Left Behind: Vanished – Next Generation


  • Deutscher Titel: Left Behind: Vanished - Next Generation
  • Original-Titel: Left Behind: Vanished - Next Generation
  • Alternative Titel: Vanished - Left Behind: Next Generation
  • Regie: Larry A. McLean
  • Land: USA
  • Jahr: 2016
  • Darsteller:

    Amber Frank (Gabby Harlow), Mason Dye (Josh Jackson), Dylan Sprayberry (Flynn), Tom Everett Scott (Damon), Jackson Hurst (Eric Harlow), Brigid Brannagh (Sarah), Keely Wilson (Claire Harlow), Rachel Hendrix (Rachel), Randy LaHaye (Nicolae Carpathia), Nick Caruso (Eugene)


Vorwort:

Begeben wir uns wieder mal in die wunderbare Welt des evangelikalen Aufklärungsfilmes. Wir hatten da ja schon einige hochgradig erfreuliche Erlebnisse mit so schönen, gutherzigen und wohlfeilen Werken wie MEGIDDO – THE OMEGA CODE 2, 2012: DOOMSDAY oder COUNTDOWN JERUSALEM. Doch vom Gottvater (ähm) des evangelikalen Propagandafilms hatte ich bislang die Finger gelassen – LEFT BEHIND.

Für die Uninitiierten- ursprünglich ist LEFT BEHIND eine Romanserie von Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins, die sich in dispensationalistischer Exegese Bibel speziell mit der Offenbarung, und dort mit des Evangelikalen Lieblingsthemas, dem „rapture“, der „Entrückung“ der wahrhaft Gläubigen, befasst. Außerhalb der evangelikalen Bibelwerferkreise wurde die am Ende 16 Romane umfassende Reihe wahlweise verlacht oder wegen ihrer intoleranten Weltsicht scharf verurteilt, und selbst innerhalb der evangelikalen Bibelwerferkreise ist die Reihe nicht unumstritten, da die Dispensationalisten (die davon ausgehen, dass die biblische Geschichte in distinkte Abschnitte unterteilt sind, die jeweils ihren eigenen, unterschiedlichen göttlichen Prinzipien unterliegen) auch nur eine Strömung innerhalb des evangelikalen Protestantismus (u.a. bei den Baptisten, Pfingstlern oder Charismatikern) ausmachen und ihre meist am Wortlaut der Bibel angelehnte Auslegung insbesondere der Offenbarung von anderen wichtigen Gruppierungen (z.B. den Presbyterianern) nicht geteilt und teilweise sogar als Häresie verurteilt werden.

Nichtsdestotrotz – gerade in den USA ist diese Variante des Evangelikalismus weit verbreitet und auch politisch einflussreich. Die LEFT BEHIND-Serie lief daher in diesen Kreisen begreiflicherweise gut und so wurde auch an eine Verfilmung gedacht. Hauptamtlich übernahm das der vormalige Kinderstar Kirk Cameron, der irgendwann mal einen Hirnschlag erlitten haben muss und als Hardcore-Born-Again-Christ wieder erwachte. Für die von ihm und mit ihm in der Hauptrolle produzierte Trilogie konnten sogar Mitteklasse-Regisseure wie Bill Corcoran oder Craig R. Baxley (of ACTION JACKSON fame) gewonnen werden. Mit den Filmen war’s wie mit den Büchern, die eigentliche Zielgruppe wurde gut bedient, außerhalb dieser Kreise war die Reaktion „peinliche Betroffenheit“ , „milde Amüsiertheit“ bis „fazialpalmieren“.

Enter Nicolas Cage. Seufz. Mr. Cage hat bekanntlich noch nie ein Drehbuch gelesen, das ihm zu schwachsinnig war, und, gut, angesichts seines Lebenswandels und der sich daraus ergebenden finanziellen Situation kann man die „ICH SPIEL ALLES“-Attitüde auch irgendwo nachvollziehen. Und so ließ Cage sich auch breitschlagen, 2014 in einer „Mainstream“-Adaption von LEFT BEHIND (allerdings eines anderen Handlungsstrangs als die Cameron-Trilogie), inszeniert von Bond-Stunt-Koordinator Vic Armstrong, mitzuspielen (Zwei Anmerkungen: 1. Wer willentlich in KNOWING mitgespielt hat, schämt sich sowieso für nix. 2. Härter als Cages Mitwirkung an LEFT BEHIND trifft mich die von Lea Thompson). Die 16-Mio-Dollar-Produktion spielte weltweit 27 Mio. Dollar ein und kassierte die angemessenen miesen Kritiken sowohl von der seriösen Filmkritik als auch des nicht-evangelikalen Publikums.

Doch was ein echter Hardcore-Christ ist, lässt sich nicht entmutigen. Und Randy LaHaye, Sohn des mittlerweile verstorbenen Roman-Co-Autors Tim LaHaye, ist ein echter Hardcore-Christ. Und Randys Überlegung ging zweifellos wie folgt: Die christliche Botschaft in Form eines Katastrophenfilms mit Nicolas Cage unters Volk zu bringen, ging schief, aber was geht zur Zeit an den Kinokassen ab wie Schmidts Katze? Young-Adult-Dystopien wie THE HUNGER GAMES oder ALLEGIANT. Und im Fernsehen schaut jeder Depp den Survival-Horror von THE WALKING DEAD. Es müsste doch ein Leichtes sein, den Offenbarungsstoff so hinzubiegen, dass ein dystopischer Young-Adult-Survival-Drama bei rumkomt. Und da MÜSSEN die Kids von heute doch reinrennen!

Nun, LEFT BEHIND: VANISHED – NEXT GENERATION (overcomplicated titles rule!) lief SO toll, dass für den mit sehr moderaten 2 Mio. Dollar budgetierten Film keinerlei Einspielergebnisse zu finden sind und es nicht EIN professionelles (oder auch nur ein Leser-) Review auf Rotten Tomatoes archiviert ist. Clearly, this film has overachieved…

Und weil mir vor nix mehr graust, hab ich mir die spektakulärerweise erschienene (!) deutsche Blu-Ray für’n Fünfer organisiert. Ich bin ja auch im Auftrag des Herrn unterwegs.

Inhalt:

Wir befinden uns in Chicago und unsere Protagonisten sind im Umfeld der Familie Harlow zu finden. Da hätten wir zunächst die 16-jährige Gabby (Amber Frank, EMMA’S CHANCE, A KILLER WALKS AMONGST US), unsere Hauptfigur. Ihr bester Freund aus Sandkastentagen ist Josh Jackson (Mason Dye, TEEN WOLF, BOSCH), und wir können schnell feststellen, dass er durchaus interessiert wäre, die Beziehung zu, äh, vertiefen, dieweil Gabby ihn als Bestie-Kumpelfreund sieht. Josh bewohnt also die von allen Sackträgern geliebte Friendzone. Gabby hat eine elfjährige Schwester namens Claire (Keely Wilson), und die Rolle der offiziellen Erziehungsberechtigten hat Mutter Teresa (Danielle Lily Shaw, CBGB) inne, weil Daddy Eric (Jackson Hurst, DROP DEAD DIVA, VAMPIRE DAD) beruflich unterwegs ist. Teresa ist auch die Christin unter den Harlows (in der Wohnung hängt auch ein großes Metallkruzifix), während der Rest der Sippe mit Jesus & Co. nicht sonderlich viel am Hut hat.

Eines schönen Tages sind Gabby, Josh und Teresa auf der Straße unterwegs, als sich direkt vor Gabbys verdutzten Augen zwei Fahrzeuge ineinander bohren. Gabby will den Verunfallten zu Hilfe eilen, aber, huchelchen und hachelchen, die Mobile sind leer bis auf die Klamotten der ehemaligen Fahrer (es ist ja eines dieser entzückenden Details der Rapture-Mythologie der Evangelikalen, das man, ist ja auch irgendwo angemessen, nackt, wie derdaoben einen schuf, in den Himmel auffährt). Das ist schockierend genug, aber auch kein Einzelfall – überall liegen plötzlich Klamottenbündel herum, insbesondere auch da, wo gerade eben noch die liebe Mama rumstand. Binnen Sekunden bricht in der City das totale Chaos aus – verzweifelte Menschen suchen ihre verschwundenen Angehörigen, die ausgelösten Unfälle lösen Brände aus, und keiner weiß, was passiert ist…

Selbstverständlich versinkt die Stadt (und die Welt auch, da es sich um ein globales Phänomen handelt) innerhalb von Sekunden im Chaos. Gabby und Josh schlagen sich irgendwie zur heimatlichen Wohnung durch, wo sie feststellen, dass Claire weg ist. Erste Befürchtungen, sie sei auch verschwunden, werden durch einen Zettel, wonach sie sich ein Eis kaufen wollte, aufgehoben, aber, wie gesagt, auf den Straßen herrschen Chaos, Plünderungen, das Recht des Stärkeren. Gabby und Josh sehen Claire an der Hand eines fremden Jungen fliehen. Josh möchte dem Fremden prophylaktisch aufs Maul hauen, aber Claire erklärt schnell, dass Flynn (Dylan Sprayberry, TEEN WOLF, MALIBU HORROR STORY) ihr geholfen habe, vor diversen üblen Typen zu entkommen. Die bewussten üblen Typen, Plünderer, die, wie das in solchen Filmen halt ist, nur darauf gewartet haben, endlich ihre MAD-MAX-Fantasien ausleben zu können, sind auch nach wie vor hinter ihnen her, und so nehmen nun alle vier die Beine in die Hand und retten sich durch eine Hintertür in ein Gebäude – eine Kirche (der Film lässt offen, ob Flynn, der die Gruppe führt, bewusst in die Kirche gerannt ist oder es einfach nur das nächstbeste greifbare und Schutz versprechende Gebäude war).

Pastor Bruce Barnes (William Gabriel Greer, PARANORMAL BLACKTIVITY, ALIENS VS. TITANIC) ist nur zu gern bereit, die Schutzsuchenden aufzunehmen (auch wenn mir ein Pastor, der nicht „entrückt“ wurde, nicht ganz geheuer wäre) und sie mit tröstenden Sermonen zu beglücken – offensichtlich betrachtet Barnes besonders Josh als ein konvertierbares Schäfchen. Die Ruhe währt nicht lange, da einer der Anwesenden ein Gasleck bemerkt (tja, Gott hat’s wirklich auf euch abgesehen). Mit Müh und Not gelingt die Räumung der Kirche, bevor der ganze Laden samt der Architektur in himmlische Gefilde aufsteigt. Josh steckt dabei im allgemeinen Tohuwabohu eine Speicherkarte des Pastors ein.

Gabby schwingt sich zur offiziellen Entscheiderin unseres Heldenquartetts auf und beschließt, dass man Papa Eric suchen wird – es gelingt ihr immerhin, trotz des hoffnungslos überlasteten und wenig später total zusammenbrechenden Mobilfunknetzes kurz Kontakt mit Daddy aufzunehmen, der zu Protokoll gibt, dass er auf dem Weg nach Chicago sei. Also wird man ihm entgegengehen, und dies im Wortsinne, nämlich auf Schusters Rappen, dafür aber augenscheinlich Luftlinie. Nun, da, wie gesagt, die Zivilisation innerhalb von Minuten zusammengebrochen ist und auf den Straßen Krieg herrscht, ist es zwar einerseits einigermaßen vernünftig, durch die Natur zu lustwandeln, aber wie man dabei Papa finden will, der ja motorisiert unterwegs ist, ist mir relativ schleierhaft. Egal. Das Wandern ist also des Teenagers (und des Pre-Teenagers) Lust, doch irgendwann knurrt der Magen. Nach einiger Zeit findet das Quartett einen gegen einen Baum gefahrenen Trecker, dessen Fahrer sich ebenfalls in den Himmel verabschiedet hat, und eine Sandwichdose, mit Inhalt. Nicht gerade ein fürstliches Mahl für vier Personen, aber beggars can’t be choosers.

Der Film hat eine (hihi, „eine“) Schwäche und das ist Schilderung des Zeitablaufs. Wie sich der Film vor dem Auge des Betrachters abspielt, fühlt er sich so an, als würde er komplett innerhalb zwei-drei Tagen spielen, aber es vergehen wohl Tage, Wochen, Monate… man weiß es nicht so genau. Jedenfalls geht alles vor die Hunde, und wer – gerade auf dem platten Land- noch „da“ ist, der legt wenig Wert auf Besuch. Verbarrikadierte Häuser, mit Stacheldraht umwickelte Zäune, freundliche an die Garagentüre gepinselte Botschaften a la „WE HAVE A GUN“ (Wie die Arrogant Worms sagen würden: „You got ONE gun? Teeheehee… ``) – nirgends wird zum längeren Verweil geladen oder Hilfsbereitschaft ausgestrahlt. So stapfen Gabby und ihre Rasselbande weiter… bis sie auf einmal ein vertrautes (also zumindest Gabbie, Claire und Josh vertrautes) Automobil bemerken – Erics Kalesche, aber verunfallt, jedoch zumindest ohne Leiche auf dem Fahrersitz. Die Kids spekulieren darauf, dass Eric sich im nächstgelegenen Haus aufhalten könnte und unterziehen die Hütte einer Untersuchung.

Da ist aber schon jemand. Nicht der rechtmäßige Eigentümer, sondern ein paar Redneck-Hillbilly-Plünderertypen. Gabby beansprucht wutig Auskunft hinsichtlich des väterlichen Verbleibs und führt sich generell so auf, als würde ihr der Platz gehören, dabei ist sie hier genauso Eindringling und Hausfriedensbrecher wie die Plünderer, jedenfalls gewiss nicht berechtigt, hier vom moralischen hohen Ross aus auf die Knalltüten herabzupredigen. Die Plünderer wissen natürlich von nichts und verweisen darauf, dass das Haus leer gestanden habe (und jetzt ja unwidersprochen finders-keepers-Regeln gelten) und sich Gabby ganz allgemein nicht so haben sollte (ein Film, der es leicht macht, mit den fuckin‘ Plünderern zu sympathisieren, hat Probleme, ganz besonders, wenn er „christlich“ sein will). Weil Gabby eine dumme Nuss ist, greift sie sich ein Messer und macht Anstalten, auf den Chef-Plünderer (also den, der aussieht, als hätte er wenigstens ein bisschen Grips) loszugehen.

Okayokay, das mit dem Eskalieren ist jetzt auch relativ. Josh und Flynn stehen nämlich absolut auf dem Standpunkt, dass es irgendwie nicht so die ganz besonders oberknorke Idee ist, sich mit ein paar erwachsenen Tunichtguten einzulassen und zerren Gabby und Claire in den ersten Stock, knallen eine Tür hinter sich, schlagen dort ein Fenster ein und proklamieren die Flucht übers Dach. Dabei zieht sich Claire ein Schnittwunden-Aua am Bein zu (SPLÄDDA! I keed, I keed…). Die Verfolgung durch die Plünderer ist einigermaßen halbherzig, und so gelingt die atemberaubende Flucht ohne weitere gravierende filmreife Ereignisse.

Ihr merkt schon, dieser Film ist ein Thrillride, bei dem man pausenlos vor Spannung auf der Sitzkante hin- und herrutscht. Da fallen einem vor lauter Nägelbeißen die dritten Zähne aus.

Aus unerfindlichen Gründen ist der bessere Kratzer an Claires Laufstelze so gravierend, dass dringend medizinische Hilfe benötigt wird. Zu meiner Zeit wäre das zwar mit etwas Spucke und bestenfalls einem Micky-Maus-Pflaster erledigt gewesen, aber die Kinder heutzutage sind ja verweichlicht. Zum Glück stoßen unsere „Freunde“ auf ein Farmhaus, das intakt und zumindest nicht direkt abweisend aussieht. Und in der Tat – die Bewohner des Hauses sind hilfsbereit und lassen die Rasselbande ein. Vorstehhund der Farm ist ein gewisser Damon (Tom Everett Scott, DIE JAGD ZUM MAGISCHEN BERG und Murphys ursprünglicher Aufpasser in Z NATION, was ich aufgrund der WALKING-DEAD-Ähnlichkeiten, die bald noch aufdringlicher werden, beinahe für einen gelungenen Casting-Coup halten würde, täte ich diesem Franchise den Willen und die Fähigkeit zu absichtlichen Casting-Coups zutrauen) – Moment mal: „Damon“. Wie stehen die Quoten, dass der sich als böse entpuppen wird? Okay, 1,01:1, allergünstigstenfalls), seine Schwester Brigid Brannagh (MARVEL’S RUNAWAYS, ANGEL: JÄGER DER FINSTERNIS) kümmert sich als Krankenschwester um die sooo schwer verletzte Haxe Claires („sie hat sehr viel Blut verloren“. Durch DEN Kratzer? Meine Güte, der selige badmovie-Kater Pucki hat mir tiefere Wunden verpasst).

Damon erklärt indes Gabby, warum’s hier so verhältnismäßig gut aussieht. Er ist (bzw. war, denn der Fall ist ja nun eingetreten) Prepper und deswegen auf alle Eventualitäten weltuntergangstechnischer Art vorbereitet. Logischerweise standen seine Nachbarn etc., die ihn zuvor verlacht hatten, zu Kreuze kriechend vor seiner Tür, und weil Damon ein Netter ist, hat er sie nicht weggeschickt. Es gibt allerdings einen Deal – wer von seinen Vorbereitungsmaßnahmen profitieren will, der muss auch etwas als Gegenleistung bieten können, und wenn alle anderweitigen Stricke reißen, dann bleibt immer noch die jeweilige Arbeitskraft. Damons reichhaltige Felder bestellen sich nun mal nicht von selbst (wir erkennen: damit das irgendwelchen chronologischen Sinn ergeben kann, müssen seit dem Rapture schon Wochen vergangen sein). Alles in allem nicht der unfairste Deal, von dem ich je gehört habe, und auch Gabby kann sich der Logik von Damons Argumentation nicht verschließen.

Es wird also entschieden, dass Gabbys kleine Truppe erst mal hier bleibt – bis Claires Huf wieder verheilt ist, sowieso, und als Zentrum und Leuchtturm der Zivilisation ist Damons Farm vielleicht auch ideal, um abzuwarten, ob Papa Eric nicht vielleicht hierher findet. Es ist ja auch eine glückliche und zufriedene kleine Community…

Gabby schließt sich also mit Flynn der Feldarbeiterschar an, Claire rückt damit heraus, dass sie Flynn, zwar nicht namentlich, aber vom Sehen her kannte und dass der Junge bei den Obdachlosen auf der Straße gelebt habe, Gabby und Sarah führen eine erste kleine Diskussion über den Glauben an und für sich, wobei Gabby sich stark auf den Standpunkt „Gott + Jesus sind hübsche Märchen für Willensschwache“ kapriziert und Josh kommt endlich mal dazu, sich um seine erbeutete Datei aus des Pastors Kirche zu kümmern. Barnes erläutert in dem Video, was denn eigentlich passiert ist – bisher hat, wer sich darüber überhaupt Gedanken gemacht hat, spekuliert und Theorien von „Giftgasattacke“ bis „Alien-Invasion“ (letzteres vorgeschlagen von Claire. Die könnt‘ mir beinah sympathisch werden) vorgetragen. Aber, wir wissen es natürlich längst, und Barnes erklärt es nun auch Josh, der Rapture, und Josh, bislang eigentlich auch dem Atheisten- oder bestenfalls Aushilfschristenverein angehörig, kommt ob der theologischen Ausführungen des Pfaffen ins Nachdenken.

Nachdenken muss er aber auch über viel weltlichere Dinge, denn eines schönen Tages (wie schon gesagt – wann auch immer genau, der Film ist da keine große Hilfe) bemerkt Josh beim schönsten Pflügen und Jäten, wie sich Gabby und Flynn ins die Farm umgebende Gewölle und Gewälde absetzen. Seine mutmaßlich schlimmsten Befürchtungen erweisen sich als vollkommen angebracht, denn auch wenn die Turteltauben sich nicht gleich direkt gegenseitig in die Schlüpfer steigen, ist Quality-Zweisamkeitzeit natürlich der Sinn der Übung. Die Beiden character momenten also – allerdings weitgehend uninteressant – vor sich hin, doch da! Beim Herumscharwenzeln in der Prärie bemerken unsere verhinderten Teenlover, dass die Farm über einen bislang unbekannten „Außenbezirk“, aus diversen Frachtcontainern zusammengebaut und von bewaffneten Wachtposten, eh, bewacht, und da ist auch Damon, und der Typ, der da vom ruhmreichen friedlichen Führer der Community ganz offensichtlich als Gefangener in eine sargähnliche Folterbox gestopft wird… das ist doch… nein, das kann doch nicht… aber doch, es ist niemand anderes als Eric Harlow! Schock! Potz! Sapperlot!

Also, surprise, surprise, Damon (DAMON!!) ist nicht der friendly neighborhood prepper you can rely on, nein, er ist unser Ersatz-Negan in einer WALKING-DEAD-Welt ohne Zombies. Das ist ja soooo ein Twist.

Gabby und Flynn hasten zurück zur offiziellen Farm, wo sie von einem sehr sehr sehr kritisch blickenden Josh erwartet warden, aber dessen Vermutungen, Mutmaßungen und schlimmste Albträume über wilden Teenagersex, an dem er nicht beteiligt ist, lassen sich zwar für ein paar Sekunden in seiner Mimik lesen, müssen aber warten. Genau genommen werden sie nie wieder erwähnt werden. Yeah, it’s that well written. Warum muss die Aussprache auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden? Weil Damon kein Großer Diktator geworden ist, ohne eine Geheimpolizei zu haben, und die hat die unerlaubte Entfernung Gabbys und Flynns vom sprichwörtlichen Acker selbstverdingslich bemerkt und gepetzt. Darum erhalten sie auch eine Privataudienz beim Großen Boss persönlich. Der ist zunächst sein ganz verbindlich-freundliches „eigentlich-bestimmt-meine-Schuld-weil-euch-keiner-gesagt-hat-dass-ihr-da-nicht-hin-dürft“-Selbst, aber als Gabby – immerhin, sie ist nicht doof genug, gleich die „das ist mein Papa, du Schüft!“-Karte zu spielen, die Geheimniskrämerei sanft kritisiert, bekommt Damon einen ordentlichen Rappel und faltet die armen Teens nach Strich & Faden zusammen, Marke „wer seine Füße unter meinen Tisch usw“.

Nachdem Josh in die neuesten schlimmen Entwicklungen eingeweiht ist, ist man sich selbstverständlich einig, hier keine Sekunde länger zu bleiben und natürlich auch den lieben Mr. Harlow zu befreien. Claire ist erfreulicherweise wieder des Laufens mächtig. Bei Nacht und Nebel schleicht sich die Bande also zur Container-Baracke und pflückt Eric aus seinem unbequemen Gefängnis. Happy Family Reunion. Eric kunftet aus, dass er nach seiner Autopanne (Ihr erinnert Euch) auf die Farm kam und zunächst ob seiner diversen praktischen Kenntnisse auch durchaus bei Damon wohlgelitten war, bis er die ungute Idee hatte, dessen Führungsstil zu kritisieren.

Stichwort Führungsstil. Als guter Führer hat Damon die Flucht seines Lieblingsgefangenen bemerkt und zur Verfolgung geblasen. Seine Unterlinge sind ob des freundlich geäußerten Wunsches ihres Oberkäses, die Flüchtigen möchten doch bitte tot oder tot zurückgebracht werden, geringfügig irritiert, denn vom Leute totschießen hat bislang niemand was gesagt und das geht dann doch dem einen oder anderen zu weit, aber Damon hängt den großen Massa raus und befiehlt strikte Loyalität. Zudem wird er sich an der Jagd auch höchstselbst beteiligen.

Dieweil Eric sein Töchterlein darüber in Kenntnis setzt, dass es noch andere Gefangene gibt und die noch zu befreien wären, spürt Damon die Flüchtigen auf. Aus sicherer Distanz legt er sein Gewehr an und zielt zunächst auf Eric, überlegt es sich dann aber anders und – erzböses Ekelpaket, das er ist – nimmt lieber Gabby ins Fadenkreuz. Eric hat allerdings den Spinnensinn gepachtet und wirft sich in die Schussbahn. Es war ein kurzes Vergnügen.

Wie üblich kann Eric vor dem Dahinscheiden noch dramatisch verkünden, dass er mittlerweile an Gott glaube und deswegen bald mit seinem geliebten Besen Teresa wieder vereint sei und deswegen in Frieden abtreten könne.

Gabby möchte nun dringlich den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllen und die verbliebenen Gefangenen befreien und nebenbei noch Damon ordentlich eins einschenken. Man teilt die Kräfte also auf – während Claire im Wald warten soll (und wahrscheinlich von einem Bären gefressen wird o.ä.), soll Flynn die Gefangenen befreien, Josh die Farm in Brand setzen und Gabby selbst will Sarah (und deren Tochter? I’m sorry, ich hab das echt nicht wirklich mitgekriegt… Rachel) überreden, sich ihrer merry band of misfits anzuschließen. Das mit dem „Farm anzünden“ halte ich zwar für ein bisschen overkill (zumal die meisten derer, die sich dort aufhalten, mit Damons „Schreckensherrschaft“ ja nicht wirklich was am Hut haben), aber meine Güte, Schwund ist überall, nur die Harten komm‘ in Garten usw. usf.

Flynn gelingt es tatsächlich, in den Container vorzudringen, in dem noch zwei Gefangene festgehalten werden, und das Vorhängeschloss zu knacken, dieweil Josh nie geahnten pyromanischen Neigungen nachgehen darf. Sarah steht Gabbys Wunsch aufgeschlossen gegenüber – auch wenn sie nun gesteht, dass sie von Erics Anwesenheit und der unfreiwilligen Verlängerung derselben, wusste, und sich nun hierfür wortreich entschuldigt. Damon ist halt, ungeachtet seiner vielfältigen moralischen Verfehlungen, letzten Endes immer noch ihr Bruder, und Blut, dicker, Wasser und der ganze Käse, aber nunmehr ist er zu weit gegangen, hat den Rubikon überschritten, langer Sinn kurze Rede, jau, sie und Rachel gehen mit.

Ein Problem hat indes Flynn, der von einem von Damons bewaffneten Wächtern ertappt wird. Der aber ist eigentlich ein guter Mensch und hätte heftige Gewissensbisse, täte er die Gefangenen und ihren Befreier erschießen und so kann Flynn ihn dazu überreden, sie gehen zu lassen.

Flynn führt also die Gefangenen (wer die sind, was sie angestellt haben, und was sie sich davon versprechen, mit Gabbys Gruppe weiterzuziehen, wird uns der Film nicht verraten) zum Treffpunkt mit Claire, während Sarah für den Rest der Gang ein Auto requiriert. Unterwegs fällt Gabby doch noch ein, dass sie irgendwo noch ne kleine Schwester im Wald stehen hat. Also steigen Gabby und Josh aus, um ihre Resttruppe einzusammeln, man will sich dann an einem anderen Farmhaus wieder mit Sarah und Rachel treffen.

Damon ist nicht unverständlicherweise quite pissed und weiterhin in bester Meuchelmordstimmung auf der Verfolgung seiner neuen Intimfeinde, indes sich der Film um das Andenken der bad continuity verdient macht. Mit den beiden befreiten Knallchargen besteht Gabbys Gang jetzt aus sechs Personen, aber nun, wo Damon sich wieder mit seinem Schießgewehr bemerkbar macht, flüchten nun nur vier Personen (eben Gabby, Josh, Flynn und Claire) weiter. Das könnte man theoretisch damit erklären, dass die zwei Nachtwächter sich verselbständigt haben, aber, wie Future Doc mich unterrichtet, sobald das Problem Damon geklärt ist, sind die Typen ohne jede Erklärung plötzlich wieder da.

Also, klären wir halt das Problem Damon. Die Viererbande flüchtet sich in ein in der Pampa herumstehendes leerstehendes Lager-/altes Fabrikgebäude, mit dem schießwütigen Damon hart auf ihren Fersen. Flynn gerät in die most pathetic death trap ever, indem er mit einem Fuß durch den Holzboden bricht und feststeckt. Es ist bekanntlich UNMÖGLICH, sich in der Situation irgendwie zu bücken oder hinzusetzen und den zwanzig Zentimeter tiefer hängenden Quanten mit den eigenen zwei gesunden Händen wieder rauszuziehen.

I tells ya.

Flynn ist ganz “lasst mich zurück”, aber ausgerechnet sein Rivale um Gabbys Gunst, Josh, ergreift die Intiative und Flynns Käsemauke, wobei er sich diese heldenmäßige Heldenaktion auch hätte sparen können, denn der Raum, in den sich die ganze Blase geflüchtet hat, ist eh eine Sackgasse und so kucken unsere vier von der Tankstelle dümmlich in den Lauf von Damons Kugelgebe.

Damon spielt nun endgültig den Negan und unterbreitet ein unmoralisches Angebot – er ist ja nicht nachtragend, aber einen, Flynn oder Josh, wird er erschießen. Gabby darf sich aussuchen, wen. Gabby springt vor Begeisterung nicht gerade aus dem Fenster, aber dankenswerterweise nimmt ihr der liebe Gott die Entscheidung ab. Damon bricht durch den Boden, und landet rücklings eine Etage tiefer, wobei er sich offenbar das Rückgrat bricht und verstirbt. Der hält auch nix aus, Negan würde so einen kleinen Unfall weglachen. Wenn das nicht der Gottesbeweis ist…

Wundersamerweise wiieder zu sechst (s.o.) geht die Reise wieder weiter, von dem Treffen mit Sarah und Rachel ist nicht die Rede, und dann, auf einmal, stolpert die Bande über einen ganz normal geöffneten Gemischtwarenladen in der Middle of right fuckin‘ Nowhere. Die Überraschung ist natürlich groß. Der verblüfften Reisegruppe wird von der Ladenbesitzerin eröffnet, dass schon seit gestern alles wieder funktioniert und die Welt an und für sich sich wieder berappelt hat. Es gibt sogar wieder Fernsehen, und das bringt unsere Helden up-to-speed. Es hat ein bisschen gedauert, aber das Militär hat die allgemeine Ordnung wiederhergestellt, das Leben beginnt wieder in geordneten Bahnen zu verlaufen. Gabby trifft nun doch Rachel und Sarah wieder (wie auch immer) und kann ihr versichern, dass sie jetzt auch an Gott glaubt, und dann entern unsere vier Freunde einen Greyhound-Bus, um zurück nach Hause, nach Chicago zu fahren (wir lernen daraus: die hätten die Krise gemütlich daheeme aussitzen können). Auf der Fahrt beobachtet Gabby ein paar Militär-Drohnen, die im Tiefflug die Straße überpfeilen und ist for some reason sehr beunruhigt ob dieses Anblicks. Josh beschäftigt sich weiter mit den Videos von Pater Barnes…

… und damit sind wir jetzt an dem Punkt, an dem der Film den „Goodwill“, den er bis dato durch einen relativ entspannten und vergleichsweise subtilen Umgang mit dem Thema Religion und Glauben , mit Schmackes verspielt.

Barnes zweites Video geht nämlich in die Vollen – wenn die erste Rapture-Krise mal vorbei ist, erläutert er, geht’s erst richtig los, denn dann beginnt die Schreckensherrschaft des Antichristen, der eine Weltregierung etablieren wird, und das ist, das wissen wir ja aus den anderen Filmen von und für radikale Bibelwerfer, das Teuflischste, was der Teufel jemals an Teuflischem rumteufeln wird!

Barnes‘ Prophezeihungen sind natürlich vollkommen richtig, wie das Quartett in Chicago feststellt, wo auf allen Werbebildschirmen eine Rede live von den Vereinten Nationen übertragen wird. Es spricht Nicolae Carpathia (Randy LaHaye, der Sohn des Co-Autors), und derjenige, der im Post-Rapture-Chaos das Heft des Handelns in die Hand genommen und sich als der Führer, den die verzweifelte Welt gebraucht hat, an die Spitze der globalen Politik gesetzt hat. Das ist dann auch der offizielle tie-in in die Welt des regulären LEFT-BEHIND-Franchise, wo Carpathia, being the Antichrist, der Hauptschurke ist (wie m.W. auch das Buch lässt auch der Film die Frage, wie sich ein nach dortiger Lore rumänischer Provinzpolitiker zur globalen Führungsfigur entwickeln konnte). Carpathia verkündet unter allgemeinem Jubel und Applaus sowohl von UN-Delegierten als auch lauschender Menschenmenge, dass die Zeit für eine einheitliche Weltregierung (AHA!!!), die sich Humanität und soziale Gleichheit auf die Fahnenschreibt (THE DEVIL’S WORK!! THE DEVIL’S WORK!!!!), und eine einheitliche Weltwährung (DOPPEL-AHA!!!) gekommen ist! „Der Mann macht mir Angst“, behauptet Claire und Gabby kann ihr nur zustimmen… bibber… zitter… fortsetzungandroh….

Seufz. Seufzseufz. Seufzseufzseufz.

Ich glaube, Ihr könnt nachvollziehen, was mein größtes (wahrlich nicht mein einziges, aber mein größtes) Problem mit LEFT BEHIND: VANISHED – NEXT GENERATION (neben dem unnötig komplizierten Titel, of course) ist. Falls Ihr die Inhaltsangabe übersprungen habt (Mistköppe!), allow me to reiterate:

Für gut 75 Minuten seiner (erfreulicherweise eh recht kurzen) 86 Minuten Laufzeit ist der Streifen, dafür, dass er ein explizit evangelikal-religiöser Film ist, im Umgang mit den damit unvermeidlich eingehergehenden evangelikal-religiösen Themen geradezu subtil und zurückhaltend. Klar, der „rapture“ ist selbstverständlich der zentrale Punkt des Films, aber das Drehbuch von Kim Beyer-Johnson (NASH BRIDGES, MY LITTLE PONY: FREUNDSCHAFT IST MAGIE. Eh? WAS? Muss ich jetzt noch dem MLP-Franchise die Freundschaft kündigen?) und Joan Considine Johnson (ABENTEUER MIT TIMON UND PUMBAA, RUGRATS, SUE THOMAS: FBI) planiert dem Zuschauer die religiöse Message nicht mit der Dampfwalze ins Hirn, sondern konzentriert sich (nicht wirklich GUT, aber dazu später) darauf, seine Abenteuergeschichte zu erzählen. Es gibt zwei-drei Dialogszenen, in denen Charaktere sich über ihren Glauben oder ihren Mangel an selbigem unterhalten, aber, da sind wir mal ehrlich, sie befinden sich in einer Situation, in einem Szenario, in dem es eher *unnatürlich* wäre, kämen ihre Gespräche nicht mal auf philosophische, moralische und, klar, Glaubensfragen (ich denke, auch im Marvel-Universum wurden nach Thanos‘ „snap“ in vielen Haushalten solche Diskussionen geführt). Und auch in diesen Gesprächen sind diejenigen, die die pro-religiöse Seite vertreten, nicht aufdringlich; sie mögen erklären, dass *sie* eben an Gott glauben, aber sie missionieren nicht. Und im Gegensatz zu praktisch jedem anderen evangelikalen Film, den ich bislang anzusehen das Missvergnügen hatte, ist der Film für 75 Minuten praktisch völlig frei von dem Hass auf Nicht- oder Andersgläubige, kommt nicht mit einem hämischen „hähä, weil ihr nicht entrückt wurde, werdet ihr in der Hölle schmoren, ihr verdammten Dreckssünder“, sondern bemüht sich im Rahmen der Möglichkeiten des Genres um eine hoffnungsvolle, inspirierende Botschaft. Der Tenor ist eben nicht das „preaching to the converted“, also die reine Ansprache der Zielgruppe, sondern ein „you TOO can be saved“, die Botschaft lautet also, auch wenn du, lieber Zuschauer, jetzt noch nicht an Gott glaubst, es ist nicht zu spät, auch wer nach dem „Rapture“ erst zum Glauben findet, kann Erlösung und den ewigen himmlischen Frieden finden. Das ist, selbstverständlich, keine Botschaft, die ich sofort und auf der Stelle unterschreibe und meine Atheistenclub-Mitgliedskarte auf den Müll werfe, aber schon ein einigermaßen wohltuend versöhnlicherer Ton als ihn MEGIDDO oder COUNTDOWN JERUSALEM pflegten.

Dann aber kommen die letzten fünf Minuten und die machen das alles kaputt. Klar, irgendwie MUSS der Film ja noch eine Verbindung zum eigentlichen LEFT BEHIND-Kanon hindeichseln, bis dahin erzählte er ja eine komplett, hihi, „eigenständige“ Geschichte ohne Verbindung zu Charakteren oder Handlungssträngen der Buch- oder Filmreihe (abzüglich natürlich der Entrückung an sich, aber die setzen wir ja mal einfach als gegeben voraus), insofern verstehe ich aus Sicht der Produzenten schon, was dieser Epilog soll, aber… er haut eben den ganzen Goodwill, die ganze Zurückhaltung, die ganze „inspirational message“ in Stücke, wenn in den letzten fünf Minuten DOCH wieder die ganze Silberplatte mit den Feindbildern der Fundi-Evangelikalen aufgetischt wird (ich sag ja: nur aus Sicht von fundamentalen evangelikalen Spinnern kann eine „Weltregierung“, die sich primär humanitäre Ziele setzt, Teufelszeug sein). Die Zielgruppe, die der Wiederkehr des Messias entgegenfiebert, wird begeistert sein, alle anderen sollten entweder abschalten, sobald Gabby und ihre Freunde den Laden erreichen, oder dafür sorgen, dass die Tischplatte gut gepolstert ist.

Nun, das ist nicht schön, wäre aber natürlich wesentlich tragischer, wenn es einen *guten* Film versenken würde und nicht nur einen bis dahin „religiös zurückhaltenden“. Tut es aber nicht, denn LEFT BEHIND ist, als *Film*, der eine unterhaltsame Abenteuergeschichte erzählt, ein Versager in so ziemlich jedem Gesichtspunkt.

Seine wesentlichen erzählererischen Cues „leiht“ sich der Film bei einer sehr bekannten Quelle aus, natürlich bei THE WALKING DEAD. Nun, ich bin bekanntermaßen kein WALKING-DEAD-Fan, hab aber genug davon gesehen, um guten Gewissens behaupten zu können – WALKING DEAD ist schon oft langweilig genug, wie langweilig wird dann WALKING DEAD ohne Zombies sein? Wer sich diese Frage jemals gestellt hat und noch dazu doof genug ist, unbedingt eine Antwort darauf zu wollen, findet diese (und ein amtliches Schlafmittel) hier. Der beste Part des Films sind noch die ersten knapp zehn Minuten, mit dem Rapture itself. Auch wenn der natürlich aufgrund des mickrigen Budgets des Films in einem relativ kleinen Rahmen gehalten werden muss (mehr als zwei-drei Straßenecken von Chicago sieht man nicht), hat der Film in dieser Phase zumindest noch ein wenig Zug, ein wenig Drive, und ein nicht völlig unglaubwürdiges Bild des unmittelbaren Impacts der Katastrophe (das hat sich z.B. das MCU in INFINITY WAR nicht wirklich getraut und erst in ENDGAME angerissen), der direkten, ungefilterten Reaktion der Übriggebliebenen, die von einer Sekunde auf die andere ihre Ehepartner und Familienmitglieder verloren haben. Dass das natürlich dann innerhalb von gefühlt fünf Minuten zum totalen Zusammenbruch der Zivilisation führt… das ist wieder nur dystopisches Klischee (zwar behauptet der Film, „Milliarden“ wären entrückt worden, aber ich hab gewisse Zweifel, dass es tatsächlich so viele wahre Gläubige gibt, und meine, dass der übriggebliebene „Rest“ durchaus in der Lage sein sollte, die Zivilisation, wie wir sie kennen, und das gesittete Zusammenleben halbwegs aufrecht erhalten zu können. Aber das ist halt die Falle, aus der sich die Autorinnen hier nicht rausschreiben können, würde es nicht so passieren, könnte der ganze Film sich nicht wie gewünscht abspielen, und das wäre… naja, uns vermutlich schon recht, aber nicht den Produzenten und der Zielgruppe).

Gut, wir kennen ja (hoffentlich) mein Mantra, dass die Prämisse eines Films blöd sein kann, wie sie will, wenn darauf logisch und/oder unterhaltsam aufgebaut wird. Daran hapert’s hier leider auch. Die Charaktere… sie sind uninteressant. Wenn man von „Charakteren“ reden will, denn das sind alles durch die Bank völlig eigenschaftslose Pappkameraden, über die wir nichts erfahren. Weder zu Gabby, Josh noch zu Flynn würden mir irgendwelche Adjektive einfallen, die sie *beschreiben* könnten, sie definieren, klar machen, wie sie ticken. Es gibt diese angedeutete Dreierbeziehung, aber auch die wird, quasi just, als sie wirklich greifbar wird (als Flynn und Gabby sich abseilen und Josh dies sehr wohl mitbekommt), auch wieder vergessen. Für Flynn bekommen wir den von Claire hingeworfenen Halbsatz, aus dem wir zumindest schlussfolgern können, dass er prä-rapture obdachlos war, und später gibt’s mal ein paar hingenuschelte Allgemeinplätze zu seinen Eltern, aber nichts davon macht aus bloßen Figuren, die Sätze aus dem Drehbuch aufsagen, *Charaktere*. Man könnte auf die Idee kommen, die Figuren blieben deshalb so leer, damit sie Projektionsfläche für den Zuschauer sein könnten, aber auch dann brauche ich doch irgendeinen Grund, *warum* ich mich auf diese Figur projizieren sollte (okayokay, ich bin kein Teenager, und an die richtet sich der Film ja primär, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es einem 16-jährigen da wesentlich anders geht als mir). Auf Fieslingsseite gilt das genauso – was Damon wirklich antreibt, ob und ggf. welche größeren Pläne und Ziele erfolgt, ja selbst, wie seine „Schreckensherrschaft“ nun wirklich aussieht, wie der alltägliche Terror, den er ja angeblich an seinen Gästen ausübt, aussieht, das alles ist bestenfalls vage, meistens aber völlig undefiniert.

Dann wären da die „Abenteuer“, der „Quest“, den unsere Helden verfolgen. Der kann simpler gar nicht sein („suche Person X, und, wenn diese Person gefunden und terminal wieder verloren wurde, überlebe“). Nie droht LEFT BEHIND ernstlich spannend oder aufregend zu werden, und, womöglich auch im Bestreben, die christliche Zielgruppe nicht zu vergraulen, nie baut der Film (abseits seines Epilogs, versteht sich) irgendwelche stakes auf, die wirklich mitreißen würden. Ob das in Chicago ist, die Konfrontation mit den Plünderern, oder selbst auf der Farm… das alles plätschert unaufgeregt vor sich hin, und selbst, wenn mit Eric Harlow mal einer der „Guten“ ins Gras beißt, ist das ja alles in Ordnung, weil er zuvor zu Gott gefunden hat und in Frieden sterben kann. Wie soll da Spannung entstehen?

Vielleicht hätte ein besserer Regisseur noch etwas retten können, aber Larry McKean ist nunmal hauptamtlich einer, der für’s TV arbeitet und hier seine erste Kinoproduktion abliefert. Man merkt’s, LEFT BEHIND pflegt einen flachen, farbarmen und undynamischen TV-Look, und zwar einen TV-Look aus „alten Zeiten“, als Fernsehen nicht das bessere Kino war, sondern low-budget-Serien wie PSI FACTOR, RELIC HUNTER oder CODENAME ETERNITY über die Mattscheibe flimmerten, und ich habe diese Serien nicht mutwillig genannt, sondern weil es solche sind, für die McKean u.a. tätig war. Mit den hiesigen Schreiberinnen produzierte er die Serien DOC (mit Billy Ray Cyrus, of all people) und SUE THOMAS, FBI, die sich auch nicht gerade ins kollektive Popkultur-Gedächtnis eingebrannt haben. McKean ist völlig unfähig, dem Film Schwung zu verleihen, ihm Struktur zu geben. Ich habe ja schon erwähnt, dass die Zeitabläufe verkorkst sind. Wie sich der Film spielt, wie er inszeniert ist, müssten sich die Ereignisse logischerweise innerhalb von drei-vier Tagen abspielen, aber damit das „world building“ hinhaut, müssten Wochen, wenn nicht Monate vergehen – ein Zwiespalt, der dem Film, der nun wahrlich genug andere Probleme hat – zusätzlich schadet; man bemerkt zwangsläufig diese Diskrepanz zwischen dem, was gezeigt *wird* und dem, was augenscheinlich gezeigt werden *sollte*.

Auch technisch fetzt einen der Film nicht gerade pausenlos vom Stengel. Die Kameraarbeit von Pete Wages ist langweilig, uninspiriert, flach, setzt keine optischen Reize, der Schnitt ist professionell, aber ohne Zug. Spezialeffekte gibt’s praktisch keine. Bemerkenswert wäre allenfalls die musikalische Untermalung – der Score an sich ist zwar auch nicht aufregend, aber der Soundtrack verfügt über einige anheimelnde, gut hörbare und gut eingesetzte alternative folk-/-rock-Songs.

Und dieweil sicher auch die Royal Shakespeare Company in All-Time-Bestbesetzung ein langweiliges Script und eine fußlahme Regie nicht retten könnte, so passt sich das tatsächlich rekrutierte Darstellerensemble der generellen „dullness“ des Films klaglos an. Die Jungstars sind zwar gar nicht mal so unerfahren, aber keiner von ihnen gibt sich wirklich *Mühe*. Weder Frank noch Dye noch Sprayberry sehen so aus, als hätten sie wirklich Bock auf diesen Film (was ich ihnen nicht verübeln kann) und absolvieren alles mit dem geringstmöglichen Aufwand. Wenn da noch am ehesten Keely Wilson als Claire heraussticht, sagt das auch viel für die Motivation und den Einsatz, den die drei Älteren an den Tag legen.

Einzig Tom Everett Scott als Damon legt zumindest ein bisschen Feuer in seine Performance, aber, verdammt, wir kennen Negan, wir wissen, WIE so ein Schurke gespielt werden kann und muss, und bei allem Bemühen ist Scotts Damon nicht mehr als ein Waschlappen-Abziehbild eines wesentlich charismatischeren Schurkens.

Die Blu-Ray von Eurovideo ist in Sachen Bild ordentlich (1.85:1), aber nicht herausragend, die deutsche Synchro ist nicht sonderlich gut, aber ich hab auch schon Schlimmeres gehört.

Also, Wort zum Sonntag, heute am Freitag… Ich war bereit, mit LEFT BEHIND: VANISHED – NEXT GENERATION einigermaßen nachsichtig umzugehen, weil er eben nicht die hasserfüllte Fundi-Propaganda zu sein schien, die ich im Genre normalerweise erwarte. Aber das ruinierte sich der Streifen dann ganz von selbst mit seinem Ende und legt sich selbst in die gleiche Schublade wie MEGIDDO oder 2012: DOOMSDAY (oder dem Rest des LEFT-BEHIND-Franchises). Muss ich meine Vorurteile über christlich-evangelikale Filme doch nicht ändern… Macht aber auch nix, denn es ist nicht so, dass einem ein packender Young-Adult-Abenteuerfilm entgeht, macht man um dieses Werk einen großen Bogen. Es ist ein Film, der seine Blahheit, seine Meh-Ness, seine Stumpf- und Mattheit beinahe wie eine Monstranz vor sich her trägt, ein Film, in dem langweilige Charaktere langweilig dabei gefilmt werden, wie sie langweilige Dinge tun. Was soll man also bei dem Film tun außer sich langweilen? Die in diesem Review oft erwähnten anderen Christploitationfilme mögen ihre Propaganda, ihren Hass auf alles Nicht- und Andersgläubige stolzer auf ihren Ärmeln tragen, aber sie sind dabei wenigstens deutlich unterhaltsamer…

© 2020 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 1


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