Rabid Dogs


  • Deutscher Titel: Rabid Dogs
  • Original-Titel: Enragés
  •  
  • Regie: Eric Hannezo
  • Land: Frankreich/Kanada
  • Jahr: 2015
  • Darsteller:

    Lambert Wilson, Guillaume Gouix


Vorwort:

Es soll eigentlich ein ganz simpler Bankraub werden, doch der ausführenden Viererband entgleitet schnell die Kontrolle über die Situation. Geiseln werden genommen, der Chef der Bande und der einzige, der so halbwegs wusste, was er tut, von der Polizei erschossen. Auf einmal findet sich der junge Ganove Sabri in der Rolle des Anführers wieder, der nicht nur seine Komplizen, den nicht gerade cleveren Vincent und den halb durchgeknallten Manu im Griff behalten muss, sondern auch die renitente weibliche Geisel und den zwangsrekrutierten Fluchtwagenfahrer, dessen Tochter im Fond sediert im Fonds liegt und innerhalb von sieben Stunden zu einer überlebenswichtigen Organtransplantation geschafft werden muss…

Inhalt:

Gespannt erwartet wurde im FFF-Jahrgang 2015 auch dieses französische Remake des dreckigen Mario-Bava-Gangsterfilms „Cani arrabiati“, den der Maestro zur vermeintlichen Belebung seiner Karriere im poliziotteschi-Genre 1974 begann, aber abbrechen musste, nachdem die Finanzierung zusammenbrach und das, was Bava bereits gedreht hatte, in rechtliche Irrungen und Wirrungen verwickelt wurde. 1997 erschien dann endlich eine restaurierte und mit teilweise neu gedrehtem Material vervollständige Fassung.

Newcomer Eric Hannezo bastelt aus Bavas räudigem Thriller einen überraschend gelackten, „undreckigen“ Film. Das macht er durchaus spannend und mischt seine Gewaltschübe mit recht glaubwürdigen Charaktermomenten, aber, auch hier habe ich den Erwägungen des Herrn Wortvogel nicht sonderlich viel hinzuzufügen, bei einem Film mit dem Titel „Tollwütige Hunde“, dessen Vorbild gerade über seine schockierenden Abgefeimtheiten zu überzeugen versuchte, geht Hannezos Versuch, aus den Gangstern dreidimensionale, menschliche Figuren zu machen, die einfach in eine Situation geschleudert wurden, die sie völlig überfordert und mit der sie nicht umgehen können, thematisch einigermaßen fehl. Hannezos Gangster sind nicht „tollwütig“, sie sind vielleicht milde verstimmt bis mittelschwer verwirrt, aber, auch wenn sie über Leichen gehen, man hat nie das Gefühl, dass sie wirklich diese bösartigen Unmenschen sind, wie sie in Bavas Film, um dessen extremste Szenen Hannezo eh einen Bogen macht, gezeichnet werden.

Das ist sicherlich alles sehr spannend inszeniert und lebt auch von guten darstellerischen Leistungen, speziell von Lambert Wilson („Catwoman“, „Babylon A.D.“) und Guillaume Gouix („Jenseits der Mauern“), und auch der Schlusstwist funktioniert prima, aber, und ich sage das ungern als jemand, der nicht unbedingt Sleaze um des Sleazes Willen braucht, gerade angesichts seines Vorbilds hätte Hannezo schon auch den Exploitation-Faktor nicht ganz vernachlässigen müssen. „Rabid Dogs“ ist ohne Frage ein spannender, stellenweise auch mitreißender Thriller, aber er ist nicht dieser ultraharte „Italo“-Sleazer für das 21. Jahrhundert, den ich zumindest ein bisschen erwartet hatte.

Fazit: Professioneller und durchaus die richtigen Knöpfe drückender Thriller, dem’s aber an der versprochenen Fiesheit mangelt, losgelöst vom Bava-Erbe als schnieker Gangster-Thrill allerdings absolut brauchbar.

3/5
(c) 2015 Dr. Acula


mm
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