Handlanger eines gewissen Bishop, und nimmt sie gleich mal mit zu seinem Boss. Da Sadie ihm, weil sie schlicht nicht weiß, was er will, nichts gewinnbringendes erzählen kann, tötet Bishop – der, wer hätt’s gedacht, leibhaftiger Vampir und Vorsteher des örtlichen Blutsaugerclans ist – Sadie genüsslich. Zu ihrer eigenen Überraschung kommt Sadie in der Leichenhalle wieder zu sich, mit klaffender Halswunde und ungesundem Appetit auf roten Lebenssaft. Nachdem sie im Obdachlosenasyl, in dem sie Unterschlupf gefunden hat, einen Penner umbringt und aussaugt, wird sie von Arturo aufgegabelt. Der hat mit Bishop noch das ein oder andere Stück Federvieh zu rupfen und möchte Sadie zum Instrument seiner Rache, sprich zur Vampirkillerin ausbilden. Mangels anderer Alternativen und gegen Versorgung mit abgefülltem Blut willigt Sadie ein und killt sich streng hierarchisch durch Bishops Entourage. Der Obervampir greift zu Gegenmaßnahmen – noch weiß er nicht, wer hinter ihm her ist, denn Sadies Vampirisierung ist nicht auf seinem Mist gewachsen. Unerwartete Unterstützung erfährt Sadie, als sich ihrer und Rawlins‘ jeweiliger Weg der Vergeltung kreuzen…

Inhalt:

Auch das Vampirgenre ist nicht totzukriegen. Mit „Rise: Blood Hunter“ stellt sich ein weiterer Low-Budget-Vertreter des Blutsaugergenres vor, der aber immerhin mit einigen respektablen Namen im Cast aufwarten kann. Im FFF-Kontext war der Streifen für mich ein typischer „erwarten-se-nix“-Lückenbüßer, weil man ja nicht nur einen Film am Tag kucken will und das Parallelprogramm mich interessemäßig auch nicht flashte (im Nachhinein war die Entscheidung pro „Rise“ schon deswegen goldrichtig, weil ich bei der DVD-Verlosung vor der Vorstellung abräumte – den FFF-Trailer, „Freeze Frame“ und „Cargo“ als Steelbooks sowie „Ab-Normal Beauty“. Hat sich rentiert). Dem Großteil des anwesenden Publikums war’s durchaus recht, dass nach der kollektiven „Mandy Lane“-Enttäuschung ein Film laufen würde, der nicht vorgibt, ein Genre-Highlight zu sein, sondern sich nur die Aufgabe stellt, sein Publikum kurzweilig zu unterhalten. Und anderhalb Stunden später war, trotz des kursierenden (und von mir nicht zu verifizierenden) Gerüchts, es gäbe eine 20 Minuten längere Unrated-Fassung, wenigstens ich durchaus zufrieden.

„Rise“ gewinnt sicherlich keine Originalitätspreise – die Idee, einen Vampir als Vampirjäger einzusetzen, ist schätzungsweise nur unwesentlich jünger als die Erfindung des Blutsaugermythos an sich (nicht zuletzt „Blade“ ist ja auch ein Halbvampir und schon der gute alte „Captain Kronos“ ließ sich in diese Richtung interpretieren), aber es ist halt eine recht taugliche Idee, die der zentralen Figur des seinesgleichen killenden Vampirs eine zusätzliche, innere Konfliktebene beschert; „Rise“ geht damit sogar recht gut um, die Szene, in der Sadie nach ihrer Verwandlung erstmals heftigen Blutdurst entwickelt und sich an den lästig hustenden Schnarcher heranmacht, ist für die Verhältnisse eines billigen Reißers überraschend intensiv und wirkungsvoll (was auch an Lucy Lius glaubwürdigem Spiel liegt). Im Gegensatz zu anderen „modernen“ Vampirfilmen wie „Underworld“ oder „Blade“ bemüht sich „Rise“ um einen – sicherlich auch budgetbedingten – realistischeren Ansatz. Die Vampire sind keine „Superwesen“, sondern vergleichsweise normale Typen, die auch nichts mit Gothic Lifestyle am Hut haben, sondern die Goths nur als leichtgläubig in die Falle zu lockende Beute sehen. Einiges an Ballast der herkömmlichen Vampirmythologie wird über Bord geworfen (so können die hiesigen Vampire durchaus bei Tageslicht rumlaufen, sofern sie sich wenigstens mit ’ner Sonnenbrille schützen – das erinnerte mich prompt an die alte Ray-Ban-Werbung; Reißzähne sind passé, und ich schätze, auch mit dem Betreten heiligen Bodens hätten die Blutsauger hier keine gesteigerten Probleme). Strukturell orientiert sich „Rise“ an einem klassischen Martial-Arts-Film-Aufbau (inklusive der „weiser Mentor“-Figur, die allerdings für meine größten Bauchschmerzen sorgt… es SPOILERT gleich: im Film wird enthüllt, dass Arturo selbst Vampir ist und gegen Bishop vorgeht, weil der ihn vom Chefposten vertrieben hat. Man könnte meinen, Sadie würde sich ausgenutzt vorkommen und Arturo mindestens einmal zur Rede stellen, aber nichts passiert. Immerhin gibt es aber die vage Möglichkeit, dass diese Enthüllung ein „mind game“ seitens der betreffenden Person ist), in dem der junge Kämpfer sich nach dem Training streng hierarchisch durch die Reihen der Bösewichter meuchelt, bis er schließlich dem Obermotz der Bad Guys gegenübersteht). Auch kein originelles, aber ein praktikables Konzept.

Writer/Director Sebastian Gutierrez, der einst mit „She Creature“, dem Meerjungfrauen-Film aus Stan Winstons „Creature Feature“-Reihe debütierte und unlängst die Drehbücher zu „Gothika“ und „Snakes on a Plane“ beisteuerte, inszeniert den Streifen in gefälligem Tempo und handwerklich solide-unauffällig. Die nichtlineare Erzählweise (der Film steigt sozusagen mitten in Sadies Rachefeldzug ein – zweifellos, um einen knackigen Teaser herzugeben – blendet dann zurück zum Auslöser der Geschichte und bleibt von da an chronologisch) hätte es dramaturgisch sicherlich nicht gebraucht, schadet aber auch nicht (und wenn ich das als persönlicher Feind von Flashback-Movies sage, ist das schon ein ziemlich großes Lob). Er profitiert von der guten Kameraarbeit des zweifachen Oscar-Preisträgers John Toll (ausgezeichnet für „Braveheart“ und „Legends of the Fall“, schon bemerkenswert, welch Kaliber Gutierrez für seinen kleinen Indie-Schocker anheuern konnte; es ist weiß Gott nicht so, dass Toll nicht mehr in der A-Liga spielen würde – aktuell fotografiert er die Ben-Stiller-Komödie „Tropic Thunder“ und hat u.a. auch bei „The Last Samurai“ und „Elizabethwon“, definitv „richtigen“ Filmen die Kamera geschwungen; es mag daran liegen, dass ein gewisser Sam Raimi den ein oder anderen Dollar als ausführender Produzent springen ließ – „stupid German money“ war aber auch involviert…), die doch den ein oder anderen memorablen Shot auspackt. Sei’s drum – Gutierrez jedenfalls sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt, unfreiwilliger Humor bleibt bis auf das „Infra Superman“-geprüfte Stilmittel des „Flashbacks zu einer Szene, die wir nie zuvor gesehen haben“ und die ein oder andere Dialogzeile außen vor und, verdammt, es ist der erste Film, in dem Lucy Lui nackt kopfüber zum Ausbluten aufgehängt wird – ist das nix?

Die musikalische Untermalung (Score von Nathan Barr und passende Songs) weiß auch zu gefallen. Effekttechnisch wird nicht ganz die grobe Kelle ausgepackt (weswegen der Gedanke an einen Unrated-Cut nicht ganz von der Hand zu weisen ist). Die prosthetischen Splattereffekte werden von KNB EFX besorgt, die bekanntlich meistens wissen, was sie tun. Was ich mir gewünscht hätte, wären, nicht zuletzt eingedenk der Lucy-Liu-Beteiligung, ein paar kick-ass-Action-Szenen, aber die waren wohl bei den begrenzten monetären Mitteln der Produktion nicht drin (die einzige größere Kampfszene bestreiten Altmeister Mako und Lucy Liu, und die ist auch eher Brawling denn Martial Arts). Summa summarum kein ultimatives Splattererlebnis, aber blutig genug. Die Freunde nackter Tatsachen möchte ich darüber informieren, dass nicht nur Lucy Liu, sondern auch Cameron Richardson („Open Water 2“, „National Lampoon’s Dorm Daze“) blank zieht.

Wie schon gesagt – der Cast ist aller Ehren wert, auch wenn Lucy Liu sich schon fragen wird, was eigentlich passiert ist… gestern noch in der A-Liga mit „Charlie’s Angelse“, heute schon blank gezogen in einem Independent-Low-Budget-Horrorheuler. Liu lässt eventuellen Karrierefrust nicht am Zuschauer aus und liefert eine solide Vorstellung ab (ehrlich gesagt war ich nie wirklich ein großer Fan von Lucy Liu, aber ich konstatiere – sie sah selten attraktiver aus, nicht nur weil nackig, und sie überzeugte mich durchaus darstellerisch). Ihr Gegenspieler, James D’Arcy („Exorcist: The Beginning“, die Harlin-Schlachtplatte), könnte charismatischer sein – es drängt sich angesichts seiner Performance nicht wirklich auf, wieso die Vampire ausgerechnet auf sein Kommando hören (aber wer sich Martial-Arts-Legende Mako – in seiner letzten Filmrolle – als Hausdiener halten kann…). Den knurrigen Cop Rawlins gibt Michael Chiklis, dem Blockbuster-Kino durch Zugehörigkeit zum „Fantastic Four“-Franchise (dort gibt er „Das Ding“ Ben Grimm) und Freunden hocklassiger US-TV-Serien aus „The Shield“ vertraut, souverän. Carla Gugina spielte schon in Gutierrez‘ „She Creature“, Robert Forster („Jackie Brown“, „Alligator“) schaut für einen charmanten Cameo vorbei. Marilyn Manson hab ich in der präganten Rolle eines Barmanns ehrlich gesagt nicht erkannt… „Arturo“ Julio Oscar Mechoso absolviert die klassische Mentoren-Rolle klaglos, aber wenig einprägsam. Ihn sieht man demnächst in „Planet Terror“ (und zuvor schon in „Once upon a Time in Mexico“.)

Fazit: „Rise: Blood Hunter“ erfindet das Blutsaugergenre nicht neu und ist gewiss kein Film für die Ewigkeit, aber kurzweilig-unterhaltsam bestens geeignet, sich gepflegt 90 Minuten zu unterhalten. Auf der Habenseite verbucht der Streifen neben einer gut aufgelegten Lucy Liu vor allem die gute, einem Film dieser Preisklasse kaum zustehende Kameraarbeit; da fällt die unoriginelle Plotte und die eher unspektakuläre Machart (was Action und Kills angeht) schon nicht mehr so stark ins Gewicht. Auf DVD allemal einen Blick wert (und für einen Leser ganz speziell: viel viel besser als „Van Helsing“. Ha.) Good friendly violent fun.

3/5

(c) 2007 Dr. Acula


mm
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