Quiet Fire


  • Deutscher Titel: Quiet Fire
  • Original-Titel: Quiet Fire
  • Alternative Titel: L.A. Heat II
  • Regie: Lawrence Hilton-Jacobs
  • Land: USA
  • Jahr: 1990
  • Darsteller:

    Lawrence Hilton-Jacobs (Jesse Palmer), Nadia Marie (Jenna), Lance Lindsey (Whelan), Robert Z’Dar (Russo), Jastereo Coviare (Overstreet), Karen Black


Vorwort:

Los Angeles, in Wahlkampfzeiten – der ultrakonservative Kongreßabgeordnete Whelan rechnet sich mit einer „Amerika-muß-wieder-wer-werden“-Kampagne gute Chancen auf einen Sitz im Senat aus – Jesse Palmer hat damit nichts am Hut, der Vietnam-Veteran betreibt ein Fitness-Studio und freut sich seines Lebens, bis eines Tages sein alter Kumpel und Nam-Kamerad Walt, mittlerweile auf die schiefe Bahn geraten, in sein Büro stolpert, etwas von einer Diskette und einem „Star“ murmelt und tot umfällt – kein Wunder, da ihm eine Kugel im Körper steckt. Die Polizei in Form der Detectives Russo und Overstreet hält Jesse zwar für chronisch verdächtig, kann ihm aber nichts anhängen und Jesse seinerseits steht aus ihm vollkommen unerfindlichen Gründen auf der Pole Position der Abschußliste der unbekannten Killer. Weil Jesse zwar der Held, aber nicht besonders helle ist, dauert es eine ganze Weile, bis er auf den Trichter kommt, dass die Tatsache, dass um ihn rum alle sterben wie die Fliegen, etwas mit seiner gemeinsamen Nam-Vergangenheit mit Walt unter dem Kommando von… Whelan zu tun haben muß. Und Tatsache – der aufstrebende Politiker hat jede Menge Dreck am Stecken…

Inhalt:

Ich weiß, ich beginne meine Reviews in letzter Zeit inflationär mit diesen Worten, aber was soll ich sagen: Hurra, wieder mal was von meinen alten Freunden von PM Entertainment. Und „alt“ trifft es heute mal ganz besonders, denn wir haben es mit einem wirklich alten Schinken der verdienstvollen B-Action-Schmiede zu tun. „Quiet Fire“ nennt sich komischerweise onscreen „L.A. Heat II“, obwohl der Streifen mit dem ersten großen Erfolg von PM (hierzulande jüngst als „C.O.P.S.“ re-released und auch an dieser Stelle besprochen) überhaupt nichts zu tun hat (wenn man davon absieht, dass der Streifen auch in L.A. spielt und Lawrence Hilton-Jacobs wieder hauptrollt, wenn auch einen völlig anderen Charakter darstellt). Gut, der Film ist von PM, noch dazu aus der Frühphase der Unternehmung, wir wissen also, was uns erwartet -eine recht dünnbrettbohrende Handlung, nicht gerade die Creme de la Creme der Schauspieler (bis auf eine noch ausführlich zu erwähnende Ausnahme) und das übliche PM-Assortment an Explosionen, Autoverfolgungsjagden und Ballereien. Check, check, check, alles da. Storytechnisch wird sich nicht wirklich mit Ruhm bekleckert – der Streifen versucht in seine anspruchslose Action-Handlung ein paar naive Politthriller-Elemente einzubauen (die die deutsche Synchronisation noch dazu gänzlich negiert, was für’s Verständnis nicht gerade prickelnd ist… Spoiler voraus: In der DF deckt Jesse schockierenderweise auf, dass Whelan im Vietnam-Krieg seine Einheit im Stich gelassen hat. Das könnte, so meint Whelan, nicht nur die Senatorenlaufbahn beenden, ehe sie beginnt, sondern ihn auch direkt in den Knast bringen. Äh, hallo? Vielleicht verliert Whelan ja die Wahl, aber noch werden selbst in Amerika Wahlloser nicht direkt eingeknastelt. Ja, und natürlich hab ich mitbekommen, dass Whelan mit Hilfe seiner politischen Verbindungen allerlei fiese Dinger dreht, aber laut der DF bekommt Jesse davon überhaupt nichts mit! – Spoiler Ende). Aber auch sonst gibt’s ein paar lustige Kopfpatsch-Elemente (wieso bringen die korrupten Bullen Jesse nicht einfach um, nach denen er mit ihnen, weil er ihnen vertraut, ein Date ausgemacht hat, sondern melden das kompliziert an ihren Auftraggeber, damit der eigene Leute losschickt? Wer hat diese beiden absolut lächerlichen Bodybuilderinnen, die nicht mal vernünftig laufen, geschweige denn ein Gewehr halten können – von wegen der Muckis – als „Profikillerinnen“ gecastet?“ Wieso bilden sich die korrupten Bullen ein, Whelan könne sie als Senator zu Polizeichefs machen?). Dazu kommen noch ein paar nette Goofs, die Ed Wood alle Ehre machen würden (bei einer Prügelei in Jesses Wohnzimmer wackeln buchstäblich die Papp-Wände) – low budget at its best.

Wenn die Action einkickt, ist das alles nicht besonders weltbewegend (weil Lawrence Hilton-Jacobs auch kein besonders begnadeter Regisseur ist), aber zumindest ganz ansehnlich. Zumindest fliegen ein paar Autos in die Luft (aber ohne den PM-patentierten Schraubensalto! I am disappointed, folks!), zwischendurch gibt’s aber immer wieder Leerlauf (auch geschuldet der Tatsache, dass der Zuschauer Jesse für ziemlich doof halten muß, weil er sooo lange braucht, bis er auf des Rätsels Lösung kommt), aber ab und an wird man durch gratitious nudity bei Laune gehalten.

Die Schauspieler haben die übliche Anti-Klasse früher PM-Filme (später konnten sich Pepin und Merhi ja zumindest im B-Bereich anerkannte Mimen leisten). Hilton-Jacobs macht in einigen „dramatischen“ Elementen eine ziemlich peinliche Figur, zieht sich aber in seinen Action-Szenen (auch wenn’s etwas lächerlich ist, wenn er sich für den Showdown quasi in einen shuriken-werfenden Ninja transformiert) passabel aus der Affäre. Nadia Marie gibt eine recht sympathische Love Interest ab, Lance Lindsey (selbst als Regisseur der Ultra-Trash-Granate „Star Crystal“ in Erscheinung getreten) ist als Schurke sichtlich überfordert (und, äh, hübsch ist er auch nicht wirklich, was einige Dialoge über das angeblich so angenehme Erscheinungsbild des Polit-Prolls ziemlich, öh, seltsam klingen läßt). „Maniac Cop“ Robert Z’Dar persönlich mimt – wenig eindrucksvoll – einen der korrupten Bullen, womit als singuläres Highlight des Streifens die unvergleichliche Karen Black (ja, DIE Karen Black, „Trilogy of Terror“, „Easy Rider“, „Familiengrab“… mei, muß die die Kohle nötig gehabt haben), die als dauerbekiffte Hippie-Tante einen absolut hilariösen stand-out-Auftritt hat – muß man gesehen haben, da konvertiert man zum Fan.

Bildqualität: Respekt an Eagle Media (ein weiteres Label, das sich mit einer Fuhre günstiger PM-Lizenzen eingedeckt hat), eine derart anständige Bildqualität habe ich bei einer deutschen PM-Veröffentlichung (die ja ansonsten normalerweise aus den gefürchteten Häusern Madison oder Best stammen) noch nicht gesehen. Zwar hat der Vollbildtransfer ein leichtes Grundrauschen, aber das wirkt im Vergleich zu z.B. „Cyber Tracker“ superbit-verdächtig. Die Kontrastwerte sind in Ordnung, die Farben lebensecht, die Kantenschärfe könnte besser sein. Insgesamt aber für einen preiswert produzierten B-Film, der mittlerweile auch schon fuffzehn Jahre auf dem Buckel hat und der von niemandem als Prestige-Titel angesehen werden dürfte, eine ordentliche visuelle Umsetzung.

Tonqualität: Leider nicht ganz so zu loben… der Dolby-2.0-Track (ausschließlich deutsch) ist zwar von den Dialogen her klar verständlich (wenngleich vielleicht ein wenig auf der insgesamt scheppernden Seite, d.h. wenig Bass), dafür aber schwankend in der Lautstärke von Geräuschen und Soundtrack, was auf die Dauer doch ein wenig nervig ist. Hätte man vielleicht (ich weiß, ich verlange viel :-)) ein wenig auspegeln können (das kann doch eigentlich jede Shareware, oder?).

Ausstattung: Unter dem Menüpunkt „Sale“ (sehr komisch) finden sich insgesamt fünf Trailer, darunter auch der zu „Quiet Fire“, allesamt auf PM-Produktionen. Wie schon gesagt, da hat sich jemand eingedeckt…

Fazit: „Quiet Fire“ ist ein typischer früher PM-Film – anspruchsloses Action-Kino auf einem nicht gerade weltbewegenden darstellerischen Niveau und im Gegensatz zu vielen späteren PM-Kloppern auch nicht durchgängig actiongeladen. Immerhin kann man sich das ganze trotz einiger etwas, eh, abseitiger Momente und dümmerer Drehbuchideen, ansehen, aber der große Reißer ist der Film sicher nicht, wäre da nicht die stellare Performance von Karen Black, über die ich gar nicht genug begeisterte Worte verlieren kann. Die DVD (scheinbar auch ungekürzt, auch das eine Wohltat nach so vielen heftig beschnippelten PM-Werken) besticht durch eine recht anständige Bildumsetzung, was die DVD letztendlich für Fans von Pepin & Merhi und ihren billigen Actionheulern zu einem Pflichtkauf machen dürfte. Alle anderen anspruchslosen Action-Gucker können auch mal reinsehen, wenn dafür nicht zu viel Geld verlangt wird (und man nicht von dem reichlich amateurhaften Cover, das nicht mal den Namen des Hauptdarstellers oder „Los Angeles“ richtig schreiben kann… Schreib- und Leseschwäche in der Schweiz?).

2/5
(c) 2005 Dr. Acula


mm
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