Night Hunter


  • Deutscher Titel: Night Hunter
  • Original-Titel: Avenging Force
  •  
  • Regie: Sam Firstenberg
  • Land: USA
  • Jahr: 1986
  • Darsteller:

    Michael Dudikoff (Matt Hunter), Steve James (Larry Richards), James Booth (Admiral Brown), William Wallace (Delaney, als Bill Wallace), John P. Ryan (Prof. Elliott Glastenbury), Karl Johnson (Jeb Wallace), Marc Alaimo (Charlie Lavall), Allison Gereighty (Sarah Hunter), Loren Farmer (Parker), Rick Boyle (Grandpa Jimmy), Sylvia Joseph (Daisy Richards), Robert Cronin (T.C. Cooper)


Vorwort:

Matt Hunter war der beste Mann beim Geheimdienst, bis eine Bombe, die ihm galt, seine Eltern tötete. Nun hat er sich mit seinem Großvater und seiner zwölfjährigen Schwester Sarah auf die Familien-Ranch zurückgezogen. Nicht abgerissen ist allerdings der Kontakt zu seinem früheren Armee- und Geheimdienstkumpel Larry Richards, der mittlerweile unter die Politiker gegangen ist. Zum Mardi Gras in New Orleans besuchen die Hunters Richards und seine Familie; Richards will den farbenprächtigen Mardi-Gras-Karnevalsumzug als Vehikel für seinen Senatswahlkampf nutzen.

Allerdings hat Larry den Zorn der Pentangle-Bruderschaft auf sich gezogen, die ihm und seine Familie mit Morddrohungen überziehen. Matt ist besorgt, aber Larry nimmt die Drohungen als zu vernachlässigendes Berufsrisiko nicht sonderlich ernst. Böser Fehler, denn Pentangle unternimmt während des Umzugs ein Attentat auf Richards. Matt kann zwar vier der fünf Attentäter ausschalten, aber ein Blutbad, dem Larrys älterer Sohn zum Opfer fällt nicht verhindern.

Matt zapft seine Geheimdienstkontakte an, um mehr über Pentangle herauszufinden. Dort, sowie beim FBI, steht die Bruderschaft durchaus in den Büchern – man kennt ihre Motive und Ziele, aber leider Gottes keine Namen. Die rassistische Bruderschaft besteht aus einflussreichen Industriellen, Großkapitalisten und Politikern, und ihre Agenda ist, aufs Wesentliche heruntergebrochen, Make America Great Again, und das ohne Rücksicht auf Verluste, mit Gewalt und unter Ausrottung zersetzender Elemente wie Afro-Amerikaner. Elliott Glastenbury ist der ideologische Vordenker und Chef des fünfköpfigen Führungsstabes Pentangles, und der pflegt ein exzentrisches Hobby – die Jagd in den Bayous, aber nicht auf Alligatoren oder anderes Wildgetier, sondern Menschen.

Indes will Matt die Richards-Familie auf seiner Farm verstecken. Larry nimmt aber zuvor noch die Einladung eines Fernsehsenders an, sich öffentlich zu dem Attentat zu äußern. Eine Falle, warnt Matt, und Larry stimmt völlig zu, wittert aber eine Chance, an die Hintermänner des Anschlags heranzukommen. In einer haarsträubenden Aktion gelingt es den Freunden, erneut die meisten Pentangle-Männer auszuschalten – und dem letzten geben sie eine Warnung auf den Weg.

Glastenbury ist von Matt durchaus beeindruckt – seine Pentangle-Kollegen schlagen vor, Matt zu rekrutieren, aber Glastenbury weiß, dass Matt nicht umzudrehen ist. Er muss also, genauso wie Larry, ausgeschaltet werden. Pentangle hat einen Informanten beim Geheimdienst – das Versteck aufzuspüren, ist also keine große Kunst. Die Pentangle-Führung macht den Angriff zur Chefsache – mit äußerster Brutaliät werden die abgestellten Agenten, Larry nebst seiner Restfamilie und Opa Hunter ausgeschaltet. Sarah wird entführt und Matt verletzt zurückgelassen, verbunden mit einer Einladung. Matt möchte sich doch bitte in zwei Wochen im Bajou zu einer kleinen Jagdpartie einfinden, so er gesteigerten Wert darauf legt, sein Schwesterherz noch mal wiederzusehen.

Wohl wissen, dass er seinen Dienst-Kontakten nicht mehr trauen kann, macht sich Matt ohne Unterstützung auf in die Bajous, wo er und Sarah sich der Most-Dangerous-Game durch vier Psychopathen stellen muss.

Inhalt:

Das Leben geht seltsame Wege. Die ehrwürdigen Cannon Studios brachten mit dem Chuck-Norris-Vehikel „Invasion USA“ den (mit John Milius' „Roter Flut“) vermutlich reaktionärsten Actionreißer der 80er in die Kinos, aber auch „Avenging Force“ (zu Deutsch „Night Hunter“), der dem Norris-Werk ideologisch 180 Grad entgegen steht, vermutlich Cannons „liberalster“ Action-Klopper ist. And believe it or not - „Avenging Force“ begann sein Leben als Sequel zu „Invasion USA“ (hence Matt Hunter ist der Protagonist beider Filme), aber Chuck Norris nahm dankend Abstand – offiziell Timing-Probleme, aber man kann sich vorstellen, wie Chuck, der „Invasion USA“ ja selbst mit-geschrieben hatte, über die Umkehrung seiner politischen Vorstellungen in der Forttsetzung dachte... Regisseur Sam Firstenberg hält im Intro der neuen Blu-Ray den Film für den besten seiner Karriere, und, um das vorwegzunehmen, es ist recht schwer, dieser Einschätzung zu widersprechen.

Die Paarung Michael Dudikoff/Steve James war durch den „American Ninja/Fighter“-Film ja bereits erprobt, es machte aus Cannons Sicht (wo man ja durchaus der Überzeugung nachhing, dass was, was einmal geklappt hat, auch beim siebenundvierzigsten Mal klappen muss) also jeden Sinn, die beiden Akteure mit erwiesener Chemistry und nicht minder erwiesenem Publikums-Appeal weiter zusammenzuspannen (später ging man dann den einfacheren Weg und ließ die beiden einfach „American Fighter“-Sequels drehen – James war aber clever genug, nach dem dritten Teil aus der Serie auszusteigen). Firstenberg war die logische Wahl für die Regie, das Drehbuch stammte von James Booth, einem britischen Schauspiel-Veteranen, der gerade dabei war, sich als Äktschnfuim-Autor neu zu erfinden - „Die 1000 Augen der Ninja“ hatte er schon geschrieben und unter Gordon Hesslers Regie auch mitgespielt, die Teile 2 und 4 der „American Fighter“-Saga sollte er für Cannon noch verfassen. Sam Firstenberg ist des Lobes voll über das Drehbuch - „wir veränderten kein einziges Wort“. Nun ja. Ist halt wohl doch ein eher anspruchsloser Geselle, der Sam...

Na, das ist jetzt auch unfair – wir wissen alle, dass bei Cannons Kommerzkloppern ein vernünftiges Script auf der Prioritätenliste weit unten stand, und unter diesen Gesichtspunkten ist das von „Night Hunter“ (ich bleib jetzt mal beim deutschen Verleihtitel) wirklich gut und versucht, politische Schärfe mit der von Cannon gewohnten großkalibrigen Action zu verbinden. Pentangle ist dabei ein bedrückend aktuelles Konzept – Glastenburys Rhetorik unterscheidet sich kaum von dem, was Donald Trump als gewählter US-Präsident von sich gibt, und der einzige gravierende Unterschied ist, dass Pentagles Mitglieder sich die Hände selbst schmutzig machen (und die Bereitschaft dazu, wie angesprochen wird, durchaus als wesentliche Beitrittsvoraussetzung gesehen wird), während Trump, wenn mal wieder einer seiner bekloppten Anhänger einer demokratischen Senatorin in den Kopf schießt oder eine afro-amerikanische Kirchengemeinde massakriert, sich auf die „irrer Einzeltäter“-These zurückziehen und jegliche persönliche Verantwortung ablehnen kann. Die Ideologie Pentagles ist klar – weiße reiche Männer, die sich in ihren Privilegien, ihrer Machtausübung bedroht sehen und in den USA die weiße Supremacy – und die Herrschaft des Kapitals – sicherstellen wollen. Ein schwarzer Politiker wie Larry Richards, gebildet, gesellschaftlich akzeptiert, und mit einer klaren Agenda gegen die Einflussnahme des Kapitals, muss natürlich auf ihrer schwarzen (eh) Liste stehen (dass Larrys Haus nach dem Attentat mit rassistischen Graffitis dekoriert wird, gehört zu der Allround-Kampagne, die Pentangle gegen ihn fährt).

Das Script nimmt keine Gefangenen – hier wird nicht auf die Befindlichkeiten des Publikums Rücksicht genommen, wo Pentangle hinschlägt, wächst kein Gras mehr, da sind auch Frauen und Kinder fair game, da ist Politik der verbrannten Erde angesagt und in einer solchen Welt, bei einem solchen Weltbild, kann ein Film auch nicht mit einem „gewöhnlichen“ Happy End aufhören. SPOILER Matt hat zwar sich und seine Schwester gerettet und Pentangle ein paar Köpfe abgeschlagen, aber besiegt ist die Bruderschaft noch lange nicht (zumal all but explicity said wird, dass der fünfte Chef der Organisation niemand anderes als Matts ehemaliger Geheimdienstmentor ist).

Die Verbindung des politischen Verschwörungs-Plots mit dem „Most Dangerous Game“-Motiv wirkt auf den ersten Blick etwas gekünstelt (und in der Tat ist der große Schwachpunkt des Scripts, dass Pentangle mehrere exzellente Gelegenheit hat, Matt ohne größere Schwierigkeiten auszuknipsen, sie aber zugunsten des Restrisikos der Jagd auslässt) – man muss sich ein wenig in die Ideologie der Verschwörer reinversetzen, um zu verstehen, dass sie, wie oben kurz erwähnt, aus ihrer Sicht notwendig ist, um herauszufinden, wie weit Bewerber bereit sind, persönlich zu gehen und die Drecksarbeit zu verrichten (ein kleiner logischer Bruch ist, dass es bei den zwei Jagden, die wir sehen, immer nur die Führungsspitze der Bruderschaft ist, die sich engagiert), also quasi einen Test der Skrupellosigkeit darstellt.

Sam Firstenberg, einer der zahlreichen Israelis, die dem Golan-Globus'schen Lockruf nach Hollywood gefolgt waren, ist als Regisseur für meine Begriffe „hit or miss“ - die ersten zwei „American Fighter“ sind sicher mit Recht kleine Klassiker des B-Action-Kinos, bei späteren Werken wie der „Cyborg Cop“-Reihe war Firstenberg immer mal ein Kandidat dafür, die Wirkung seiner prinzipiell gut arrangierten Actionszenen durch übertriebenen Zeitlupeneinsatz zu versauen. In „Night Hunter“ ist davon zum Glück nichts zu spüren, es ist wohl wirklich, soweit's mich angeht, Firstenbergs beste Arbeit. Obwohl keine Nonstop-Action-Orgie ist der Streifen sehr flott unterwegs, verteilt seine ausgesprochen sehenswerten Actioneinlagen gut über die knapp 105 Minuten Laufzeit. Auch wenn das Budget sicherlich wieder nicht sonderlich hoch war (Cannon war berühmt dafür, Dudikoff immer wieder Filme mit größerem Budget zu versprechen, gleichzeitig aber die Etats weiter zusammenzustreichen... mehr als eine halbe Million Dollar kostete kaum einer der Dudikoff-Klopper), nutzt Firstenberg seine beschränkten Mittel exzellent aus. Sowohl die große Actionszene im Hafen auf und um einen maroden Frachter, in der Larry und Matt sich mit Pentangle-Goons kloppen, ist sehenswert, als auch die zentrale (wenn auch nicht abschließende) Jagd in den Bayous – die regnerischen Sümpfe (und bereits vorab die skurrile Parallelwelt der französischsprachigen Cajuns) sorgen für eine aufregende „Deliverance“-Backwoods-Atmosphäre, was oft versucht, aber nur selten so effektiv wie hier erreicht wurde.

Die Actionszenen sind gut arrangiert und choreographiert – es gibt knackige Shoot-outs, sehenswerte (handgemachte) Stunts und harte hand-to-hand-combat-Sequenzen, in denen weniger auf flashy moves das Augenmerk gelegt wird als auf Effektivität. Dazu pulsiert ein elektrisierender Score von Geoge S. Clinton, der natürlich very 80's ist, aber einfach funktioniert.

Michael Dudikoff und Steve James haben, wie bereits gesagt, erstaunliche chemistry, und „Night Hunter“ gibt beiden Aktiven auch Gelegenheit, in gewissem Rahmen ihre acting muscles zu flexen und nicht ausschließlich auf beider grundsympathische „Leute-die-man-zum-Kumpel-haben-möchte“-Ausstrahlung und ihre Kampffähigkeiten abstellt (und, wenn ich bei über dreißig Jahre alten Filmen noch 'ne SPOILER-Warnung setzen muss, soll es auch so sein, dass Steve James' Charakter tatsächlich getötet wird, ist quasi der Janet-Leigh-in-“Psycho“-Moment des 80er-Actionfilms. No one is safe).

Der supporting cast ist vielleicht nicht der prominenteste aller Zeiten, aber allemal achtbar. James Booth himself hat zwar drittes Billing, hat aber wenig aktiv zu tun. John P. Ryan („Runaway Train“, „Bound“, „Death Wish 4“, „Fatal Beauty“) ist als exaltierter Schurke eine sichere Bank, Bill Wallace („Delta Force“, „Starfire“), Karl Johnson („Rebel Waves“, „Automatic“, „Jake Speed“; hier in seinen Actionszenen in einem fulminanten Gimp-SM-Outfit) und Marc Alaimo („Total Recall“, „Tango & Cash“) machen sich als seine Mitstreiter ebenfalls patent, vor allem Johnson, der auch die notwendige körperliche Präsenz mitbringt, die den anderen Schurken vielleicht ein wenig abgeht (aber es sind ja im Filmkontext auch keine muckigestählten Steroidmonster, sondern einflussreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik). Stunt-Koordinator BJ Davis („Trancers II“, „Hot Shots!“, „Universal Soldier“, „Pumpkinhead 2“, „Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“) und Kane Hodder (jedermanns Lieblings-Jason) haben Cameo-Auftritte.

Die Blu-Ray von NSM bietet überwiegend schönes Bild mit ein-zwei Schlieren – der deutschen Fassung fehlten bislang offenbar einige Sekunden, die nun – in der Originalversion belassen und nicht untertitelt – wieder integriert wurden. Als Extras gibt es zwei Interviews mit Michael Dudikoff, einen Audiokommentar mit Sam Firstenberg sowie Trailer und Bildgalerien.

„Night Hunter“ ist fraglos ein kleines Highlight sowohl in der Cannon- als auch der Dudikoff-Biographie. Dudikoff musste sich leider viel zu oft in billigen DTV-Actionhobeln verdingen, in „Night Hunter“ zeigt er, dass er mehr kann als nur 'ne Martial-Arts-Maschine – er ist sicher nicht der größte aller Schauspieler, kann aber durchaus auch dramatisch, wenn's gebraucht wird, und mit Steve James ist er eh ein Dream Team. Dazu kommt eine für Cannon-Verhältnisse gute Story und einige ausgezeichnete Action-Einlagen – das mag weniger campy fun sein als die „American Fighter“-Reihe mit ihren bunten Ninjas, ist dafür aber spannend und dann doch einen Tacken intelligenter und „wichtiger“. Gut gealtert, nach wie vor Daumen hoch!

© 2019 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 3

BIER-Skala: 7


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