Lady Hunter: Prelude to Murder

 
  • Original-Titel: Redi hantaa: Koroshi no pureryuudo
  • Alternative Titel: Red Hunter: Prelude to Kill |
  • Regie: Takashi Miike
  • Land: Japan
  • Jahr: 1991
  • Darsteller:

    Yoshi Kashiwabara (Saeko)
    Kôsuke Morita (?)
    Naomi Morinaga (?)
    Isao Murata (?)


Vorwort

Abt. A Never Ending Story

Als zwanghafter Komplettist hat man es nicht leicht. Das eigene Wissen will den festgesteckten Interessen nach gefüttert werden (am besten parallel dazu auch die eigene Filmsammlung), was, je nach Interessenslage, dazu führt, das man Abgründe erkundet, die man eigentlich nie erkunden wollte, mit Lektüre und Filmsichtungen Zeit verbringt, die jeder vernünftig denkende Mensch wohl als unwiderbringlich verloren betrachten würde, und nach Ausgeburten der Filmwelt sucht, nach denen noch nie ein Hahn gekräht hätte (und jedes Ei verneinen würde, dass so etwas aus ihm schlüpfen könnte). Meine Faszination für Takashi Miike ist dabei vielleicht die mitunter schwerste Bürde, die ich in meiner Obsession als Filmfan und Komplettist mit mir zu schleppen habe. Wie bei den meisten anderen Leidensgenossen auch begann sie mit der deutschen VHS von FUDOH – THE NEW GENERATION (damals noch geschnitten aus der Videothek), dem Festival-Liebling AUDITION, der TV-Ausstrahlung von DEAD OR ALIVE und natürlich dem Release des berüchtigten ICHI THE KILLER, so wurde ich allmählich sogartig in die Welt des damals als Enfant terrible betitelten Japaners hineinzogen. Um das Oeuvre des umtriebigen Japaners erschließen zu können, dienten sich mir anfangs einige illegale Video-CDs seiner Filme (u.a. VISITOR Q, CITY OF LOST SOULS und DEAD OR ALIVE: BIRDS) an, im japanischen Originalton ohne Untertitel, bis sich die Auswahl seiner Filme durch deutsche Labels und ausländische Importe füllte. Eine komische, aber auch sehr erfüllende Zeit, in der die obsessive Suche am Ende eine befriedigende Belohnung preisgab, und sei es nur durch die Dopaminausschüttung der eigenen Hypophyse, wenn man schon den Film, den man nach langer Suche endlich sichten konnte, durch die Sprachbarriere mit keinem Wort verstand. Da seine Wurzeln im sogenannten V-Cinema, dem japanischen Direct to Video Markt liegen, war und ist es besonders schwer, an die früheren Werke Miikes heranzukommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der gute Mann auch schon in den 90ern ein Vielfilmer war, der sich im Jahr gerne mal mit einem halben Dutzend Projekte die Zeit totschlug. Mit seinen mittlerweile 61 Lenzen marschiert er stramm auf die hundert Spielfilme zu, die er als Regisseur inszenierte (dazu kommen noch einige Episoden von TV- und Web-Serien, kurze Dokumentationen und ein Musikvideo, weswegen von der Auslandspresse schon sein Samurai-Abenteuers BLADE OF THE IMMORTAL im Jahre 2017 als hundertster Film des Meisters kolportiert wurde, dem Miike dann, höflich, wie die Japaner es nun eben sind, auch nicht widersprochen hat, was aber natürlich Humbug ist). Meine Sammlung seiner Filme umfasst inzwischen mehr als die Hälfte seines bisherigen Gesamtwerks, auch wenn ärgerlicherweise viele seiner neuen Filme wiederum ihren Weg nach Europa partout nicht finden wollen, nur jeder Dritte landet mit Glück bei einem deutschen Label. Umso erfreuter war ich, bei einer meiner routinemäßigen Suchen einige seiner ganz frühen Filme auf YouTube zu entdecken, denn eine andere Möglichkeit, sie in Europa zu Gesicht zu bekommen, gibt es schlichtweg nicht (von einigen Bootleg-Klitschen im trüben Meer schwindender Rechtssichertheit mal abgesehen). Der vorliegende LADY HUNTER: PRELUDE TO MURDER ist dann tatsächlich auch sein Spielfilm-Debüt als Regisseur, zu dem er eher durch Zufall kam. Warum ist darum geht, möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Here we go!


Inhalt

Saeko liegt des späten Abends bei Licht an im Bett und träumt schlecht (hat ihr niemand gesagt, dass es nicht gut ist, wenn die Nachttischlampe die verschlossenen Glubscherchen durchgehen anstrahlt?), Bilder von Kampfhubschraubern und MG-Feuer geistern ihr durchs Unterbewusstsein. An anderer Stelle würde der Lehrer (oder Kindergärtner oder Tagesmutter) Ikehiro mit seinem Kollegen liebend gern Feierabend machen, doch die Mutter des kleinen Rikki glänzt durch Abwesenheit. Also beschließt er kurzerhand, den Kurzen mit nach Hause zu nehmen. Allerdings lauern vor dem Gebäude schon augenscheinlich böse Männer, die die drei heimwärts Strebenden verfolgen. Das fällt Ikehiro auch alsbald auf, der sein Bestes gibt, sich nicht von ihnen überholen zu lassen. Doch ein weiterer Bösewicht hat sich auf der Rückbank des Wagens versteckt gehalten (genau NEBEN seinem Kollegen, in einem Kleinwagen; wie hat der das dann nicht bemerkt?) und zwingt ihn nun zum ungemütlichen Zwischenstopp an einer düsteren Ecke im Nirgendwo. Als der Kollege den Helden spielen will, wird er angeschossen, kann die Gangster aber durch entzündetes Benzin, das da mal einfach so rumpfützt, ablenken, so dass Ikehiro Skillz als Fighter beweisen kann. Sie erreichen ein Appartementhaus, wo, wer hätte es gedacht, Saeko zu domizilieren pflegt. Und während Kollegah stiften geht, klingelt Ikehiro eben sie wach. Und das hat auch seinen Grund, denn Saeko und er waren mal in derselben Einheit beim Militär, bis Saeko, weil sie eben noch mehr Skillz hatte, geil krass als Lady Ninja zur US-Army ging. Zusammen halten sie der Belagerung durch Scharfschützenfeuer und eindringenden Söldnern (also mutmaßlichen) stand und können sogar die Aufmerksamkeit von Polizei und Feuerwehr erregen, indem sie das Auto von Ikehiros Kollegen in die Luft jagen (mit Hilfe eines selbstgebastelten Flammenwerfers, der sich schon zuvor zur Böse-Buben-Abwehr nützlich gemacht hat).

Nun haben wir auch schon fast die erste Hälfte des Films überstanden, ohne überhaupt zu wissen, dass Rikki der uneheliche Sohn des Königs (oder Prinzen?) von Moldawien ist, seine Mutter nach einem feigen Mordanschlag unter Polizeischutz im Krankenhaus verweilt, wo Saeko später eindringt, eine Krankenschwester bondagt und der verzweifelten jungen Frau verspricht, ihren Sohn zu beschützen, der sich derweil aber schon in den Händen der Häscher seines Vaters befindet, da es nicht ausreichte, dass Ikehiro ihn mit seinem Leben zu verteidigen bereit war, weswegen es für die beiden Ex-Militär-Kameraden schon mal kein Happy End gibt, auch wenn Ikehiro seiner Saeko noch gestehen kann, dass er sie eigentlich heiraten wollte, doch zumindest kann die smarte Saeko, die Infos über ihre Feinde von ihrem ehemaligen Führungsoffizier bezieht, der japanischen Nutten während einer durchzechten Nacht erzählt, dass ihm mal einer abgegangen ist, als er einem feindlichen Soldaten das Gesicht weggeschossen hat, den moldawischen Konsulats-Konvoy mit Hilfe des anderen Kindergärtners und seiner Schutzbefohlenen (Notiz: immer den Kindergärtner überprüfen, ob er das Blag vielleicht mit zu einer Rettungsmission eines kleinen Prinzen aus den Händen skrupelloser und schwer bewaffneter Söldner schleppt; ggf. Lebensversicherung für das Blag abschließen) auf ein verlassenes Fabrikgelände umleiten, wo die Söldner sich der leidigen Polizei-Eskorte entledigen, schwere Verluste durch Saeko einstecken, die hier Fallen aufgebaut hat und ihnen hinterher snipert, einen nach dem anderen ausschaltet, den Boss killt, Rikki befreit, aber dann einen Überlebenden mit Pistole in ihrem Rücken übersieht…

Besprechung:

Puh, 79 Minuten eines Direct to Video Actioners auf einige Sätze eingedampft. Das offenbart natürlich massive Spoiler, allerdings glaube ich kaum, dass jemand von euch Bock hat, sich den Film gleich mal reinzupfeifen. Und dann wahrscheinlich auch nicht, um sich noch von ihm in irgendeiner Art und Weise überraschen zu lassen, denn dafür ist die Plotte viel zu generisch. Zugleich stellt LADY HUNTER: PRELUDE TO MURDER die erste eigenständige Regie-Arbeit von Japans Enfant terrible (jedenfalls wurde er einige Zeit im Ausland so gesehen, daheim in Japan schlug sein Werk eher keine skandalösen Wellen) Takashi Miike dar, und der hat sich, wie der geneigte Fan vielleicht weiß, den größten Teil der 90er über in Produktionen des V-Cinema (so etwas wie Heimkino, nur dass damit die diesen Markt beliefernde Filmindustrie gemeint ist) ausgetobt.

LADY HUNTER ist nun auch nicht gerade das, was man sich von einem Film des Meisters erwarten würde (wenn man von so etwas wie Erwartungen bei Miike sprechen kann, der eben immer gerne diese gegen den Strich bürstet). Im Endeffekt handelt es sich hierbei um einen Actioner, wie es sie im Bereich des V-Cinema Anfang der 90er sicherlich wie Sand am Meer gab. Doch es finden sich schon einige Szenen, die spätere Trademarks des Kult-Regisseurs teasern. In der Szene im Krankenhaus, wenn sich Saeko zu Rikkis Mutter schleicht, die unter Polizeischutz steht, überfällt sie eine Krankenschwester, taucht dabei hinter ihr auf, setzt sie außer Gefecht, zerrt sie hinter eine Tür und schreitet dann in Schwesterntracht aus ebendieser wieder hinaus. Soweit, so normal. Aber Miike konnte es sich nicht verkneifen, uns noch einen ausschweifenden Blick auf die echte Krankenschwester zu gewähren, die sich nackt und gefesselt, in bester Bondage-Manier, auf einem Bett windet. Solch eine Bondage-Szene an sich ist im japanischen V-Cinema nun nichts ungewöhnliches, der Pinku und der Roman Porn waren seit den späten 60ern voll solcherlei Fetisch-Szenen, aber in diesem Kontext war sie so nicht erwartbar, was wieder typisch Miike ist. Er verwendet ähnliche Szenen auch in folgenden Filmen wie in der Manga-Verfilmung BODYGUARD KIBA, dem Billig-Kracher FULL METAL YAKUZA oder dem Yakuza-Drama LEY LINES, um den Zuschauer ein wenig aus der Fassung zu bringen. Es ist jetzt eben nicht so, dass das großartig innovativ gewesen wäre, aber er beweist großes Talent darin, einen damit immer wieder eiskalt zu erwischen. Bemerkenswert ist hier noch eine kurze Szene, als der böse Leading Man, dem ansonsten leider nicht viel Screentime gewährt wird, mit seinem Adjutanten scheinbar (keine Untertitel) die nächsten Schritte durchgeht, um sich von ihm dann kurz zärtlich hinterm Ohr kraulen zu lassen. Etwas, das man durchaus auch als ein kleines Miike-Ding zählen kann.

Ein weiterer schöner Moment bahnt sich an, wenn ihr ehemaliger Führungsoffizier mit zwei Prostituierten um die Häuser zieht und Anekdoten von seinen Einsätzen zum Besten gibt. So erzählt er von einer brenzligen Situation, als sein Magazin klemmte und ein feindlicher Soldat auf ihn zustürzte. Im letzten Moment konnte er die Waffe dann doch durchladen und ihm aus nächster Nähe das Gesicht in Fetzen schießen. Die Pointe an der Geschichte ist, dass ihm danach auffiel, dass er dabei in seine Hose ejakuliert hatte. Ejakulation und Körperflüssigkeiten gehören ja auch zu Miikes späteren Mittel, ein wenig anzuecken, allerdings bringt er es hier eher subtil in der Erzählung unter. Dabei ist natürlich genauso interessant, dass der Ex-Elitesoldat in Japan gestrandet scheint. Ungewollte und Heimatlose sind ja auch ein typisches Trope für einen Miike-Film der 90er bis frühen 2000er. Und genauso fühlt sich auch Saeko nicht wirklich in der alten Heimat zuhause. Ihre Beziehung zu dem Ikehiro der Gegenwart wird nicht näher definiert, aber sie kannten sich vom Militär, wo sie anscheinend mehr als Kameraden waren, bis sie zu den Lady Ninjas in die Vereinigten Staaten ging, wo sie im Einsatz ein Trauma erlitt (ihre Alpträume deuten auf einen erschossenen Soldaten, der noch sehr jung aussah, vielleicht ein Kind; wohl der Grund, warum sie bereit ist, den kleinen Rikki mit allen Mitteln zu beschützen). Ikehiro ist dabei der arme Tor, der sie nach ihrer Rückkehr wohl nur aus der Ferne anhimmelte und, wie wir bei seinem Ableben erfahren, gehofft hatte, Saeko zu heiraten, als sie aus den Staaten in die alte Heimat zurückkehrte. Es kann durchaus sein, dass ihr Verhältnis in den Dialogen weiter ausformuliert wird, aber leider fehlen dem Film an vielen Stellen erhellende Untertitel. Wahrscheinlich ist es aber ehedem kaum von Belang für die Rezeption.

Geil fand ich ja die Idee, dass Rikki der uneheliche Sohn des moldawischen Königs/Prinzen sein soll. Ich gehe jede Wette ein, dass die Autoren nur zufällig von dem Land, das 1991 seine Unabhängigkeit feiern durfte, in den Nachrichten gehört hatten und ihm als exotisches Osteuropa eine Monarchie andichteten. Die Begegnung der beiden, wie sie im Film geschildert wird, ist die 1000-mal erzählte nicht standesgemäße Romanze in einer offenen Weltstadt, hier New York. Aus dieser Romanze, die keine Zukunft hatte, entsprang dann der Stammhalter, den der Vater als sein eigen Fleisch und Blut beansprucht, ohne den nutzlosen Anhängsel eines menschlichen Brutkastens (auch hier gehen Teile der Erzählung im nicht untertitelten Japanisch unter, wiederum wohl auch nicht wirklich für den Fortgang der Geschichte von Belang).

Die Grundlage für die Motive der Protagonisten in LADY HUNTER: PRELUDE TO MURDER sind also zwei unglücklich Romanzen. Das offenbart keine menschlichen Untiefen, die ausgelotet werden wollen, ist aber zweckmäßig genug, um es nicht dringlich hinterfragen zu müssen. Der Film ist dann grob in drei Akte unterteilt. Im ersten steht die Belagerung durch die Schergen des Prinzen in Saekos Wohnung an. Das ist auch das eigentliche Highlight des Films, bietet ein spannendes Setup und im Rahmen seiner Möglichkeiten recht ansprechende Action. Hier darf die ehemalige Lady Ninja auch ihre Fähigkeiten als Elite-Soldatin unter Beweis stellen, indem die Gegner in vorher eingerichtete Fallen marschieren oder von ihr mit einem improvisierten Flammenwerfer geröstet werden. Damit bringt man die ersten 30 Minuten gut rum, auch wenn die unmotiviert eingeworfen wirkenden Traum-Flashbacks zu Beginn noch ein wenig nerven. Im zweiten Akt geht es dann um die Ermittlungsarbeit von Saeko; sie findet Rikkis Mutter, identifiziert durch ihren ehemaligen Kameraden ihre Gegner und sieht Irehiko in ihrem Armen, ihr seine fortbestehende Liebe beichtend, sterben. Nun geht es nicht mehr nur darum, aus einem allgemeinen Mutterinstinkt das fremde Kind zu retten, sondern auch den Freund/Liebhaber zu rächen. Im dritten und letzten Akt lotst sie die Bösewichte auf ihrem Weg zum Flughafen (wie ich annehme, wieder fehlen einige Untertitel) zu einem verlassenen Fabrikgelände (eines, wie wir es aus tausenden billigen Actionfilmchen, vorzugsweise gedreht im Ostblock, etwa Rumänien, kennen), wo sie einen Hinterhalt vorbereitet hat. Hierbei darf sich der Kollege Irehikos nochmal als nützlich erweisen, er bastelt mit seiner Kindergarten-Gruppe eine gefakte Baustelle zurecht und leitet den Konvoy als Bauarbeiter mit Kelle um. Das Finale gestaltet sich recht flott, aber nicht allzu spektakulär (wie gesagt, actionmäßig hat Miikes Inszenierung im ersten Akt anscheinend den Großteil seines Pulvers, ergo Budgets, wohl verschossen). Zumindest tappt einer der Soldaten in Bärenfallen, was ihn mit gespreizten Beinen am Boden fixiert, weswegen ihn Saeko dann genüsslich mit dem Scharfschützengewehr das Gemächt wegballern kann (hier haben wir dann eine mustergültige Kastration, die die Überlegenheit des Lady Ninja subtil unterstreicht).

Auch wenn LADY HUNTER (wieso eigentlich nicht gleich LADY NINJA, wenn sie doch in einer so betilten Truppe diente?) im Endeffekt ein V-Cinema Actioner unter vielen anderen ist, erkennt man doch schon typische Elemente des Regisseurs Takashi Miike, wenn auch von einer eigenen Handschrift hier wirklich noch keine Rede sein kann. Der darauf folgende EYECATCH JUNCTION (der aber letztlich einen Monat vor LADY HUNTER erschien) sollte da schon eher einen Wink geben, wohin die Reise für Miike gehen sollte. Eigentlich war der auch als Debüt für Takashi Miike, der sich vom selbstständigen Produktionshelfer bis zum Regie-Assistanten für u.a. Shoei Imamura hochgearbeitet hatte, als Regisseur vorgesehen. Während der Vorproduktion unterbreitete man ihm das Angebot, zwischenzeitlich eben noch LADY HUNTER: PRELUDE FOR MURDER herunterzukurbeln. Der Film ist eben nichts weiter als ein Reißbrettprodukt aus Fließbandproduktion, das man zumindest schmerzfrei konsumieren kann. Wäre der Name des Regisseurs eben nicht Takashi Miike, würde aber heute eben kein Hahn danach krähen (also noch weniger als sowieso schon). Das Budget war augenscheinlich mehr als überschaubar, es gibt wenige Sets, von denen das Appartement, das in der Belagerung zerledert wird, klar hervorsticht. Die Industrieanlage gegen Ende ist dann ein austauschbarer Platz für das Finale. Die Szenen in der Innenstadt und vor dem Krankenhaus sind, da gehe ich jede Wette ein, im Guerilla-Style entstanden, da Drehgenehmigungen in Japan halt sehr schwer zu bekommen sind und dann von langer Hand im Voraus beantragt werden müssen. Wir sehen zudem eine zweite Wohnung (die von Rikkis Mutter), ein Krankenzimmer und kurz das Innere eines Stripclubs. An Fotografie und Schnitt gibt es nichts zu beanstanden, da ist Abwechslung und Bewegung drin, Miike erscheint routinierter, als er damals wahrscheinlich war, was wieder für sein Talent spricht. Über die Qualität der pyrotechnischen Effekte lässt sich nur mutmaßen, da die auf YouTube verfügbare Version eine mäßige Kopie der japanischen VHS ist, die dann (an den wichtigen Stellen) mit englischen Untertiteln versehen wurde. Wer, wie ich, noch als Dinosaurier aus der VHS-Epoche stammt, ist schon schlimmeres gewohnt gewesen. Die wenigen Schauspieler (die ich größtenteils nicht einmal zuordnen kann) erledigen ihren Job zufriedenstellend, gerade Yoshie Kashiwabara, über die nichts weiter gesichertes in Erfahrung bringen konnte, macht einen annehmbaren Job als unsere taffe Heldin. Außerdem haben wir auch Bösewichte, die ohne großes Aufhebens auch als solche rüberkommen.

Fassung:

LADY HUNTER: PRELUDE TO MURDER gibt es, soweit ich weiß, offiziell einzig als japanische VHS, im Original natürlich ohne Untertitel (bis auf die Dialoge mit ihrem ehemaligen Führungsoffizier, mit dem sie Englisch redet, was dann Japanisch untertitelt ist). Wer also kein Japanisch kann, wendet sich mit der Titelsuche einfachshaltshalber an YouTube, dort wird man fündig. Es ist wahrscheinlich, dass sich auf irgendeiner dubiosen Seite eine Bootleg-DVD anbietet, dann sicherlich gemastert von eben der japanischen VHS und vielleicht sogar mit vollständigen UTs, aber das kann ich nicht mit Gewissheit sagen, von deren Existenz habe ich nur um die Ecke munkeln hören. Mein innerer Monk schreit diesbezüglich auch nicht so laut, dass ich 25 Dollar für eine on-demand DVD-R mit kopierten Cover ausgeben würde. Für die japanische VHS würde ich, ohne zu zögern, glatt das dreifache auf den Tisch packen. Sollte der Film mal auf einer lizenzierten DVD erscheinen (an Blu-ray glaube ich da nicht, würde sich wahrscheinlich qualitativ auch nicht lohnen) wäre ich als Fan natürlich brennend interessiert.

Fazit:

Wie man meinen vorangegangenen Worten vielleicht schon entnehmen konnte, ist LADY HUNTER: PRELUDE TO MURDER kein vollkommener Reinfall. Für Fans von Takashi Miike, die unbedingt mal auf die Anfänge des Regisseur zurückblicken wollen, bietet sich zumindest ein wenig Diskussionsstoff, aber selbst für Fans des V-Cinema dürfte er kaum als Must-see gelten, er ist da eher einer von vielen und sticht kaum aus der Masse hervor. Gut, der Film bietet schon Gewalt und Gore, eine tragische Romanze und ein bisschen Bondage, aber das gibt es in tausend anderen Filme aus dieser Ecke auch. Denn ganz nüchtern betrachtet, handelt es sich hierbei um ein billig und schnell produziertes Fließbandprodukt, dass eigentlich in der Obskurität verschwunden wäre. Nicht gänzlich schlecht, sogar decent entertaining, aber auch weit von guter, kurzweiliger Action entfernt. Wären nicht die kleinen Miike-Einschübe (Kriegsgeschichte, Krankenschwester-Bondage, Eierschuss), könnte man nach den ersten dreißig Minuten eigentlich schon abschalten. Wer neugierig ist, kann vorsichtig gen YouTube linsen, wer nicht, sollte die 80 Minuten Lebenszeit wohl mit Sinnvollerem (etwa zwei Folgen LASKO – DIE FAUST GOTTES oder THUNDER IN PARADISE) verbringen. Von mir als Hardcore-Fan gibt es natürlich ein Bier Bonus, das alle anderen abziehen dürfen.


BOMBEN-Skala: 5

BIER-Skala: 5


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