Retrograde – Krieg auf dem Eisplaneten


  • Deutscher Titel: Retrograde - Krieg auf dem Eisplaneten
  • Original-Titel: Retrograde
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  • Regie: Christopher Kulikowski
  • Land: USA/Luxemburg/Italien/Großbritannien
  • Jahr: 2004
  • Darsteller:

    John Foster (Dolph Lundgren)
    Renee Diaz (Silvia de Santis)
    Dalton (Joe Montana)
    Marcus (Gary Daniels)
    Andrew Schrader (Joe Sagal)
    Capt. Robert Davis (Ken Samuels)
    Jefferson (David Jean Thomas)
    Mackenzie (Jamie Treacher)
    Vacceri (James Chalke)
    Bruce Ross (Marco Lorenzini)


Vorwort:

„Retrograde – Krieg auf dem Eisplaneten“. Klingt fetzig, oder? Wenn man dann wie der Doc seit ewigen Zeiten eine gewisse Sympathie für den schwedischen Muckibolzen Dolph Lundgren mitbringt, muss man nicht mehr lange überredet werden (speziell, wenn das Preisschild der DVD im Angebots-Regal bei real mit der erfreulichen Ziffernkombination 2,99 lockt). Gekauft, das Ding.

Der alte Schwede ist, wie ja grad angesprochen, einer meiner alten Favoriten und mir vielleicht der persönlich liebste von allen Klopperhelden der 80er – einer der größten Schauspieler war er nie und wird er auf seine alten Tage auch nicht mehr werden. Muss er auch nicht, denn wer He-Man und den Punisher gespielt hat, muss nichts mehr beweisen (und SICH auch nichts, denn wer’s mal mit Grace Jones ausgehalten hat, steht über den Dingen), oder ? Dolph steht aber auch exemplarisch für den Absturz, den das Actiongeschäft nach Ende der glorreichen 80er Jahre erlebt hat – vom leading man in mittelbudgetierten „echten“ Filmen wurde er, von löblichen Ausnahmen wie seinem grandiosen Kurzauftritt im ansonsten minderbemittelten Johnny Mnemonic abgesehen, in schrottigen Stock-Footage-Orgien Marke Wynorski wie Agent Red, Storm Catcher etc. verheizt. Grund genug, dass Dolph vor ein paar Jahren frustriert seinen Rücktritt einreichte und wohl im heimatlichen Schweden Elche züchten wollte oder so. Nun ist das mit dem Ruhestand aber so eine Sache – das wird schnell langweilig (weswegen manche Rentner auch schnell dahinzusterben pflegen) und dem großen Blonden gelüstete es auch nach einem Comeback.

Zu diesem gehört (neben seinem allseits ziemlich gelobten Regiestück The Mechanik) auch Retrograde, finanziert u. a. vom letzeburgerischen Filmfonds (da scheint’s also noch Steuerlücken zu geben. Uwe Boll, übernehmen Sie!) und auf die Beine gestellt von Franchise Pictures. Franchise, wir erinnern uns oder auch nicht, debütierte in den letzten Jahren des vergangenen Jahrtausends als neue Filmschmiede von Ex-PM-Mastermind Joseph Merhi und katapultierte sich, diverser unsauberer Geschäftsmethoden sei dank, binnen kürzester Zeit in die Bundesliga der unabhängigen Studios und produzierte mit Multi-Mega-Millionen-Budgets (meist gefloppte) Gassenhauer wie Battlefield Earth, The Whole Nine Yards, The Art of War oder 3000 Miles to Graceland). Nachdem aber u. a. teutonischen Filmfondsgeldgebern relativ rasch auffiel, dass Franchise die für Investoren unangenehme Eigenart pflegte, die Budgets künstlich aufzublähen und die „Überzahlungen“ in die Taschen der Eigentümer zu wirtschaften, kollabierte der Laden, meldete Bankrott an und tummelt sich, zu meiner Überraschung, ich ging nämlich davon aus, dass die Klitsche wirklich sprichwörtlich *PLATT* ist, nun wieder da, wo sie hergekommen ist – im Reich der kostenbewusst produzierten Direct-to-DVD-Hobel für’s Ramschregal dritte Reihe links.

Des Einen Leid ist des anderen Freud‘ (oder auch des Doc’s Leid, das wird sich noch rausstellen), mit einem Film wie Retrograde können wir auf diesen Seiten halt doch mehr anfangen als mit The Whole Nine Yards (Battlefield Earth hingegen… aber das haben wir schon vor Jahren abgehandelt). Mal sehen, ob ich in 85 Minuten des Dolpherl noch genauso sympathisch finde wie damals, vor langer langer Zeit, als er bei „Wetten dass“ auf dem Sofa die Deko-Gummibären wegfutterte…

Inhalt:

Ok, die IMDb vermutet für unser heutiges Epos ein stolzes Budget von 2 Mio. Dollar, also wissen wir auch ungefähr, was uns an CGI-Qualität erwartet, als uns im Vorspann irgendwo in der Galaxis ein Planet um die Ohren fliegt und seine Trümmerstücke Richtung… ERDE (Gosh! Gasp!) schleudert. Der Meteoritenregen schlägt in eisigen Gefilden ein…

Wir schalten um ins Jahr 2204 und begrüßen nicht nur Dolph Lundgren alias John Foster, stilecht im langen Regenmantel und mit abgegriffener Lederaktentasche, sondern in Personalunion auch unseren Erzähler, der uns erklärt, wieso die Zukunft in L.A. so aussieht wie nach einer mehrjährigen Neuaufführung der Rodney-King-Festspiele (vulgo: düster & putt). Satte 50.000 Jahre früher nämlich sei der bewusste Meteor aus der Vorspannsequenz in der Antarktis eingeschlagen und habe dabei, welch bodenloses Unverfrorentum, eine außerirdische Seuche miteingeschleppt, die nun, knapp 2 Jahrhunderte, nachdem der exterrestrische Felsbrocken entdeckt und damit die Seuche freigesetzt wurde, dabei sei, auch noch die letzten Reste der Menschheit auszurotten. Letzte Hoffnung der bescheidenen Restbestände seien eine Handvoll Immune (zu denen selbstsprechend 1-A-Genmaterial John Foster gehört) – allerdings „läuft uns die Zeit davon“ (hm. Wer heute immun ist, ist morgen auch immun. Und zur Not sollen die Immunen halt irgendwann eine neue Zivilisation aufbauen. Kann doch denen wurscht sein, ob die Nicht-Immunen krepieren…).

Gut, aber wir wollen ja einen Film sehen und tun deswegen mal so, als hätte das alles so seinen Sinn. Foster und sein billardkugelköpfiger Partner (o.ä.) Dalton werden zu einem Meeting der Oberhonchos gerufen und bekommen den superspeziellen Rettungsplan verraten. Als Pilot des letzten noch funktionierenden Raumschiffs (mit dem schicken Namen „Parsifal“ – machen wir aus dem ganzen Schmu noch eine Grals-Geschichte?) soll Foster mit einem Team Immuner ins Jahr 2004 zurückreisen (nein, wir werden nicht ernsthaft einen Gedanken daran verschwenden, WIE die Zeitreisen hier funktioniert. Sie tut’s, ist scheinbar getestet und mehr oder weniger allgemeiner Kenntnisstand, und mehr müssen wir nicht wissen), verhindern, dass die unglückselige Besatzung des Eisbrechers „Nathaniel Palmer“ den Felsklumpen aus dem All überhaupt erst ausbuddelt (die Crew der „Palmer“ ging als erste drauf, verbreitete aber den Virus – oder die Bakterien, da ist sich der Film nicht ganz einig – über die ganze Welt; in Verbindung mit der uns noch verratenen Inkubationszeit der Seuche dünkt mir das zwar zweifelhaft, aber egal. Ich schlucke heute fast jeden Schmu) und das ganze Meteoritenfeld mit einem ganz besonders töften Sprengstoff in den Orkus blasen (darauf komme ich ggf. noch ganz am Ende zurück, informiert mich Future Doc), oder anders ausgedrückt – Johnnyboy soll ein schickes Zeitparadoxon basteln?. Mir schwant übles… das mit Zeitreisen, Ursache & Wirkung usw. hat doch noch kein B-Movie-Autor bisher begriffen (A-Movie-Autor auch kaum) [so was kommt halt dabei raus, wenn man seinen Hawking nur zur Hälfte liest… – der Lektor].

Schon einen Umschnitt später rauscht die „Parsifal“ by means of rather cartoonish CGI FX ins Erdorbit. Momentan ist nur eine rudimentäre Flight Crew aktiv, der militärische Arm der Operation (dem Dalton vorzustehen scheint) liegt größtenteils noch cryogenisch auf Eis, hat die Reise doch schlappe fünf Monate gedauert (FÜNF MONATE für eine Zeitreise? Bitte, was machen die? So lange rückwärts laufen, bis sich die Zeit zurückdreht oder wie? Langsam wäre ich doch an technischen Details über die hiesige Zeitmaschine interessiert. So ganz ausgereift scheint das nämlich nicht zu sein [rein technisch gesehen sollte man nur schnell genug fliegen, also schneller als das Licht, und die Sache hat sich. Aber wie Einstein schon sagte: Das ist ein Problem für sich. – der Lektor]).

Dieweil, in der Antarktis, pflügt die „Nathaniel Palmer“ bereits durchs Packeis. Skipper Robert Davis hat nicht nur mit den in der Natur seines Jobs liegenden Unwägbarkeiten des Wetters zu kämpfen, sondern auch mit Plot Device Nr. 3856/viertelvoracht, dem Evil Capitalist. Selbiger nennt sich hier Andrew Schrader ist der Financier der Exkursion, und als solcher frankly pissed, dass der zum Eisbrecher gehörende Hubschrapp aufgrund technischen Defekts momentan strikt ans Flugdeck genietet ist, was Schrader in seinen Kreisen erheblich einzuschränken scheint. Als Schrader wutig von der Brücke stapft, fällt dem Käpt’n auch nur noch ein, seinem Auftraggeber dringend Beischlaf zwecks Drüsenstauabbaus anzuraten (oder, wie er es auszudrücken beliebt: „That man needs to get laid!“).

Dieweil gibt mir, an Bord der „Parsifal“, ein gewisser Simons, offenbar der medizinische Experte der Zeitreisetruppe, Rätsel auf. Obschon wir etabliert haben, dass Foster und seine Spießgesellen der Spezies der Immunen angehören, müssen sie geimpft werden. Und das nicht gegen Pest, Pocken, den gemeinen Schnupfen oder andere bösartige Zivilisationskrankheiten des beginnenden 21. Jahrhunderts, sondern gegen die zukünftige Seuche, die, so behauptet Simons zumindest, auch jetzt und hier (also 2004 auf der Erde, BEVOR die „Nathaniel Palmer“ den Meteor findet) schon aktiv wäre, wenn gleich halt nicht so stark, aber trotzdem schon innerhalb von 3 bis 10 Stunden nach physischem Kontakt mit dem Erreger oder einem Infizierten auch einen Immunen problemlos umbringen könnte (erstens: so „immun“ können die also gar nicht sein, und zweitens, wenn’s einen Impfstoff gibt, warum verwendet man den nicht in der relativen Zukunft? Des Rätsels Lösung, wenn’s denn eine gibt, reime ich mir so zusammen, dass der Impfstoff nur bei „Immunen“ anschlägt. Wäre aber nett gewesen, wenn ich mir solche Informationen nicht durch eigenhirniges brainstorming aneignen müsste, sondern der Film es mir einfach SAGT). Foster will noch ein paar motivierende Worte absalbadern, kommt aber nicht dazu, denn – es sind Verräter unter uns, äh, seinen Leuten, und deren Häuptling ist niemand anderes als… Dalton! Wie ich schon immer gepredigt habe – trau keinen Leuten mit ohne Haare. Kann man doch nur Finsteres im Schilde führen. Er und sein Kompagnon Vaccari (ein vage indianisch-ethnisch aussehender Geselle) packen ihre Knarren aus und mähen den ein oder anderen red-jersey-Äquivalent nieder. Berechtigterweise fragt Foster sich und Dalton, was der Scheiß denn nun wieder soll, wo’s doch schließlich um die Zukunft der Menschheit geht. Die Menschheit, soweit sie nicht aus ihm persönlich besteht, ist dem Glatzenkaiser aber offensichtlich ziemlich salami – er träumt von einer „profitablen“ Zukunft (wie immer er die auch gestalten mag, wenn außer ihm alle mööp sind. Naja, Weltherrscher ist Weltherrscher, egal ob 8 Milliarden oder 8 Untertanen, newa. Und übrigens – nein, präziser definiert wird Daltons Motivation den ganzen Film über nicht. Er ist halt evil, weil er evil ist. Skeletor brauchte auch keine Gründe – oder, wie es der Erzschuft in Inferno Thunderbolt so eloquent ausführte: „Gründe sind mir zu vulgär“…

Die böse Tat wird allerdings per Videoüberwachung von der Brücke aus argwöhnisch beobachtet – Fosters afro-amerikanische Steuerfrau Reese, ihres Zeichens loyal bis zum Steinerweichen, zwingt das Raumschiff in einige waghalsige enge Kurven, die die nicht angeschnallten Bösburschen ordentlich durchschütteln (oookay, soviel zum Thema „künstliche Schwerkraft“. Aber wenn’s in Star Trek erlaubt ist…). Zwar hat sie persönlich von dieser Aktion nur begrenzt etwas, weil, schließlich gedeiht rechtes Gut auch nicht immer, Dalton einen Komplizen auf der Brücke hat, der sie sicherheitshalber ersticht (ich bin enttäuscht, aus der Zukunft kommen, aber nicht Phaser, sondern Messer benutzen. Pöh!), jedoch gelingt Foster und Simons im Zuge eines durch die Rüttelaktion begünstigten Handgemenges die Flucht.

Währenddessen ahnt man auf der „Nathaniel Palmer“ von all diesen desaströsen Entwicklungen noch nichts. Renee Diaz und Mackenzie, fürderhin „Mac“ genannt, zwei von Schrader gedungene Doktoranden, forschen an bereits gefundenen Gesteinsproben herum. D.h. das Forschen übernimmt Renee (ich weise bei solchen Namen gern gesondert darauf hin: in diesem Falle ist Renee weiblich), ihres Zeichens Chilenin (und in der Originalfassung mit einem wunderbaren britischen Akzent gesegnet, der kommt und geht, wie’s beliebt), dieweil Mac sich mehr an seinen Joint hält (wollen wir wetten, wie lange DER überlebt?). Wir etablieren kurz die Verhältnisse – Mac ist gelangweilt, undiszipliniert und hat auf die ganze Chose eh schon längst keinen Bock mehr (andererseits: hat ihn niemand gezwungen, mitzufahren), Renee ist des Geldes wegen mit von der Partie und ist, kutschikutschiku, stolze Mutter einer ach-so-süßen kleinen Tochter, deren Foto die Dame ständig anschmachtet. Schrader entert das behelfsmäßige Labor und ist immer noch mittelschwer angefressen – er sucht organische Materie in Meteoriten, um damit seine großartige Theorie zu belegen, wonach das Leben auf der Erde per Meteor-Post von fremden Sternen gesät wurde. Mac, der sich mit den Zielen der Expedition offenbar nicht wirklich identifiziert und wäre stark dafür, da man schon genügend dreckige Felsbrocken eingesammelt hat, langsam Richtung Heimathafen zu schippern. Kommt natürlich nicht in die Tüte, weil der bewusste Beweis für Schraders Dummfug noch nicht gefunden wurde (und außerdem der Film vorbei wäre).

Zurück auf der „Parsifal“ versorgen sich Foster und Simons, sichtlich bekennender Kampfmedizinmann, mit futuristischen Wummen und dem Superdupersprengstoff aus der Waffenkammer. Speziell das Einsammeln des Sprengstoffs hält aber lange genug auf, damit Simons sich von heranstürmenden Bad Guys erschießen lassen und Foster somit als singulären Einzelkämpfer zurücklassen kann. Foster entkommt einmal mehr und erreicht die Brücke, wo er die dort anwesenden Fieseowatze tot schießt, sich verbarrikadiert und mit der Autorität eines echten Commanders das Schiff sichert (bzw. einen Code eingibt, der ihm die Kontrolle über den Kübel gibt und den selbstverfreilich nur er kennt). Dieser Umstand ist, irgendwo verständlich, für Dalton zum Haareausraufen (höhö), schränkt dies doch seine Möglichkeiten, die Zukunft profitabel zu gestalten, entschieden ein. Foster indes ist nicht dumm und öffnet die ein oder andere Luftschleuse, was doch immerhin einen (in Worten: 1) von Daltons unwichtigeren Gefolgsleuten ins Universum pustet (ist schon lustig: da dekompressioniert Foster das halbe Schiff, später aber werden die Leichen der Geplätteten, die sich ja schwerlich irgendwo festhalten konnten, fröhlich unbeeindruckt überall rumliegen). Dalton selbst und seine wichtigeren Männer können wohl lange genug die Luft anhalten, um sich Raumanzüge anzulegen. Dieweil Foster in stolzer Pflichterfüllung den Landeanflug einleitet, beballern Dalton und Vacceri in böser Absicht das Schott zur Brücke. In einem generischen Funkenflug-Pseudo-Explosions-Dingenskirchen blenden wir zur „Nathaniel Palmer“ um und überlassen den Ausgang dieser dramatischen Szene unserer Fantasie.

Auf dem Eisbrecher wird Renee von einem netten Seemann namens Marcus (Gary Daniels, gar nicht wiederzuerkennen!) angebaggert. Sie findet den Knaben sichtlich nicht völlig unsympathisch, aber die Arbeit ist wichtiger und zum anderen gibt’s da ja noch daheim in Chile, bei den Gauchos und sonstigen Pampasbewohnern, die kleine Tochter. Marcus, dem in den bisherigen Wochen und Monaten der Expedition, dieses lästige Detail noch nicht aufgefallen ist, spekuliert aus der Existenz einer Tochter auch auf die solche eines dazu passenden Vaters in angeheiter-, äh, angeheiratetem Zustand, was aber von Renee verneint wird (unbefleckte Empfängnis? Adoptiert? Auf der Straße gefunden? Vom Papa geschieden oder sonst wie getrennt? Niemand verrät es uns. Da wir uns in einem Zeitreisefilm befinden, bereite ich mich aber prophylaktisch auf das Aller-Aller-Allerschlimmste vor). Mitten in das schönste Beziehungsanbahnungsoderauchnichtgeplänkel platzt allerdings ein Rumpeln, eine Sternschnuppe (was wird die wohl sein? [Der Predator! – der Lektor]) und ein allgemeiner Stromausfall auf dem Pott. Schrader wittert im shooting star prompt einen neuen Meteor, den es schleunigst zu untersuchen gilt, nur wird sich das schon deswegen schwierig gestalten, weil der Kompass aufgrund völlig außer Rand und Band befindlicher Magnetfelder wirbelt wie ein Brummkreisel.

Demzufolge wird alles weitere zunächst auf den nächsten jungen Morgen vertagt. Schrader will weiterhin sofort und auf der Stelle zur vermuteten Einschlagstelle, Davis zickt allerdings in treuer Klischeeerfüllung und unter Verweis auf vage, unspezifizierte mögliche Gefahren aufgrund des mysteriösen Stromausfalls und Kompasskreislers. Da muss Meister Schrader schon den Geldbeutel ganz weit aufmachen und eine Bonuszahlung von satten 25 % aller zukünftig von ihm im Zusammenhang mit dem Meteorfund eingeheimsten Gewinne ausspucken – und die auch noch in Vorkasse (möchte stark wissen, wie er das berechnen will. Und abgesehen davon, 25 % von Null sind immer noch Null). Marcus plündert für den Betriebsausflug auf die eisige Scholle schon mal die Waffenkammer. Der Eisbären wegen, erläutert er. Ausgerechnet die zugedröhnte Kifferdumpfbirne Mac muss dem altgedienten Seemann und Eisbrechercrewman Marcus erläutern, dass in südlichen Eisesbreiten derlei Fauna nicht ansässig zu sein gedenkt, aber man die Knarren im Hinblick auf große böse Pinguine ruhig mitnehmen könne. Scherzkekse, allenthalben. Aufgrund neuerlich auftretender elektrischer Interferenzen verweigert Davis die Weiterfahrt. Bis er nicht rausgefunden hat, was seinen stolzen Kutter sabotiert, bewegt sich hier niemand vom Fleck. Schrader bettelt um ein-zwei Bonusmeilen (Eh, Schrader? Du BEZAHLST. Tu mal so, als wärst du der böse Kapitalist, der du laut Drehbuch sein sollst), wird abgebürstet und verfällt schließlich auf die grandiose Idee, den Käpt’n um Genehmigung für einen Ausritt auf Snowmobilen anzugehen. Davis ringt sich nach dem ein oder anderen Magenkrampf zu einer positiven Bescheidung durch. „Aber wenn ich sage, sie kommen zurück, KOMMEN sie zurück“, droht der Capitano böse. „Jaja“, brummt Schrader in seinen Bart und was das nu wieder heißt, wissen wir nicht erst durch Meister Röhrich.

Nicht weit entfernt stapft Foster missmutig durch die Eiswüste. Ist schon wieder sehr geschickt und absolut unauffällig, wie sich die Produktion herumdrückt, bloß nicht die Absturz-/Landungssequenz zeigen zu müssen – die hätte ja Geld kosten (oder mit dem vorhandenen Budget Scheiße aussehen) können. Dalton und einer seiner Gehilfentschakl sind ihm aber hart auf den Fersen. Zumindest hart genug, um auf Foster anlegen zu können. „Ich will ihn lebend“; knurrt Dalton (schließlich kann er ohne den nur in Fosters Brägen deponierten Code das Raumschiff wieder starten. Allerdings wissen wir als geneigte Zuschauer JETZT noch gar nicht, ob das Ding überhaupt noch mal flottzukriegen ist. Nach kontrollierter Landung sah es, wir erinnern uns düster, zuletzt nicht grade aus). Sein Henchmen versteht unter „lebend“ aber offenbar was anderes als Dalton und jagt Foster eine Kugel in den Hals. „Ich sagte LEBEND“, grumpft Dalton auch entsprechend angefressen. Man stapft zum gefällten Gegner, doch der, haha, hat die tödliche Verletzung natürlich nur vorgetäuscht und fährt mit seinen Angreifern, der Witterung und Landschaft angemessen, tüchtig Schlitten. Der namenlose Henchmen beißt ins Eis, Dalton schlägt sich die Glatze auf. Foster muss feststellen, dass er allerdings wirklich einen Streifschuss am Gehälse abbekommen hat und blutet mimosenhaft vor sich hin.

Unsere fröhlichen Meteorjäger haben dieweil andere Sorgen – die beiden Motorschlitten (nummeriert mit 1 & 2. Ich komme darauf zurück) treten kollektiv in den unbefristeten Ausstand und zwingen die Truppe zur Fortsetzung des Ausflugs zu Fuß. Schrader ist das natürlich nicht Recht – erst der Hubschrauber, dann die Motorschlitten, nix funktioniert hier… (wenn man auch wieder billig pauschal bucht…). Auf dem Eisbrecher ist Davis eher grundsätzlich besorgt (er hat irgendwelche Befürchtungen hinsichtlich des Eises, andererseits… sein Kahn ist ein Eisbrecher, also speziell dafür gebaut), Schrader soll mal hinne machen. Im perfekten dramaturgischen Moment geht die Funkverbindung zum Away Team flöten und der Kompass spinnt mal wieder. Naja, die Forscher hätten jetzt eh keinen Nerv für Davis‘ Genöle, stolpern sie doch gerade über die von der „Parsifal“ gezogene Landeschneise… Mac starrt die Rinne an, als hätte er gerade der Welt größte Halfpipe entdeckt, aber grad sein Snowboard nicht dabei. Zum Ausgleich für diesen schweren emotionalen Schock findet er aber rätselhafte „Fragmente“, Trümmerstücke, die natürlich sofort für untersuchens- und einsackenswerte Bestandteile des Meteors gehalten werden. Aber auch Foster wird entdeckt – der liegt nämlich im Schnee und rappelt sich gerade mühselig aus einer wohl blutverlustbedingten Ohnmacht wieder auf. Marcus hält ihm gleich mal, damit er weiß, dass er unter zivilisierten Leuten gelandet ist, den Lauf seines Gewehrs vor den Riechkolben. Renee, als Frauchen durch schlichtes Ausschlussverfahren zum Krankenschwesterdasein verdonnert, bemerkt tatsächlich des Gestrauchelten klaffende Halswunde und rät sofortigen Transport auf die „Nathaniel Palmer“ an. Mac wäre stark dafür, den Knaben einfach liegen zu lassen und den Pinguinen zum Fraß vorzuwerfen, aber die pure Menschenfreundlichkeit setzt sich durch. Da Foster sich eh wieder in eine gepflegte Bewusstlosigkeit empfohlen hat, müssen unsere Freunde den ganzen Kerl auch noch zurück zum Schiff tragen.

Die „Palmer“ verfügt wenigstens über eine komplett ausgerüstete Krankenstation, in der ein Samuel-L-Jackson-Verschnitt für Arme den Vorsitz führt. „Er hat viel Blut verloren“, diagnostiziert Dr: med. von und zu Afropower, dieweil Marcus, Renee, Mac und der ganze Rest der Truppe drum herum stehen und Maulaffen feilhalten, bis es Schrader zu bunt wird und er Mac an die Arbeit scheucht. Schließlich hat man ja examinierbare Specimen eingetütet, da wird sich doch ne außerirdische Mikrobe dran finden lassen. Wobei sich trotz alledem die Frage stellt, wer dieser Kerl (Foster also) eigentlich ist und was der hier mitten in der Antarktis zu tun hat? Marcus postuliert die These vom abgestürzten Piloten, die Schrader (ausgerechnet) begeistert aufgreift. Wo ein Abgestürzter ist, sind möglicherweise noch mehr Überlebende, die dringend Hilfe bedürfen, und wo man doch sicher aus purem Gutmenschentum eine Such- und Rettungstruppe losschicken werde, könnte er doch bei der Gelegenheit noch das ein oder anderen kleinen Meteorfelsbröckelchen unterwegs aufklauben… Davis verbietet jegliche Rettungsaktivität, Schrader zieht die „moralische Verpflichtung“-Karte, dieweil der Skipper durch Fosters persönliche Gegenstände stöbert (auch keinen Respekt vor Privatsphäre) und ob der futuristischen Bombenbehälter zu dem Schluss kommt, dass das alles nicht „freundlich“ aussieht. Nichtsdestoweniger, auch, weil seine Crew sich ethisch-moralisch mehr auf Schraders Seite positioniert, befiehlt er die Aussendung einer Rettungstruppe unter Marcus‘ Fuchtel.

In der kalten Eiswüste kommt dieweil Dalton wieder zu sich. Happy ist er nicht gerade, nicht nur, weil ihm die kostbare polierte Platte angekratzt wurde, sondern auch, weil Foster und mit ihm der integral notwendige Universal-Bedienungscode für das Raumschiff nowhere to be seen ist. Dafür findet er aber die zurückgelassenen Motorschlitten, die ihm zwar rein transporttechnisch auch nicht weiterhelfen, ihm aber einen dezenten Wink geben, wo seine Nemesis sich eventuell befinden könnte.

Speaking of Foster, der wird gerade von Renee fürs FlickR-Album kampffotografiert – ich weiß nicht, ob Renee noch nie ’nen halbnackten Kerl (man hat ihn in der Krankenstation sicherheitshalber ein wenig entkleidet) gesehen hat (aber immerhin hat sie ja ’ne Tochter, rein theoretisch müsste sie also schon… naja, Ihr wisst schon). Fosters Unterbewusstsein zelebriert uns währenddessen ein paar Flashforwardbacks in die seuchenver-, äh, -seuchte Zukunft, bis der Hüne die Augen aufschlägt. Renee will ihm gleich mal eine Beruhigungsspritze verpassen (was hat die vor?), was Foster aber mit einem energischen „Don’t“ unterbindet. Foster beansprucht zu wissen, wie lange er „out“ war. 5 Stunden, kunftet Renee aus, und außerdem befinde er sich an Bord der „Nathaniel Palmer“. Sie stellt sich als „Astrobiologin“ vor (hm, gibt’s diesen Wissenschaftszweig tatsächlich schon? [Mehr oder weniger ja, wenn auch nicht gerade sonderlich anerkannt unter „echten“ Wissenschaftlern. – der Lektor]), worauf Foster einige Schuppen aus dem Haupthaar rieseln. „Renee Diaz?“ rät der Zukunftsmensch ins Blaue und verblüfft damit sein Gegenüber. Erklärungen spart er sich allerdings und möchte vielmehr seine Ausrüstung zurückhaben. Oh, und hat’s noch andere „Überlebende“ gegeben? Nach denen wird bekanntlich grade gesucht und Davis erinnert den Trupp daran, dass aus eher undurchschaubaren Spannungsgründen für die Rettungsoperation eine Drei-Stunden-Deadline besteht.

ndes behauptet Foster auf entsprechende Anfrage Renees, mit seinem Flugzeug notgelandet zu sein, während Mac unprofessionellerweise beim Auspacken der eingesammelten Specimen vor sich hin kifft. Tja, hätte er das nur nicht getan… So aber ist er unkonzentriert genug, beim nächstbesten Ruckeln des Schiffs (scriptgemäß bedingt durch das sich zusammenschiebende Packeis) sofort die Pfote am scharfkantigen Fragment aufzuschneiden. Autsch. Und angesichts unserer Hintergrundkenntnisse um tödliche Bakterialerkrankungen vermutlich auch eher einer langfristigen weiteren Lebensplanung abträglich. Auch in der Krankenstation sorgt die eintretende Schlagseite der „Palmer“ für juxige Situationen – Renee stürzt nämlich in Fosters starke Arme (das macht die doch mit Absicht). Der Doc, grad mal fünf Minuten vor die Tür gegangen, kommt zurück, missbilligt grummelnd die Tatsache, dass Foster sich von seinem Krankenlager erhoben hat und stellt fest, dass allgemein eine schöne chaotische Bescherung hält. Wie von der Tarantel gestochen, kreischt Renee ob dieses Stichworts „Das Labor!!!elf!“ und rast eben dorthin, wo Mac seine blutende Pfote mit Leidensmiene (aber tapferem „nicht so schlimm“-Machotalk) unter den Wasserhahn hält. Schrader entert ebenfalls das Lab und ist ob der diversen umgefallenen und/oder zerbrochenen Reagenzgläser säuerlich.

Marcus und sein Search-and-Destroy-, äh, sorry, -Rescue-Trupp sind mit Schneemobilen unterwegs und an dieser Stelle ein Memo an alle unterbudgetierten Filmemacher. WENN IHR SCHON IRGENDWELCHE MOTORSCHLITTEN, BUGGYS, JEEPS, SCOOTER ODER SONSTIGE FORTBEWEGUNGSMITTEL IN EURE DOOFEN FILME EINBAUT, DANN NUMERIERT DEN DRECK WENIGSTENS NICHT!!! So erspart man sich nämlich Peinlichkeiten wie den schönsten Continuity-Klopfer seit Space Mutiny – ungeachtet der Tatsache, dass wir uns alle darüber im Klaren sind, dass Snowmobile Nummer 1 und 2 vorhin in der antarktischen Eiswüste zurückgelassen werden mussten, düsen Marcus und seine Kollegen WIEDER mit Schneemobil Nummer 1 bzw. 2. Momente wie dieser erfreuen mein fieses Herz. Gut, das soll uns nicht weiter grämen, denn Marcus bemüht sich, die Handlung voranzutreiben – Überlebende, so spekuliert er, sollte man am ehesten im Dunstkreis der Landeschneise finden, weswegen man diese absuchen wird.

An Bord der „Parsifal“ beweist uns Dalton inzwischen, was für ein böser böser Menschi er doch ist, indem er befiehlt, die restlichen Mitglieder von Fosters loyaler Fightcrew zu „Geschichte“ zu verarbeiten. This, in a time travel story, being highly ironic and stuff.

Auf Eisbrechern kann’s ja durchaus mal langweilig werden, weswegen man den Aufenthaltsraum heimelig gestaltet hat – es gibt sogar ’nen Flipper. Und einen ziemlich kränklich aussehenden Mac, der nach ein paar schmerzverzerrten Grimassen auf dem kalten Boden kollabiert. Der Seemann, der dort sein Schichtende (oder whatever) feiert, ist schockiert – Macs Gesichtshaut wirkt, öhm, eher ungesund-blasenwerfend. Ja, wir haben’s geschnallt – Mac hat sich den Alien-Virus eingefangen. Den kann man aber sicher prima ans Militär verhökern (und auf die Idee ist echt in 200 Jahren keiner gekommen?), denn er scheint sich zumindest kurzfristig in unkontrollierbaren Adrenalinschüben auszuwirken (und wenn man nach all den schief gegangenen Supersoldatenexperimenten der Filmgeschichte geht, ist das doch DAS Ding schlechthin; gut, man kann den Soldaten nur 10 Stunden brauchen, aber um irgendwo ’nen strategisch wichtigen Punkt platt zu machen, reicht’s doch) – Mac schwingt sich in die Horizontale und zerlegt couragiert unter Schreien und Mutieren den Freizeitraum (kostet doch alles Geld!).

Während Foster mal wieder einen Flashback durchleidet (dieses Mal in jeder Hinsicht ein Flashback, als er von Daltons kleiner Revolte handelt), wird der Doktor zu Mac gerufen. Der verweigert aber jeglichen medizinischen Beistand, sondern türmt in die Eingeweide des Schiffs. Die Diagnose der Augenzeugen ist zweifelhaft: „Es sieht so aus, als würde er von innen heraus verbrennen!“ (Hm. Naja. Whatever you say).

Der Rettungstrupp stolpert indes über die „Parsifal“ – man muss konstatieren, Marcus und seine Jungs nehmen die Entdeckung eines big-ass-Raumschiffs, auf das in deutlich lesbarer Schrift ein irdischer Name wie „PARSIFAL“ gepinselt steht, routiniert-gefasst (na ja, vielleicht haben die auch nur „Das Ding aus einer anderen Welt“ gesehen). Ohne jedes „uh!“, „ah“, „was ist DAS?“ oder ähnliche Erstaunensbekundungen befiehlt Marcus die sofortige Durchsuchung der Mühle.

Davis und sein Trupp aufrechter Seeleute entert dieweil voller Todesverachtung die Laderäume der „Palmer“, in die sich gerüchtehalber Mac verzogen hat. Der Dottore, dumm wie er ist (außerdem müssen wir ja, political uncorrectness voraus, noch den Neger loswerden), tapert mit der rechten Gräte auf den Mac-blutbesudelten Handlauf der Treppe. Das dürfte sich dann auch erledigt haben. Foster, der ersichtlich bemängelt, dass sich niemand um ihn kümmert, latscht unbehelligt durchs Restschiff. Mac, durch Alien-Mutation nicht völlig zerebral beeinträchtigt (vielleicht vertreibt der Virus ja auch die Kiffer-Attitüde) hat sich am Waffenschrank der „Palmer“ bedient. Davis teilt in weiser Voraussicht ebenfalls Kugelspritzen aus. Auch Schrader, der grundsätzliche Bedenken zu hegen scheint, auf seinen Assistenten schießen dürfen zu müssen, wird zwangsverpflichtet. Marcus und seine Rettungstruppe (Aufi!) beweisen zwischenzeitlich, doch nie Horrorfilme gesehen zu haben, weil sie, kaum an Bord der „Parsifal“ (in die kommt man offenbar auch per Türsummer rein, oder wie?), beschießen, sich aufzuteilen. Werdet sehen, was ihr davon habt…

Mac hat seine Verfolger geortet und wünscht sich, dass diese ihm bitteschön von der Pelle bleiben. Diese höfliche Forderung unterstreicht er mit ein paar ziellos durch die Gegend geballerten blauen Bohnen. Die Schießerei ruft aber wenigstens die planlos rumlaufenden Foster und Renee auf den Plan. Auf der „Parsifal“ greift sich Dalton einen der herumstromernden Retter und stellt klare, unmissverständliche Fragen („Seid ihr von der Palmer? Ist Foster bei euch?“), bekommt aber keine zufriedenstellenden Antworten. Ein Kollege des am Schlafittchen Gepackten entdeckt die Cryo-Kammer, in der die Leichen der Flight Crew gestapelt sind, kann diese Erkenntnis aber niemandem mehr weitergeben, weil er von Vacceri gekillt wird. Mac verteilt im Laderaum der „Palmer“ weiterhin großzügig Bleigeschenke und jagt damit eine Fuhre Dynamit (braucht man, um sich ggf. aus dem Packeis freizusprengen) in die Luft. Unglücklicherweise steht direkt daneben Seeman Keith und verschmurgelt zum Heldentod. Foster bewaffnet sich mit einem Kanister und geht drohend auf Mac zu, worauf der sich lieber selbst das Gehirn rausschießt (so schlimm ist Dolph nu auch nicht). Davis beäugt Foster kritisch. Schrader outet sich als der langweiligste Evil Capitalist ever, indem er sofort Zusammenhänge zwischen Meteor, Handaufschnippelei und Macs fataler Mutation herstellt. Der Doktor warnt: Was immer Mac hatte, es KÖNNTE ansteckend sein (ach?).

Dalton streicht sich indes vergrätzt über die Wunde am Hinterkopf (elegant, wie wir hiermit einfiedeln, dass Dalton sich infiziert hat und das in Fosters Rucksack parkende Gegenmittel dringend benötigt). Insofern passt es ihm durchaus in den Kram, dass es Marcus gelingt, sich dem Zugriff der bösen Henchmen zu entziehen und aus der „Parsifal“ zu türmen. „Er wird uns zu Foster führen“, ist sich Superbirne Dalton gewiss.

Nachdem der Doc im Beisein Renees Macs Kadaver obduziert (natürlich mit den üblichen „kein-Anblick-für-zarte-Frauen“-Sprüchen. Er empfiehlt ihr, sich einen Kaffee zu holen „und lass dir Zeit“), ist Foster zu einem Krisengipfel mit Davis, Schrader und dem Dottore geladen. Foster räumt ein, Unspezifiziertes zur Klärung der Sach- und Rechtslage beitragen zu können, sofern man ihm seinen Krempel zurückgibt. Davis erwähnt, dass ein Trupp unterwegs ist, um weitere Überlebende zu bergen, worauf Foster fast der Draht aus den blonden Haaren springt: „Holt sie zurück!“ Geht nur leider nicht, von wegen nix Funkverbindung. Foster gibt sich gönnerhaft – „Gebt mir meine Ausrüstung und ich löse eure Probleme!“ Okay, eins davon heißt „Packeis“, schiebt sich weiterhin bedrohlich um den Eisbrecher herum und steht auf Fosters Agenda wohl nicht wirklich weit vorne. Der weise schwarze Medizinmann ist sich sicher, dass Foster mehr weiß, als er zuzugeben gewillt ist, weswegen man den Geheimnisvollen sicherheitshalber einsperrt. Jetzt ist es – ausgerechnet – an Schrader, sofortigen Aufbruch zu beanspruchen, nicht mal warten will er, bis der Rettungstrupp zurück ist (so ganz werde ich mit Schraders Charakterisierung nicht warm. Mal hü, mal hott). Aber, ha, der Bordingenieur (ich nenne ihn einfach mal Chief, weil ich seinen Namen nicht mitbekommen habe) hat mittlerweile den Hubschrauber repariert. Mit dem könnte man doch Hilfe holen! (Hilfe speziell wogegen jetzt? Und, ähm, ich will nicht unken, aber ihr seid irgendwo am Arsch der Antarktis, ich KÖNNTE mir vorstellen, dass ein Hubschrauber, noch dazu so’n billiges Zivilmodell wie eures, da reichweitentechnisch * leicht * überfordert ist).

Foster hat Glück, dass „seine“ Wachtposten auch auf die ältesten Tricks der Welt (wie ein hastig angezündetes Feuerchen im Freizeitraum, der als „Zelle“ fungiert) hereinfällt. Schnell sind die beiden Wächter k.o. geschlagen und schon hat Foster auch einen bordtauglichen Anorak als Tarnung. So schleicht er sich unbesehen aufs Eis, wo die „Palmer“-Crew unkreativ Fosters Ausrüstung im Schnee vergraben (?) und, damit man’s auch wiederfindet, treudoof mit einer roten Fahne markiert hat (??). Dass die Aufmerksamkeit seiner Gastgeber durch die unerwartete Solo-Rückkehr Marcus‘ abgelenkt wird, ist seinem Tun nicht hinderlich

Dr. House, äh, der weise Afro-Weißkittel, tut dieweil mehr oder weniger nützliches und inspiziert Röntgenbilder der Lungen von Mac respektive Foster, anstandshalber von Renee, die sichtlich nix besseres zu tun hat, begleitet. Tatsächlich ist auf Macs Lungenflügeln ein schwerer schwarzer Schatten zu begutachten, wird als eine Art Krebs eingestuft und, sieh mal einer guck, Foster hat’s auch, nur nicht so schlimm. „Macs Blut ist mit mikrobiologischen Bakterien versucht“, doziert der Doktor terminologisch zweifelhaft (ich weiß spontan nicht, ob es andere als mikrobiologische Bakterien gibt [die heißen dann „Blob“… – der Lektor]) und auch in Fosters Lebenssaft finden sich Spuren selbiger Fremdkörper. Ob da wohl ein Zusammenhang bestehen könnte? In einem Moment bitterer Selbstreflektion fällt dem Doktor ein, dass er sich mit Macs versuchtem Blut bereits beschmoddert hat (gut, bei der Obduktion war er vermutlich grad knietief in Macs Eingeweiden, da hat er sich sicher nix eingefangen…).

Marcus berichtet indes seine Erkenntnisse – nun gut, viel mehr, als dass er mit Müh und Not entronnen ist und sich im fremden Schiff die Leichen stapeln, kann er nicht beitragen, aber es ist beunruhigend genug.. Foster treibt Renee auf und will von ihr wissen, wo der Meteor (bzw. sein notgelandetes Schiff) zu finden ist, was Renee nun wiederum auf den Gedanken bringt, dass Macs garstiges Schicksal mit dem „Meteor“ zu tun haben könnte (welch Geistesleistung! Was für eine intelligente Frau! * schmacht *). Während der Skipper beschließt, dass man mit voller Pulle vom Acker brechen wird, erläutert Foster notdürftig, worum es sich bei dem Virus handelt – physischer Kontakt sollte vermieden werden, die Mortalitätsrate beträgt 100 Prozent usw. usf. (na, zum Glück ist das Viech nicht „airborne“). Nachdem Renee dem Maestro verklickert, dass das „Fragment“, das Mac ins frühe Grab gebracht hat, nichts anderes ist als ein Trümmerstück der „Parsifal“-Landestelle, rieselt der Kalk von Fosters Denkmurmel – den Virus, tja, den hat niemand anderes als die „Parsifal“ überhaupt erst mitgebracht (jesses, da sind wir schon mittendrin im Zeitparadox. Die „Parsifal“ reist in die Vergangenheit, um ein Virus zu bekämpfen, das nur auftaucht, weil die „Parsifal“ es in die Vergangenheit mitgebracht haben werden wird. Oder so. Actually ist das gar nicht mal so unclever, aber ich bin mal gespannt, wie der Herr Autor sich aus der Bredouille wieder herausschreibt. Aber ich vermute mal ins Blaue hinein: Gar nicht).

Dass die „Palmer“ ihre Maschinen anwirft, passt natürlich Dalton nicht, der mit seiner Bande gedungener Schergen justament in dieser Sekunde auftaucht und ultimativ befiehlt, den Pott aufzuhalten. Ein paar Packungen Plastiksprengstoff sollten den Job erledigen. BOOM. Während Renee sich noch fragt, was nun der Lärm schon wieder soll, entern Dalton und seine Spießgesellen bereits das Schiff und beginnen damit, nach Lust und Laune unschuldige Crewmen umzubringen. Jeder braucht ein Hobby. Okay, ich rechne ernsthaft damit, dass wir nun die Gefilde des „Geschichtenerzählens“ (ho-hum) verlassen und den Rest des Films mit Äktsch’n verbringen werden.

Sieht zumindest so aus… multiple Shootous zwischen „Palmer“-Seeleuten und Dalton-Goons brechen aus, Foster entlockt Renee die Info, dass die Landestelle keine 5 Meilen entfernt sei (weiß der Geier, was er nun von diesem Umstand hat), Dalton gelingt die Invasion der Brücke. Dort würde er von Davis gern wissen, wo Foster sich aufhält. Der Skipper versucht’s mit einem „ich-hab-keine-Ahnung-wovon-sie-reden“-Bluff, den ich ihm nicht mal abkaufen würde, wäre er Robert de Niro. Dalton tut’s auch nicht, sondern lässt ihn den Lauf seiner futuristischen Wumme aus nächster Nähe inspizieren. Wirkt sich gedächtnisfördernd aus – zumindest behauptet Davis, dass sich Foster irgendwo unter Deck rumtreiben würde. Da soll er Dalton doch gleich mal hinführen.

Renee stellt weiter dumme Fragen – z.B. die „was ist hier eigentlich los“-Preisfrage. Foster setzt zu einer weitschweifigen „in 200 Jahren“-Erklärung an, kommt aber nicht viel weiter, weil der mittlerweile infizierte Doktor unser Heldenduo attackiert. Renee fängt sich einen Kratzer ein, bevor Foster den schwarzen Mann niederstrecken kann. Damit wäre auch Renee infiziert, was ihr auch kummervoll klar wird, aber Foster hat ja gottseidank vorhin seinen Impfstoff ausgebuddelt. Eine Spritze später ist Renee zumindest für den Moment geheilt. Alles wird gut.

Dalton begutachtet indessen im Labor die diversen eingesammelten Fragmente und stellt unter Beweis, dass er für einen Mr. Evil-Charakter, der böse ist, WEIL er böse ist, gar nicht so dumm ist. Er reimt sich nämlich die richtigen Schlüsse glatt schneller zusammen als Foster vorhin. Andererseits ist’s ihm vermutlich auch eher schnurz, dass die „Parsifal“ die Seuche überhaupt erst eingeschleppt hat. Davis versucht’n unauffälligen Abgang, wird aber von Dalton geradewegs in den Rücken totgeschossen. It sucks being Captain.

Schrader (den gibt’s auch noch, auch wenn er mittlerweile ungefähr zum fifth-fiddle-Charakter degradiert wurde) ist der Brückeninvasion mit heiler Haut entkommen und geht mit der frohen Kunde über die Entermannschaft bei Marcus hausieren. Marcus wäre, elender Held, der er ist, schwer dafür, kämpfend und mit fliegenden Fahnen unterzugehen (was in dem Fall wörtlich zu verstehen ist, alldieweil der Bösmänner bedenkliche Bomben für heftigen behaupteten Wassereinbruch gesorgt haben – für entsprechende Szenen gibt’s natürlich kein Budget). Der Chief allerdings erinnert an den Helikopter – der hat zwar schwerlich Platz für alle, aber ein paar Mann könnten damit fliehen und Hilfe holen (ich wiederhole mich: selbst WENN euer Chopper überhaupt genug Reichweite hat, um zu irgendeinem halbwegs zivilisierten Ort zu fliegen, wann glaubt ihr, dass ihr mit der Kavallerie zurück seid?). Marcus hält die Idee für nicht gänzlich unpraktikabel, möchte sich aber selbst nicht daran beteiligen, weil – wir erinnern uns düster – in Renee verknallt ist und nicht ohne die Tusnelda abreisen möchte. Hormone… * seufz *.

Vacceri berichtet Dalton, dass er Foster und Renee ins Visier genommen hat. Dalton befiehlt Beschattung, aber momentan noch keine direkten Maßnahmen. Das scheint aber nur für Vacceri zu gelten, Daltons restliche Truppen nehmen Foster und Renee unbeeindruckt unter Feuer, als diese den Maschinenraum betreten. Foster meuchelt miese Mörder, Vacceri behauptet trotzdem, dass „wir ihn haben“ (das ist wie in dem alten Clever&Smart-Comic. Mr. L: „Wo sind die Gangster?“ – Clever: „Was soll schon sein? Wir haben sie!“ Mr. L.: „Prima, her mit ihnen!“ Smart: „Äh, wir haben sie … lokalisiert… wir verloren sie zwar an der mongolischen Grenze aus den Augen…“). Dalton, mittlerweile sichtlich krankheitsbedingt angefressen (als „immuner“ Zukunftsmensch dauert’s bei ihm aber entscheidend länger bis zum Exitus) macht sich auf die Strümpfe, dieweil Marcus auf der Suche nach Renee durchs Schiff tapert.

Drei Mann finden sich auf dem Flugdeck ein – Schrader, der Chief und der Pilot. Der Chief bekommt im letzten Augenblick Gewissensbisse und möchte Marcus nun doch nicht zurücklassen. Dann will Pilot auch nicht, aber Schrader erinnert ihn an den unwesentlichen Umstand, dass er der PILOT ist und damit der einzige, der die Kiste fliegen kann. „Es ist in Ordnung“, tätschelt der Chief den Fliegersmann und erteilt seinen Segen zum Abflug. Aber ich fürchte, der Chief (falls er den Film überlebt) wird in Zukunft ein paar schuldbewusste Alpträume haben, denn kaum ist der Chopper in der Luft, ist er auch schon wieder am Boden. Dummerweise aber in Einzelteilen, weil Dalton ihn mit seinem futuristsichen Äquivalent einer Bazooka vom Himmel geholt hat (by means of a not really convincing CGI explosion). Das, liebe Freunde, hättet ihr euch eigentlich auch denken können.

Mitten im schönsten Kugelhagel bittet Foster Renee freundlich darum, ein Schneemobil startklar zu machen. Renee lehnt dieses Ansinnen unter Verweis auf die existierenden Risiken für körperliche Unversehrtheit zunächst ab, aber schon einen Motivationsspruch später („Ich brauche deine Hilfe!“) sind diese Zweifel beiseite geräumt. Manchmal wäre es zumindest kurzfristig gesünder, auf den Instinkt zu hören, denn kaum fummelt Renee an einem der Schlitten herum, hat Dalton sie auch schon am Wickel. Als höflicher Mensch redet er sie sogar mit vollständigem Namen an. Auch in kränklichem Zustand kann Dalton das zierliche Geschöpf mühelos zu Boden ringen – „Armes Kind“, flötet er, und schenkt ihr ein, dass sie eines der ersten Opfer der Seuche sein wird, „und Millionen werden dir folgen!“ Ich weiß immer noch nicht, was er persönlich jetzt von der Sache hat, aber er wird schon wissen, was er will. Als böser Fieswatz weiß er, was sich an schlechten Manieren gehört und spuckt ihr ins Gesicht (insert your own „ach-was-gäbe-ich-dafür-wenn-mir-einmal-jemand-ins-Gesicht-spucken-würde“-Joke here). Was macht unser nomineller Protagonist in der Zwischenzeit? Bomben anbringen. Wenn’s ihm Freude macht… Dalton ist mittlerweile eingefallen, dass er Renee als Druckmittel gegen Foster verwenden könnte (whatever gives him that idea?) und fordert Foster auf, sich a) zu zeigen, b) den Code und c) den Impfstoff rauszurücken. Und das, wie üblich, sofortamente, pronto und el zacko. Foster gehorcht und wirft seinen Medizinbeutel rüber – aber nur, um ihn umgehend in tausend Stücke zu zerballern. Hähä. Und dann entwindet sich auch noch Renee des entsetzen Bösburschens Zugriff und flüchtet in die bereitstehenden starken Arme von Marcus. Solchermaßen ausgekontert weiß Dalton sich nur zu wehren, indem er den sinnlos in der Gegend rumgrinsenden Chief erschießt.

Okay, wir müssen langsam zum Showdown kommen. Foster fällt die Aufgabe zu, sich mit dem zweitwichtigsten Schurken Vaceri zu balgen, für Marcus bleibt der wesentlich undankbarere Part, sich als dramatisches Opfer von Dalton im Zweikampf gemeinerweise totstechen zu lassen. In einem rätselhaften Moment feuert Renee, mittlerweile am Waffenschrank zugange gewesen, eine Leuchtpistole auf Dalton ab. Die scheint auch ihr Ziel zu finden, aber ein unübersichtlich bis völlig verhunzter Cut unterrichtet den verblüfften Zuschauer, dass Dalton eine Szene weiter sichtlich unbeeindruckt Renee hinter sich her schleift (HÄ? WTF? Ich hab mir die Szene wirklich fünfmal angekuckt, aber es scheint kein Zensurcut zu sein.) Foster findet den tödlich verletzten Marcus, der die garstige Kunde vom Renee-Napping überbringt

Dalton zerrt Renee aufs offene Eis und begehrt Navigationsangaben zum Landeort. Renee nickt in die entsprechende Richtung, worauf, huch, minor surprise voraus, Dalton seine Geisel kaltlächelnd abknallt. Hoppla. Foster indes verdient sich auch keine übermäßigen Sympathiepunkte, indem er die „Palmer“ mitsamt dem NOCH lebenden Marcus in die Luft jagt (super, Marcus darf abfackeln. Wäre ein Gnadenschuss nicht humaner gewesen?). Foster setzt Dalton nach und nach kurzem Zweikampf hat er seinen gesundheitlich angeschlagenen Kontrahenten auch schon mit dem gesetzlich vorgeschriebenen pseudo-pfiffigen one-liner („Du hast keine Zukunft!“) mit dessen eigenen Messer exekutiert (sonderlich aufregend war der Fight nicht. Da war Raab vs. Halmich II ja besser.)

Den Endgegner ordnungsgemäß abgefrühstückt widmet Foster sich der abnippelnden Renee. Der wäre jetzt nach einem melodramatischen Moment („Ich – ächz – werde meine Tochter – röchel – nie wiedersehen“), aber Foster hat seine Gefühlsrezeptoren gerade auf Durchzug geschaltet. Er will wissen, wo das Meteoritenfeld doch grad noch mal war. Mit ihrem letzten Röchler weist sie Foster ein, er stapft los und überlässt sie ihrem kurzen weiteren Lebensweg. Ich hoffe, er hat noch ein As im Ärmel, sonst halte ich ihn für ein Aas [no pun intended, I seriously hope. – Der Lektor].

Während die „Palmer“ im Hintergrund malerisch im Eis versinkt, deponiert Foster seinen Superduperwupersprengstoff, stellt den Zeitzünder ein und startet mit der „Parsifal“ in die ungewisse Zukunft. Mit mächtig Kada-BA-BOOM werden zigtausend Tonnen Eis & Fels in die Atmosphäre katapultiert (und das, bitte, dämmt den Virus jetzt genau WIE ein? Oder anders ausgedrückt, ist noch jemand außer mir der Ansicht, dass das eine ziemlich BLÖDE Idee ist? Der Virus kann sich doch nix besseres wünschen…).

So, und jetzt darf der Autor noch alle Register seines Könnens ziehen. It’s aufdrösel time! „6 Monate früher“. Uh-oh. Wir befinden uns in einer feuerländischen (nehme ich an) Hafenspelunke (für eine solche aber eine spektakulär aufgeräumte) und wer spendiert dort seinem kleinen Töchterlein noch ’ne letzte Limo vor der Abfahrt ins ewige Eis? Niemand anderes als Renee! Und wer ist die hünenhafte Gestalt, die da am Tresen steht und Renee ins Gewissen redet, die Fahrt eben NICHT anzutreten? Für die Erkenntnis, dass es sich hierbei um Foster handelt, der noch ’nen zweiten, unautorisierten Zeitsprung eingelegt hat und dabei mehr Zeitperadoxa erzeugt, als ich auch nur ansatzweise durchzuzählen gewillt bin, spendiere ich großmütig fünf fabrikneue Original-badmovies.de-Gummipunkte. Die Worte eines vollkommen Fremden in einer drittklassigen Hafenspelunke sacken tief genug, um Renee Schrader auf dessen „kommen-se-nu-oder-nich“ ein gepflegtes „oder nicht“ hinwerfen zu können. Marcus zwinkert sie noch kurz zu, nimmt ihre Tochter an die Hand und lässt die „Nathaniel Palmer“ stehen [Also, nur für die Akten: eine Superduperhightech-Mission geht mit wehenden Fahnen unter, ein einfaches „Mach datt nich“ reißt allerdings alles raus. Toll. – der Lektor]

Das Schlussbild zeigt uns einen wundervollen Kitsch-Sonnenuntergang, den Foster im Kreis seiner lieben Familie (Frau und Kind) in einer offensichtlich sorgen- und virenfreien Zukunft genießt… Over & Out.
Bewertung

Hm-hmpf. Ich würde ja, aus bekannten Sympathiegründen, herzlich gerne ein euphorisiertes Review schreiben, schließlich kann ich Dolph Lundgren kaum etwas übelnehmen (nicht mal, wenn er nur mit einer Unterhose bekleidet und mit Handschellen gefesselt von der Decke hängt… siehe Jill Rips, aber Retrograde ist leider Gottes selbst für ein chronisch unterfinanziertes B-Movie eine ziemliche Enttäuschung., wofür ich einen Großteil der Schuld über Regisseur Christopher Kulikowski ausschütten muss. Aber der Reihe nach…

Stichwort Drehbuch. Ich untermauere an dieser Stelle nochmals meine schon oben angeführte Forderung, Zeitreisen als Plot Device in B-Filmen zu verbieten, es sei denn, die Autoren können mir nachweisen, zumindest elementare Grundbegriffe verstanden zu haben. Gut, Zeitparadoxa sind ein kniffliges Feld, und man kann die Angelegenheit deutlich übler an die Wand fahren (wie nicht zuletzt der ungekrönte König der schwachsinnigen Zeitreise-Filme, der hier besprochene [und für Kabel-Digital-Abonennenten derzeit gelegentlich zu begutachtende] The Tomorrow Man eindrucksvoll bewiesen hat), aber was Tom Reeve (hauptsächlich im Produzentengeschäft tätig und als solcher für so unterschiedliche Werke wie den Fortress 2, Talos – The Mummy, Extreme Ops oder, schluck, Minotaur auf der einen und gelegentliche Ausreißer wie Dog Soldiers (den ich trotzdem für überschätzt halte) auf der anderen Seite und sein Co-Autor Gianluca Curti (Bad Inclination, ein dem Vernehmen nach extrem schlechter Neo-Giallo) sich nach Kulikowskis Story ausgedacht haben, ist arg dünn. Gut, ich kann mit anderthalb zugedrückten Augen darüber hinwegsehen, dass man sich um jede Art technischen Hintergrund für die Zeitreise herumdrückt (wobei mich schon interessieren würde, wieso eine Zeitreise FÜNF FRIGGIN‘ Monate dauert),

Ein zentraler Schwachpunkt des Scripts ist die mangelhafte Motivation des Antagonisten. Nie, wirklich nie wird klar, was Daltons Plan eigentlich ist. Er will eine für sich profitable Zukunft. Das könnte streng genommen auch bedeuten, dass er einen Getränkemarkt eröffnen will (sicherer Weg in die Insolvenz, wenn ich das mal so sagen darf). Welches Ziel hat er? ICH WEISS ES NICHT und ich bin mir fast sicher, die Autoren wissen es auch nicht. Er ist böse, weil er böse ist. Damit kann man mit Müh und Not bei Grimms Märchen durchkommen, aber als halbwegs denkendes Individuum würde ich schon gerne wissen, was der Schurke des Stücks eigentlich vor hat. Ohne diese Information stellt sich keine rechter Spannung ein (obwohl nicht weniger als das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht). Der nächste Kritikpunkt ist die Inkonsistenz der vom Script aufgebauten Bedrohung (was einher geht mit meiner gebetesmühlenartig vorgetragenen Ansicht, dass ein Film jedes Recht hat, auf einer idiotischen Prämisse aufzubauen, wenn er von dort ausgehend schlüssig weiterfabuliert). Es gibt also eine tödliche Seuche. Soweit, so gut. Dann gibt es Immune. Auch recht. Diese Immunen sind aber nicht wirklich immun, sondern offenbar – und das muss man sich auch noch selber zusammenreimen – nur weniger anfällig. Dann gibt’s einen Impfstoff, der nicht nur den Immunen hilft, sondern anscheinend (schließlich hat Renee nach ihrer Impfung keine Probleme mit der Krankheit [vielleicht ist sie ja eine Immune? – der Lektor]) auch bei Nicht-Immunen. Warum produziert man diesen Impfstoff dann nicht massenweise, bevor man auf einen Wile-E-Coyote-Zeitreiseplan verfällt? Nächster Punkt – Dalton verletzt sich im Kampf mit Foster und infiziert sich, weil er sich die Rübe aufschlägt. Nur bitte – woran infiziert Dalton sich? Mac verletzt sich an einem Trümmerstück des Raumschiffs, aber doch nicht Dalton? Oder hat Dalton sich an Foster infiziert? Aber wenn Foster, wie später vom Doc diagnostiziert, den Virus eh schon in sich trägt, sollte Dalton doch auch von Haus aus infiziert sein und seine Dosis Impfstoff SOWIESO brauchen, ohne sich noch extra verletzen zu müssen? Sorry, aber je länger ich über diesen Irrsinn nachdenke, desto, hüstel, weniger fundiert kommt er mir vor (dazu passt auch, dass bei den nicht immunen Opfern die Verseuchung mit gesteigerten Körperkräften und einem gesunden Aggressionstrieb einher geht, während Dalton als Immuner seine Kräfte hingegen einzubüßen scheint).

Na gut, ich will hier nicht weiter ins Detail gehen – es reicht wohl zu sagen, dass das Script nicht völlig durchdacht ist und dass wir’s mal wieder mit einem Film zu tun haben, über dessen Zeitparadoxa man sich gar nicht erst Gedanken machen sollte (oder sich vielleicht noch drüber zu ärgern, dass wir einem Film beigewohnt haben, dessen Ereignisse schlussendlich gar nicht stattgefunden haben können, hihi, darauf reagiert ja manch einer allergisch), wissen wir eh.

Wenden wir uns daher lieber anderen Problemen zu, davon gibt’s reichlich. Z.B. in der Struktur von Film und Drehbuch. Die erste Filmhälfte gestaltet sich quasi als eine einzige Parallelmontage der Geschehnisse an Bord der „Palmer“ respektive der „Parsifal“. Dieses Zappen im Zwei-Minuten-Takt geht mir zumindest schon nach kurzer Zeit gehörig auf den Senkel. Nur, dass drehbuchgemäß zwei Handlungsebenen quasi zeitgleich ablaufen, heißt noch lange nicht, dass man das auch so zeigen muss – das Publikum ist (hoffe ich) zur Not auch clever genug, längere Blöcke an einem Schauplatz zu verarbeiten. „Mein“ Cut des Films sähe so aus, dass wir zunächst an Bord der „Parsifal“ bleiben, bis diese notlandet, dann zur „Palmer“ schalten, die dortigen Charaktere und das Szenario zu etablieren, und erst, als alle Parteien am Orte des Geschehens sind, zur Parallelität übergehen. Das hätte einen recht fetzigen opening act ergeben, bevor wir auf der „Palmer“ Exposition servieren. Die Zerrissenheit des ersten Akts ist einfach nervig, weil wir viel zu oft einfach mit einem WTF-Gefühl zu neuen Figuren geschmissen werden, die wir nicht kennen (können). Tempo um des Tempos Willen ist nicht immer der Weisheit letzter Schluss (zumal der Streifen trotzdem nicht wirklich * flott * wird).

Ich denke, dass die Unerfahrenheit von Regisseur Christopher Kulikowski, der hier, nach einem dem Vernehmen nach eher auch nicht guten Semi-Amateurfilm (mit 90.000 Dollar-Budget) namens Aurara sein erstes reines Profi-Projekt vorliegt, wohl nicht wagte, strukturell etwas zu ändern und das erzwungene „Tempo“ zugunsten einer sinnvolleren Dramaturgie zurückzunehmen. Aber wie schon gesagt – dieses krampfhafte Bemühen, dem Film durch die Montage Drive einzuimpfen, funktioniert nicht, weil Kulikowski auch so nicht wirklich Ahnung hat, wie er mit dem Stoff (und immerhin erdachte er selbst die Story) umgehen soll. Retrograde findet nie wirklich zu „sich selbst“, ist sich nicht sicher, ob’s nun ein Actionfilm mit mucho Geballer sein soll oder doch lieber ein dramatischer SF-Thriller. Wie immer, wenn ein Film sich nicht einig ist, welches Genre er primär bedienen will, bleibt das Resultat unbefriedigend und wird weder SF- noch Actionfans überzeugen. Die Actionszenen sind langweilig, da sie größtenteils „random shooting“ beinhalten (und ob der Vitas von Lundgren und Daniels verblüffend wenig mano-a-mano-Kämpfe), ohne dabei echte „tension“ zu fabrizieren. Aufgrund der schon erwähnten fehlenden Motivation des Schurken fallen auch vermeintliche Killer-Momente wie die Tode von Marcus und Renee dramaturgisch-emotional völlig flach (das allein schon deswegen, weil es keine echte character interaction gibt. Es bauen sich keine Beziehungen zwischen den „Guten“ auf. Verzicht auf eine Love Story zwischen Renee und Foster ist ja schon und gut und wohlwollend zur Kenntnis genommen, dann hätte man aber wenigstens die Beziehung Marcus/Renee etwas stärker ausarbeiten müssen und Foster deutlicher als „harten Hund“ hinstellen. Dass man den ganzen Film über, bis zur sprichwörtlich ALLERLETZTEN Szene null Charkaterbackground auf den Weg gegeben hat – dass er offenbar durch die Seuche seine Familie verloren hat, hätte man locker einfiedeln können, wo er doch zu Beginn einen voiceover spricht – erschwert die Identifikation mit dem Helden (nach nochmaliger Kurzdurchsicht muss ich leicht Abbitte leisten – wenn man sich Fosters Flashback nochmal konzentriert zu Gemüte führt, kann man den „tragischen Background“ – Frau tot durch Seuche – erahnen). Ihm geht’s ähnlich wie Dalton – wie der by default der Böse ist, ist Foster der Held, weil’s halt einen braucht). Tja, und Thriller-Spannung will sich trotz der globalen Bedrohung einfach nicht einstellen (und davon, dass ich die Idee, das „Virenfeld“ durch Sprengung zu vernichten, für extremst doof halte, hab ich Euch ja schon weiter oben berichtet).

Kulikowski müht sich denn auch weniger um eine spannungsgeladene Inszenierung, sondern hauptsächlich darum, das mickrige Budget (obwohl für ihn persönlich natürlich eine Steigerung um’s Zwanzigfache) zu kaschieren. Gelingt allerdings kaum. Es hat offenbar nicht mal für die Drehgenehmigung an Bord eines echten Schiffs gelangt, wenn man betrachtet, wie sehr Kulikowski vermeidet, irgendeine Szene an Deck stattfinden zu lassen (selbst wenn die entsprechende Szene an Deck spielt, ist die Kameraführung so klaustrophobisch eng, dass sie überall gedreht werden konnte). Nun, in Luxemburg, wo wohl alle Innenaufnahmen gedreht wurden, gibt’s eher wenig Eisbrecher (die Außenaufnahmen dürften, wie ich dem Nachspann entnehme, wohl auf einem italienischen Alpengletscher erfolgt sein und sehen zumindest einigermaßen passabel aus). Alles, was wir an „Eisbrecher“-Aufnahmen sehen, wirkt verdächtig nach Stock Footage vom Discovery Channel o.Ä. Die Raumschiffsaufnahmen sind geringfügig besser, wenngleich auch hier niemand (also auch nicht der Kulissenbauer) Originalitätspreise gewinnt. Die CGI-Effekte (so arg viele gibt’s nicht, und fast alle sind im ersten Akt versteckt) sind okay für eine Produktion dieser Gewichtsklasse, aber von der Güte sehen wir Tricks mittlerweile in jedem dritten Werbespot für Überraschungseier (wobei ich zugebe – die hingerotzten CGIs, wenn man tatsächlich mal ’ne Außenaufnahme des Eisbrechers braucht, für die Discovery-Channel-Archiv nix passendes hergab, sehen besser aus als die von Nu Image). Der Hubschrauberabschuss ist nicht GUT, aber ich hab schon schlimmeres gesehen (was aber nicht unbedingt für diesen Film spricht. Man muss sich ja nicht mit dem Bodensatz messen). Härtetechnisch gibt’s ein paar einigermaßen explizite Erschießungen sowie ein paar sudelige Make-ups für die Virenopfer und (den explizitesten Make-up-FX) für den verbrannten Keith. FSK 16 geht in Ordnung (wobei ich nicht dafür garantiere, dass das Ding uncut ist).

Die Kameraführung von Carlo Thiel (René Deltgen – Der sanfte Rebell… äh, ja) ist größtenteils einfallslos, die Musik von Stephan Melillo (12:01, versteckt sich unter dem Pseudonym Emilio Maccolini) unauffällig. Ganz süß ist übrigens, dass die „futuristischen“ Kampfanzüge nichts anderes sind als schlichte Motorradkombis Marke „Dainese“. Muss man auch erst mal drauf kommen…

Eine echte Verschwendung ist fraglos die Tatsache, dass man mit Dolph Lundgren und Gary Daniels zwei zünftige ass-kicker im Cast hat, sie aber kaum ass kicken lässt. Lundgren hat grad mal zwei kurze Zweikämpfe mit Dalton, die uninteressant choreographiert sind (soweit man von einer Kampfchoreo reden will) und auch sonst wenig Gelegenheit, seine physische Präsenz (auch im reiferen Alter) und/oder seinen patentierten knuffigen Charme auszuspielen (weil eben als reiner „tough guy“ angelegt). Gary Daniels, als zweitgrößter Name im Cast mit einer mageren Nebenrolle, eher einem character part, ausgestattet, darf sich einmal in einem „losing effort“ gegen Dalton versuchen und kann auch abseits dieser Kampfszene kaum Eindruck schinden (aber er fährt wohl noch besser als in „Submerged“).

Joe Montana (Dalton) schreibe ich ins Poesiealbum, dass das Tragen einer fiesen Glatze noch nicht allein den Erzschurken ausmacht – okay, der Akteur, „bekannt“ aus dem lesser Van-Damme-Vehikel Legionnaire und in Mini-Rolle in The Bourne Identity aufgetaucht, wird vom Script schmählich im Stich gelassen, aber es fehlt ihm die nötige Ausstrahlung (UND physische Präsenz), um seine Figur angemessen dämonisch rüberkommen zu lassen.

Silvia de Santis, gut beschäftigte italienische TV-Schauspielerin (allerdings sagt ihre Vita nicht aus, ob und wie ihre Produktionen auch diesseits des Brenners gelaufen sind), sieht schnuckelig genug aus, müht sich in ihren Charakterszenen redlich, leistet aber summa summarum auch nix memorables. In Nebenrollen verdingen sich Joe Sagal (Schrader, zu sehen in Barb Wire und als Elvis Presley in der Nightmares & Dreamscapes-Episode „You know they got a hell of a band“ hat, obwohl designierter „Evil Capitalist with a twist“ kaum etwas greifbares zu spielen, Ken Samuels (Davis, Double Team, Point Men geht’s auch nicht besser. David Jean Thomas (Backflash, The Crow III, A.P.E.X.) legt seinen Doc Jeerson als Mischung aus Morgan Freeman und Samuel L. Jackson an und kann damit ansatzweise gefallen. Recht lebhaft ist noch James Chalke Defender, Gunmen als Chief Henchman Vacceri.

Die DVD zum Film wird uns von den Freunden von MiG via Eurovideo ans Herz gelegt. Die Bildqualität (anamorphes 1.85:1-Widescreen) ist in Ordnung – gut durchschnittliche Schärfewerte, brauchbarer Kontrast (durchaus gefordert, da einiges an weißlastigen Szenen), unauffällige Kompression. Geht in Ordnung.

In Punkto Ton haben wir die Auswahl zwischen deutscher Syncho und englischem O-Ton jeweils in Dolby 5.1. Die deutsche Sprachfassung krankt leider an dem, was wir gerne mal „Pornosynchro“ nennen – synchron ist da wenig, lustlos ist’s obendrein. Leider ist die somit by default zu bevorzugende englische Tonspur so leise, dass man die Anlage quasi auf voll drehen muss und immer noch manchmal raten muss, was gesprochen wird. Untertitel, die hier nützlich wären, sind leider nicht vorhanden.

Extratechnisch beschränkt sich MiG auf eine umfangreiche Trailershow inklusive des Werbefilms für Retrograde.

Fazitöse Worte: Als bekennender Fan des alten Schwedenlümmels hätte ich Retrograde, wie gesagt, von Herzen gern ein positives Zeugnis ausgestellt. Aufgrund der uninspirierten und langweiligen Machart kann ich dies aber leider nicht tun – ich hätte das schwachmatige Script mit all seinen Schwächen verziehen, wäre ich mit solider Action und (Low-Budget-)FX-Bonanza und motivierteren Akteuren versöhnt worden, aber so ziehen sich die 85 Minuten doch ziemlich. Ist man nicht Hardcore-Lundgren-Symphatisant, kann man sich auch die schmale Investition in diese Disc sparen – und lieber auf die nächste Apokalypse Eis-Wiederholung warten. Da hat man doch mehr ‚von (und, ach ja, der deutsche Untertitel ist, wie kaum anders erwartet, natürlich eine Mogelpackung. Von einem „Eisplaneten“ und einem „Krieg“ auf selbigem kann natürlich nicht die Rede sein…

(c) 2005 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 3


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