Phantasm – Das Böse

 
  • Deutscher Titel: Das Böse
  • Original-Titel: Phantasm
  •  
  • Regie: Don Coscarelli
  • Land: USA
  • Jahr: 1979
  • Darsteller:

    A. Michael Baldwin (Mike Pearson)
    Billy Thornbury (Jody Pearson)
    Angus Scrimm (Tall Man)
    Reggie Bannister (Reggie)
    Bill Cone (Tommy)
    Kathy Lester (Lady in Lavendel)
    Terrie Kalbus (Tochter der Wahrsagerin)
    Lynn Eastman-Rossi (Sally)


Vorwort

Abt. Kultfilme (und ich benutze diesen Begriff nie leichtfertig)

Am vergangenen Sonntag ist im Alter von 80 Jahren Reggie Bannister von uns gegangen. Ein Ende das abzusehen war, es ging ihm schon länger nicht mehr gut. Traurig ist es allemal, denn Bannister hat sich in seiner Rolle als „Reggie“ wohl bei vielen Horror-Fans einen festen Platz im Herzen erarbeitet. Er war die menschliche Konstante – nett, hilfsbereit, aber auch mal schroff und fehlbar – in der Phantasm-Filmreihe von Don Coscarelli, die sich in fünf Filmen daran aufgerieben, gegen „Das Böse“, in persona Angus Scrimm als „Tall Man“, zu bestehen. Also ein guter Grund, auf den ersten Film der Reihe zurückzublicken, sich mal genauer anzusehen, was diesen denn dermaßen ausgezeichnet hatte, ihn gar zum Kultfilm erhob…


Inhalt

Beim nächtlichen Schäferstündchen auf dem Friedhof wird Tommy von seiner mysteriösen Beischläferin messergemeuchelt. Die Todesursache wird allerdings vom örtlichen Bestatter als Selbstmord verpackt, was Tommys Freunde Jody und Reggie eher ratlos zurücklässt. Jodys kleiner Bruder Mike entdeckt derweil sonderbare Vorgänge um das Totenfeld, sichtet dort eine kleine Gestalt in Kutte. Nach einem Besuch bei einer Wahrsagerin will er der Sache weiter auf den Grund gehen und bewahrt dabei versehentlich seinen Bruder davor, das gleiche Schicksal zu erleiden wie Tommy, als er von einem kleinen Dämon mit Kapuze über den Friedhof gejagt wird. Jody glaubt dem kleinen Mike zuerst nicht wirklich, bis der ihm einen abgehackten, aber dennoch immer noch quietschfidelen Finger zeigt, der mal dem Tall Man genannten Bestatter anhaftig war. Zusehends unheimlicher entwickelt sich das Ganze, als der sich in einen kleinen geflügelten Dämonen mit scharfen Zähnen verwandelt und Jody im Mausoläum anschließend einer stählernen, fliegenden Kugel entkommen muss. Zusammen mit dem älteren Reggie, seines Zeichens für Eis und gute Laune zuständig, machen sie sich auf, dem Bösen Einhalt zu gebieten…

Besprechung:

Don Coscarellis Phantasm aka Das Böse gehört sicher zu den herausragenden Beiträgen des phantastischen Films Ende der 70er, wie auch zu den für die folgenden 80er wegweisendsten. Mit einem kolportierten Budget von gerade mal 300.000 $ drehte der damals 23-jährige Jungfilmemacher einen der atmosphärischsten und gruseligsten Filme seinerzeit, den man nebenher auch nicht nur auf seine (nicht gerade üppig gestreuten) Schockmomente reduzieren sollte. Coscarelli versteht es hier, dem Grauen subtil den Boden zu bereiten.

Vom Mord zu Beginn sehen wir nur das Messer in der Hand des barbusigen Todesengels und darauf das aus den Augen weichende Leben des überraschten Tommy. In der nächsten Szene führt Coscarelli damit dann auch eines der Hauptmotive der Filmreihe ein – die Trauerbewältigung, begleitet von der Angst vor Verlust und dem (eigenen) Tod. Dies wird im Folgenden vor allem in den Schauplätzen wie Friedhof und Mausoläum deutlich, wo sich die Freunde mit allerlei Gefahren konfrontiert sehen, die sie nachher sogar über diese hinaus in ihr sicher geglaubtes Zuhause, die „echte“ Welt verfolgt. Die subtilen Schwingungen, die der Film damit verbreitet, sorgen für ein stets unheimliches, unbehagliches Gefühl, wenn wir dem Fortgang der Handlung und wie sie sich immer weiter zuspitzt folgen. Dadurch gelingt es Coscarelli immer wieder, mit geringen Mitteln ungemein effektiv an der Spannungsschraube zu drehen, sorgt in wohltemperierten Schüben für An- und dann wieder für Entspannung, ohne jedoch diese entladen und uns damit vom Haken zu lassen.

Dem jungen Filmemacher gelingen durch gut gewählte Kamerawinkel und geschickte Beleuchtung durchweg atmosphärische Einstellungen, gerade in nächtlichen Szenen. Im starken Kontrast dazu stehen dann die Aufnahmen im Mausoläums-Set, die durch die weiß-schwarzen Fliesen fast schon blendend hell erstrahlen und desorientierend wirken. Geht es ansonsten eher gemächlich im Bild zu, kommen in den wenigen Begegnungen mit den Helfern des Tall Man – den Kapuzenmännchen, der Horror-Fliege und natürlich der metallenen Sphäre – dann doch Tempo ins Geschehen. Gerade die Verfolgungsszenen mit der sich in Köpfe bohrenden, autonom agierenden Metalwaffe bringen eine ordentliche Portion Rasanz mit sich. Sowieso verwandelt sich der Alltag unserer drei Helden immer weiter in einen Albtraum, die Realität scheint sich zu verabrschieden. Und wenn dann das Geheimnis hinter dem Tall Man gelüftet, die Pforte in eine andere Dimension durchschritten wird, wirft es weit mehr Fragen auf, als es beantwortet. Das Mysterium bleibt im Großen und Ganzen erhalten, während das Finale davon unbeeindruckt Fahrt aufnimmt und in einer Horror-Achterbahn kulminiert. Das Ende des Films steht dann ganz im Zeichen der bereits erwähnten Themengebiete und ist immer noch ein richtiger Downer.

Unsere drei Protagonisten sind auch sehr sympathisch gezeichnet. Die Brüder Jody und Mike bestreiten ihr Leben ohne Eltern, was sie fest zusammenschweißt. Das führt dazu, dass der ältere Jody seinen kleinen Bruder nicht herablassend behandelt und ihm partout nicht glauben will, als der ihm von seinen Beobachtungen auf dem Friedhof berichtet; skeptisch bleibt er natürlich trotzdem. Besonders schön die Szene, in der Mike seinem Bruder unwissentlich das Leben rettet, als er quer durch die Grabsteine vor einem Kapuzenmännchen flieht, während Jody drauf und dran ist, der mysteriösen Frau, die zuvor auch Tommy tötete, zum Opfer zu fallen. Reggie sollte vom Alter her wohl eigentlich ein väterlicher Freund sein, befindet sich jedoch selbst auf einer eigenen Flucht vor der unangenehmen Realität, gibt dabei den junggebliebenen Spaßmacher mit Gitarre, der als Eisverkäufer arbeitet. Es ist kein Wunder, dass dieser Charakter sich in den Sequels allmählich zur Hauptfigur im Kampf gegen das Böse etablierte.

Mit dem Tall Man erschuf Coscarelli eine moderne Horror-Ikone, der schon in seinen Beruf als Bestatter unverhohlen seine Nähe zum Tod demonstrierte. Seine Umschreibung bleibt den ersten Film über bewusst diffus, er tritt als so etwas wie ein Seelenfänger und Sklavenhändler auf, der über unerklärliche Kräfte verfügt und in dessen Adern gelbes, schleimiges Blut fließt. Die zwergenhaften Gestalten, die ihm dienen, erinnern in ihren Kutten wie dämonische Versionen der Jawas aus Krieg der Sterne. Die Aufdeckung des Geheimnisses ihrer Herkunft macht sie noch unheimlicher. Den heimlichen Star in den Reihen des Bösen stellt aber die mörderische Sphäre dar – klein, wendig, tödlich. Ein Fanliebling von der Sekunde an, als sie auftaucht.

Der frühere Film- und Musik-Journalist Angus Scrimm kam erst in den 70ern zur Schauspielerei. Wegen seiner hühnenhaften Gestalt (1,93 m) und seines mürrisch-fiesen Gesichtsausdrucks passte er perfekt in die Rolle als dämonischer Einbalsamierer. Seine Präsenz alleine verhieß Bedrohung, darauf konnte man sich auch in den Sequels verlassen. Während die Charaktere Mike und Jody in den weiteren Teilen immer weiter mythisch überhöht dargestellt wurden, entwickelte sich Reggie Bannister als Reggie, dem netten, mutigen Kumpeltypen, zum Dreh- und Angelpunkt der Reihe. Seine Vorliebe für hübsche, junge Frauen wurde zum Running Gag, seine Loyalität gegenüber seinen Freunden auch über den Tod hinaus zu seiner hervorstechenden Eigenschaft und seine Angst vor dem eigenen Tod zur Triebfeder der Handlung. Die Qualität des Originals konnte Coscarelli in den vier Nachfolgern nie wieder erreichen, aber innerhalb des eigens kreierten Filmkosmos funktionierte dies aber trotzdem ziemlich gut.

Fassung:

Seinerzeit lief Das Böse nur geschnitten in deutschen Kinos und wurde auch auf VHS trotzdem dann recht schnell indiziert und 1991 sogar beschlagnahmt. Die Aufhebung dessen erfolgte erst 2017, genauso die Streichung von der Liste der BPjM. Seitdem wurde der Film in verschiedenen Editionen auf DVD & Blu-ray veröffentlicht, in Standardversionen, in Mediabooks und auch Komplett-Boxsets mit allen fünf Filmen. Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Fazit:

Auch heute noch gehört Das Böse aka Phantasm zu meinen Lieblings-Horrorfilmen und es war schön, anlässlich des traurigen Ereignisses des Todes von Reggie Bannister noch einmal alle fünf Filme, vor allem eben den ersten, noch einmal wieder zu sehen. Er funktioniert noch wunderbar, seine spezielle Stimmung verbreitet sich sehr schnell und nachhaltig. Gerade heute, 47 Jahre nach seinem Erstrelease, kann man gut erfassen, wie einflussreich Phantasm wirklich gewesen ist – die Gruppe von jungen Freunden, die sich zusammenschließt, das Böse zu bekämpfen; die Vermischung von Traum und Wirklichkeit. Dazu gesellt sich dann noch das Erzeugen von Unbehagen durch Symbolik und Metaphern, die wichtiger sind als vordergründige Schockeffekte – Klassik trifft auf Moderne. All das macht Don Coscarellis Horrorfilm zu einem Klassiker, fast schon einem Ereignis.


BOMBEN-Skala: 2

BIER-Skala: 10


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