Rache – Bound to Vengeance


  • Deutscher Titel: Rache - Bound to Vengeance
  • Original-Titel: Bound to Vengeance
  •  
  • Regie: Jose Manuel Craviato
  • Land: USA
  • Jahr: 2015
  • Darsteller:

    Tina Ivlev, Richard Tyson, Bianca Malinowski


Vorwort:

Nach langen Monaten der Gefangenschaft hat Eve (Tina Ivlev) es geschafft – mit einem soliden gegen die Schläfe ihres Peinigers (Richard Tyson) geschmetterten Ziegelstein hat sie ihren Entführer erst mal ausgeknockt und sich befreien können. Allerdings findet sich Eve mitten in einer Hütte mitten in der Prärie wieder und braucht des Bösmanns Autoschlüssel. Auf der Suche stolpert Eve in ein umfängliches Video- und Fotoarchiv anderer Entführungsopfer – und einige davon sind ausgesprochen aktuell. An Ort und Stelle beschließt Eve, ihre Leidensgenossinnen zu retten, allerdings ist klar: nur ihr angeschlagener Entführer weiß, wo die Mädchen gefangen sind. Also lässt sie sich auf einen Deal ein – er führt sie zu den anderen Verstecken, dafür bringt sie ihn dann ins Krankenhaus. Doch Entführer Phil hat keineswegs vor, sich an die vereinbarten Spielregeln zu halten und versucht immer wieder, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen. Dabei hilft’s, dass die ersten zwei Befreiungsaktionen alles andere als erfolgreich verlaufen, doch Eve lässt sich trotz auch von Phil eingetrichteter Schuldgefühle nicht von ihrem Plan abbringen. Im dritten Versteck hat sie dann erstmals Erfolg und findet mit Lea (Bianca Malinowski) eine Verbündete. Phil gibt sich allerdings noch lange nicht geschlagen, und in der Tat wird die Nacht von L.A. für Eve noch einige unschöne Überraschungen bereithalten…

Inhalt:

Ein Film, der beginnt, wo seine Genrekollegen normalerweise aufhören, mit der Flucht des „final girl“ – wie auch der noch zu würdigende „Ava’s Possessions“ ist „Bound to Vengeance“ ein Film, der sich mit der „und was dann?“-Frage beschäftigt – auf völlig andere Weise, natürlich. „Bound to Vengeance“, der erste amerikanische Film des mexikanischen Regisseurs José Manuel Craviato, ist einer dieser reduzierten, minimalistischen Thriller, die ich sehr liebe (die Anglophilen haben den schönen Ausdruck „stripped down“ für solche Fälle). An Script und Film ist kein Gramm Fett, keine Seunde ist überflüssig, keine Zeit wird mit irgendwelchen Nebensächlichkeiten verschwendet, alles steht im Dienste der effektiv und schnörkellos erzählten Geschichte (sogar die Homevideo-Einsprengsel, die den einzigen Blick in Eves Leben vor der Entführung erlauben, erweisen sich noch als wichtig). Griffig könnte man den Film als eine Art „Reverse Shuttle“ bezeichnen (interessanterweise ist der neue internationale Verleihtitel des Streifens tatsächlich „Reversal“. Damit kommt man auch des Wortvogels und meiner Kritik entgegen, dass „Bound to Vengeance“ ein nicht sonderlich guter Titel ist), aber ganz so einfach ist es letztlich nicht. Phil findet immer wieder Mittel und Wege, Eve zu verunsichern, sie zu überlisten, und so die Machtverhältnisse wieder umzukehren, und mit der Einführung von Lea ändert sich die Dynamik gleich nochmal – damit sei auch gesagt, dass das Script auch wirklich genügend Ideen hat, um jede der Befreiungsaktionen anders zu gestalten (und wenn sich jemand tatsächlich die Frage stellen sollte, warum Eve nicht einfach zu den Cops geht… was würde passieren? Phil würde die Aussage verweigern, seinen Anwalt beauftragen und gemütlich in seiner Zelle sitzen, während die gefangenen Mädchen verrecken. I think that’s a pretty good motivation for Eve…).

Tina Ivlev („The Devil’s in the Details“, “Tödliche Freundschaft”) ist nicht nur ein steiler Feger (ähm), sondern auch in der Lage, die Rolle emotional zu tragen – gute Vorstellung. Routinier Richard Tyson („Hardball“, Battlefield Earth, „Kingpin“, „Verrückt nach Mary“) als ihr fieser Gegenspieler vermag ebenfalls zu überzeugen.

Daher: ein harter, düsterer und ausgesprochen effektiver Reißer – in die knappen 80 Minuten packt Craviato das Maximum an Härten, Schocks und Wendungen ein. Eine der positiven Überraschungen des Festivals!

Toter Hund: Nope.

4/5
(c) 2015 Dr. Acula


mm
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