Paintball


  • Deutscher Titel: Paintball
  • Original-Titel: Paintball
  •  
  • Regie: Daniel Benmayor
  • Land: Spanien
  • Jahr: 2009
  • Darsteller:

    Brendan Mackay (David), Jennifer Matter (Anna), Patrick Regis (Eric), Iaione Perez (Iris), Neil Maskell (Frank), Anna Casas (Brenda), Peter Vives Newey (John), Claudia Bassols (Claudia), Felix Pring (Jäger), Joyce Müller (Spieler 1), Joshua Zamrycki (Spieler 2), Josep Segui (Presenter), Lada Rudakova (Presenter)


Vorwort:

Auf zum Kriegsspiel in den Wald – für eine superelitäre Paintball-Runde irgendwo in Russland hat sich eine bunte Truppe eingefunden. Paintball-Profis wie David und John, die den Wettbewerb schätzen, Puristen wie Iris, für die „das Spiel“ an sich Motivation genug ist und „Normalos“ wie Brenda, der man eingeredet hat, so’ne Runde Farbklecksschießen in freier Wildbahn wäre ein prima Weg, neue Leute kennenzulernen. Die eher konspirativen Begleitumstände – man wird gefesselt und mit Kapuze über’m Kopp in die Pampa gefahren und dann dort ausgesetzt – sind den Spielern einerlei, hauptsache, die üppige Startgebühr ist weise investiert. Die Aufgabe ist verhältnismäßig simpel – sechs Flaggen gibt es abzugrasen, dort sind dann auch Gegenstände deponiert, die den Spielern weiterhelfen sollten. Und, ach ja, ein zweites Team mit gleichem Ziel ist als offizieller Gegner ebenfalls im eingezäunten Terrain unterwegs. Schon an der ersten Flagge allerdings stellt sich heraus, dass das Spiel todernst wird – zwischen den Farbbällen schwirren auch munter *echte* Kugeln umher. Scharfschützin Claudia ist das erste Opfer. Nach erster Panik und der Entdeckung, dass der Zaun um das Areal auch auf Röststufe elektrifiziert ist, ordnet David, der sich weitgehend unwidersprochen zum Führer der Gruppe aufgeschwungen hat, dass die beste Idee wäre, das Spiel zu Ende zu spielen, in der Hoffnung, dass sich bei den Flaggen brauchbare Waffen finden. Bei Flagge Nr. 2 wird dann auch eine Machete gefunden, mit der Anna, eher versehentlich, aber nichtsdestotrotz fatal, eine Spielerin des anderen Teams aufspießt. Deren wenig später aufgetaner Männe, ein Slowake, der’s mit der englischen Sprache eher nicht so hat, ist begreiflicherweise echauffiert – unsere Helden sind sich aber nicht sicher, ob der Typ nun auch nur ein harmloser Spieler ist, der in die gleiche Lage gebracht wurde wie sie, oder vielleicht einer von denen ist, die mit scharfer Munition um sich ballern. Die Frage erübrigt sich schnell, denn David exekutiert den Gefangenen unbürokratisch. SPOILER Während unsere tapferen Paintballer weiter dezimiert werden, kristallisiert sich heraus, dass kein anderes Team, sondern eine dritte Partei zur Belustigung reicher Pinkel die ahnungslosen Spieler niedermetzelt… wird einer aus der Gruppe den Spieß umdrehen können?

Inhalt:

Für den Mitternachtsslot meines FFF-Großkampftages stellte sich mir die Auswahl „Spanien“ oder vielleicht doch lieber „Spanien“? Bei 50/50-Chancen liege ich meistens daneben, aber man hat mir glaubhaft versichert, dass der parallel laufende „Sexykiller“ in die Kategorie „nicht gut, aber lustig“ fällt. Vielleicht erwische ich ja dann den aus der Kategorie „nicht lustig, aber gut“…

Die Faszination des Herumklecksens mit Farbpistolen im Wald erschließt sich mir zwar nicht ganz, aber mein Gott, wenn Leute sich damit ihre Freizeit um die Ohren schlagen wollen, soll’s mir Recht sein. Im Gegensatz zu manchem Politiker will ich diesen „Sport“ nicht verbieten und glaube sogar unbesehen, dass Paintballspielen (früher mal „Gotcha“ genannt) Teamfähigkeit und taktisches Denken schult und fördert (okay, man könnte das auch ohne das anstrengede Rumlatschen haben und Counterstrike online zocken, aber frische Luft soll ja gesund sein), aber der alte Pazifist in mir meint, dass es genügend Kriege auf der Welt gibt, als dass man unbedingt noch welche spielen müsste. Sei’s drum. Einen plausiblen Actionfilm sollte man rund um das Thema ja durchaus stricken können.

„Paintball“ hält sich nicht mit langen Vorreden, subtilen Charakterzeichnungen oder einer hochoriginellen Story auf – nach einem kurzen Internet-Werbevideo des Veranstalters und einer im ICE-Tempo durchgezogenen Figurenvorstellung werden wir mitsamt den Charakteren direkt in die Action geworfen; vielleicht sieben, acht Minuten nach dem Logo der Produktionsfirma pfeifen schon die echten Kugeln durch den Wald, im wahrsten Sinne des Wortes der Startschuss zu knapp 90 Minuten, in denen feingeschliffene Dialoge und emotionale Charaktermomente ungefähr so oft auftreten wie Blaskapellen aus dressierten Pavianen; kein Film für Romantiker, Arthouse-Fuzzis und sonstige Schöngeister. Die Protagonisten sind voll und ganz damit ausgelastet, durch den Wald zu rennen, sich anzuschreien, hysterisch auszuticken und sich bei passender Gelegenheit von unbekannter Hand abschlachten zu lassen. Klingt auf Anhieb erst mal nach ’ner soliden Kante Spaß für den anspruchslosen blood’n’guts-Freund, aber „Paintball“ hat trotz seines extrem reduzierten „Storytellings“ ein paar Probleme.

Da wäre zunächst mal die Gruppe der Protagonisten selbst – dafür, dass die Jungs und Mädels, so macht man es uns zumindest glaubhaft, überwiegend Paintball-Profis sind, geraten die ziemlich fix in helle Panik. Jupp, ich verstehe, es ist ein Unterschied, ob man kompetetiv mit Farbkugeln um sich ballert oder plötzlich in eine reale life-or-death-Situation gebracht wird, aber man könnte meinen, die Herrschaften hätten sich in ihren bisherigen Spielen doch schon ein wenig taktisches Geschick angelernt, auf das man auch im echten Gefahrenfalle zurückgreifen kann. Statt dessen rennen aber bis auf David (der in einem netten Zug alle Anzeichen dafür aufweist, dass ihm die ganze Chose tierischen, aber auch ausgesprochen sadistischen Spaß macht – er überlässt z.B. dem in eine Falle gelatschten John seinem Schicksal, klaut ihm dafür aber die kugelsichere Weste, die als Gutzi an der ersten Flagge lag) rum die die aufgescheuchten Hühner, brüllen sich dezibelmaximiert an, dass man’s vermutlich selbst noch im nächsten Landkreis hören kann (man kann’s dem bösen Killersmann natürlich auch leicht machen – ist der nicht taub, kann er sich rein akustisch auf die Opfer einpeilen), seilen sich krakeelend von der Gruppe ab (mit den zu erwartenden bösen Folgen) und stellen sich allgemein an wie die letzten Menschen und tun dummes Zeug (die Frauen schälen sich, weil’s ihnen zu warm ist, z.B. aus ihren Tarnklamotten. Geschickter Schachzug). Bis auf David, der zwar ein Arschloch ist, aber als einziger ansatzweise Konstruktives zur Lage beiträgt und versucht, den Trupp etwas zu organisieren, ist keiner in der Lage, irgendeine Entscheidung zu treffen. Wiewohl es menschlich nicht unverständilch ist, dass auch erfahrene Paintball-Haudegen die Contenance verlieren und sich in simple Panik flüchten, scheint mir das dem Gimmick des Films zu widersprechen…

Es wird SPOILERiffic. Wie sich – und das ist das andere Problem des Scripts, für meinen Geschmack deutlich zu schnell – herausstellt, sind unsere Paintballer nur Schlachtvieh für eine Gruppe reicher Pinkel, die sich für viel Geld (ein schöner Zug ist, dass die Organisatoren doppelt abkassieren. Von ihren Spielern UND von ihren eigentlichen Kunden) das Privileg erkauft hat, aus sicherem Versteck vielfachen Tod live erleben zu dürfen. Damit das ganze auch spannend genug wird, nehmen die Organisatoren nicht jeden Bewerber, sondern versuchen gezielt, Spieler anzuwerben, die dem „Jäger“ (der diese Rolle auch teuer erstanden hat) eine Herausforderung bieten. Ist man als „Klient“ dann nicht enttäuscht, wenn die Spieler – im kamera- und mikrofonbewehrten Wald – größtenteils nur hysterisch schreiend rumrennen und relativ problemlos one-by-one vom Jäger (der dann noch nicht mal die freie Auswahl hat, sondern auf Anweisung des zahlenden Publikums agiert) erledigt werden? Und wie, zum Geier, kommt eine taube Nuss wie Brenda, die keine Paintball-Erfahrungen hat, sondern, wie in der Inhaltsangabe erwähnt, nur „neue Leute“ kennenlernen wollte, in die Spielerschar? (Und dabei muss die Parallelgruppe aus noch größeren Luschen bestehen, denn von denen leben offenkundig keine halbe Stunde nach Spielbeginn nur noch zwei, einer ist am Elektrozaun verbrutzelt, die anderen werden nie erwähnt). Dramaturgisch halte ich es für einen Fehler, die Karten so früh auf den Tisch zu legen. Klar, wenn man sich mal entschlossen hat, auf jegliche Charakterisierung zu verzichten, ist es schwer, lange mit dem simplen „unsichtbaren Gegner“ zu hantieren, aber dann hätte es doch auf der Hand gelegen, etwas mehr aus dem Konfliktpotential innerhalb der Gruppe zu machen. Das „Mystery“ des Films so früh herauszunehmen, führt dann zwangsläufig zu einem Kunstgriff wie dem hier gewählten, dass for no particular reason Anna (nachdem sie das Headset des Killers gefunden hat) von den Organisatoren der Jagd Tipps erhält, die sie erstens darüber instruieren, dass die von ihr achtlos liegengelassenen Goodies von den Flaggen zusammengebaut eine brauchbare Anti-Killer-Waffe ergeben und zweitens zum Showdown lotsen. Das kömmt mir dann schon ein wenig so vor wie „in die Sackgasse geschrieben, keine Lust gehabt, im bisher Geplotteten ein paar Änderungen vorzunehmen, und dann lieber einfach einen ‚Twist‘ rantackern, damit wir zum Ende kommen“.

Neben dem Umstand, dass die Figuren aufgrund des bewussten Verzichts auf Charakter-Background weitgehend identitätslos bleiben („zum Glück“ sind die Figuren doof genug, ihre Schutzbrillen bald abzunehmen, so dass wir sie zumindest unterscheiden können), stört mich ein bisschen, dass „Paintball“ auch auf den ach-so-angesagten „ganz Osteuropa ist eine Todesfalle“ (siehe „Hostel“, „Terror Train“-Remake etc. pp.) aufspringt. Wenn die Amis das machen, muss ich schon nicht gut heißen, aber wenn jetzt sogar schon die Europäer damit anfangen…

Der bislang nicht weiter auffälig gewordene Regisseur Daniel Benmayor (der zur Zeit an einem Historienabenteuer namens „Bruc“ mit Vincent Perez schraubt) setzt auf einen einzigen neunzigminütigen Adrenalinstoß, und, weil er offenbar bei den spanischen Kollegen von „[rec]“ aufgepaßt hat, heißt das – neunzig Minuten handheld-Kamera-Optik. Auch wenn ich nicht begeistert bin, anerkenne ich zumindest, dass es bei „Paintball“ einigermaßen sinnvoll ist, die Kamera quasi zu einem eigenen Charakter zu machen, der die eigentlichen Figuren begleitet und ebenso hektisch ist wie sie selbst. Juan Miguel Azpiroz („Reflections“), der Kameramann, übertreibt auch nicht mit der Zappelei; auch wenn ruhige Bilder Seltenheitswert besitzen, bleibt „Paintball“ optisch zumindest nachvollziehbar (trotzdem – um Mitternacht im Kino, nachdem man schon vier andere Filme gesehen hat, wäre „weniger anstrengend“ nett gewesen), Sehnerven und Mageninhalt bleiben intakt. Auflockerung bieten nur die Passagen aus Killer-POV per wärmeempfindlicher Kamera-Brille (damit drückt sich Benmayor auch um die härstesten Goreszenen, die bleiben dann nämlich unter schwarz-weißen Schemen verborgen). Zweifellos ist „Paintball“ flott auf den Füßen, dennoch stellt sich aufgrund der fehlenden Dramatik (und das wird nun wieder dadurch bedingt, dass wir keinen rechten Grund haben, mit den Protagonisten mitzufühlen) auf die Dauer ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Benmayor und Schreiberling Schoendorff tun nicht genug dafür, die Figuren interessant zu halten und vergeben einige Chancen auf Spannung, die sich nicht nur auf den wer- und wie-Faktor des nächsten Kills bezieht (die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppe, die Möglichkeiten, aus dem Spieler des anderen Teams noch dramatischen und dramaturgischen Gewinn zu schöpfen).

„Paintball“ ist zweifellos recht ruppig und wird wohl auch aufgrund seiner zynischen Weltsicht, in der auch die „Guten“ am Ende keine Chance haben, moralisch „unbefleckt“ aus der Sache herauszukommen, kaum um eine KJ-Freigabe herumkommen, auch wenn die gorehaltigsten Kills, wie gesagt, durch die POV aus Killer-„Wärme“-Sicht abgeschwächt werden, aber zumindest dürfen wir die Ergebnisse sehen (Höhepunkt ist ein mit „Minen“ gesprengter Brustkorb).

Schauspielerisch kann Brendan Mackey („Touching the Void“, „Life on Mars“) mit der gehaltvollsten Rolle des David am ehesten überzeugen – er spielt nuanciert genug, um das fiese Arschloch, dem das ganze Spiel trotz des hohen Einsatzes einen Heidenspaß macht, auf den Punkt zu bringen. Jennifer Matter („Wet Dreams Dry Days“) ist mir als final girl etwas zu farblos, aber sie hat auch wenig zu „spielen“ (selbst der Fakt, dass sie versehentlich eine Spielerin des anderen Teams tötet, ist nach kurzer Verzweiflung schnell vergessen). Patrick Regis („Anaconda III“, der mit dem Hoff) gibt den sympathischen Quotenschwarzen passabel, aber unmemorabel, Neil Maskell („Doghouse“, „Basic Instinct 2“) als tumber brüllender Brite ist eher nervig. Iaione Perez und Anna Casas, die wohl die Einheimischen-Quote für spanische Produktionen zu erfüllen haben, kämpfen mit den englischen Dialogen, was ihnen besser (Perez) bis gar nicht (Casas) gelingt. Felix Pring muss den Jäger praktisch toujours als gesichtsloses „Monster“ spielen.

Fazit: Und, war’s nu, wie erhofft, „nicht lustig, aber gut“? Naja, doch eher „nicht lustig, und auch nicht wirklich gut“. „Paintball“ müht sich um eine sehr energische, temporeiche Herangehensweise auf Kosten glaubhafter, greifbarer Figuren und hofft, damit einigermaßen über die Runden zu kommen. Operation nicht ganz gelungen – zwar hält die flotte Gangart und der Body Count den Zuschauer einigermaßen bei der Stange, aber sowohl das handheld-Kamera-Gimmick als auch das ganze Szenario des „panisch durch den Wald Rennens“ erleidet über die Filmlaufzeit einen deutlich merklichen Abnutzungseffekt. Ein wenig mehr visuelle Abwechslung, ein bisschen dreidimensionalere Charaktere und ein wenig mehr „Spiel“ um die Auflösung hätten „Paintball“ aufgewertet. So bleibt das spanische Killerspiel Durchschnittsware – einen Durchlauf auf DVD wert, aber keine Visitenkarte, die künftige Großtaten ankündigt – am unteren Ende der „3“er-Wertung angesiedelt (das Posterartwork gefällt mir übrigens nicht wirklich – das sieht nach billigem Konsolenegoshooter aus).

3/5
(c) 2009 Dr. Acula


mm
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