Prometheus Trap


  • Deutscher Titel: Prometheus Trap
  • Original-Titel: Prometheus Trap
  •  
  • Regie: Andrew Bellware
  • Land: USA
  • Jahr: 2012
  • Darsteller:

    Michael Shattner (Finn), Rebecca Kush (Capt. Haskin), Andrew J. Langton (Sgt. Rhodes), James Edward Becton (Capt. Cornell), Kate Britton (Trent), Sarah-Doe Osborne (Artemis)


Vorwort:

Als Bordandroid Finn seine menschlichen Besatzungskollegen Captain Haskin und Sergeant Rhodes aus dem Kälteschlaf weckt, hat er nicht ganz so prickelnde Neuigkeiten. Ihr Schiff, die „Venom“, ist nämlich alles andere als daheim, sondern während die Besatzung pennte, von der „Flugleitung“ zu einer Rettungsmission umgeleitet worden. Der Raumfrachter „Prometheus“ meldet sich nicht mehr, und wie wohl seine acht Mann starke Besatzung den Behörden recht wurscht ist, interessiert die Fracht um so mehr – das ist nämlich eine neue Geheimwaffe, die im Krieg der „Allianz“ endlich den Sieg gegen die „faschistische“ Erde bringen soll.

An Bord der „Prometheus“ stellt die „Venom“-Crew schnell fest, das einiges nicht stimmt – sechs Besatzungsmitglieder liegen tot in ihren sabotierten Kälteschlafsäcken und „Prometheus“-Bordandroid Artemis scheint ’ne ordentliche Schramme abbekommen zu haben. Ihr Verhalten ist äußerst merkwürdig – besonders, dass sie die Dialoge der „Venom“-Leute mitsprechen kann, bevor die überhaupt damit beginnen, findet nicht nur Rhodes reichlich creepy. An Überlebenden finden sich noch Captain Cornell und Chefingenieurin Trent. Dass immer noch ein Saboteur an Bord herumstrolcht, liegt auf der Hand und alle Indizien deuten auf Artemis hin. Nur, dass Finn ihr ein lupenreines Alibi verschaffen kann, als Rhodes und Cornell von unbekannter Hand gemeuchelt werden. Haskin zieht den richtigen Schluss, doch Trent, die Verräterin, legt auch sie um – und aktiviert den Selbstzerstörungsmechanismus der Superwaffe, bevor Finn sie daran hindern kann. Die „Prometheus“ verwandelt sich in Astro-Staub…

… und dann steht Finn mit Haskin und Rhodes wieder vor dem verschlossenen Schott zu den Mannschaftsquartieren der „Prometheus“. Es dauert ein bisschen, bis der Android begriffen hat – er befindet sich in einer Zeitschleife und nur er und Artemis, die als künstliche Wesen ihr Gedächtnis „extern“ im Hyperraum ablegen, können dies erkennen. Artemis hat sich längst damit abgefunden, in einem ewigen Alptraum gefangen zu sein, doch Finn verseucht verzweifelt, den Teufelskreis zu brechen…

Inhalt:

Als mir neulich bei real die DVD von „Prometheus Trap“ zum 5-Euro-Tarif vor die Griffel kam, dachte ich, dass ich hier einen von der Sorte Mockbuster erwische, die ein oder zwei Ligen unter dem Asylum-Niveau spielen (also die „Metal Man“/“Captain USA“/“Black Knight Returns“-Schiene).

Das ist auch nicht ganz falsch, denn sicherlich möchte „Prometheus Trap“ sich gerne an den Ridley-Scott-nein-das-ist-bestimmt-kein-Alien-Prequel-Hit anhöngen; und dass Andrew Bellwares Produktionen wie „Earthkiller“ (hierzulande tatsächlich als „Blade Runner 2“ vermarktet. Lasst mich raten – das war „Great Movies“?), „Battle: New York, Day 2“ oder „Android Insurrection“ chronisch unterfinanziert sind, ist auch kein Geheimnis, wenn man mal ein-zwei Klicks in der IMDb macht.

Ich war also mental auf das Schlimmste vorbereitet und die ganze Operation ließ sich auch, eh, „vielversprechend“ an. Der erste Charakter, den wir sehen, ist Finn, den wir als Ganz-bestimmt-nicht-Data identifiziert haben, noch bevor er überhaupt eine Bewegung macht oder gar ein Wort spricht; die für eine Low-Budget-Unternehmung recht fetzige CGI und das Raumschiffs-Interieur, gegen das der used-low-tech-Look von „Alien“ wie eine Orgie unbegreiflich-fantastischer Märchentechnik wirkt, passen nicht zusammen (ungelogen: die „Kälteschlafsäcke“ sind nichts anderes als diese transparenten Kleidersäcke, die man mit ’nem Staubsauger vakuum-„versiegeln“ kann) und die Dialoge… die schwanken zwischen nervtötend-langsam (weil die Charaktere lange lange lange Pausen machen, ehe sie auf eine direkte Ansprache antworten) und gewollt-aber-nicht-unbedingt-gekonnt-komisch. Die ersten 20-25 Minuten *sind* eine Geduldsprobe (so lange dauert es nämlich, bis unsere „Helden“ auf Artemis und damit den ersten ansprechbaren Charakter an Bord der „Prometheus“ treffen)- klar, man kann sich über die seltsam dekorierten Sets beömmeln oder die Tatsache, dass die „Brücke“ eines ziemlich fetten Raumfrachters die Größe eines smart-Innenraums aufweist, aber erheblich altmodischere (Kippschalter-)Technik zelebriert… aber dann ereignete sich graduell das Wunder…

… the movie kinda won me over. Mag daran liegen, dass ich auf mysteriöse Dinge, die auf Raumschiffen vor sich gehen, generell abfahre (egal, ob wir uns über die Güteklasse „Event Horizon“ oder The Dark Side of the Moon unterhalten) und mich allein schon interessierte, wie Autor Steven J. Niles das Rätsel der alle Dialoge mitsprechenden Artemis auflösen werde oder nur die schiere Dankbarkeit darüber, dass *überhaupt* was passiert, aber spätestens mit der Großen Enthüllung (TM) der Zeitschleife… ja, da war ich endgültig hooked. Unterstellt mir gerne, dass ich meinen oft geäußerten Wunsch nach originellen Geschichten hier kräftig widerspreche, aber bei „Murmeltier in space“ (alternativ „12:01 in space“) kann ich einfach nicht widerstehen (verdammt, ich toleriere sogar die „Voyager“-Zeitschleifenfolge, obwohl die kein Ruhmesblatt des Genres ist).

„Prometheus Trap“ macht in Punkto Umgang mit Zeitschleifen einiges richtig (sicherheitshalber eine SPOILER-Warnung) – das Script geht nicht „over the top“ mit den Wiederholungen (wenn ich mich recht erinnere, komm ich auf ein gutes halbes Dutzend Durchläufe, und nachdem für den Zuschauer einmal geklärt ist, was Sache ist, werden die auch relativ flott auf ihre jeweilige Pointe hin abgearbeitet).
Ebenso baut das Script auf zweifache Weise Druck auf seinen Hauptcharakter (Finn, den Androiden) aus – einerseits ist die Schleife recht kurz (keine Echtzeit, aber auch im Filmsinn hat Finn vielleicht eine Stunde maximal), andererseits muss Finn mit dem Handicap kämpfen, dass er bei jedem neuen Durchlauf auch erst mal die Situation erfassen, sich erinnern muss und damit wertvolle Zeit verliert. Zudem sind seine Handlungsmöglichkeiten begrenzt – wie Artemis (die, in einem kleineren Plothole, behauptet, den Durchlauf schon so oft absolviert zu haben, dass sie keine Ahnung hat, wie lange die Zeitschleife schon aktiv ist, wir aber augenscheinlich bei Finn „von Anfang an“ dabei sind) ausführt, lassen sich Kleinigkeiten im Zeitfluss ändern, nicht aber das Ergebnis (womit auch geklärt ist, dass Artemis Finn keine große Hilfe ist). So fällt es ihm schwer, seine menschlichen Kollegen zu beeinflussen – auch wenn er selbst sein Verhalten ändert und damit den bekannten Ablauf durcheinanderbringt, bleiben Haskin, Rhodes & Co. in ihren vorgegebenen Rollen gefangen und sind fast nicht aus dieser Programmierung zu bringen; und wenn Finn versucht, radikal aus dem „Zeitstrom“ auszubrechen, endet das gerne damit, dass er nur sich aus der Gleichung nimmt und das Geschehen an und für sich auch nicht aufhalten kann (es führt aber zu amüsanen Momenten – weil Finn z.B. nicht „programmgemäß“ bei Artemis zum ersten Treffen auftaucht, tigert die, als er sich schließlich blicken lässt, bereits ungeduldig auf und ab und wirft ihm böse Blicke zu; oder der zunehmend gelangweilte Tonfall, den Finn pflegt, wenn er „wieder“ Artemis entdeckt). D.h. die „odds“, gegen die Finn angehen muss, sind nicht grade günstig und, wenn man dem Script einen Vorwurf machen kann, dann, dass es letztlich zu viele Hindernisse aufbaut, um den Film zu einem befriedigenden Ende zu bringen (im Endeffekt löst Finn mit seiner Idee dann auch das falsche Problem…).

Aber für einen Ultra-Low-Budget-SF-Film ist das eine ziemlich ambitionierte und clevere Geschichte – schlussendilch vielleicht etwas zu clever (ersatzweise nicht mutig genug, wie der „12:01“-Kurzfilm mit Kurtwood Smith die totale Depri-Schiene zu fahren); wenn man als Zuschauer bei einem Billigfilm tatsächlich an der Geschichte interessiert ist und sich fragt, wie sie aufgelöst wird, darf man das schon ein Kompliment an den Schreiberling nennen. Klar, der Film leidet stark unter den begrenzen finanziellen Mögilchkeiten – die Raumschiff-Interiors sind klaustrophobisch und man muss geflissentlich darüber hinwegsehen können, dass ersichtlich nicht in einem Raumschiff-Set, sondern einer x-beliebigen Industrieruine (mit demzufolge eher stabilen Betonwänden und -böden) gedreht wurde (allerdings ganz nett zu lesen, wie Regisseur Bellware auf den Diskussionsseiten der IMDb logische Begründungen zurechtbastelt, warum Zement auf einem Raumschiff Sinn macht…), die Requisiten sind nicht weniger billig (die Raumanzüge sehen verdächtig danach aus, als hätte man auf Schlafanzughosen ein paar Motocross-Protektoren geklebt, aber die Helme haben ihren eigenen kreditierten Schöpfer!), Kameraführung und Schnitt sind nicht immer überzeugend und auch die anfänglich beeindruckenden CGI-Weltraumtricks laufen sich aufgrund der ewigen Wiederholung der selben zwei-drei FX-Sequenzen irgendwann mal tot.

Interessanterweise spart sich „Prometheus Trap“ offenkundige Exploitation-Elemente – keine graphische Gewalt, niemand lässt die Hüllen fallen (der Streifen ist denn auch FSK-12 geprüft. Das gewünschte verkaufsförderliche rote Papperl besorgen mal wieder die bösen Trailer).

Die Darsteller schlagen sich für die Verhältnisse einer *sehr* unabhängigen DTV-Produktion achtbar – Michael Shattner legt Finn grundsätzlich als brauchbaren Data-Klon an (sollte man den TNG-Cast doch noch mal brauchen und Brent Spiner keine Lust haben… das ist euer Mann), ergänzt um ’ne kleine Spur intentional camp. Rebecca Kush (auch Ko-Produktion und Schnitt) macht sich als Haskin auch ganz solide, Andrew J. Langton ist ein akzeptabler generischer „grunt“- und cannon-fodder-Charakter. James E. Becton und Kate Britton (die Rest der „Prometheus“-Crew) fallen etwas ab (Becton weniger, Britton mehr), Sarah-Doe Osborne hat einige nette Momente.

Bildqualität: Solider anamorpher 2.35:1-Transfer, der sowohl einem Low-Budget-Film als auch einer Low-Budget-DVD (in diesem Falle aus dem beliebten Hause Great Movies) nicht zur Schande gereicht.

Tonqualität: Deutscher und englischer Ton in Dolby 5.1. Ich habe, weil nicht alleinkuckend, mal die deutsche Synchro durchgehört und bin positiv überrascht – das ist sicherlich noch nicht der totale Blockbuster-Standard, aber auch keine „holen-wir-die-nächsten-drei-Penner-von-der-Straße“-Pornsynchro (Sebastian Walch, der Finn spricht, kommt sogar recht nahe an den üblichen Data-Synchronsprecher Michael Pan).

Extras: Trailer.

Fazit: Lassen wir die Kirche im Dorf – „Prometheus Trap“ ist jetzt nicht *die* verborgene Gemme im Heuhaufen der doofen Ultra-Low-Budget-Filme, dafür leidet der Streifen zu sehr unter seinen monetären Beschränkungen – aber er ist überraschend intelligent geschrieben und für einen „story guy“ wie mich, der gerade im Bereich der billigen SF-Filme gerne mit hirnbeleidigenen Büchern belästigt wird, ist das manchmal schon genug, um technische und dramaturgische Schwächen zu entschuldigen. Wer ein Faible für den topos „Zeitschleife“ hat, sollte hier zuschlagen, es ist eine interessante Variante des Themas – sicher nicht total geglückt, aber wesentlich besser als ich es von einem Film, den ich vorab als „billiges Rip-off“ einschätzte, erwartet hätte. Drei Punkte inkl. Sympathiebonus.

3/5
(c) 2013 Dr. Acula

  • Android@work.

  • Wenn ich grad 18 Monate in einem Kleidersack verbracht hätte, wär mir auch schlecht.

  • Solide CGI. Aber was sollen die Lottozahlen?

  • Okay, Space Marines sind das nu grad nicht (aber dann werden sie wenigstens nicht von Games Workshop verklagt).

  • Schwer symbolische Bildkomposition. Wäre das, wenn Ridley Scott hier Regisseur wäre.

  • Android auf der stillen Treppe.


mm
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