No Way Up


  • Deutscher Titel: No Way Up
  • Original-Titel: Throttle
  • Alternative Titel: Park Evil
  • Regie: James Seale
  • Land: USA
  • Jahr: 2005
  • Darsteller:

    Grayson McCouch (Tom Weaver), Adrian Paul (Gavin Matheson), Amy Locane (Molly Weaver), Dan Mundell (Eddie), Michelle Beisner (Rebecca), Jefferson Arca (Viktor), Mare Trevathan Phillpott (Beth), Gary Sirchia (Repo Man), Chris Grundy (Officer)


Vorwort:

Für den Finanzer Tom Weaver beginnt der Nachtschicht-Abend schon recht mies. Ein Fieslurch hat seinen reservierten Tiefgaragenstellplatz in Beschlag genommen und freie Plätze gibt’s nur noch im fünften Untergeschoss. Was will man machen? Auf dem Weg nach Unten (© Knorkator) kollidiert Tom mit seinem Schlampenschlepper (Jaguar Cabrio) beinahe mit einem ungewaschenen Hillbilly-Truck (mit Festbeleuchtung), dessen ungesehener Fahrer nach Auflösung des Rampenstaus noch einen couragierten Versuch unternimmt, Tom auf dem Weg zum Fahrstuhl zu überfahren. Irgendwer ist da mit dem falschen Fuß aufgestanden.

Dabei hat Tom schon genug, worüber er nachdenken muss, denn dass er heute Abend das Büro aufsucht, liegt zwar in einem 10-Millionen-Dollar-Deal begründet, aber einem höchst illegalen, den sein Boss, Investmentguru Gavin Matheson, ausgeknobelt hat. Die Details erspart man uns, aber summa summarum geht’s darum, finanzschweren Firmen per kleinem Hack am Rande unauffällige Beträge abzuzwacken und auf ein freundliches Nümmerliköntli irgendwo auf den Caymans umzuleiten. Ein todsicheres Ding, meint Gavin, Tom ist sich da aber nicht so sicher, und als wäre das alles nicht schon genug, befindet er sich im latenten Kriegszustand mit seinem Eheweib Molly, was wohl some way or another damit zusammenhängt, dass sie sich gegenseitig (und berechtigterweise) außerehelicher Fehltritte beschuldigen.

Nach getaner Tat packt Tom das schlechte Gewissen und er verkündet Gavin seinen Ausstieg aus dem Unternehmen. Gavin reagiert daraufhin eher übellaunig. Aber Toms Nacht wird nicht besser – ein böser Mensch hat mal kurz die Motorhaube seiner britischen Raubkatze geöffnet und nach Gutdünken alles an Kabeln durchgeschnitten, was durchschneidbar ist. Toms Verdacht richtet sich begreiflicherweise auf den unbekannten Truckdriver. Handyempfang ist so tief unter der Erde nicht, und darauf zu hoffen, dass der alte Parkwächter Eddie, mit dem Tom ganz gut zurecht kommt, oder sein missmutiger Assistent Viktor (nebenberuflich offizieller Bespringer der Sekretärin Rebecca, die Tom als sein Verhältnis pflegt) auf ihrer Runde vorbeikommen. Dummerweise funktioniert der Fahrstuhl nur mit einer Zugangskarte, und auf Gavins Geheiß hat Tom seine heute nicht dabei (klar, es soll ja für Außenstehende nicht nachvollziehbar sein, dass Tom und Gavin heute im Büro waren). Bleibt das Treppenhaus, aber das ist aus unerfindlichen Gründen mit schweren Eisenketten gesichert.

Und da ist auch der Truck from Hell, der bzw. dessen Fahrer beschlossen hat, heute Nacht mit Tom ein fieses Katz- und Maus-Spiel zu spielen. Mit Müh und Not kann sich Tom den ersten Attacken des Trucks entziehen und Rettung scheint zu nahen, als eine andere Spätarbeiterin ihre Kalesche aufsucht. Doch Beth hat Tom noch nie zuvor gesehen, und seine wilde Geschichte vom bösen Truck ist sehr dazu angetan, dass sie ihn für einen gefährlichen Irren hält, dem man nicht mal eine Mitfahrgelegenheit bis zur Parkhausausfahrt anbietet. Beth braust von hinnen, doch von einer Etage höher hört Tom plötzlich zwei Schüsse. Der Truckdriver geht offensichtlich kein Risiko ein…

In den nächsten Stunden wird Tom versuchen, sich Etage um Etage nach oben zu kämpfen, stets verfolgt und bedrängt von dem unbekannten Trucker. Und natürlich stellt sich das Opfer-in-spé die berechtigte Frage, WER da hinter ihm her ist bzw. auf wessen Geheiß er handelt. Ist es Gavin, der einen lästige Mitwisser loswerden will? Der eifersüchtige Viktor? Oder vielleicht sogar Molly, die sich zuletzt ausnehmend gut mit Gavin – und seinem Bankkonto – verstanden hat? Zumindest die Option „Viktor“ kann Tom bald streichen, als der Parkwächter vom Truck in den Asphalt planiert wird…

Inhalt:

Gewisse Konzepte sind so simpel, dass man sich fragt, warum, zum Geier, nicht schon früher jemand draufgekommen ist, und so effektiv, dass sie beim besten Willen unterbelichteter Filmemacher nicht völlig kaputt gemacht werden können. Dazu gehört zweifellos das beliebte Thema „Mensch gegen Maschine“, speziell „Mensch gegen Maschine mit vier Rädern untendran“. Dass es Steven Spielberg und sein „Duell“ brauchte, um dieses Subgenre 1971 endlich ins Rollen (pun shamelessly intended) zu bringen, Es ist natürlich ein gewissermaßen sehr amerikanisches Genre, denn nirgendwo ist der Traum vom Fahren und der damit verbundenen Freiheit stärker ausgedrückt (außer vielleicht auf der A3…). Es scheint daher zunächst widersinnig zu sein, ein Sujet, das förmlich von den endlosen Highways und staubigen Wüstenpfaden zu leben scheint, in ein klaustrophobisches Korsett zu zwängen, und doch… auf den zweiten Blick ist das durchaus schlüssig. Schließlich ist ein Parkhaus bzw. eine Tiefgarage unter den richtigen Umständen (nachts, verlassen, unübersichtlich) beinahe so etwas wie ein modernes Spukschloss, ein per se unheimliches Gebäude, da es schlicht nicht für den menschlichen Verweil konzipiert und eingerichtet ist. Franck Khalfouns Horror-Thriller „P2 – Schreie im Parkhaus“ teilte uns mit, wie unangenehm es sein kann, auf Gedeih und Verderb einem Psychopathen im Parkhaus ausgeliefert zu sein, aber der Alexandra-Aja-Kumpel war nicht der erste, der sich auf dieses Terrain wagte.

James Seale, mir bislang nur bekannt durch den mäßigen Mutanten-Thriller „Momentum“, verzichtet auf den Kunstgriff Khalfouns, den Plot zu einer Mensch-vs-Mensch-Nummer zu machen, sondern versteift sich hier tatsächlich auf den Spielberg-erprobten Kniff, das Opfer gegen die Maschine, das Auto an und für sich, zu stellen. Wie Spielberg es auch tat, erlaubt sich auch Seale deutlich genug den Hinweis, dass das Auto nicht etwa von übernatürlichen Mächten besessen ist wie die schwarze Limousine in „The Car – Teufel auf Rädern“, sondern sehr wohl unter der Kontrolle eines menschlichen Wesens aus Fleisch und Blut steht (und im Gegensatz zu Spielberg löst Seale das Geheimnis im Schlussakt auch auf, was – logischerweise – zu einer Enttäuschung führen muss, denn keine Erklärung, kein Täter, den ein Autor/Regisseur im Finale aus dem Hut zaubern kann, kann mit der Bedrohung durch das Unbekannte, das schiere Böse in Truck-Form, mithalten. Aber das ist die Krux des Horrorgenres, wie sie auch Stephen King in „Danse Macabre“ herausarbeitete – das, was wir uns als Leser/Hörer/Zuschauer vorstellen, ist immer grausamer als das, was man uns letztlich zeigen kann). Der elementare Unterschied zwischen „Duell“ und „No Way Up“ liegt darin, dass Seale uns nicht nur eine Auflösung des „wer“ anbietet, sondern auch noch eine des „warum“. Bei Spielberg wurde Dennis Weavers Charakter (als Hommage an Duell heißt unser hiesiger Protagonist eben Weaver - weitere Würdigungen des berühmten Vorbilds sind Mathesons Charaktername nach "Duell"-Drehbuchautor Richard Matheson und ein prominent im Parkhaus stehender Plymouth Valiant, die Karre, die Dennis Weaver 1971 fuhr) schnell klar, dass es keinen Sinn hat, sich über die Motivation seines Verfolgers Gedanken zu machen. Weaver ist sein Opfer, „weil er da ist“, um es mit Captain Kirk zu sagen, weswegen das „Duell“ dann eben metaphorisch bis auf die zwei Höhlenmenschen, die sich gegenseitig mit der Keule auf den Kopf hauen, weil sie’s können, zurückzuführen ist. Seale will diesen Kampf unterfüttern – das bedingt natürlich auch, dass wir als Zuschauer erfahren müssen, was die mögliche Motivation des Truckdrivers ist, und in welchem Zusammenhang er mit Weaver steht. Der Film macht von Anfang an klar, dass hinter allem, was passiert, ein tieferer Sinn stehen muss, bringt es doch Weaver direkt mit einem Verbrechen in Kontakt – einem dieser modernen „opferlosen“ Verbrechen, in dem nur namenlosen Konzernen Portokassenbeträge abgezockt werden, nichtdestotrotz „unmoralisches“ Handeln, das bestraft werden muss, da kann Tom nach der Tat noch so sehr ein schlechtes Gewissen haben und sich von Gavin distanzieren, mitgemacht hat er erst mal.

Das eröffnet schon die erste Perspektive – weiß jemand von Gavins und Toms Plan und sinnt auf blutige Rache? Oder hat sich Gavin für den Fall, dass Tom die Flatter bekommt, rückversichert? Oder ist da Motiv doch ein persönliches, ausgelöst durch die jeweiligen Seitensprünge des Ehepaars Weavers. Dafür aber müssen wir als Zuschauer aber eben über das Beziehungskonstrukt und speziell die Dreierbeziehung Gavin-Tom-Molly aufgeklärt werden und Seale regelt das, indem er uns mit Flashbacks zuballert. Ein zweischneidiges Schwert – sicher ist das notwendig, um den Charakteren näher zu kommen und zu verstehen, wer hier möglicherweise welche Interessen verfolgt, andererseits reißt natürlich jeder Blick in die Vergangenheit aus dem eigentlichen „Spiel“, Toms Überlebenskampf, der nach allen Murphy’s-Law-Regeln geführt wird, in dem jeder Hoffnungsschimmer für Tom nur zu einer noch größeren Katastrophe führt und der unheimliche Angreifer im Truck seinem Opfer immer mindestens einen Schritt voraus ist.

Wie gesagt – die Auflösung und die Motivation des Täters kann praktisch per Definition nicht überzeugen und wirkt ein wenig albern, auch wenn sie das „Duell“-Konstrukt mit einer Prise „Falling Down“ abschmeckt. Dass Weaver kein makelloser Held ist, sondern seine Ecken, Kanten und Charakterschwächen hat, macht seinen Leidensweg dagegen nicht weniger spannend. Man kann „No Way Up“ in gewisser Weise wie ein Videospiel sehen, in dem Weaver sich Level für Level, Ebene für Ebene, Richtung „Tageslicht“ durchkämpfen muss, und wie in einem Game werden auch für Weaver die Herausforderungen immer kniffliger, die Attacken des Trucks gefährlicher, und schlussendlich auch die „stakes“ über das nackte Überleben des Protagonisten hinaus erhöht.

Es ist, auch das hab ich ja schon angedeutet, praktisch unmöglich, ein solches Szenario so zu vergeigen, dass es unspannend oder langweilig würde. Seale ist sicher kein Meister seines Fachs, und die Flashbacks, so nötig sie für den Narrativ sind, so sehr halten sie den Betrieb nun mal auf; ich wüsste zwar auf Anhieb jetzt auch nicht, wie man’s dramaturgisch besser hätte lösen können (vielleicht einzelne der Flashback-Sequenzen weiter kürzen oder aufsplitten), aber es macht sich negativ bemerkbar.

Handwerklich gibt’s recht wenig auszusetzen – die bedrückende Atmosphäre der nächtlichen Tiefgarage wird adäquat eingefangen, die Stunt- und Actionszenen sind allemal auf gutem B-Niveau, und die musikalische Begleitung mit gewissem Industrial-Einschlag größtenteils passend und stimmungsförderlich; die Flashback-Szenen sind dagegen etwas fade in Szene gesetzt (was vielleicht bewusstes Stilmittel ist, da es sich im Filmkontext um Erinnerungen Toms handelt, allerdings den Eindruck, dass diese Szenen mehr aufhalten als dass sie nützen, verstärkt).

Die Darsteller sind nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Grayson McCouch, von Seale auch schon in „Momentum“ eingesetzt, außerdem zu sehen in „Armageddon“ und „Gotham“, ist in den Parkhaus-Sequenzen als gehetztes „Tier“ wesentlich überzeugender denn in den Rückblenden in sein „normales“ Leben. Adrian Paul („Highlander“) ist angemessen schleimig und schmierig als McCouchs krimineller Boss. Amy Loncane (Molly) begann ihre Karriere als Kinderdarstellerin in „Spencer“, ward neben Johnny Depp in „Cry-Baby“ gesehen und spielte Maggie Gyllenhaals Schwester im famosen „Secretary“. Als eine Art vermeintliche quasi-femme-fatale hat sie hier nicht wahnsinnig viel zu tun. Dan Mundell ist als Eddie brauchbar.

Die DVD von e-m-s ist okay, Bild- und Ton sind in Ordnung, wenn auch nicht spektakulär, die deutsche Synchronfassung gut ausgefallen. Großartiges Bonusmaterial ist nicht zu finden.

„No Way Up“ ist sicher kein Riesenfilm mit dem Impact eines „Duell“, aber ein routiniert gearbeiteter, solide spannender Thriller, der trotz seiner dramaturgischen Schwächen durch die Flashbacks und die etwas an den Haaren herbeigezogene Auflösung gut zu unterhalten vermag. Ein netter Snack für Zwischendurch.

© 2019 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 4

BIER-Skala: 6


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