Nackt unter Kannibalen

 
  • Deutscher Titel: Nackt unter Kannibalen
  • Original-Titel: Emanuelle e gli ultimi cannibali
  • Alternative Titel: Emanuelle and the Last Cannibals | Black Emanuelle and the Last Cannibals | Trap Them and Kill Them | Emanuelle's Amazon Adventure |
  • Regie: Joe D'Amato
  • Land: Italien
  • Jahr: 1977
  • Darsteller:

    Emanuelle (Laura Gemser)
    Prof. Mark Lester (Gabriele Tinti)
    Maggie McKenzie (Nieves Navarro)
    Donald McKenzie (Donald O´Brien)
    Salvadore (Percy Hogan)
    Isabelle Wilkes (Monica Zanchi)
    Sister Angela (Annamaria Clementi)
    Wilkes (Geoffrey Copleston)
    Guide (Al Yamanouchi)
    N.A. Tapu Ruguru


Vorwort

Aufgrund der „regen“ Beteiligung an meiner kleinen Umfrage welchen Film D´Amatos ich also zuerst gastreviewen sollte, wird dem Wunsch meines „Chefs“ hier entsprochen. „Black Emanuelle e gli ultimi Cannibali“ oder auch „Nackt unter Kannibalen“ hieß euer Wunschfilm.

Dass man über die Qualitäten von Joe D´Amato Filmen streiten kann, ist schon ein seit Großvaters Zeiten existierendes Gesetz – ja man kann sogar über die Qualitäten aller italienischen B-Filme streiten. Ich tue es aber nicht, denn ich muss ehrlich zugeben „Black Emanuelle und die letzten Kannibalen“ hat mir außerordentlich gut gefallen – die anderen D´Amato Filme natürlich auch. Wer weiß, vielleicht ändert sich das ja im Laufe dieses Reviews, aber meinen Ausgangsstandpunkt habe ich wohl klar gemacht: Es geht mir nichts über ein „gut gemachtes“ italienisches B-Movie oder auch ein „Francosisches“ – da werden die niedrigsten Bedürfnisse angesprochen, da genieren sich gut gebaute Frauen nicht alles zu geben – und wenn ich sage alles, dann meine ich alles – da fühlt man sich einfach wohl. Natürlich, das Gehirn wird bei solchen Film eher weniger beansprucht, aber in einer manchmal derart trostlosen Welt flieht man gerne mal in exotische Gefilde. Rosamunde Pilcher hat bei vielen Menschen ja denselben Effekt.

Los gehts…


Inhalt

Der Film spielt in NEW YORK – etwas ganz neues für jeden Kannibalenfilmfan? Stimmt eigentlich schon, denn der Film wurde 1977 gedreht und seither spielen alle bekannten Kannibalenfilme mit Ausnahme von „Mountain of the Cannibal God“ zum Teil in New York. Und: Die Geschichte ist angeblich echt passiert – so will uns ein Insert jedenfalls weiß machen – Jennifer O`Sullivan sei die gute, die das behauptet. Ähm… ja, klar. Natürlich gab es D´Amato später zu: Der Film ist ein erotisches Rip-Off von Ruggero Deodatos „Ultimo Mondo Cannibale“ – auch dieser beginnt mit einer „Basierend auf einer wahren Geschichte“ – Einleitung.

Genug der Vorworte: Wir befinden uns in einem Irrenhaus und die schöne Laura hält eine Puppe im Arm. Doch die Puppe ist nur eine Attrappe – in Wirklichkeit macht sie Fotos – und gleich sollte ihr etwas vor die Puppe ähm Linse laufen, das man durchaus als Zitat an „Black Emanuelle in Amerika“ interpretieren könnte (die abgebrühteren unter uns erinnern sich vielleicht :-): Eine Krankenschwester kommt mit einer abgebissenen Brust schreiend aus einem Zimmer (sie hat die Brust nicht in der Hand) – Ärzte eilen sofort herbei – kümmern sich jedoch mehr um die Angreiferin als um die Verletzte, die sich von den anderen Insassinnen erstmal gehörig Geschrei, Hohn, Spott was auch immer abholt. Bei der Gelegenheit erfährt der Zuseher auch gleich etwas über das Mädchen: Sie stammt aus Südamerika und war bis dato völlig ruhig und unauffällig. Ob jedoch eine Elektroschockbehandlung das richtige gegen blonde Kannibalenfrauen vom Amazonas ist, entzieht sich meiner Fachkenntnis.

Ein weiterer Arzt stößt in die illustre Runde und sieht Laura. Er steckt mit ihr unter einer Decke – nicht so wie man vermuten möchte, sondern in beruflicher Hinsicht, und sagt ihr, sie solle ja aufpassen, dass ihre Tarnung nicht auffliegt. Und dass es beim nächsten Mal teurer werden würde – ach diese Ärzte. Bevor sich Laura jedoch endgültig aus dem Irrenhaus vertschüsst, besucht sie in der Nacht die Kannibalin und fragt sie nach ihrem Namen. Diese reagiert verstört und Laura kann sich gerade noch verstecken, als eine Ärztin hereinschaut. Dann wendet Laura ganz besondere Befragungsmethoden bei dem Mädchen an – ob es allerdings für ein Interview gereicht hat, entzieht sich unserer aller Kenntnis – zumindest aber für Fotos einer merkwürdigen Tätowierung am Bauch („über dem Schamhügel“) des Mädchens.

Ein paar Tage später: Die „Sensationsstory“ ist gedruckt und der Verlagschef von Lauras Zeitung ist sichtlich zufrieden mit ihrer Arbeit. Er will die Sache mit der Menschenfresserin auf Zimmer 12 natürlich weiter verfolgen. Besser gesagt, er will, dass sie die Sache weiter verfolgt. Durch einen fachkenntlichen Mitarbeiter der Zeitung findet sie heraus, dass die Tätowierung zum Stamm der Tupinamba (so hab ich´s verstanden) gehört – anscheinend hat jedes Schundblatt seinen Hobby- Anthropologen als Mitarbeiter, der auch noch derartige Fachkenntnis besitzt. Wie Rod es zum Chefredakteur gebracht hat, ist mir auch schleierhaft – schließlich hat Laura die „besseren“ Schlagzeilen in petto. Rod schickt Laura zu dem berühmten Wissenschaftler Mark Lester (nein, nicht der aus „Sesso Nero“) – obwohl sie viel lieber Urlaub hätte – gleich vier Wochen für 14 Tage Irrenhaus (Gott, werde ich neidisch) – er soll ihr bei ihren Recherchen zum Kannibalismus helfen.

Das erste Treffen der beiden verheißt eigentlich nichts romantisches – sie macht sich sogar ein bisschen lustig über Mark (eigentlich ja ihr Ehemann Gabriele Tinti) – trotzdem gehen die beiden zusammen essen. Tja, wenn zu mir eine Frau käme und sagen würde, sie habe sich mich älter und verstaubter vorgestellt, wäre ich sicherlich auch nicht erfreut, aber wer könnte bei Lauras Charme schon widerstehen. In einem Straßencafe will sich Laura „richtig informieren“. Mark fühlt sich sichtlich geschmeichelt und lädt sie gleich zu sich nach Hause ein zu einer Filmshow über Kannibalismus – yeah baby. Und wer glaubt, das ganze wäre nur ein billiger Trick um unschuldige kleine Mädchen zu sich nachhause zu locken, der irrt. Zu wohltuenden Klängen von Nico Fidenco sehen wir die beiden durch die Häuserschluchten New Yorks streifen.

Zu hause sehen wir angebliche Aufnahmen zu einem blutigen Sühneopfer aus Tansania. Starker Tobak, wenn auch nicht ganz so schlimm wie in „Emanuelle in Amerika“ – zudem sind d die Aufnahmen auch eindeutig gestellt. Laura ist nicht sonderlich beeindruckt, sie will lieber etwas über Südamerika wissen – dieses Unbeeindrucktsein von harten Sachen zieht sich bei Laura anscheinend durch den Film, wie wir ein paar Minuten später erfahren werden. Achtung – Zeit für etwas Geschichte: Die Tupinamba sind ausgestorben und auch von ihren Nachfolgern, den Apiakern hat man lange nichts mehr gehört (warum erwähnt er sie dann?). Mark ist überzeugt und will die Expedition annehmen.

Genug der Geschichte – time for erotic! Zuerst sieht man Laura, wie sie sich in Marks Schlafzimmer schminkt. Dann telefoniert sie mit Rod, der allerdings etwas besorgt ist und die Expedition nun für keine gute Idee mehr hält. Ja klar, zuerst war er Feuer und Flamme und jetzt hätte er auf einmal Angst um sein bestes Pferd im Stall. Sie überzeugt ihn aber dennoch.

Laura steigt in das Auto eines jungen Mannes und die beiden fahren schnurstracks zum Hafen (oder etwas ähnlichem). Nach etwas hirnlosem Geschwätz hat sie „unheimlich Lust dich zu lieben“. So kennen wir sie, so lieben wir sie und an einem Holzpfeiler geht es dann richtig zur Sache (wobei was ist richtig – außer ihrem rechten Bein sieht Mann die meiste Zeit nichts anstößiges. Na ja, eher halbgar diese Liebesszene. Dafür geht es dreißig Sekunden später weiter – während Laura im Taxi auf Mark wartet lässt sie ihre heiße Liebesnacht Revue passieren – meine „Bewertung“: Schon besser! Die wirre Kameraführung lässt entweder auf Experimentierfreudigkeit oder auf Trunkenheit des Kameramannes (=Massaccesi) schließen. Mir hat´s gefallen. Auf dem Flughafen kommt Black Emanuelle „Stammsehern“ die Stimme aus den Lautsprechern doch sehr bekannt vor – achtet mal drauf, ich denke es war in „Perché violenza alle donne“ – da hat dieselbe Frau einen Flug angekündigt – aber das ist schon sehr speziell wie ich finde. Dass man Flugtickets einfach so kriegt ohne sich auszuweisen o.ä. finde ich etwas seltsam. Aber wir wollen uns doch nicht mit derartigen Kinkerlitzchen herumärgern. Ich probier´s vielleicht bei meinem nächsten Flug aus.

Im Flugzeug gibt es noch eine Theoriestunde in Sachen Kannibalismus – ich werde das aber nicht näher ausführen. Ohne erklärenden Zwischenschnitt befinden sich die beiden plötzlich in einer kleinen Maschine und fliegen über den Regenwald. ABER: Bekanntlich wurde der Film ja in der Nähe Roms in Fogliano gedreht. Nun, die Stock Footage Einblendungen der Landschaften des „Amazonas“ sind aus dem Film „Guinea Ama“. Zumindest bei einer Einblendung Mark über das Treibhausklima zu referieren beginnt und man wenige Häuser sieht – das ist aus „Guinea Ama“ – gedreht in Neu Guinea, aber egal. Vielleicht sollte ich zu dem Film sagen, dass es sich um einen von Tiersnuff strotzenden Mondo-Film aus dem Jahre 1974 handelt. Bei Marks vielseitigen Gesprächstopoi scheint es, als ob der Drehbuchschreiber anscheinend Zeitung gelesen hat: Treibhaus, Flugzeugabsturz in den Anden (finde ich auch nett, dass er das WÄHREND des Fluges erwähnt),… .

Bei Wilkes, einem Freund Marks, werden die beiden erstmal gründlich über das Mädchen aufgeklärt: Sie wurde von einem Pater Morales gefunden und war völlig verstört. Ein sehr braver Pater wie mir scheint, vermutlich ist Morales aber nur sein Künstlername. Später gesellen sich außerdem Schwester Angela und Wilkes Tochter Isabel in die Runde. Mark bemerkt richtig: „Isabel, du bist ja eine richtige Frau geworden!“ Isabel bietet den beiden an, am nächsten Morgen mit ihr zur Missionsstation zu fahren. Wilkes behauptet von sich, schon zu alt für den ganzen Tamtam zu sein und dass Isabel den Laden viel besser in Schwung hielte als er – was Wilkes genau macht, werden wir wohl nie erfahren.

In der Hitze der Nacht geht´s zwischen Laura und Mark noch mal richtig zur Sache, und Isabel beobachtet die beiden lüstern und befummelt sich – sodass auch der ignoranteste Zuseher bemerkt: Sie IST eine richtige Frau geworden (das sag ich nur, weil ich Monica Zanchi wirklich hübsch finde!).

Nach einem kurzen Briefing von Wilson fährt das Expeditionsteam bestehend aus Laura, Mark, Isabel, Schwester Angela, und Philipe und Manolo, zwei Eingeborenen, los.

Bis jetzt waren eigentlich keine allzu großen Entgleisungen am Werke: Ein Effekt und mehrere hübsche Sexszenen – was will man mehr? Im Boot kommt es zu weiteren Gesprächen, so erzählt etwa Schwester Angela von ihrer Arbeit in Pater Morales Missionsstation und dass man jetzt auch die Mittel der Eingeborenen verwendet um Kranke zu heilen – tja eine Dschungelapotheke wird es so schnell sicher nicht geben in Tapucaracua. Isabel kommt auf die Idee, eine kleine Dusche unter einem Wasserfall zu nehmen. Ein hehrer Gedanke, aber das kleine Biest hat etwas ganz anderes im Sinne. Zusammen mit Laura badet sie nackt und Mangels Seife und Duschlotion muss halt die gute alte Handarbeit wieder her. Ein kleiner Affe beobachtet die Streicheleinheiten der beiden lässig, indem er eine von Isabels Zigaretten raucht. Der Junge hats echt drauf und spielt auch noch sehr überzeugend!

Weiter geht´s auf der Flussreise und da Laura ja Reporterin ist, schießt sie ein paar Fotos (Stock- Footage) von Krokos. Aus welchem Film die sind, ist mir nicht bekannt. Das Team geht an Land und Laura macht ungünstigerweise unter einem Ast mit einer Würgeschlange Rast. Und da das Untier von der hübschen Dame keinen Halt macht, geht es Laura an den Kragen (im wahrsten Sinne des Wortes).

Ein Schuss aus dem Dickicht erlöst die arme und so als ob nichts gewesen wäre, bedankt sich Laura bei dem unbekannten Jäger. Hier bekommt der Film die ersten Minuspunkte für Laura Gemsers nicht vorhandenes Acting. Der Jäger heißt Donald MacKenzie und lädt die Gruppe zu seinem Lager ein. Dabei erzählt er, dass die Missionsstation völlig zerstört und alle tot seien. Schwester Angela könnte einem fast Leid tun. Maggie, MacKenzies Frau, und Salvador warten schon im Camp.

MacKenzie stellt sich als Jäger vor, dem es Spaß macht, Tiere zu jagen und zu töten. Ein bisschen Kritik kommt aber auch auf: Schließlich hält MacKenzie nichts von der Jagd, wie sie bei Safaris in Afrika angewandt wird. Jeder so wie er will. MacKenzie philosophiert weiter… Salvador kocht Schildkröte – keine Angst man sieht nichts.

ACHTUNG: Stilbruch! Aus dem Dickicht sieht man in Kannibalenperspektive den Leutchen beim Essen zu und lauscht ihren belanglosen Unterhaltungen. Ähnlich wie in „Porno Holocaust“.

Es ist Nacht und die Sterne sind aufgegangen und neben der geilen Maggie schnarcht MacKenzie. Maggie blickt verstohlen auf Salvador und wir können uns alle denken wohin sie mit ihren Fingern gleitet – um es dezent auszudrücken. So dunkel ist es aber draußen noch nicht – na ja wenigstens die Grillen zirpen. Nach einigen Momenten fühlt sich Maggie doch zu allein und sie verlässt ihr Bett. Ganz Domina like befiehlt sie Salvador ihr zu folgen. MacKenzie ist mittlerweile aufgewacht und folgt den beiden. Mark denkt schon ans Abbrechen der Expedition, was Laura auf gar keinen Fall möchte – ganz die sensationsgierige Reporterin. MacKenzie beobachtet seine Frau und Salvador beim Liebesspiel. In seiner Männerehre gekränkt zieht er sich wieder ins Lager zurück. Dabei wirft er einen Blick in Isabellas Zelt und sieht Schwester Angela in einer unkatholischen Position. In Wirklichkeit hat es ihm aber Isabel angetan – das kann ich verstehen. Mark hat es anscheinend geschafft und Laura von der Notwendigkeit einer Umkehr überzeugt. MacKenzie verspielt Sympathiepunkte, indem er sagt, es sei ihm egal, ob er auf Tiere oder Kannibalen schieße. Falls wir es noch nicht gemerkt haben: MacKenzie ist der mean-guy in diesem Film – neben den Kannibalen versteht sich. Maggie und Salvador kehren zurück und alle legen sich schlafen. Maggies und Donalds Liebesleben scheint nicht gerade allzu rosig sein und für diejenigen, die es noch nicht wissen sollten: Maggie scheint auch nicht gerade so unschuldig zu sein, wie sie vorgibt. Die beiden scheinen ein mysteriöses Ziel zu verfolgen.

Am nächsten Morgen wird Manolo tot aufgefunden – sieht ziemlich gut aus – und wir werden erinnert, dass es ja ein Erotik- HORROR Film ist, den wir ansehen. Auch das Boot ist verschwunden. Wohl oder übel they have to team up und durchkämmen von nun an gemeinsam den Dschungel. Maggie verrät uns die wahren Absichten der beiden: Sie wollen Diamanten finden. Und mein Lieblingssatz von Mark kommt auch: Auf Lauras Frage: „Gibt es hier keine Piranhas?“, antwortet er lässig: „Nein, das Wasser ist zu flach. Aber seid vorsichtig wegen der Anakondas!“ Da weiß ich gar nicht, was mir lieber ist: Von Piranhas oder Anakondas getötet zu werden. Als nächstes wird Maggie von einer Mücke gestochen. Philipe scheint entweder überdurchschnittlich begabt oder Doktor oder beides zu sein: Nach einer Blitzdiagnose schneidet er Maggie die Wunde auf (es ist ein Erotik- HORROR Film!). Maggie scheint außerdem ein Problem ohne Alkohol zu haben. In einer Bucht finden sie den Leichnam von Pater Morales. Unbeeindruckt geht der Trip jedoch weiter (Minuspunkt!). Philipe scheint auch noch Biologe zu sein, denn er erkennt eine von einem Baumstamm fallende Pythonschlange ohne sie richtig anzusehen als ebensolche und entwarnt die ihm nachfolgenden. So einen Expeditionsleiter bräuchte man öfter! Weil wir uns gerade im Horrorteil des Filmes befinden, ist Isabel als nächste dran: Sie fällt in eine Treibsandgrube. Trotz Marks Instruktionen (Nicht bewegen), rudert die gepeinigte mit ihren Armen – wer würde aber in so einer Situation schon Ruhe bewahren. Wieder gibt es eine kurze „aus-Kannibalen-Sicht“- Sequenz. Obwohl Donald Wache schieben sollte, interessiert er sich vielmehr für das Hinterteil der schlafenden Isabel, das er in einem unbeobachteten Moment befummelt und ihn sichtlich stimuliert. Irgendwann wacht die Kleine aber auf und schreit um Hilfe, was in einer Prügelei zwischen Professor und Profijäger ausartet. Und Mark zieht hierbei den Kürzeren bzw. den Kinnharken. Durch Maggies beherztes Dazwischentreten wird aber schlimmeres verhindert.

Als nächstes steht Schwester Angela auf der „Abschussliste“: Sie wird beim Verrichten ihres katholischen Geschäfts (im Off) von Kannibalen gekidnappt. Alle beginnen sie zu suchen blablabla … es beginnt fade zu werden. Philipe stirbt durch eine böse Kannibalenfalle – leider konnte ich nur schlecht erkennen, wie, da zu dunkel. Aber das muss schon so sein: Die Dschungelkenner zuerst, damit die anderen nur noch mehr Dummheiten begehen.

SPLATTER: Es folgt die Ausziehung, Nippel-ab und dann Aufschneidung von Schwester Angela. Die anderen müssen wohl oder übel zuhören, denn ein Eingreifen wäre laut Donald tödlich für alle. Ist gar nicht so schlecht gemacht und weckt Erinnerungen an „Black Emanuelle in Amerika“. Und Mahlzeit.

Nächster Tag, nächstes Abenteuer: Donald bemerkt richtig, dass Kannibalen keine Kühltruhe haben und sich daher alle nacheinander holen, damit sie länger Frischfleisch haben. Ja, das wollte ich nur mal von ihm gehört haben – außerdem beweist Donald erneut wortgewaltiges in einem Streit mit Mark. Sollte Donnie mir sympathisch werden? Maggie findet ein Flugzeugteil – sie hat Augen wie ein Adler – und allmählich können wir uns auch Donalds und Maggies Geschichte zusammenreimen. Aber ich will nicht zu viel verraten. Kurz darauf finden sie Schwester Angelas Plastikkopf auf einem Pfahl gespießt. Laura bricht in Geschrei aus und wird von Mark geohrfeigt – wow musste das eine Ehe sein zwischen Gemser und Tinti. Da machen selbst brutale Gesichtsschläge nichts! Wenigstens entschuldigt sich der Grobian bei ihr.

Um es kurz zu machen: Auch bei der nächsten Wache verabsäumt Donnie seine Pflichten und weckt lieber Maggie. Sie finden auch kurz darauf das Flugzeug (eine kleine Maschine übrigens – wer eine Boing erwartet hat, wird enttäuscht) und die in einer Box gehorteten Diamanten. Der Freudentaumel scheint auch ihr Liebesleben wieder in Schwung zu bringen aber Kannibalen kündigen sich durch die für sie typischen Zwischenschnitte aus dem Dickicht an. Solche Diamanten wirken wie Viagra – bevor die beiden aber fertig „spielen“ können werden die Kannibalen aktiv: Maggie wird entführt und Donald kriegt einen Speer in die Schulterpartie.

Leider funktioniert das Funkgerät im Flugzeug auch nicht mehr, wenigstens gibt es ein funktionstüchtiges Schlauchboot mit Paddeln inklusive Leuchtpistole. In einer notdürftigen Operation (obwohl Doc Philipe schon tot ist) wird der Speersplitter entfernt und Donald beichtet seine ganze Geschichte: Das Flugzeug ist vor zwei Jahren abgestürzt und Donnie und Maggie sind scharf auf die Diamanten im Flugzeug (wirklich tolle Geschichte). Mark vermutet das Dorf auf einer Insel und nach einer kurzen Nachhilfestunde in Apiakerreligion. Ich verrat es euch aber nicht!!! Oh wie klug Mark doch ist!

Am nächsten Morgen überquert die von Mark in zwei Gruppen geteilte Kompanie den Fluss (sollte man eher sagen den See?). Begleitet werden sie von Nico Fidenco Mucke. Drüben angekommen finden Mark und Laura ihr Boot, während die anderen von Kannibalen gefangen werden. MacKenzie hält sich trotz Verletzung ziemlich gut und Laura nutzt die Gelegenheit aus dem Gebüsch ein paar Fotos vom Kannibalendorf und seien Einwohnern zu machen. Und woher Mark das gesamte Wissen über die Kannibalen hat, wird mir langsam aber sicher schleierhaft. Von denen hat doch auch schon lange niemand mehr etwas gehört!? Was ist nur mit der Logik los. Salvador wird beim Übergriff erstmal gekillt, Isabel und Donald werden ins Dorf geschleppt.

Isabel wird mit Drogen ruhig gestellt und Maggie, an zwei Pfähle gebunden mit einem Messer aufgeschnitten und ausgeweidet. Sieht gar nicht mal so übel aus! Mark und Laura schauen aus relativ sicherer Position (wie wir auch) unbeeindruckt zu. Als nächstes wird Donald mit einem Seil, das ihm um den Bauch gespannt wird, zweigeteilt. Billig, aber effektiv!

Isabel wird nackig gemacht und anstatt sie zu töten, machen die Kannibalenmänner das, was wohl viele Männer in Anbetracht der feschen Isabel machen würden. Dazu gibt´s von Mark die Erklärung, dass die Kannibalen einmal im Jahr dem Wassergott eine schwangere Frau opfern. Da Isabel noch nicht schwanger ist liegt die Betonung auf NOCH, denn die Jungs machen sich über sie her. Ich frage mich ernsthaft, wie dieser Kannibalenstamm überhaupt überleben kann: Keine Frauen und wenn, dann werden sie geopfert. Diese Logik in Kannibalenfilmen!

Die in den letzten dreißig Minuten doch eher passive Laura hat eine zündende Idee. Sie malt sich (fragt mich nicht, wo sie die Farbe her hat) das Zeichen der Wassergöttin auf den nackten Body. Bodypainting also. Mark ist not amused über den Vorschlag, hat aber auch nichts besseres anzubieten. Die Kannibalen befördern Isabel an den Strand zum Opferstein der Wassergöttin und im Wasser lauern gut versteckt hinter Büschen Mark und Laura im Boot.

Bevor der Chief mit dem Speer zustechen kann, schießt Mark mit seiner Leuchtpistole und aus dem Wasser steigt Laura einer Göttin gleich. Die Kannibalen sind sichtlich überrascht und auch die Musik suggeriert uns, dass etwas wahrhaft göttliches geschieht. Obwohl Isabel vor wenigen Sekunden noch benebelt war, geht sie folgsam mit und wieder im Fluss schwimmen die beiden los. Spätestens jetzt merken auch die Kannibalen den Schwindel und verfolgen die beiden, die von Mark in Empfang genommen werden.

Laura ist mit einem Gewehr ausgerüstet und schießt die Verfolger über den Haufen, weil Lester zu blöd war und den Motor ausgeschaltet hat, während die beiden zugestiegen sind. Dummheit muss bestraft werden, aber wir wissen ja alle, dass das noch mal für etwas Spannung sorgt! Schon wähnen sie sich in Sicherheit und möchten sich ANziehen (wieso das denn?) kriecht der Stammeshäuptling unter dem Boot hervor. Durch einen beherzten Paddelschlag von Laura wird auch er ins Nirvana befördert.

Ende gut alles gut? Zum Schluss würgt uns D´Amato noch einen gesellschaftskritischen Aspekt nach dem anderen hinein: Sensationsgier der Reporter, Rassismus, Geldgier. „Laura, es ist nicht unsere Schuld!“, versucht Mark sie zu besänftigen und zu „Make love on the wing“ rollen die Abspannscredits durchs Bild.

Das waren sie also 89 Minuten Erotikhorror. Und meine Einstellung zu diesem Meisterwerk hat sich Gott sei dank nicht geändert!

Nicht dass ich den Film für wichtig, bedeutend oder gar professionell gemacht halte. Er ist einfach unterhaltsam – nicht unbedingt unterhaltend. Denn die Langeweile, die sich die ersten 70 Minuten fast ununterbrochen zeigt, zeugt nicht gerade von großem Unterhaltungswert. Für diejenigen, die den Film aber zum ersten Mal sehen, reicht´s gerade noch.

Dr. Acula ist ja bekanntlich kein so überzeugter Fan von D´Amato wie ich, um es vorsichtig auszudrücken. Was können ihm also die Nicht-fans vorwerfen: Eine dilettantische „Story“ – angeblich so wahr, wie Minardifahrer Formel 1 Weltmeister werden, nervtötende Discomusik von Meister Fidenco, bad acting (wenn überhaupt), keinen Funken von Erotik (gut, diesmal sind es ja zwei fesche Damen), psychedelische Kameraführung, alles in Allem ein Flop also.

Und dann kommen die so genannten Fans, die genau das so lieben: Die Langeweile in vielen seiner Filme, die trotzdem unterhaltsam sind (erklären kann ich mir das auch nicht), das nicht-vorhanden Sein von Story und Schauspielern und die in meinen Ohren tolle Musik von Fidenco und co. Und was ist so falsch daran, warum werden wir Fans von vielen Seiten etwas belächelt? Im Gegensatz zu Jess Franco oder (würg) Bruno Mattei ist D´Amato doch ein Künstler, der wenigstens ETWAS zustande bringt. Und bevor ich mir den Hass der Jess Franco Fans oder gar seinen persönlichen aufhalse, muss ich sagen, seine Filme gefallen mir fast genauso gut wie die von Massaccesi. Und Mattei hat ja wenigstens in „Hölle der lebenden Toten“ bewiesen, dass er keine komplette Niete ist, was ich nach dem „Genuss“ von seinem Erotikfilm auf Vox über eine Schweißerin zu glauben wagte.

Diese Filme strahlen halt alle etwas besonderes aus, etwas, das nicht allen von uns zu schätzen gegeben ist. Wer nur dem Mainstream folgt, wird sicherlich keine Freude an diesen Filmen haben – wird sicherlich überhaupt keine Freude an niedrig budgetierten und leicht experimentell angehauchten Filmen haben. Aber auch unter Trashfans gibt es Leute, die mit diesen Filmen nichts anfangen können. Geschmäcker sind nun mal verschieden. D´Amato jedoch als billigen Schundwareregisseur abzutun wäre insofern falsch, als dass ihm durchaus ansehnliche Filme gelungen sind (Elf Tage elf Nächte zum Beispiel). Und auch wenn D´Amato sich immer nur als Geschäftsmann bezeichnete, so glaube ich, dass hinter seinen Filmen doch auch eine künstlerische Seite steckt – mal mehr, mal weniger.

Aber zurück zu diesem Film, der in der Nähe Roms an einem See gedreht wurde. Schon allein das macht ihn so liebenswert, dieser Umstand fällt nämlich kaum auf und Nachwuchsregisseure können sich da ein dickes Scheibchen abschneiden.

Laura Gemser ist eine mittelprächtige Schauspielerin, mehr prächtig als mittel und liefert hier aufgrund einiger Fehler keine Glanzleistung ab. Zudem scheint sie am Anfang stumm zu sein – mit dem Doktor im Irrenhaus beispielsweise spricht sie prinzipiell nicht. Monika Zanchi hat etwas besonderes an sich, ein Talent für große Rollen ist es aber nicht. Für die überzeugende oberflächliche Darstellung in D´Amato Filmen reicht es allemal. Gabriele Tinti mag ich nicht so gerne und es ist auch unrealistisch, dass er immer alles weiß – aber nicht seine Schuld. Donald O Brian hat schon bessere Tage gesehen, ebenso Susan Scott. Mein Gott, was bekritteln wir die Schauspieler, erwartet irgendjemand in einem Erotik-Kannibalenhorrorfilm oscarreife Glanzleistungen? Eben. Und da haben wir auch schon das meiner Meinung nach größte Manko des Films: Er will Erotik- und Kannibalenfilm zugleich sein und dass (hier wieder die objektive Bemerkung) bei D´Amatos „Inszenierungstalent“ früher oder später beides in die Hose geht, ist zu erwarten. Als Fan muss ich sagen, dass die Mischung interessant, aber nur halbgar ist – mich haben die Snuffszenen in „Emanuelle in Amerka“ jedoch mehr gestört – wenigstens bleiben die Pferde im Stall. Die Kannibalen sehen zwar gut aus, sind aber trotzdem unauthentisch („Seit wir die neue Perlweiß- Zahnpasta verwenden, sehen unsere Zähne aus wie die von … in Rom lebenden Philippinos“ – denn das sind sie ja) – aber nicht so schlecht wie die in Eaten Alive (diejenigen, die Lenzi selber hatte, nicht die aus anderen Filmen!).

Bei aller Liebe: Nackt unter Kannibalen ist zwar recht nett, aber keine sehr gute Arbeit nach D´Amato Maßstäben, das gebe selbst ich zu. In der ersten Minute etwas Splatter, dann rund 50 Minuten Softcore, dann ein paar Minuten versuchte Spannungsbögen mit leichtem Horrortouch, schließlich wieder Softcore bei den Kannibalen und nach etwas Action sogar Sozialkritik. Alles das hat der gute Joe zu einem Brei zusammengematscht und keiner wird so richtig glücklich darüber. Selbst wenn die Horror und Erotikszenen für sich gesehen gut bis passabel sind, zusammen „zerstören“ sie einfach die „Atmosphäre“. Und dass die angesprochene Sozialkritik am Schluss mit den Worten „Es ist nicht unsere Schuld“ quasi ins nichts verpufft, oder das Gegenteil bewirkt, ist auch logisch: Die mussten es wegen der Hautfarbe tun.- Es ist nicht unsere Schuld.

Was bleibt also abschließend zu sagen: Der Film ist einfach nur nett für Fans und schlecht für Hasser. Die echten D´Amato Fans werden sich eher auf andere Werke des Meisters stürzen – kennen werden sie ihn alle. Als Einstiegsfilm ist er aber insofern geeignet, da er sowohl die Horror- als auch die Erotikfacetten D´Amatos zeigt, und das waren ja seine Hauptbetätigungsfelder.

Die Frage ist aber hier: Ist der Film partytauglich? Ja, wenn keine Frauen anwesend sind – für einen Herrenabend reicht der Film allemal!

Die nur für den Verkauf in Österreich bestimmte Hartbox von X-Rated ist nicht nur sehr schön gestaltet, sondern birgt auch die altbekannten Rechtschreib- und Formfehler wieder, so heißt es zum Beispiel „… von denen es keine Entkommen gibt“ – das aber nur am Rande, da es im DVD-Inside Forum vor kurzem Diskussionen zu dem Thema gab. Was wirklich zählt ist das Innere und die DVD bietet den Film in guter Bild- (bissi viel Rauschen) und Soundquali. Die Extras sind kurz, aber informativ, vor allem für diejenigen, die nicht wie ich in den Genuss der Dokumentation „Joe D´Amato – totally uncut“ kamen. Bildergalerie und Trailer runden das Gesamtbild ab. Im Gegensatz zur ultramiesen Blood Edition von LP eine sich lohnende Anschaffung.

Das soll es von meiner Seite aus aber gewesen sein…

(c) 2008 Eduardo D’Amaro


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


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